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Full text of "Deutsche Mythologie"

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DEUTSCHE 



MYTHOLOGIE 



Jacob Grimm 



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DEUTSCHE MYTHOLOGIE 



VON JACOB GRIMM. 



C. 



IVBRSITT, 



6ÖTTING££< 
IN DER D1£T£RICHSCH£M BUCHHANDLUNG 

18 3 5.' 



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G7 



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■1 



LIEBER DAHLMANN, als icli vor zwölf jaliren Ihre 
schöne abhandluDg über Saxo Jaa freute mich, dafs ^ver 
das recht der gcschiclite gegen clic sage gellend zu machen 
\>iisie nirgends die oigeuthünilichkeit dieser anzuerkennen 
imbereit war. Solch ein stanJpunct gebührte Ihnen ; und 
wie von ihm aus Sie den eindrang der sage in die ge- 
icfaichte darlegten, wäre es meine lust gewesen die ein* 
Wirkung der geschichle auf die sage gerade an demselben 
beispiel su entwickeln: was hernach Müller in gewissem 
sinn, doch nicht ganz wie ich es meine, gethan hat« 
Wdchen beider wege man einschlage, danach wird sich 
anderes licht ei^eben und anderer schattcnwurf. Sage und 
gesduchte sind Jedwedes eine eigne macht, deren gebiete 
auf der grenze in einander sich verlaufen, aber auch ihren 
gesonderten, unberührten gnind liab-en. aller »age grund 
ist nun mythiis, d. h. g^jUei ulauhe , wie er von volk zu 
irolk ii) uiicndliclier ahslufung wurzelt: ein vii l all^emei- ' 
neres, unstateres element als das historische, aber au um- 
fang gewinnend was ihm an fesligkeil abgeht. Ohne solche 
uiylhis(hc unterläge lalst sich die sage ni(ht fassen, so 
wenig als ohne geschefnie dinge die geschiclite. Wahrend 
die gesell iclile durch thaten der menschen hervorgebracht 
wird, schwebt über üinen die sage als ein schein der da- 
zwischen gla.'M, als ein (hift, der sich an sie setzt. Nie- 
mals wiederholt sich die geschichle, sondern ist überall 
neu und frisch, unaufhörlich wiedergeboren wird die sage. 
Festes Schrittes am irdischen boden wandelt die geschichte, 
die geflügelte sage erhebt sich und senkt sich : ihr weilen- 
des niederlassen ist eine gtuist^ die sie nicht allen Völkern 
erweist. Wo ferne ereignisse verloren gegangen wären im 
dnnkel der zeit, da bindet sich die sage mit ihnen und 
wetfs einen theil davon zu hegen; wo der niythus ge- 
schwächt ist und zerrinnen will, da wird ihm die geschichle 
ter stQtse. Wenn aber mythus und geschichte inniger zu« 
sanunen treflPen, und sich vermählen, dann schlägt das epos 
ein gerüsle auf und webt seine faden. Treffend gesagt 
haben 9ie: so sehr unterliegt die geschichte, welche kein 
Heifs der gfeiehzeitigen aufzeichnet, der gefahr im gedächt- 
nisse der menschen ganz zu verschwinden, oder fall« die 
sage sich ihrer bemächtigt zwar erhallen, aber zugleich in 
dem grade verwandelt zu werden, wie die härteste Irucht 



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(IV) 



iu die welchsley die liorbcsle in die süfseste durcli kiinst 
der Bubereiluog fast willkürlich übergclit. Die verwaud- 
luDgy den Übergang räume ich ein, nicht die Zubereitung, 
denn zubereitet nennen dürfen wir nicht was durch eine 
stiilthätige 9 uubewust wirksame kraft umgesetzt und ver- 
ändert wurde« £s gibt doch nur weuig enonnene sageifi 
keine, deren trug vor dem auge der critik nicht zuletzt 
schwände, wie die verfälschte geschichte weichen raufs 
einer weit grofseren macht der wahren; was aus Städte« 
nanien müfsige niünche des mittelallers etymologisiert, {enes 
niederländische mach werk des Hunibald , eines Annius von 
Viterbo Berosus, bringen weder der sage gefahr, noch der 
geschichte* Die geschichte hat es aber nicht vor der sage 
voraus, dafs man vergleichen kann; jede wird nur für 
ihre vergleichuogen des rechten mafsstnbes eingedenk sein. 

Aus veigleicliung der alten und un verschmähten jünge- 
ren quellen habe ich in andern büchern darzuthuo ge- 
strebt, dafs unseie Voreltern, bis in das heidentliuni hinauf, 
keine Nvilde, rauhe, regellose, sondern eine feuie , ge- 
i>cliniei(iii;o , >volgefiigc spräche redeten, die sich schon in 
Inihslcj* zeit zur poesie liorgegehen lialte; dals sie nicht in 
verwurronpr , ungeb.indigter horde lebli'ii, >ieln)ohr eii)c>s 
allhei'gebi aclilcu sinnvollen reclils in iieieni bunde, krallig 
blühender sille pllagen. Mit denselben luid keinen andern 
niilleln wullle ich jetzt auch zeigen, dals ihre herzen drs 
glaubeiis an goU und gottcr voll vvaren, dals lioilere und 
grolsarlige , >venn gleich unvollkoninme Vorstellungen von 
h(>heren >veseu, sicßcsfreude luid todcsvcrachlung ihr leben 
beseeliglen und an Ii ic bieten , dafs ihrer nalur und anläge 
fein stand jenes dunipfbriilende niederfallen vor gölzeu 
oder klotzen, das man, in ungcreijuteni ausdruck, fetischis- 
nnis genaruit hat. Diese beweisführung fühlt durch meine 
vorhergegangenen arbeilen sich erleichtert und gestärkt; 
das dritte foli^t hier innerlich nolhwcndig aus dem ersten 
und zweilta: ein volk, zur zeit wo seine spräche, sein 
recht gesund tla sIcIkmi und unversicglen Zusammenhang 
mit einem hnhercn allerilium ankiinib'gen, kann nicht ohne 
religion gewesen sein , und wir werden zum voraus ihr 
dicseibcü tugendcn und mängel beilegen dürfen, vvelclie 
jene auszeichnen. Unserer inythologie gebricht es indessen 
auch nicht an eigenthünilicheu , ihrerseits auf spraclie und 
recht zurückweisenden bestätiguugcn , au welchen sowol 
dem hisloriker gelegen »ein -mufs , wenn er die öden , vcr- 
lal'^nen anfange deutscher geschichte beleben will, als dem 
tlieologeu, um der ein Wirkung des christentluims auf dos 



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(V) 

lieideuthum , wie der spuren dieses in jenem eicher tu 
werden, i^s macht nher überLaupi l'reiide das leere haus 
wieder voller «i stellen. 

Nur ia einem punct war der gegenwärtigen unter- 
suchung ein abweichender gang vorge»clirieben. niemand 
xweifelt, dafs die fioidische spräche mit in den kreis der 
übrigen deutschen dialecle gezogen werden müsse, noch 
ist befremdet über die grol'se einstimmiing aller unterein- 
ander, eben so geringen anstofs haben die rechtsforscher 
an dem auffalfenden, bis in forinehi und worte reichenden 
einklang altnordischer und altdeutscher gebrauche genom- 
men, hür den heidnischen glauben hat man eine andere 
'nieinung gefafst^ weil seine quelle in Scandinavien reicli- 
lieh, in Deutschland sparsam fliefst: diese sehr begreif- 
liche Verschiedenheit ist zu der doppelten folgerung ge- 
misbraucht worden, um den Ursprung der nordischen niy- 
thologie stehe es verdftchtlg, und das übrige Deutschland 
sei gOtterlos gewesen, aus dem mangel des armen bniders 
schlofs man nicht etwa, dafs er sein gut verthan, sondern 
dafa der reiche bruder sein vermögen unrecht erworben 
habe, ans der wolhSbigkeit des begüterten entnahm man, 
dafs der dürftige gar nicht reich gewesen sein könne, 
jyiemals hat eine falsche critik Srger gefrevelt, indem sie 
wichtigen, unabwendbaren Zeugnissen trotzte, und die na- 
tui^mäfse entwicklung nahverwandter volksstämme leug- 
nete. Um sie aber auszurotten habe Ich wo! eingesehn, 
dafs ich nicht von einer darstellung der nordischen fülle, 
vielmehr der deutschen armut ausgehend, Khren lesen 
miiste, keine garhen schneiden durfte, erst aus solchen 
Shren und ihren kurnern habe ich nahrung zu gewinnen 
und Schlüsse zu zielicn gewagt; es ist dadurch aller be- 
sonderheit, w^ie ich liolFe, das recht gewalirl wui den. Denn 
cigentlniinlicljes und abweichendes tritt hlvv niclil anders 
wio in der spraclie ein und seiner babliaft zu werden liat 
dun höclistoii reiz. (Jrölt.er aber als die abweichung ist 
die Übereinkunft, nnd das friiber bekehrte, früher gelehrte 
Oeutscbland kann die unschätzbaren aulsclilns.^e über den 
y.usannrieiiliani; seiner ni) Ibenli innmer dadnn li den» reiche- 
ren Norden vergellen, dals es ibin allere bistorisebe zeugen 
für die jüngere niederscbreibung an liand liefert. Wie 
Deutschland keine runen auf steinen übrig bat, doch in 
büchern, die aller sind als die iilleslen nordiscben runsteine, 
so wird diu'cb den Wuotan des Jonas, Paulus, der liptin, 
sy noib' dei* eddisebe Odbinn neu gesicliei L Zweierlei fesi- 
zuhoilen, dui'au ist es hier gelegen: duis die uurdibehe 



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(VI) 



niyiliologie echt sei, folglich auch die dculsclic, uud dafs 
die deutsche all sei, folglich auch die nordische. 

Neben den lateinist licn /cugnissen, die von der Rumer- 
y.eit anheben uml ilurch das ganze nullelalter sich erstrecken 
(vielleicht gelingt e? , in den alleslen hciligenleben noch 
einiger habhaft xii wcnlen,) ist von mir auf volkssageu 
überall kein kleines gewicht gelegt, nrul lohnende ausbeute 
ans ihnen gewonnen worden. Ihren werth bezeichnet das 
verhallnis heutiger volksmuudarten ganz genau, in welchen 
sich uralter \vorl8tof, den die gel)ildetc spräche langst aus- 
geschieden hat, in menge findet, es ist wahr, die feineren 
formen der wörler sind zu grund gerichtet, die genaueren 
fugen des mythus gesprungen , allein die Wahrheit der 
gi'undbcdeutinig kann sicli tuivcrdorbeu bewahrt haben, 
besonders wichtig aber, ja entscheidend ist hier die analogie 
des abstauds deutscher, danischer und schwedischer volks- 
sageu von den älteren niylheu : wandelt eine neunordische 
Überlieferung die götter in rieeen, so darf sie eine deutsche 
SU teufein herunter drücken, und Saxo mag wiederum eine 
snitteistufe zwischen späterer tradiiion bezeichnen und der 
edda« Was die Veränderung des tons und der färbe in 
dem späteren Norden hervorbrachte ^ das mufs nothwendig 
auch früher in DetUscldand wirksam gewesen sein* Orteri 
geslirney thiere^ kräuler und steine nach göttern und gei- 
alem benannt waren sorgfältig zu verzeichnen ; sie bestä- 
tigen die längere wärmere dauer iiires cultvs. Aus den 
gedichten des milielalters hat sich zwar nur sparsamer, im 
einzelnen aber höchst Avichtiger gewinn für die myihologie 
ziehen lassen, ihre rerfasser hätten dieser grofsere dienst« 
leisten können , wäre nicht gesclimack und ausbildung des 
dreizehnten )h. überhaupt mehr auslindischen als einheimi« 
sehen stofien zugewandt worden» Albrechts von Ualber- 
stadt bearbeitung der ntetamorphosen , die manchen mythi* 
sehen ausdrücken gar nicht hätte ausweichen künneOi ditff 
hier besonders vermist werden. 

Für die ideutität nordischer und deutscher gStterlehre 
sdieinen mir folgende puncte sdilagend. fVuotan — Odbinn 
verbürgen, aufser den lat« Zeugnissen , den ags. stamm* 
sagen und den Ortsnamen, die benenmmg Wunach ^ ihr 
Zusammenhang mit den i4funsch flauen (öskmeyjar s. 236) 
und wunsciüiinäern (s. 507) ; eben lese Ich altd. blätt. 
\y 129 den merkwürdigen ausdruck wünnchelweiber ge- 
radezu von schwanjunglrauen gebraucht. Wuotan erscheint 
im wäifdiBlImt ^ im breiten hut, in dtr hekla o^er hakol^ 
er heiiat noch /tatelb^rend (s.5i'J), reüelauf dem »ehim^ 



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(VH) 

mel (».519. 530. 532), weidet sein pjerd (8.693) und 
besorgt ihm fulter (s. 104)'; als fViiotung zieht er, iler 
alte Siegverleiher, an drs \vütendcn heers spitze (8.515); 
von «reinem himinlischeu thron schaut er zur erde nieder 
(a. 97. 98,) Donar^ = Tiiurr ivSt durch das üptinische 
aetiguis, den donuerwagen, die donnerberge und eiche, 
durch das hammersymbol gerecht fertigt, der nord friesische 
beinanie des rothhaarigen srlieint mir ein unabweisbarer 
gmnd; deshalb vielleicht noch spielt um Friedrich rothbart 
die sage, der wie Thorr zum niuspilli \> iederkehren soll 
(s. 537.) Dafs Freyr Frduja und Fr6 set thut allein die 
sjiraclie ab, zumal auch Frerja s= Froufpa erscheint. Tfr 
ist j^iti; Baltac und Herimuot wfiren verschollen, hätte 
sie nicht die ags. Stammtafel bev^rahrt« Loki scheint noch 
aufsolaucfaen in Grendel^ aber ^lie sage der mondverschlin* 
giuig hat sich allgemeiner erhalten, den Oegir habe ich in 
UM Qnd Mcki nachanweisen gesucht, wozu man JFaaoU 
nehmra mufs. Fbsiie — Forseti mag immer noch beden* 
ken beiuilteB nnd der vreg offen bleiben, ihn an die Fosi, 
zu Tacitus seit ein den Cfaerusken verwandtes volk au 
knöpfeB; selbst an Faaolt stufst sein name* Unter deu 
gMlinnen ist, aufser Frouvra, auch JFrecia, vorzüglich 
aber Helia^ Hal/a und Hluodana (s. 156) dem nordi- 
schen kreise identisch ; bei andern stOrt römische ausle* 
gung oder veränderter volksname den grad der Sicherheit. 
Desto deutlicher überein stimmen göttinnen zweiten rangs: 
MiatAna^ Hilta^ Gunda^ DHU, J^tirt, die ags. välcyrie, 
der ganze bcgrif und mylhus von sckwanjrnuen und 
ordnerinnen des geschicks. In der reihe gütilichev heVlen 
steht dem deutschen niylhus manches eigne und ältere zu 
gebot, doch sind auch überzeugende eiustimmungen genug 
vorhanden. Ingo ist hfgvi \ fsc, Eacio vielleicht Askr, 
Irmin lebt in Zusammensetzungen, mit lormnn ; Airma-* 
nnreiktfj Hamat hiufi sind die eddischen Irirmunrekr, 
Haiildhir. dafs eben diese namcn in die golbi.s( lie, deut- 
sche, nordische lu'Uk'n}^ai;e eingreifen, und daiin hafteten, 
hebt iliie beweibkrall um ein grolses. auch Vülundr und 
Miuiir sind nuili in U iclant und Mi/ftero/t zu S|niren 
andern aidialt wurde die süchsische und Iriesisilie sage 
darbieten, wäre sie vollständiger ver/AMclmt l : Sccäl\ Beo^ 
}*irt ^ Fulvv'talda lassen kaum blicke tliun in das gewebe 
alter mytlicn, Svcifdäg ist Svipdagr. Ihusinga mene^ 
Furneotes Juline sind bedeutsame übei l)b'ib.scl. Fügt man 
zu aller dieser übcrpinkunll dir i;:in/,licbe gleichheit der 
uauicu, begrÜIv, ^ruiöcülhciiö der in^ llicu vuu s^t^trg^ 



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(vni) 



nreve, eian^ di$r9^ merimtnni, slrai^ ans^ regin, urloue^ 
mtupillij midjungardU^ der culhu ausdrücke pluozan, 
minne trinken, gtidjafliaruc u.s.w., «0 hört aller 
Zweifel auf und die ursprüngliche , unerborfte Terwandt« 
Schaft der deu Ischen und ncKrdischen gStterlehre wird au 
einer unerschütterlichen Wahrheit. 

Jede derselben steht um so siclierer und unanlaslharery 
Je mehr unterschiede und eigenthümlichkeiten den waha 
an entlebnung und Übertragung fem halten« auf solcher 
Terschiedenheit eben beruht idle Spaltung der vdlfcer in 
stfimme, der sprachen In dialecle, der mythen in epen, 
jenes erblühen eines frischen lebens aus bindender allge- 
meinlieit^ und ich weifs nicht was Iiicr mehr freuen kann, 
das trennende zu gcwalircn oder das einigende. Unter den 
wichtigsten eigenlieilen deutscher niyihologie, im gegensatz 
zur nordischen, oben an zu stelin scheint mir nun das 
allgemeinere und eben darum viel weniger in cuhus aus- 
gehende ansehn des IrVo oilcr Vrcinja. Scnndinavien , zu- 
mal Schweden verehrte diesen gott in tempeln , unter den 
übrigen Deutsclien ist keine spur solches dienstcs , wol 
aber liat sich seine benennung \\\ die eines götlhclicn Jierrn 
ausgedehnt, so selir und wahr.schei?dich so lange schon, 
dafs Uifdas, ohne aristofs, frduja (ür yvQtog verwenden 
durfte, nichts als den gütigen ^ freundlichen herrn und 
künig scheint es ausaudrücken. Von Asien her ist die sitte 
eingedrungen den namen der gottheiten herr oder fraa 
voraosetzen. niemals haben die alten Griechen ihre gotter 
uv^Q betitelt, dieser ausdruck bezeichnete immer den 
gewAlttgen^ m&chtigen eigner; gleiches gilt von deonoTr;^^ 
und ÜonoiVU war in Athen für eine bestimmte göttiui för 
Proserpina eingeführt , erst Theocrit gibt es auch andern 
g^tlinnen. Allgemeiner wurde nvQWß durch die septuaginta; 
uiftog 6 ^€ie oder ^soc 9tvgto0* lind Neugrieehen nen« 
nen den wind 6 nvQ Bop^uc (Wh. Müller 2, 120) wie 
Ihn das russ. Igorh'ed gospodia betitelt (s. 361«) Hienadi 
helTst nun den Clu*isten nicht nur gott frduja^ ff^» 
dtyhten, drdUinn^ sondern ^uch Clmstus ebenso» und 
Maria frau. vo« heidnischen güttern wu'd niemals herr, 
wol aber von heidnischen göttiunen frau gesagt; kein herr 
AVuolan, herr Irnun , allein Jrau Molda , frau Frecke, 
frau Berlite, fraii Sonne, ein grund inn aucli fru Gaue 
(s. 1.5.^) che»* aul die göttin zu hezielien. l.benso im romani- 
schen doini/ia Abinulia {(In/ne Haborule), Diana dominay 
hrrai^.Xl^U ^/o//;/V/a noclunin, und hei Ausonins (p. m. 467) 
U/uminae Mu^eliae numiiie aduratu\ Audi die Siaven sotten 



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(IX) 



ibr gospodin dem goHliclien naoien vor, krain. gospod bog, 
bühiii. Ii<)«|)odin oder pdn huh, polu, pan bop, \\\lh. ponns\ 
doch bc:6ügcn die allen liciliiiu'n (hfhiopan auf IMercur 
(s. 93), unsere vorfahren //er, holder her nnf den Mond 
(8.400. 401.) Frduja ,, TVo nmg also in sehr früher zeit 
Jenen adjeclivischen sinn j^clinbt liaben, eUva wie den Rö- 
mern Uber und Libera (s, 194.) Merkwürdig, dafs auch 
die hauplsHchlich thiiringiscbliessiscben gnttinnen Haida 
und ßtrkta den üim der beiwörter holdy lieh, weif 8 
cnthalien und an die celtischen bonnes damet^ dames 
kdanvhes, mehr als an scandinavische gollheiteu mahnen. 

Den landschafüicben utiterickicd zviaclien Ziu und 
JEr glaube ich berausgelioben zu haben , schon nach deo 
runen (s. 134.) Ii her dem fries. Fosete^ der schwäbischen 
ZUa^ der aäcbaischen Edstre und Hr^dhe^ der nmrsisclien 
jlhnfjfana achwebt für iinmer oder so Jangc unsieherheity 
bia neue nachrichten und combinationen den blick in ihra 
«igenthümlichkeit tiefer dringen lasaen« I^^rihu» ist dem 
ohr und dv angewühnung noch allzu freaad, ala daia 
nfteine Vermutung von allen gutgcheirsen werden kunnteu 
ich wollte dem buchslab der handachriften sein recht thmi 
und in der gaachlechtaabweichuDg zwischen Nert/ius und 
Niörditr einen unterschied mehr für deutsche und nordi* 
acbe lehre gewinnen* formell ist einem gotlu fem« Nairthua 
wenig oder nichta ansuhaben » wiewol ich auch keine lat« 
weiblichen eigennamen vierter decl. weifa* das achwankoido 
geoua beseugen vaihta (s. 246) und die doppelform neben 
einander nnhulthö, unJiultha (a*55d), Perkunaa und Fiörgyn 
(a.117), je aelbst Frcyr und Freyja« Wer bei HeKilta 
beharrt I miifa aufser'dem N euch das U findem und fiir 
Nerthum Uerlham setzen > da sich kein goth« airthus, nur 
airtha findet. Für Hertha adieint allerdings die nord* 
güttin lördh anxoachlagen und ea iat a. 140 auviel geaag^ 
dela die aapiration bei Tacitua fehlen müsse, 'da er Her^ 
mundurii Herminonea achreibt | wiewol Arminiua. einm* 
rftumen iat auch, dafs gerade erda und fierda wechseln 
(Greff 1, 415-17) und noch heute ein schwell* masc /i€rc2 
für a<rfum, erdboden gilt, das aber vielleicht dem ags. eard 
(und nicht eordhe) ahd. art (GraiF 1, 403) zu vergleichen 
wire? die uncialen H und N konnten unter der band des 
Schreibers leicht verlauschl werden. 

Das nürdliche Deulsc bland, zumal Sachsen, zeichnet 
sich dunh längeres h.ilien am heidenlhnm auj^: es liat 
mt lii' anklänge an \A odan , mehr iii tlic hUoilen , die sieh 
auf gOUcr beziehen, die beueuuuug deö millwochouö il oua» 



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(X) 



tag, Gonatag hal in Wcslf.Jnn zu langst gedauert, tlort 
s!niul die Irniense.iile, INiotkrdeiilscIi sind dio volleren 
iiherliefcrungen von JinLe/her/id , von fru Frecke, die 
slannnsagen von S(ihsn6t, Heime, und ans Niederdentsch- 
1.1 nd ansgegangen ist die reiche ags. sage. anch die oster^- • 
feiler niügen gprerhnct Nvenlen. Wie in der vila Stnrnii 
(Per» 2, 367) feroces Scixo/ies. Nielsen die 8i);iter bekclir- 
len noch lange zeil die wildcti Sachsen (Gnd?'. 1465. 60 1 6. 
Jjoliengr. p. 1.50.) doch sieht anch Franri fertx es (Pertz 1, 
2H2)y wilde Franken (Gndr. 1465) und sonst wilde Kriechen. 

Von der Verwandtschaft deutscher niylhologie mit rö- 
nibchgriechischei' mnCs man unterscheideii die inlerpretalio 
romana deutscher gütter. 

Die üUeeten zeagaisse, welche uns ff^uotan nennen^ 
mnd ans deiti siebenten, achten jh«; zählt man in den ags. 
genealogiea von historisch sichern namen aufvvärls bis zu 
Wiiotan, so fiele er in das vierte, höchstens dritte, die 
iinslattbafligkeit einer solchen coniputatiou habe ich 8.111 
behauptet, und Sidim der auf solche weise die Icbenszeit 
OtHns, oder eines setner eingebildeten ni ehrern Od tne, heraus* 
zubringen meint, erlangt' nur trügerische resultate« Wie 
•ollten im gewirre der tcilkerwandernng, als von der andern 
seile schon das christenlhuni vordrang, den deutschen Hei- 
den gftiter entsprungen sein^ vrelchen alle ihre stämmoi 
die vordersten und hintersten, sngefoUen wären? Wenn- 
iiberlianpr nationalgölter so infserlich und plötzlich einge- 
iührt werden kOnnen , sollen sie aus den planetariachen 
ipoehengöttern f die zn )ener seit da» cbristenthum im 
geleit mit sich brachte, oder vor sich her schickte, erklär- 
bar sein? dann aber hätten Sonne und Mond die ersten 
hauptgottheiten abgeben, und nicht gerade Mars, Merenr 
und Jupiter, dazu wieder in andrer rangordnung, hervor» 
gehoben werden müssen, dann dürfte auch Saturn nicht 
fehlen, den kein deutscher stamm verehrt, und woher 
gekommen wären die deutschen namen dieser wochengöltor? 
bei Galliern, von welchen zunächst bekanntschaft mit ihnen 
herzuleiten wäre, blieb die lateinisclie benennung^ in kraft, 
wai iiin nicht bei Deutschen, die sich damols wenig eträiib«- 
leii für laicinische besrilTe lateinische Wörter zu behalten? 
die dcnlsclien götlernaincu i?ind aber sichtbar nicht aUS den 
l.ilciniselicn ihbcrsclzt, noch ilinen nachgebildet, von ein- 
lieimischen, clwa gesrhichllichen beiden oder künigen ent- 
lehnl und auf die fremden giillcr niiJieNvandl sein können 
sie nocli viel nn'ndcr, weil ilnrcli Donar ofFenhar der in 
Jupiters idee liegende donuergott auft^jedi ückl , durch Frta 



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der bcgnf von Venus erreicht wird. Un^lcirli nalürliclier 
isl die aniialiine, dais sich unsere vorelleni liir die iliiien 
zugefulirlen wochentagsnanicn liiiigstbek.umter eigner güt- 
Icrbenennnngen bedienlen. Vollends begrilTe ich nicht, 
>venn unter den erslhekehrlen oder der bekeliriiDg zurei- 
fenden aufsersten Üeutsclicn solche aufgebraclile nanien 
\ini gegriiVen hätten, wie sie den lange noch im heiden- 
lliiini beharrenden Saclisen und fernen jNordniannen so 
annebndich ge>vürden wären, dals sie in dem niitlelpunct 
ihres cullus lange Jahrhunderte hersrlien konnten. Wenn 
dem Gotlien des vierten jh., wie wir durch l Uilas wissen, 
die gnuulheidnischeu ausdrücke hintan, fruuja, halia, mid« 
jiingards U.8. w. eigen und geläufig waren, "dem AlainanMB 
des achten pluozan, fro , hella, millinkart, dem Nordmanii 
des eillteo, zwölften blota, Freyr, Hei, midhgardhr, 80 
bezeugt das alles doch ein tieferes, festeres elenient des 
giaubens als dafs^nian ihn auf jenen anlals ziirückleiten 
Diüchte. dartiffl mufs Wuotan^ den Jene ags. stamnisage 
unter viel älteren ascendenten nochmals mit anderm namen 
atillührty nicht nur im siebenten |h* verehrt worden seifly 
sondern auch im vierten , und ersten. 

Eine treffende bestätigung diesei belinuptung gewähren 
uns aber Tacitus nacbrichten. Tacitus führt unter rom>» 
scher benennung germanische gotthciun auf: Mercur^ 
AJars^ Hercules,. Jaisg Castor und Rollux^ und für 
sie mufs es auch deutsche nameo gegeben liaben* vrider» 
sinnig wäre nun ausunehmen, diese deutschen gOtter des 
ersten )h« seien ganx andere gewesen, als die des vierten 
oder sechsten, jene althergebrachten wesen au feinmal ver- 
sdiwunden und neuerdachten , unvolksmüfsigen gewichen* 
Die Wahrheit ist, dafs schon Römer des ersten jh« auf 
deutsche gottheiten die analogie ihrer benennungen an* 
wandten, dafs solche lateinische namen im verkehr zwischen 
Germanen, Römern und Galliern hernach fortwährend bei- 
behalten wurden und die Verdeutschung der planetengöttev 
von selbst an band gaben. Nur wurde durch diese freilich 
die zahl deutscher götier nicht ersdiüpft, wie uns Isisy 
Hercules, Castor und PoUux zeigen, noch mehr aber iVer- 
thuB und Tanjana , welchen der gescbichlscbreiber ihren 
deutschen namen lassen mufs, weil es ihm an genau pas« 
senden römischen dafür gebricht. I^erthus , stände die 
lesart ganz gesichert, gäbe einen unschätzbaren beweis für 
die einerleiheit der taiilischen mit den eddischci. göllern. 
flertha oder IJcrthiis enlspräche /war auch der lörcih^ 
bezcidiuet aber zuglcicii Uaö elemeiit, und uiciiiaiid be« 



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(XII) 

sireirpl, dafs dfosos vnu don Grrnianpn cics ersicn ]\\. wie 
von flen spntorti Diit (ItMiiselben ansdnick honaiint wurile. 

Mit jener liin iiutl her vri'«?iichteii iibtM.selziiiig ileiil- 
«rlier und römischer gölter berührt sich die eigentliche, 
innere verwnndtscliaft, welclie zwischen deutscher und rlns- 
sicher mythologie ungefähr in dem Verhältnis statt hndol, 
nach welchem unsere spräche hescidechlet ist mit griechi- 
scher und lateiniscber. Eine bedeutende zalil überraschen- 
der eiusHininungen wird, wenn ich mich ^idit täusche, 
durch meine arbeit an tag gebracht worden sein , und bei 
dieser vergleichiiDg, versteht es sicli von selbst, ist die trüm- 
niei'liai^e, ungesammelte deutsche götterlebre meist im nach- 
theil gegenüber der reichlich erhaltenen, verfeinerten, ge- 
ordneten jener yClker« dort ist sie von dichtem wie von 
Künstlern im schofs gepflegt, gereinigt und geschmückt , hier 
aber fast von allen lauten verworfen ^ ausgetrieben und 
dem rohen volk preis gegeben worden,* zur griecHiischen 
poesie verhSlt sie sich beinahe vrie prosa, durch deren 
•rhlirhte rauheit nur hin und wieder haftende formein, 
gleidi wildem vogelschrei, rührend hallen, dieser vei^ährten 
läge der sache entspricht auch die vornehme, unwissende 
kähe mit welcher man einzelne versuche vaterländisches 
allei'lluN)! zu eihellen aufgenommen, oder die halbcritische 
w ilirährigkeit , seine letzten Überreste zu vernichten, wäh- 
rend allcFi forschungen über classische spräche, silie uud 
religiun sich lege und warme ihcilnahme zuwendet. 

Dem /^euA vergleichbar ist unser Donar, dorli nicht 
die oberste, die zweite stelle nimmt er ein, und darum 
hat Taritns ^ar nicht einmal anlafs , eines deutschen Jnpi- 

zu gedenken, iniserm li'^uotan , der sich nicht blofs 
obenhin, sondern individuell mit Mercur identificiert, kommt 
der höchste rang zu; und cl)en weil unser Jf uvtan be- 
deutender ist, als der römische Mervttr ^ überirift Jupiter 
an madit und ansehn unsern Donar, Beide JVuotan uiul 
^Irrcur gleichen sich durch den >%'ünschelliuf , die wün- 
srhclrute, als eriinder der buchstaben, als empfangnchmer 
gcfallner beiden; nur ist Wuotan aufserddn gott des siegs, 
neben Ziu oder Marsy dem kriegsgott. Bedeutsam scheint 
helder susammennennen Man und Mercur fs. 27. 74. 78. 
H5) wie sie in der woche folgen. Ich habe angenom- 
men, dafs Mercur auch im gallischen cultus höherer ehre 
theilhaft wurde, als im r«mischen, und darin bestärkt 
vielleicht die Wahrnehmung s. 692 , dafs aus Hermes £er- 
fnnxinms oder ratcntyiorng unter romanischen vülkern, 
Ich möchte wissen, waun lauerst die beneuuung l^erma^afs^ 



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Tervagan für die oberste heidnisclie gotthcit aufgekoininen 
ist. siid und nordfraiizösisclie dicliter wenden sie auf de« 
sarazenischeu abgolt an, gleich Jupin (Jupiler) und AiyoUon^ 
lassen aber 'lervagan gern den Vorrang (berabras 2S43. 
4370 vgl. Apoli 3643.4372; cod. bibl. reg. 7183 iol. 164« 
iienul iervagan , Jupiter etNoiron, unter welchem leUlcni 
Nero gemeint sein wird, vgl. Reinh. CCllI.) aus romanischer 
quelle haben unsere dicliler des 13 \\\. T*ervigant (WU. 
iJ5ö, 12. 3'il> , 6J und allenglische Termagartt, 

Donners oder Thf^rs zweilcr rang verursacht auch, 
dafs ihm nicht die allvaterlichc eigenschalt des Zeus luid 
Jupiter beiwohnt; der nord. mythus stellt ihn dar als 
Odhins söhn, vielleiciit läiist sich sein bock und der bocks- 
lioruige J upiler Aminotn zusammenhalten? auf bergen haust 
er wie Zeus ipuxgtoff» Isis und Diana stehen mit Hulda 
und Berhta; Demeter , Ceres f Isis, Cybele und j&er^r- 
Cynt hin mit J>i er i/ius in naher Terwanducliaft; f^enits ge» 
maliiii melir an Freyja^ als Juno an Friggi etwa Pro^ 
serpina an Htüja^ kaum Hecate an den ausdruck hexe, 
mit Minerva können Fricka und Holda züge gemein 
haben, mit Neptun Oegir; wenig hervor tritt die iclee 
deß Bacclius und yipollo an göUern, sie ist eher in tituik- 
nen riesen erkennbar und in sangreiehen elben oder ström* 
geistern. 

Unsere manigfache sage von zwergen , elben und 
r lesen Übertrift , dünkt mich, die classische» sie ist hei- 
mischer , zutraulicher 9 naiver» das macht » weil liier der 
volkamäfaige ton vollkommen der rechte ist. nicht dafa 
die en^hiungen der alten weniger reich und achün erfun* 
den wären y aber ihre ausfuhrung füllt schon leicht ins 
vornehme y während diesem stof enthaltsame treuhersigkeil 
wo! thut. Was hätte das alterthum unserm lieblichen 
mythus vom stillen volt an die seite au setzen? man 
hafte Schilderungen von Thctis oder Cjrene (die gurgiiis 
ima tenet und thalamo sub fluminis alti wohnt, Virg« 
georg. 4, 321. 353) zu deutschen sagen von wasserfrauen 
und schwanjungfern* Das gemeine Volk in Rom und Grie« 
cheoland kann aber noch manches gewust haben von ^e- 
niea^ tabirenf njmphen^ sjrenen , chyaden, cychpen 
und titanen, was die dichter vorenthalten, auch das arme 
kiadermärchen lag ihnen mehr fremd , das wir, weil ea 
uns fär entbehrte geistvollere dichtungen unserer vorzeit 
ersatz geben mufs, zu überschätzen fast gezwungen sind« 
Aber in ioglirher slufe menschlicher bildiuig, wie unter 
jcJciu hiuuuel^ gciailiüi) eigne besouderheiteu der pocsie. 



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am 

die barbarci des mittelaltera ist es, der wht uisem thier- 

fabel XU danken haben. *) 

JNoch naher als die verfeinerlc sage der Griechen tind 
Rumer, sieht uns darum auch die der anderen, gleichar- 
tii^eroii und bcuaclibarlcn vulker. icli i»lauhe an ein bantl, 
das sie alle verknüpft, nicht bluls in ihrer geschiebte, son- 
dern weil enger, oft mit unsichibaren enden, in ihrer 
spräche und Äai»e, uiul dal» dieser verballnisse erforschiuig 
mit deslu reicherem erlrage lohnt, je sorgsamer alle eigen- 
Ulümlichkeiten dabei gewahrt worden sind. 

Cehische Sprachstudien und myllu)l()gie, immer noch 
Übülberiichligt , verdienen aus ihrer nicht unvcrsL huldeleu 
Schmach durch gründliche arbeiten, die (rcilii h keine leicl»- 
teu sind, gerissen zu werden. Von deuiscIuMi und nor- 
dischen stammen sind die cellischcn aus dem viel breileren 
strich, den sie i'riiher in Europa einnahnien , nacli dem 
"westlichen ende gedrängt worden. ihr zurückweichen er- 
folgte aber nie so plötzlich dals niclit ^|niren ihrer sj)rache 
und ihres ghiubcns unter den vidkerii , die an ihre stelle 
traten, hallen .suUien. Anfangs hatten die Gallier einen 
beträchtlichen theil Süddeutschlands inne, luid noch lange 
darauf ölreckle sich ihr reich, ein <lnrch bihlung uuil wol- 
Sland überlegnes, an dem deutschen her. von »o munilteU 
baren nachbnrn mufs, l)L'vor Alemannen und Franken aucli 
jene seile des Uhcinstroms tiefer hinein bezwangen, geraume 
Eeit herüber eingewirkt worden sein. Das schwierigste 
Bur iel, den viel stärkeren, saheren einilufs römischer 
cultiir auf gallische sitte «ucli von dieser tax scheiden, uiul 
wie lateiuische zunge übei wog frühe schon lateinisrlier 
niTthiM. Fiir editcellisch geUea konnte jene» höhersltUen 
des Mereur , der sich dann mehr mit dem germaiiischeu 
Wüolan ausgliche; ich scheue aber noch die gefahr, einen 
welschen Gwydion (s* 695) und dessen vAter Don mit 
Wuotan und gar Donar susammenzuhalten. lu dem vor- 
herscheiulen dienst einiger göttinnen nuiclite man celliscbe 
und deutsche bcrülirung und Wechselwirkung erblicken: 
j4bttndia^ domina nocturna^ vielleicht die dmikeln iVe* 
haienmeßf an der aeite von Holda und Berhta zeigen uns, 
vrarum diese geringeren anklang in Scandinavien finden. 
Berecynt/iias Janäiunfä/iruf^ \s. 694, vgl. 691) ist dem 
vragen der Nerthus, dem scfaif oder pflüg der Isis höchst 

*) ihre Imiipter mit jjütteri» selbst zu vpr^leirhen, so wnrc der 
RM'«rl)riii^rii<U' , i^elHrUo wolf \\ M(»faii , <ior rutlir fut li** Donnr, ktiiii^ 
Im WC oder tii'ir Fn*. kii wili damit uiclit» luciir uU eiiieu blulBeii eiiifHll 
Vür<jtbrai;lil liabiii. 



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(XV) 

ähnlich« Hercules Saxa/iiis könnte Galliern und Deut- 
scheu zusammen gehören, zunmi Saxiiut ^vie(ler dem Aor- 
den fehlt, ^lau steht an , welchem heider vulUcr l*rotO|)8 
meidung von der seelen aber fahrt (s. 481) passe; damnis 
war dort schon fränkische oberherscliaft, wiewol der »can- 
dinavische brauch (s. 480) verbreitelere einslimmung be- 
zeugt. Eine menge aberglauben hat r3eutscliland mit Trank- 
reich und ßrilauuien geineiji , vor allen das notltuer^ den 
Johannishrand , die hexenj arten ^ den exerciliis aiiti^ 
quus (s. .527.) Ungleich beträchtlicher aber war, aa zahl 
imd ausbildung, das cellisclie priesterthuui. 

Wurden uns durch Alemannen und Franken gallisclie 
«njthen vermittelt, so geschieht ähnliches im hintergrund, 
WO sUvkckey litthauischei fionische Völkerschaften auf un- 
serer fers« nachrückten» Die hochdeutsche mundart, im 
gegenttts zur niederen und nordischen, hat diesen einilula 
erfahren, am frühsten und merklichsten ausgesetzt waren 
ihm die Gothen, von finnischer und lettischer m^rlhologie 
sind wir ziemlich unterrichtet; nachtheilig entgeht uns gc* 
treue, critische künde der gesamten slavischen, wie sie \or 
allen andern SchalTarik liefern könnte« das Verhältnis sla- 
vischer götter zu deutschen ist einigemal (s« 93. 223. 382) 
berührt. Obenan unter ihnen steht Perurif wie bei den 
Griechen Zeus , abweichend von unsrer rangordnung. ob 
sich Lei und PoM (s. 454) dem naharvalischen Castor 
und Pollns (s.39) veigleichen lassen, weifs ich noch nicht 
sicher« sollte Lada versetzt sein aus Holda, wie labe =: 
dbe, labud = elbis ? unwahrscheinlich. Ihrikf Ihrk, ein 
fcrieg^ott kraioischer Wörterbücher hat nichts mit Thor 
noch Tyr gemein : er «lammt aus vtorik (der andere, zweite), 
weil dies Marti9 den zweiten slavischen Wochentag bildet 
9m oftier, gewis erst später mlsgrif. Des übereintreiFenden 
aUvttchen und deutschen aberglaubens ist aufserordenilich 
vieL») 

Die wahrgenommne wichtige bernhrting zwischen 
Perhunas, fairguni^ ßrgea und JPtörgjn fuhrt mich 
SU folgenden betrachtungen* Ulfilas braucht fairgunr, 
franjoy halja^ airtha^ werter die anderen st&mmen zu 
^öttevnamen dienen, in verschiedncm , ja unpersönlichem 



•) L. Golfbiowski hat 1830. zu Warschau in vier bänden lier- 

ausjrt'j^ehen : lud(volk), «biory (tnu Ittei») , ^vs \ za!)avvy ("ipiele iind 
unterhaitun^en) , donia i dwury (hau»er und h(«te), wuriu reiciilirlies 
material enthaltea sein soll, ich koimte « aü werk nicht beoutzeo. vom 
d>ugi]s aad snigttnt (s. 332) wird gi> p. 290-S94 gelMUiMt 



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(XVI) 



ailiii. sott nun nun eageu, ^fte begri£fe sincI eMt nack 
und nadl& |>ersonificiert worden, dem heidnisdien Gothen 
aUo noch keine solche gottheiten bekannt gewesen? eina 
Folgerung, die ich ganz iür irrig halten würde. Der Gotha 
isl iinbefaugeu geuug^ die eigentliclie oder verwandle be- 
deutuug dieser Wörter zu nutzen, ohne sich an einen heid- 
nischen nebensiun zu slofsen. auch ahd. wurde Jr6 eine 
zeillang geduKlel, daiui aber aulgegeben, ßrgun zeigt 
sich blols in veraltender, seltner zusamntensetzung. Dals 
aber ein ausdruck bald in vulier persönlichkeil, bald un- 
persönlich, unter demselben volk, gebraucht werden dürfe, 
weist am besten Donar, der heidnische goU, neben donai , 
der natureröcheiuung. wer sieht jetzt den grund ein, wes- 
halb Ulfilas diese durch thtiJw6 wiedergibt ? fairgurti , 
ist ihm nichts als berg, höhe, Perhunas dem Lillhauer 
sowol der auf höhen tlu'oneude dounerer, als donner selbst, 
die meisten Slaven unterscheiden von Perun den donner- 
kracli gru/n, doch drückt das polu. piorun auch den 
düiuieiiveil aus; merkwürdig dals die Scandinaven den na- 
nien des schalls duna^ iordÖn^ torden (s. 112) von Thor 
sondern* dafür ist ihnen Fiörgyn, weiblicli *) oder männ- 
lich gebraucht, immer personiücation. Nicht auf viel' an- 
dere weise verhält es im 13 jh. sich nnt wnnsch, das 
einmal iubcgrif des Wunsches , ideal , dann aber noch den 
persöiillcli aufgefafsten, verleihenden Wunsch ausdrückt: 
ich erinnere an Tag und Nacht ^ an die Verwandtschaft 
von dies mit deus [s. 425.) Gesetzt es stände bei Tacitus 
Hertha y so w ürde dadurch Ulfilas unpersönlich gesetztes 
airiha nicht beeinträchtigt. 

Auch zu dem ferneren alten Morgenland ergeben sich 
bedeutsame beziehungen^ die wenn sie über allen zweifei 
erhoben werden können für sich allein sclion die mcinung 
eines spaten orsprungs deutscher mythologie abwahren müs« 
sen« Dahin rechne ich die Verwandtschaft unserer todes- 
göttin Halja (s. 195. 461. 486) mit der Indischen Kalt 
oder Mahahali, der grofsen schwarten göttin, die auck 
sonst Bliavani heilst und Schivas gemahlin ist. in der 
linterweit soll sie über die aeeien gericht halten : dies 
amt und ihre schwarze färbe macht sie der Ueft)a, aii f s e r 
dem eintreffenden namen, äufsersi Sknlicb* sdtwarzef 



^ wie Griechen eine Pallas uxftia nennen. Hesycli. 

Doppg plossar 43l> gibt nur den männlichen daemon Kali ^ der 
in (km vierten, bü&eii Zeitalter auftreten soll, au. auch die alts. spradie 
kcnat ein mase. hei (s. Ml.) 



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(XVII) 



dunkelblaue qöttrrnestalleii hat ilie indlsclie mytliologle nieh- 

• rere, z. b. Kiiscbnu (\iüla(cus, nigiT.) Uo|i|>s glü88. 49*>, 
//^ Hotan ist schoH von vielen mit Buddha verglichen \vor- 
den ; Kask , der zujüngst darüber gesprochen hat (samiede 
alliandlinger p. 79. 80) imd ihre Identität für ausgemacht 
halt, stellt auch Gautama^ einen andern namen Buddhas*) 
Siim alln. Gantr, wobei ich noch als vorzüglich wichtig 

* ansclilage, dafs die angelsächsischen, %valirscheinlich die 
gothischen staninitafcln einen Geäl und Gdttts keuuen, der 
für Vodens ahn, d.h. für ihn selbst angesehn und ein gott 
genannt wird Tanb. XVLXXVl.) Dazu treten tibereinstini* 
mende züge oes cultus und der sItte ; statt aller einen: 
die mitrerbrennung der witwen (RA. 451.) 

Selbst das indische dogma einer dreieinJieU (trimurti) 
in Brahma, Vischnu, Scliiva hat an den eddischen Hdr, 
lafnhdr und Thridhi (s* 1 10) sein gegenbild , und ich möchte 
die letzten am liebsten auf Wuotan , Donar und Frti deu* 
teoi wie sie uns Adam von Bremen als u])äalische gütter« 
bOder sehOdert« Jene altnordische lehre ist nun freilich 
In den Überresten der deutschen mytholugie nicht ati.<^c- 
tprochen^ aber zur trilogie neigt sich beinahe alle g()it('r- 
und slammsage (anh. s. XXVI); nicht zu überdehn wrire 
die ags, glosse (s. 160), welche VAden altanus gibt, inso- 
fern dieses mit altus, hdr genau dasselbe ist. 

Der nordische niythus von dem hoben , gleichhohen 
und dritten gott, so tief die ganze ausdruckbweise selbst 
in unserer älicblen spräche gegründet scheint (s. 693), hat 
vielen crilikern anstols gegeben und einen hauplgruiid ge- 
liefert, die eddalehre der erborgung aus dem vfiristeti" 
tlium zu zeihen, warum leitet man nicht auch die indi- 
Rche trimurti oder die griechische dreibrüderschafl des Zeus, 
Poseidon und Pluton auf gleiche quelle zurück? zwischen 
Har, lafahar und Tiiridhi wird kein abstammuugsverhal Ulis 
angegeben 9 Odlunu, Vili^ Vc sind drei brüder* 

Wenn Sie (forsch. 402) nicht für unmöglich halten 
'hereussubringen^ ob die sinnvollen und naiv sdtönen über- 
lieferongen der teandinavischen poesie wirklich aus dem 
reinen heidenthum entsprungen sind, oder ob nicht viel» 
mehr erst aus dem zusammenstofsen mit Jen ideen des 
eindringenden Christenthums'; so würde selbst eine befahung 
der letzten annähme keineswegs aufstellen sollen, dafs die 
gesamte nordische lehre aiu der christlichen hervorgegangen 



) Gotama» Samauagotaiiui, Samonecodom. 

6 



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seiy sondern nur dala sie ihre scliteeren mjtliea dieser su 
danken liabe. 

Ich mufs es abredig sein« von seilen der Christen 
war man den Heiden su aufsätsig, von seilen der Heiden 
gegen das christenthum su glcichgühig, und su wenig mit 
ihm bekannt, als dafs ein solches einwirken, por der 6e-* 
hehrung y auch nur unbewuster weise, hStte können ein- 
Irelen. Audi isl der liauptinhalt heidnischer lehren gruiid* 
verschieden von clir ibllichcr tradition. INleiner erfalirung 
nach haben chrislenlhiiin und heidcnthum, seit bie sich l)u- 
riihrtcn d. h. nacli der bekekrurifr wechhelseitigen einlhils 
auf einander gciihl : das thristentiium indem es heidnisc he 
idoen herabzuwürdigen traclitele, das heidcnthum, indcju 
es suchte sicii unter clirisHichen fornjcn 7,u bergen, der 
siegenile ghmbe gieng darauf aus den besieglen ganz zu 
vertilgen, der besiegle sirebtc noch seine geiliiclilete habe 
gleichsam in des feindlichen heeres mitte zu sirhern. dort 
wiu'den heidnische sagen in ihrer ethtlieit entstellt^ hier 
schmiegten sie sich, innerlich weuiger angegriil'en, unter 
chrisUiche namen. Auf beiderlei wegen ist die geistliche 
sage des miüehiUerSi besonders unter dem volk und von 
ihm aus, ungemein erweitert worden* Einselnc christliche 
mythen, zumal des allen lestamcntS| mengten sich daswischen» 

Die bedeutendsten beispiele von scharfung und ver« 
grüberung milderer, feinerer sagen des heidenthums bietet 
das 26, 2^ cap. dar; elbe und riesen sind su teufeia^ 
nachtfrauen su hexen verfölscht* aber auch Wuolan ist 
ausgeartet in einen fürchttf4ichen )Sger, Holda un4 Berkta 
in hinderBclieuchen. Wnotans raben gehören dem teufeU 

Aber die Ihaten und wunder anderer riesen oder rie« 
sinnen sind auf heilige übergegangen* Maria trügt erde 
in ihrer schürse (s.30d) wie das riesenweib, Michael^ Georg, 
Christoph spielen die rolle heidnischer drachentüdter, heU 
den unu halbgötter. Iringsstrafse am himmel heifst Jacobe'^ 
etrafse^ Orion Peters oder Jacobsstab. Selbst der nor- 
wegische heil. O/af versieht mm Thors anit, des Verfolgers 
und bändigers aller riesen. Svanlevil ist den Slavcn in 
einen Sanct Vitus umgcv\andelt (s. 382. vgl. Helmold 2, 
12.) Der mühe werlh auszumachen wäre, >vaiui im mii- 
telalter die sagen von «S. Peter begonnen haben , wie er 
mit Chi iNiu» durch die weit \randert : beide ziehen uner- 
kannt in nienscIilirlMM- geslalt undier, tugcnden zu belolincn, 
laster zu strafen, darunter steckt heidnisclie Überlieferung, 
ahnlich der bei Griechen und liuoiern, aber auch bei 
Nordmännern im schwang gehenden, ^(ach dem treüichen 



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(XIX) 

mytlius von Plillcmon und Baucis, den Ovid aus der volks- 
sage berichlet {H , 626-721), sind Jupiter und Mercur 
die Wanderer; noch eine phädrigclie fabel lälsl den gciller- 
bülen, den gott der wei^e und strafsen, bei sterblichen 
übernacliten (Mercrtriiim hospitio inuHeres oHm duae illi- 
berali et sordido reccperant.) In der edda reist Heimdallr 
zu den niensclien, Ktgr «ich nennend und mit sterblichen 
fraueu neue geschlechter gründend; >vo aber drei göller 
zusamiiieu ausreisen, die weit zu erforschen (al kanna heim 
allan), sind es immer Odhinn, Hoenir und ]\oki (Sn. 80* 
135) und zumal LeiTat Hoenir Odhins reisegefalirier fsinni 
ok mäli. Sn. 106, sonst auch langfttfi, Linn langi iutr) ; 
wiederum wird bei der scbOpfung neben Odhinn Hoenir 
und Lodhur genannt (Sacm. 3^) ein solcher Hoenir (ahd. 
Uiioni, ftg9.Hdne?) läfst sich in unserer ganzen niythologie 
nirgend «puren, ee «ei denn als PetfUs neben CliristuSf 
welcher an Wuolans stelle erscheint, wie die alten Mer-^ 
cur in der weit reisen lassen , nur dafs ihnen Zeus die 
hauptperson, Mercur die sweite abgiebt, den Deutschen 
Wuotan oben steht die christliche sage kntipft sich von 
selbst an die vranderungen Jesu und seiner apostei durch 
Judaa. wie wenig aber dabei kirchenlegende eigentlich im 
spiel ist, zeigt die yolkssage Tom einkehrenden SiWetg 
(DS. 45), in welchen der ältere gott gleichfalls umg^setatt 
wurde, oder das mSrchen yon den drei wandernden nornert 
(8.695), die jenen drei gSttem vollkommen ähnlich sind« 
Xlleele spur des umziehenden fieilandeB und Petrus finde 
ich bei%umelant (Auigb. 12% rgji» das almo8enge1)en 26*)$ 
auch Feier und der lahme (Freid. 149 , 5) gehören wol 
Merher. viel frischer sind aber die sageii Aei 16 jh., Säoct 
Peter mit der geifs (H. Sachs 1, 492), S. Peter mit dem 
faulen knecht und der fleifsigen magd (das. 1, 493), S# 
Peter mit dem landshnechiy der von ihm wurf^l emplangt 
fdas.II.4, 114), Chrietua und Peter bei dem scbmied 
(das. ly« 9, 70) ; ja der schwank von den dreizehn schäl" 
ken, die sich ffir Ckrieius und die ztifötf boie/i ausgeben 
(das. II, 490), ist auf den myüius gegründet« Den kurzsich«' 
tigen Petrus neben Christas vertritt in älxtrant* dichtuhgell 
der eineiedler, welcher mit einem enget durch die MreU 
sieht (Mfon nouv. rec. 2, 116 und die vorrede vor tome 
1.) In fortlebenden kindermärchen kehren unser herrgott 
und 8. Peter beim Spielhansl ein, der sie freundlich her^ 
bergt und nun von Petrus mit karten, würfeln und geige 
beschenkt wird (KM. 82 vgl. 3, 135. 136), wozu man aas 
altlranz« fablku von Saini Pitrrti et le Jongleur (Meou 



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(XX) 

3| 282) neliine. ieli kann midi nicht entlialten in diesem 
mit Spielern und landsknechten verkelirenden Peirus ent« 
vreder Wiiotan oder Mercuri des würfelspieb erfinder 
(s. 692) zu sehn« Auch sein christliches amt als hiromels 
thürschliefser (P^ler des himels portenois« Wh. 332, S) 
mengt sich in heidnische abenteuer, wie aus dem mür« 
chen vom Schneider (no. 35) worin Wnolans sliil (s. 98), 
und von bruder Lustig (uo. 81) liervor^ehU H. Sachs 
lafst in einem gedieht S. Peterri , im andern den teu/el 
mit den laudskjiechleu verhandeln (1, 494. 459), und beides 
ist richtig. 

Pei/us hat aber auch in sonstigen dichtungen des 
frühen nültelallers hanptroUen zu versehen; in der legende 

('rescentia erscheint er der sc]iin)riichigen auf einsamen 
nieoresfelsen , geleitet sie trocknes fulses über die wellen 
und verleiht ihr die gäbe, sieche zu heilen (cod. pal. 361, 
75 vgl. kolücz 267.) an seine statt setzen hier spätere 
bearbeitungen Maria (Maerl. 2, 226* Gautier de Coinsi 
bei Meun nouv. rec. 2 , 67.) 

ISlarieficultus scheint erst seil dem 12. 13 jh. um 
sicli zu greilen und mit der zartesten frauenverelirung, die 
je statt gehabt hat, in der poesie unserer minnesänger zu« 
sammen zu treffen, seioe grundlage war aber auch schon 
der heidnischen hervorziehung einiger göttinnen, dem an« 
sehn der Weissagerinnen und klugen frauen gemafs (s» 63* 
226» 535.) Auf Maria wurden eine menge lieblicher und 
anmutiger zügc gehüufl, die im heidenthum Freyja, Uolda^ 
Berhta bezeichneten ; gestime werden nach Maria l^enannt 
(s.4i7)) eine grofse zahl von blumen^ kiHatem und inseo> 
ten, deren ältere namen zum theil auf Freyja und Venus 
gehn (s.l92)y auch die schneesendende Uolda wandelt sich 
io Maria (s. 694.) Ich kenne keine mythologie , in wel* 
eher Maria so grell und unmittelbar neben heidnischen 
gestalten aufh-äte, wie die finnische. 

Aufser Maria konnte an die immer, wachsende schar 
der kirchenheiligen und Schutzheiligen einzelner örler, stände 
und zustände**) eine fülle von Überlieferungen steh setzen, 
die unter dem volk umgieng imd grulscnlhcils heidnischen 
(griechisclien, rümischcn, gallischen und deutschen) Ursprungs 
war. kinder und erwachsene^ birteo, jager ^ krieger und 

über den iteigeoden Mariadieiist vgl. Sclirükhs kircbengesclu 23, 
16a. 29, 235 und Wielaods Mercor 1790 dec. 829 - 358. 1797 merz 
205 - 222. 

"*) Fifdiart (Garg. 258) aihlt heilige ao( die filr betlimmte kiaak- 
h«itea aogerafea werdea. 



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(XXI) 



haiidwcrker hatten ihre elgentliümliclien heiligen und fast 
auf jeden tag des jahrs fiel die begehimg einc8 festes: 
alle kirchen waren geschniückt mit allHren und hildeni. 
Dem l■athülit^chcIl dienst ist dadurch eine Vielheit lialb- 
gtitllicher we^en, ein reiclithum farbiger Vorstellungen zu 
llieil geworden, den der protestnnlisnuis wieder von sich 
ausschied mit einem gefniil uicbr inirihnlieli dem der be- 
kehrer, als sie das hcidenlhum stürzten, zwar die kiiche 
untersrbeidel zwischen der gotlheit inid den fiirbiüern, 
allein wie manche fromme lippe, weun sie sich vor dem 
heiligenbild bewegte, mag diesen unterschied nicht gewust 
oder vergessen haben. 

Dieses ftuch den sogen sform ein (anh. 8. CXLIX) eigen- 
thiiniliche ineinanderiliefsen christlicher und heidnischer 
Überlieferungen faud sich von früher zeit an gefördert 
durch voi^sichtige oder wolmeinendc Schonung, welche die 
^istlichkeit geweihten stalten des heidenthums nicht selten 
aogedeihen lief«, tempel wurden umgewandelt in kirchen, 
auf götterbergen Capellen erbaut , in heiligen wäldem 
klüster gestiftet, selbst götsenbilder in nebenwände einge- 
mauert (s.69i); und wenn das metall heidnischer idole zu 
kirchengefafsen umgegossen war (s. 395) blieb wenigstens 
der alle stof. Am leichtesten aber konnte in JeMten und 
jtier lieh keilen kirche, mit geringer abänderung, die 
gewoknhcit des neubekebrten Yolks gehegt werden, die 
procestionen des muttergottesbilds durch das gefilde, den 
iickfim littclitbarkeit oder regen zu erbitten, Tergleichen 
sich dex^amföliruog des heidniscben götterwagens oder den 
rogationen der alten« wie genau hat sich das Jobannisfest 
mit der begehung der sunwende gemischt, Weihnachten mit 
dem JdL dies letzte beispiel gewährt ein unschätzbares 
leugois für die identit&t nordischer, sächsischer und gotbi- 
sdier mytbologie, wenn meine nachweisung (gött. anz» 
1826. s. 740 «42), dai's im gotbischen calender froma jitihis, 
dem ags. serra gcola^ folglich dem ahn* jol entspreche, 
voilkonunne bestätigung en4>luugt. Doch den altdeutschen 
calender, überhaupt die feste und gebriiuche unserer vor» 
fahren, denke leb künftig in einem besonderen bucb ^ber 
deutsche sitten* ausführlich zu behandeln, dahin verweise 
ieh auch deulungsversuche des ausdruckes ^rias (anb* 
S. XXXII) und anderer. 

Unlersclieidbar von solcher Übertragung heidnischer 
ansichten, sagen und biaucbe aul thrihlliche ist die seltner 
slaltgehabte einniischung iiidischer und christlicher traditio»! 
iu die heidnische. So wurde die ^eiiealogie des altcti 



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(xxn) 



testammU mit der angabächaischeii verbimden (aah. a. 
XIX.) JElia9 mengte eich in mythen von dem donnergott 
(8. 117), der aniiyhrUt in die vom vreltende (e. 468), 
Jlerodiaa (Herodianaf heca Diana?) in die von Diana 
und Holda (s. 176.) aucli die auf den teufel angewandten 
begrilTe hanuner und riegel (t. 559. 550) verdienen hier 
rücksicht. Im miltelalter herschte die Vorstellung, dafs zur 
zeit der geburt des heilendes , unler kaiser Augiistus, all'-^ 
gemeiner J riegle in der ^vcll gewesen sei (cod. pal. 361, 
3**. Maria 160. Iü3-196. Vcidccks Kncde 13205. Albr. 
von Halberst. prolog, vgl. den reisosegen VIII*» im anhang.) 
Snorri 146 verknüpft ßie aber mit dem nordisclien mytliua 
von Frodliis Jritden^ dessen künde, da l i uole von Däne- 
mark unserer beldensnge nicbl fremd ißt, aucU IQ DeutscL- 
land mag vcrbreilel gewesen sein. 

Dieser Fruolc greift ein in das lieldenlied von Gudrun, 
das uns viel alter stammsage bewalirt. Nocli ein paar 
solclier gliickliclien auriindungen wie der Iravrllers song, 
und es wird neues lirlil und immer lebendigerer zusnin» 
menliang in unsere altepiscbe gerienlogie kommen, lla- 
gena, boberscher der bolmreiclie, (z. 41) ist liücbstvvabr* 
acbeinlicb Hagene, Gudruns müllerlicber grofsvnler. Ägel* 
muud und Eadvine (z, 233* 234) aiiid Agelmund und Au« 
doin dea longobardiscben Stammes. Elsa (z, 233) gemahnt 
an den westsHcbsischen Elesa, Roadoca (a. 223) an den 
oslsäcbsiscben Bedeea. Hün veold Hätverum (z. 65), Hün 
herschte über die Ufitvere, offenbar die Hatuarii, Chat« 
tuarüi ein den Chatten*) verwandter stamm« Statt Tntvn 
ist vielleicht Tatva au schreiben und der longobardiacho 
Tato (ahd. Zaao) in betracht au nehmen? Härtung und 
Haddingr (140. 206) liefse sich etwa dem goth. Aadingus 
(gramm. 1, 126. 1070 für Hazdingus?) an seite aetaen? 
Von den angelsüchsiscben Stammtafeln*'^) gibt es mehrere 
liandschriften , deren einsiebt ich Kembles niittbeilung ver- 
danke, namenllicb im ms. collon. Tib. B. 5 fol. 22 (ge- 
schrieben zwisclien 973- 975) und im cod. bibl. reg. paris. 
6055. Sie l)ielen aber meistens verderbte lesarlen dar. 
so bat der Pariser cod. Bocriuus f. BeoviuuSj Saxwad f. 



^) den narneii Chattus (Hez%e, Pleisse gramm. 1, 172) hat man 
noch niclit reeht gedeutet t er vergleicht sich dem sltn» Hotir oder 
llafir^ pileatiu, wie lelbit der gett belgenamt wird (s. 101. 616.) 
vgl. liaSf Imse graoim. 3, 451. such He»Me ist tnaans end vollisoiiine. 

'*) Alles tod wird von Lappenberg 10B zwischen 514-510 gesetzt 
BUielwerd (s. 1) starb niclil lOOO, er schrieb schoa um 1000 (Liap- 
penb. p. LVil. LVUl.) 



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(xxin) 

SeaxMA $ des Alaauft drei sobne (anli» XXVIIl) nennt er . 
Ysicion, ArmenioDf Regno (f. Ncguo = Engvo.) Frealaf 
wird als W'odens ^uxor' au Ige führt« Die cotton. hs. gibt 
Idas geschlccbt (bei mir Bemicia $• III) folgender gettlalt 
•n: Wuden, Bi&ldSg, Beomic, Wäghrand, Ingebmiul, Ahisa^ 
Aogelgcut, Aethelberht, Eosa, Eoppa, Ida. Pendas: Wo- 
den, Weodkogeol, W'ililla'g, Wjvrmund, Offa , Ani;< lgoüt, 
Eoiiier *) II. s. Nv. Ealdfrillis: Wodeii. \Viiita,j('rella, Cwäd- 
gils, Ciidbäd, Bubba, Beda, Biseop, Laiilerdh, Kata, Ald- 
fridh. Der oslans^liscbe slniuni laiilel hier: \A Oden, ( aser, 
Ty liiian, Tn i;il, 1 1 rodli nm nd , lIiTj), ^^ illlebn, Welib, 
"\Vuiraj 1) tla, I^rii , Aelhelric, Aldwidf, Alfwald. dci «elbe 
aber im ms. cotlon. A. Veep. A.XV: VVoden, Cassel-, Tilinon, 
Trigil , Uocboiuin , Bippaii, Giiillielni, (iuecliau. im cod. 
caiilabr. Triii. coli. 0. 2, 52 ; A\ oden , T asorei, Titiiion, 
Triglis, Jlodomund, Hiip, ^^ ilielon . ^^e(lla ii. s. w. bei 
Alfred, breverl. (ed. llearne p. Hl): ANOdon, Caserei, Tit- 
iiioii , TrigUs, llediimnd, Uripp, Willem , Weldia , \A IIa, 
a ipio reges occid. Ahl;I.A\ Kiiii^as appellanU in keiner reihe 
hl die Verderbnis der formen griiiser. Die sielle über 
8ci_*at" (s. XVll) wird in einer Iis. so milgetbeill: isle Sceafus 
ut dicuiit, sive (piia forliinae (ommissus, sive aliud quid 
causa fu( I il hujus rei, ad insulam (piandam (jerninniae Scan- 
deani nimdne appulsus pnerulus in nave sine lemige in- 
veiilus est ab liominibus durmiens, posilo ad rapul ejus 
victui frumenli manipido. Die sage vom scbwanriller, 
deren zusannnenbang mit Sceaf fs. XV'lll) immer walir- 
»cbeirdicber wird, ist neulich (alld. bl. 1, 1128-135) in 
schöner ausführlichkeit bekannt gemacht worden. >\enn 
die wunsclijungfrau sieben söhne mit scbwani^olJi Ingen um 
die liälse gebiert, an deren stall sieben weller (catuU) un- 
tergeschoben werden y 80 halte ich für bemerkenswerth) 
dals gerade auch im eingang der langobardischen und WeU 
fischen stammsage (Paul, Diac. 1, 15. D. S. no. 515) die 
geburt von sie})en (oder zwoll) kindern er^äldt ist. Ein 
recht<>r geschlechismythus* Aber die schwabischbairischen 
genealogien mit ihren nanien sind verschollen* 

Wie viel von dem aberglaaben, dessen sorgfältige sam- 
lung ich nicht gescheut, sondern für unerlUislich gehalten 
Jbabe^ in unserer deutschen mythologie aufgehe oder in an« 
derer quelle nachsuweisen sei, fordert noch viel^^eitige prü« 
fung. iiier sumal stofsen germanische und celtiscAe meldun« 



Aii<!el;;cal iiud Eooiser siud di« dänlsclicu lugild uud laomar« 
Lappeoberg p«110« 



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(XXIV) 



gen aneinander) eine menge rüniiecligjriecliisclicß aberglau- 
bciis ist über ganz Europa hin gedrungen» Ich liabe iiiicb 
beniiiht einen älteren text ^tufzuspüren, aus ^wekheji) Bur^ 
cliard sein cap, 19, 5 (anli, 8. XXXV - XL) gescbupfl hätte, 
die Balleriniy in ihrer gelehrten abbandlun^ de antiquis 
collect« canonum , pars IV cap. 12 besprechen die burchar^ 
discbe samlung, und setzen iliren Ursprung ziwischen die 
Jahre 1012 -> 1023. sie geben aber einen cod. vatic 4227 
an, übeychriehen 'corrector et medlcus* und einen andern 
3830, beide nichts als Burdhards neunzehntes buch ent« 
haltend, der ihm selbst in seiner yorred^ jenen tltel bei» 
legi, vreÜ es correctiones corporum et animarum medidnaa 
umfasse, nur hat Burchard eine anzahl interrogationen 
mehr als diese handschriften , aber auch die müssen in 
Deutschland und für unsere deutsche kirche abgefafsl sein, 
"weil sie dieselben, von mir ausgehohnen vrorterklSrungen 
geben; statt 'quod vulgaris stullitia werwolf vocat' helfsl 
es hier ^quod theutom'ce wercvvlf vocatur.' Entweder also 
hat der vrormser bischof (er 8tnib nicht 1024, sondern 
10 aug. 1025) diese schon vor ilmi bekannten poenilentia» 
len seinem biiclic einverleibt, odej* sie sind aus ihm beson» 
dcrs abgescljikljen Avorden. jenes hl ungleich walirficliein- 
licher, weil er y.nsalze eingeliifit hat, die in der alibclirift 
seiner saniluiig kaum fehlen würden, cntsclieiden miiste 
das hülierc aller des cod. 4227, der ein 'velus codex* heilst ; 
3830 ist des Ii jli. auch der cod. vindob, univ. 633 (11- 
Vj jh.) entliiilt das neniliche poenitential , ohne Burchards 
namcn; Blumes bibl. mss. ital. 7. 113 nennt hss, Burchards 
aus Vercelli und Bologna. Krieht aber das alter unserer 
stellen noch in das 10 jh. liinr.ul unil sind sie unzweifelhaft 
in Deutschland niedergeschrieben, so erhöht sicli ihr werth. 
Das ist anrli der ßallerini nicinung: *facile conjicere licet, 
Burcharduiii hoc poenilentiale apitd suos rec epturn coU 
leclioni inscrui^sc et ex aliis poenitcnlialibus addidisse, quae 
in eo desideranlur.' \^ as die im anhang s. XX!X1V mit- 
gelheilte und 8.595 besprocliite stelle von Diana und Hero- 
dias angeht, so bemerkt Richler in seiner n^uen ausg. des 
V. J. can. j). f^92, duj ch die übersclirift : *unde supra' bei 
llegino seien Burchard und Ivo terleitet worden, das capitel 
drni anc} ranischen concil, aus welchem eine stelle voraus- 
geht, beizulegen, die hinzugefügte Vermutung: ^sumtuni esse 
videtur ex quodam capitulari regum i^Vancorum inedito* 
\>'ird aber durch den diitien tJieii der perlaischen monu- 
noenta noch nicht bestätigt, niir wäre ganx recht, wenn 
es sich so verhielte» 



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(XXV) 

Ich habe mir die einsieht eines alleren inul seltnen 
franxüiisclien buchs *le8 evangiles des quenouilles' (Eberl 
Dü. 1-14.")), worin sich nianclies über .ibergläiibisclie ge- 
brauche linden niuls, gewünsclil, aber nicbl zu wege bringen 
können. \A as aus schwedisclicn uml dänischen büchern 
ntilgelheilt \vird, vertrug, wv'd das genaue Verständnis hier 
mehr als sonst von wurtcrn und formeln abhängt, keine 
Übersetzung. Der ganze anliang wird nur unkundige irren: 
in diesem rohen aberglauben steckt alterlhunts genug, und 
wenn unserer niythologie besciu'eden war, frühe zu ver- 
kommen, so darl die unlersucbung sich von keinem aus« 
bruch solcher barbarei liochmütig wegwenden, *dicam se- 
cundui» Doslrom bnrbariem^ sind W alahfrieds worle, deren 
map, soll die aulheliung iraterländischer geschichte gelingeni 
eingedenk bleiben mul's. 

Ich bekennet dafs mir wenig daran gelegen hat in 
dem unsnsammenbang unterer fast gans aus der fuge ge* 
]:«tlienen mytheu ein System zu entdecken , das der deut« 
sehen götteriehre unter den übrigen des alterthums eigen 
wäre. Nur cap. 23 war von fataiiamusj cap. 26 von 
äuaiismua die rede, ohne dafs ich annehme, diese vor^ 
Stellungen seien allgemeine, die gesamte deutsche mytho- 
logie durchdringende, denn selbst der viel vollständiger 
erhaltenen nordischen läfst sich keine solche gnindlage 
geben. Mich dünkt, auch bei der griechischen oder rö* 
mischen kommt man su kura mit philosophischer beieich» 
nung. mag der Buddhismus paniheUtiach^ die zendische 
ireligion dualUiUch heifsen; in der griechischen wie in 
der deutschen sind spuren, keime beider richtungen, wahr* 
acheinlich noch anderer, von eigentlichem pantheismus 
enlfernt sich ihre Vielgötterei^ weil sie reihen höherer 
und niederer gottheiten anerkennen, von dem duallsmuS, 
weil ihre gütigen, milden gOtler zu selir überwiegen, hat 
aber Wuotan mit Buddha berührung, so müssen entweder 
pantheistische lehren in der älteren religion unserer vorfah- 
reo sichtbar gewesen sein oder der Buddiiisnius mufs sich 
in den läudern, wo er hersclit, scharfer nusgcpriigt haben, 
als er .lufangs war. Vergut ferutigcn sinil tlcin deutschen 
licidcnUium, dem griecliitechen und indischen gemein, und 
oncli unsere stammsag(»n verflecliten sterbliche geschlechter 
mit denen der unstei blidien gtitter; nie war der glaube 
an forldaucr nacli dem leben erlosclien. ^Yiedcrgeburten, 
wie sie die cdda kennt, Verwandlungen tiei' meusclien in 
liflanzcn, ihierc, steine und gestiiiie könnten als merk- 

male der lehre von der seeUnwanderi^ng uud etnaualion 



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(ULVI) 



B6ti*ftc1kl6l werden* untern Yorfabren wohnt aber dnrdtatia 
kein gefnhl von traiier über dat dasein bei, jene indiscbe 
Sehnsucht nach rückkehr und Wiedervereinigung mit der 
gottheh scheint ihnen völlig fremd, ihr kriegerisch freudiger 

sinn, mil dem sie lachend aller todesgefalii entgegen traten, 
dachte sich diu Ungewisse zukunfl als glänzende erneiierving 
des irdischen heldcnlebens in gOllergenieinscliaft. allein die- 
ser gedanke überwog nicht einmal merkbar in der reichen 
bewegnng ihrer irdischen lanfliahn, für welche sie hiUreicher, 
gnädiger gtitler bei allen anlas^scn bechirrton. Kin dualisti- 
scher unterschied zwischen gutem nnd luisetn prinrip, 
wie ich glaube, wird sich nur in der Iciluiii; |)i ieslerliclier 
lehre scharf hervorlhun ; er darf eher unler Galliern ntif- 
gcsucht werden als unter Deutschen. Wo/n gcrrnchlel liiille 
es also, die trümmer des heidenthnms solchen betrachtuii» 
gen unterzuordnen, und die eigen thümliche combination, 
deren es noch fähig ist, dadurch zu zwangen? 

Klementen, nalurerscheinungen und geslimen lege ich 
grofsen einflufs auf mythologische vorslelhmgen bei, lange 
keinen sokfaen, dal's alle und jede aus ihrer grundlage 
abgeleitet werden dürften, da auCser den physischen auch 
noch sittliche und andere menschliche motive obwalten und 
erst in der durchdringung aller zusammen die göttcr des 
beidenthums entsprungen scheinen. Die uatur läfst uns ihre 
erhabene und wolthätige Wirksamkeit gewahren in dem 
leuchtenden, w&rmenden feuer, dem reinigenden, kühlenden 
Wasser, der alibeweglichen, erquickenden luft, der nKhren- 
den, stärkenden erde, hier gesellt sich ein sittlicher ein* 
druck zu dem natürlichen. Der mensch hat aber auch 
gottheiten nüthig für die begriflfe von gute, nu'lde, allgc- 
wah, sieg, friede, liebe, gerechtigkeil, die nielir aus seinem 
gemüt als aus der nalur aul.^leigen; selbst sie würden ihm 
fremd inul unverlraul bleiben, spiegelten sich in ihrer 
Vorstellung nicht zugleich menschlit be geslalt und gewöhn« 
heil ab. er legi seineu giitlern gesrhle<bt, ehe, kleldung, 
Wohnung und geralhe bei; auf diese gleichheil i^iitridet 
sich ihm ihre nahe theilnahmc an irdischen dingen, ihre» 
allvaterliche, alhniillerliche eigenscbnit. das alles kann er 
weder in den gestirnen, noch so deutlich in -der nalur 
lesen, der rasselnde donner erweckt ilu)) die idee eines 
kriegswagens, der niederfahrende blitz die des hammer-» 
wurfs^ und damit bestimmen sich wesentliche züge einer 
der hiichsten gottheiten , wie sie durch keine abstraclion 
zu erratben wären. Das gebirge bewohnen zwerge, die 
lufi elb^ Wasser und brunnen mxeii \ wer möchte in ihnen. 



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(xxvn) 

& imth ySdrache «igeiMcliiiflteii gOtterb tml ineiMchea 
wwandl sindy bloiae elemenlargeister erblicken? Und da« 
alterllium hatte ein ganz anderes aiige für die natnr, es 
kgte semß anschauung in sie nieder,*) statt dafs wir die 
Bilürlicben ersebetnnngen aus sich selbst, ohne bezug auf 
uns, zu ergrÜDden iraclilen : götler die "wir natiirgötter 
Ddinen, %verilen, inyOiisch aufgt'raf=t, iniincr eine seUsame 
uiul rUllisellialle beiiiiisclmng aiulercr eigenbeilen an sich 
tiasitn. üaiiiin lial auch die mylliologie iiiclil gomig an 
eiuein güuliclien weseu für das elenieiil, sie suclit es in 
niehrern viciseilig zu erfassen: das Avasser wird durch 
Oegir und Hier,**) der wind durch KAii und Fasolt aus- 
gedrückt, das feucr durch Ia)^! oder die personification des 
sonncnnaniens. oNiclit anders endlich verhall es sich mit 
den geslirnen , lagszeilcn und jalirszeilen ; ihre erscheinung 
uod Wiederkehr ist zu grülsarlig und auilallend. als dafs 
sie sich nicht nüt dem glauben an gbtter vermahh liaben 
sollte, sicher waren sonne und mond schon den ältesten 
Cermanen gegenstände heiliger Verehrung, Flanctarische 
lind calendergotlheiten ihnen zuzutrauen verbietet aber 
die hohe Wahrscheinlichkeit , dal's ihre künde von den 
Wochentagen und der planetenreihe erst aus der seit ihrer 
bekanntscbaft mit den Römern herrührt Ihre Frouwa, 
ihr Zitt und die gestirne yenus, Mars am himmel stehen 
aulier aller gemeinschaft 

Wenn philosophisclie, pliysische und astronomische den- 
tung mythischer gestallen leicht ausartet in leblose dürroy 
und alles poetische wolgefallen an ihnen stört, so vnrd jed* 
historitelie ausleg an g , die sich über die grenze swischen 
geschieht^ und sage nicht zu verständigen weifs, das geistige 
princip der myllieu verniichligen. Auf diesem ahwege liefs 
sich Suhm, ein ehren\% crlhor forscher, last iibei all betreten: 
aus den pilanzen der sage allen saft zicliond wahnte er die 
leeren Stengel oder fasern noch tauglich unter die frischen 
rciser der geschichte gebunden zu werden. Wiedergeburten 
de§ jn)thnH niiskennenil war er liislorische wiedeiholungcn, 
selbst die unwahrscheinlichsten | zu behaupten allzu bereit^ 



•) wanini doch nennen die Angelsaclisen dns meer g^rsecp (»piefs« 
ried , cnrex jaculorum), eargrhlaud (niistio nrisfariim)? irli Henke, 
Weil «Pin prwoge sie an dns wojj:cn<1e scliiU iiiul {jetraide rrinnerte : 
dfün audi hl (1er edda ist lufrastafr sowol meer als saat (Su'in. r>(>^ 51 k>.) 
Wenn der wind die kornähreo bewegt |)flegt unser laiidmaua zu »ugen, 
diCi der tber im körn g^Aß, 

^) dez« Ist der dees i^kerennut einer Inschrift bei Gmter 10T4 
n IibUcb (TfL BsdniieaBa, ktimmm^ NehalsBDla.) 



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(XXVffl) 



Oian genügte nicht an cbei Odlaeiii auch mehrere Baldr 
sollten in der SMcbiclite erschienen sein *). Wenige fabehi 
«ind vielleidit geeigneter, cbs einflielsen der gescliichte auf 
mythischen boden zu beseugen, als die Ton Baldr, nach 
Saxos darstellung: aller grund ist hier noch sagenhalr, 
während die aufsenvrerke historische ftrhung gewinnen« 
Dringt aber mythisches dement auf das gebiet -des histori- 
schen , dann bleibt der grund historisch und die aafsen* 
werke werden mythisch, so sind Hunnen und Ayarea 
(s. 700) *♦) in der sage niifgerafst als rietteriy ein feindliches, 
bcäicglcs, zurückweicliciules geschledil (s. 303); umgekehrt' 
haben die niylbisclien zwei\^e liislorischen schein dadurch 
dafs auch sie, ein alleres, scliwächeres volk, den menschen 
das laud zu räumen vorgestellt werden (s. 255. 259« 483* 
697.) 

Nach diesen erürteningen allen hat die deutscbe niytho- 
logie innere gleicliarli^keit inil der griechiscbcn oder rönn- 
scheu, 80 viel eiugescliränkler und dürlliger ihre mittel 
sind. Bald auf abgesloi bnern cnind slclicii biinnie, deren 
oberste spitzen frisclies laub treiben , bald grünt noch die 
fläche unlcu, aber alle bUunic sinil \ erdorrt. Selten nur 
gelingt es einzelne gestallen aus der fernen dnnimerung so 
weit heran zu locken, dals ihre ziige sich lollkünimen er- 
kennen und beschreiben lassen. Seltner reicht die mangel- 
hafte aufzeichnung altdeutscher geschickte bis xur sage bin, 
dais sie ihr die band bieten uiul den weg weisen könne; 
meistentheils hat sich zwischen beiden eine leere, unerfreu- 
liche steppe gebreitet. Doch ihre unbetretenheit reizt zu 
cotdeckungsversuchen y deren einsamer pfad unTergleichbar 
ist dem lebendigen , durch gastvolle forschungen aller art 
Yerschünerten wege, auf welchem ununterbrochen die das* 
si»che mythologie bearbeitet wird. 

Nicht ihnen sur seite, unbefangen aber und gelroet 
neben dasjenige stellen sich meine Untersuchungen, was 
einzelne vorganger unausgerüstet oder wenig glücklich bis* 



*) anmerkuagea wa tab. 50 des aennten theili lelaer eritiicheu ge- 

fdiiftite. 

••) in der benenminpr lötuim und Tliurs habe ich nivtliisclien grund 
nBcligewies«>n. btrusii.sche iiberlieferiin«; sclieint niclit blof* iu eigen- 
oanieii (s. i7) wtit zu wurzeln. Jene ü^iiiphe, die dem »tier den furcht» 
baren iiaiiita di-ä liociiäteu ius ohr raunt (O. Mftlleii Str. S, 8S aarh 
des Lsctaatios oder Lutatius Placidus aus dem 6 jb. schölle au Stalti 
Theb. 4, 516) Iiehrt ia der veibreiteteii legende des MA. von Silvester 
{ht\ Sarins 6, 1064) wieder, wo ein Jude Zambres ciuca stier tödtet, 
dem er gpttes beiligea aamca ias ohr s|>rtcbt« 



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(XXIX) 

her erreicht haben. Aufljauen "vvollie ich, nicht hlofs nicder- 
reiCsen. Leichtgläubige critik schwebt in gefahr zu behaup- 
ten was geleugnet^ zweiielsiichtige in der zu leugnen was 
behauptet werden niufs. Immerdar haben ArukieU und 
Keyislers treugemeinte arbeiten, weil sie material zusammen 
brachten, der deutschen mythologie mehr geiruchiet, als die 
es wegschaffenden bestrebungen , - welche durch Schlüzers 
ungeluuguen , damals blendenden angrif auf die nordische 
hteratur hervorgerufen wurden. J^in vorlbeil war, dais die 
dichter, Klopstock ziinial, der es fühlte welchen abbiuch 
unsere poesie durch den mangel einheimischer gutter leidet, 
wenn auch in anwenduog der nordischen auf Deutschland 
strauchelnd, die erinnerung an das heidenthum wach erhiei« 
ten. Gräiers thatigkeit dafür, eines iinm&fsig eitlen sdirift« 
stellers von viel geschrei und ¥renlg wolle, vermocbtc es 
nicht «ie w&rmer anzufaeben. Adelung und Aühs durch 
erneute, kaum neues vorbringende bekampfung der edda 
versündigten sich zugleich an dem alterthuni ihrer heimar, 
da« aie nicht kannten; Delius, in den nachtragen zu SuU 
ser gedachte deutsche und nordische niytliologie auf einen 
streich zu vernichten; als konnte uns der dringenden noth« 
wendigkeit gründliches queUenstudiums willkürliches aus« 
legen und deuteln einzelner Zeugnisse überheben. Seit die 
dichtkunst des dreizehnten jahrhundertSi wie sie soll, ge- 
pflegt wird, ist auch das höhere alterthum, so wenig strah- 
len sie auf es zurück vrirft, mit günstigem auge angesehn* 
In Monas werk erfireut die wieder positiv gewordne be- 
trachtung; aber sie leidet unter dieses Verfassers eigenheit, 
seine ei^ebnisse, seien sie haltbar oder unhaltbar, reif 
oder unreif, gleich von vornen herein fertig abzuthun; 
seine nidit selten sinnige, allein spröde combinatlon beraubt 
sich dadurch aller wadhsenden hevr^lichkeit, und der leser 
mag ihr nicht folgen* Die beiden neuesten Schriften sind 
von mir uneingesehn : Legis handbuch der altdeutsdien und 
nordischen götterlehre (1831), weil ich dem der sonst nur 
andere ausschreibt nicht zutraue, dafs er hier eignes vor- 
bringen werde, und Barths altdeutsche religion (1835), 
weil die Rabiren mich abschreckten. Westendorps leidener 
preisschrift (1830) scheint mir verunglückt Zu einer grofs- 
artigen, gelehrten bearb^itung eignet sich der ganze um- 
fang altnordischer mythologie in höchstem grade, hat sie 
aber noch nicht hervorgerufen. Ohne Finn Magnussen» 
bauptansichten zu theilen erkenne ich mit vollem dank, 
\%'ie ersj^riefslich seine leislungen diesen Studien geworden 
sind. Ucä gedankcm*eichen Giuudlvigs wiederholte bemü- 



« 



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(XXX) 



liung (1832), der niirdbctieif gGtterlelire nur eto« poetfsch*- 
•ütliche grtindlagc uiirersuschieben steht mit allein, was icli 

aus dem altertluiin gelernt habe, in ^vide^sprllcll. Weder 

aus einem cheniischen procels noch einem ästhetischen las- 
sen die allen gölter sich ableiten, so wenig als der urspnntg 
der spräche zu ergrüudea ist iu onomatopoesie oder in 
logischen gesetzen. 

■ Von Willielni Wackernagel und John INT. Kemble sind 
mehrfache beitrage diesem buch zu theil geworden. Sie 
aber, lieber freund, der Sie sechs jähre lier freude und 
leid mit uns trugen, und wissen unter welchen sorgen es 
aufgewachsen ist, müssen natürlich finden, dafs ich es 
Ihnen widme, sollten Öle es auch ungeleseu lassen wie 
Olshausens xendavesla* 



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I 

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inha.lt. 



. I. einleltUDg • « • * 8. t. 

II. gott . • • • • 10. 

III. goUesdieuftt • • • • 19. 

IV. tempel • « • • 39. 

V. priester " « • • • 

VI. götler . . . • 67. 
VIT. Wiiotan . * . . 94. 

VIII. Donar • . . . 113. 

IX. andere götter • • . • 131. 

X. göttinnen « • • • 152. 

XI. beiden • • • . 200. 

XII. weise freuen • • * . « 224. 

XIII. Wichte und elbe • • . 246. 

XIV. rieaen .... 296. 

XV. elemente • . • . 325. 

XVI. bäume und thiere . • , 371. 

XVII. liimnicl und geslirne • • 39«. 

XVIII. tag und nacht . . . 424. 

XIX. Sommer und winter • • 435. 

XX. weit ..... 457. 

XXI. seelea • • • • 477. 

XXII. tod . . . . . 486. 
XXlil. heil und Schicksal . • . 500. 

XXIV. gespenster . • • , 511. 

XXV. entriickuog • • • • 535. 

XXVI. teufel . , . . 549. 

XXVII. Zauberei • • • . 579.* 

XXVIII. aberglaube • . . 639. 

XXIX. jkrankheiten . • . 668. 
nachtrage . . • • . 689, 

Anhang 

angelsächs. Stammtafeln ... I. 

aberglaube . . • • . XXIX. 

beschwörungen • • • . CXXVI. 

aberglaube (fortsetzung) • • • CLL 

krättteraber^aube • • * • • CLX. 



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CA.P. I. £li>iL£ITUNG. 

Von Asiens westlichster küste hatte sich das christenthum 
^icb herüber nach Enropa gewandt; der breite boden des 
welttheils, in dem es entsprangen war, konnte ihm nicht 
lange nabrung geben, und auch im Norden Africas schlug 
es nur oberflächliche wurzeL bald wurde und blieb Eu- 
ropa sein eigentlicher sitz imd heerd. 

Es ist beachtenswerthy dafs die richtung, in welcher 
der neue glaube yon Süden nach Norden um sich grif, dem 
Strome der Wanderung gerade entgegensteht , die Ton Osten 
und Norden nach Westen und Süden damals die vOlker 
blntrieb. wie dorther geistiges licht eindrang^ sollte yon 
hieraus das leben selbst erfrischt werden. 

Das ermattete weltraeh der Römer war zugleich in 
seinem innersten aufgeregt und an seiner grenze überschritt 
ten. aber mit derselben gewaltigen lehre, die ihm eben 
erst seine alten gütter gestürzt hatte, konnte das unter« 
würfige Rom sich von neuem seine siegor nnterwerfen. da- 
durch gescliah der flut jener bewcgung j^kitzlich einhält, 
die neubekehrlen länder begannen sich zu festigen und ihre 
waiTen umzukelircn gegen die im rücken gebliebenen Heiden. 
► Lang-am, scluritt vor schritt, wich die heidenschafl 
der christeidicit. 

Fünfhiuidert jalire nach Clirislus glaubten an ilni noch 
die wenigsten vulker Kuropas; nach tausend jähren die 
meisten un<l ])e(leuleiulstcn , aber nicht alle. 

Aus Griechenland und Italien gieng die christliche lehre 
zunächst über nach Gallien im zweiten imd dritten Jahr- 
hundert, einzelne Christen kommen gegen das jähr 300 
oder bald nachlicr vor unter den rheinischen Deutschen, 
zumal Alamannen, um gleiche zeit unter den Gothen. Die 
Gothen sind das erste deutsche volk , bei dem das chri- 
stenthum im laufe des vierten jh. sicliern fufs fafste, West- 
gothen giengen voran, Ostgolhen folgten; nach ihnen be- 
kehrten sich Vandalen und Gepiden. diese stanune hiel- 
ten es mit der arianischen lehre. Die Burgunden in Gal- * 

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2 



licu wurdeu catlioHsrh zu anfang des liiufteii ili., hernach 
unter \vestgothistlirii herschcru ariauisrh . im beginn de» 
sechsten wieJtiuni calliolisch. Die 8ueven in 8j)anien 
waren anfangs calliuUsch, dnnn ariani«ch um 4G9), bis 
sie mit allen Westsolhen im 6 ']h. qhM<hfnlh zur callioli- 
sehen kirrhe ii1)crtratcn. F.rst j^oi^en den srhhds des fünf- 
ten und zu anf.mg des sef hsten gewaiui dn*^ < lirislonlhum 
die Franken, bald darauf die Alaiiiannen, uai liLor die Lan- 
gobarden. Die Baiern wurden im siebenten und aclilen, i rie- 
sen, Hessen und Thüria£^er ioi aclitcu^ die Sachsen gcgeu das 
ÄCUnlc ib. bekehrt. 

r^ach Britannien liatlc schon friilic von Rom aus das 
christenthmn eingnng gefunden; einbruch der lieidnischen 
Angelsaclisen störte es. gegen den schluls des sechsten und 
im beginn des «iebenten jU. giengen auch «ie xum Aeuea 
glaub cu über. 

Im zehnten )h. wurden die Dänen Clu-Istcn, zu anfang 
des eilfteu die Norweger, in der andern Itrllfte des eilften 
entschieden die Schweden, um gleiche seit drang daa dixi- 
•lenlhum nach Island. 

Von den slavisclien Völkern nahmen zuerst Mähren und 
Siidslaven im achten und neunten }h. cbrisUiclien glauben 
an, unter den Nordslaveu Obotriten un neuntetty dann Boll« 
men und Polen im sehnten, Öui*ben im eilften^ Russen zu 
€nde des zehnten. 

Ungarn im beginn des eilftcn, lieven und Letten im 
zw(ilften, Ehsten und i^iunen im zwülüen und dreizehnten^ 
Litthauer erst im anfang des funfzelmten. 

Alle diese angaben sind blols allgemein gefafst; M'eder 
frühere bekehrungen noch späteres, längeres haften am hei- 
denthum Im einzelnen schHel'sen sie aus. Abgelegenheit luui 
Unabhängigkeit des volksstammes sclititzten den hergebrachr 
ten glauben, oft versuchten auch die abtrünnigen wenig- 
stens iheilweise rückkehr. Das chrislentlunn äulserte bald 
seine Wirkung auf die gemütcr der «vornehmen und rei« 
chcn, diu*di deren beispiel das gemeine volk liingerissen 
wurde, bald zuerst auf die armen und geringen. 

Als Gdodowig taufe empfieng und die saUschen Fran- 
ken ihm nachfolgten, waren schon einzelne menschen aus 
allen fränkischen stammen vorausgegangen« der verkehr mit 
Borgunden und Westgothen hatte sie der arianischen lehre 
geneigt gemacht, während in andern tlieilen Galliens die ca« 
thoUsche anhänger fand. Lanthild, Chlodowigs eine Schwe- 
ster, war vor ihm arianisdie christin gewogen, Albolled, 
die anderoi heidin geblieb««: je^t lieüs sich diese mit ihm 



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EINLEITUNG 



taufen y iene ziuii catliolischen bekenutuis übcrfüliren 
aber noch im sechstexi und aiebenten jb. war das hdklen- 
tbuni in einzcbien gcgenden des fränkischen reicbs unaus- 
fmUeL ^ustrien Jiatle an der Loire und Seine heidnidch» 
bewoliner^ Burgund in den Vogesen, Auöirasicn in den Ai^ 
dennen; zumal sclLcinen nordwärU gegen Friesland hin im 
lieutl§en Flandern Heiden fortzudauern Spuren des bei* 
dentbums liafteten unter den Friesen bis ins neunte 9 unter 
den Sachsen bis ins zehnte jb., auf gleiche weise unter Nor- 
jMnnen und Schweden bis ins eilfte und zwüilte ***). Bei 
den nürdlicben Slaven war der götzendienst hin und wie» 
der im zwölften ]h, nicht ausgetilgt, ja bei den Finnen und 
Littliauern im sechzehnten und siebzehnten nicht durcligünp 
g% die üuisenten Lappländer hängen ihm noch hen^ 

sutage an. 

Das Christenthum war nicht Tolksmafsig. es kam aus 
der fremde^ und wollte althergebrachte einheimische gütter 
Terdräogen, die das land ehrte und liebte. Diese göttar 
und ihr dienst hiengen zusamnien mit Überlieferungen^ ver* 
fassnng und gebräuchen des yolks* ihre namen waren in 
der landessprache entsprungen und alterthümlidi geheiligt, 
künige und forsten fährten stamm und abkunlt auf ein^ 
seine götter zurück; wSlder, berge^ seen hatten durch ihre 
nahe lebendige weihe empfangen« Allem dem soUte das 
▼olk entsagen, und was sonst als treue und anhSnglidikeit 
gepriesen wird, wurde von yerknndigem und an^üngem 
des neuen glaubens als sünde und verbrechen daigcsteUt 
und verfoli^t. 

Der neue glaube erschien im gelelt emer firemden spra* 
die, wekhe die bdidurer ihren zijglingen überlieferten und 
tfidadarch zu einer die vaterlandische zunge in den meisten 
gotteedienstUchen Verrichtungen ausschlielsenden priester* 
«vache evlioben* zwar gilt dies nicht von den grieduschr«- 
inim landern, die der ursprünglichen abfassung der Christ- 



*) baptisttia est AlboAedis Laothiidii chrismata est. Greg. 

t«r. S, 81. So wini sudt die gotbiwlie Brunicbild, Sigibert« geaiab- 

Kn, chrismiert (4, 27.) und der gotli. Hermiakhiid, In^^undens ^e- 
iTirtfil (5, . >vol)ri or tieii neuen nnmen Jofliines enijifänsl. Die 
Arianer scheinen üljertretende Callioliken wiei/er^clauf/ zu lial)cn: ehcn 
jene Ingund wurde von (joisuintiia, ilirer inütterliclieu groHuautter, aa~ 
getriebeo 'ut rtbapiizaretur.' v^l. cnpitularia 7, 401. 

**> belege aacbber cap. i\. vgl. lex FrisioBom ed. Ganpp p. XXIV. 

19. 47. 

•••) fornmannasryfTur 4. lin. 7, 151. 
AVe<Ji?kiii(ls noten 2, 215. 276. 
RLe^ daiupt p. 333. 

i* 



fr 



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4 



EINLEITUNG 



liehen üirenljaniiig iulgcu kuiiuteii, aber ducli von ilcr viel 
weiteren slrccke, atit' welcher sich die lateinisvlie kinlicn- 
spraclic aiisbreitcle , selbst unter romauisc hon vöikerschal- 
ten , (leren gemeine nmndart sieh bald vf>n iler allrüniischen 
regel lusiuachte harter war der gc^eusatz in den übri- 
gen reichen. 

Die heideiibekehrer, slrengFromni, onthallsani, das lleiscli 
tüdtend, iiiclit selten kleinlich, struriseh und in kneehli- 
scher abhiingigkeit von dem fernen Koni, musten das na- 
tiunalgefühl vielfach verletzen. TSicht blols die rohen, blu- 
tigen npfor, auch die sinnliche, lebensfrohe seile des hei- 
denthujiis war ihnen ein grenel. \^'as aber ihr wort und 
ihre wiuulerthäligkeit nicht bewirkten, sollte oft durch feuer 
'und sebwerl von neubekehrten Chrutexi ^0gea verdtockte 
Heiden ausgerichtet werden. 

Der »ieg des christenlhums war der einer milden, ein« 
fachen, geistigen lelire über das sinnürhey grausame, ver- 
wildernde heideuthum. für die gewonnene rulie der seele, 
für den verlieifsenen liinuiiel gab der mensch seine irdi- 
schen ft^euden und die erinnerung an seine vorfahren* Viele 
folgten innerer eingebung des gemüts, andere dem beispiel 
der menge y nicht wenige dem eindruck unvenneidiicli^ 
gewalt. 

Obsdion das untergehende heidenthum von den be- 
richterstattem geflissentlich in schatten gesetzt wird, bricht 
dodi suweilen rührende klage über den verlast der alten 
gütter, oder ehrenwerther widerstand aus gegen die fiofser^ 
lieh aiifgethningne neiierung 

Die bekebrer verschmähten es nicht auf die sinne der 
Heiden zvl wirken durch alles was dem clu*istlichen cultus 
ein höheres ansehen gegenüber dem heidnischen gewübren 
konnte: durch weifses gewand der täuflinge, vorhänge^ 
l^odLengeläute, kenenanzünden und weihrauchbrennen**)* 
Es war audi weise oder kluge maTsregel^ viele heidnisdie 
platze und tempel beizubehalten, indem man sie, wo es 
angieng, nur in christliche verwandelte, und ihnen andere, 
^eichhetUge bedeutung überwies. Die heidnischen gütter 
selbst wurden zwar als unmächtige im gegensatz zu dem 
waliren gott dargestellt ^ doch nicht überall als machtiose 
an sich selbst, sondern in feindlidie, böse gewalten ver- 
kehrt, die unterliegen müssen, denen aber doch noch eine 
gewisse scIiSdliche thaiigkeit und einwirkung beigelegt weiv 



") foraniaiiim sögiir 1, 31 — 35. kralodworsky rnkopU 72. 74. 
*') Ureg. tar. 9, »J. fornni. $ög, l , SMOt. 900. 



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EINLEITUNG 



5 



den konnte. Einxelne heidniadie äbeiiieCerungen und abei> 
glättblsche gebrSuche dauerten iwtf indem sie Mofs na- 
men änderten und auf Christus, Maria und die heiligen 
anwendeten, was vorher von den gütsen ersühlt und ge* 
glaubt wurde» Andemtheils verstörte und unterdrückte die 
frönunigkeit christlicher priester eine menge heidnischer 
denkMle, gedichte und meinungen, deren Ternichtung hi- 
storisch schwer su verschmerzen ist; allein die gesinnung 
ist tadellos, welche uns ihrer beraubt hat. an der reinen 
Übung des christenUiums, an der tilgung aller heidnischen 
spuren war unendlich mehr gelegen, als an dem vortheil, 
der später einmal, wären sie länger stehen geblieben, für 
die geschichte hatte aus ihnen hervorgehen kOnnen. Bo- 
nüaeius und Willebrord, indem sie die heilige eiche fäll- 
ten, die heilige quelle autasteten, und lange nachher die 
bUdersturmenden Reformierten, dachten nur an die ab- 
gütterei, die damit getriebMi wurde. 

Wahrscheinlich kam auch unter den Heiden selbst hin 
und wieder parteiung und secte, ja in einzelnen gemütern 
lierangereifte veredliuig der denkungsart und sitte dem ein- 
gang des clirislenllnims auf halbem weg entgegen. Merk- 
würdig ei'^välmt die altnordische sage verschiedcntliLh ei- 
niger nuinner, die sich aus innerem üheiHhuls und zwei- 
fei dem hc'iiliiisrlion glauben abwemleiid , ilii e zu>««rsicht 
auf die eigne kratt und tugeiul slellloti. so lieilst es im 
Solar liodli 17 von Vebogi inul liadhey 'a sik lliau Irudhu' ; 
von künig Hakon (fornni. süg. 1, 35) ^konuiigr gerir scm 
ailir adhrir, thcir sem tri\a u jnatt sinn ok megin'; von 
Bardhr (das. 2, 151) *ek trüi ekki d skurdligodh edhr fi- 
andr, hefi ek thvi lengi tri\at d matt niinn ok megin' ; von 
künig Hrolfr (fornald. süg. 1 , 98) 'ekki er thess getit al 
Hrvdfr koniingr ok kappar hans hafi nokknrn Inna blulal 
podh, heldr trAdhu a matt sinn ok mogin': von Orvaroddr 
turnald. siig. 2, 165. vgl. 505) ^ckki Nandisl blulum, thvi 
' hauu tri\dbi ä matt sinn ok megin'; von Finnbogi ([). 272^ 
*ek trAi X sialfan mik\ das ist die gesinnung wcU bc noch 
in einem diinist ben Volkslied (D, V. 4, 27), wicwol ohne 
bezug aui gollesverchrung, ausgesprocheu wird: 

fürst Irocr jeg mit gode svai^d , 

og saa min gode besi . 

derna.-^t troer iog iiiiiie dannosveune, 

jeg ti-oer mig selv allerbedbt. 
Wir dürfen annebmcn, wenn schon das heidenthinu nodi 
eine Zeitlang lebendig hiitle >vur1iern , und gewisse eigen- 
tbÜQiUclikeilen der vüiker, die ihm ergeben waien, fichar- 



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6 



EINLEITÜNG 



fer luul ungeslürler ausprSgDi küiinen . dafs doch ciu keim 
des Verderbens und der Verwirrung in ilim selbst Ing, wel- 
cher C3 ohne dazwischcntrilt der christlichen lehre /errül- 
tet und aufgelöst haben '\%nirde. ich vori^k'iche das heiden- 
tluun einer seltsamen pflanze, deren farbii;c, duftende bliile 
wir mit Verwunderung helrachten , das christentbum der 
weite strecken ciiincluuenden aussaat des nährenden getraides. 

Die geschichte der heidnischen- lehren und vorstellim- 
gen wird sich je leichter schreiben lassen, je länger ein- 
zelne volkastämme von der bekehrung ausgeschlossen blie- 
ben, unsere vertrautere bekanntschaft mit der griechisdien 
und römischen religion gründet sich auf quellen, die schon 
vor dem entstehen des cluistentliums entsprungen waren; 
desto geringere künde wohnt uns aber oft bei von der ver- 
änderten gestalti welche die ältere lehre unter dem gemei- 
nen Volk in Griechenland und Italien während den ersten 
Jahrhunderten unserer Zeitrechnung angenommen hatte, auch 
in den altceltischen glauben kann die Forschung wenig tief 
eindringen. Viel genauer konnte uns die religion der 81a- 
ven und Litthauer bekannt sein, hätten diese vOlker in 
den Jahrhunderten, die zunächst auf ihre bekehrung folg- 
ten , erinnerungcn an Dir alterthtun besser gesichert ; gleich- 
wol ist manches einzelne nur noch ungesamnielt und die 
forllebcnde iibcrliefcrung gewahrt hier in nianclicn gegen- 
den reichhalligen slof. elwas mehr bescheid weil's mau 
um die finnische niylhologie. 

Dculschlaiid befindet sich in seiner besonderen nicht 
ungünstigen niitle. "N^'abrend der übertritt Galliens und 
Slavenlnnds überhaupt docli im verlauf einiger jalirhunderte 
entschieden und abgetlinn M-urde, sind die deutschen stamme 
ganz stufenweise und langsam vom vierten bis zum eülten 
jh. dem glauben ihrer vorfahren ablriüuüg geworden, ihre 
Sprachdenkmäler haben sich reichlicher und aus den ver- 
schiedenen zelten erhalten, aufserdem besitzen wir in den 
werken römischer Schriftsteller, zumal des Tacitus, zwar 
besdu^änktc und ausländische immer aber sehr bedeutende, 
ia unschätzbare nachrichten über die äitere^^ ungestörte zeit 
des deutschen heidenthums* 

Die religion der zuerst bekehrten ost- und süddeut- 
schen stamme ist uns viel dunkler als die der Sachsen; 
wiederum aber vrissen wir von den Sachsen ungleich we- 
niger als von den Scandinaviem. Welche ganz andere ein- 
sieht in den gehalt und in das material der unterdrädcten 
lelire besafsen wir, wie sehr wachsen würde die deutlich- 
kfit der Vorstellung, die wir uns davon zu bilden vermü- 



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EiNLKilUiSO 



7 



geU| vreim ein geistlicher zu FulJa^ Regeudbiu^, 6. Gal- 
len, oder zu Bremen und Magdebai*g im achten, neunten,^ 
sehnten jh. darauf verfallen SvHre, die nocli vorräthige' 
tiadition des volks Ton dem glauben und abei^glauben der 
rorfaliren, in der weise des 8axo grammaticns , zu sam- 
meln und anlsustellen« man sage nichts damals schon sei 
nkhu mehr zu haben gewesen ; einzelne spuren legen dar, 
dafa solche erinneningen wirklich noch nidift ausgestorben 
sein konnten *)» und wer seigt uns in Schweden, das 
ttnger und treuer am heidenlhum haftete, eine aufzeich« 
ooDg, wie sie in Dänemark wührend dem zwölften )h. 
wirklich erfolgte? würden ohne das die Zweifler nidit sie 
in Schweden för unmö^ch erklären? in der that, Saxos 
acht erste bitdier sind mit das erwünschteste denkmal der 
nordischen mjrdiologle, nidit allein ihres gehalts wegen, son- 
dern weil sie zeigen, in welches veränderte licht unter den 
nenen Christen der alle Volksglaube gestellt werden muste. 
hervor Lebe ich, dafs Saxo wichtiger gotter gunz ge- 
schwelgt; um so "Weniger darf aus der nichterwahiiung 
vieler gottlieiten in weit dürftigeren Schriften des inneren 
Deiiischlands gefolgert werdeuj dafs sie hier ijuiner Sixnid 
govescn seien. 

Auf^cr diesem Saxo hat sich nun aber die reinere 
quelle altnordisrlier religion in dem abgelegensten ende des 
Nordens, wohin sie, gleichsam zu vollständigerer Sicherung, 
gefliirlitot war . auf Island geborgen. Nicht blofs in den 
beiden eddeu, auch in einer menge vielgeslaUiger sagen, 
die ohne jene rettende auswandeioing wahrscheinlich 'in 
Norwegen , Schweden und Dänemark untergegangen waren. 

Die echtlicit der nordischen mytliologie anfechten wäre 
eben so viel als die echtheit oder Selbständigkeit der nor^ 
dischen eprache in rweifei ziehen, dafs sie uns in reine* 
rer und getrübter auflkssungi in älteren und jüngeren quel- 
len überUefert worden ist, erleichtert ebeUi sie desto viel- 
leillger und historischer kennen zu lernen. 

Ebenscywenlg läTsI sich die gemeinschaft und nahe be- 
tiflauDg der nordischen m^rtfiologie mit der übrigen deut* 
Sehen verkennen, ich habe in gegenwärtiger schrift untere 
nommen alles was von dem deutsclien heidenthum Jetit 
Dodi zu wissen ist, und zwar mit ausschlielsuDg des Tollstlüi» 
digen Systems der nordischen mythologie selbst, zu sam- 
flidhi und darzustellen« Durch diese eimchrHnkmig koife 



*) wurde doch im zeliuten jli. auch die heidcniage von WuUhar 
wd liildcguud zu S. Gallen Inteinbi h gedirhttit« 



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8 



HINIOTUNe 



ick licht und ramn m ^ewimieii lor die cxitik des al(i- 
deiit8chen glattbenty insofern er dem nordischen entgegen 

oder ziir seile steht; nur da wird es uns also auf den 
lelzleicu ankommen, >vo er scineni inlialt oder seiner ricli- 
tuiig nach mit dem des inneren Deutschlands zusammen- 
tiili. alles iiljrii;c. der nordischen lehre alicüi eigeutliüni« 
liehe ) gcliörl iiiehl hierher. 

Das aller, die ursprüngUclikeit und der zusaiimieuhaDg 
der deutschen und nordischen niythologie beruhen 
t. auf der nie verkannten ganz nahen verNvandtschafl der 
Sprache beider stamme , so \yie der jetzt auch unwiderleg- 
lich dargethaneu eincrleiheit der formen ihrer ältesten poe- 
fiic. unmöglich können vülker, die eine aus gleichem grnnd 
und boden entsprossene spräche redeten , deren lieder die 
eigen thümliclüveit der den nachbarn ü^emden oder völlig 
anders gestalteten alliteration an sich trugen, in ilirem göt* 
terglauben bedeutend von einander gewichen sein, die al* 
literadoit scheint zuerst in Hochdeut sclüandy dann auch in 
Sachsen, gerade darum dem chxistlicken reim zu erliegen, 
weil sie in heidnische damals no<^ nicht verhallten ge* 
sängen geherscht hatte. Jimer Urverwandtschaft unhescha« 
det, haben sich deutsche und nordische miindart und 
dichtkunst allerdings in manchem besonders gestaltet und 
ausgebildet; unglaublich aber schiene^ dafs der eine stamm * 
götter, der andere keine gehabt haben sollte, oder dafe die 
hauptgottheiten beider eigentlich von einander verschieden 
gewesen wSren. sicher fanden merkbare unterschiede stali^ 
allein nicht anders als in der spräche« 
3. auf der nachM-eisIichen gemeinschaft vieler ausdrücke 
des cultus durch alle deutsche sprachen. vermögen wir 
bei (jüllieii des >ierten ih. , Alaniaancn des achten ein wort 
in der form und bedcuUing aufzuzeigen, die es genau noch 
in der nordischen quelle des 12 oder 13 jli. behauptet,* 
so wild dadurch die \erwandlschaft der deutschen lehre 
mit der nordischen, und das alter der letzten gerechtfertigt. 
3. auf der liin und wieder durchbrechenden identität my- 
tluscher begriffe und benennungen: so ist die elnstiinnning 
des ahd. muspilli , alts. niudspelli niil dem eddisi hen nms- 
pell, oder des ags. brosinga niene mit dem eddisclien bn« 
siuga men ein vollkomnieu sclilagendes zeiignis. 
4« auf der ganz ähnlichen weise wie sich liier und dort 
der mythus an die heldensage zu knüpfen pflegt; wellgo- 
tiiische , frankische , nordische heldensagen ineinander grei- 
fen, liifst sich auch beriiluiing im liintergrund stehender 
verhüllter mythen Khweriich ablehnen. 



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EINLEiTUNG 



9 



5. auf der eingetretenen miscltiiBg des mythlachcn Clements 
mit den namen Yon pflanzen und gestirnen. das ist eine 
unvertilgtc spur des undten» innigeii bandes cmrischen got» 

lesdiciisl und natur. 

$m auf der allmäiich erfolgten verwandhing der götter in 
teufel, der weisen fi*auen in hexen, des gottesdienstes in 
abeq^ubische gebrauche* zuletzt flüchten sich die g(>tter^ 
namen ia verdunkdte ausrufungen , sclnviire, fiüdie, be« 
Üieucningen. Eine gewisse analogie damit hat die übertra« 
giing der heidnischen mythe von göttinnen und gOttem auf 
Maria und hellige, von elben auf eugel. 
7. auf dem deutlichen niederschlag der göttemythen in 
einzelne, hmtzutage noch lebendige voUusagta vnd hin« 
dermärchen. 

auf dem unleugbaren ineinand^i^greifen der alten gOtter» 
lehre und rechtsver&ssung. 

Unumgänglich scheint es, bei erörterung dieser ma- 
nigfidten verhlihnisse die mythologie benachbarter Tülkerj^ 
vorzügBcb der Slaveui Litthauer und Finnen, wo sie be- 
statigung und erläuterung gewähren , nicht zu übersdien« 
dieses weiter gesteckte ziel hat schon seinen grund und 
voUgüitige entsduüdigung in der mehrfach einwirkende 
Terwandtschafl der spradien dieser Völkerschaften mit d^ 
deutschen, namentlich der finnischen und Utthauischen nut 
der gothischen , der slavischen mit der hochdeutschen« Dann 
aber ist die gü Hersage und der aberglaube gerade dieser 
vddfibtr besonders geeignet uns über den gang zu verstSn« 
digen, den das einheimische hetdenthum) in seinem beste* 
hen und verfall, genommen hat. 

Vor der verirnmg, die so häufig dem studitun der 
nordischen und griechischen mydiologie eintrag gethan, ich 
meine die sucht, über haibau fgedeckte historische daten 
pliilu&ophische oder astronomische deutungen zu ergielsen, 
schützt mkh schon die im Vollständigkeit nnJ der lose zu- 
sanunenliang des rellbaren. ich gehe daiauf aus, pelieu 
und einfacli zu sammeln, was die frühe Verwilderung der 
Völker selbst, dann der höhn und die scheu der Clu'islen 
von dem heiilenlhum übrig gelassen haben , und wünsche 
nicht« als dals *ue arbeit für einen anfang weiterer for- 
schungeo in diesem sinn gelten kuune. 



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10 



GOTT 



CAP. IL GOTT. 

In allen deulschen zungen von jelicr Ist das hoclisle 
wesen einstimmig mit dem allgemoliieii namen Göll be- 
nannt worden, die formen lauten golli. guthj ags. alts. 
altfries. god, alid. cot ^ ahn. giulli , srliwed. dan. gud^ 
mild, got , mild, god, xnul hierbei i*^t noch einiges gram- 
matisclie anzumerken, ncmlicli obgleich alle dialecte (auch 
der nordische) diesen ansdnick mainiHrh gebrauchen (wes- 
halb ahd. der acc. 8g. cotan^ ein inlitL goten kenne ich 
Aicht); so entbehrt der goth« imil altn. nom. sg. des kenn- 
seichenSy und der golh. gen. 8g.^lrd ohne i gebildet 
■worin er mit den genidven mans, fadrs, bn^thrs zueam« 
mentrift. ich moi hte nun überhaupt das i in den gewöhn- 
lichen genitiven für unorganisch , und die anscheinende ano« 
malie in gutfaSy mans für einen Überrest der filteren» echten 
form erklMren, wie denn auch seit dem entsidien des Um- 
lauts dieser casus niemals umlautet, analog den ahd. ge- 
nitiyen man, fatar, pruodar hiitte man den gen. coi su 
erwartln, ich besweüle ihn nicht, bin ihm aber noch nir* 
gend begegnet, sondern nur dem gewöhnlichen cotes, vrie 
auch mannes und fateree erscheinen, wahrscheinliclier ist, 
dafs die heüigkeit des namens die aHe, unangetastete form 
sicherte, als dafs der hfiufigc gebrauch sie abschlif. ein 
gleicher grund erhielt selbst die ahd. Schreibung cot (gramm. 
1, 180) und die mnl. god (1, 486), vielleiciil den lat. vo- 
cativ deus (l, 1071.) 

11 her die wurzclliaflc bedentung des wortes sind wir 
nullt hinlänglich aufgeklart; dafs das adj. gut, goth. guds, 
ahn. gudr, ags. god, ahd. cuot , mhd. guol unverwandt ist 
lehrt die versrhicdenheit des Vdcals. Rbensuwein'g mit die- 
sen beiden wurlcrn berührt sii h iler voiksnamo der (iothcn, 
die sich selbst Gutans (ühd. Kuzuu, ahn. (loinr' nannten, 
vnid von don nltn. Gautar (ags. Geatas . ahd. Jvuz^y goth. 
Gautds?) luilerschieden worden nnisson. i 

Zii gott hat man langst dns pers. k/iudd gehalten, 
wenn dieses, wie neulich scharfsiuiiig «ufgestellt worden 
ist , durch eine starke Verkürzung aus dem zendischea qva» 
d4ia (a se datus, increatus, sanskr. svadata) hervorgteng^ 



*) bei Tacitiis wird am riclitigsleu ge.%cli rieben Colones Gutoos; 
4m bjfssntioische /«r^« oder ri&n* liocbdeultch st, and kaan mit sam 
beweis gcbnuicbt weiden, dafs das sIhL Z sui TH €ats|irtng. 



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I 



GO'rr 1 i 

«o vffirc unser (1(11 Ladies wort ursprünglich zusammendet- 
zung imd von treifeiidem sinn. *) 

In ahd. eigennamen nünmt cot vielmal die er«to stelle 
ein: cotadio^ cotascalh, cotafrit, cotaliram, cotakisal, co« 
iaporaht, cotallnt, ohne dafs sich daraus irgend etwas fitr 
die bcdeutung folgern liefse; sie sind gc])ildet, wie irman« 
dio> hiltiscalli, sikufrity und können sich sovol auf den 
allgeineinen begrif des göttlichen -vresens als auf einen mehr 
besonderen beziehen. Steht cot an der zweiten stdle, so 
kann durch das compositum nur ein gott^ nicht ein mensdl 
ausgedruckt werden; so in irmincot, heUlcot. 

Ulphilas pflegt in der ableitung das TH mit D zu Yer- 
tauschen, woraus sich die ahd. tennis erklSrt; es lieifst 
gudafadrhts Luc. 2, 25. gagudei Tit. 1, 1. während der dat. 
sg. beständig gutha lautet, auf gleiche weise wird, wenn 
Ton mehrem göttem, also yon abgöttem, nach christfi* 
eher ansieht , die rede ist» das neutral gebrauchte guda 
Joh. 10, 34. 35 geschrieben, vermutlich würde auch der 
sg. für die bedeutung idolum ffud lauten imd ein neutmm 
sein. Nicht anders ist die ahd. und mhd. Zusammensetzung 
apcoty aptcot neutral imd hat den pl. apcotir; erst nhd« 
hat man ange&ngen ahgott wieder männlich zu gebrau« 
chen. Einen andern hiermit gleichbedeutigen nhd. aus« 
druck göt%e habe ich gramm. 3, 694 aus einer mutmafs- 
lichen Zusammensetzung erklärt; Luther schreibt 5 Mos. 
12, 3 ^die götzen ihrer göiter\ nimmt also götze für 
idolum. bei Er. Alberus fab. 23 ist der götz ein halb- 
gott. **) Die ahn. spräche unterscheidet das neuü . gud/i 
(idolum) von dem masc. gudh (deus.) 

Unser Volk , a is scheu den nanicn gottc« zu entweihen, 
nimmt damit in lliu Ik ii und ausrufen eine Veränderung vor : 
potz weiter! potz tausend! oder lotz tausend! hotz 
\\ntnder ! slalt f^oUes, it h kauii diesen gehi aurli nidit auf 
die alle spiaelie /.urtickfiihren. Alter scheint die iiliuliche 
Wandlung des franz. dieu iu bieu^ bleu, guieu, ***) 

*) saldier verWftmiiigen gilit es mehrane beiipiiles aat aas aa^ 
habt»; inslt mm w2r»lt; Hia. toHea aas thofdoB. 

*') sclirifuteller des 16. 17 jli. gebraacben Slgötze für biMsenle 

(uncli Stielet von Iiildliclier vorstellunj; der auf dem ölberg sclil;i(eii- 
«Icn aposffl.) llatis Sacli.s häutig' Meii olf^otzen tragen* firr: im liaii!« 
•cliwcreu dienat thoo. 1. 5, 401«^ 3284. HI. a, 24^ IV. 3, 

87b »9«. 

saagbien (Mag de dien) , coibieu (corps de dlea) , TertablSa 
Cferttf de dieu), inorbN-u (murt de dieu), pnrbleu fpar diea), vertn- 

{rvteOf vertiigoi (vertu (h> dien), inorgiioi (rnort de diea), und andere 
derglekbea. sclitm iicniiri IHUr por Js cimr bieii^ 



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GOTT 



Einige auflalltiide anwendungen dea Wortes goti in der 
filteren und in der volksspraclie können vielleickt noch mit 
heidnischen YOrstellungcii zusanimcnliangcn. 

So wirtl goll gleielisani zur Verstärkung des persönlichen 
pronomens bci^clii^l. iiulen nilid. gcdic hloii liest man die treu- 
herzige enipfaiigsfürnicl : gote nndc mir AvilltUojnon Trisl. 
504. Frib. Trist. 497. gote sull ir wiliekomen sin, iurem 
laude imdo inii\ JVisl. jIöö. got alrest. dar nacli mir^ 
west %MiU'konien. Parz. 305, 27. >vis wiUcUumen 7nir u, 
got, Trauend. 29. s?t mir gote wilkonien. liilli. Trisl. 248, 
wis mir unde onch got ^viikümen. Ls. 1, 514. zuweilen 
steht blol's gole : diu nalit si gote wiliekomen. Iw. 7400, 
fv^as in den aimi. 8. 413 erklart ^Yird : j;()lt gelobl , es sagt 
nichts als: sehr willkommen, in Oberdeulscldand hat sicl^ 
diese bcgrüfsung gottwilche, gottwillkem, gottikum , skoU 
kiiom! heute erhalten (Stald. 1, 467. Schni. 2, 84.) ich 
finde sie nicht in den romanisclien gedichten , aber sclion* 
in dem sächsiscldateinischen Hede des 10 jh. auf Otto I und 
seinen bnider Heinrich in Eccards quatemio: sid wilicomo 
b^Üiiu goda endi mi I Das hüchste wesen wird allgegen- 
wärtig gedacht y und soll den eintretenden gast, wie der 
wirt selbst , in schütz nehmen, ich vergleiche das. dem 
ankömmling oder abreisenden zugerufhe heil (heill yer thu ! 
Säsgi. 67* B6^)y wobei auch hilfireiche götter genannt wer» 
den: heiU thu farir, heill tliu Hsyniom s^r! Svem* 31* heill 
scalltt Agnarr, alls thic heilen bidr vera t^ vera ! Ssem.40, 
Ebenso erhöht der name des allwissenden gottes die ver« 
Sicherung des Wissens oder nichlwissens : das weis got 
unde ic/i. Trist. 4151. den schätz weiz nu nieman wan 
got unde min Nib. 2308, 3. *) auch hier reicht das blorse 
got hin : iugcn vet min sorg nlan gud, svenska visor 2, 7. 
Nicht iianz vergleichbar sind redensarlen wie: ik klage 
godc iiiide iu, richlsteig landr. 11. 16.37; sanc die messe 
beide got u. Parz. ,i78, 25. neic si im unde gote 
Iw. 6013. Zuweilen wird das büse wesen neben der gotl- 
heit genannt: got noch den tiuvel loben. Iw. 1273. ia 
beschirmet der tiuf^el noch got. Iw. 4635 d. h. gar niemand. 

Dit^ gediclile des mittelalters legen gott menschliche 
leidenst haften bei; namentlich w'nd er oH in dem zustand 
des \s oll)chai;ens inid der frcude , dann a])cr auch in dem 
enlgegeugeseUlcu des zornes und der räche geschildert« 



*) bier scheint von trau zagleidi der nom. gut, iiBd der geo. 
sin abliaiigig, wie da« alid. Jno vonjunclioaeU dea aon., prapositie« 
neu den gen. bei sich hat: Ano er N. 44« 3. 4bo sia K 141, 8 



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GOTT 



13 



jener begiinslli^t' die erschalTnng aiisgczekhnolor , gliicklicli 
gehUileln- ineiisclieii. gol >vas an einer silezen zaJit ^ dor 
Parzivaleii worlile. Pnrz. 148, 26. gol der was vil senjles 
mnotes , du er gescliuof su reine ein \v?p. MS. 1, 17K 
got dor Nvns /// JrÖiden^ du er dich als ebene maz. IMS. 
1, 52^. gol der was in JiMiem werde du er j^esdiuof 
die reinen frnlit, -svaii ime Nvas gar woL ze niuote, MS. 
1, 24^. got si zcr werldc ])i*alile, du ze frenden sUiont sin 
miiot. ^^ igal. 9282, got der was vil ivol gemnot ^ du er 
scliuüf SU reinem wihr tn^cnt, Aviinne , sclioeno an Itbe. 
MS, 1, 201*. gol was gezierde milde,, der si bilde scliuof 
nVIi lobe. Troj. 145*». got selb in riehen fr enden vras, 
er ir 11p als ebene maz. nüsc. 2, 1Ö6. kk weis das 
gol in jröiden was , du er niht » frouwe , an dir vergaa 
waz man ze lobe soi scliouwen. Im 1 ^ 35. Auch ein 
troabadoiiir singt: belha domna, de cor y entendia diens, 
qnan formet vostre cors amoros. Rayn. 1 , 117« Eine 
^cfabeidnische gesinnung ist es, weldie gott neigiing su« 
flchreibt^ menschliche Schönheit cu beschauen, oder m 
tinuii iras die menschen thun« got mühte selbe gerne 
M$hea die selben juncfirouvren« Fragm. 22K ein puneizy 
das in got selber möhte sehen. Frauend. 19* si möhte 
Dich betwingcn mite eines engels gedanc^ daz er vil Ifhte 
einen wanc durch si tmn himele tceiem Iw* 6500 (nach« 
geahmt yon Ottocar 166 in Hartmanns £rec, wo von 
einer jiinglrau geredet wira , deren weifse hünde ein pferd 
besorgten (hegiengen), heifst es: und wcpre , daz got hie 
uj erde rite,, ich wicu, ia gcniiecle da Jiiilc, ob er sulheu 
maralalUr lioete. 

Von der uralten binnlichen vorslcHiiug des zdrnen^ 
den ^ rii eilenden goltes soll im vci lolg das wicliligste bei- 
spiel bei dem doiuier ahgeliantlelt w erden. **) die idee kelirt 
in der edda nielirnials wieder. reidhr er tlier Odinn, 
Teidhr er ther Asabragr. S;em. 85^. Odinn ojreidhr» 
S;em. 228^. gudha grej}ii Uleorum ira) wird verkündet, 
EgiUs. ;352. al grc//iia godh (ofrendcre deos\ fornajd. 
sog. 2, 69. ein zonifc gol in daz gebot, dazs uns lue 
»"oliU ri mit ir her. Tarz. 43, 28. hio ist geschehen goles 
rdche. Iieinli, 975. bciju \ erbot der soiui tagsarbeit sagt 
die lex Ba>UV. 6, 2: qnia talis causa vitanda est, quae 
<leum ad iracundiam prot^ocat^ et exinde flagellamur in 



*) der golli. misdnuk für friede, rulie Ist gavautlii. 
**) deoff iratot liabeam ! iKi iaimortiilM bominibps irasri et sncce»- 
*ert foasaeTernat Ci«. |»ro Rosr. Coai A9. 



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14 GOTT 



fnigibus et pemiriam paduuir» wie rohaimilicli druckte 
inaii eicli iiodi im 17 jh. aus: ein misbraucky der gott in 
luirnisch bringt^ und zu scbarfer luignädiger einaekuDg 
vcrursadit^ daTs er gewis, zu rettung seiner ekre, mit 
Jausten darein ncluneifien wird ; oder : dem zornigen, 
eifrigen gott in die spieße laufen. Einen bösen men- 
schen schalt mau im mitteialter gote leide! goU und den 
menschen verhafster! eine Verwünschung war jemanden ia 
goltcs lials zu weisen: üz in gotes Juizl Trist. 5449. üz 
slruhet balcle in gotes Iwz I Trist. 14579. im vart den 
gotes hetz alsam ein bceswiht von mir hin I l' t avieiul. 25. 
mich lial (Irr ^otes /laz bestanden, kl. 518. su iiiiitze ich 
lialxMi i^ufcs haz. Aw. 3, 212. ebenso nind, godsat hebbc ! 

oj) Sl. 2, 350. Fieiiiaerl 3106. *'^) A\ as aber vor- 
ziigHrh beuciitet werileii miils , jener lormcl in i^olos haz 
oder blofs aei iisalh iscli goles Ii. Narii, slru lion NuUi^ i>a- 
rallel steht eine andere, die iür goll die sonne sel/l : da- 
dnrih erhöht sieli (li(? heidnische far!>ung: ir sull vani der 
suniien haz i Tarz. 247, 26. var Aqt sunnen haz 1 iiugedr, 
ged. \ on iiiicdiger 46. si hiczeu in stnclicii in der siinne/i 
haz, Eracl. liOO. hiez in \\Qr sunnen haz hin varn. Eraucnd. 
85. ein so verlUichlcr iöL unwcrlh von der sonne gnädig 
bcscliienen zu ^Yerden. 

Aus süleheni leindlicheu vcrliiillnis ergibt sicli zuwenen 
euic audnrs(tlzlichL(ut der meuschen, die in blulse droh- 
\vorlc ni}^])rieht , oder auch sich ihatlich vergreill. Ilero- 
dot 4, 'j4 von den Thrakern: ovroi oi uvtoI Gfji/f'xie xui 
nonQ iiooi'7?^y T€ xat uoTQa'^i\v lo^tvovjr.g ilvia 'noog tov 
ovQurov . irALi).LVi)i Ti') x^io). des lioltes l)ildsenle , \venu 
er die erllehle liillc verweifierte , ^\ur(le voju \u\k in den 
, jlufs gcslürzl. in den kcrlingisclien romanen i^l verscliic- 
denllieh der zug , dai's Karl gott droht, wenn er seinen 
beistand versage , die altärc in ganz Franki eich nieder zu 
werlen, die kirclien und alle priester eingehen zu lassen, 
z. b. Ferabr. 1211. 1428. Die Arkader geisellen ilu-en Pan 
mit c'A,l)./atg (nieerschiiien), avcuu sie beu Leios von der jagd 
lieimkehrlen (^Tlieucrit 7, 106.) 

Epillicla goltes. in der heuligen spräche: der /iebe^ 
liebste, g' ojse, gute^ all/näc/tlige , in der IVidicren : 
herre gol der guole, lleinh. 12ü6. lu^rro the godo Hei. 
78, 3. 90, 6. iro nun tlic gada 143, 7. ^'V/rtc/r^^'^r irehtin. 
lleinli. 1309. oft der ridie: llue rikeo CrisU Xi^L X, 2. 



*) Utrtmann vom «egencprerlien. Nunib. 16S0 p. 15B. IRO. 
schwere krankiieit uud noili It«i0it gewöliolich : der gotes siac» 



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GOTT 



der l iehe gol von liimele. Roth. 4971. durch lUn i itlicc 
got von himd. iMoroIl 35J(i. der ricJie gul niicli ic lic- 
gacli. V. d. vvibc list 114. col oltnahtivo ^ cot /iti/ac, 
vvessobr. geb. mahtig droliliji ITöl. 2, 2. freu älniihlig, 
( adm. 1, 9. 10, i. ülniihtiga Tlioi pcs anal. 83. 

nianno niiltisto ( largissinuis^ ^ve8Sobr. geb. vi[ nii/fer 
ChrUl. cod. pal. 350, 5b. waltaut got. llild. waldindin^ 
ger got. Roth. 213. 523. 1009. ags. veaUlend C.idin. 9, 
25. vnklres vealdend Beov. 4. boofues vealdend Cacün, 17, 
15. tiieoda vealde/id, nlts. waldand llel. 4, 5. 6,6. 
ii'uldand god. 3, 17. waldand diuhün 1, 19. alowaldo 
5, 20. 60, 23. ediÜscli aber ist die beiiennung nicht, die- 
ser begrlf von ^valten (doniiiiari, regere) wird nocli in der 
redeusart es wallen Parz. 508, 1. tn. 7299. 10165. 13225 
auf das höclisle vvesen bezogen, nhd. gottwalls I muL 
godfvouds ! Hiiyd. op St. 2, 548. falsch ist der nlid. acc. 
das vvalt gott! Agi-ieola 596. Zuweilen heifst gott auch der 
alte: der alte gott lebt noch. mhd. der aide got. Uoth. 
4408. unterm volk : der alte yater. in einem serb. lied 
(Vuk 2, 244) wird bog genannt : stari krvnik , der alte 
bhilvergicfser , tödter, und bei Frauenlob M«, 2, 214*» der 
mite friedel. Die diditer des 13 jli. bedienen sich einige« 
mal des lat. beinamcns altissimtis, Wlt. 434, 23. 

Unter den substantivischen benennungcu sind me}u:ere, 
die gott mit den weltlichen herscliern gcoieiu hat« gotli* 
frduja, alts. y/ oÄo, Jf'o , ags. y} er/, von >velcl»em namen 
künftig nocli weiter zu handeln »ein wird. ahd. truhttn^ 
mild, treluin, alts. drohtin^ ags. dryhien, nXitu drdUinn. 
alid. heriro^ mhd. herre^ und zwar kann dieses, von gott 
gebraucht y nie in her verkürzt werden^ sowenig als do- 
minus in roman. domntis, don. ags. meotoä, rnelod 
Cädm. 223, 14. alts. melod IkU. 66, 19. vermuüieh Crea- 
tor bedeutend, ein ausdruck der auch in der edda vor« 
kommt niiötudr Saim. 226** 241**. ags. st ippend (crea« 
tor), alid. scejoy scephio^ mhd. schepjccre \<\u 1, 3« nhd. 
•cliüpfer. Einige dieser namen können gehäuft, oder noch 
durch composition verstärkt weitlen, z. b. droluin god, 
IUI 3, 13. waldand Jrö min m\. 148, 14. 153, ^. fred 
dryhten Beov. 62. 196. lißred Cädm. 2, 9. 108, 18. 195, 
3. 240, 33. Beov. 4. das weltliche cuning wird durch ein 
praefix auf gott anwendbar: vtddorcyning Cädm. 10, 32. 
iievancunirtg H^l. 3, 12, IS. 4j 14. 5, 11. gleichbedeu« 



*) rihhi ift alid. dlves , potens , aueb beatns. von ilaT. bog tei- 
let sidi lier bo^ot (dhe«) 



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IG 



GOTT 



tend damit rodora veard Ciiilin. II. 2. oiler die opisrho 
ansfiihrung: irininool obana ab Jte^arte, Hlld. . gol von 
himele INib. 2090, 4. 2114, 1. 2132, 1. 2i3H, l. 

Solcher epischen formein lassen sicii aus deu godich- 
. ten, zumal den romanischen, schöne anfüliren ; die meislen 
sind von golles aufenllialt, von seiner scliöpferischen kraft, 
allniarlil , alhvissenheil und ^vallrllei^ hergenommen: dios 
aquel, (jiie esta en allo. (Id 800. 2352. 2465. fjui la amont 
el seint ciel niainl. Ken. 26018. fjui maint el fmiianient 
Borlo 129. 14'J. qui haul siet et de loing mirc. Ken. 11687. 
qui liaut sict et loins voit. Coric 44. 181. der über der 
blauen decke sitzt. jMelander jocoseria 1, 439, cel senhor, 
qui lo mon a crcat. Forabr. 775. {(iii lot le monl forma. 
Berte 143. (juc fe/.it nucyt e dia. Terabr. 3997. per aycel 
senhor que fetz cd e rozada. Ferabr. 2994. 4412. qui iist 
ciel et rousee. Berte 28. 66. Iii. 139. 171. lö». Aimoa 
876. qui feis mer salcc. Berte 67. qui fist et mer et onde. 
M^on 3,460. des haut daz mer gesalzen hat. Parz. 514, 15. 
qui fait courre la nue* Berte 136. 183 {vsrpeXi^eQiTa Ztve)* 
par Cfliui qui fait toner. Ren. 16658. 17780. par qui Ii 80- 
leus raio. Bcrle 13. 81. qui fait croitre et les vins et les 
blez. Ferabr. 163». der mir *e lebene geriet. Nib, 2091, 
Kl. 484. der mir ze lebene gebot. Hoth. 214. 523. 4.552, 
der uns daz leben geb^t. Mar. 24. qui tot a a baillier. 
Berte 35. qui tot a a garder. Berte 7. que totz nos a jut- 
gier. Ferabr. 308. 694. 1727. the mancumiies forwarddt. 
Hcl. 152, 5. qui sor toa hoines puet et vaut. M<fon 4, 5« 
wider den nieman Termac. a. Heim*. 1355. der aller wun- 
der h&t gevvalt. Pars. 43^ 9, der gft unde nimt. Pars. 7, 9. 
der beidiu kramp unde sieht geacuof. Pars. 264 , 25. der 
ane uliet alle getougen. Diut. 3, 52. der durch elliu herzen 
slht. Fr^d. 355. qui onanes ne mentL Berte 82. 96. 120« 
146. M^on 3, 8. icil oieu qui ne ment, et qui fiat tot 
quanque mer serre* Ren. 19338. ermikakOp ok<Hlu riedhr, 
forum, süg. 1 9 3. er sölina hefdhi akapat. das. 1 , 242. 

Wenn nun in den bisher yerhandelten namen ^ beina* 
nen und Umschreibungen gottes keine entschiedne bezie- 
hung auf das heidenthum vorwaltet ^ sondern blofse an- 
klänge daran statt finden mögen (der sinn von frauja, me- 
tod konnte ganz allgemein, die formel: der sunnen haz 
Ysm, celui qui fait toner u. s. w. reinpoetisch aufgefarst 
sein); so hüngen doch die folgenden ausdrucke unleugbar 
mit der heidnischen Vorstellung zusammen. 

In der nord. mytliologie gilt für den begrtf deuS| di- 
vuSy wo nicht der obersten, ältesten reihe, doch einer 



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GOTT • 17 

mttea, qi«l«r macbb'g gewordnen , die benennimg äs, pl. 
0M>. landda (^Egilss. p. 365. 366) ist patrium numen ^ und 
der hodiste nord. golt^ Thor, wird darunter gemeint« ds" 
tneßin , die gättüche macht : Iba vex honum Ismegn halfu, 
Sd. 26. faTOz t Asmegin. Sn. 65. dieser name mufs auch 
io HoctuleiiL'ichlaiHl und Sarliseii friilier allgeniein bekannt 
gcwescQ sein, und aotli. ahd. ans, pl. ariser.i^ enai , ags. 

es golaiilet hai)ou (vgl. gans, Iiaiisa, a!tii. /^"l^^, aps. 
gu8, pl. ges; liuse zz: hansa.) in niehrcj ii (.igcnnainen dau< 1 1 
(Ins wovi iioc li fort, golii. aiisila , alid. aiiso. das al»d. 
auslieljn , aiispjild, aiisliilt, aiisnul enlsprecheii dem siim 
nach den nanicii colaludni , colaldit. ags, üsvcfdd , usJaf, 
Csiiaii, usred. alln. ;i>l>i" rn ; , asd?s, asgaiilr^ aslaug . aj^- 
niuudr n. 8. y>\ Micr/ai konnut nun ahcr die stelle eines 
as<. gedielits , Avoriii ^sa gescot und y/fci gesrol , geschol'a 
der anseu und der elbcn ijacuhnn divonun et gcuioruin) 
nebeneinander gestellt sind, gerade wie in der edda (Sfem* 
8^ 71* 82* 83^») rosir und Äliar, und die merkwürdige 
önfsening des Jemandes: tum Gothiy magna potiti per 
t a Victoria, jam proceres suos quasi qui fortuna yince^ 
baut, noD puros homincs. sed semideos, id est anse^ 
Tocavere. was kann deutlicher sein ? auch die nord. «sir 
greifen ein in das heldengeschlecht, und in gleichem ab* 
stand von einer älteren, durch sie verdrängten gOttermacht. 
hierbei darf nun allerdings an die bekannte aussage Sue» 
toQS und Hesydis^) erinnert werden, dafs den Etruskem 
die gutter aesares oder aesi hiefsen , ohne dafs damit eine 
•igentliche Verwandtschaft des etruscischen oder t}Trheni* 
sehen volksstajnms mit dem altdeutschen belianpict würde. 
suiEallend idjrigens gemaliul iV(l{j7-rog y ivQ07-v6s au das 
sltD. thurs , aluL durs. 

In der liidislen zeit unsrer J^praclie bedeulcle das 
nciilnini rngin ralb , cunbiiinni. den pl. davon gebraucht 
die i'clda eigenthiimlich liir ilcn begril des ininiens, der 
^oiilicit. regia bind die ratlischlagcnden , wcltorilnenden 
geAvalten, und die bcnenrnmgen blidh regln, lird! regia 
(gute, iinadiuo götter\ \\\)[^regin,, alnregin (^siiperae polesla- 
tesi liaben ganz diesen teehnisclien sinn, rag/iarölr (golli. 
ragin<? riqvis ? } bezeichnet das wellende, den Untergang 
der leitenden götter« Sasm. 89^ wird rögnir ok regia ver- 

') ursiis divinus, Ashima (ursa divina) wofür im Wallhanus die 
aiM:Jitürm Ospirn statt anspirn. vgl. Uciuii. fuchs p. CCXCV. 

Sueton. Octavinu. cap. 97. futunjinqiie , ut inter deos referrc- 
tiir, qnod aesor^ id est relitiua pars e Caesaris aomioe, etnuca liagoa 
Tocareinr. Heasycfaios t. t. c(2«o(. 0t9l ^no rmv TV^^mSt. 

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18 GOTT 



bimden, nögnir (vgl. 196») ist der hcrvorgfhobne einzeln« 

rag in eis (raguneis ?) 

Dieselbe Jieidnische Vorstellung bricht nun noch in 
dem alts.' re^a/7giscapu , re^aA/ogiscapu durch, welclies 
H<51. 79, 13. 103, 3 soviel als falum, Schicksal, den be- 
sclilurs und rath der götlcr ausdrückt, es ist synom ni mit 
ü'/z/Y/giscapu. Hei. 103, 7 von ti^^rrZ (fatum) ; metoclo^^ 
•scapu. Hei. 66, 19; wir sahen vorhin, dafs metod eben- 
falls eine benennung des höchsten wescns war, die der 
chrisniclie dichter au8 der heidnisdien poesie beizubelialten 
«ich getraute. 

Augustins briefsammlung enthält cap. 178 in der alter» 
catio mit Pascentius eine gotbische^ vielleicht vandalische 
formel sihora armen f deren sinn kein anderer ist alt 
lif/^f« iUr^oov.*^ wäre sie gleich untergeschoben und, statt 
am ende des vierten , erst im fünften oder sechsten aufge« 
£eiclinety immer bleibt merkwürdig , dafs in ihr sihora 
für gott und herr verwendet ist. Ulfilas hätte gesagt: 
£riu)a armäi. der inf. arm4n^ wenn es nicht für armi 
irerscbriebeni könnte die stelle des imp. vertreten; auch 
in der finu. und ehstn* spräche beseichnet armo gratta^ 
misericordia. ^ihora aber scheint sich hlofs aus dem 
deutschen erklären zu lassen , und ein von seiner siegrei- 
chen gewalt hergenommner, schon heidnischer heiname 
gottes. Odinn heifst sigrgod, sigtjr, sigfödur, und noch 
H^l. 47, 13. 114, 19. 125, 6. wird aipdrohttn , Cädm. 
33, 21. 48, 20 sigedryJiten auf gott übertragen, ander- 
wärts sigorndry Ilten y sigorafred ^ sigoravealdend ^ si^ 

foragod, sigoraryning. ja aus diesem alten nanien .sihora 
önnte wiiklich die in deutscher und romanischer zunge 
furilebende beneunung sira^ sire, entsprungen sein.'*'*) 



*) aadi die Tscberemisseo beten: joma sirlagtt die Tscbuwaichens 

tora sirlng, d. i. gott erbarme! G. J. Mflllers saml. russ. gesch. S» 
359. die Monininen, wenn es donnert r paschangnt Pofgolai pas 
(erbarme dich gott Porguini.) Georgi deacriptioo 1« 64. 
^) Gött. aoz. 1B33. p.471. 472. 



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GOTTESDIENST. GEBET 19 



CAP. IIL GOTTESDIEiXST. 

Die einfachsten liaiullungen , wodurch der mensch den 
güUeru seine \erehrung kund tliat, waren gebet und opfer. 

Erwägen wir das wort, dessen sich LIfilas für den 
begrif des aubetens bedien l , so ergibt sich gleich wieder 
eine iibereinslininuing mit ilein nord. spracligebrauch. :inog^ 
zm'w wird durch das goüi. invelta^ invait, invilum ver- 
deutscht .^lallh. 8, 2. 9, 18. iNlarc. 5, 6. 15, 19. Luc. 4, 7. 8. 
Joh. 9, 38. 12,20; einmal auch aarrJjo/f«« Marc. 9, 15. 
ob damit die ^QOQHVvr^ais genau erfalst wurde , steht zu 
bezweifeln, schon weil derGothe überall den acc, statt des 
gr. dat., hinzufügt, wir wissen incht, yon weicher gebärde 
das iuveitan begleitet war, ob das haupt geneigt oder die 
band bewegt wurde? da ein alts» ags» giwAtan, gevitan 
abire bedeutet, so könnte ICnyeitan annaherung, hinzugehen 
ausdrücken? und Paul. Diac. 1, 8 hat zweimal accedere» 
fraveitan ist vindicare* zu vergleichen scheint das altn, 
vtta indinare, das Blüm unter veit anfülirt, und wie ich 
glaube unrichtig vita schreibt» davon abgeleitet ist ueiia 
(goth. v^tjan?), veita heidr, honorem peragere, veita ttdir^ 
lacra peragcre , veitsla (epulum , golh. v^tisiO ?) 

bicfa ist goth. preces, bicljan, precari, rogare, orare, 
beide im weltlichen wie im geistlichen verstand, nicht 
anders ahd. /)i;la und piUan^ aber von pcta wird nun 
ein pelon (^adorare) geleitet und mit dem acc. der persou 
ttjuslruiert : nidnrfaUan joli miU beton. 0. ir. 4, 86. 89. 97. 
III. 11, 25. T. 45, 2. 60, 1. doch beton kann aiidi geist- 
liches orare ausdrücken. T. 34, 1. 2. 3. mhd. fmde ich 
beten im sifin von adoraie stets mit der praep. an ver- 
bunden: beten an diu abiiot. Barl. 72 , 4. an ein bilde 
brtcu. das. 98, 15 ; so muoz si iemer me nach gote siu 
min anchet (gegenständ meiner verchriuig) Ben, 146. nhd. 
unterscheidet sich bitten , beten und anbeten^ so wie 
biile von geheim das alts« bidön (adorare) hat nicht den 
acc bei sich, sondern die praep, te: bedun te minon 
barme. 33, 6. 8. In dem ags. N. T. wird adorare 

übersetzt geeddhmidan^ d. L sich demütigen, humihare. 
Das oihd* flihen, wenn es sappHcaie ausdrückt, regiert 
den dativ: gote flehen» Aegid.56« den goten vldfaen. Pars. 
21y 6; wenn aber demulcere, solaris den acc. Pars« 421. 

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20 



GOTTESDIENST. GEBET 



55. Nib. 490, 8 *^. ce ist das goth. llihiihafi . r<»vore, 
consülari. ahd. könne ich jlilion (vovere nur aus .\. C ap. 
8, und er schreibt JUhön, nlii *u gott ßeheti ^ oder 
goit anflehen. 

tiiienlliümlich der nortl. nnd aj^«^. mundart, fremd 
allen {ihrigen, ist no<h ein ausdruck liir gebet, ahn. boa 
oder hopiiy sch^vcd. dan. /;ö// , aus. htti^ gen. heue ' fem.) 
Cädm. 152, 26., bei C liaucer hone ^ engl. Imon. davon 
hinüan (supplicare,) Endlich das isl. schwod. dyrla, diin. 
dyrhe^ welches ganz wie das lat. cohMo von iler gottcs- 
verelining, -wie von dem landbau gilt, sdieint erst ein 
später aufgekommncr, der altn. spräche fremder ausdruck. 

Über die art und webe des heidnischen gebets ent- 
behren wir nachrichlen; ich vermute blofs, dafs damit 
blicken gen himmele neigen des leibs» händejalterty 
kniebeugrn, hauptentblöjsen verbunden war. precarl 
deoSy coelumque suspteere bezeugt schon Tac. Germ. 10* 
niederfallen und neigen war auch gewohnheit der Christen, 
daher heiTst es Hll. 47, 6. 48, 16 te bedu hnigan , ^8, 12 
te drohtine hnigan. im SOlarliodh der merkwürdige aus- 
Äruck : henni (der sonne) ec laut. Siem. 126«, ilir neigte 
ich mich, von Idta, inclinare. ebenso vnrd in Olaf des 
heiU saga erzShlt, dafs sich die männer vor Thors bild« 
seule neigten {UUu thvf skriinsli.) forum, sog. 4, 247. Jell 
Hl iardar fyrir Itkneski. form. sog. 2, 108. von den 
Langobarden erzählen die dial. Gregorii M. 3, 28, dafs 
sie ein göttlich verehrtes ziegenhaupt aubmissis cen^icibus 
angebetet hatten. ]Man pflegte noch im mittclalter sich vor 
leblosen gegenständen zu neigen , d. i. sie zu segnen und 
benedeien: einem geliebten lande, dem vsege, den jemand 
eewandelt war, dem tage.'*'^) ein altböhm. lied hat: Biß 
llanieti boLu, sich vor gott neigen, ilm anbeten, küniginhu 
hs. 72. ebendaselbst aber auch: se biti w £elo pfede 
bohy, sich an die stirne schlagen. Entblüfsung des haiipts 
war ge^vis von fnifie her* unter iinsem vorfahren eine 
ehrhezeugung , die. gklch dem neigen, der gullhcit wie 
künigcn mul vornehmen erw iesen wurde, vielleicht macli- 
ten die prieblcr, ^^enigstens die gotliischen, hiervon eine 
uu&xiahme, deren nanien pileati Joruaiidcö daher exivlaxtj^ 



*) Iw. 8815 vl^gete got, le der Utestea Iis. aber vl^iete gote. 

•*) dem fltige nigen. Iw. 5837. dem wejre nigen. Pnrz. 375, 2G. 
dem Innde iifj^en. Trisf. 11532. nigen in daz laut. 'Wifinl. 4018. 
Digen in elliu Innt. hv. 7755. in die werlt nigea* Frauead. 36. deu 
•tigea oad wegen segen tuoa. Iw. 35T. 



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GOTTGäDlBiSST. GEBET Sl 

ljuia opei trs cupitibus tiarls litabant, wSlirend das iÜmga 
Volk unbedeckt stand, in des ?Skc)laus Älagui de (niw re- 
gislruni superstilionum (von 1415; lieilst es: insuper hodie 
iiiveniuntur lioniines , qui cum novilunium prinio viderint 
Jlexis genibus adorant vel deposito capucio vel piieo, 
inclinato capile lionoranl allot^uendo et suscipiendo. *) Eine 
ags. legende von rudld)erlit erzahlt, dal^ diej^er heilige 
nachts zur see gieng, Z)/.y au den hals in die jlut stieg 
und auf den kiescin kniend ^ jnit gen iiinmiei ausgest rech- 
ten liänden ^ betelc.**) es ist nicht unmüglich, dais die 
bekehrten Christen heidnisclie gebrauche bei ilirem gebet 
bewalirten. auiTallend sind die gebäi'den , die in einer 
band&chrirt vermutlich des 12 jh. den gebeten liinsugefügt 
werden: s«) miz den uhir din herza in modum crncia^ 
unde ifon demo hrustlejfde zuo demo nabile, unde miz 
denae von ebne rippe unz an daz andire \mde sprich 
abua. und wiederum: so miz denne die rüttln ncMt 

deme lengistin vingire unz an daz resti , unde 
miz denne pon deme dilniin zuo deme minnisten vin^ 
girCm ein gebet hiels 'der vane des almehtigin gotis^, den 
sollen neun ((rauen) neun Sonntage, 's6. ei moi^ginet' lesen; 
die neunte hat den psahn domini est terra zu lesen: daz 
ir Hb niet ruore die erde^ wan die ellebog in unde diu 
chnie. die andern sollen alle stehen, bis das angezündet« 
licht verbrennt ist. Diut. 2, 292. 293. 

Betende und beichtende Christen schauten gen o»ten^ 
mit aufgehobnen armen (Bingham lib. 11« cap»7. ed. hal.3^ 
275) und so heifst es auch in dem Kristinbalkr des alten 
Oulathiuggesetzes ver skulum lüta aueir, oc bidhja til ens 



•) wns ich sonst über diesen gebrauch gesamni» Ir Ijabc , mag 
bier pintz linden: elevato a capile pi/eo nlloqiiitiir seitioreiii. Dietiii. 
iiierseb. p. 175 (a. 1012.) Odofrediis in 1. secundo l'>co digeit. de 
l<o:>tuiaudo: or »ij^uori, hic colligioius argiiinentuui, quud aliquis quando 
vcnit coram nwgiiitrata debet ei revereri, quod est coatni FemrieoieSi 
qoi, si essent roram deo% noa extrahereni sil>i copellum Tel hirreiuta 
de capile . nec flexis genibns postolare&t. pilhus in capite est. Isen- 
grimus 1139. sliicn hnot er ahenam^ liiemit öret er in bIm». Wigal. 
1436. er durch sin bübficheit den //wo/ gezogenlu lien nbe. Tr(»j. 

1775. du btuout er üf geäwiude guuoc, ein sd*upel daz er üf truuc 
▼OD giznoieQ and von golde fin daz nam er ab dem houptt sie. Troj. 
18635. er utcket im sfa keppalt. Ls. 8, 85. er was gereit, daa er 
▼OB de» hovbt dea Huot Uea vliegea uad sprach. Koloez. 101. 

**) ffti gevunod tliat be volde gla od aiht tö sae, and staadaa 
ou timm eealtum brimme, odh bis »viiran, singende his gebedu, Rnd 
Aidhdiiau hiä cneuvu on tham ccosle ({el>y<r(i<' , Astreiitttm liaudbredum 
to iteafeulicuni rodere. Thorpe« auniecla p. 7<>. 77. 



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GOTTESDIENST. OPFEft 



helga Krists firs ok fridliar (vi^l. syntagma de baptisnio 
p. 65.) Betende und opfernde heulen schauten aber gen 
norden (horfa t nordlir. fornni. sog. 11, 134.) und der 
Norden wurde unter den Christen als die unselige heidni- 
sche gegcnd angesehen, welches ich 1L\. 808 näher ausge- 
führt habe. Dieser gegensfttz mufs zur erklarung cliier 
merkwürdigen stelle im roman de Hennrt angewendet wer- 
den , wo der fuchs christlich^ der woif heidnisch betet 
(Reinhart fuchs s. XLI.) 

Das wort opjer wurde in unsere spräche erst durdi 
das christenthum eingeführt , und stammt aus dem lat. ver^ 
bum offero, ojjerre, ^ mit recht haben die Angelsachsen 
nur das verbum ojfrian^ und ein daraus gebildetes offrung 
(obktio). ahd. hat sich aus opfardn^ opfordn auch ein 
subst. opfar erzeugt, tnhd. opplieren, oppher (Diut 3| 
, 58)y una von Deutschland aus mag dieser ausdruck weiter 
vorgedrungen sein, altn. ofiV*, schwed. d&s« oiTer, lith. ap- 
piera^ iett. uppuris, ehstn. ohwer, finn. uhrl, böhm.ofera, 
poln. ofiara, sloven. ofer. das franz. ofFre hat nicht den 
technischen sinn, wol aber offrande. Lberall wicheu die 
älteren ; heidiiisclicn beiicnnun^en. 

Die allcslc , allgemein verbrciicle für den becrif 'cott 
durch üpft-T vereinen' war Llotan (wir wissen nicht, ob 
hw gotli. praol. balblöt oder blutaida?), ich niüchle damit 
ganz die bedeutung des gr. -dveiv verbinden.*) Llfilas 
fand es noch unauslüfsig, dadurch das gr. cißiad'at und 
},a'tQivei%f Marc. 7, 7. Luc. 2, 37 zu übersetzen, er con- 
struiert dazu den acc. der person, blutan fraujan heilst 
ihm deum colere, und schwerlich denkt er dabei an grau« 
sanie opfer. blotinaeeua Rom. 12, 1 ist ihm knTQeta, 
^ihblostreis Job. 9, 31 SioQBßrfS. letzteres setzt ein 
subst. bldair (cultus, oblatio^ voraus, dessen 8 gramm« 2j 
208 erklärt worden ist. uabldteins (naginXijaie) II Cor. 
8y 4 verlangt ein verbum usbh^tjan (flehen, obsecrare.) 
Cädmon braucht das ags. blötan, bleot, onbleotan^ onbleot 
von dem jüdischen opfer, und verbindet damit den acc. 
der Sache, den dat. der person, bldtan sunu (filium sacri- 
ficare) 173| 5. onbleot thät Iftc gode (obtulit hostiam deo) 
177, 21. in Alfreds Orosius steht auch blAtan, blatte, 
ich leite davon her bUtsian , später blessian , engl, bloss, 
bcucdicere. Das ahd. pluozan (plicz und pluozta) er- 



•) wenn Sozom<»ni!* liisL crrl. (>, 37 in einer enräfilnng voB 
Atlinnnricli riQoqxvvfi* uui &tiur gebrauctit, §0 wäre diu gothiad) itl' 
*ettan jali bldtan. 



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GOTTESDISMST. OPFER 83 

scliemt nur iii glossen und für libare, lltare, victiniare, im- 
niülare. gl. Hrab. 959* 960« 966»^ 9bH^ Diiit. 1, 245. 258^ die 
ca^usconstruclion ist nicht zu ersehen, das subst. pluostar 
^sacrificiuni) bluostar Is. 382. ^1. omni. 411. gl. jun. 209. 
T. 56, 4. 95. 102.*) pluostaihus (idoliuin) gl. enim. 402. 
pluostrari (saciificator^ das. 405; offenbar hat das wort 
mer ein mehr heidnisclies ansehn, und wurde um diese 
seit nicht vom cbrisllidien dienat gebraucht ; bald aterben 
Biit der Sache die ausdrücke ganz aus. Ihre allgememe 
anwendung im nord. heidenthum läfst aber keinen sweifel 
übrig., dafs sie unter Gothen, AlanianneUi Sachsen ^ vor 
dem übertritt sum christlichen glauben, ebenso galten« 
gleicli dem go^. verbum hat daa altn* bl6ta (bl^t und 
bl^tadlii) den acc. der person, die man gütllich verehrl^ 
bei aich. Ssnu 111^ 113^ 141' 165«; der ainn ist: eacri« 
fido venerari. noch die altdän. Übersetzung des A. T. ge- 
braudit hlothe (immolare) ^iod^Amadh (libamina) blotelsä 
(holocoaatum) Molbecha ausg. a« 171* 182» 215« 249. die 
nbetammung des wortes blotan kenne ich nicht,*'*) auf 
keinen fall ist sie in blOth (aanguia) zu auchen, "wie die 
abweichenden conaonanten beider goth* Wörter lehren; ge- 
rade ao atehen die ^d« pluozan und pluot von einander, 
auch war die dadurch bezeichnete götterverehrung nicht 
nothwendig blutig, l^e merkwürdige atelle In der Uvland. 
reimchronik 56« erzählt von den Sameiten (Sdiamaiteni 
Snmogiten) 

ir bluatelirl der warf suo hant 

atn Mz nftch ir alden aite, 

zuo hant er bluoteie allea mite 

ein quek. 

hier vrird freilich ein thier geopfert, und ea iat möglich^ 
dafs der dichter abaichdlch jene unhochdeutache form wählte» 

um den absehen vor blutigem heidenopfer zu erhChen; ich 

glaube eil er. dafs er einen aus Scandinavien nach Litthauen 
gedrun^iicii ausdruck beibehielt, ohne ihn vielleicht selbst 
zu ver&leiien, bluotkiil ist blutkarl , blotmadhr, heidnischer 
priesler, der litlhauisclien spräche war die bcuennung üemd. 



•) die pl. Hrab. 954a baclia plS.^far Ut ünvollständrjj und lautet 
gl. Ker. 15. Diut. 1, 16fi i harlia sarrificat ploastar ploazit oder zepar 
picjzii , M>ll also Our das lat. verbuni , nicht dus subitt. bac lia (d. i. 
ßujtxt^) übursetzea. nocb riciitiger vielleicht iat die leaart bachat f. 
bacdiatur, synonym Ten saerilicat. 

bachilibHch verwandt wäre (fXotiott^ entsünden, verbrennen; 
aber wenn iir.<iprän«;licli in btötan 4i« kirn das bnuMtopiiBn ing , rnftiU 
•k Crähe TerdunkeU Wi»rden •ein. 



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24 



GOTTESDIENST. OPFEü 



Einige andere alli^enictnc ausilrücke j«Inil folgende, alid. 
atitficlz (lu/biia, victinia . Dim. I. 'J4()a 246. 25vS. 278l> uud 
ini verbü s?u\vul ant iieizun als ifilivizan ininiolarcl. Diut. 
1, 240. 25vS. alid. inaait'/i 'lilare . llrab. 96?^^ in6aL>et 
pini ilcliboi'j. das. 'Jj''^» 'JGOa-, elicii^o ags. onsecgan tu Ubre. 

Im. 17:J. .jO. ü\nv onsa'ode IM). los, 17. lac o//- 

säi^ile. 107. IM. ll.i. lö. ^iitl onscigde 172, II und on— 
sei L^dtufi aiid. pi fe/a/ta// {\'i\)t\vo^ Diiil. 1 . 245. 25S. 

allrs (lies bezeichnd eii;cniiiili nur die ansagung, Avidnuiiig, 
weihuni; , deilicalinii des ojdei'S, mul es ^eht aus diesem 
ß|>racligebraucli wenigstens liervor, dals eiuzelnc jiegenstaiide 
eine Zeitlang vorltor zum opfcr auserlesen wurden.'') ani/ieiz 
i»i sonst auch gelübde, votum^ i'eierUclio zusage; daher wer* 
den dein ags. onsccgan besiinimende subsU hinziigorngt. 

Äliniich mag sehr frühe Sclion biiidan (oüerre) ge- 
braurf:t woixlen sein, ags. lÄc bebeodati, (Üdni. 173, 9. 
.ahn. bodn (oblalio.) von diesem biudan leite ich her biiida 
(mcnsa) alid. piotf insofern es ursprünglich den hetligea 
opfert IS eil üder altar bedeutete. 

fuUafahjan (mit dem dat der pers.) ist dn goth* 
wort für )iUT^ev€tv Luc. 4, 8, eigentlich ein genüge thun. 
atbairaß Luc. 5, 14. das ahd. pigangan (obire) wird 
verscliiedeullich auf den gottesdienst bexogen : piganc{ntxu) 
Diut. 1, 272* afgoda begangan* Lacomblet 1, 11. h^rron 
J'ulgangan 4, 1, auch das \ieldeutji;e gildan^ heltaa 
(vgl. goth. Ba!jan Luc. 1, 9) hängt mit cultus und opfer* 
dienst zusammen, alts. waldandes gild. H^l. 3, 11. 6, 1. 
tltat geld l^stian. Hdi. 16, 5. hvyn^gield (holocaustum) 
C&dm. 175, 6. 177, 18. gild onsccgan. 172, 11. Abels 
Opfer heifsl gieUL Cädm. 60, 5. deofolj'/e/rf (idöloktria) 
Beda 3, 30. ahd. i^ffenmcg/ifflsiar (sacrificium) Is. 395» 
dhiu bldstar iro gliälsiro (Ubamina et sacrificia) I«. 382« 
eigenrdiiimlich der ags. mondart ist die allgemeine benen* 
nung läc (neuir.), das an sich gäbe, geschenk ausdruckt, 
und daher ofl diUTli verba, die den begrif ojifer hervor- 
heben, verdeullicht ^^ift!: onbleol iliät /de godc. Cädm. 
177. 20. dryhlne /de bruliion. 00. 2. /de bebeodan. 173, 
9. /ac onsiigde. 107.21. 113. 1.5. ongan /Jr. 90, 19. das 
wort srli. inl eliici- wiuzcl mil dem gotli. niasc. laiks (sai^ 
talio) ..iid. leih (ludus) alüi. leikr, uud eine wul^efallige 
gäbe zu bezeichnen.**) 



*) niirh das nltliotiin. ohiccati ohiet (kvoigiob. tu. 72.) ist eigeat- 
iicli: opf«^ \ erhci Isen widmen. 

•*) *«ib. itrdvQ opfcr, d. h. dargcbrauiie*, i»nluziiiu dariiiiuj^cu. 



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QQTTESJJIENST. üPFEa 25 

Für bestimmtere ausdriitke lialle ich die folgenclen. 
•dvoia wird durch das goth. Iiunsl übertragen IMatth. 9, 13* 
.Marc. 9, 49. Luc. 2, 24 und Xaroeiav ^QOgfp^QeiV Job. 16, 
2 wiederum: hunsla ealjan, ^vo gerade gemeint i^t durch 
tödtim«». 'dvGtuüTroiov heilst /m//«/a8tailid Matth. 5, 23. 
24. Luc« 1» 11. das entsprechende s^i,hdsel vertragt aber 
tovrendung auf das chi'isüiche sacramcut und bedeutet die 
eucharisüc, ////«e/gong den genul's dcrsel])en, /iiUeltät das 
liöUge opfcrgefais, vgl« Cädni. 260, 5 /iUtf/fatu halcgu von 
den jüdisciien gefal'sen zu Jerusalem, ebenso findet sich 
•lln« iuial in deu norweg« und scliwed. gesetzen cliristlich 
lebrBncliti niemals heidnisch; ein ahd. Iiunaal habe ich 
akht gelesen, die Wiupzel errathe ich nicht. Zweimal ver« 
deutsdit aber Ulf« ^vaia durch adutha^ pl. saudeis Marc 
12, 33. R^m. 12, 1 und ich glaube er hat sich dabei das 
apfsr eines geschlachteten und gekochten thiers gedacht; 
& Wurzel scheint siuthan, sieden: altn« ist aaudhr ein, 
vidder, vermiithlich. -weil sein fleisch gesotten wird. Auch 
das aiiJ. zepar ist sacrificium in\ sinn von lioslia, vidiina. 
hyinii. 10. 2. 12, 2. 21, 5. gl. Urab. 96:>'>. Diul. 240' 272'; 
ein godi. tihr ^v;ire uacligewicsoii , wenn man das seltsame 
^Nort dibr {dofoov) iNIatlli. 5, 23 enioiub'ercn dürfte, \vie- 
>vül sonst A und T in goth. scliriit deutlich von einander 
abslrlion. meine Vermutung, dals nocli unser niid. unge- 
Lie/tr , li ülirr unges^Vier , und ilns alllVnnz. atoit^re dabin 
geluirc (Keinb. lilV.) hat gute gruiiile für sitli. gegen sie 
ßcLicue zwar, dals das ags. tiber Ciidm. 90, 29. 108, 5. 
172, 31. 175, 4. 204, 6. 301, 1. s'i^ctiber 203, 12 nicht 
auf tbiere beschrankt werden dai f, viehnebr Tains gelraide- 
Ojifcr, im gegensalz zu Abels gicbl. gerade iiber heifst 60, 9« 
mid Aellr. gL 62^ \liUif 'er (Ubatio) haben, darin könnte 
spätere verwiiTung liegen, oder Ungeziefer aucli das un» 
kraut mitbegreifen, folglich zepar alles opfermid^ige von 
püaazen und bäumen bezeichnen?*^) Zuletzt will ich eine 
der altn. spräche eigne, sicher heidnische benennung ange** 
kn: förn (\iclima, hostia)fem., f 'drna (immobre) wofür 
soch fbrnjcera gesagt wurde, vgl. fornm. süg. 1, 97. 2, 
76. hinderte nidit 0, to liefse sich das adj. forn (velus) 
Utsn (zauberer) fornceskia (zauberei) und das alid. furnikd 

*) die auch ron Tliorpe oicbt recht gefofste stelle Cadni. 9, 3 tliA 
seo gevät ofer tiher sceecan middangeardes vcrsteiie ich: da <lio 
z^'it fortscliriu ulirr «üc (%'on gfott verliehene) s^ahe rtrr enie. (U r inf. 
»cearan (eialH) «jcIi mI zm ^'ovAt ; ebenso .stallt Jiiditfi (an«!. 140, 5") 
gevitun ou ü«iaa »cfacan, begauut^Q su Ui«ii«n, iiuil ulter geviion 
fangau. 



GOTT£SDI£N;ST. OPF£a 



(bacchi, antiqui) gl. Hrab. 955*. Diut. 1, 166* hinzuhalten, 
zumal dieselben glossen zur erklärung von baccha pluostar 
uml zepar verv^'cnden. jorn wäre dann der von den Christen 
gewählte ausdruck für das heidenopfer der alten uorzeit* 

Unserer alten Sjirnclip standen also mehrfache "Nvörtep 
für die begriiTe opfer und 0])rern zu gebot , es lalst sich 
erwarten 9 dafs davon unterschiede abhiengen, aber es ist 
schwer, die^e nun selbst in der saclie zu entwickeln« 

"BcAveggriinde der opfer waren überall, den güttera 
dank für ihre wolthaten abzustatten oder iliren zorn zu 
vers(;linen: ^venn hungersnolh, miswachs, seuche über das 
Volk hereinbrach, säumte es nicht opfer zu bringen, solche 
Bühnopfcr haben ihrer natur nach etwas unst&idiges, wüh^ 
rend die dem gnädigen gott zu leistenden gern in regeU 
mäfsig wiederkehrende feste übergehen. Eine dritte haupt- 
art von opfern ist^ wodurch der ausgang eines untemeh« 
mens erforscht, und die hOfe des gottes, dem es gebracht 
wh^, herheigeföhrt werden soll, doch war die Weissagung 
auch ohne opfer thunlich. Aufserdem gab es noch beson« 
dere arten für einzelne gelcgcnheiten^ z. b. hei kOniga« 
wählen , bei leichbestattungen u. s. w. 

Die grofsen jahrsfeste der beiden berührten sich mit 
Volksversammlungen und iiugebotnen gerichten.'*') in der 
Ynglinga saga cap. 8 werden sie so angegeben: tliA skyldi 
blöta f mdti vetri til » enn at inidium vetri bldta til 
grödhrar, it thridta at sumri, that var sigrblöt. in 
Olafs helga saga cap. 104 (forum, süg. 4, 237): en Ihat er 
• sidlir theirra at hafa blut ä haustuni ok fagna tlia vetri, 
aunat blot hafa tlieir ad niidiuin velri, en hit tlindia at 
sumi l. tlia fngiia llioir siiniari ; vgl. etl. liolni. cap. 115. 
das Iwrhstopfcr gcstliah zum empfang des \vmlcrs und tU 
ärs (pro annonac iihci-lal<' . das nülivuitei opfer til m udlirar 
(pro Icrac ilak' 1 , das soDinicropfcr zum empfaDg des som- 
mers und Iii sigrs (]>ro \ictoria.) Ijci dem f^rolsen liaiipt- 
Möt zu l^psal im >vinter wurde aber zugleich geopfert lU 
ju\^ ok fiidliar ok sigrs (forum. s{»s. 4, 154.) die formel 
lautet aiu Ii : lil Arbutar, oder til fridhar ok vetrarfars guds. 

Mcnsvlivnopfer, Tac. Germ. 'J. deorum maxime ^ler- 
cnrium colunt, cui certis diebus hunianis tjuoque hosiiis 
lilare fas habent. (iorm. 39 stalo tempore in silvam rdcunt, 
cae.'iOfpte piiLlice hoinitie celebranl barljari rilu< hoirenda 
primordia. 'J ac. ann. 1, 61. lucis propincpiis barbarac arae, 
apud quas tribunos ac primoruju ordiuum amlurione^ 



*) RA. 245. 745. S21 - 885. 



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GOTTESDIENST. OPFER 



mm taverant, Tac. ann. 13, 57. sed bellum HermiirKlnris 
prosperum, Cattis exiüosius fuit, quia victores divcrsam 
tciem Marti ac Mercurio sacraverei quo voto equi, viri^ 
cvncta victa oceidioni dantur» Jemandes p. m* 86 : quem 
Martern Gotlü Semper asperrima placayere cultura. nam 
Tictimae ejus mar f es fuero captorum^ opinantes beUorUBH 
praesulcm apdus humani sanguinis effusionc placan« 
dum.^) ProGOp de bello golh. 2, 15 voa den ThuUten^ 
4. L den Scandmaviem : dvovai dh ivdeXeytoTccTci legeta 
nifva zttl ivap^ovotm twv dl ifQtlojv atpfot t6 nakhatav 
ip&^mnoe iintv^ 'optisq av dogtaXmov notraaiffto 
ir^oir. vwtw yicQ Tip "^Qei &vovafpf iml &i6if 
uvtip ^ofiiQomi ptyiQTW dvui* das. 2^ 14 von den He« 
folm: noXvp vcstx ffo/nl^optsg S'iwp ofitXw^ ovß 9if 
Mti iv&^mnmv &vüiats IXaaxea&cii oatov uvTOtß iO* 
m $hat* Sidonius Apollinaris 8, 6 von den Sachsen: 
ms est rraeaturi» decimum quemque captorum per 
aeqnales et cruciarias poenas , plus ob hoc tristi quod 
superstitioso rhu riecare. Lex Frisionum, additiu sap. tit. 
42. qui faniim cllregerit — itiunohct ur cliis, cjuorum 
templa \iulavit, das gcsetz galt Jiur noch fiir die traus 
Laubaclii \vuiinenden, länccr heidnisclieii l iicscn. Avas 
Sirabo von den Cinibern, Dietmar von den jNordin.intiern 
erzählt, Avird nachher angezogen werden. Epist. liunil. 25 
(ed. AViirdtw.) : boc quoque ititcr nlia rrlmiiia aiii in ])ar- 
tibus illis dixisti, qiiud quidain cx iidelibus ad iinmolan- 
dum paganis s\ia veniindv.nt niancipia ; es Avar den berrn 
erlaubt knechte zu verkaufen, und Christen verkauflen 
sie den Heiden zum Opfer. Zeugnisse über nordische men« 
schcQopfer hat Müllers sagabibL 2^ 560. 3, 93. In der 
Tegel waren die schiachtopfer gefangene feinde, erkaut^e 
kaechte oder schwere Verbrecher. seltne fälle konnten 
den tod der künigssühne und künige selbst verlangen. 

Thieropfer, Uerculem et Martern concessis animalibuB 
placant. Tac. Germ. 9. d. h. mit dazu geeigneten (liist. S, A\ 
und nur solche thiere eigneten sich, deren fleisch von den 
aetuchen gegessen werden konnte« es wäre unschicklich 
geweseil, dem gott eine qpeise zu bieten, die der opfernde 
•elbst verschmäht hatte ; zugleich scheinen diese opfer 
schmSuse, ein bestimmtes stück des gesclilachteten thiers 
wird dem gotle dargebracht, das übrige zerlegt, ausgellieiit 
und in der \ersamluog verzehrt, das volk trat dadurch 



*) vc;l. Jul. CnesRF de hello galt. 0, 17 Toti der rerehrong des 
Man t>ei den Gaüiero. 



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28 



GOTTESDIENST. OPt'Ea 



in fieiiRlHSciiaft mit cleiii lieiligf^n Opfer, rpiadragmla rtistici 
a Langol)arilis cai)U car/jca itnniolali t ms coniedere com- 
pellebaiilur. (Ii<'^. .M, dial. 3, 127, das heilst weiter nichts, 
als da(8 die heidnischen Lancoharden den gefangnen ( hii- 
8ten zinnutetenf an ihrem oj>lei mal theil zu nehmen, dieser 
imtnuiatit iae rarnts iiiui hofitiae Inimolalitiae ^ <(uas 
8tulli hoinines juxta ecch^sias rilii patiauo laciuni, gesrliicht 
auch in bonifacii epist. 25 und j5 ^ed. \^ iii^dlw.) meidung. 

In der ältesten /.eil scheinen vornemlich pferde ge» 
opfert worden zu sein, inid ohne zweifei als man ihr 
ilcisch alli;emcin vor eiiduhiung des christentlnuiis. neu- 
bckelirlen blieh nichts anst'iisiger an den Heiden , als dafs 
diese dem pferdesclilachten {/irossasldtr) und dem genuls des 
pferdelleisches nicht entsagten, vgl. ]Nialss. cap. 100. christ- 
liche Aorinänner schimpften die Schweden JirossaHurnar 
(forum. sOg. 2, öO^.j künig IhlkoDi dea seine uuterthauen 
des clirlstcnthums verdüchiii^^ieDy vrurde aufgefurdert, at 
hann ekyldi eta hrossasldti . saga Hak. ginla eap. 18. - 
Schon Tac. ann. 13, 57 meldet, dafs die Hemundurea 
die pferde der besiegten CaUen opferten. Den Thiirin« 
gern wurde noch zur zeit des Bonifacius das verbot des 
Pferdefleisches eingeschärft (episL lionif. cd. Würdtw. 25* 
^7« Serr. 13U 142«) *) den alamannischen brauch beseugl 
Agathias: innwQ te y.a} ^oag, nat ukXa avr« /tivgla ku^ 
Qar 0 fiovv%BQ ^ni&eiu^ovat (ed. ^bonn. 28, 5.) nicht 
iiberselieii werden darf hier das abschneiden des Itaupi»^ 
das nicht mit verzehrty sondern vorzugsweise dem goll ge* 
heiligt wird. AA'enn Caecina, als er sich dem schanplata 
der varischen niederlage nahte , auf baumstümmen pferde- 
häupter befestigt erblickte (equorum artus, simul truncie 
arborum anteßxa ora. Tac» ann. 61)» so vraren diee 
keine andere als die der römischen pfode, welche die 
Deutschen in der schladit erbeutet und ihren gOtlern dar- 
gebracht hatten ein solches immolati düs e<jfui abscis- 
4um Caput kommt bei Saxo gr. p. 75 vor; im Nordes 
emchtele man damit die zauberhaft wirkende neidstange 



*) ititer r» t«'ra <? ;/-''.s/r/u cnlxiJlutn aH<|iinnto.s comcticre ndjiinxistf, 
plerosque et doincslii um. hoc neqiiai|uam lieri (ieitic-eps sinns. und; 
io|>rii]iit de volatilibut», id est graculiü et curuiculis atqiie cicooiis, 
qwie omniiio ravi^ndae sunt ab esn Giiri^tianornm. etiam et fibri et 
leporos <t "IUI siU-atiii niulto amplius vitaiidi. Mieroiiynius adv. Jov. 
lit>. 2. (ed. hnhil. 1553. 2, 75): Sarniatae, (liiadi. Vnndali et inottne- 
labile.«» alia«^ ^onle.s e,/uorum et vulpiuni caniUaiä delectaiiliir. 

") nui li in jt'iier .<>tdle vom Ma» bei Joraaudeat liuio trittnJs 
aui»)>end«;l>antur cvui iui'. 



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GOTTESDIENST. OPFER 



(Tgilss. p. 389.) in einem liessisclien kindermarchen (no 89) 
lebt iinverstntulf ne erinneninii rm die wunderbare bcdeii« 
tiHi£! eiiios aufgcliängten pferdchaiipts '^). \ h<*v die nor- 
dischlieidnisclien prcrdcopier sind aber nocli b('^(j!idf'rs \vir}i- 
tige naclirichten vorhanden. In Olafs des Jicih^;cn sasa < ap. 
113. (ed. bolm. 2, 181.) lieifst es: lliat fylgdfii ok iheirri 
6Ögn 5 at thar va?ri drepit riaut ok hross lil arb<5tar. eines 
andern gedenkt ganz am sciduCs des Hervararsaga ein zu« * 
Satz, das die vom christfenthum abtrünnigen Schweden bei 
der >valil künig Sveins (zweile lialfle des 11 ih.) brachten: 
Tar thu franileidt hross eitt a thiiigit ok hüggvil i sundr, 
ok slipt til dts^ en riodhiidhu bludliinu blottr^ ; küstudhu 
tliä alür 8viar kristni ok hOfust b1<^t. (foruald. sog. 1, 512). 
Dietmars von Merseburg besclireibung des grofsen nordi« 
8chen, eigentlich dänischen opferbraucliB , der a})er schon 
hundert )ahre vor ihm erloschen war, enthält offenbar sa- 
^nhaft übertriebene und entstellte umstände; er erxShlt 
(Wagner p. 12. 13): sed quia ego de hostüs (Northman« 
Horum) mira audivi^ haec indiscussa praeterire nolo« est 
unus in bis partibus locus, caput istios regni Lederun no« 
mine in pago qui Sdon **) dicitur, ubi post novem anno« 
Iiiense Januario, post hoc tempus, quo nos theophaniam 
domini celebramuSi omnes convenerunt, et ibi diia siiismet 
LXXXX et IX hominea^ et totidem eguoa, cum canibus 
. et gallis pro accipitrilyus oblatis, immolant, pro certo, ut 
praedixi, pulantes, hos eisdem apud inferos servituros, et 
commissa crimina apud eosdem placaturos* quam bene rex 
noster (Heinrich I. a. 926) fecit, qui eos a tarn execrando 
ritn prohibttit. Neunjährig wiederkehrende grofse festopfer, 
die eine beträchtliche zaiil von tliieren kosteten, haben nichts 
unglaubliches, so gut der name hekatombe blieb, wenn 
Tiel weniger tliiere dargebracht vmrden, darf auch liier die 
sage sich an die feierliche zahl hallen; den greuel des men- 
schenopfers fügte sie vielleicht ganz liinzu. olVenbar stimmt 
aber nicht der angegebene grund des tliu'ropfers : er \or- 
mischt ^vas bei leit bl)estattiingoii und zur ^iiline geschah, 
nur den leichen edler, reiclKT nianner, damit sie sich ilirer 
Jenseits bedienen kcijinten. folgten unfreie, und haus- und 
jagdlliicre in den tod. waieu 99 menschen, \vii* woiiea 



•) Grejjor. M. (episf. 7, 5.) ermahnt Bniriicliilden, hei rlrn Frnn- 
ken za verüiodera : ut de auitualium capilibua sacrificia j^ciiie^u nuu 
cxliibeaiit. 

••) .Selon für .Selond, altri. Sx^iundf, woraiu narlilier .Siolnnd, Sec- 
Und wurde; L^derün der ^ifirlis. d^it. vuii L^dera, nltn. Uleitlini, spa- 
ter Lothra, Leire, vgl. gotiu hleitlira (taberoacnluiu.) 



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80 



GOTTESIHENST. OPFEA 



•nnehmen kriegsgefaiigiie , den g6tt«m geopfert wordea, so 
kötmen die angegebnen tliiere weder den feinden zum ge* 
leit, noch den güttern selbst bestimmt gewesen sein, denen 
man niemals pferde oder jegdthiere in der meinnng weihte 
oder schlachtete, dafs sie davon gebrauch machen sollten« 
beziehe sich also das zweideutige eisdem auf homines oder 
diis (wie hernach eosdem nur auf letztere geht),* immer 
• scheint etwas unpassendes behauptet, ich glaube, dals an 
den neiiialirfesten von allen genannten opfern nur die der 
rosse lieleu ; menschen , hiuidc , Iialine liat die 8ai;c hinzu« 
gtlhaii. *) ^vic sich zu Diclmars die crziihhing Adams von 
dem upsalischeu opfer verhalte, soll iicmach erwogen werden. 

1 nlt'r allen lliicropfern war das iIcs pjcrds das vor- 
neliinslc und reiei ii( iisle, l n?cre voriah l eu liabcn es mit 
mehreren slavischen und rinnischou vüikcrn gemein, mit 
Persern luid IndorM. iluiea öämtiicii galt das plerd für ein 
besonders heiliges ihior. 

Rinder geopiert. jene stelle des Agatliias bezeugt den 
alamannischen braucli, die aus der Olafssaga den nordi* 
sehen, ein brief au Bonifacius (ep. 82. \\ ürdlw.) erwähnt 
gottloser imester: qui t aar 09 et hircos diis paganorum iafe* 
molabant. Yon den Angeln versichert ein brief des Gre- 
gorius 31. ad iMellitum (epist. 10, 7G und in Bedas hisU 
eccl. 1, 30): boves solent in sacrificio daemonum muUoM 
occidere. Ich setze noch einige nordische beispiele her. 
als in Schweden unter künig Di^maldi hungersnoth ent* 
Sprüngen war, tliä efldho Svfar bltit sti^r at Uppsölum^ 
it fyrsta haust bldtudhu their yxnum , bei der Unzuläng- 
lichkeit des Opfers wurde hernach stufenweise zu höherea 
arten aufgestiegen. YngL sage c* 18« Thd gekk bann til 
hofs Freyss, ok leiddi thagat uxa ganUcui ok maslti svd 
«Freyr nii gef ek tlier uxa thenna.' en uxamun bru sva 
vidh, at hann qvadli.vidli ok feil nidln- daudhr. Isleud, 
sög. 2, 348. Bei feierlichem Zweikampf oplei Le der sieger 
einen stier mit den waileii, die eben den geguer erlegt 
hatten: thu var leiiUlr fram grddungr mikiU ak ganiall^ 
var tliat kallat biotriaut , tliat skyldi Sii hüggva er sigr 
hehli. Egilssaga p. .5ü(i. vgl. Kormal^^ss. p. 214. 2iö. KÜIlc 
geopfert. Sa ni. I4i* forum, sog. 2, 138. 

Eber* im salischen gesetz Lit« 2. wird auf den maja^ 



') pro accipitribas beifst: In ennangtun^ der bsblchte worden 
hühoe genommen, einige haben es so angeseiien, als seien bände und 
bahne vergötterten raubvdgeln dargebiacbt wordea* aber das pn laTat 
aidi nicht mUfentcbca. 



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GOTTESDIENST. OPFER 



81 



Ik 9äeriims ocler vfUwus höliere composidon iU auf )6« 

den andern gelegt , das scheint Überbleibsel von alten opfern 
der heidnischen Franken; \varujn hiefse es sonst sncripus? 
zwar 700 von 600 den. (17 von 1:3 sol.) stehen nicht be« 
deutend ab, allein solcher zu heiligem güliiauch ersclmea 
thiere mnfs es im heidenlhnm eine menge gegeben haben, 
80 dafs das einzelne in keinem hohen Averlh sein konnte, 
vermutlich >vurden sie gleich nach der gehurt ausgesucht, 
gezeichnet und bis zur opfer/eit mit den iibriaon auferzo- 
gen. In fränkischen und alamannischen Urkunden erscheint 
oft der ausdruck //'/.sc/V/^ , meist für porrelhis, doch auch 
für agnuf y einigemal mit der näheren bestinunung porciiuis 
«ad agninilf ; das wort selbst mag ursprünglich aussagen 
receiis natus (frisch geboren). *) heute lebt es nur im sina 
von porcellus fort (frischüng.) Wie ^värc nun erklärbar, 
diis dieses ahd. Jriscing geradezu bei einigen Schriftstel- 
lern das lat. bostia, victimay hc^ocaustum übersetzt (N. 
Cap« 8. ps. 15, 4. 26, 6. 33, 1. 39, 8. 41» 10. 43, 12.22. 
60, 21. 115, 17; dsterfrisclng. p8.20^ 3« lamp unkawem« 
Bttt kakepaa erdu friacing. hynm* 7, 10) als aus der erin« 
Mnmg des hetdenthiuns? das jüdische pascha kann ea 
Bieht Tenirsacht haben, schon weil der begrif von porcel* 
ins Yorherschte. Im Norden war der dem Freyr gebrachte 
sohneber, BÖnargöltrt ein feierliches Opfer und bis auf 
jüngere Zeiten hat Schweden den gebrauch forterhalten, aUa 
juiahende brot oder kuchen in cbersgestalt zu verbacken. 

IVidderopfer, w'in aus friscing die bedeulung victima 
hervorgieng , sclu int umgekehrt ein name des thieropfers, 
golh. sanlhs, den altn. des thiers snudlir (hamniel) veran- 
lafst zu haben, diese art von opfer Avar also nicht selten, 
so wenig ihrer im einzelnen Gedacht wird, vermutlich als 
eines geringen npfeis. ^ur die saga llakonar gi>da cap. 16 
berichtet: llinr var or drepliin nllskonar smali ok sva 
hross. smali bedeutet hauptsiichlicli seliafe, auch allgemein 
ncr das kleine vieh der heerdc, gegenüber den rindern 
und pferden . und weil hier allskonar (omnis generis) bei- 
gefügt wird, scheinen bövke initbegrifPen. Geopferter bövke 
gedenkt die vorhin angefölirte epist« Bonif. 82. Nach 
sch^vedischem abei^auben mufs dem Wassergeist > wer 
herfenspiel von ihm erlernen wül| ein BchwarzeB hnun 
apfem (svenska fblkv. 2, 128.) Von si>^tf/iopfern redet 
dnmal Gregor der grofse, die Langobarden sollen | seiner 



•) Dncange «. v. Cccard fr. or. 2, 677. Dorow* denkro. 1. 2, 55. 
ttesnblet 1 , 327. 



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32 GOTTESDIENST. Ül'i ER 

ansieht nadi dorn teiifel, il. i. einem ilirer gültcr cnput 
caprae darbringen, hoc ei per circuitum cuirentes, rai iuine 
nelando iledicanles. dial. 3, 1?S. vor diesem (anri;critlitelen) 
liniipl der zicge oder des bocks ? iieigle sich das volk, 
B(»kannt ist unter den allen Preussen die bocksheil i piung 
(Luc. David t , 87. 98.) der slav. gott Trighiv vvii tl mit 
drei ziogonlilinptern voigoslellt (llankas zbirka 23). Latte 
uns doch (»regor das canneii nefanduni aiilbe\vahrl. 

An<lc»rer oplerthiere werden \\\v nicht versicherl, denn 
von DicliuarvS hunden , ha])ic}iten und liähnon niöcliten fast 
nur die letzten zulassig sein, vielleiclii auch sonst noch 
cfshares liausgevtigel , gaiise :' hier nuds vor allein Adams 
von l>remen beschreibung des grofsen oj>fers zu l psala zur 
seile gestellt werden jcFU'r iiac luicht von dem zu Hlellu-a 
(ed. Iö94. p. 144.): s<drt fpiocpie ]>osi iu)vem annos com- 
munis omnium Sveoiu'ac provincianun solennilas celcbrari, 
ad quam nuUi praeslahu- inimunitas ; reges et populi, 
onuios et singuli sua dona ad Vbsolam transmittimt , et 
quod omni poena crudelius est, üii, qiii jam iuUuerunt 
chmlianitatem , ab ilUs ceremoniis se rediinunt« 8acri£» 
cium itaque tale est: ex omni animanie^ qaod matculi^ 
niim est, nopem capita offenmtur, quorum sangoine deos 
taies placaii mos est. corpora autem suspenduntur in 
lucum, qut proximus est teinplo* is enim lucas tarn sacer 
est geutüibus, ut singulae arbores ejus ex morte vel tabo 
immolatorani divinae credantur* ibi etiam canes^ qui pen- 
dent cum hominihus^ quorum corpora mixtim suspensa 
aarravit mibi quidam Cluistiatiorum se sepfuaginta du0 
vidisse. cetcrum. iiaeniae, quae in ejusmodi ritibus liba* 
toiiis fieri solent, multipKces sunt et inbonestae, ideoque 
melius retioendae. Die neunzahl herscht in diesem schwe* 
dischen opferfest gerade wie in dem dänischen, aber auek 
hier ist alles sagenmäfiug aufgefafst. -wiedenun scheinen die 
opfer/iä»p/er dias "vresendichey nicht anders als bei Fran» 
ken und Langobarden« dafs yon jedwedem lebendigen ge- 
sdiOpfe nur das männliche geschlecht opferbar ist, stimmt 
auffallend zu einer episode des Heinardus, der kein volles 
)h. nach Adam gedichtet wurde , in seiner grundlage ihm 
gleichzeitig sein konnte, zur hochzeitsfeicr eines königs 
sollten die männclien aller vierföfsigen tlüere und vögcl ^e« 
schlachUt werden, der hahn und gansert waren entflohen 
rReinlu fuchs LXXIV.) es scheint mir eine uralte opfersage, 
die noch im Ii und 12 jlu verbreitet war. Die tüdtung 
eines männlichen thiers von jeder gatiung (das liegt nicht 
«nmai in des AgatLias xul «AA« «rr« ^vqivi) würde ein so 



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GOTTESDIENST. OPFER 83 



imgclieiires opfer büdeii| dafs an keine wirkliche ausfuh« 
rang je zu denken gewesen wäre, es beruhte also nur in 
der vuLksiibcrliercning. Kickt unähnlich ist, wenn in der 
edda die eide alier thiere und ])nan/cn, und alle wesen zum 
weinen erfordert "werden. Soviel lülst sicli daraus eutneh* 
men, dal'a das heidenthnm ausscldiefslich oder doch vor* 
sngsweise männliche oprerthiere begehrte. 

Nächst dem geschlecht war gewis auch an der färbe 
des tliiers gelegen, und unter allen die weiße die gün- 
stigste. Von weifsen rossen ist vielfach die rede (^Tac. 
Genn. 10.), schon heiklen Persern (ilerod. 1, 189.) auch 
der opferfriscing war vernuitllc}! fleckenlos weiTs; noch in 
spätem rechtsdenkmälem ist die Unverletzbarkeit schnee^ 
4Pei/'ser ferkel ausgesprochen. *) Die Votjaken opferten 
einen rothen, die Tscheremissen einen weijscn hengst.^ 
Da bei alten viehbui'sen des deutschen rechts oft die Jahl^ 
färbe begehrt wurde, *'^) so könnte darin susanunenhang 
mit den opfern statt finden; auch zur Zauberei waren 
thiere bestimmter färbung erforderlich, der waeeergeist 
begehrte ein schwarzes lamm. 8axo gr. p. 16 sagt: rem 
divinam facere Jurvis hostiift| heifst das schmtTMW vish 
opfern? 

Vom eigentlichen hergang bei diesen opfern selbst ent^ 
lialten fost nur die nordischen queUen nachricht. wfih« 
imd das thier auf dem opferstein sein leben liefe ^ wnrde 
alles herabrinnende blut (altn. lilaut) entweder in einer 
«ngebra^ten grübe, oder in gefafsen aufgefangen, mit dem 
opferbhit bestrich man die heiligen tische und gorfithe und 
besprengte die theilnehmer. wahrscheinlich geschahen 
auch Weissagungen aus dem blut, Tielleicht wurde ein theil 
davon unter hier oder meih gemischt und getrunken. Im 
Nwden scheinen die bhitgePafse (JilauthaUar^ biddioUar) 
aifliil grofs SU sein; anderswo gab es eigne, grofae kesael. 
4ea Sdiweden machte Olafr Tryggvaaon den Vorwurf, sie 
sUCmu daheim und leckten ihre opfemapfe (at sitja heima 
ek sieikja hldtholla sSna) fornm. sog. 2, 309. Eines 
opjerkessels der Cimbem gedenkt Sirabo 7, 2. tl^oQ ü 
%l %mv KIfißQiov dn;yovw»i %oioikw^ oTi tats yvpatilp 
avmv mmQOTsviwaatß 9 nagipioXav&üW 7tgojiiiv%ste ^t- 
fsfcr« noXtOTQiyeg^ kw/tifiov^g, xa()Sfo9iVof ifpamidaß 



*) RA. 261. 69i. Vgl. Virg. Aen. 8, 82 Candida cum löeCa cea* 
color aif'o Sü«. 

*) RA. üb7. 667, . 

'*) sagt Uakonar gdda cap. 16. Ejrbyggiaiaga p. 10, 



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43 GOTTESJ>lENi)T. OPFER 

^"iuneiwQTxrjtfVat , ^loofia yu).y.ovv l'yovaaty ^i'/fynTiotftg' 
lotii ovv uiyi(i<).o)ioti: (hu rov OToaroin'^ov avrri'To^r if- 
(f7;Q6ts' K(tT(taTf}!'LirKti ocwlovs 7^yov tili y. p ur i; Qa yuf- 
y.oi'P f önor ((n(f o<)UDV fi'xoat' elyov (irnßux^oav V;v 
i'vdßdaa V7j£n':ier7;g rov / tßi'TOS (^.(HjitOTn/tet txuöTor 
/tieifootod'iVTCC' ix rov nooyfofu'i'ov uYfntrog etg rov 
yociTrnriy narreUiv rivd i'^oiovrio. Ij'i^o« dor Snovon 
die vita S. Columbani: sunt etctiiiii inlbi viCinac nalioiies 
Suevoruni ; qiio cum moraretur et iuter liabitalores illins 
loci progrederetUTi reperit eos eacrincium piofanum litare 
velle, vasque magnum, quod vulgo cupani vocaut, quod 
vigLnü et sex modioB ni)ipliii8 minusve capiebat, cerevina 
pienum in medio habebaiU positum. ad quod vir dei ae* 
cessit et sciscitatiur, quid de illo fieri vellent? Uli a)unt: 
deo 8110 Wodano , quem INlcrcurium vocant «1Ü| 8c velle 
litare* Jonas hobbiensis Tita Columb« (aus der ersten hälft« 
des 7 jh« MabiUon ann. Bened. 2, 26.) hier wird aus- 
drücklich gesagt y dafs der opferkeSBel mit hier gefüülf^ 
aicht aber^ dids blut eines geschlachteten thiers darunter 
gemengt war; es könnte, wenn die erzühlung nicht un* 
▼oilstSndig ist» ein blofses trankopfer gemeint sein* 

Gewöhnlich dienten die kessel zum kochen (d. h« sie* 
den) des Opferfleisches; nie wurde es gebraten« ebenso be- 
schreibt Uerodot 4, 6 t das kochen {i'ipetv) des Opfers in 
dem grofsen kessel der Scfthen. Die austheilung der 
stücke unter das volk besorgte wahrscheinlich ein priester; 
an grofsen festlagen -wurde die mahlzeit *) gleich in der 
Versammlung gehalten, bei andern gelegenlieiton durfte 
sich >vol jeder sein theil mit nach haus nehmen. Dals prie- 
«ter und volk die speise genossen geht aus vielen sleVlen 
hervor vgl. oben s. 27. in die capitularien 7, 405 ist aufge- 
nommen Avas in den epist. Bonifacii cap. 25 (a. 732) von 
dem pres])yter Jo\i mactans et immolatitias carnes ve- 
scens gesagt "wird, nur heilst es dort: diis inaclanti et im- 
molatitiis caruibus vescenti. Vermutlich war es einzehien 
gestattet, den göttern bei besonderem anlafs kleine gaben 
darzubringen, und einen theil davon zu vei'zcln-on ; das 
nannten (lio Cliriston : niorc gentilium olferre et ad hono* 
rem dacnmiHUTi comcdoro. capit. de part. 8ax. 20. 

Reine brerinopfer , wobei das thier auf dem holzstofs 
in asche verwandelt wurde, scheinen ungebrSuchliclu das 



*) man speiita aadi die krattbr&he yob dem gesotteaea «ad dss 
obcnichwimnieDde fett die Heiden bieten iliraii Icdoig, der das flciich 
anssdilSgt, aa, dr€cta todit und wta flaiit, sage HMenar gdda csp. 18. 



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OOTTESDIfiNST. OPFER 



^odi* oUbrunatB übersetzt Marc. 12, 33 ntir das gr. 
oXoyMvxmfta , ebenso steht albrancfopher N. ps. 64, 2, 
und das ags. biynegield soll Cadm. 175, 6« 177, 18 gans 
ein brandopfer im jüdischen sinn ausdrücken. *) 

Aucli keine rauchopjer galten; der Cliristen süfser 
Weihrauch war den Heiden etwas neues. Ulphilas beh&h 
'das gr. thymiama bei Luc. 1, 10. 11; unser Weihrauch, 
ahs. wiruc H^l. 3, 22, das altn. reykeki, diuu rt%eite 
sind nach dem christlichen begrif gebüdel. 

\\'as der mensch den göttern aus dem pflanzenreidi 
darbringen kann) ist heiterer, uuscluildiger, aber auch min« 
der bedeutsam und kräflig als das thieropfer. das ausströ« 
mende blut^ das vergofsene leben scheint mrlir bindende 
und sühnMle gewalt auszuüben, tliieropfer sind dem 
loieger und {iiger natürlich , getraide und bhimen wird erst 
der ackerbauer hingeben. Das blutige thieropfer ist gesell* 
•diafUicher, allgemeiner, die gesamtheit des vdOcs oder die 
gemeinde pflegt es zu bringen, fruoht oder blumen darf 
jeder haushält und selbst der einsdne mensdi opfern* 
diese Iruchtopfer sind daher einsamer, stiller, linnlicher; 
die gesdiichte gedenkt ihrer kaum, aber in der rottsdtte 
haben sie dest|> fester und länger gehaftet. 

Der ackermann läfst, wenn er sein korn schneyet, 
dem gott der es segnete einen häufen iihren stehen und 
schmückt sie mit bindern« merkwürdige beispiele dieser 
gewohnheit lassen sich erst im Terfolg bei ablumdlung der 
einzelnen gottheiten mitthdlen. es ist ein uralter und 
▼erbreiteter gebrauch den hausgöttem bei festÜchen mahl- 
asiten einen Stell der qpeise aurücksustellen* Hieriier gehört 
such das betränken des götterbüdes oder eines heil%en 
baums mit laub oder blumen; in den nordischen sagen zeigt 
sich nicht die geringste spur davon, ebenso wenig in unsem 
fitesten Überlieferungen. Aus der Bpätof&k seit und fovt* 
lebender volkssage kann ich ein^es aiBfnhren. am himmet 
fiitetstage winden in mehr als einer gegend Deutschlands 
die mSdchen träns& aus weifsen und rothen blumen , und 
h&ugen sie in der Stube oder im stall über dem irieh snf, 
wo sie hangen bleiben , bis sie das nMchste jähr durch frip 
sehe ersetst werden. **) Im dorfe Questenberg am hars 
bringen am dritten pfingsttage die bursche eine eiche anf 
den die ganze gegend beherschenden burgberg, und be&» 
stigen, sobald sie angerichtet steht, einen grofsen irans 



*) /'oliti obiet, Opfer aozunden. künigiiiii. hs. 98. 
Bngnr Vt 1, 1S6. 

3* 



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9t 



QOTTBSiilENST. MDiNB 



daran I der von baumK^veigen geflochten ist und emem 
Wagenrad gleicht, alles ruft : die queste (d. i. der kränz) 
hängt! und dann vird oben aut dem berge um den bauju 
getanzt, bäum und kränz aber jälirlitii erneuert, "^j Liiwoit 
dem hesbischcn berge IMeisner stebt eine hübe fcJscm\and, 
unter der sich eine hüle üfnet, die den nanien des liulen 
Steins iiilirt. in diese hole tragen am zweiten ostertage 
die jiiiigliiige und madcheu der benachbarten dürfer blu- 
menslränj se und scbopfen sich dann külilendes "wasser. 
ohne blunien milzubriugcn >vn^t es niemand hinabzustei- 
gen. **) In allen diesen beispielcn, die sich dinxli manche 
alinliche vcrmcliren lassen werden , scheint eine heidlUftclie 
gift-wohnheil auf clnlstbche feste überfuhrt. 

Ich will nochmals auf jene erzählung des Jonas von 
der olamannischen bierk uje zurückkommen und sie mil sur 
erklärung der keidnisclien, aber im christenUuim langf 
uoauageroUeteB gewoimkeil des minnetrinkens verwen« 
den« auck hier ecktinen name und «itte alien deaUcbfln 
volksstämmen gemein. 

Den Gotken kiefs man (pL munumi prast* munda) 
* ich denke I gamaa (pl. gamunnm, pnet. gamunda) ick 
gedenke, erinnere miclu die anomalie vreist auf ein Iru« 
herea IklJN, das sick bisher nock in keinem goüi. wort 
gaaeigt hat. umgekekrt ist in dem akd. die anomal- 
form erloacken ; das abgeleitete nUnna = minia mit der fort« 
gefukrten bedeutung amor, nnd mirinAn =: miniOn für amaro 
geblieben, minnen keifst an sick nicht lieben, sondern des 
geliebten gedenken, in altn. spräche gibt es sovrol Jenes 
ifia/if fimnum^ als auck ein neutr. nuani (memoria), ein 
verbum miaaa (recordarL) die Aebenbsdeutung amor hat 
sich gar nickt entwickelt. 

Linen abwesenden oder verstorbenen pflegte man zu 
ehren, indem man seiner ])ei versanüimg und mahlzeit 
erwähnte, und auf sein andenken einen becher leerte, dieser 
becher, dieser iruuk wurde altn. wiederum minfii genannt« 

Bei festlichen opfern und gelagen ward des goltes, 
oder der gutler gedacht und minni gelrnnken. rnifinis 
ül, minnis horn, iiiirt/iis fuU. furo minni mörg ok skyUli 
horn dreckia \ minfii hvert. um gulf ganga at minnom 
olium« Jiigilss. 206. 253. minniöL signodk ^om. Olaislieig. 



*) Otmars felksiagen p. 198. 189. was über den ofsprong der 
Sitte ersibit wird acbeiat eniiclitang. 

Paul Wigaod« arciiiv 6, 31T» 

**') aber ia der laL redoplicatioa memioi vorliegt. 



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GOTTESDIENST. MINNB 



. eaga (cd. holm») 113« 8i*gaa ist segnen, weihen« eigna füll 
Odniy Tiiör. saga Hükonar gtjcla cap. 18. in der Her- 
raudlissaga cap. 1 1 wird Thors, Odins und Fref as minne ge* 
trunken, dieser sitte entsagte man nach der bekehrung nich^ 
sondern trank nun Christus, Marien und der heiligen 
nunne, z« b« Krists minni, Ü^Iicha^ls minnL fornnu 
«dg. 1, 162. 

Die andern Stämme hatten ebensowenig davon abge« 
lasaen, und da wo sich unterdessen die bedeutung des 
Ausdrucks minne yerSndert hatte, übersetzte mau ihn auch 
in das lat. amor statt memoria, merkwürdig schon bei 
Ijiutprand 6, 7 diaboli in amorem vinum bibere; bei 
Eckehard (casus s* Galii, Perts 2, 84) amoreque, ut 
snoris est, osculato et epoto, laetabundi discedunt; im Fere* 
grinus (einem lat gedieht des 13 jh.) v. 335 (Lcyser 2114): 

et rogat ut potent sanctae Gertrudis amore, 

ttt possent omni prosperitate frui. 
pocuhun aignare steht Walthar. 223, wie im Morden 
Thors hammerzeichen, wandte man das kreuz zur Segnung 
des bechers an. Hagene sagt Mib* 1897 , 3 : ^ 

nu trinken wir die minne unde gelten sküneges win, 
wo auch gelten an die s. 24 beim Opfer entwickelte bedeu« 
tnng gemahnt (vgl. Schm, 2j 40.) scancten eine minne» 
Hoffin. fimdgr. 230, 35. minne schenken. Berthold 276. 
277. Was später wol hiefs: einen ehrenwein schenken, 
denn sdion in der filteren spräche bezeichnete dra, ire 
höheren imd geliebten wcsen erwiesene Verehrung. Im 
mittelalter waren es vorzugsweise z^vei heilige, denen 
zu elire miunc getrunken w\irde, Johannes (der evangelist) 
und Gerdntt. Johannes soll vergifteten Avcia ohne schaden 
getrunken haben , der ihm geheiligte triink wiederum alle 
gefahr der vergiftiuig abwenden; Gereimt aber verelirte 
den Johannes iil)ei^ alle hcilii;en und darum wunlc ihr 
andenken dem scinigcn hinzui^elügt. bei der minne pHeglcn 
besonders scheidende und reisende zu trinken, wie schon 
die stelle bei Eckehaid lehrt. ein älteres zeugnis über 
Gertruden minne (welche Johannes minne voraussetzt) 
kenne ich niclit, als das aus dem Peregrinus; in späteren 
\\\\\. stellt ihrer eine menge zu gebot, der brahtc mir saiit 
Julians segen. Ls. 3, 336. diz ist sancLe Jolians minne. 
cod. pal. 364, 158. 8. Juhaus sege/i trinken. Ansheim 
3, 416. *) 



V) Tiiomaaiui« de pocnlo S. Johannis vulgo JahanniAtrank. Lips. 
164a. ScütifferA ilaUao« |i« 165* Oberiiu s. v. JvbanuU uisa uüA 



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38 GOTTES0IBN8T. MINNB 

Die Alamanneiii de&en sich Coltimliaii nSberte, tranken 

vermutlich PFuotana minne\ Jonas erzälilt, wie der 
heilige das ganze gefafs entz'sveigel)lasen und ihnen die 
freude verdürben habe: mauifcslo dalur inlcUigi, diaholum 
in CO vase fuisse occiiUatum , qui per [)ru(anuin litatorem 
caperet animas sacrificantium. so dürfte man sich bei 
Liutprauds teiifel^ dessen minne gelruiiken -wird, einen 
heidnischen goll denken. gcj(^ thriggja sdlda ul Odhiii. 
fcrnm. sog. 2, 16; geja Thör ok Odimi 67, ok eigrici 
füll Asuni. da«. ^^0« dre€ka minni Thürs ok Odkiiis. 

r 

tmnk. SelMii4ler 9, 593. hanoov. mag. 1830, 171 — 176. Ledeburs 
arclilY 2, 189. über Gerdrut zumal Huyd. op. St. 2, 343-45. Clig- 
miU bidr. :^t)2«»411. üofiia. iioia« beig. 41 — 48. aatMiYari«ka 
•iittiUer 1, 313. 



. . _ 

*• 

'S, 



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Auch bei unlcrsuchungcn über die heiligen wohnpliitze 
der gütter wird am sichersten von ausdrücken angehobeu, 
die den cliristliclicn beneunungen tenipel oder kirdie voraut- 
gieugen, und durch sie verdrängt >vurden. 

Das goüi. fem. alJis überträgt die jüdischclirlstlicheu 
begriffe vuos (Matth. 27, 5. 51. Marc. 14, 58. 15, 29. Luc, 
1, 9. 21. II Cor. 6, 16) und uqov (Alarc. II, 11. 16. 27. 12, 
35. 14, 49. Luc. 2, 27. 46. 4, 9. 1«, 10. 19, 45. Joh. f, 14. 
2H. H, 20. 59. 10, 23.) es muFs dem Gothen ein ahheiliges 
wort sein, weil es die aiioniaiic älinlither ausdriickc iheilt, 
und den gen. alhs , den dat. aUi statt alhais, alhai bildet, 
ein einziges mal steht Joh. 18, 20 gudhus {itQOV') warum 
Sollte V Ullas verschmähen, das heidnische wort auf die 
chri^lliLhc Sache anzanvenden, da ja die auch heidnischen 
templuni imd vaos für deu dirküiclieu gebraudi imaastülaig 
befunden wiu*den? 

Dasselbe wort erscheint, glaube ich, schon einmal bei 
Tacitus Germ. 43: apud Naharvalos anliquac rcHgiunis lu- 
cus osteinlilur. praesidet sacerdos muliebri oi-nalu, sed deos 
iatei^prctalionc romana Castorem Pollucemquc memorant. 
ea vis numini, nomen jiicis; uulla siiniüacra, uullum pe- 
regrinae superslilionis vestigliim, ut fratres lamen , ut juve- 
nes venerantur. alcis ist gen. von alx (wie falcis, falx), 
das vollkonmien dem golh. alhs gleicht, ein lieldenbrüder- 
paar wurde, ohne hildseulen, in hfiiligem Lain verehrt, auf 
sie kann der name nicht bezogen werden, die statte der 
gottkeit hiefs alx, das uunieu ist hier der keilige wald 
oder ein darin ausgezeichneter bäum selbst. 

Vier oder fünf jahrhunderte nadi Ulfilas mufs den 
hochdeutsclien Stämmen entweder das woia alah altväterifch 
beidnisch geklungen haben , oder )ede abweicbuBg Yon dem 
clu-isdick lateinischen spracligebrauch zu kühn gewesen sein, 
die Übersetzer des U, 6^2. 395, des X. 15, 4. 193, 2. 209, 1 
behalten gcflissenllich tempil , tempal bei. 0. umsclu-eibt . 
druhtines hus 11. 4, 52 oder gotes hus IV. 33, 33, 
durchgehends in den ps. hus^ daz heilega kda* 

Gleichwol wissen wir, dafs in der ahd. mundart dar 
ansdruck alah vorbanden war, er bat sich in der zusammen* 
fetzung mit eigen- und Ortsnamen gesichert: alaholf, abibtac, 

aUhbilt, alahgund, alahtrüt^ alahstat in pago Uassonim (a. 
• 



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40 TEMPEL. 

834") Scliannat trad. fuld. 404. alahdorp in Mulaliiiuwe 
(a. ö.Vj I das. 11° 476. den nanieii alalistat , alahdurf kön- 
nen melij iTO ürter gefiilirl haben; an denen sich ein lieid- 
nischer tcinpel, eine geheiligle genehtssliitle oder ein haus 
des k()nigs befand, denn nicht blols das fanuin, auch die 
Vülksveisannnhing inid die königliche wohnnng galten für 
gewiüil, oder \v\ der spratlie des nnllelallers Tür fröno» 
jiUtidL eine bei Dietmar von Mersebnrg oft genannte kü- 
lii^plalz in Tliiiiingen hiels alid. alahsteti^ nom. alahslat. 

linier den S|)ater bekehrten Sachsen eiliicll siih das 
wort I.inger lebendig, der dichter des llel. gcbrancht alah 
(masc.) gerade wie lilfilas (3, 20. 22. 6, 2. 14, 9. 32, 14. 
115,9. 15. 129,22. 130, 19. 157, 16.) daneben, gleichfaUs mann- 
licli, wih [l^oov) 3. 15. 17. 19. 14,8. 115,4. 110, 17. 127,10, 
129, 23. 130, 17. 154, 22. 160, 1. seltner godes Jius 115, 
8. 130, 18. oder that helaga /ins. 3, 19. Der dichter 
des Cadni. 202, 22 alhn 1. al/i haligne (den heiligen tenipel.) 
258, 11 ealh slede (palatiiini, aeded regia,) *j iiu gednickteu 
agft. N. T. überall schon tcmpel. 

Die nord. spräche enibelut den auadruck^ er würde 
lauten müssen a/r, gen. als. 

Ein andrer ist noch entscliiedncr heidnisch imd "v^'ird 
fiir den gang unserer Untersuchung vorzüglich ^^ichlig. das 
ahd. haruc (masc. , pl. haruga) übersetzt in den glosseu 
bald fanum , Ural). 963", bald delubrum , Hrab. 959*, bald 
lucus, Hrab. 969«», Jnn. 212. Diut. 1,495", bald nemOi^ 
Diut. 1, 492^. die letzte glosse lautet vollständig ncmus 
plantavit, forst ilanzöta, cdo haruc^ edo wÜi^ es schlielat 
also einerseits den begrif von templum , fanum in sich , und 
ttekt jenem alls. wXh gleich, andrerseits den von wakl, hain, 
lucus« in der lex rip. lial sich merkvWiidigerwelse hara" 
Iitfs als benennung der m abist ätte anfbe^^alut (RA. 794% 
903,) sicher aus dem hcidenlhum her. **) ags. hearg (masc. 
pl. heargas) fanum. Beda 2, 13. 3, 30. Gros. 3, 9 (p. 109.) 
•Itn« hörgr (masc., pl. hergir) delnbruin, zuweilen ido- 
lum, siniülacrum, Sicm. 30*^ 42* 91* 114^ 141*; einigemal 
werden hörgr und hoj^ fanum teclum, verbunden (36* 



*) Tgl. die OHUMiftoaiiiefl atcfia, alboiinid, atbbeorht 
**) bafuc, bearf, börgr nit herejtäa sllva aad »^xA»'<o; 6f)Vߣt 
so vergleichen liiadert »owol dtM ableikcnde -w, als die badeatung, 

•in liaru^in T walt würde kniini fjesoi^t worden sein und mlre pleoiias- 
mu«. mir iit-iiit liLri vniuä da^i alnl. crchan (genuiiius, saiicUi^) grninou 
2, IUI. <>2i^, nut weU-heni »elir viele alte eigennamen zusaniuiengesetzt 
aind , die ott auf H anlauten , z. b. Erebeaold oad Hercbeaold, gerada 
wi« Tacita«.UennuBdari sehrelbt fikr Bnaaadsri. 



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TBMPBL 



141*"), daun scheint hurgr der heilige ort in vrnld und fei», 
7iof der gebaute tempel, aula, vgl. harnr ok Jiurgr ^fornni. 
«ug. 5, 239.") Iiof entspräclie jenem allis, alah. beiden aus- 
drücken Stande sowol der ürlliclie begrif zu , als au< Ji der 
des n\inicu und des büdes seihst. Unverwandt sclieint 
das altlat* liaruga^ aruga^ opiersUer^ woiier liaru6peX| 
«ruspex. 

Synonym mit haruc ist endlicli das alid. paro (geo* 
parawes) ags. bearo (gen. bearves) welche hicus und ar- 
bor ausdrücken, heiliger liain oder bäum, altn, btirr 
(arbor) Saim, 109* barri (neinus) Saem. 86*> 87*; qui ad 
«ras sacrißcat, de sa demo parau>e ploazit. Diut»'l| 150 1 
ara oder der p1. arae steht hier für templum. 

Tempel ist also zugleich wald, was wir uns als gebau« 
tat, gemauertes Laus denken, löst sich auf^ je früher zunick 
gegangen wird, in den begrif einer von menschenhändeA 
unberülirten , durch selbstgewachsne bäume gehegten und 
eingefriedigten heiligen statte» da wohnt die gottheit und 
biiigt ihr bild in rauschenden blättern der zv.-elge. 

Was ein sduiftstellcr des zweiten jahrhunderts vom 
cultus der Gelten si^, kann auf die deutsclien und alle 
UTTCrwaiidten vülker angewendet werden: ÄeAroi atßovai 
ftikv Jia y ayaXitta dk Jiog k^Xtihüv vijnjk^ dfvs» Maxi* 
mus Tyrius (diss. 9. ed. Rciske i , i-^^-) 

Damit behaupte ich nicht, dafs diese waldverehrong 
alle Torstellungen, die sich unsere vorfaliren von der gotl« 
heit und ihrem aufcnthalt machten, erschöpfe* es war nur 
die harschende , hauptsächlichste. Einzelne g(Hter mögen 
auf berggq^feln, in felsenhölen, in fiüssen hausen, aber der 
feierliche, allgemeine gottesdienst des volks hat seinen sits 
im Aai/»; nirgends hätte er einen irurdigoii aufschlagen 

Zu einer zeit, wo erst rohe anfänge der baukunst 
statt fanden, mufs das menschliche gemüt durch den 
anldidi hoher bäume, unter freiem himmd, zu grdfserer 
andacht erhoben worden sein, als es innerludb der kleine 
liehen von unmächtiger band hervorgebrachten räume em» 
ptfimden hätte« Die lang nachher eingetretene Vollendung' 
•igentliümlich deutscher architectur hat sie in ihren külm» 
eten Schöpfungen nicht eben gesucht, die aufiitrebenden 
bäume des waldes nachzuahmen? vrie vreit hätte dia 
onfonn ärmlich geschnitzter oder gemeifselter bUder von 
der gestalt des gottes abgestanden, den die kindliche ein^ 
bfldungskraft der vorzeit sich auf dem belaubten wipfd 
eines heiligen baumes throBMid Tonltllte. In dam vrefaen, 



■ 



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4a 



TEMPBL. HAINE 



mt» im ^AMoi*) uralter wSlder itilike akh die eeele äe$ 
menschen von der nlQie waltender gotUielten erfiillt ; welchen 
tiefen einfliifs das waldleben vou jeher auf alle Verhältnisse 
unseres volks halle, bewaliren die markgeuossensrhafU'ii. 

Die iülcslen zcu^niöse lür den >valdcidliis iler DeiUscIien 
legt Tacitus ab. (lerni. 9: celeriun nec cohibere parictibus 
deos, neque in ullam hiiniaui oris specieiu adsinudare ex ma- 
guiliidine coelesfiiun arbilraiitiir. lucos ac neniora conse- 
crafity deoniinque oominibiis adpellant sccreliuu iilud , quod 
sola reverentia \idcut.**) Genn. 39 : von den Semnonen : stato 
tempore in siham aiigiiriis patriim et prisca Jormidine 
sacram ***) omues ciusik in sani^uuiis popidi legatioiiibus 
coeinit. est cL alia liico rei^erc/itia, nemo uisi viiiculo li- 
gaUis iiigrcdiuir, lü minor et poteslalem nuniiuis prae se 
iercüS. bi iorle prolapsus est, altolU et insurgere haud li- 
citum: per humum evolvuulur. 40. est in iusula 

oceani castum nenuis^ dicatumqiie in eo vehiculum veste 
conlectunu cap* 43 : apud Naharvalos aniiquae religionis 
iucus ostendiinr . . . uumini nomeu alcis, nuUa aimula« 
cra, -cap. 7 : eüjgiee et eigna (d. i, eüigiata sIgna) qnaedam 
detractae lucis in proelium ferunt, womit hist. 4, 22 ver* 
bunden werden muTs: iude depromptae sili^is lucisqjoit 
ferarum imagineS) ut cuique genti inire proelium mos est. 
ann« 2« 12: Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae 
cognoscit delecliun al) Armiiüo locum pugnaei convenisse 
et alias nationes in silvam Uerculi aacram. ann. 4, 73: 
snox conpertum a transfugis, nongentos Romanorum apud 
lucum, quem Baduhennae vocant, pugua in posterum 
extracta confectos, wiewol nicht hervorgeht, dafs dieser 
bain ein geheiligter war. f) ann- 1, 61 : lucis propinquis 



*) Waldes hleo^ Jilea (nnibra, umbracnlttm) Hdl. 83, 88. TS» 83. 

SgS. hlt'o , altn. IiUe , iiifid. lie , liewe 

aufgenommen hat die paiize stelle, mit einijjon veran(ieninp:cn, 
Riiudolf von Fiild (f 8ö3) in seine sciirift de tranölatiuue Alexa&dri 
(Peru 2, (i75.), vielleicht mittelbar anderswoiier. 

***^ den liexameter enllebate er nidit, er schrieb Ihn selbst 

wer ia heiliger ssche l>egriffea ist, in gegenwiict und aaf dem 
gebiet de^t {Rottes steht, der soll nicht straucheln, und wird, wenn er 
zu hiidcn äinkt. scinr.s rechts veriubtig. 80 darf ein im heili;;en kämpf 
7A\ boden fallender üicli nicht auf die füfse erheben, sotidern niufs 
kniend das gefecht beenden, danske >i>er I, 115. So darf an sc- 
wi^:»eu orteu der umfalieniic wagen deä frenuliings iiiciit wieder aufgc^ 
richtet werden. RA. 554. ^Vas von einem abgott Som|iar bei Gör- 
litz gefabelt wird (neue lausitn. monatsschrtft 1805. p. I — Itl) Ist 
deutiirh aus unserer olelle de^ Tac. hergeholt. 

t) baduhenna vieUeicht ortsaamtf wie ardueaaa. 



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TEMPEL. UALNE 



4S 



barbarae araCy apuJ (juas tribunos . . . niaclaverani, 2, 
25: prupinqiio luco deiussain variaiiae legioiiis aquilain mo- 
dico praesidio servari. hisl. 4, 14: Civilis priniorcs gen- 
tis ... aacriim iu nemus vocalos. hierzu mag gleich nocli 
eine stelle des 8pätei*eu Claudiaas gefü^l werden (euus. 
Sülidi. 1, 288): 

ut procul hcrcyniae per vasta silcnlia silvac 
\enari tuto liceat, /wco.sipie vetusta 
religione truces, et robura numinis instar ^ 
hmbarici uostrae feriant impuiie bijiennos. 
liier wird keine blül'se natiirverclirung augekiiudigt. Göt- 
ler^Wühiica in diesen liainen , namcutlicli gonanule bilder 
(simulacra, nach nuMi^( llell^oslall^) siiul nicht aiirgeslelU, keine 
tempelwiinde aulgelulirl. j abei- Ijciliges geriithe , alliire 
stehen in dem wähl, Lliierliiiiipter (leraruin iniagines) liiin- 
gen an baumasten. - j dawii'd golteBdienst gehalten und opfer 
gebracht, da ist volksversammhuig unil gerichl. überall hei- 
lige elirfiirtht luid erinnening des alterthums. sind uns hier 
nicht alahy paro^ haruc gelreu beschrieben? wie halten 
solche technische ausdi'iicke, bezögen sie sicJi nicht auf ge- 
regelten von priesleriv goleitclcii volkscultuA) in der spraciid 
entspringen und forldaueru können :* 

Durch lan^e jalirluinilerle und bis zur einfiilirimg des 
chrislenUiunis hiell ck^r gel)rauch an, die gotüieit iu lieüi« 
g^A Wäldern und bäumen zu vereluen. 

Icli lasse die umständliche uachricht folgen, welche ^^ i- 
libald (t 786) in vita Bonifacii (Canisius 11. 1, 242. Pertz 2, 
343) von der heiligen eiche bei Geismar (ander Edder, luiweit 
Fritzlar in Hessen) ertlieilt. das erei^iis lallt zwischen die 
jalire 725 und 731» Is auiem (fiooifacius) • • . ad obsessas ante 
ea Hessorum metas cum cousensu Carli ducis (d. i. Carl ]Mar- 
telis) redüt. cum vero Hessorum jam muld catholica fide subditi 
ac sepdformis Spiritus gralia confirmati manus impositionem 
acceperunt, et alü quidem, nondum animo confortati^ inte- 
meratae fidei documenta integre perdpere renuerunty alü 



•) Brissonius de rcgno Pers. 2, 28: Persae dii« suis nulla templa 
▼el altaria constituiuit, nulla simulacra. nach Uerodot 1, 131. 

**) von dem auftiäugen der pferdebäupter vorMo s. S8; das ed~ 
diMhe QrlmiiiaAl 10 enihlt, dafi In Odblns wohoiiog ein wolf vor 
der thur (fyri vertan <lyr) limine und dtrikber eia adlet, waren das 
»iniulacra und insigniaV nach Witechiiid von Corvei errichteten die 
opfernden Sachsen einen aäUr äb«r dem thor: ad orieutalem portani 
ponunt aquUoM^ aramque victuriae cuiutrueuteii , dieser adlci; scheiui 
ihr zeichen. 

**') kürzer« OMbricht daroa btiai MMaU«U Saxo p. 188. 



44 



TGMPEL, BüNG 



eüam liiiguis et faucioiU clanculo, alü vero aperte sacri^ 
Jii'.ahant ^ alii vcro .aispicia et di\ inalioucs , pracstigia at- 
que iucaulaüuiies occultc, alii (piiclcin manifeste exercebant, 
aiii (piippe auspicia et angin ia inlendcbant , divcrsosque 
&nc.ri]u:atidi ritua iiicohieruiit , alii cliani , quihus mens 
Faiiior inerat , oimii abjci la geiitiiilatis proplianah'une nihil 
Loruin cominiserunl. qnui nm consullu al<jno coiisilio arbo- 
rem quaiidam niirae niagnituciinis ^ qnae prisco p(^ga~ 
7iontni -i^ücabiilo R\^\^c\\si\uv robur Jot^is, in loco, qui dicitiir 
Gaesnicrc , sorvis dei seciim astanlibns . snrcidere tentavit. 
cum(jne nicnlis consianlia conlorlalus arborcm succidisset, 
magna quippe aderat copia paganonini , cpii et ininii^m 
deorum guortim iutra se diligentissiinc devotabaat^ sed ad 
modicum qiüdem arbore praecisa coufestim immensa robo* 
ris moles , divino desuper flatu exagitata , palmitiim coti* 
iracto culmine, comüt, et quasi supenii Dutus solatio in 
quatuor etiam partes disnipta est, et qiiatuor in gentis 
niagnitudinis aequali iongitudine tnuici, absque fratrum 
labore astantium, apparuerunt. quo viso prius devotantes 

{>agani etiam versa vice benedictionem domino pristina ab* 
ccta maledictione credentes reddiderunt. Tanc autem 
amnmae sanciitatis antistes conailio inito cum fratribus ex 
mipradictae arboris mateiia *) Oratorium construxit» eam- 
que (die materies? oder den bäum? besser schiene id, auf 
Oratorium bezogen, auch hat Pertx illud) in honorem s« 
Fctri apostoli dedicavit. Seitdem liatte an diesem ort daa 
ctiristentkum in Hessen seinen platz; dicht dabei vrar von 
Jeher hanptsitz des voUis (Mattiumi id genti capiit. Tac. 
ann. 1, 56) nnd noch ini millelalter seine vornelmiste mahl« 
öldtte. tlle i;anze gegend ist waldreich. 

INichl unähnlich sind einige in der vila S. Amandi 
(•}-674) über den \vald und baununllns der nürdlichen 
Franken enthallene stellen (acta ßened. sec. 2. p. 714. 715. 
718): Amandus audivit pagum esse, rni vocabiilum Gan- 
davum, cujus loci habitalores iniquitas diabcdi co circuniqua- 
qiie laqneis vehementer irrelivil, ut incolae terrae illiud, 
reliclo deo , arbores et ligna pro doo colereut , atque 
fdfia vel idola adorai'ent. — ubi Jana destniel^antur, 
8tatim monasleria aut ecclesias conslruebal. — Amandus 
in pago belvacense verbuni domini dum praedicaret, per- 
Tenit ad quendam locum, cui vocabulum est Hossonto 



*) anilere bss. mole und mettllo; eia ahernes bild auf der eiche 
i»t bler nicht oasuaebmea, weil das lai voraosgetieadea, od«r im gUich« 
* folgendea geaaaer avsgedrfickt seia würde. 



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T£MP£L. HAIMB 



)uxta Aronnam fluvlum . • , , respondlt illa, qnod non ob 
aliaui causam ei ipsa coecitas eveiiisset, nisi quod auguria 
vel idola scmpcr coluerat. iiisiiper ostendil ei locuni , in 
quo praedictum idolum adorare cousueverat, scilitot nrbo- 
reriL^ qiiae erat daenw/ii dcdicata . . . *ninir ii;ilur ac- 
cipe äecurini et iiauc nejandam arborem quauluciu« auc« 
cidcre rc8tina\ 

Unter den Saclisen uud Friesen währte die Verehrung 
der iiaine weit langer fort, im beginn des eilften jh. lieto 
bischoi Lnwan >on Bremen Ixi abgelegnen bewohncra 
seines sprengels solche walib'r ausrollen : /neos in episco« 
pafu sno, in quibus paludicoiae regionis illiiis eri'ore peteri 
curii [»rulessione falsa christianitalis iinniolabant ^ siiccidit« 
u ita iNleinwerci cap. 22.) von dem heiligen bäum der alt* 
6J< b'-is( lion Irniifi6ul wird das sechste cap. handeln. In 
vers* bif^dnen stridien jXicdersachsen« und SVestphalens ha- 
ben sich bis au( die neuste zeit spuren heiliger eichen 
erhalten, denen das volk einen halb heidnischen, baib 
cbristUcben dienst bewies: im fürstenihum Minden pfleg« 
len die jungen leute beiderlei geschleclits am ersten ostcr* 
tage, unter lautem freudengeschrei, reigen um eine alte 
eiche zu halten. Unweit dem paderbornischen dorfe 
Wormeln im gehölz steht eine heilige eiche ^ zu welchcip 
noch jahrlich die einwohner YOn Wormeln und Calenberg 
feierlich ziehen*^*) 

Ich bin geneigt, die fest überall in Deutschland er« 
scheinende örtliche benennung heiliger wählt r auf das 
heidenthum surückzufüliren ; nach cliristlichen kiixhen, die 
im walde angelegt waren, würde man schwerlich den wald 
heilig genannt haben, und gewöhnlich findet sich in solches 
Wäldern gar keine kirche, noch weniger läTst sich der 
aamc aui den königlichen bannwoldern des mittelaltert 
erklären y umgekehrt scheinen die bannwälder selbst aua 
heidnischen hainen hervorgegangen und das recht des königa 
an die stelle des cultus getreten, der den heiligen wald 
der benutzung und gemeinschaft des volks entzog. 

Eine alte aufzeichnung von einem treffen der Franken 
und Sachsen bei Nottehi im J. 779 (Pertz 2» 377) berichtet, 
dals sich ein schwerverwundeter Sachse heimlidi aus sei« 
ner barg in einen heiligen wald habe tragen lassen: hic 
Tero (Luibertus) magno cum merore se in Castrum recepit» 
mx quo post aliquot dies mulier egrotnn humeris dem in 




Weddigeas westph. ma^. 3, tl2. 
Spilcken Mtrtge 12t. 



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4§ 



TfiMPEb. HAINE 



•yluam S^nkeri, auae Juit ihegathon ^aera, nocte por« 
tavit. vubiera tbideiii laTans exterrita damore effagit. iibi 
multa lainenUitione aniinam eacpiravit. der seltsame aus- 
druck ihegathon erl&utert sich aus dem rdyad-ov, einer 
benennung der höchsten gottheit (summus et priuccps 
omniiim deonun)^ die der aufzeichner aus Macrobs somn. 
8cip. 1, 2 entlehnte, vielleicht ^sichllich walJie, um den 
bekannten heidnischen golt zu versclnveigcii ? Sylheri, der 
name des iiraldes selbst scheint ^vas sonst Sunderi (der 
südliche), yne in mehrern gegenden walder Jicilscn. an 
der heiligen »lalle hofle der Heide heiluug? oder wollte 
er da sterben ? 

Des Wäldes i;cnaiint dat Jdlllge holt gedenkt eine 
Ulk. bei Iviiidlingor iniinst. btllr. 3, V)38 ; eine ganze reilie 
elsassischer Urkunden bei Schciplliii dps lioiügeu forstos un- 
weit Hagenau: n<> 218 a. 106o cum iow^Vo heiligen for st 
nominalo in comilalu Gerhardi comilis in pago Norlcowe; 

238 a. 1106. in sylva heiligeforst j n« 273 a. 1143. 
praedium Loubach in sacro uemore Fitiun: n^ 297 a« 
1158 utanlur ])nscuis in sacra silva; n<» 317 a. 1175 in 
sil^a Sacra; 402 a. 1215 in sacra silva $ n® 800 a* 
1292 conventuni in kunliicshnicken in heiligen forat^ 
829 a. 1304 nenuis nostrum et imperii dictum /ieiligvorst $ 
n° 851 a. 1310 pecora in foresta nostra, quae dicitur der 
heilige forst, pascere et teuere; n® 1076 a. 1356. porcot 
tempore glaudium nutriendos in BÜva 9aora. Schon die 
wechselnden würter forst, silya^ nemns seigen des »^>m^ni 
bedeutsanikeit. 

Merkwürdig ist die ansdrückliclic beziehung anf Tli&» 
ringen und Sachsen in folgender stelle eines gedichtSi das 
bald nach beginn des 15 jh« verfafst worden zu sein scheiat 
(Reinh. F. 302) ; der wolf erblickt . eine geifs auf einen 
bäum und ruft ans: 

idi sihe ein obez hangen, 

ez habe hir ode börste, 

in einem heiligen vorete 

ze Duringen noch ze Sahsen 

enkunde niht gewahsen 

bezzer obez Af rise, 
gemeint sind doch wol opferlliiere , die im heiligen wald 
an den hciunien aurgchangt werden? entweder beruht die 
erzählung auf älterer gruiullage, oder zu des dichters obren 
war noch irgendwoher kiindc von heiduisciien opfern der 
Sachsen und Thüringer gelang! ? 



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TEUP£L. HAINB 



4T 



Auch in andern geclichlen des mittelalters gcscliiebl 
hin und wieder, wenn auch nicht der Opfer, die heiligen 
bäumen gebracht werden, doch einer fortdauernden , un* 
vertilgten scheu erwähnung, und des wahns, dalis auf ein- 
zelnen bäumen geisterliafte wescn hausen. So ist Ls. 2, 
675 das Unglück, gleich einem Dämon, auf einem bäum 
gesessen; und Aw. 3, 161 heilst es Ton einem /wlen bäum: 
dd sint heiligen inne, 
die hoerent aller liute bet.*) 

Noch unverkennbarer wallet, durch längeres heiden- 
thum geschützt, jener waldcultus im Norden, das grofse 
von Dietmar (s. 29.) beschriebene opfer zu L^dera win de 
auf der insel gehalten, die von iliren selbst heute prächti- 
gen buchenwäldern den namen Saeiundr führte luid der 
»chönslc hain in ganz Scandiuavien war. Ebenso feierten 
die Schweden ihr opferfest in einem hain bei Up8ala, 
Aidam von Bremen sagt von den geopferten thieren: cotw 
pora suspenduntur in lucuaty qui proximus est templo; 
18 enim uicua tarn sacer est gentibus, ut singulae ariore# 
ejus CK morte vel tabo immolatorum divinae credantmv 
Von Hlödver Ueidhrekssohn heifst es in der Hertararsan 
cap. 16 (fornald. sög. 1, 491), dafs er in heiigem wtdae 
(4 mörk hinni helgu) geboren sei In Criasistundr , dem 
hain, sitzt auf deta batunästen ein vog^ und fordert opfer^ 
einen tempel und goldgehömte kiihe. Saem. 140. 141. an 
die heiligen bäume des edda, Yggdrasil und Mtmameidlir 
fieem. 109* braucht kaum erinnert zu werden. 

£ndlich wirft die einstimmung des slavischen, prenssi* 
sehen, finnischen und celtischen heidenthums licht auf unser 
ciBhehnisches, und gereicht zu seiner bestätigung* Dietmar 
von Merseb. p. 151 versichert von dem heidnische tempel 
m Riedegost: quam undique eyltHi^ ab incolis intaeUg et 
ifenerabilie ^ circumdat magna ^ p. 160 erzählt er, dafs 
Wigbert, sdn vorfahre, etw^ ums jähr 1000 einen hain 
der Slaven. ausrottete; lucum Zutibure dictum, ab accolis 
ui deim in omnibus honoraium, et ab aevo antiquo 



ۥ Terdieot aufaierksamkeit, dafs auch in christliche legenden 
die heidakcbe idee tou götterbildeni auf biamea eingegangen ist; se 
tief wunelte unter dem velk der banmcattui. ich ▼erweise auf die 
«rzäiilung von dem tiroler gnadenblld , das in eiaeai banm des w&ldes 
aufwuchs (deutsche sagen no 348.) Niclit unverwandt scheint die vor- 
«fellunj: von wunderbaren jun|;frauen <lie iii holen bäumen o<lf*r anf 
bäutneo im walde sitzen (MarieukiuU, iiau^fflärciien n^ 3. romance de 
la iaiaatlaa p. 259. 



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48 TEMPEL. HAINE 

Tiunquani vLoIatnm radicilus eruens sancto marlyri Ro- 
mano in eo ecclesiam construxit. eines hlotlundr (opfer- 
hains) bei Slnrla, namens Böku, gedenkt eine ahn. sage 
(forum, sog. 1 1 , 382) ; Helinold 1 , 1 von den Slavcn : 
us<|ue hodie profeclo iiiler ülos, cum cetera omuia commu- 
nia sint tum noslris, solus proliibetur accessu» lucorum 
ac fontium, quos aulumant pollui Christianorum accessu, 
ein lied der kuiiiginliofer Iis. ]). 72 erwähnt den Iiain 
(bühm. hai, bag^ pobi. gay, slovon. gaj , vgl. gaius, galia- 
jus, lex Kolh. 324. kafieius. lex bajuv. 21, 6), ans dem 
die Christen den heiligen sperber versclicnchlen. J Den 
Ehsten heifst sallo , deii Finnen salo, ein heiliger wald, 
zumal eine dichtbelaubte Insel; von Tliarapita^ Untern got^ 
meidet Heinricli der LeUe (ad. su 1219): in confinio >\ Iro-> 
niae erot mons et sil^a pn/c/ierrima, in qiio dlrebant in- 
digenae magnnm deum Osiüensium natum qui Xliarapita '^*) 
vocatUT) et de loco illo in Üsiüam Yolasse (in gestalt eines 
TOgeU?) Bei den Ahprcussen war Romowe der heiligste 
ort des lande« und ein aits der götter, auf einer /leiligen 
eiche, mit tücliern verliäogt, standen da ihre bilder. kd.« 
nes ungeweihten fufs durfte den vrald betreten, kein bäum 
darin gefallt, kein zweig versehrt, kein tliier erlegt werden, 
solcher heiligen haine gab es in Pl*eussen und Litthauen 
Tiele an andern orten.***) 

Die von Constantius bereits um 473 gesclirlcbne vila 
S. Gennaiii aulissiodorensis (gb. 37«S -j- 44«) enthalt merk- 
W'ürdige nachrichten von einem heiilnisch verehrten 6/r/i- 
6(7//777, der mitten in Auxerre stand. *'^'*''*) da die Burgim- 
den erst zu anfang des fünften jh. in Gallion eindrangen, so 
vviire dabei einmischung deutscher überliefcrnng luivvahr- 
scheinliclu aber auch, vveiui die sage als cellisch zu be- 
trachten ist, verdient sie hier eine stelle, weil sie die Ver- 
breitung der Sitte, häupter der opferlhiere an bäumen auf* 
zuhängen, darthut. Eo tempore (noch vor 400) terri- 
torium autisiodorensis uibis visitatione propria gubernabat 
Germanus, cui mos erat tiriini ulorum potius industriis in* 
duigere, quam diristiauae religioni operam dai^* is ei^o 



*) Brzetfslav verbraastfi der BMimsn lisMaMM heim wmA hämme 

(a. 1093.) Pelzel 1 , 76. 

••) vgl. Turupid fornm. »ög. 1 1 , 385. 
•••) .Toh. yo\^ts gesell. Prensscns 1 , 595 - 597. 
**'*) actasanclor. bolland. 31 Jul. p. 202. vgl. legeoda Rurea cap. 102. 
*****) hole (Marti) praedae prioMnlia vof ebaator, iiaic rmiia« Mutp€m- 
dthaniur ^xuriet» Jormadcs p.3S. 



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TEMPEL. HAINR 49 

a68idue venahii invigUans ferantin copiam insidüs atoue 

trtis strenuitatc froquentissiine capiebat. Ericit autem arbor 
piri^s in urhe jiiedia^ ämcpuitatc gratissima: ad cujus 
ramußculos ferarum ab eo deprclieiisarum capita pro 
admiradone venationis nlnuac dependebant. Quem cele- 
bris ejusdem civitatis Amator episcopus Iiis frequens com* 
peüebat eloquiis : 'desine , qiiaeso, vir iiouoraloriim splcn- 
didissiinc, liacc iucularia, qiiae riirisliaiiis olfensa, Paganis 
vero imiLuida sunt, cxcrccrc. lioc opus idolohit riete cul- 
turae est, nou clirislianac clegaiilissijiiao ilisciplinac' Et 
licet hoc intlcsiiUMiler vir dco digiius pcragercl, ille la- 
nicn niilio iiiudo adinonciili se adqiiicscorc vuluil aiit ubc- 
dire. vir aiilem domiiii itcruni atcpic ilermii ciun hortabatur, 
ut nou soliim a consiRlndine male arrc[)la discederct, ve- 
rum etiam et ipsam arboremy iie Cbrisliaiüs oirciulicuhim 
esset, radicilu6 cxtirparet. scd ille nnllaleiius aureiu placi- 
dam applicare vobiit admonenti. In hujiis ergo pcrsuasi- 
onis tempore qiiodani die Oerniainis ex iirbc in praedia siii 
juris (iiscessit. tiinc bcaluö aniator opporlunilateni opperi- 
ens sacrilegam arhorem cum caudicibiis abscidit, et iie 
alitpia ejus iiicrediilis esset memoria igni concremandani 
illico deputavit. osci/fa*) vero, <piae lanquam trophaea 
cuiusdam certamiiiis innbi am dcpeiidentia ostenlahanl . lon- 
gius a civitatis terminis projici praecepil. Protiniis vero 
fania gressiis siios ad aures Gcrmani relorcpiens, dictis ani- 
miim incentlit, atcpie iram suis suasionihns exaggerans fe- 
roccm efl'ecit, ila iit oblitus sanclae religionis , cujus iain 
fuerat rilu atrpie numere insignitus, morlem bealissimo viro 
minitaret. Ein um 876 veiTal'stes gedieht des ITerricus 
sdiiidert den abgüttiscben birubaum norb ausfiilirliclier : 
altoque et lato stabat gratissima quondam 
urbe pirns media, populo speclabilis onuii; 
non (piia perKlenlum flavebat Iionorc pirorum, 
liec quia perpeluae vernabal nuuiere frondis : 
fed depreusaruni passim capita alta ferarum 
arbor is obfscoe/Lae patulis iiaereulia ramis 
praebebant vano plausum et speclaciilo YulgO. 
borrebant illic trepidi ramalia cerui 
et dirujn ireadeutU apri^ iera spicula, dentesy 

') ^ irg. Georg. 2, 388 tll)ique (Bacche) osctlla ex alta sospen- 
tet nollia piou. docli liier sind keine aufgeltängte larveu gemeint, 
ioatfern wlrkHdie tbierli&apter. tind die ferarum finM^noM bei Tacitui 
nothweaHii^ bilder? bedeuten ostilla capita os clllentia? man Sperrte, 
»rheint ( s den aufpelrnn^fen kupfett mit einem «tab daf maul, irjjl. 
l«eagr. 6*5. Keioarüuf 3, 298. 

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so 



TEMPEL. OAINE 



acribus exitiiun meditantes forte molossis. 

tuDC qiioquc sie variis arbos iiidula tropaela 

fundebat rndibus lascivi seniina risus. 
V nicht das geladitor der menge war es, was den cliristli- 
clien priesteru anslols gab, sie crkaiuiten in dem gebrauch 
eine wenn echon auaartende und verdunkelte Übung heid« 
niacher opfcr. 

Bisher sind die Zeugnisse berücksichligt ^vorden, ans 
welchen hervorgeht, dafs der älteste goltosdieust unserer 
vorfaliren an heilige wiilder und bäume goknüplt war. 

Y.9 ist gleichwol nicht zn bezwoifehi, dals schon in 
frülister zeit iür einzelne gollheilen tenipcl erbaut, viel- 
leicht rohe bildnisse ihvin aufgestellt '\>iu*den. Im verlauf 
der jahrhundcrle kann auch bei einigen Völkerschaften 
mehr, bei andern ^veniger, jene alte waUdverchrung ausge- 
artet und durch erriclilctc tempel verdrängt worden sein. 
Endlich erscheinen manche antühmngen und Zeugnisse so 
unbeatimmt oder unvollständig , dafs es untUunlich ist mk 
einiger siclierheit aus ilmen zu entnehmen i ob die ge- 
brauchten ausdrücke den alten cultua^ oder einen daTOn 
abweidienden bezeichnen« 

Für die wichtigsten und bedeutendsten dieser nodi liier- 
ber gehörigen stellen halte ich nachstehende. 

Tac. Germ. 40 beschreibt den heiligen hain und den 
dienst der mutter erde; nachdem der priester die göttiii 
an festtagen unter dem volk herumgeiulu't hat, gibt er^ sie 
ihrem heiiihum surüclf.: aatiatam conTersatione mortalium 
deam tetnplo reddit. 

Tac. ann. 1^51: Caesar ayidas legiones, quo lador po- 
pulatio foret, quatuor in cuneos disperdti quinquaginta 
millium spadum ferro flammisque pervastat; non sexus, non 
aetas miserationem attulit: profana sinuil et sacrd^ et cel^ 
berrimum Ulis gentibus templuntj quod lYinfanae *) voea» 
bant| solo aequantur. das volk, dem dieser tempel gehörte, 
waren die IVIarsen, vielleicht nodi einige ihm benachbarte* 



•) eine im Neapolitanischen gefundene Insclirift fint merkwürdig 
Tamfanae sacruoi (Gudii iuscript. antiq. p. LV, 11); deutsch &cia muGi 
das Wort ein ags. tbMaa (fiivere) getbifa (&ator) ein shd. daoi- 
fian, damfo voraus, die nirgends vorkommea , aber der aaalogie Ten 
fif, fimf, alts. sAdLi, ahd. snnifti, alts. häf, alui. hnnf (niBDClM) folgen« 
ags. thafenc, alid. danfana, danifuna , gotii. thanifanü ^vHro also viel- 
leiclit favor; nur hat ein tcmplura Favoris mehr rümischt'S juiselitni, 
his deuUches, wiewol iin«ere Sprache ein anderes wort für favor, hliti- 
iMttt, hliomuntinc aueh penonifidert. N. Cap. 51. Lauter gewamste 
■MiunaCiangen in einer wdste des nidttwisscas. 



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TEMPEL 



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tila 8. Eugendi, abbatis jureusie (f um 510), aiictoie 
mooacho coudaicsconsi ipsius discipiilo (in actis sanct. Bol- 
land. 1. jaii. p. 50 und in MabiJlon acta Ben. sec. 1. ]>. 
570): sanctusigitur rainulus Clu isli Eugendus, sicut boalormn 
pali um lioniaui et Lupicini in reügioiie discipidus, ila cllam 
natalibu5 ac provincia exsüüt iudigeua alqiie concivis. oi- 
tus nempe est Iiaud longc a vico, cui vetubta pagnnitas 
ob colebrilatem clausiirainqiie foiiissimam superstitiosis- 
simi lempli gallica lingna isarnodori ^ id est ferrei ostii 
ludidit nomen : (|iio nunc cfuoquc in loco , delubris ex 
parte jani dirulis, sacratissiine nikant coeieslis rcgiii cuLnin« 
dicata Cluisticolis ; atque inibi pater sauctisaimae i)roIi8 
iiHÜcio ponlificali plebisque testimonio exstitit in presby-tcrii 
digiiitatc sacerdos. Wenn Eugendus ungefälir in der mitte 
des fänftca geboren , sein Tater achon priester der clirtsN 
Ikhen kirche war^ die an der stelle des beide ntempela er- 
richtet wurde, so mag dort das lieidenthum höchstens nur 
Boch in der ersten hälfte dieaes jh. fortgedauert haben, in 
dessen beginn die Weetgotben über Italien nadfai Gallien 
wdrangen« gallica lingua ist hier sichtbar deutsche , die 
▼on den einwandernden Völkern im gegensatz zur romana 
geredete« jene betiennung ist fast go^ch (eisamadaiiri\ 
lie kdonte noch nfiher burgimdisdi sein ( fsarnpdori )w 
Wettgothen, Burgunder, vielleicht gar so weit eingeschiit* 
tcne Atamannen, hätten in Clausen und engpSssen des Ju* 
rtgebirges *) den tempel angelegt ? der name schickt sich 
air Festigkeit der läge luid des baus, den die Cbiisleu 
tum tbeil beibobielton. 

vila S. Radegundis (y 587), der gemaldin CJdolars, von 
Baiidonivia, einer gleicbzeiligen nonnu abgofafst (acta Bcncd. 
sec. l. p. 327): dum iter ageret (Kadeguiidis) scculari pompa 
se comitante, inlcriecla longincjuitale terrae ac spatio, /«- 
num c/itod a iTanvis coltbatur in ilinerc bcalae reginae 
qnaniuni nn'liario iino pioximuiii erat, iiuc illa aiidiens 
)\m\i famulis faiiuni igiie condjuri, iiu([iium judicans deuin 
codi contemni et diaboüca inacbinamcnta venerai'i. Hoc 
audienles PVanri univcrsa niuUiludo cum gladiis et fuslibus 
vol omni Iremilu conabantur delendere. saiu la voio l oiiiiia 
ifnjijobilis perscvcrans et ClirisUun in pectorc gcstans, etfuuiu, 
({uem sedebat, in antea non movit, antequam et jatLum 
perureretur et ipsa orante inter se populi pacem firmarent. 
üie läge des zerstörten tempels wage ich nicht zu bestim« 

*) Bcheidegebirge melirern vulkorn heilig und opfcrstsUe. RUter» 
ctttiuule l. aofl. 2, 79. bd. 9. p. SH>3. 

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TÜMPEL 



men ; Ratlegiuid zog an» Thüringen nach Frankreich , in 
dieser richlung küDiite das famim uuweit des Kheius ge* 
sucht werden. 

Greg. tiir. vitae patr. 6: eunle rege (Tlioodcrico) in 
Agrippiuam \irheni, et ipse (S. Gallus) siniul abiii. ci al aii- 
tem ibi fanuni qiioddam diversis ornamentis referliini , in 
qiio barbaris opiina libamina exhibens usf[ne ad voniilum 
cibo potuque replcbatur. ibi cl simulacra ul deuni ado^ 
raris , niembra , secundiim quod lunnnquemqne dolor alli- 
gissrt. srulpebat in ligiio, quod ubi 8. Gnlhis audivit, 
stalini ilhic cum uno tanlum clerico properat, acronsoque 
igne, cum nullus ex sluUis paganis atlesset , ad faniini ap- 
plicat el succeuilit. at illi videntes lunuuu deliibri ad coe« 
lum U8que consccndere, auctoreni incendii quaerunt , inven- 
tumque evnginalis gladiis prosequunlur ; ille vero in üigam 
versus aulae se regiae condidit. verum postquam rex quas 
acta fuerank paganis auaaiuibus recogaovit, l^landis eos seiv 
monibus leniTit Dieser Gallus ist verschieden von dem 
in Al.miannien ein halbes ih. spHter auftretenden; er starb 
nm 553, unter dem künig wird der austrasisdie Tbeodt« 
rieh I gemeint. 

Tita S. Lupl senonensis (Duchesne 1, 562. Bouquet .^t 
491): rex Chlolarius virum dei Lupum episcopum retrusit 
in Pago quodam ISeustrtae nuncupante Vincmaco (le Vi- 
nieu), traditnm diici pagano^ nomine ßosoni Landegisilo 
fsiclier einem Frauken.) qtiem ille direxit in villa quao 
oieitur Andesagina super fluvium Audam, ubi erant temp/a 
fanatica a riecunonibua cuHa, (a. 614.) Andesagina ist 
Ansenne, Aucia hiefs später la Bresle, Briselle. 

Beda hist. ecci. 2, 13 erzählt, wie der northumbriscfae 
künig Edvine, der im 627 getauft und 633 erschlagen 
ward, sich erst nach reiflicher berathung mit verständigen 
männem xu der annähme des chrislenthums entschlofs, vor« 
süglicfa aber durch CoÜi (Cieii), seinen vornehmsten heidni* 
sehen priester selbst, in dem alten glauben wankend ge- 
macht wurde: cumque a praefato pontifice sacrorum sn* 
orum ({uaereret, qiiis amw et fana idolorum ami aeptit^ 
quihuB erant circunidaia, primus profanare deberet, 
respondit: ego. quis enim ea, quae per stultitiam Cohn, 
nunc ad exemplum omniiun aptius quam ipse per sapien- 

tiam mihi a deo vero donatam destniam? accin- 

ctus ergo gladio accepit lanccam in manu et ascendens emis« 
sarium regis (was alles für einen heidnischen priester un- 
erlaubt und unanständig war), pergebat ad iäoia* quod 
aspiciens vidgus aestimabat eum insanire. nec distnlit ille. 



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VBliPBL S3 

nox ut ap|)ro[>üiqu&b«t ad fanum^ profanare ittad in« 
)ecta in eo lancea quam teiiebat> miütcunqiie gaviaua dt 
agmlione vm dei cultus, jussit aocii« destruere ac succendert 
fanum cum omnibua septis 8uia. oatenditor «utem locus 
Sie quondam idolorum uon longa ab Eboraco ad orientem 
dira amnem Dorowentionem et vocaUir hodie Godmun« 
diuga hAm, nbi pontifex ipse, inapirante deo vero, pol- 
Int ac deatraxit eas, quas ipse aacraverat, araa* 

Titte 8. Bertulfi bobbiensia (f 640) in act. Bened* »ec. 
2. p. 164: ad quandam villam Iriae fluvio adjacentem ac* 
cessh, tibi fanum quoddam arboribua connitum videna 
aliatum ignem ei admovit, congestU in modum pirae lignia. 
U Yero cernentes fani ctdtorea Meroveum apprebensum 
diuque ftittibus caesum et icübus coulmum in fluvinm \U 
lud demergcre conantur. der flufs Iria iaiift in den Po, die 
bcgehenheit spielt unter Langobarden. 

A\ alafridi Slrabouis vila S. Galli (f 640) in acti« Be- 
Dcd. sec. 2 p. 219. 220: vcneriint (8. ( uhinibanus et Cai- 
liis) infra partes Alemauniac ad iluvlnm, cpii l^indiiiiacus 
Vücalur, juxla quem ad superiora teiuleiiles pei venoruiit 
Turicmum. luniqiie per lillus ainhidauteS' vcnissent ad Ca- 
put lacus ipsius, in lotmu qui Tucconia dicilur, placuit 
iJlis loci (pialilas ad iiilial)ilandum. porro huiiiines ibidem 
comniaucntcs cnulelcs cj ant clinipü, siiniilacra cuU titi H^ 
idola sacrißciis venerantes^ observanles auguria et di- 
vinationes et muila quae contraria sunt cultui divino 
supcrstitiosa bcclanles. Saudi igiiur Iiomincs cum coepis- 
seiit inier illos habitare docebant cos adurare patrem et 
liliuiu t'l spirilum sanctum , et custodire fidei vcrilatcm. 
Beatus quuijuc (Jalhis sancli vii'i discipuliis /elo pietatis 
arinalus fana., iu tpübus datuioniis 6(icri/u(fbarit , igni 
succentlil et quaccuufpic invenit oblata demeri^Il in lacuju. 
Die weilcr Folgende ^^icbtige slelJe ^ird spalf ibin ange- 
lültrt ^Verden , es beiist ausdriicklicli : cuiuque e)uadem 
templi solenmitas agerctur. 

Jonae bobbiensis vita 8. rohinibani (f 615) cap. 17. 
in act. J3ened. 2, 12. 13: cunique jam mullorum monacbo- 
rnm socictale densaretur, coepil cügitar(? , ul potlorem lo- 
tiim in eadeni ( renio (i. e. \ osago sallu) quaercret , cpio 
uiouasterium cousiruereU inveniique Castrum firmiasimo 



*) die agf. fibenetsong drfickt arae durch vighed^ fiiua durch 
Aear^^dj, Idola durch JUofolgUd au«, lepta eianal durch hega» (hedg<«- 
lieckeii), dBiiii durch geijutbro. der nach dem heurg geworfa« spvitr 
g«b d«]! itidien aa ^eiaer aerntöruiig. 



54 



TEMPBL 



munimine olirn fuisse cultuntf a «upra diclo loco disians 
jj^ua minus octo millibus, quem pHsca tempora Luxoviiuu 
nuncupabant, ibiqiie aquae caiidae cultu exiaiio coostru« 
ctae liabebantur. ibi imaginunt lapidearum densitas yicina 
•altus densabat, *) quas cultu miaerabili rituque profano 
itetusta paganorum tempora honorabant. an diesem bur- 
giiiidisclieu orte (LiixeuU in Franche comt^, unweit Veaoul) 
fanden sieb wol scbon röniiscbc thennaey mit biidseiilen ge* 
scbmückt? Iiatten darän die Burgandcn ibren ciütus ge* 
knüpft? von demselben Castrum liandclt auch die 

vita S. Agüi resbacenaie (-}- 650) in act. Ben. sec. 2. p. 
317 : Castrum namquc intra Tasta eremi septa , qiiae Vosa- 
giM didtiir^ fuerat janaticorwn cultui olim dedicatitm, sed 
tunc äd 8olum usque dirutirni^ quod bujus saltus incolae, 
q[uamquam ignoto praesagio^ Luxovium nominavere ; es -wird 
an der heidnischen stütte eine kirche gebaut: ut, ubi oHm 
prophano ritu veteres coiueruni Jana, ibi Cliristi fige* 
rentur arae et erigerentur YexiUa, habitaculum deo militan- 
. tium, quo advei^uB aärias potestates dimicarent superni 
regia tirones. p. 319: ingresefque (AgQus cum Eustasio) 
hujus itineris Yiamt juyante CliriBto, Warascos praedicatori 
accelerant, qul agrestium fania decepti, quos indgi /au- 
nos Yocant, gentilinm quoque errore aeducti in perfidiam 
derenerant Fotini aeu Bonosi virus infecti, quos errore de« 
pulso matri ecderiae reconciliatos veros Giristi fecere aervoa« 
Tita S. TVillibrordi (t739)in act. Ben. sec. 3. p. e09: 
pervenit in confinio Fresonum et Danorum ad quandam 
msulam, quae a quodam deo sno Fosite ab accolis terrae 
Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana fiiere 
constructa. qui locus a paganis tanta Teneratione habeba« 
tUTy ut nil in ea \el animaKum ibi pasccntium vel aKanim 
qaammHbet rerum gentilinm quisquam tangere audebat, 
nee etiam a fönte, qui ibi ebuUiebal^ aquaui Laurirc nisi 
tacens praesumebat. 

vita S. Willeliadi (f 789) bei Perlz 2, 381: unde con- 
tigit, ul quiilam (lis( ipiilorum ejus, ilivino conipuncli ar- 
dorc, fana in nioreni gentilinm < ircnnu/eiacfue erecta 
coepissent cvorlcrc el ad nlliiliiiii, pionl puleraut, rcdigero; 
quo facto barbari, (jui ailhiu lurle iucnHluli perslilorant, fnrore 
uimio succensi. ii i i unl siipcr eos rejuMüc cum iinpehi. >o- 
lentes cus luxidilus iulerimeie^ ibique dei faiiiuluiu fu&libus 



*) die menge (deiisitas) der bilcler Omclite den beoadtbartsa wald 
liter? äollte iiitfit vietinelir hinter dea beiden enten genitlvea eio 
acc. felileu: copiaiu oder »|>ccieniY 



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TEMPEL 



cacsiini uiuIUa admodum plagis aifeccre. Dies gescliali iai 
friesischen pagiis Thrlanta (Drentc) vor dem ). 779. 

vira Liidgeri (anfaiig des 0 jh.) 1, 8: ih'i [in Frisia) pa- 
gauos asperrinios . . . iniligavit, ut eua illum deltihra de- 
stmcre cnraui oculis paterenliir. inveutiim iu Janis aui um 
et argeiUuni phiriiniun Albriciis in aerariiini regia intiilir, 
accipiens et ipso praecipiente Carolo portionem ex eo« Vgli« 
die 8. 27 angezogne stelle aus der lex Frisiomim. 

Aller vralirscheinlichkeit nach war das im ). 14 von 
den Römern verstörte Iieiligtliiim der Tanfana kein bloffter 
hain, sondern ein au^efülirtes gebäiidei bei dessen Vernich* 
tüng sich Tacitiu sonst schvrerlick der worte ^solo aequare* 
bedient lialim ^vnrde* aus den drei oder vier zunächst 
fulgendeu jhh. fehlen uns alle nachrit Ilten \on heidnischen 
ietnpeln in Deutscliland. im 5. 6« 7 und Ö jh* kommen, 
wie ich dargethan habe, caslra^ templa^ fona unter 
Bm^nnden, Franken ^ Langobarden, Alamaiüieny Angel« 
Sachsen und Friesen vor« ich will einräumen , bei einigen 
setignissen mag bestritten werden, dafs deutschheiduische 
tcmpel gemeint sind, es könnten stehngeblieboae römische 
seiDy und dann wäre ein doppelter fall möglich: das her« 
sdiende deutsche volk hatte in seiner mitte einzelne ge* 
meiiiden römischgallisclicn culius fortsetzen lassen, oder der 
römischen gebäude sich für die ausübung seiner eignen reli- 
gi6n bemächtigt. *) Da bisher keine gründliche Untersuchung 
gepflogen vrorden ist über den zustand des glaubens unter 
dni Galliern unmittelbar vor und nach dem einbruch der 
Deutschen (ohne zweifei gab es neben den bekehrten da« 
nals auch noch heidnische Gallier); so ist es schwer sich 
für eine dieser Voraussetzungen zu entscheiden, beide kön- 
nen zusammen statt gefunden haben, in dem zweiten faU 
hätten wir inwier noch tempel des deutschen heidenthums 



*) wie das rolk r5aiiBcbe feitaiigswerite lilr teafelfmaueni hielt, war 
CS aatÜTlicb, mit römjtcben castellen den begrif der afjn^öttercl zu ver- 
knöpfen. Rupertns taitiensis (f 1135) in seiner sclirift \o\\ der fcuers- 
brnnst, wo<lurch im j. 1128 ein .ho1( Ii(\>, für den cliristlirtien Gottesdienst 
eingeriditetes ca^telluni zu Deu» vcrzelirt wurde, meldet, dafs es iiacli 
eioigen von Jul. Cae&ar, nach andern von ConsUntiuä und Constautiuus 
«bellt war. Za kaiier Ottos selten sei Maria nadiU dem eisbiicliof 
Beribert erücliieneu: 'sarge, et tuiiUnse eoMtrum petens locam in eo- 
dem mundari praecipe, Ibiqae monasterlum deo miliique et omnibun 
&anctis conslitiie, ut, übt quondam liabitavit ]<eccatum et cullux rfae- 
tncnuin , th\ justidn rcj^nct et memoria saiictonmi'. Mit äfmlirhen 
worlcu iu der vita Heribtiti cap. 15. Vgl. das faiium zu Cdiu üben 
i. 52. 



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TEMPBL 



:vor uns, wenn anch erst rinnische gebäude In sie vmmn« 
delt worden wären« Und aicher darf man nicht aile seng* 
iiUse auf jene weise verstehen« so gut der Tanfanatempel 
von Germanen selbst errichtet wurde » läfst es sich von den 
alamannischen y sächsischen , friesischen tempehi annehmen, 
und was im ersten )h. geschah i wird im 2« 3. 4 noch 
wahrscheinlicher geschehen sein* Vielleicht galt eigentlich fiir 
gebaute tempel der ausdruck o/oA« sie mögen daneben, 
wie in der nordischen spräche , hof (aula) ; holla (tem- 
pluni) hymn. 24, 4; raiud (domusl H^L 114, 17« 130, 20* 
144, 4. 155,20; gotahds] petapär (delubrum) Diut t, 
195^ oder petahus gcheifsen haben» Noch die späteren 
dicliler brauchen betehAa gern von heidentenipeln. Barl. 
338, 40. hedehus Alaerl. 1, 326 im jzoizonsatz zu der cliri.'^t- 
lichen lirc/ie, einiue sclu-i fisteller siiul minder hcdenklieli, 
und N. Cap. 17 überlriigl cluleclion das Jal. lanis , w ie 
etwa bischüf \uii lieldn. priestern gesagt \vird. ScJu- frühe 
behielt man aucli tempel bei, Diut. 1, 195* tetnpcl Is. 305. 

Wir seilen alle bckelirer eifi ig das heil au die heiligen 
bäume der Heiden setzen und feucr unter ilire tempel legen, 
fast sollte es schchicn , die armen leulc seien gar nicht um 
ihre eiu^vill^gung gefragt woT-den, und erst der axifslcigcnde 
rauch habe ihnen die gcbrorlieno macht ihrer göttcr ange- 
kündigt. Aus den weniger ruhmredigen erzaldungen ergibt 
sich aber bei nalierer belrachlung der umstände, dafs vreder 
die Heiden so einfältig, noch die Christen so unbesonnen 
waren» Bonifacius entschlofs sich die donnereiche nieder 
SU flUlen erst nach gepflognem rath mit den bereits über- 
getretenen Hessen und in ihrer gegenwarL So hätte auch 
die thüringbclie künigslochter auf ihrem rcisepfciHl nicht 
Stillhalten und den befehl ertheilen dürfen, in den fränki* 
sehen tempel fener zu werfen , ^vare ihr gefolge nicht zahl- 
reidi genug gewesen , den Heiden die spitze zu bieten, dafs 
diese sich mit den waffen widersetzten, geht aus Rade* 
gundens bitte, nachdem der hof nieder gebrannt war, her^ 
vor, ut tnter se populi pacem finnarent* 

In den meisten fallen ist ausdrücklidi bemerkt, dafs 
an der stelle des heidnischen baums oder tempels eine kir- 
cbe errichtet wurde, auf solche weise schonte man der 



*) dn^ n^yl , welches tempel in ilirem umkreis gewahren , iiirfü 
tL\\A. fitthof, alts. fr!<{hoh. H<*l. 2, 9. nihd. vröiie t'r///;o/. Mb. 
1795, 2, niclit frie<llu»f, v^^l. goth. freicijnn. 7i\\s. iViMön (parcere.) clafi 
die bcj»timmiin<reii der nitdeutriclien freistätten iiucli grofseoiheiU beid- 
liii»cli sind , ist UA. b8<> — 92 untcmucht. 



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TEMPEL 



57 



angewolinungcii des volks, und machte Him glaublkli, dafs 
tlic alte heiligkcit der statte nicht gc^YiclM?u 8ei , sundern 
iuilan von der gegenwait des wahren gotles abhänge. 

Ziigk'icli entdeckt sich liier die Ursache des gänzlichen 
maiii;els an üherhleihsehi heiiliüselier inonumcnte nicht al- 
lein im iiinern Deutschland, sondern auch iiu Norden, >vo 
doch sicher solclie teinj)el, und hauliger, vorhanden -waren j 
entweder wurden sie dem boden gleicli gemacht, um darauf 
die christliche kirclie zu erbauen , oder ihre mauern und 
Lallen selbst mit in diese verwendet, von der baukiuist der 
heidnischen Deutschen einen hohen begi il zu fassen wird 
mau sich zwar enthalten, doch nuigcn sie es verstanden lia- • 
ben, bedeutende steinmassen zu ordnen und fest zu verbinden. 

Hierfür zeugen denn auch die in Scandinavien, zum thcü 
noch in Friesland luid Sachsen erhaltenen grabhiigel, mahl- 
stätteu und opfer|)latze, aus denen sich einige wichtige 
folgerungeu für den altheidnischen gottesdienst ziehen las- 
sen, die ich aber von meiner gegenwärtigen Untersuchung 
aussdikefse. 



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58 



PßlESTCa 



CAP. V. PRIESTER. 

Die allgemeinste bcnennung dessen, der zum unmlUel- 
baren dicnsl der gottheit borufcn ist, führt sich auf ihren 
namen* selbst zurück, vom ^olfiiscbeii guth (deus) Avird da» 
adj. gaguds (pius , evoeßi;^) , gagudei (jiietas, ivoißeta) ge- 
bildet, der gült dienende, fromme mann heilst gudja 
(Ieqivq) IMatlh. 8, 4. 27, 1. 63. Marc. 10,33. 11,27. 14, 
61. Luc. 1, 5. 20, 1. Joh. 18, lü. 22. 19, 6. ufargudja 
(uQyiFQEVS) JMarc. 10, 33. gudjinori (i^guTSV^iv) Luc. 1, 
8« gudjinassua (hgaTCia) Luc. 1, 9. 

Dafs diese ausdrücke lieidnisch waren folgt aii*^ doni 
einstimmigen altn. godi (ponlifex) hojs godi (iaiü an- 
tistes) Kgilss. 754. Frey» godi MsdUs. c. 96. 117 (fonnn. 
8ög. 2, 206.) godord (sacerdotium.) einen anderen ginnid 
dafür gibt das yerschwindeii des worts in den übrigen 
dialecten, etwa wie alali vemliwand, das den GotUeu 
noch unbedenklich schien, nur eine leise spur erscheint 
in dem ahd. cotinc Diut. 1, 187, womit tribunus glossiert 
vnrdi (gülh. gttdiggs?) W ie aber Uifilas gudja und w- 
nista {itQeoßvTeQOQ, der ältere, angeselienc, der priester) 
verbindet, sagt ein merkwürdiges zeugiüs bei Anuiiianuft 
Marcell. 28,6 aus, dai's der burgundische oberpriester 
ninto liiel's : nam sacerdoB omnium maximus apud Bur- 
gundios Yocatur sinUtus^ et est perpetuus, obnoxiiiA 
discriminibus nuUis ut reges. Vom Zusammenhang der 
priester mit dem adel handle ich 267. 268» 

Noch heidnischer sind die ahd. priesternamen liarU" 
gari Diut. 1, 514^ und parawari Diut. 1, 150*: beide 
aus Jenen benennungcn der tempel haruc und-paro herge- 
leitet und die vorhin behauptete Identität dieser begtüTe 
bestätigend* schwerlich wurden sie vom ^ossator zur. ver^ 
deutschung des lat. aruspex erfunden, sie waren langst in 
unserer alten spräche vorhanden« ptuostrari (oben s* 23} 
hiels der priester, in sofern er opferte. 

Dals aber cotinc die bedeutung tcibunus haben konnte 
xeigt den genauen Zusammenhang zwischen priester und rich- 
teramt, der vorzüglich in einem andern der hochd. mund- 
art eigcuthümlichen ausdruck hervorbricht« ^tpa^ ia be- 



*) vgl. deo mit ^in • in der ziMAnimeiiiielzuug verbaadaffli bcgrif 
der i^riKitätäi (graaun. S, 654. 555.) 



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PRIESTER S9 

zeichnete nicht hlofs das weltliche, sondern auch das gött- 
liche gesetz, die frülier genau verbimden und gleich heilig 
waren ; ^wart ^ dowart also den pfleger, hüter des gese* 
tzes, den «^o/MXOff, goth. vitudafasteis , den gesctzea und 
rechtskundigen. K. 55» 56*- »>• gl. lirab. 974» N. ps. 50, 
9. das scliwach formige 4warto hat 0. I. 4, 2, 18. 72. gotea 
iwarto I. 4, 23. 6Ö noch im 12 jh. ^(parie Mar. 21 und 
ohne allen bezug auf das jüdische anit , ganz s}'nonyih mit 
priceter: der heilige ewarte Reinh. 1705. Daneben galt das 
nahliegende eosago^ esago für judex, legislator. RA. 78 !• 

Der dichter des U^liand bedient sich des ausdrucks 
wihe8 ward (templi custos) 150, 24, und Tersuclit, um dem 
heidnischen me dem fremden werte auszuweichen, um* 
8chreil)ungen : the gi^rddo man 3, 19. the Jrödo man 
3) 21. 7y 7. frhdgumo 5, 23. 6, 2. %odcund gumo 6, 12, 
was an jenes gudja ansclilägt, vielleicht aber auch den ei« 
genthüniHchcn sinn herührt, den bei Wolfram ^der giiote 
man^ hat. die romanischen ausdrücke prudena liomo^ 
homis homo (pmdhomme, bonhomme) sind nicht ohne be* 
sog auf die alte rechtspfiege. 

Mit dem cfaristenthum drangen fremde benennungen 
ein. die Angelsachsen nahmen, in verkürzter form, das 
Ut. sacerdos auf: sacerd^ pL sacerdas; Alfred übersetxt 
Bedas pontifex imd summus pontificum (beides von einem 
Iwidniidien) 2, 13 bUcop und ealdorbiscop» T. und O. 
haben (^ichbedentig das aus episcopus entspringende bisgo f, 
biscof 0. 1. 4, 4. 27. 47; auch 150, 24 biscop. 
ler werden prienter (nach presbyter, also jenem begnf des 
vornehmen und ältesten) und pjcijje (papa) die allgemein- 
sten namen. 

Wenn Jul. Caesar von den Germanen sagt (de beUo 
GalL 6,21): neqne druides habent, qui rebus divinis prae- 
sint, ne^e sacrifieib Student, so braucht diese nachricht 
nicht für unrichtig und dem, was Tadtus von den deut- 
schen priestem und opfern meldet, widersprechend erklflrt 
SU wn^en. Caesar behauptet alles im gegensatz zu den 
Galliem. diese hatte er 6, 16 als den opfern SuTserst erge- 
ben geschildert, und *non studere sacrificüs' wird im Zusam- 
menhang nichts anders bedeuten als: sich der opfer spar- 
sam bedienen, ebenso vvciu'g herschle unter den Deutschen 
das gallisclie lein ausgebildete Driiidensyslcm 5 sie ermangel- 
ten aber nicht ihrer eiyenthümlichen opfer und priesler. 

Die deutöcitcn priester , wie wir es schon ans dem 
ühergreifen der namen erkannten, >varen zugleich bei got- 
tesdieust uud volksgerkht thatig. In deu heerzügen gebülu l 



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60 paiissTBa 

ihnen atteiiii nkht dem feldhem die suciity Ak der gume 
luneg glcidiMm In gegenwart der gottfaeit gefiüirt Wird: ce- 
terum neque animadvertere, neque vincire^ nee verberara 
quidem nisi aooerdotibuB permissum: non quasi üi poe- 
nain , nee ducis jussu, aed v^ut deo imperante , quem adetae 
beUautibus credunt. Germ. 7. auch die gleich folgenden 
-\vorlc beziehen sich auf die pricsler, sie nehmen aus dem 
heilii^cn hain die bilder und zeichen mit ins Feld. Cap. 
10 Iclirt, dal's der sacerdos civitatis dem ioföen mit zwei- 
gen vurstehl, sobald es liir das volk geschah, war die an- 
gelegenlieit keine ölFen l liehe , so kann der itausvater selbst 
das gesehall verriclilen und der ]n'ie8ler brauchte nkbt y.u- 
gezogen zu werden. eine merkwürdige besclirankuiii; (Um- 
priestergewall und ein zeiehoti , wie weit in dem eigenlli- 
chen Privatleben das recbl des freien mannes ^ieni;; aus 
gk'icheni giunde , scbeinl es mir, durften in liiili.slt-r zeit 
symbolische handlungen luiler den parleien vorgenommen 
werden obne zwisi lienkunü des ric/iters (RA. 201.) Auch 
wenn aus dem gewieber der üirentlich unterhaltenen weifsen 
rosse geweissagt \\ erden sullle, begleiteten priesier den hei- 
ligen wagen und beglaubigten das geschaft. Der goltheit 
wagen berührt allein der priestef\ ibre nahende gegenwart 
•wird von ihm erkannt, er geleitet sie ebrliuchtsvoll, und 
i'iihrt sie zuletzt in ihr heiligthum zurück, cap. 40. 

Diese wenigen, der priesier nur gelegentlich ei'wUhnenden 
stellen lassen ihr amt lange nicht Übersehauen, ohne zwei- 
fei lag ihnen, aufser jenen geschuften, die Verrichtung leiej li- 
eber gebete, die tüdlung der opferlbieie, die weihung der 
küfu'ge und leichen, vielleicht auch der eben, die abnähme 
der eide luul iiianebes anJere ob. \oi\ ihrer tracbl. ihren 
insignicn und abslulungen wird gar nichts gemeldet, einmal 
gedenkt Taeilus caj). 43 eines sacenbjs Duiliebri ornaiit^ 
gibt aber luelils niiber an ; ohne zwei fei bildeten die [)rie- 
Fter einen gesonderten, vielleicht erbliehen stand, wenn aiidi 
einen minder machtigen und einilui'sreichen als in Gallien, 
'wahrscheinhch gab es aufser jenem saeerdos civitatis liö- 
Lere und geringere. ^Namentlich auigeliihrt vrird ein einzi- 
ger, der cattischc Libys {^^ißvß %m' Xiarviv hgiig) bei ötia- 
hOf den mit anderen, gefangnen Deutschen die pompa dea 
Germanicus nach Jtiom schleppte. Tacitus geschweigt sei« 
uer. *) Bemerkenswerth ist noch des Jemandes aussage, 
dafs die gotlnschen priester pileati hiefseui im gegensata 



*) Lil>yi konnte seia Leip, Ub, alla» f^fr, getb. UMmt eiae 
vsriaaU gibt ASßi/i, 



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PRIESTEa 61 

7X1 den copiilati, dem ül>ric;pn theil des volks, und dafs 
sie walircnd dem Opfer ihr iiauut mit liütenbe deckteiL 
V|l IIA. 271. 

Aus der folgenden zoil , und bis zur eiufülining des 
chrislenthiims ijalnn wir fast gar keine künde weiter^ wie 
^tch iin iiuierii Dcutsrtdand mit den priestern verbleit ; 
ilir dasein fui^^t aus dem der lern pol und opfer. Eine nicht 
unwichtige natliricht bat Beda bist, eccl. 2, 13 bewahrt, 
dem beiduisdien priester der Ang^elsachsen war es wafien 
sa tragen und auf hengsten zu reiten untersagt: non emm 
Ucueittt, ^ntificem sacrorum vel arma Jerre^ vel prae» 
tm'quatn in equa equitarem sollte das noch mit der be« 
stinimmig zusammenhängen, die freilich auch biblisch 
klart werden kann, dafs christliche geistlidie, wenn sie 
Wfid umreiten, auf eaeln und fiUhn (nicht auf pferden) 
sitzend erscheinen (RA« 86-88)? die Übertragung solcher 
in die gewohnheit und sitte des lebens eingreifenden ge- 
brauche mochte ganz zulässig sein. Es ist nicht tmwahr« 
sdieinlich, wie heidnische Stätten in christliche umgewafH- 
deh ¥narden, dafs man auch für yortheilhaft liielt, unter 
den bekehrten vulkcrn die allen priester zu dem iitucii 
gOllesdienst heran zu ziolien. sie Ovaren ilrr gel)ildelöle 
tlieil lies Volks , am ersten fiihig die christliche lehre zu 
fassen, und ihren landsleulen zu empfelilen. aus der mitte 
des heidnischen priestcrtliums mögen daher z^var die lief- 
tigsten feinde, aher auch die eifrigsten anhanger der neu- 
erung hervorgegangen sein. *) an einer stelle der honifa- 
zisclien hriefsanüung wird über Vermischung dirist liehen 
und heidnischen brauchs geklagt, die sich unverstandige 
oder leichtsimiige und strafbare priester zu schulden konuneu 
lassen. ) das konnte in schuldloser unerfahrenheit, oder 

wie «Ol der catbolischen gcistlicbkeit sowol die ittoea als 
S^iMf der reformatioo. Das merliwArdige beiiptel eines beidaiichen 

priesters, der seiaen alten glauben herabsetzt uod selbst band anlegt 

•n die zerstOrnn^ des früiier von ihm lu'iliff gehnitenen toniprls, ist 
«. f»2 niis Beda nripetuhrt. dieser priester war ein aiigelsachiiischer, 
keiü briiiscljer, ou^leit-h ihn Ueda ( o//i, mit einem galiüchen worte 
(thotlii, ciiuibhidik , cui/ii/ti ^ nach Janiicauu im Supplement s. v. coivie, 
•rcbidruid) otTenbar nur an afilierer beseiclinuns; seines Standes, nennt. 
ei;;eiinafne ist Coifi ancli im Gslischen nicht, und es wire nnglanblich, 
dsfi Edvioe, konig von Nortliumbrien britischen glauben aagenomc» 
Ssd eiaen britiscftcn priestrr jjehalten hätte. 

**) ed. Wurdtw. H2. Serr. 140: pro sacrilcfjis itaque presbyteris, 
Ut scripsifiti. qui taiiros et hircos diis pa;2^nnonmi immoiabant, mandu- 
aaies Mcriticia murtuorum .... modo vero incognitum esse, uirura 
l>iMivuilas triailatein dbüssent an non ctc* Dahin auch der preabyter 
M mctaas, e^ 95. 



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«3 PAIfiSTfiR 

mit wolfoevnuter abaicht geschehen , aber fast nur von 
solchen, die zugleich des heidenthums kundig waren. 

Selbst den nordisclien pries Icrsland beschreiben die 
eddeu und sagen aidsersl unvoUstäuilig. eine uierkw^irtlige 
stelle der Vni^lingasaga cap. 2, welclic die Asen überliaupt 
als einwanderer ans Asien, uiid Asgard iJiren sitz als eine 
grol'se opferslälte ansieht, niaclil die zwölf vornehmsten 
Asen zu upjerpriestern (hoJgo(/ar) : sk}l(hi their radha 
tyrir blutmu ok domum manna i nillli, und iiigt hinzu^ daül 
•ie diar (divi) und UrdUnar (doniiui) genannt worden seien« 
diese Vorstellung, wenn sie auch nichts als vennutnng Snor- 
ris ist, zeigt uns die holie würde, worin das nord» prie« 
sterthum stand, und wie man götter selbst an die spitze 
der Opfer imd gerichte setzte, aber die dtar und £?dtt« 
nar dürfen wir darum nicht mit den priestem vermengen» 

"Wie genau das nord. priestoranit m die reclitspflege 
eingrif, bedarf hier keiner ansfiihrung, in dieser eigen- 
scliaft scheinen die priester eine bedeutende wiiksanikeit 
unter dem volk geliabt zu haben, während von ilu^em po- 
litischen einflufs an den königshüfen wenig die rede ist. 
man lese nur die Nialssaga. noch nach ein Iii hrung des chri- 
stenthums behielten die isländis('hon ruhter den nanien, 
und manche befugnisse der heidnischen godar bei (Grägfts 
1, 109 - 113. 130. 165.) 

Der godi konnte zwar bldtmadhr (sacrifictdus) hei- 
fsen, doch nicht alle bl6tmenn waren priester, vielmehr 
bezeichnete dieses wört Jeden an den opfern theilnehmendeu, 
später unter den Christen überhaupt die Heiden, zu jener 
stelle des Tacitiis von dem paterfam. stimmt , dab jedweder 
iarl oder hersi^, wenn er schon kein priester war, ein 
Opfer verrichten durfte. 8axo gramm. p. 170 crziilill von 
dem gc'laullen liärald: delubra diruit, victiuiarios pro- 
scripsit j jlaininiuin abrogavit. luiler jenen versteht er wol 
blutnienn^ unter flamines die priester. 

Auf n ach ri eilten über die kleidung der nordishen prie* 
Bter bin ich nicht gestofsen; fand ein Zusammenhang der 
dichter mit ihnen statt? Bragi, der gott des gesanges, hat 
nichts mit den opfern zu thun. gleichwol schien die dicht* 
kunst ein heiliges, geweihtes gescbäft: Odin bediente sich 
gebundner rede, er und seine hof godar heil'sen liod/iU'* 
smidhir (dichter.) YngL saga cap. 6. sollte sid/d (poeta, 
aber neutr.) sich beriihren mit dem ahd. seltnen worte 
6^allo (sacer)? Diut. 1, 183. 

Wie nah gienzl pücöic au Weissagung, der vates ist 



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PaiBSTfiBIMNBN 68 

Sauger zuglekh imd weiMager, weiBsaguiig war 4iber da« 

amt dvv priostcr. 

Lliiias sdieul sich ein goth* 'wort für das häufig TOr* 
kommwidc 7rffoq>^i^ za brauclien, er setzt immer prad« 
f<ltu8, und fiir nQotptjriQ praüfdteis Luc. 2,36» vrarum nicht 
veitaga? diecmal «ind die alid. und ags. libertragungen küh* 
BCTi sie geben «r/ea^o, piiega.*} der prieeter, wenn 
er augurien und anspielen vorstand ^ war ein vcitaga? vgl. 
lüTeitan s. 19. Die altn. benennung ist spämadhr, und 
der proplietin (ags. vitegestrc) spdkana^ 

Ilicr fragt es sich nach den Weissagerinnen ^ priesterin« 
nsD des alterthiuns. 

Das mundiumy worin tochteri Schwester, (ran stan* 
den» scheint sie in der ältesten , heidnischen zeit nicht von 
beilegen ämtem und von bedeutendem einflufs auf das Tolk 
anssnschlielsem 

Tadttts, nachdem er^ wie gewaltig deutsche franen auf 
die tapferkeit der krieger einwirkeuj und dafs die ROmer 
von einaehien vOlkern zu gröfserer sicheriieit edle }ub%9 
fraoen fordern, gesagt hat, fügt hinzu: inesse quin etiam 
mneitan et propiäum (feminis) putant, '^^^■) nec aut co/z* 
nlia earum aspemantur, aut responsa negligunt. Schon 
luL Caesar 1^ 50: quod apud Germanos ea consuetudo es- 
set, iit matres Jam, eoriun aortibus et vativinationibus 
dcclararent, utrum proelliun comntitti ex usu esset, nec 
nc; eas ita dicore: non esse fas Germanos 8uj|jciiuc, si 
ante novam luiiani proclio conleiulisseiU. 

Reinen namen eines gernianischcn valos lial die ge- 
schichte aufl^ewahrt, aber nielucrer >va]irsagcririncu. Tac. 
Germ. 8: vidiiniis sub divo Vespasiano J^eledam (als ge- 
fangene im Iriuinph), diu apud plerosqne ninninis loco 
liabitam. bist. 4,61: ea i'i'rgo naliunis bructerae, late 
imperitabat ^ \clere apud Germanos niorc, quo plcrasque 
feiJiinanmi fatidicns . et aui^csccnlc supcrsliliouc ai bilran- 
\\xr d£as, luncfjuc l^eledae aiulorilas aclolcvit: iiani *pro- 
speras Germanis res et excldium legionimr })raedixerat, 4, 
65 als die Culiicr mit den 'L'enctcrn ein Ixiiulnis scldiefseii 
sollten, entboten sie: 'arbilrum liabel>inHis Civilem et Ve^ 
iedani apud quos pacta sancieutur\ öic lenitis Xeucleris 



*) du t Bach der nhd. form weisiager« mhd. wtssage Hkr wisege, 
lad f leich fehlerhaft wetssagen , inhd. wlasagea Iw. 9097. (afad. wtaa- 

g6u, ags. vitegian.) 

'*) wilde kraft der phantatiie, uix^ wns mnn den zUtaad des heiUa- 
twas atBAt) bat sich vonägUdi ia frauea gezeigt. 



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PRlEäTERINNEN 



Icgali ad ('ivilem et Veledam missi cum donls, cuncia ex 
voluntate Agrippinensium pcrpetravere« sed coram adire, 
aUoquiqne Veledam negatuni« arcebanlnr aspechi , c{iio 
venerationis plus incsset. ipsa edita in turre; deiecius 
e propinqiiis consulta resporisaque ^ ut iutcinuntius nu- 
minia portabat. 5,22: praetorlam trlromom fluffiine Lup- 
pia donum P^eledtte traxere« 5, 24: p^eledam propinquos« 
que moMbat. in den verlornen capiteln des fünrien buchs 
väre vemiutUch ibre Gefangenschaft erzählt. *) Dieser Ve- 
ieda giengen andere voran: sed et olini yiuriniam et com«« 
plures alias venerali sunt, uon adulatione nee tamquam 
iaceient deas. Germ. 8. Eine spätere, namens Goiina^ 
führt Dio Cassius 67,5 an**); im jabr 577 sog Gunth* 
cramnus eine frau ^habentem apiritum phitonis^ ut ei^iiae 
erant evenlura nairarel' zu rath (Greg, lur, 5, 14. bei Ai- 
moin 3, 22 heilst sie mulier pliyionisaa d. L nv&tMfiOoa)^ 
einer noch weit jüngeren T/iiotOf die aus Alamannien nach 
Mainz gekommen war, gedenken fuldische annalen im )ahr 
847 (Perte 1, 365.) ♦**) 



•) Statius silv. 1. 4, 90: captivaeqiie prcces J'rhdae ; er scandiert 
die l)eiden ersten .siltien kurz, und das sclieint riciiti;;er, al.s des Dio 
Casüius ßf/./'/hi. ich vergleiche den jroHi. fnuunnnmen t'oladumvixc^ 
bei Jornandes p. ui. 130, und deu Umring, ortänaoieii fValada bei 
Perta 1 , »0». 

**) Puinm (al. rkvpo) nnq^hvt ßivu rijp SiX^^w iv ifj Kflrmj 
^M^ovau^ v«;I. den ouuiosoaaiea Gannascus ann. 11, 18, 19; das fem. 
Gtmna^ dat. Cinnnane, noch in einer lotlir. urk. vott 709. Doo Caimet 
ed> 1728. tdin. 1. preuves p, 2Hr>. 

***) Überlieferungen, die Hubertus Thomas Leodius vor 1535 zu 
Heidelberg roa eiaem alteithmwfofscher Joaa. Berger aas altem bndie 
(Ubello TettiftiMimii cbaraeleribae deicripto) empfangen haben will, und 
10 feiner abbnndl. de Heideibergae nntiquitatibus inittheiit, erznhieni 
quo tempore Velleda \\v'^o in Bruchteris imperlta!»at , vctula qunedam, 
cui nonien Jfiiha eum rollern, ubi nniir est arx heidelbcrgensis et Jet- 
thae coUi.t etiani nunc nonien habet, inliabitabat, vetU2itisi>iuiunique p/ia" 
num incolebat, cujus fragmenta adhuc nuper vidimus, dum conies pala- 
tlaos Fridericu« facti» elector egregiam domam cooitnutt« quam no- 
vam aulam appetlant Uaec mnlier vatidniis inclyta , et (|iio Ycnerabi- 
lior foret, raro in conspectum hominum prodieus^ volentibuä consilium 
ab ea petere, de ff}testra^ non prodeunte vulfu, respondehut . et intor 
cetera prnedixit , ut inconditls versibus ranel»at, suo rolli a fatis eaae 
datuui, ut futuris teniporibus regiis viris, quos nominatini recensebat, 
ialnbitaretar, colcretur et oroaretnft vallisque sab ipsa multo popolo 
iahabitaretar et templii celeberrimb oraaretur. Sed at taadem fabalosaa 
»ntiquitati valediramns , lubet adscfibere quae Is über de iiifelici morte 
ipsins Ji'tthijr rontinehat. Ejiressa qnondam nniot* nissinio tempore ]di<i~ 
num ^ ut denmbulatione recrcaretnr. pro;rrediel»atur jt>\ta nionles, donec 
pervenit in iocum, qua otontes intra cuii\ allem üccliuant et multu lo- 



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PRIBSTERINNBN «5 

Jene grauhaarigen, baiTurseii wafirsageHntieii der Cia^ 
beni bei Straho (vorltia 33), iii weifsein gewand, linae» 
uaai wamnis nnd nut ehernen spangen gegürlet, die gelang- 
nen im kiiege schlachtend und aus dem bha im opferiiessel 
wriMagend, erscheinen wie gramenhafte hexen gegenüber 
der bnicterischen Jungfrau; »neben der divinadon üben sie 
su^ch prieaterliches amt« ihrer genau geschilderten klei* 
dang müsten wir die der priester vergleichen können. 

Zwar im dtenste der gOltin (Tae. Germ. 40) zeigt sich 
gerade ein priesisr^ der ihr wagongespann lenkt« mnge^ 
kehrt treten nordische dienert ntien der gulter auf» aus 
einer merkwürdigen, SVim christlichen Verfasser sichtbar ge^ 
hassig dargestellten emShlung der Olaf Tryggv. saga (fornmt 
»(ig. 2, 73 ff.) iSfst sidi wenigstens entnehmen, dafs in Schwee 
den Freys unter dem volk unisuehenden wagen eine jwig- 
Jrau breitete: Frey var fengin til thionosto kona i^ng ok 
fiidh, sie wird genannt kona Freys. Sonst heilst eine prie^ 
Sterin gydja^ /lofgydja^ ganz nach godl , liofi^odi, ^ ) v^l. 
Thurulhr hnrgyilja. Islend. sog. 1, 205. Sleinvür und Fridh- 
gerdr. saii..bil)l'. 1. •)•♦. 3. 2fi«. 

Aber .null dio nordischen (jiiellen heben weniger das 
priesin Iii !ie aml ilci* Frauen, ab ihre gleichsam höhere gäbe 
der wcissaanni» hci'V(»r. 

per: tu aiii>ifrii fcniina. Saxo gr. 121. Valdaninn* koiinngr 
i5tli niodiir nnök i'ninia ok nrvasa , svu at litii» hl u rkkiii, 
cn ihu \ar liun Iramsyii af fitona (Pythons) anda* seni 
mars;ir heidhnir nienii. fornm. süg. I, 76. Hierher scheint 
die in den hem ir eines nhernaltnlirlion , höheren vvesens, 
wie dort "hei \ elcda . greifende hcnennnng dis fnyn. pha^^ 
nnmnri iichörig. viellcichl nichl ziiHillig heilsl dio spakuna \«'r- 
KhiedeuUich T/idrc//« (Vatusd. p. 186 ff. lornm. sog. 1,25^4 



cb Katariebsat polcberriml foates, qüibiis ?e/ienienter ills coep^t de- 
leetarl et »«ddenfl ex illi« bibebat, cnm erce lopa fnmelica cum catu- 

n< e hWs'A prurijpit, qiiae coiiÄpecUni oialiereni nequici|uam divos in- 
vof'iijf^'fii (lilaiiiat et fi ii.'.f -iHni discerpsit. (itiae rasii sno fonti nometi 
<lf<lit, voranir<j«if quippe in iiodierniim diein /«//.v lujoruni, ob ?uiiüe- 
nilfttfm loci umiiilui* iiotiis. Es wird jftzt kaum nii;:clien, zu nrliei- 
den was iiic-riii e< Iitc «aj^e seiu kaua und vvhä die "[drhnuinikeil de» 
IV jb. xor verberrlicliuog der neuerbauten pfalis Hetfl«iberg (= Ueiil- 
berjr) so«liehtete. selbst das feuster ntif dem l]ri<:el mSg dem thurm 
der Veleda nachgebildet sriieineii. Wnie der zauberin iiame statt Jet- 
tlin Ueida . 9o Nvürde das zu der ortlictikeit besser stimmen , un l viel- 
leidit das altn. Heulhr darin wiederkiingen. 

•) künnte das nl»d. fö/fc, ^oü/c , goih für taufpatliin (Mi»reptrix 
€ lacro fönte) von einem äliulictien heidn. ausdnick übii«; «r^blfebea 
Min? Morelt 318# gotte ton der getauften Jungfrau^ 

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I 



06 PRIESTBRINNEN 

Isleiid. sög. 1, 140. Rorniakss. p. 204 ff.), (Iis aber, ein ur- ; 
altes worly bedeutet ei^euüich wol sapieus, peritus und 
lautete in der gotli. spraclic deis^ wovou iiocli 11 Cor. 11, 
3 und Eplu 4, 14 liludeisei {^^turotfgylu, Üsl) übrig kt. 
Thuridhr spükoua* Islend. sög. 1, ISucli berühmter 

und verbreiteter war der naiiie völva, der allgemein eine { 
zaubcriiallte Wahrsagerin (Yatnsd. p. 44. fomm. sög« 3, 214, , 
fornald. sög. 2, 165. 166. 506) beKiNdmet, und dann auf efin« 
bestimmte mythische yötva geht, von welcher eins .der äl- 
testen eddischen lieder Völuspä handelt, entw. steht hitr 
völu für völvu» oder es läfst sich die ältere form f^oAi 
(gen. Vulu) behaupten, beideu würde ein ahd. Walaws 
Oller "Wala, das an jenes nur andei'S abgeleitete \A alaJa 
uialineii kann, entsprechen, in iler i^aga Lirlks rauda triU 
Thorbiörg , die kU-ine Vala anf (t'dda Sivni. Iiafn. 3,4.) 
Iltidhr hcifst niclil hlols ilie voUa der edda (Sitjn. 4** vgl. 
118*), sondern auch ilie der Orvju'üddssntia ; (vgl. sagabibl. 
3, 15.').^ Hvndla (canirula) die anf wüllcn reilendo, iii 
der hüle >vuiinende \vei!*sagerin. icli vermute auch die jung- 
frauen 21iorgerdhr untl Irpa rornm. siig. 2, 108. 3, 100. 
11, 134— 137. 142. 172), denen fast göttliche ehre wi- 
derfuhr und der beiname hörgal)ri\dr (nymplia htcoruni) 
aber auch der nanie gudh (uunien) j>üalss. cap. 89 gegeben 
wurde, sind aus dieser reihe nicht auszuscliUefsen. 

AVir werden auf die, nach einem tiefen xug unserer 
mythologie , iu das übermensclüiche streifenden klugen und 
weuten f rauen zurückkommen ; hier sollte nur ihr susam* 
menhang mit opfern, weissaginig und prtcsterlhum darge- 
Itian werden. 



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tiÖTTßR tiJ 



CAP. VI. GOXTBR. 

Jetzt äclieiiit ilie Untersuchung, ob schon für die äheste 
zeit in Deutschland wirkliche gütter zu beJinuptcii seien? 
völlig vürbereilet. alle zweige unserer spraclic liaben (hV 
selbe allgemeine beuennung der goltheit gekannt und bi« aui' 
den heutigen tag beibciialten} alle oder doch die niei.sten^ 
iniofern inaogeUiafligkeit der quellen seugnissc vervollstän- 
digen iäi'st, zeigen gleiche oder wenig abAveicliende aiu- 
dnickfi für die heidnischen begrüTe des cuUus, des opferus^ 
dar tempel und des priesterüiums. Besonders ieucJitet un* 
wkenubare analogie hervor zwischen dem alinurdischen 
8prac^ieteimck luid den viele juhrliunderte älteren über- 
Ueferuxigeii der anderen dialecte: die nordischen Aesir, blO« 
ta, hürgTi godi waren den Gothen, Alamaunen, FVanken, 
Sidisen Ukn^i ymthWf und in dem nemliclien sinn, be- 
kmmU aber einslünmiing und Shnlidikeit erstrecken sich 
iSier die wurter hinaus auf die gebrauche selbst; in beili« 
gm halnea wurden die ältesten menschen und thieropfcr 
dargebradit» priester leiteten opfer tmd Weissagungen, weise 
frauen genofsen beinahe göttliches ansehen* 

Der beweis« den die gleichheit der spräche an hand 
gibt, ist itir sich schon hinlänglich und entscheidend* wenn 
Tsnchiedene abtheilungen eines yoUkn eine tmd die selbe 
spräche reden , haben sie auch so lange sie ihrer nutur über« 
lassen bleiben mul nicht gewaltsamem einflttfs von aufsen 
her ausgesetzt sind , immer gleiche weise des glaubens und 
der gottesverehrung. 

Das deutsche volk liegt mitten zwischen Celten , Sla- 
ven, Liithauern, Finnen, lauter Völkerschaften, die gtUter 
erkennen luid eines geordneten cultus pflegen, slavisc he 
Völker, in weit entlegene gebiete verbreilet, haben ihre 
liauptgüller gemeinschaftlich, wie sollte es in Deutschland 
anders sein? 

I'eweise für die eclitheit der nortiiötlieii golieilelire 
in fordeni, darüber sind wir endlich hinaus, jeiie critik 
liilinit und zerstört sich, die dannt anhebt zu leugnen oder 
zu bezweifeln, was in einer unter dem Volk lebendig ge- 
bornen und fortgepflanzten poesie tmd sage enthalten ist, 
und YOr äugen liegt. sie hat es lediglich zu sammeln, zu 
ordnen und die bestandlheile in ihrem geschichtlichen stu- 
ImgMig tn «Btwidieln« 

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08 



GÖTTER 



I>i!lif;i 1 N\ ( ibC <lai r also mir in frage gestellt werden, 
ob ilie unl)eslrcill)aren güUer den Aordens aucli (iir das 
nhrige Deutscldaiul gelten? sie im all^enieiueii] /.u hejalten 
«iheiiil nach den vorausgehenden ertiehnissen unserer Tor- 
scliung aller griiiid vorliandcn und beinahe nolhw endig. 

T.Iiie verneinende aiHwoil, wenn sie sich rerht be- 
griile, liätle zu behaupten, dals die nordische gütterreihe, ih- 
rem wesen nach, ehmals aucli dem inneriiDeutsclLland gcmeiBy 
dui'i h die frühere bekeliriuig hier vmiichtet und erlosrhcB 
sei. aber eine menge ausDoluiieii und zttrückgebliebeBcr 
spxiicn würden die behauptnng einschränken, und vms 
aus ilir gezogen werden möchte bedeutend verändern. 

Man hat inzwischen auf ganz andere weise zu yemci« 
nen gesucht und die ansieht aufgestellt, Jene gottheiten seien 
sonst in Deutschland überhaupt niemals vorhanden gewem 
und dessen ältesten einwolmcrn nichts als ein grober, ^oif- 
ierloser naturdienst eigen. 

Diese meinung, eine wesenlhVhe Unterscheidung zwi- 
schen germanischem und scaiidiiinvischem heideiUhum ma- 
rlu'iid, und alle spuren nli^!aM^icn^l , wclrlu» si( Ii usbefang- 
iicr lorsduuii; als luivoiwerliiche /.eunen dir die j^emeinscliafl 

C7 » vT? 

beiiici- /. weilte eines volks e: gclxvi . Iriil \ oi Aiiiili« !!^* ge\\ ii-ht 
auf einige itidserungen, tüe etN\ a seil dein st t listen jb. iiber 
dii" best han'euheil des heidniscbeu £;laul>ens vorkommen, niei- 
steutlieiis rühren sie Jier aus clem mnndc eifriger C'liristen, 
denen es gar nicht angelegen war, das angefeinilele hei- 
deathum kennen su lernen oder darzustellen , die vielmehr 
davon ausgiengen , vor den rohesten erschemungeii seinti 
cultus als verabscheumigswiirdigem greuel zu -warnen. 

Es winl erforderlich sein die> hauptsSchh'clisten stellen 
in üurcr cuifürmigkeit und eiuseitigkeit zu überblicken. 

Agalhias, (f vor 583) selbst ein tieubekehrter Griechef 
der was er von fernen Alamannen vernommen hatte , nar 
aus christlicligefarbten berichten wissen konnte , stellt den 
alamannisohen cultus, gegen über dem fHinkisehen, so dart 

}M(f(,v^ /iict (fiumyyttg , vm\ ro^ iotc ioa-^ua ootu ^qmvkc:* 
1»H. 4. darauf folgen die s. 28 angeführten worle über ihre 
pferdeopfer. 

Aber sein gegensatz zu den ^'ranken geht schon ver- 
loreii . weiui wir von diesen aus Gre^oi s. ihres ersten qe- 
schichlschreibers , miuitie last ganz das neinlic lie versichern 
hören: seil bopc gern'ratio fanaticis Semper cultibus \isa est 
(d)se<piiuni praebuisse, uec |)rorsu8 agnovere deuni (den 
wabreu). stbique silvarum alque aquarum, avium, bestia- 



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GÖTTER 



muHjue et alioriun qiiocfuc elemeuloj »im fin vere fuimas, 
i|)f»as(|iie ul deuiii colerc i'is(jue sacrifiria di lü are coiisueli. 
Greg. tur. 2, 10, Ähnlich \üu den Sa< li^m Giuliani in ih'i- 
vila Cni oli cnp. 7: sicut oinnes fere (i< / inaiiiiim inrolcnU** 
uatioiieb et nalura feroces et culliii (laciiionniii dedili, iio- 
slraecnie religioni contrarii. Hnoilolf \oii ImiUI, nadideiii er 
Tacitus und Einhard aiis^eschriehen lial . iiiül noch liiusßu 
(Perlz 2,676): nani et Irondosis arhoiibiis (oiitihusquc ve- 
ueratiunem exhibebanl, ) und erwähnt dauji der Irniiusül, 
von wclclier ich im verfolg handehi werde. Endlich versi- 
cheii von den Holsteineni llelmold 1, 47 : uiliil de religioue 
■bt noaien tantam cluislianitatis ha beule«, iiam lucoruiii 
et fbnthim, ceterarumqiie superstidomiiii iiuiUtplex em>r 
apud eo8 lialiettir« . . . Vicelinus • • lucos el omnes ritus 
ciüegos destiiicus cet« 

Gans in solchem sinne gefafsi .^iinl aucli die verhole 
heiilnitcher und abgöttischer hräuche in den conciüenschiiis« 
len und gesetxen, conc. aulissiod. a. 586. cau, 3 : non licet 
inter sentes aut ad arhores sacrivos vel ad fontes vota ex» 
salvere; vgl. conc. turon. II. a. 566 cau. 22. ieges Liutpr. 
6,50; timtli modo et qui ad arborem, quain rustici sajw 
gninnm (al. sanctivam, sacrivani) vocaiit atque ad foutanas 
adoraverit. capit. de partibus Sax. 20: si qtüs ad fontes 
aot arbores vel Incos votnm fecerit , aut aliquid more gen* 
tfliiim obttilerit et ad honorem daemonuni conicderil. Und 
die bekehrer, die rliristliehen geistlichen halten jalu*huii« 
derle lang wider den last unausrotlbaren UDCiig zu eifern, 
es iicnügJ hluls aus den actis Ijcju ti. sec. 1. p. 668 auf die 
Ijredii^ien des Caesarius episcopub at ('laU'n«>is {■[• 34 J; « un- 
tia sacrilegos el aruspices, contra kaiendarinn qu(Hpie pu- 
eaiiisfiimos rilus, conUaque augiucä Jj^uuula», iuniiculas 
%u \ erweisen. 

Alle diese f^tellen euüiaitcu keine im\\ahrheii , nur ui cht 
die ganze wahrh(»il. 

(nillerlosigkcil des deutschen heidcnlhunis thun sie un- 
nni'4H( !i dar: einmal weil sie aus Zeiten herriihren , yfo 
(las lieidenlhuni niclil mein* frei und uime-lmi waltelc. son- 
dern von der neuen lehre heftig angelcindct , grolslcnlheil» 
schon überwältigt war. seine allgemeine iihmig halte aul- 
gehürt, einzelne anhanger liegten es schmhlern in verslo- 
len beihehaltncn gebrauchen; daneben gab es rhrisleu, die 
ins etnialt oder irthiim fortfuhren al)er^laubiiK:he ceremo- 



*) den ItMdeH »rhreiHt Adam voa BrescQ wieder «k eii. 1^5. 



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OÖTTBÜ 



tiien ; tiobeu dw chrMidioii su treiben. TO^ditangen aof 
«olclic weise bin und wieder unter dem gemeinen heufni 
unvmiigt; aber aller ordnenden leitung heidniscber piie* 
•ler ontsogeu , musten sidi scbbell veigröbem und nun als 
rohe Überbleibsel eines lilteiw gjaubens erscheinen, den man 
pichl nach ilinen ermessen kann. 80 wenig die in teufeiii 
und lir\cn der späteren aeil uns verhüllten höheren, reine- 
ren v(>i\<tclliuigen des allertbums zu miskennen sind, so 
wenig dürlcu vir scheu tragen , ieiie paganien auf die 
ungelrühlc (piolle der vorzeit zurück zu Icilcn. verhole 
und predigten hielten sicli streng an die [ji-aclische seile der 
sarhe und hallen gerade ihr absehen auf die letzten verhaCsleit 
iii)eiiei>le des falschen glaubcns. Kine slelle in Cnuts ags. 
geseUen ^Sclnnid l, 150) lehrt, dafs der quellen und hauni- 
dienst die anl)elung der gotter an sich niclit aussehlielse : 
liiedlienstipe bidh , that man deofolgild veordhlgc, ihäl is, 
tluit man veordhige hn?dhene güdas , and sunnan odhdhe 
inunan, fyre odhdhe lludvater, vyllas odhdhe sldnas odh- 
dhe jvniges cynnes vudutreova. ganz ehenso heifst os fornni. 
Ijüg. 5, 239 von Olaf dem heiligen , dafs er die heidnischen 
üi>fer iNid gultcr getilgt habe: ok mörg ünnur bh^tskapor 
6k|7ims1 . h^'dhi hamra ok hörga, skdga^ vdtn ok tr^ ok üU 
pnnur h\6if biiidlu mehi ok minui« 

Es kann aber noch ein anderer gnmd gedacht werden, 
wai*tim die vielleicht unverscbolieneu heidnischen götler bei 
solchen anlassen verschwiegen bleiben ^ christliohe geistliche 
scheuten sich ihre namen auszusprechen, ihre Verehrung ntther 
^,v^ bescJireiben. rathsam erschien, sie unter der allgemeinen 
bencnnung von damoncn oder teufein au begreifeUi und ihre 
Wirksamkeit durch eingeschärfte verböte dessen, was sich von 
ilu^em ctiltus suletat erhalten hatte, vollends su serstoren. 

Wie ihm sei« auf keinen fall lassen sich darstellungenp 
des gesunkenen I serfallenden heidenthums den nachriditen 
aur ^ite setzen, ^ uns innf bis adit (ahrhunderte fröblhr 
Tacitus von ihm , da es nodi in^ sdner vollen kraft bestand, 
gegehpn liat- Zeugt die ki der gewohnheit des volks haf* 
teiide aubetiuig der b&ume und flüsse nicht mehr für das 
dasein der gütter, wie laut kündigen es die unvollständigen 
|ind mangelhaften mittheilungen des fremden Römers an. 
wenn er ausdrücklich redet von einem deiis terra editu», 
M\i\ holden und abkümmlingeu des goltes (plures deo nrtos\ 
Y<*n dem gott, der die kriege lenkt (velut deo iniperauie\ 
von den nnnieu der gütter (deorum nominibus), die (l.is 
volk auf heilige haine nberlnig, von dem ])rte.sler, der keine 
Aveissagung beginnt, ohne die güUer auzuilehen (])recatu» 



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Ii 



GÖTTER 



lim) vmA mA för den diener der guUcr iiiuuiitlros dcu' 
rum) hält, von einem regnator ojjiniufti dftts^ von tlcii 
güUern Deutschlands (Germauiae deos in a>|H'rlu. hist. .5, 
17) wenn er auch emzehie gottheiten uniei-scheicleiul römi- 
sche iiameu auf sie auzuwendcn sucht und (iiilerpretatione 
romaiia) einen INlars, Mercuriiis , Ilercuh'H, Caslür und 
Pollux, eine Isis nennt, ia für den dens terra edilus und 
dessen söhn , für eine güttin , terra niater den deutschen 
au^druck beibeiiält; wer vermag da zu Icn^nen , dafs in 
jener zeit die Dentsciicn leibliafte gütler verehrten? wie 
lafst sich, alles andere, ^^as wir von der spräche, der frei« 
heit , den sitten und tutenden der Germanen wissen , hiii- 
zugenommen, der gedanke festhallen, sie hätten in diun- 
pfeoi fetischismus versunken sich vor klotzen iind piützeu 
^j|Jfiij)p warfen und ihnen rohe anbetung erwiesen? 
.«Caesars meinuug^), der die Deutschen ob er (ladi lieber 
kannte, ala hundert jalire nachher Tacilus, darf der Wahr- 
heit ketnen abbrucli tiiiui: er will unsere vorfahren den 
GaUiem, mit denen qy vertrauteren verkehr gepflogen hatte, 
«B^ltgens teilen ; und die personificationen der sonne, des 
feuersy des mondeSy woraufer die zahl aller götter beschränkt, 
ertragen kaum geswungene 'römische attslegung\ Selsen wir 
Apoll und Diana an die stelle der sonne und des mondes, 
im wenig entsprächen sie gerade der festgewurzelten ei« 
gsntbamliclifceit deutscher vorstellungsweise , worin jene als 
wetblidies« dieser als männliches weseu aul^efafst wit*d, 
und die schon d^ beubachtung des RömerS| wenn sie lie« 
% (mg^druugcn wäre, nicht hätte entgehen dürfen« Vul- 
^mfwni'mfSQm Loki vergleichbar, eine der gottheiten, von 
der sich in dem übrigen Deutschland die geringste spur 
petgl, hatte ohne zweifei weniger begründung, als die 
• fjleicli sichtbaren und hinreichen götter der nährenden erde 
und des labenden , fisclireiehen scliilfe tragen den waflser». 
ifh kann Caesars wuTle für nichts als eine halbwalire, 
«Ugemeingehallene ansieht nehmen, die g<'St'n Tacittis be- 
Stimmtcic gewähr weder andere götter vei'dachtigen , noch 
viel weniger einen blofseu clemeutardieust unter den Ger- 
aumen dnrtlnui niag. 

^^ ir sind lummehr zu folgendem resullat gelangt, in 
ersten jalirhundert unserer Zeitrechnung beruhte die 
•reUgiou der Deutschen wesentlich auf göttern^ tausend 



deonmi mmero eos m4o» dticmit, quo« ceriauul, et quorun , 
^i)>u» RpfTtt jttvMitur^ Solem v\ 1 uUatutm et Luttamt rcliqttos a« 
quidcai amiiernnt. U. G. 6, 2t. 




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72 OÖTTfia 

Kwolfliuiiderl Jabre später hat sich unter itm nÖnUidbcM 
vülkslheU, der setuen angestaaunten glauben zuletst für 
den neuen liiugab, das alte guttersyitem am voUstHndigsieD 
bewahrt« an beiden endpuncten des beidenthume, da^ wo 
es in der gesdüdite för uns auftritt, und unterteilt , haftet 
durcii spräche und nie abgebrochene Überlieferung das mitt- 
le!« Deutschland vom föiiUeu bis zum neunten JaJirhundert. 
um diese zeit erscheinen luis die gestalten der beidengüiler 
in dem scliwaclieii und feindseligen licht, das berichte der 
neubekehrlen auf sie werfen, erblichen und verworrea, 
immer aber iiuch als g(>ller. 

Es mu(s hier wieJi-i holt werden, dafs Taeiliis von 
keinem stniiilaviHini, \uii Utiiicm nach menschlicher gcslalt 
gelormlen biUle *) germanischer gülter wciis ; was er cap. 
0 im allgemeinen gesagt liaUe, vei-sichei l er cap. 43 liir den 
Ix'sondern fall, und >vir haben keine ursaelie dieser Versi- 
cherung glauben /.u ^veigern. (his vvijkiiche dasein von 
blldseulen /u jener zeit in Denlsddaud , wenigstens dem 
ÜMicn /uuLii lisl bekaiuilen iheile, wäre den erkiuidigun^en 
der Uümer kaum entgangen. ?sichls kennt er als sig/ia und 
Jur/nas , wie es scheint, gesciuülzte und gefärbte, die zu 
der güllesverehrung syjubolisch gebraucht und bei gewissen 
unlüssen herumgetragen wui'den; walu'öcheinlicii enthielten 
sie ii*gend eine beziehung aui die natur und das wesen 
einzelnei* götler« das Signum in modum liburnae figura* 
tum (cap. 9) bezeichnete die schiiTende gottheil, die Jormat 
aprorum (cap. 45) deu golt, dessen geheiligtes thier der 
ober war, und so sind aiulere thierbilder bei dem gottea* 
dienst zu nehmen. ^ un dem mit ge wandern zugedecktem 
vehieuUun der götiin Krde wird hernach geredet werden. 

Die abwesenheit der bildseuleu und lempel ist, bei dem 
unvemuigeu aller kunslfcrligkeiten in jener periodc eine 
der belraclilung wülkommne und vorlbeilhaite eigeuschaf^des 
germanischen cuUus. nur folgt dai*aus sidier nicht, dafs in der 
damaligen Vorstellung die gütter menschälmlicher gestaltung 
ermangelt hätten) ohne das wai^n gütter, denen menfich* 
tiche begcbenheiten beigelegt wurden und die der mensch in 
st^te berührimg mit sich setzt, rein undenkbar« Waren 



goth. matileika, aiid. manalihho , nltn. libitsLi, ein nuderci 
»uftlniek war »lid. avora, jtiiüdi , jtili*ti (gramm. 1 ^ 380, 2<, 237) 
ijil allgemein effigies, iniago; man aagte im niittclailer für encliafleii, 
bilden ein hilf' tezen (gramm. I9> Waltli. 45, 25. MS. 1, I95it 
• 2, 22«il> t'iif ^^lla•Ile juncfroiiwen ergiezen. (Jod. vindoh 428 iittin 
211; ein htli/e me^:.eit, 'J loj. t962fi, mezieii. miiK'. 2, 186 (igt. tue- 
tod, luiwtudt , uUcD b. 15.) 



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GÖTTER. ÖILDtili 



dainais sclion , was icli eliei- behauple . als leugne , deulsche 
poesien vorhanden, >vie hatten die dichter deii goLl anders 
dargestellt als in incnschliohoni aussehen? 

Versuche . götterbiider zu lerligcn , konnten gleuliNvol 
iu jeder zeit und bereits in der frühsten gemacht werden; 
es bleibt niüglich, dals das innere, den Küniern minder 
zugängliche Deulsciiland , lempel und bildseulen hin und 
wieder bewahrte, in den iolgenden jahrhuuderlcn, als sich 
die tempelbautcn mehrten, müssen aber auch mit gi'üi»ter 
witaarfiiiiiUrlikeAi büder, die ihren räum erfüllten , ange- 
nommen. vverden. 

• Der^rachgebraueli, wo nicht die keinen xweifel gestal- 
tenden ausdrücke simulacra oder angewendet sindi 
bedient sich einzelner würlcr, deren sinn schwankt, und aus 
dem begraile des tempdls in den des bildes übergeht, eben 
wie friüier die bedeutung des bains sich mit dem des nn* 
MD» mischte, auf solche weise bezeichnet das ahd. abcut^ 
ßkcuH bald fana^ bald idola und stataae* Diut« 1, 497li 
513* 515* 533^; nicht anders das nhd. götze zugleich den 
abgütt, sein bild und seinen tenipel ^oben s. 11. gramm« 
3 9 694.) gleiche Zweideutigkeit mag idolwn haben , wo 
es nieht ausdrücklich von delubrum, fanum und templom 
unterschieden wird« wenn es im aUgemeinen hetfst: idola 
colere, idoU adorare, idola destruere, folgt daraus allein 
nicht, dafs bilder gemeint sind, denn es wh^ gleich häufig 
und in dem selben sinn gesagt adorare fana, dcstruere fana. 

l.iiii|j,onial kommt noch die edlere benennung ch^iis^ wie 
bei Tacilii^, gebraucht vor: c\mi([uc idcjn rox (Kdvine, im 
j. 625) gratias agerel diis suis pro nala hibi lilin. Beda 2, 9, 

Folgende stellen bezeugen bildliche darslellungen der 
gotter; auf ihre beschreibung lassei» sie sich nicht ein, wir 
sind froh nebenbei andeutungen zu erhaschen. 

Das älteste zeui;iu8 führt erst in die zweite halftc des vier- 
ten jb., ist aber sonst eins der luerkwüi-digsten. Sozoine- 
nns bist. ccci. 6, 37 gedenkt der vielfaclien liefalncii, in 
welchen Lllilas unter den heidnischen (lulhen scli\Noble: 
tfi twv ßaoßaimv l '/.).r,vty.wQ '&Qr^OHbVuvu' V ^ D.h^ viy.v)^ 
bedeutet hier auf heidnische weise, und das %>Qr^ay.n}tiv 
(gotivei'ebi'en) besciu-eibt er sogleich niiher, indem er mel- 
det» welche Verfolgungen der Christen Athanni ich (f 382) 
unternommen liabe. Athanarich befalü^ die hiliUeuIe (of- 
fenbar des golhischen gotijes) auf einem u^agen (£o«roi^ 

iof9afiuii,€ t.OTi>}<:) vor den wrdinungen aller des cbri« 
»tenthums verdächtigen herum /ailiihren; weigerten f>W sich 
uiedersurallen und zu opfern (yr^vitt/fcH^ nut ^vu$^), so 



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H oiytrm. biunm 

Milte Urnen das liaus über dem haupl angezündet Mrerdeo* 
unter ag/nd/iaia denkt man sieh einen verdeekten wagen; 
ist es nicht ganz das vehiculum vBate oontectum^ worauf 

unsiclitbar die göttin herumgeführt wurde (Tac. Germ. 40) ? 
nicht ganz das pagn, auf dem Freyr und seine pricsteriii 
sai'seu, ^vena er zu heiliger zeit unter dem schwedisclieii 
Volke umzieht (forum, sog. 2, 74. 75)? selbst die Larrd- 
svlien unserer geiliclile des mittelalters , mit den sarazeni- 
schen glittern, f\ix% carrocvio der l(jni])ar(li.«4( hen städtc (KA. 
26^^ — 265) sclieinen nichts als die spat fortdauernde eriu« 
neruug au jene uralten gütterwagcu des lieidenthunis. 

Was uns Gregor, tur. 2 , 29 — 31 von Clilodovichs 
taufe vuid den ilir vorhergegangenen begebenheiten meldel, 
ist sichtbar verziert, und namentlich halte ich die reden 
der konigin l'ür erdichtet; allein er h&tte sie ilir sohwMv 
lieh in den mund gelegt^ wenn allgemein bekannt geweaen 
wKre, dafs die Franken gar keine gotter und bildseuleii 
katten* So spricht Chrothild zu ihrem gemahl, den aie 
für die taufe einnelunen will : nihil sunt dii % quo9 Colitis, 
qui neque sibi neque alüs potenint subvenh^ : sunt enim aut 
ex lapide, aut ex ligno am cx metallo aliquo fn ulpti^ 
nomina vero, quae eis indidistis, honiines fuere, nuu dii. 
nun führt sie den Satiirnus und Jupiter an , mit bezü- 
gen die aus der classisriien mylhologie gcnonunen sind ; dar- 
auf: ([uid Mars Men tiriu6i\uQ potuere? qui potius üuat 
niagicis arlibns praedili. quam divini numinis poteniiain 
liabuere. sed ille mai>is coli debet, qui coelum et terraoi» 
mare et omnia, quae in eis sunt, verbo ex non exlanlilMis 
procreavit, cel« Sed cum liaec regina diceret, nullatenua ad 
eredeudum regis animus morebatur, sed dicebat: deortun 
noMtrorum jussione cuncla creantur ac prodciuit. deua 
Toro vestcr nihil |M>sse manifestatur, et quod magis est« 
nec de Hfiorum genere Bsse proluttur (das klingt deutsch 
ganug.) Als das christlich getaufte sOhnlein bald stirbt , sagt 
Qtlodovich: siiu nomine deorummeorum puer liitssel 
caiusy vixisset utique; nunc autem cpiia in nomine dfti 
vestri baptizatus est, vivere omnino non potuit. Solch ein 
umständlicher bericht von Chlodoviclis lieidenllium , kaum 
huuderl jähre nach dem ereignis und aus dem nunid eines 
unterrichteten geisllicheii, wiire ablöse hniackt, nvcuu ihni gnr 
nichts wahres nnlerlage. sobaKl Gregor einmal an dii» 
stelle der friinkischen gritlernamen lateinische setzte worin 
er ganz die ansirhl und gewohnheit seinei* zeit befoi^itOy 
inuste er von selbst daraul iici alhen , auf diese namen auch 
lateinische fabehi zu beaueheu, und e« ist uichl zu überse« 



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GüTTfcja. oiLüiiia 



hcn, dafs die vier genannten gölter lauter \voclionta£;i;oiier 
sind, d. h, dergleichen völlig liergehrachl war den einliei- 
nitsciien gotthciten zu identificieren. icli scheine mir also nicht 
unbefugt, die stelle wenigsteus iür die exi&ienz fränkischer 
gütterbilder beizubringen. 

Die erzaliluii« eines Vorfall» aus dem beginn des sie- 
benten ih. geliort nach Alamannien. ("olunibnn und der 
heil. Gallus traten im j. 612 bei ßregonz am Bodensee einen 
^iiz der abgötterei: tres ergo iinagines aereaa et deau'» 
ratas «aperstitiosa gentilitaa ibi colebnt, quibus mngls 
quam orealori mundl vola reddenda credebat. so berichtet 
die noch im aditen ih. aufgezeichnete vita S. Galli bei 
Pertz 2, 7» nmstindiicher W'alafrid Strabo in der vita S« 
GalH (acta ßeued, MC. 2. p« 233): egmti de naticaUi 
Oratorium in honere 8. Aureliae constructttm adkront • . • 
poil oratioiiem cum per gynun oculia omcta lustrassenly 
piaeoit iUis qualltaa et aitus locorum^ deinde oratioiie 
pnemisM ciroa oratorinm manaiuiiciilaa tibi feeenmt» Re- 
pererunt autem in tenplo Ir«» imagiMB oermiB deaan^ 
iOM pdrieii affixasy quas populus, dimisio altaris sacrf 
enltu, aderabat, et cblatiM aaeriJusiU dkm coneiieYit: laü 
sunt dii veUres et antiqui hujus loci tuiares , quomm 
9olatio et noa et nostra perdurant usque in praeaena. # . • 
CQinque ejusdem templi solemnkas agerctur, venit mull^ 
tttdo non minima promiscui aexiis et aetatis, uon tantum 
propter festivitatis lionorem, verum etiom ad videndos pe- 

regrinos, quos cognoverant advenisse lussu venerandi 

abbalis (Columbaiii) Gallus coepit viam verilalis osleiidere 
populo .... et in conspectu onniium ariipiens simitlacraj 
et lapidibus in frusta comminuens projecit in lacum, 
Iiis visis uonmdli convcrsi sunt ad dominum, liier erscheinen 
heidnischer und christlicher cullns sonderbar vermengt, in 
einem zu ehren der lieU. Aurelia eingeriehleten bethaus 
stehen n(>cli drei lieidnisclie bildseulen an der wand, denen 
(las Volk forltiilirl zu Oi)lei n , ohne den christlichen altar 
7.\\ hcrnhrcfi: es sind ihm seine alten schützenden gotlhei- 
len. nachdem der bekeli rer die bilder zersehl.igen und in 
<l<*n Bodensee geworfen hat, wendet sicii ein iheil dieser 
Heiden sum christenlhiun. wahrscheinlich enlarleten auf 
solche webe an melu^eren orten die ältesten christiiciien 
gemeinden durch das Übergewicht der heidni»chen volks- 
inrnge und die falirlädsigkeit der prlesten In z\veifel kaun 



*) Bfomton ia tfmer obronik (Tvjrgden p. t45) efsiliU ron «ieni 
«Mtangluclifn köirig RedvaM (der au elogaay d» T. Jh. lebte) : Jmii 



uiyui^uü üy Google 



m aber gesogen werdeu, ob unter diesen keidengliltmi 
elwiianmeclie zu verstehen sind, oder vieneicht römieelie? 
viknteciier gotteedienst in althelvetiflcher gebend wäre denk« 
bar, itnd dii tutorcs loci lautet fast danach« auf der an«- 

derii Seite murs erwogen werden, daf» Alamannen hier 
Sriiuii seit drei lahrlniiiderleM linnsten niul ein andrer cullus 
als der ihrige kaum norli \ olU^nialsi!' sein konnle. Jonas 
in der alleren lebcHisheschreibiui^ dei selben lieiliüen nedonki 
des eulHrhiedeu deulsehlieidnisclien \\ nulansopfers , aui 
beiiarhbarten Ziircliersee. *) endlic h eiscbeinl die Verbin- 
dung dreier gotUieilen zu gcmcinscballiicher vereln^ung her- 
vorstechender SBUg unseres einheimischen heideuthums ; wenn 
die Iiümer einen tenipel für mehrere giUter widmeten, wur- 
den ilire biidnisse nicht neben einander, sondern in ver- 
schiedenen Zellen aufgestellt. Ratpert (casus S. Galll. Ports 
2,. 61) scheint die beiden f&lle, den am Zürdiersee, and 
den nachherigen bei Bregenz zu yeraiischen: Tueoniam 
(Tuggen) adrenenint, quae est ad caput lacus turicini, ubi 
c«m consistere yellent, nopidumque ab errore demonum 
Tcvoeare (nam adhuc iaoli» tmmolabani)^ Gallo idoia 
pana von f ringen te et in lacimi vicinum ^emerge/itcy 
populus in iiani conversus .... saiiclus cxinde pepuleriint. 
Inde iter agenles pervencruni ad (a«;lrinn qnod Arl)una nun- 
cupatm', iuxta lacum polaniii um , ibi<|ue a \\ illiniaro prc- 
»bylero honorifice suscepli . scpteni dies cum gnudio per- 
niansennit. (pii a samlis inlorrogatns , si sciroi locnni in 
solitudine iilornm pr<)|><>silo congrnnni , os!<Mnlil eis locum 
)0cundis8imum ad inhabitandum nomine Briganliuni. il)t4[iie 
refierientes templum olim cliristianae religioni dedicatum, 
uonc autem demonum imaginibuB poUutnm, mundando 
et eonsecrando in prisünuni restituerunt stalnni, atqne prcy 
sfatui», qnas e)ecerunt, sanctae Aiireliae relifpiias ibidem 
ruilocavemnt. Auch uacli diesem bericht ist der tenipel 

liedum tMem ia Cantia siiscepenit, sed fmtrs. mm redieiui domm 
a (|n!liusdani penreni» et tnare mm sedactas alfare Chruii et daeoto' 
uis in uno etutein juc p/tatiu hahebat, quod rex f^iusdem provinciae Atbel- 
woW, qtii vciierabitifl ü««la« aeute fait, iiaque ad. Miuni tentpus perdn- 

raii&i> testattir. 

') scitsaru «ill Müiie fi <les held. I, 171. IT,')) ilic.^fii Wiio- 

tanütiiitus bei Tug;geii nut tlitiiitT, von dt*hea liier uieniand 
iiiflii auf Alamaoaea bfcielien, weil Joaaa sagt: sant inibi vidiMm tta- 
tioiif« >{uevoraoi. das lieifol aber gerade: da herum angesessen, von 
ifUf^eleffuen war {tar kein aulaf» xii Hprerheik Coluniban verweilt« «n 
tieiii iinti iiii;rot:i!li;.M>n ort, itni «Ii«- ticidniM'hen bcwoiiner Xii li<>k('lirt>n, 
niK'li lic^t tiadi WiKniiiJs diioi« lliiii«; dio «fegend iufrn pari«« 4ln- 
uumnia«, wo «bvnso wol »iebfii dürlt« intru. 



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ft iilirr rlirisllit Ii . iieriiarli vuü lloidrn Maina iinPü) »'iiiiio- 
itoiiniieii . nhd ni»"lit iimlnil«cli. Don worlen *ulula Naiia 
r<»nlrin^t Mles' Inul lld*'!. von \r\ dio olKM ll?i< lilii lic ainnor- 
kun^ hol: Julias in \iia ( oluinbani // oilaui idola 
si ribir. !inlppiins in 8. (iaili ranlilona Jovis ^ l'lkkehaixtuft 
JV. ./oi'/.v oi Sei)tiuii. liHllo er docli diese wicJitigen an- 
gaben wörtlich niitgellieilt. Jonas redet von gar keiner bild* 
setile des \> odan . nur von einer knfe, \^riu ihm geopfert 
wurde, die idoia, deren die (im deutsdiem lext veriorne^ 
im lalelDiscIien unvollständig lierausgegebene) rantilena, tind 
Krkelinrt gedenken, müssen sidi nicht auf <He abgölterei 
am Ztirciiersee, sondern anf die am Bcclensee bexieheii« von 
welchen hier die rede ist, also i¥ar wenigstens eine der 
drei bildsenlen die des Jupiter (d. Ii. des alam. Donar)^ 
iras ganz zu der nordischen Vereinigung dreier hilder stimmt, 
deren mittelstes immer den 'flior vorzustellen pflegte. Den 
Neptun will ich hier nicht anrühren. Aher aus dem al- 
len scheint hervorgcheud, dafs unsere irttn imagin^B stUiw 
keren anspmcli auf deutschen ursprtmg haben , als die t« 
54 angeführten imaginea lapideae im luxovisdieu wald. *) 



•) zwei herirlito Grcjlfors von Tours ühor l)il<l>onlpii der Diana 
mi Trifri-»< lif'ii . (j<"% Mcn tir ini'l Mnrj< im südiiilieu (inllii'ti l>i«'tcn, 
wonn hie niuli kfiiu'M jiodniikcii nn (iiMits<lio jjötfer zulassen, nicrk- 
wordi^e vergleicliiiagen dar. Ui«t. 8, 15: ildtide terriiuriuui trevericae 
■iWi expetü, et la qao aaae etftis monta Iwbitaailaiii , quod cemltii^ 
profirio Isbore coontnixi; reperi tanea liic Diatute stumiacrutH , qnoj 
popiiius hic incredaliui qunsi i/rum adorrhat. rnfiiniii' in ptlam ttstai, 

in qun cum ^randi crucintu aIuo uiio pM luni st;«!»Mni t(;;mine 

Verum ubi nd nie multitudo vicinaruni civitntum conduere coepit, proe- 
Hif ;d»Mni jiijith'r, nihil esse Dianom, niliil .simult rra, niliili|ue <june ei» 
videbatur ei^erceri cuilura: uidigna etiam esse ipäa, quac iiiter pucula 
iasariasque prottoas caatiea proferebant, sed potius deo oDiui|)otenti, 
qai coelum feclt »c terraai, dijrnnm alt sacrificiam landia impeadere. 
ornl);<m etiam aaepius, ut simuhnrn domlnoa dinito digaaretur popn- 
Inm al) hoc errore disrutfn-. Kh-xit domint miserirordia mtMitom rusticam, 
Iii incliiiaret nurt-ut ■>\y.\n\ in verba oris uici, ut scilicet relicliii iiiuli^ do- 
Ittiiioiti sequert'tur, (et) tuac cunvoratis qiiibu.s<iani ex ei« simulocrum 
boc inuitettsum y qui^l eiidere propria virtule uon puteram, cum eoriioi 
«ijolorie poaseai eroere; jam eaim reliqua sigiUorum (die kleiaerea 
Ulder), qaae fiicilioni eraat, ipse coafregeram. CoaTeeicutibas autem 
multi.s ad haac ßiauM siataam, mUsU fiuiiltiis trnhere coepeftiat» sed 
nihil iiibor eoriim proficere poterat. Daraul" f?ei»ete , egressusque post 
omtionem ad operarii» veui , adprohen<»um<pie funem ut primu ictu tra- 
bere coepimuK, protinu« stinulocrutn mit in tcirinn, rüttfraclumqtte 
ttuu tiuitUix ftrrei* in }>ulverenä redc^i. So {»icüj^en bilder zu gründe, 
dtfw betracbtanfr ans jetzt sdir lehrreich düakea würde; wahracheia« 
lieh war diese Diana eise nüachang des ronlacliea aad galliaclica cul- 
tas, wm hat iasciiriften ven elnsr tHaaa arMsma (Boaqnet % 819.) 



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ft QÜTTBa. DILPBa 



Die einsige stelle .you gcHterbüdem der daehstii ist di« 
bekaiiftle Witoehiiids voti C orvei, al8 or ilnTii sieg über die 
'rin'irliiiipr an di*r lin^lriil (um .)30), miI in.»ioruiii memo- 
l ia pi oilil^ ei /.alilt: inane aiitem fni tu ad ot Icjilalein puiiaiii 
(der hnrn Srliidun»>oii ) puiiunt acjiiilain . f;/Y//;/cpie vivtoriae 
l onslruLiiles , sec uniiiiiii erroreni [jalermiin , ^acra f»ua pro- 
pi ia \ eiieralioiic vcrierali siiiil , iioniiiic Martern eff/^ie co- 
Ifun/taniin iiniianies, Hei'cultm loco soUsj quem Graeci 
ap|>elJaiU yJpolUnem. 

Dai'ü in friesischeu tciupebi gülterbilder wareu, schemt 
Biel tri'a( lies zeuguis zu ergebeiu a&war die stelle über Fo« 
silc (s. 54) nennt nur fana dei, es wird erzählt, dals sich 
Willbrord an der heiligen quelle vergriflVn , nicht dal's er 
ein bild vernichtet habe. Dagegen drückt sich die vita Bo- 
ttiCftcii (Pertx 2^ 339) über den neuen aufsclmitng des iiei^ 
denthiuiis unter könig Hiklbod (um 716) so aus: }ani pars 
eodesiarum Christi. <[iiae Franoorum prius subjecla erat impe- 
rio, vastata erat ac destnicta , idolorwn quoque cultura ex- 
alruclis delubrorum fanis higubriter renovata* und will man 
hier idulonun nur für deoi-um gelten lassen, so sagt die vita 
\N illcliadi (Pertz 2, 380) bestimmter: insanum esse et vanum 
a laj)idil)iia auxiliiini petci c e i a simulacris multia et am dis 
subsiclii spcrarc Sülaliiini. tpio audito gons fera et idololalriis 
niniLuni d(Mlila slriik baiit denlibus in euni > dicentes . non 
de])ere prolauuni lunt;iiis Nivure, inio rcMini esse moi Iis, (pii 
tani sacrilega contra deos siios i/irict/sfiimos prolerre prae- 
sunisisÄCt clotjuia. das ereignis fallt in des acliten jh. mitte, 
Anskars (j «üö; aid/.cichnung erst hundert iahre sp^iter; 
(lock befugt ist man nicht, in jenen Worten blol'se ausschmü* 
ekung au erblicken« ich weil's nicht einmal, ob für leere 
phrasc gekalten >verden darf, >venn es in einer erst 839 
gcsclu*iebenen vita 8, Guari (f 649) heiÜBt: coeptt gentilibua 



Die nndrro stelle findet »hU niirac. 2, 5: erat ftutem haud |trocui a 
reiiuia, ({iiaiii »iipra üe|iulrftraiii nartyrU (JuilSBi ■rveracneU) lisee 
trona con^tnixenit (in rko brivsteasi) grande deiubntm^ abi ia «»- 
iuMua otihitima »imulachrum JUartis ßi^rcurü^iut coMmiur. cum* 
(|uc deliil>ri llliiis festa a ^entitilMii ascrentnr, ac mortui mortuu tliuia 
dffi rreiit , iiiudio e \u)i^o comnioventiir piieri dno in «randaluni, mida- 
to^jiie uniis {^ladio alteruni appetit truiidandum. der eine flieht zur 
yelle rtcs li«'ili<ren und wird {gerettet quarta autem die, cum gentili- 
tas \Alvt iteruiii dÜM exUUtere libamina, verrichtet der eliriütiiclie prte- 
Hter ein ]irflii»li;^etf «^ebet sum oiart^r, es entstellt ein heftiges »ewitter, 
die beiden er«ctifeek«ns reoedente antem tempcatate gentlües beptiasli 
statttat, qua« colaerant , t onjruif^erties. In lacam vicu aainlqHe pre- 
almnm projeeenuu» Jteid damaf lianMB Pa r g andc a bi diese gegeod. 



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GÜTTER. BILDER 79 

pt*r circuituin (d. h. i'ii Hipuarieii) simulacrortnn cuUui de- 
(liÜ8 et vana idolorunt superstitione deceptU verbum salu- 
tiä aniiuiiliare ( acla ßeiieil. sec. 2 p. 282.) ge\vü!uilich 
lii*geii sulclieii lebeusbesdireibuugeii «rhuu alieit: auiääUe 
ftUlU ^ruiule. 

Diu I liesen bilden iii jedem belrachl den Übergang zu 
den Siaiidinaviern; bei dem vielTacheri verkelir dieser bei- 
den an einander grenzenden vulker i^^l nichts ualurlicher 
ab die annähme, dals den heidnischen i' riesen auch die ge* 
wohnheit des tenipel und bilderdiensles mit jenen gemein 
war. selb«! den tempel des i'oseie auf Uei^oiaad denk« 
ich mir kaum l)iUllüS. 

Feiiii^eit bilder und gestalten aus holz su schnitsea 
oder aus stein su lueiiselti lassen schon jene signa und 
effigies tVss Tacitus erwarten » und diese kunst konnte stck 
hu SU einem gewissen grad vervollkommnen, steinwaffa» 
und anderes geratki das man ui grabhiigehi hndety leo» 
gen von nicht ungeschickter behandlung schwieriger stoflie» 
Dafe kein einziges germanisches gütterbüd der zerstörenden 
nuttht der seit und dem eifer der Christen entgangen ist» 
darf uns noch weniger verwundern als der Untergang der 
hetdentempeL hat sicli doch auch im Norden j wo die zahl 
der bilder gröfser war, und die Vernichtung weit später 
erfolgte, keins erhalten, alle lethrische, alle upsaliscka 
gülzen sind zerschlagen, der technische ausdruck war dort 
•kardgodh (fonmi« süg. 2, 73* 75} von skera (scnlpere) 
skurd (sculptura«) 

Der gölterbihler zu Letlira geschweigt Dielmars nach* 
rieht; in Adams von Bremen beschreibung der npsalischen 
ist zumal nu i kwiirdii; , dal's drei biUlsetilen ^ wie bei ie- 
nem alanianniöi lii'n leinpel, ani;e^el>en wurden: nunc de su- 
{»crölilione Sveuinnn pauea dicennis. nohilissinuini üla 
yeiis tentpliiin liahel. quod l bsola dicilur, nun iunge [)0situm 
a Sieluna «ivitale (Sii;U\nl vcl IWika. in lioc lemplo. (|nüd 
loluiii c'\ riurn paraUim csl, .statnas truiiii deuruni veue- 
ralur pupulus, iia ut polenlissiiniis coruni Thor in medio 
suluui habcat Irieliniuni. hinc et inde locum possident Wo- 
dani et Fricco. die weitere Schilderung gehorl nocli nicht 
hierher, es komnit dabei auch der ausdruck scu/pere vor; 
da der ganze loinpel aus güld bereilel . d. h. goldverziert 
»ein Süll, so halle er auch die gütlerbiltler vor allem per- 
goldtt bezeichnen können, wie die ahunannischen aereae 
und dtaitratae heilseu. Kiner gohhien bildseule Oiluns er» 
»ahnt ^axo p. 13: cujus numen Septentriouis reges pro« 
lieusiore cidtu prosequi cupientes eCGgtem ipsius aureo com- 



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80 GÖTTKU. UlLDER 

plexi sininlacro , ataltiam siiai- iligiiatiuiiis indiccm ma- 
xima ( um roli^ionis Kinuilntio?)C T^y/.aiiliiini IraiiHiniHeruiil, 
iMiin« cJinni bi ai liionim liiifninftiia loiifer'lisöiiiio nrinillarum 
|)Oi«d« re pcMshiimcbaiit. clioso ganz«' ^Iclif. iiitd was wei- 
ter foP;!, isl nivlii nur uiilii?Uiri?n li, sondern aiicli den ei litcn 
myllien entgegen: es erselieinl darin blnlis Saxos iiuil «einer 
zeir V(>rstellnng8\veise von den gütleri», nnd Iußofeni dnrnil avicli 
goldno und i;es< hinürklc gülle] I)ild('r iih( reiiishuinitMi. lalsl sit 1» 
folgern, dals die erinuerung au S(»l«-he luldrr danials lorllfl»!*'. 
Nach derjVialssaga cap89 befanden sleli iu rificm norwegiselien 
tcmjKi (godlialii^s) wiederum drii A/A/t / , 'l liors und der 
beiden liaibgütliiiuen Tborgerdbr und Irpa, iu menseblictier 
gröfse und gcßclimiickl mit armspaugeaj wahrscheinlich safs 
Thor in der mitte beider auf seinem wagen, überhaupt 
icfacinen Tliors abbihUingen die häufigsten gewesen zu sein, 
wenigstens in Norwegen. *) ein lempel, worin vieie akurd- 
godh verehrt wurden , zumeist aber Thor, wird Türnm. sog. 
2, 153 und 159 bescirriebcn , ebendaselbst 1, 295. 302 — 
30n. seine bikUeulen] 2, 44 heÜ'st es: Thikr sat / im-' 
d/nu ok var mest tignadhr, hann var nükiU uk aHr gulli 
hui*nt ok silfri (ex auro et argento confectiis); vgl. Olafs 
helga saga edu holni. cap. 118. 119. Einer trog ein bild' 
e/ien Thors aus walifischzaltn geschnitzt (ttkneski Thors af 
tönn gert) bei sich in der tasdie. fomm. sOg. 2, 57» um 
ihn noch heimlich , unter Cliristen» su yerehrcn. Thörs 
bild wurde auf die ündvegLsseulen geschnitzt (Eyrbfgg. p. 
8) und vomen an die schiü^ (fornm. sög. 2, 324.) Bild* 
Uta der Thorgerdhr hülgabr^dhr, mit goldringen um den arm, 
vor welcher niedergekniet wird, fomm« sog. 2, 108. Freys 
bildneule aus silber (Freyr markadhr af silfri) Vatnsd* 
p. 44. 50 $ in Schweden auf einem wagen umgefithrt* 
fomm. sog. 2, 73 — 77. die Jomsviktngnsaga gedenkt eines 
tempels anf Gautland, in welt hcni hurnlci l i^ulter wai'en 
(fornm. sog. 1 1 , 40^ : eine wirklic lie densilas ima^inum 
nach dem ausdruck des Jonas (s. 54.) 

Wk v weder die angäbe der zahl der hlUler, noch ifu'C 
beselirciljung in den sagen darf für hisloriscli gelten ; blofs 
dals es bilder gal) , wird dadurch erwiesen, die meisten 
scheinen aus holz gehauen, einige wurden viclleirhl bemahU, 
bckleidcl uiul nn't silber oder gold überzogen; doch mögen 
auch steinerne vorgekommen sein und kleinere aus kupier 
oder elleubeiu. '^'*) 



*) Fin:i Mn^nu.sseti bidrsg til nordisk nrcluieologie p. 118^159. 
*) Fina Magoosscn a. a. o. 182 — 137. 



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QÖTTGU. BILDER 61 

Bis hierher ist die erwähn ung eines besouderen aus* 
dnifks rür bildsculey woran sich merkwürdige nadiricliten 
von Iieiüniscbca güttcrbildern knüpfen , verspart worden. 

Ahd. glossen haben das wort irmanBuU pyramidcs» 
fflODS. 360; avarAn, i>man«l2// pyramides* Ooc. 203^^ <>. 
nuMBtU colossusy aJtisaima columna* florent« 9B7« blaa« 86 ; 
die eigentliche bedeutung scheint hiidseule, nach dem syno* 
»Tinen amrA zu urtheüen, welches gl. Jun. 236 füir sla- 
tua und imago gebraucht wird« sie ist auch im 12 jh. 
noch unerloschen, wie sich aus £wei stellen der kaiser- 
Chronik, bald im anfang des gedichts ergibt, und vermut- 
lich sind ihrer mehrere; von Mcrcur heifst es: 
ükr einir yrmm^äh 
stuont ein abgot- ungehiiire^ 
den hiezen sie ir kuufman) 
bemach von Julluä Cicsnr: 

Pioniere in iingelri^NVcUche sluoj;en, 
ftf einir j7"//z''/i!.s7^/ sie in hegruoben; 
ja im letzten capilel des Titurel, aU die grofsen seulen des 
gl altemjx'ls beschiiehoii werden, hat die hannov. hs. statt 
der lesart inneren seid des drucks rlrlitiger irmenauL 

Nun aber findet sich in den friiukischen annalon ad 
a. 772 \viederholenllit Ii, dafs Carl der grolse bei besiegung 
der Sncbsen einen hauptsitz ihres heidnischen aberglaubens 
unweit lieresburg *i in W'estplialen zerstürt um! dioser 
Jnninsul gehoilson habe. Ann. petav. : doninus re\ Ka- 
rolus perrexil in Saxoniam et roiuiuisivit Jirisburgö, et 
pervenil nd locuni, qui dicitur Jtlrnicnsul ^ et succendit ea 
lüca ( Pcrlz i, lü.) anu. lauresh. : fuit rcx Carlus hostilitcr 
in Saxonia et destrnxit Janum eorum , quod vocntnr 
Irminsul (Perlz 1, 30.) ebenso das cbron. moissiac. (Perla 
1, 295) wo nur Hirminaul, ann. juvavenses: Karolus 
idolum Saxononim conibussit, quod dicebant Irminsul 
(Pcrt» 1, 8H.) Enhardt fiild« annales: Karohis Saxoniam 
bello a^^sus, Eresburgnm Castrum ccpit, et idolum 8ax-> 
ODum, quod v%abatnr Irminsul destruit (Pertz 1, 348.) 
ann. ratisbon.: Caroliis in Saxonia conquesivit Eresburc et 
Irminsul (Pertz 1, 93.) ann. lauriss.; Karins in Saxonia 
Castrum Aeresburg cxpiignat, fanum et lucimi eorum /a* 
mosum Irminsul suivertii (Pertz f, 117.) ann« lauriss.: 
^ inde perrexit partibus Saxoniae prima vicei Aeresburgum 

*) riem (tentigen Stadtliergen V vgl. die stelle aus Dietmnr; aber 
gote grüjide ratlien, die »eule serhs stundea tiefer Im Osniug auzu- 
Mtsea. Cfotlirmeler Bagcitefstein p. M. 87< 

6 



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Castrum ce{H%y ad EtmensulnstfLie pervoiut et ipsuni fanum 
cie»tnixii, el aurum et argentuiii, quoii rcpperit, abstiilit. 
et fiiil siccitas magna, ita iit aijua deiiccret in suprailiclo 
loco, ubi Ermen Stil Mtabaty cet. (Pertz 1^ 150«) Eiuliardi 
ami.: ferro et igni cuncta tlcpopulalus , Acrcsburguni 
•tnuii cepit; idolum quod IrtninsuL a Saxonibus vocaba» 
tcir, evertU (Pertz 1, 151.) Wiederholungen in den ann. 
tiitao. und im dir. Kegin. (wo Ormenaul) f ertz 1 , 220. 
557. *) Und Dietmar von Merseb. (Wagn. p. 21} erzählt 
noch bei gelegenheit späterer begebenheiten: 8ed exerdtus 
capta urbe (Kreeburch) ingrcssus juvenem praefatam luque 
in ecclesiam 8. Petri, uhi prius ab aniiquit IrminMul 
colebatur 9 hello defatigaium depuUt. IrminsAl helfet al«o 
in allen diesen stellen, ganz nach den im vierten cap. ent* 
wickelten übergangen der bedeulung, bald fanum ^ bald 
lucuif bald idolum selbst; es ist kaum zu zweifeln^ dafs 
sich in dieser gegend mäch i ige Waldungen ausbreiteten: 
wie wenn der bergwald Osnin^ '^*), in dem die seide vcr^ 
nuillich stand, einen heiligen wa/d bedeutete und aus 
Ss = ans (s. 17) zu erklären wäre? ***) der gold und 
silbcrschalz , dessen sich Carl da beniiicbtigl habe, kann 
saiienbafle ansscbniiickuni^ sein.****) JNabor liilsl sirb iiber 
ilie Irmiiisnl ans Knodull von I*'ubl ; nrn h seiner allse- 
jneineren anlsenniu liber die beicbiiscfieii Saclisen (s. 6*j) 
(Vondüsis aiboribus ronlil)iisqne veneraliunem exbibebanl, 
fährt er fort : trunann quui[ue ligni non parvae magni- 
tndinis in alhiin erec Inni siib divo colebant , palria eiim 
Hngua Irmiftsnl appellanlesj quud lalüie dicilnr universa- 
lis columnay quasi sustinens omnia ^ Pertz 2, 67H.^ es 
war eine grofsc bolzernc seuir aiifucrii litol , unter (rcicni 
hunniel verebrl , iln* name sagl aus: allponjcfno. alles ira- 
gende senle. Difsc doutting srhiMnl miiadcllialt; wenn \vir 
andere wörler hiii/unclnnen , dci ea begrif dnrrb die 7U- 
sannnenselzung mit irinin gesteigert wird, irmingot^ d«r 
höchste gott. (!( 1 iiolt aller, im iiildebr. lied, kein beaon» 
derer y in der bcdeutung nichl verscliicdenavon dem durch 

') poeta .Sa.Vü I, 65 (Boiiquet 5, 137.) 

Gens eadeiii coluit «tiuulacruiii, quod vocitabaat 
Irminsttl^ cujus ' ntuni sioiulque coiumna 
noii opeiis ^ arvi tueniC, pariterqaa deeoris. 
mons OMiinoi, Osnengi (Pertz 2, 299. 447.) sllva Osain^ (Wl- 
gSOds ardi. I. 4, 76. 7!V) 

•**) <lnK N vor dein iii^' setzt eine liiiizsi^M'fretne ahleitung %'orailS, 
«IhI. aiihiiiiic, nuMiiiiiu ■j' v^i. Eilzügen, rod. hui esli. I, 196. 

••••) gemalmt dioj&^r Ermensenlscliatz an die sage \on Ermem it hi 
« hate? (Saxo gramni. 15«. Relnb. ftirlis CLU.) 



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83 



ein andoreft praefix verstärkten Üuodgoä Hol. Xi, 18. 52, 
12. 99. 6. irminmarif erhöbler ausdnick für mcnxili 
llci. 38, 24. 107, 13; irminthiod H^L 87, 13 iimi ilild. 
üir meuschengesdbleckt. ebenso erkläre idi andere nüt 
irmanj irmin compouierte eigennanieu (gramin. 2, 448) und 
irmansälj irminsul ut die grofae, liohei göttlicli\ereiir«e 
lädseule, dafs sie aber einem einzelnen gott geweibt war, 
liegt nicht in dem ausdriidc selbst, auf Reiche weise wird 
im ags« gesagt eormemyn (geiius humanum) ßeov. 147. 
wmengrufid (terra) Beov. 66. eormentdje (roliquiae) 
Beov. 167. eormenstrifnd (progeuies), und im ahn. /ör- 
mungrund (terra) iürmungandr (angiiis niaxiiinib ^ /6>- 
munrehr ( tnnrus mavinuis), woiaus sich das liulie, niviliisc iie 
aller, luul die verhreilnng dieser henonnungen milcr allen 
ileutschen volksstaitinien ergibt, deiiu auch den Gothen 
können sie nicht IVenid gewesen sein, wie ihr berühmter 
konigsnanie llrnia/ia ricus (airinanareiks) darlhut, und un- 
bedenklich sind die hientuuidiiri eigentlich EnnumUiri 
(grainm. 2, 175), wie das Ii in aücu solchen formen häuhg 
vorscldagt. 

Was unn der walirsclieiiiliche sinn des Wortes irman^ 
wrmwit eormen war, ob darin der name eines goltes, 
oder Yergütterten beiden lag, wird erst im verfolg unter- 
sudit werden, hier kam es darauf an, seine allgemeine 
bedeutting in den /aisaniniensetzungen zu entwickeln; vor- 
Ifiufig bemerke ich, daCs in einer gerade von einem 8ach« 
seDy im gegensatz su )enen frfinkischen annalisteo, verfafs« 
len Chronik das wort bAI weggelassen wird: quam (capeU 
lam) eorom pater et avus in castello Heresburg constmi 
lasserat. • • • haec est Aresburg, quam Karolus obstdionts 
fraude cepit, atquo destnicto iaolo Irmin d^vastavit. chrou« 
corbeienöc (von 768 — 1187) ad a. 826 (Wedekinds nuten 
1, 379.) 

Die Sachsen mögen also mehr davon ^cwusl haben ; 
unter den Franken und in llochdeutschlaiul Ncriiand man, 
vom achten bis in das dreizeliiite jh. nül innauHul die 
allgemeine vorstelUuig eines heidniscfien . aiil einer seule 
emrhtclen Ijildes. mih i- dem tninviis lii^ n dachte sich 
Rnodoif wahrscheiidiciier einen auner Icsenen, lieih'g gelial- 
tenen baumstamm (mit oder ohne gölterbild:'), als eine von 
MDschenhand gezimmerte seide; jenes slinnnl auch zu der 
fvrelirung «ub divo, xu dem von einigen clironisten ge- 
brnnihten ansdmck lucus und der einfachlieit des ältesten 
walddtenstes« wie sich das bild in den bcgrif des baums 
vertiert« geht der bäum in den des bildes über, und der 

6* 



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UÖTTER. BILDEE' 



\TC8tphäIiHcli(Mi Irmenseulc Uogl die Vorstellung von der 
lief^sisrheii ilonnereiche «iclier ganz nahe, beide verwan- 
dellen die bekelirer in Petciskiichcti. ZulcUt nocli die 
nachriclit von einem heiligen stock in Neu^trlen « >vie sie 
in der vila AValarlci abbatis Icuconen^is [-f 622; eulhalten 
lAt, die aubieichnnng soll im jh. gesdiehen sein: oi 
juxta ripam ipsius ilumiuia stips erat magnns^ diversia 
imagiaibua figurataa^ atque ibi io terram magna virtule 
inimiflflus, ([ui nimio cultu innre geniUium a rusticis co- 
lebatur. AValaricus lalst den klotz umwerfen: et bis qui* 
dem rualicl« habitanübus in loci« non parvum tam moero- 
rem quam et atuporem oninibus praebuiu feed iindique 
iUis certatim concurreniibua cum armis et fustibus, indigue 
lioc ferentes invicem« ut qua»i injuriam dei aui \ittdica* 
rent. (acta Bened. sec* 2. p. 84. 85.) der ort hiefs Aii- 
gusia (boui*g d^Augsl, unweit der Stadt En), es wurde her- 
nach an der Stätte eine kirclie erricktet. 

Ich glaube im allgemeinen nachgewiesen zu haben, 
dafs es götter und bildseulcu im ältesten Deutschland gab. 

Bevor aber nun die Untersuchung ku den einzelnen 
güttem Torschreiten kanUf wird es nütlüg sein noch xu 
erwägen, wie das alterthum verfuhr, um fremde gdtter* 
namen auf deutsche , und umgekehrt deutsche auf fremde 
•nsuwenden. 

Der darslellungsweise der Römer war ^ es weit mehr 
angelegen, durch freie Übersetzung halbe deutliclikeit ru 
erreichen, als durdi beibeliallung barbarisclicr ausdrücke 
der na(bwolt einen dienst zu erweisen, willkürlich aber 
verfuhren sie nicJit dabei, sondern uiil einer unverkennba- 
ren aufmerksamkeit. 

Mit Caesars Sol, Lima und f^uhati könnte man am 
wenigHten zufrieden sein , allein Tacilus sciicint keine be- 
nennung römischer gollheilen ohne vorsieht und Überle- 
gung zu brauchen, er nennt blol'R Mercur und Mars 
(Germ. 9. ann. 13, 57. liisl. 4, 64), von vergötterten Hel- 
den. Herciilef. Cnsfor und PoNux ^(5erm. 0. 43), von 
göttinneii yÄ/.v ((mm ni. 0) , die terra tnater ^ mit deutschem 
namen (Germ. 4()^ die rnater deiim (Germ. 45.) Ganz 
unvergleichbare, z. b. Apoll oder Bacchus werden niemals 
verglichen. Das aullalkMulste ist, dafs Jupiter nicht vor- 
konmit , und die auszeichnung il/ew/rs , der bei den Rö- 
mern nur eine gottheit zweiten rangs bildet, hier als 
vornelunste unter allen erscheint : deorum maxime Mer* 
curium colunt, dem auch allein mensdienopfer fisUe», 
wälirend jViars tuid Hercules sich mit thieren begnügen* 



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GÜTIER 8» 

das hervortreten Mei tui s erklärt sich walasciR'iiilich daher, 
dals dieser gott auch unter den Galliern als lianptgottiieit 
verehrt und zumeist abgebildet wurde (deuni maxime 
Merciu ium colunt , hujus sunt pluruna siniulacra. JuJ. 
Caes. 6. 17*), die blicke der Uönier natli Deutscldand im- 
mer aber Gallien im Vordergrund saJien ; vielleiclit hatlen 
auch iiallische berichlerslalter den germanischen gott in 
dieses lii ht gostelll. beachlenswerth ist dabei die gallische 
verbindjuig des Mars luul Mercunus in bihlseulen (vor- 
hin 8. 77), gerade wie Tacitus die germanisehen zusammen 
nennt aini. 13, 57.) Die auslas^ung Jupitera hat augen- 
•cheinlicli ihren grund darin , dal's sein cuitus bei den 
Tülkern , die Tacitus zunächst kannte , dem des Mercur:» 
nachsUuid ; wir werden im verfolg sehen , dals die nui*d- 
Ucheo, entlegneren stümine umgekehrt dem dotmergott itire 
hauptsächliche Verehrung widmeten, liber Iitia und //er- 
ctf/e« will ich mich st^aierhin erklären; vren man sich 
unter den Uioscuren denken solle, ist sch^'^er zu ralhen; 
• ▼ernuitlich doch zwei sühne ^\ uotans, und mit riicksicht 
auf den inlialt der edda würden sich Baidr und UermOdhr, 
die beiden brüder, am meisten dafür eignen. 

Diese anwendung classtscher namen auf deutsche gut« 
ter verbreitete sich allgemein und wird von den lateiii. 
•cbriftstellem der folgenden mit genauer übereinstim- 
omng beibehalten; einmal in umlauf gesetzt blieb sie lange 
Seiten hindurch üblich und \ ertflaiidlich. 

Der gothische geschieht Schreiber benennt uns nur einen 
guit auf römische weise , und es ist Mars : quem Gothi 
ieiii|ier asperrtma placavere cultura (Jornand. p. 86) , wo- 
mit schon der scythische Ares (llcrod. 4, 62. 63) vergli- 
dien werden mag. 

Tanliis Diae. schlielst was er von Wodan erslihlt mit 
der auhdriK klit heil meidung (1, 9): Wodan sanc , c)nem 
adjecta Hiera Gwodan dixeinnt, ipse est qui apud Huma- 
DOS Merturiua dicitur, et i«b uni\ersis Germaniae genti- 
bufi ul dens adoratnr. elx iiso vertiiehert Jonas von Bob- 
bio. sein iilterer laiid.sniann, in dem beritlil xm den op- 
fernden Alamannen : illi ajnnl, deo suo Vodano, (piem 
MtrvuriKin >04ant alii, se velle litare, wobei eine ander- 
wärts eingeselialtete glosse weniger riclilig sagt : (]ui optul 
eos Vuulant vocaiur, Latiui autem Martern dlum ap[»ellaiil. 



*) ftrln pflin Als. ill. 1 , 435-410 nnrf KfliiMil Aber ein raonm Mer- 
catB ai EberauHiilefy 6m, 1, 50 vergl. llumineU hibl. dontM'li. «Itcrlh. 
^ M. Crenxer altrdoi. caltur am Obecriisia p. 48. Urt, 



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OÖTTBR. 



flem Gregor von Tours tind (oImii 0. 74) Satarn 
md JupiUr^ dann aber Jllfar« Mercuriusque die goltbeilen, 
welche der heidoisclie Chlodovick anbetete. Witeküid von 
Corvei nennt Mars und Hercules als götter der Sachsen (s. 78.) 

Im Indiculus paganiorum vrird unter 8 aufgezählt : 
de sacris Mercurii vel /omi«*); unter 20: de ferüs, quae 
faciunt Javi vel JUercurio ; der donnernde goll, dessen 
Tacilus geschweigt, isl also bei andern unvergessen, und 
nun verslelicn wir aucli Wilihalds erzalilung von deju 
rü])ur Jov/s (s. 44) und ßuiiifac. cp. 25 (a. 732) den 
prcsbyter Joi i niactans. 

In den adililanienlis operum Mallliaei Paris, ed. W. 
Watts Paris. 1G44 p. 25. 26 sieht ein aller bericlil von 
büchern, die man zu Verlaniat t'siro bei der anlogung eines 
kirclienbaus im zehnten jh. auigctunden und verbrannt lia- 
ben Süll, eins derselben euthielt invocaliones et rilus ido- 
lulatrarum l ivium Varlamrestrensiiim : in quibus coniperit, 
qiiod specialiler P/ioebuni, deuni solis iuvocarinil, et co- 
liieruut, secundario vero Mercurium^ T^oden auglice ap- 
pellatuni , deum videlitet mercnforum , qnia cives et roni- 
palriulao .... fere omncs ncgutialores et inslilores fuerniit. 
uU'enl)ar hat der berichlerftiaUer von seiner geielirsamkeit 
hinzugethan. 

Stellen, welche unter Diana eine deutsche göttin zu 
verstehen scheinen, sollen spater mitgetheilt werden« Nep* 
tun oiinnal genannt (oben s* 77.) 

-Melis Sloke, schon im beginn des 14 )h.| weifs nocli, 
dafs die heidnischen Friesen den Mercur anbeteten (1^ 
16. 17); ich kann die lat. quelle nicht nachweisen^ aus 
welcher er dieses ohne sweii'el scluipiie. '^'*) 

Wenn angenommen werden darf, und es scheint mir 
last unbedenklich und nothwendig, dafs seit dem ersten Ih«, 
in den sechs oder acht folgenden, eine ununterbrochene 
Übertragung der angeführten und euilger ähnlichen lateiiiU 
sehen güttemamen auf einheimische gottheiten GalHctis 
und Oermaniens statt fand, und unter den gelehrigebildc* 
tcti verbreitet wurde; so erlangen wir aUein dadurch ^uf- 
schhifs über eine noch nicht befriedigend erklärte merk- 
würdige erecheinuug : über die frühe in das halbe Eu- 
ropa eiugedrimgne heidnische benennuug der ivocltentagc. 



*) wnreii es die rünii»clieu ^''^^^-'r^ &o würde sicher Jupiter zocr.-»! 
iinit Merciir ent nach ihm gensiint. 

*') iiii^rri* mild, dichter nmclien keine soldie Tnitiiii'ihin^en; «>it> 
Itümiueni »irii nur um .Saraseoennbgötter, unter welchen Mlidi aiidi 
Jupiter iiiiil ^ifw/h Auftreten. 



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GÖTTER 



Diese tiaoien siud cüi gimsliges, ii^ciil zu übeiächeu- 
de* Zeugnis für das deutsche lieideuünuu. 
Ich slclle mir die sache so vor. '^') 

Von Acgyi)lcii lier diircli die Alexaiuliiner kam nie- 
benliiiii^e woclie ( tiid'o/iü^) und planelarisc he l)cnennung 
dt'i w oLlioiila^e bei den Kumerii auf, unter .Inl. Caesar, 
allesle orwaluiunug des dies Saturni, in \ejl)indung mit 
dem iiitiistlien sabbal, bei Til)ull 1, .H, 18. ij),iov ij^tQn* 
Justin, niartyr. apolog. 1,67; ^ Eq^iov und V/</^(>o()Vt;;.c 
bei Clemens alex. Strom. 7, 12. die einricJsluiig thinli^c- 
selzl nicht lange vor Dio Cassius (37, 18), uni den scliluls 
lies 2 jh. Das ciiristcnlhuni balle die bebdouias von 

den Juden iiheruonmien und konnte nini auib die abguUi« 
ichen ^Laguameii judiX ieieht von der kirche abwelucu. 

Diese namen, samt der wocheneintheilung^ wareu 
aber früher als der christliche glaube Ton Rom aus uach 
Gallien und Deutschland übergegangen. In allen romani« 
sehen Hindern dauern die planetennamen bis auf heute 
fort (meist in selir verkürzter gestalt), nur für den ersten 
und leisten Wochentag ausgenommen : statt dies soUs iffUhite 
man dies dominica^ ital. domenica, span. domlngo, frans, 
dimanche; statt dies Satiumi blieb das jüdische Bahbatum^ 
ital. sabbato, span. sabado, franz. saniedi (=rsabdedi, 8a1>- 
hati dies.) aber die heidnischen benenniuigen auch dieser 
be^en tage waren lange noch volksmärsig : ecce enini die» 
9olis adest , sie enim barbaries vocitare dieni domiuicum 
cousuela est. Grcii. lur. 3. 15. 

Leider eiilgelil uns kemilnis (U'r gotlnselien tagnamen. 
das allein bei Idf. vorkonnneiule scibhate dags. sahl)((,l^ 
(lags. boNveisl nicbls. ^^ie Nvir e})en saben , widei* tlie pla- 
nelaiisdie benennung der übrigen seelis oder liüil l.me. 
ein Mim»oiis dags. m(!nins dags lassen sieb nHilinalheii, die 
vier id)rigen. Im uns die >viebligslen . \yoce ieli nii bl an- 
zugeben, l'ls wäre liir unsere ganze inilert.ucluiiig vom 
höchsten \verlli, wenn sie sich erliallen hatten. 

Abd. sunnun dag 0. V. 5. 22; gl. blas. T'v : niauhi 
lac (oline beleg, niaiieing IN. ps. 47, 1.) dies Martls. bei 
den Aiauiaiiueu walu-scheinlich Ziawes tac, im Ii jii. CVe5 



lii*>r!>ei knnn ich nur den anfanj? , nicht den für meine iniior- 
nehun«; wichtigeren scIiIuCh eines gelelirten nufsnlzei« von J. C. Htr« 
iNNiHtzen: on ilie names of the dayi oflhe week (pliilolojr. mtis^mn. 
■ST. imil.) xtt vcfgl. ist Idelers handl». der clironotogie % irr» -180. 

*') aller rer» xu ende der ROigsbea des Ausonius: nngnes Mer^ 
curio^ Itarlmm Jocr. Cyyride criaes. 



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88 GOTlfia 

dac gl. blas. 76' *)y bei den Baimi und Longobarden wol 
auders« dies Mercuril vielleiclit noch fVuotanes tac :' das 
abslracte diu mittau^echa N. ps. 93 mitlwocJia gL blaa. 
?6^. dies Jüvis Donar ea tac, Ihniris tac N. ps. 80, 1. 
douresitic gL blas. 76* ; dies Veneris fria dag O. V. 4, 
6, Fr ige lag T. 211, 1 ; endlich mit umgeliung des heid- 
nischen dies Saturni, wie im romanischen und goduschen» 
ManibazX9% T. 68, 1. 91, i samlitag N. 88, 40. auch 
dem roman. dies dominicii entspricht suweilen Jrinug 
K. ps. 33, tag des hcrrn. 

8pUte man glauben^ dafs aus den sahlreidien mhd. 
sprachdenkmSlepn die namen der Wochentage nicht voll- . 
ständig au entnehmen sind? zwar sunnea tac (suntac 
. Berth. 118) aikdmäfitac (Farm. 452, 16. mientao 498, ;>2 *'^) 
leiden keinen zweifei; auch nicht Donrestac (dunreslac 
Berlh. 128); Frilao (Pars. 448, 7. Berlh. 134); aa/HM- 
tac (ßerlli. 138,) Aber ungewislieil schwebt wieder über 
ilem drillen und vierlen tag. Jener liiefs, nacli merkwÜTk- 
diger unlerscheidnng, in Baici u £ritac, Erctdc ^die re<;hle 
lorpi iiichl ganz siclicr, erilag Adelungs val. liss. 3, 189. 
evgelag lieiili. 122; bcispiele aus Urkunden saniinelt Sobm. 
1, 96. 97), in Sehwaben hingegen Äcs/ac, das aus Zicwes- 
lac entsprungen isl. beide ?uh ganz abliegende formen 
leben unvertilgl in der heutigen volksspiacliG fort, bair. 
ierte^ üslreich, iärta^ vicentinischdeulsch eör/a, or^a ; 

alem. ziestig^ zistig\ zienstig^ zeinstlg ^ zinstag ^ die 
einsthaJtung der liquida **'^') hat den ausdruck verdcrbl und 
ialsche nebenbegrilTe lierbeigeführt. im niiltlern Deulöch- 
laqd scheint die form diestag ^ liestas, vor/.uhcrschen (au 
der JUiöne diealih)^ woraus unser nlul. dienstag (schlech- 
ter dinslag, das iE hat guten grund) herrülul, falsch ist 
die soiu'eibung ditigstag^ niil dem gedanken an ding, lu- 
dicium, dinslag slehl in Gaupps magdeb. recht p* 2711* 
Den vierten tag iiad^ ich nie, weder mhd. noch in spate- 
ren volksmundailen, nach dem guti benannt, überall hat 
hier Jene abslraclion um sich gegrÜEen, ist aber fast selbst 
unversländiich und in ein masc* miUwoch, miUick (Berlh. 
124. mäktig 8lald. 2^ 194j verwandelt worden. So iül 
auch für den fünften tag qer aahlnanie pJiinztac (ßertü. 
438. Sdim, 322) phingBtag^ durch griechischslavi- 

*) Cieii=Zies, wi^ di^ef glQjMi|ttur 86« gicimbere imü opoun 
•chreibt. 

**) 2tttfmii^=^Uiualag Stald. 2, il^ »oll wol »ein: zue meulig, lq 
mAatsge, 

**^) so oieiast f. meist, leiase t Ilse s. 



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GÖTTER m 

sehen einilufs {nijitTijijf petek^ pia tek , patck , nur dafs die 
Sbven den freitag darunter versteben) in einige oberdeul» 
iche gegenden gedrungen» 

Auch die altsächsischen benennungen mangeln uns, 
nosaen aber in einigen wesentliche^ puncten von den ahd. 
abgewichen Bein, wie die späteren dialecte verkündigen, 
fast sicher anzunehmen ist fVödanes dag für den vier- 
ten der woche, denn noch heilst er in Westphalen Gcx/efi^ 
tag^ Gonstag, Gaunstagy Gunstag, in niederrhein. ur- 
kuiuleu Gudestng /.. b. Günther 3, 585. 611 (a. 1380, 
1387.) Gudenstdg Kindlinger liürigk. p. 577. 57« (a. 
1448.) der diMltc mag gclauUH liaben T/'wesdag , der 
fiinhe T/iuiiareadagj der sechsie F^r /an dag ? zumeist ver- 
schieden Nvar wol der nanie des siebenten ? man bildete 
nach dies Saturni Sdtet esdag ? verj^l. \veslph. Satersfag, 
Saiferstafg GiintFier 3, 502 (a. 1365). Ssp. 2, 66 lirst 
eine hs. für suiiaveod Satersdach. dieses ganz unbochd. 
^oanabend scheint kürzung aus sonntagsabend, leria ante 
dominicam, denn yespera solis meinte man nicht. 

Mnl. II manendach* Huyd. op St. 3, 389. IV 
fVoerwdojcK Maerl. 2, 143. V Donrenditch MaerL 2, 
144, V yrtndach Maerl 2, 153. 157. VII Salerdach 
Maerl. 3, 343, daneben sonnaeht Maerl. 1, 164. 

Nnl. 1 zondag, II md/idag. III dingsdag, früher 
dinsdag, dissendag, IV woerisdag ^ boluiscü goeusdag. 
V donderdag. VI vridag. Vil zaterdag. 

Altfries. I sonnadei. II rnonadei. III 'lysdei, IV 
IVernsdei. V T/nirireadei^ Tornsdei. VI }<redei. VII 
üaUrdti^ vgl. oude &. wetten p. 27. 216. 243. 293. 294« 

Neufries. I aneyn^ Verkürzung eines compositum, des- 
sen erster theÜ son, sonne war, dessen zweiter aber nicht 
dag sein kann. II moandey. III T^ye^dey. IV JVdn^ 
dt^y. V Tongeradey. IV Fr4d^ gekürzt aus Fredey. VII 
aniuwn^ anioun^ gekürzt aus sonnejuwn, sonn abend, vgl. 
tigciiwoordige Staat van Fricsland 1, 121. assenbcrghs 
bidragheii 2, 56. 

Alis. 1 so/ificin dag. II moncui diig. III Tisr'es dag. 
IV l'udt-nes diig. V Thunorea diig. VI Frig^ dag. \^I 
Scelies dag, Sivttrnes diig. 

Engl. 1 sunday, II monday. III Tuesday. IV 
. H^edntnday* V 2huraday. Vi Friday. VJl Saturday* 

Altu.* I aunnudagr. II mätiadagr, III 'I^rsddgr^ 
Tjisdugr. IV Odliinndaffr. V IMradagr. VI Fria^ 
^gr, Freyjudagr. VII laugardagr^ 



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90 GÖTTER 

Schwed. 1 sändag. 11 ftAtzdag. 111 TikUig. IV 
OiiBdag. V Tfior^dag. VI Fredag. VII lördag, 

D&D« I söndag, 11 mandag. lU Tirtdag. IV 
Oiiitdag. V TbrtfdEag-. VI Fredag, Vll löperdag. 

Man siebt» nur in, dem siebenten tag entfernt sieb der 
noi*d. name von dem säcbsiscben und IHesiscben: laugar- 
dagr bedeutet badetag, weil am scblufs der wocbe gebadet 
wurde, und docb ist vielleicht hier zusaniiiienlmng ? ein 
lat. gedieht des neunlcn jli. auf die sciilaclit von Fonleuay 
(Buiicjuel 7, 304) hat den merkwürdigen vers: sabbatu/n 
Uüu illiid luil, sed Satiir/ii doliuni, ein leufeld bad? 

\\ enu aiK'li die (lernianen von frübsler zeit an die 
sieben lagwoelie gekaunl haben sollten (golli. pik6, ahd. 
ipe/i/ut, ags. vuve^ ahn. vihay scliwed. ^ecla, dUn. nge) 
was i(li hezweiile ; so isl üinen die beneninma der tage 
iMid (leren anordninig offenbaa' aus der Iremile zugebracht 
wurden, denn sonst würde einzelnes abweiclieu, imd 
der Salurn , eifi \(>llig undeulscher und keinem einheimi* 
sehen vei gle!( liharer goH, aus dem spiel geblieben sein. 

Aber nicbl weniger verwerllich sciicinl es, die einfiili- 
rnug der woelic und der tagnanien den ('bristen beizule- 
geu« so gut sie unter heidnischen Körnern in gaug ka- 
men, konnten sie es unter heidnischen Galliern und Deut- 
schen^ ja, bei dem lebhaften verkebi' dieser drei vülker ist 
eine schnelle Verbreitung überaus natüi-lieli. Das Christen- 
tbum hatte die )üdisclic woclie, und duidelc namen, die 
ihm ein häufiger anslofs. aber bereits zu tief eingewurzelt 
waren und sieb nur theiiweise verdrängen Helsen. Jene 
Worte Gregors zeigen den ganzen Widerwillen der geist* 
lichkeit, und noch deutlicher gebt er aus der (im syn» 
tagma de baptismo p. 190 gedruckten) Sufscrung eines 
isiHndißchcn bischofs im }• 1107 hervor, welcher sie wirk- 
lich für Island abschafite und durch blofse zablnalimen er- 
setzte. Wie hätten |cnials die bekchrer gelitten, dafs ver- 
hafste namcn der abgöttcr den ncubekehiien zum tägli- 
chen gebrauch überliefert würden, wären sie nicht schott 
längst unter dem volk hergcbraclit gewesen? und wie 
hätten in Deutschland die lateinischen gutler in deutsclie 
üljcrset/l werden dürfen . gleichsam um sie dem volk erst 
»n bl nahe zu rücken . wenn dieses nicbl schon jabrlinn- 
tlerle lang damil verlraia gcNNrsou wiiie? 

Das liobe aller der überl ragungen (»rgibt sicli auch 
ganz ans ilner genaueji eiimlinnnung mit dem s|)iar]ii;e- 
bi aui Ii der ersten iabrlmnderle . sobald es dai auf ankam, 
deutsche gütler in römische zu verwandeln. iSIeiuer ver- 



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GÜTTEa 9t 

niulung zufolge niurs ilio einfiiliriuig der woclieiilagiianicQ 
wenigstens in cLns viorle oder fünfte jli. bei uns gesetzt 
werden ; vielleiciit halle %ie uiclil überall in DeuUcldand 
xuglcich statu 

Unsere vorfnliren, in nalnrliclier läuschung befangen, 
huhcn woi S( hon friilic an, den Ursprung der -woclicn- 
tagnanioii auf die eignen t^ütter ihrer Iieinial zu beziehen. 

\^ illieimns nialniesbur. . die ankimfl der Sat hsen in 
biitannien Ijericblend, erz.dilt von llen^ist und Morsa, dafs 
sie fius dem edelsten gcschlecht absianinilen : erant enim 
abnepotes illius antiquissinü puden^ de quo oninium pene 
barbararum gentium regiuni genus lincam trahit, quemque 
gentes Anglonim deum esse deliranles ei qiiarturn diem 
septimanae et sex tum uxori ejus Freae pcrpetuo ad hoe 
tcmpus consecraverunt sacrilegto (Savile 1601. p. 9.) Um«^. 
ständlieber bei Galfridus nionemut. (lib. 6. ed« 15tt7 fi« 
43«) HengtBl sagt za Vortigern: ingressi suinu» niaria, 
regnum tuum dnkt» Mercurio petivinius. ad nonien iiaque 
Mercurii erecto vultu rex inquiril, cujusiiiodi reUgionem 
baberent? cui Hengiatus: deos patrios Satitmimi^ aique 
eeleroS) qni mimdum gubeniant« colbnus maxime Hervu^ 
rium (wie bei Tac. 9.) quem fVoden liugtia nostra ap« 
pellamus. liuic yeteres nostri dicaveruut quartam sopii« 
maiiae feriam, quae mqae in hodiemum diem nomen 
fFodenendai de nomiae ipsius sorlita est. post üium 
ofdirnns cieoin inter ceteras potentissimam , cui et dicave* 
mal 9extam feriaDi, quam de nomine ejus Fredai vocft» 
mos. Da Matdiaeus westmonast. (ilores, ed. 1601. p. S2) 
in einzelnem abweicht, mögen auch noch seine woiie liier 
Stdien: cumrpie tandem in piaesculia regis (Vortigerni) 
ewenl constilnlL (piaesivit ab eis, quam fidem , (juani re- 
ligioneni ])alJ os cor um coluissenl? cui liengi.sliis : deos j)a'* 
triosj scilicei Satiirnuni^ Joi^eni atipie ceteros, qul mun- 
dum gnbernanl , colimus. maxime autem^ Mercuriitmy 
<|Ui i)i liiii^ua nustia Joden appellamus. liuic patres nostri 
\i k'i es d('<li( aveiMuil (piarlam feriam sepliniauac . (piac in 
Imiic lioiliernum iliom l^odetiesday appellatur. posl illum 
roliniu?* (b'am inier ceKrab puleiilissimani, vocabulo Freaitty 
cujus \ucabulo Friday apprllanuis. Frea ut volunt qui- 
dani idem est qviod J Cfius et dititur Frea, quasi Froa a 
frodos, cpiod est spunia uiaiis. de qua nata est V'eruis se- 
nuidiun fubulas, unde idem dies aj)pelialur dies V e/ieris. 
Die angelsächsische sage, unbesorgt um ilie mischung eig- 
ner und fremder fabei, zweifell also gar nicht an dem 
hohen allerüium der namen unler ihrem voik. 



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M GOTTBR 

CiilMdier Ihifiert sich Saxo gramm. p. 103 ikher die 
nordisclie benenuung, sie rülii^ \on den lieuiiidchen gut- 
lern her, diese aber seien nic^^t einerlei mit den lateini- 
8chcn. das beweisen iJini Thor und Othi/i. nacli Avelcheu 
der lünfte und vierte lag der woclie genannt vverde , wie 
ini latein nach Jupiter und Mercitr. ilenn Tlior, als 
Othins Sühn, Jasse sieli (UMn Jupilor, d. Ii. INlercurs \aler 
unniüglirli vergleichen, folglu h auch nicht ih-r nnrd. Othin, 
Thuih \aler, dem roniisclien iMeTcur, d. h. Jupiters snlme. 
der unterschied ist allerdinss triftig, es celit aber daraus 
uur hciNur, dals zu der zeit, wo man Olliin und INlercur 
gleiebzuslelieii begann, INlercur als ein cellisther iiotl und 
'wulu'scheiuiich mit selir von ilci classischen vorstelhmg 
abweichenden eigensclialten gedacht wurde. In seinem sinn 
hat Saxo ganz reclit , und seine bemerknng bestätigt d«a 
frühen iieidnisclien Ursprung dieser lagnanien. *) 

Auch die Varianten, nach Verschiedenheit der volks« 
•lämme, verdienen alle rückaicht; «ie lehreii| dals die hc« 
nennun^en nicht gerade etarr anfgenommen oder beibe- 
halten wurden, sondern nationalbegrüTe immer noch ein 
gewisses recht darauf ausübten* das längere heideuthum 
in Friesland und Sachsen machte 9 dals die alten namen 
des vierten und siebenten tags fortwährten, während sie 
in Hochdeutsdüand schon vergessen waren* TorsügUch be» 
deutsam ist uns aber die abweidiung der Alamannen und 
Baiem bei dem dritten tag: wie hfitte sie erst in spMtow 
Mity als die Vorstellung von dem heidnischen gott, der den 
Mars repräsentiert y bereits yerworren war 9 entspringeii 
mögen? wie die christlidie geistlichkeit, wenn von ihr die 
namengebung ausgegangen wäre, eine solche imterscheiduiig 
genehmigen können? 

Alle hinter uns liegenden vOlker, Slaven, Litthauer, 
Finnen, kennen die planetentaguamen nicht, sondern wäh- 
len, gleich den Griechen ; nicht weil sie später bekehi-l, 
sondern spater mit der hiteinischen bihhmg veitrant wur- 
den, auch die von Ii) /anz aus ergeheinle christianisiernng 
entschied hierbei nichts, sie lialte iww auf einen thcil ii«*r 
Slaven einlhils, auf Litlliaucr und Finnen keinen. Sie 
zählen aber so. dals sie \on nnjntag, als erstem tag nach 
der rulie, anheben, folglich dienslag ihr zweiter, donners- 
tag ihr vierler ist, ganz abweichend von der lat. und i»l. 
/.ahlnng, die den montag als zweiten, den donnerstaij als 
luuiteu anmniint. daher ist der slav. patek frei tag, jener 

*) vgL Pet. br. Mfilter om Ssxo p. 79. 



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GÖTTEa 



ohonl. pfiiiztag donnerslag. die mitte der woche ncuiien 
8ie sreda , sncda, srida (w<dier litlli. semida 1 . M as > ieU 
leirlil auf die liui lid. benciiiuiiig eiiiwii klo. \ur bei dea 
hiiiebnrgor \Vendeii isl eine spur des gollcnianK'iis , dies 
Jüvis liiels ihnen Pevendan y von Peren , Permi, doniier« 
golt ; 'wie es scheint blül'He nachaliinting des deutschen na« 
men», da sie in den übrigen lagen mit den andern Slaven 
einstimiTien. 

Aiiffallendy dafs in den altböhm« gjossaren (Hanka 
54, 165)Merciir, Venus und Saturn eben in der folge der 
woclienlage aufgeführt werden, und dai's überlianpt «lavi* 
sehe götter, wqww sie mit lateiniselieu zusanunengeetellt 
sind, gewöhnlich unter jene wocliengüttlieiten geliören* 
Und wahrend sirh von den alislaviechcn gütteni Perun 
dem Jupiter (Thor) , Lada der Venus [ Freya) bestimmt 
vergleidien, werden die planetennamen däercur^ Jupiter^ 
yeaus^ Saturn^ allböbm. glossiert dobrooan, kraiemocz, 
chtytet (cztylel), liladolet (Hanka a. a. o«), d. h* durch 
nraschreibuug gedeutel. warum liegt aber in Merciv der 
begi iC guter herr? hängt es mit jener celtischen ausdeli« 
BUDg seines cultus zusammen , die ihn geschickt machte^ 
die roUe eines deutschen hauptgoltes, des Wuotan^ su 
abemehimeu? 

Reines ergebnis dieser betrachtungen ist, dafs wir be« 
rechtigt sind, in lateinischen, Deutschland und seine göttev 
behandelnden denkmälern, mit grüfster Wahrscheinlichkeit 
Mercurius von Wuotaii, Jupiter ^on Donar und Mars 
YOn Ziu zu verstellen, die verdeutsclitcn wochentaggüller 
sind eine probe auf des Tacitus iuterprelatio ruiuaua. 



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M 



WUOTAN 



CAP. VU. WUOTAN. 

Die höchste niid obei*8te gotlheil, ^'ie man annehmen 
darf, allgemein unter allen deutschen Stämmen verehrt, 
würde in gothischer mundart geheifsen haben Vbdaiis oder 
V6than9^ sie liiefs ahd. fVuotan, und diese benenonng 
erscheint noch, wenn gleich selten^ als eigenname: if^uth- 
tan trad. fuld. 1, 149. fVoatan 2. 146. 152. Longobar- 
den scliriebcn ff^ödan oder (ruddaN, AllsaclispTi fVtwdaa^ 
TVodan^ wiodoi iim in Wcstplialrii, nnl dem vorli itl des G, 
Giiudan ^ Giidan, Angelsachsen /^dde/i y Friesen fi cda, 
nach der neigung ihres dialeels auslautendes N wegzuwer- 
fen, und u auch ohne foliiendes i umzulauten, die nord. 
form ist Odfiinn, bei Saxo Ol/iini^ff, fioruisch Oitidri fsen. 
Ouvnns, acc.OuvanO In (iravd)ii ndcn, woraus die tiefliuclid. 
verbreilung des namens hervorgeht, Jial die romanische 
Sprache den ausdruck f'^ut Alaiiianuen oder Burgundcn der 
frühsten zeit ahgcluirt, und, im sinn von abgoit, götze (1 
Cor. 8, 4) bis heute bewalirt. *) 

Unzweifeüiaft ist wol die unmittelbare abkunft dieses 
Wortes aus dem verbuni ahd. watan, wuot, altn. vadha, 
ddh* welches buchstäblich dem lat« vadere entspricht , und 
mearci transmeare bedeutet, cum impetu ferrL ebendaher 
slammt das subst. Ufttotj das, wie fUvoQ and animiis, ei* 
genilich mens, ingenium, dann ungestiun und Wildheit aus- 
drückt; im nltn. 6dhr haftet noch ganz die bedeutung 
mens oder sensus. **) Hiernacli sclieint fVuotan^ Odhinn 
das albiiachligc, alldurehdringende wesen, qui oninia per- 
nieat; Avie l.ucan von .lupiler sagt: est (juodcuaij^ue viJes, 
quocuufjue moveris, die geistige gollluMl. '^^'^•') 

A\ io f'riibe a])er dieser ur])egrif verdiuikelt oder erlo- 
schen Avar. laisl sicfi nicht sagen, sclion unter den Heiden 
nuifs neben der bedeutinig des mach l igen und weisen gol- 
tes die des wilden, ungestümen und heiligen gewaltet ha- 
ben« um so wülkonunner war es den Christen, die übele 

•) Conradis wh. 263. Cliristmann p. 30-32. 

"3 tla:> iiorli iiiciit >ullig aulgtklärte gotli. udthi II Cor. 2, 15 abd. 
Diut. 2, 304» alt«, wuothi H«S. 20, H. 140, 7 muni eotw. »U 
gaoB nnverwaudt angesehen« oder in der bedeutuii; vermittelt werdea. 
***) daa iMt auch Fian MagntiMeB gtfonden, lex. myth. «21. 636. 



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WUOTAN. yj 

ans dem iiameii selbsl hervorzuheben. in den allesleu 
glossen verdeutsciil wutnn tyrauiuis, hcnis malus, Diut. 1, 
276^ I^L Kcr. 270; ebenso gelimucht man später und noch 
lieute mieierich^ wiiterivli (^gramni. '2, 516) vgl. ein nn- 
gestiiemer 'wüeterSch. Ben. 431; wie INlar. 217 Herodcs 
mordknecbte Mrüetertche heifsoiy nennt ihn 0. 1. 19, 18 
wsQx^i gotea>uoto^ die ionn. wuotunc \\ird sich davon niclit 
nnterscheiden .* ein nngedmrktes gedieht des 13 jh. sagt 
fVäetungea her, es scheint, für das wütende, gleichsam 
von VViiotan angeführte lieer, und auch ü^uotiMv ist 
ein ahd. eigenname, ff^'ddunc trad* patav. nr. 19. Die 
alte goUheit^ war herabgewürdigt zu einem büsen, teuflischen, 
grausamen wesen. 

Beweise für den allgemein verbreiteten Wuotancnltus 
ergeben sidi einmal aus den im vorigen cap. gesanunelten 
Stelleu über Mercnriun^ dann aus des Jonas von Bobbio 
(s. 34. 85), des Paulus Diaconus Zeugnis und der abrenunti- 
atio; welclie noch näher erwogen werden soll, endlich ans 
dem zusammentrefTen einer reihe von einzelnen lunständen, 
die, wie ich glaube, bisher übersehen worden sind. 

Nach der hcidiiisclien vorslcliung ist Wuotan niclit 
hlof* der vvcltlerd\ende , weise, kunsteifaliiiio gott. er ist 
aiich ordtier der krit^i^e und srIilaclileiK Adam von lire- 
Jiien sagt von dem norfli^cheii : \\ udau id est foi iior, bella 
rejjit, homiiinm(pie niiiusirat virluloni contra inimicos. . , 
^^uil.1lKMn sculputit (Svconevs) aiuial iiiti sicut uoslri ^lar- 
tom snilporo sfdorit. Aach der edda gcliuicn ilim alle im 
kämpf Jiilli/ulen (mUcii (Sicm. 77^), dem 1 hör die kneclile, 
wns ober gesagt sclieinl, um diesen herjihziiw iirdigen ; nach 
einer andern sielle • Saim. 42^) theilt sidi Krcya mit Od- 
lunn in die c/iefii er heilst valfadir und herfadir, 

eidem prostratorum Tfia.itH muncris loco dedicalurum se 
polUcelur (llaraldus.) 8a\o p. 14f). Olhinns armipotena 
p. 37; auclor nciei corniculatae. p. 138. 139. 146; er lehrt 
die, welche kein schweri verwundet, mit kiesein nieder« 
schlagen, id. |k 157. 

TSiicht verwundern darf es also, wenn er mit Zin oder 
Tj^r, dem eigentlichen kriegsgolt verwechselt wird, und in 
ffaier glossc zu Jonas von Bobbio, der ilim mit recht dem 
Mercur gleich stellt (s. 85), steht: qtii apud eos (Ala* 
mannos) yiudant (part. praes. non wuotan) vocatur, La- 
tini atitem Mnrlein ilhim appellant. mögen auch Adoms 
Worte 'sicut nostri Mariem sculpere solent' so genommen 
werden, dafs nostri bedeutete Saxones? er kann freihVIi 
die mit dn* römischen mythologie bekannten meinen. 



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WLOTAiN. 



Zumal Iclirl die nierk>vilrdige , von Paulus Diaconus 
1, 8 auflJe^valuie sage, tlafs es Woilaii ist, wokher sieg 
Uiht^ dem einher jener uralle naiue siliora '^8. 18) vor 
allen übrigen güllern luid in den cdden der beiname Sig^ 
fyr i 8;vni. 248* Sn. 941 gebiihrl : roferl hoc loco anliqui- 
la.s ridiculani labulam , quod acredenles XA'aiulali ad //^o- 
f/a//, victorlani de AVinilis posttilax'erint^ i!!('(|ue respon- 
dcril, se iilis victoriam dattintni ^ fjuos prinium oritnte 
sola couspexissct. Tunc accessis.se Gambaram ad Frr mt^ 
WLorem fVodan, et Winilis « /r /o/va/?! po^fu/asse, Frtnui' 

coasiiium dedisec, ut Winiionini niulieres solulos cri- 
lies ergpi faeiem ad barbae sunililudinem comi^onerent, 
I7ia/7eque prinio cum vlris adessent» scseqne a fVodan 
videndae panier e regiune, qua ille per fenestmiit orien- 
tem versus erat solitus ndspicere, cuUocarenl; atquc ita 
factum fiuMe» Quas cum IVodan conspiceret Oriente sole» 
dixtsse: qui sunt isli •Langobardi? Xsxaz Fream subjunxisse, 
ut quibus nomen tribuerat, victoriam condonaret^ sicque 
Witiilis j^ofl^a/t victoriam concessUse. Naclidem nunPau* 
lu8, nU CliTABt, die bemeriiung gemacht bal : Laec risu digna 
aimt) et pra nihilo liabenda: victoria enim non potestati 
est adlributa hominum, sed e coelo potius miuistratur, fugt 
er eine nähere erklSrung des namens der Longobarden 
hinzu: cerinm tarnen est Longobardos ab iutactae ferro 
barbae longitudine, ciun primitus Wintli dictt fuerint, ita 
poetniodum appellatos. nam juxta illonun liuguam lang 
lougani, hart barbam significat. Wodan sane, quem ad- 
jecla litera Gtvodan dixerunt, et ah universis Gennaniae 
gentlhiiH^ ut deus adoralur, qui non circa baec tempora, 
setl lojige aulerius, ncc iu Germania, sed in Graecia luisse 
perliibelur. 

Die ganze fabel tragt das geprägc hohen allci ilmni«, 
sie ist auch schon vor Paidus von aiidcrn, nnd nhwrichend, 
erzählt Avordcn; in der bist. Francor. epitoniala, die \venn 
gleich nicht l'Vedegar, doch einen Schriftsteller des sieben- 
ten jlu zum Verfasser liat. statt der A\ andaler ^verdcn 
lüer Chuni genannt: cum a Chnnis (liangohardi) Danul>ium 
transeunles luissent comperli, eis belhun conali sunt in- 
fcrre. inleirugali a Cliunis, quare gens corum lerminos 
inliuirc praesunieret ? at iili nudieribns suis praecipiunt, 
coniani ca])itis ad niaxillas et mentum ligare, quo potius vi- 
rorum liabitum simulanles plurimam mulliludinem hostium 
oslendereut, eo quod erant mulierum comac circa maxülas 
et meaium ad instar barbae valde longac : fertur desiiper 
utraeque phalangae vox dixisse: *hi sunt Langobardi 1' 



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WtOTAN. 9/ 

* 

quod ab Iiis geniibus ferliir eoruin deum fiiisse loculiim, 
quem fanatici nominant Woäanuni ' al. \Yisodaiio.) Tlinc 
Langobanli cum damassenl, qiii inslilueral jionifMi . ro«- 
c^dtret victoriam, in hoc praclio Cluinos sopeianr. Bou* 
quet 2, 406.) Hier bleibt Frea uud ihr raüiaciiiag aus 
dem spiel , die nameDgebendo sdiiime des cotte« mdialit 
au3 der luft Jicrab. 

Es Mar siUc, dafs wer namen erlbeilte eine gäbe fol^ 
gen lassen nuistc. *) odan sali sich gehalten den sieg 
zu .verleihen denen er den neuen namen beigelegt hatteb 
darin lag th'e gunst des stiiicUsal», denn das volk woUle 
durch njannliclij^eschmiickle fVnuen nichts als die «»M 
seiner krio-cr > ergrüisern. Ich braudie kaum 8U exiniiern^ 
dals diese mythische deuiung des namens Langobarden falsdi 
i»t, so viel glauben sie im nnltelalter fand.**) 

Die sage liai aber noch einen aug, der uns nicht ent^ 
gehen darf. Wodan, aus seiner himmlischen wohming, 
schaut durch ein fenster zur erde nieder . ToUkommen 
der altnordischen Vorstellung gemäTs. Odhinli hat emen 
thron, HlulhskialJ genannt, auf dem er sitzend die ge- 
sainmte vrcU überscliauen und alles, was unter den nien* 
sehen vorgeht, höien kann: thar er einn stadhr erHlidlisciaif 
hcitir, oc dul er üdliinn seiliz thar t lUUnti, thft edhann of alla 
heima, oc \ issi alla luti thd er hann sL Sn. 10. oc er 
Allfödr silr I ihvl steii, thäsecFuinn oj Man heim. 8n. 21. 
als sich Loki verbergen woUte, hatte Odhinn von diesem 
Silz aus seinen aufenthalt ersp^t. Sn. 69. «uweUen wird 
auchlTigg, seine gemahlm, neben ihm sitzend gedacht, und 
dann erfreut sie sich derselben aussieht. Odliinn ok Frigg 
•äio t HUdhsdalfo, ok ad um heinia alla. Saim. 39. ////z- 
slar (lauscht) Odhinn Hüdhscialfo f. Saim. m\ das sinn- 
Itthe heidenthnm macht aber die güllliche eigcnschaft alles 
zu durchschauen abhängig von der stelle oder einrichuuig 
des stuls, und wie sie dem gott, vvcnn er nicht darauf 
Biwergelassen ist, abgeht, können andere, sobald sie ihn 
eumeUmen, ihrer theühafiig werden, dies war der fall, 
sls Frejrr von diesem sitz herab in lötunhei.n die schünc 
Oerdhr erbUckte : Freyr hafdhi setze \ Hlidli.kiall, oc sd 
tm hewia a lla. 8a m. 81. Sn. 39. hUdh^dalf scheint 

'V**^./^**^* Moroni, fiö?. 3, 1P2. 203. 

?!? ^^V. . 3> y-^-^ '^<>3. I^lend. 

wg. a. 14B. 194. Tocaboll largitionem mnneris additioiie commeiidare 
wo gramni. 71. 

LoogebardiakMigii Uriwrocitaa Ott» liris.de gsatWid. 9, I«. 

r 



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«6 



WÜOTAN 



wörlUch thürbank, von hlitlli (osüum) und skialf (ec«- 
umuni), ag8. scylfe, Cadm. 79, 4. engl, slielf. 

Diese iclee eines sitzcs im himiiiel, \on dem golt zur 
erde selie, ist unter ileni volk no( Ii iiiclit erlosrhen. die 
formein qui haut siel el de luini; luire. fjui liaiii siet el 
loins vüit (oben s. 10) sollen das uiclil brwciscMi . denn 
überall dacbte man sich die gotlhcil in iler li(<lio iliruiiend 
und weit umher schauend. Aber ein verbreitelos marchea 
erzählt von einem j;lorblIcben meuhdieii. dvn der heil. Fe- 
lms in den himmei eingelassen . und der neugierig zuletzt 
auF den ^inl des hcrrn stieg, i'c/i tvclvhein herab man 
alles sehen kann, was auf dem ganzen erdreich ge- 
aclue/U» er sieht eine Wäscherin zwei Iraucnscldeier steh- 
len, ergreift im zorn den vor dem stul stehenden schemel 
des herrn (oder ein stulbein) und wirft liinab nach der 
diebin. "^j 8o weit hat sich die alte fabel gediicbtel. Sollte 
nickt ein juhd. gedieht auf sie anspielen (Am^b. 3^): 
der nü den lüinel hki erkom 
der geiselt uns bi unser habe: 
ich vürlite sere, unt \nrt im zorn, 
den alegel wirft er uns her abe. 
Nach einem serbieclien lied (Yuk 4, 9) steigen die engd 
vom * Jen^Ur goUes (od boxJiijeg prozora) zur erde nie- 
der $ prozor (fenster), erinnert an zora (morgenruthe) pro- 
zorje (moi^endämmerang) und an den in der frühe gegen 
Sonnenaufgang schauenden Wodan, die morgenröifie ist 
gleidisam der ofiie himmei y aus dem gott in ctie weit sieht. 

Auch was Paul* Diac* i, 20 von dem zürnendien goU 
(oben s« 13), als die kämpfenden Heruler ihren gegncm 
unterlagen» meldet, mOchte idi auf Wiaotan beziehen: 
tanta super eos coeiiius ira reapexit; und hernach: vae 
tibi misera HeruUa, quae coelesti» domin i flecteris ira! 
vgl. EgUssaga p. 365 reid/ir b4 rögn ok Odhinn! und 
fomald. süg. 1, 501 gramr er ydhr Odhiim. 

Sieg war in den angen unserer vorfaliren erste und 

höchste aller uaben, doch betrachteten sie Wuotan nicht 

blüls als 8ieg\ ei U'iher , er ihnen überhaupt für den 

^oU, von dessen gnade der iiicnoch jede andeic auszcicii- 
# 

•) kltKicrinnnlien num. 35. Freys- gartengesellschaft, cap. 109 
1556 |). 106. cd. 1590 p. 85. Rollwagenbuchldo 1590. p. 98. 99. 
(wo eio güUlner sensel.) Mosers vermiachte scliriften 1 , 8S2. % SM. 
Tkron oder ,siul wird deo gottern oach der grieiliisriien and aMaoffd. 
rorstelliing beigelegt: tlil geog^ogo regia dll irökaUla%\sMii<^ godb. 



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WUOTAN 



Aung «i erwarten hat, er war der gewallige scbOpfer 

und bilder iogliches giits. 

Den iiibej;rif von heil und Seligkeit, die erfiillnng al- 
ler gal)Lii, sclioiiit die alte spräche mit einem einzigen 
Avorle, tlesscii beilenUing sieh iiaelilier \erciigerle, auszu- 
drücken, es hicls der ii^unsrh. dieses worl ist ^va!^^schein- 
lich von wuuja, >vunnja, ^vünne, Freude al)stajiijneiul, wii- 
nisc, wunsr, Vollkommenheit in jeilcr art , M as Avir ideal 
nonricii >vüi(len. so Fraueiid. 87 'iler ^vunsch von edlem 
obze' das edelsle obsl*, Parz. 2.50, 25 *erden ^vunschea 
rlclie', reich an allen gahen der erde; 235, 24 *erden 
Mtuusches iiber>val'; Trist. 1374 'in dem vviuische sweben,' 
in voller beiriedigiing ; und der zauberhafte stab, durch 
dessen anschlagen sclialze erworben werden , hie Ts wunsci- 
ligerta, wünschehHUlie , vgl. Parz« 235, 22 'wurzel unde 
^ des Wunsches«' die bedeutiuig des begehrens und Ter* 
langens nach solchen yollkommenlieiten mag sich erst zu- 
fittlig mit dem worle wuntc, altn. 6sb verbunden haben. 

Unter den eddischen namen Odhint kommt nun auch 
Tor Osc2. Saem« 46^* 8n« 3. 24 ^ d« h, der die menschen 
des wunachesy der höchsten gäbe theUhaltig machende. 

Hiermit zusammenhängend, also Überrest altbeidnißches 
glaubens, sc heint mir noch, dafs unsere dichter des l > jh. 

wurisc/i |)t r^-^unificieren und als ein gewaltiges, srhupferi- 
sches vvesen tlarslclleii. die meisten belege dalijr lielerl 
Conrad von Wiirzburg : 

der iyunsch jnit sfner herule 

vor wandel bete si gelvvageii. Troj. 1212. 

der n^u/isch hat ane iougeu 

erzeiget an ir sni kraft, 

und siner hiinste meistcrschaft 

mit vlize an ir bevvert. Troj. 7569. 

dor rrunsch h&t m gemach e.L wandels vrf, Troj. 3154. 
der JVurisch der hcte an si geleit 
miJlizeM denne üf eliiu wip. Troj. 19620. 
aO oaz er niemer wlbes leben 
(nr sie geBeliepjen wolde baz ; 

dö ün gewalt ir bilde maz^ (vgl. mczzen oben s. 72») 

dd leit er an sie manec modeU Troj. 19627. ' ^ 

und htete sin der fVunach geswom, 

er Wolde bilden ein achoener wlp, 

und adiepfen alsd klaren Itp 

als Helena min frouwe treit; 

er müeste brechen sfnen eit: 

7* 



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100 



WÜOTAN 



wan er kuudc niemer, 
und sült^r tu I den iemer, 

geschopfen wiinncc liclier frulit. Truj. 19726-32. 
aber aucli atulero ilirlilcr: 
an ir sciucnc was wol scliin, 
daz ir der fViinsch gedalilo. Wigal. 9281. 
der fVansck hei sich geneiget in ir ecwalt. das. 004, 
Ln was der fVun^ch bereit, das. 10592. 
dc8 Wunsches amte (die voUkommenste). das« 7906« 
wen niolite da erlangeiit 
dä der JVansch inne was, das. 10012. 
der JVunsch hete jüUi ges])art. das. 03« 
der fVunai'h liet si gemacliet su, 
und ist ir zc kinde i^r6. ArniW 1338. 
zw^oe ritcr gestalt 
sd gar in IViuisvhea getpalt, 

au dorn libe uudo nn den silcn. Tw. 6915. 
der Pl^unsi'li vliwv.liet im. Iw. 7066. **) 
si liAt des JVunachea gemilt, Anigb, 31^. 
wir sehen iu diesen stellen dem \\ Unsch bände , geM'slt, 
fleifsy kunst beigelegt, er schalt , bildet , denkt, neigt sichj 
scJiwürt, freut sich imd sürnt, nimmt zu kinde oder zur 
(rcundin an: alle solche» beinahe stehenden , rcdeiisarten 
wMren schwerlich in poesie und spräche entsprungen und 
erhalten y bezögen sie sich nicht unbewust auf ein höhe- 
res wesen^ von dem die vorzeit lebendigere vorstelhmg i 
hatte« man dürfte in den meisten beispielen den namen 
goites an die stelle von fVunBchy oder in den s. 13 
mitgetheilten ausdrucksweisen von dem irohen, zürnenden 
gott, Wunsch setzen, freudenvol Mt si gut gegozzen 
(MS« 2, 236^), der Wunsch maz ir bilde, jenes gramr 
er ydhr Oditinn (s. 98) könnte mhd« gegeben werden: 
* der Wunsch zürnet iu, die weit ist eudi gram. 

Der nordischen Wortbildung entspräche genau betrach* 
tet ein ahd. Wunsco^ Wunscjo, das icJi nicht einmal als 
eigennanien nachweisen kann; die nibd, form li^unsclte 
läCsl sich iiitlil aus Troj. 3154. 7569. 19620. 19726 (der 
slrafbb. hs.j reclitferligen : nietrum und der gen. auf -es 
widerslreben ihr. Vielleitiit ahtr daif noch hierher ge- 
nommen werdcu , dafs in der ag«?. stamnisage unter den 
mylhlsciien beiden von Dcira ein uscjreci^ gleiclisam ein 
herr des wuusclies, auftritt. 

*) freat ateh ihrer ■!« seinei ktndei, ttioer hcnrorbrhigung. wHMck- 
Idnt {«r isoiiät «.in adoptisites, aosewunscittes. 

**) 4ie erklärong anm. zn Iw. s. 410 halt« ich fdr falsch. 



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■ 

WtOTAN 101 

Die iiu kämpf gfcfallnen lielden niniml der Eiegvcr- 
leihende golt in seine liiinmlische >vulinui»g aul. \>ahr- 
scheinlich war es glaube aller guten und etlelii nienschen, 
nacli iJuem tud in die nähere genieiubchall der goltheit 
zugelassen zu werden, sterben iieilst darum , und belbst 
nach der chi-islÜLhen aiisii lii, zu gott gehen y zu gott 
heinikehren, ags. uietodsceaj t seon, Beov. 2J60. Cadm* 
104, 31 gott heimsuchen, nach Hcrodot 4, 94 sagten in 
gkM'chenisiun die Tbracier iirui TTaQu Zukjno^t)' . rtßtUi^v) 
diii/ioi'u , und diesen Zainioxes oder Zamolxes hält Jor» 
uandea Itir einen golhisclien (getisclien) vergüllertcu JkölUg. 
Im Wurden liiefs zu Odhirui Jahren^ bei Odhinn zu 
gast seifig Odhitiu heimsuchen nichts als sterben (forn- 
aldarsügur 1, 11«. 42-*. 423. 2, 366) luid vrar gleiclibe« 
deutend mit nach Valhüll fahren , in Valhüll zu gast sein, 
(das iy 10b.) Unter den Christen wurden aber Verwün- 
schungen 'daraus: far tJiu til Odhinn i Odhinn ei gi thik l 
Hier zeigt sich rcclii die unikelirung des gütigen wesenn, 
bi'i dem 0ian bleiben will, in ein bü8eS| dessen autentlialt 
furclit und sclireckcn eiunüfst. 

Von den eigentbümliciikeiten der gestalt und Üufse* 
reo erscheinung des uoites, wie sie in den nordischen niy- 
then ausgeprägt sind, habe iih bei uns in DeutScUand 
keine spur mehr angetroü'eu. Odhinn isi einäugig und tragt 
einen, frrei/e/i hut. als er aus JMlmis brunnen su trinken 
begclu^tOy muste er eins seiner äugen su pfand lassen 
(Stern. 4* Sil« 15.) bei Saxo p. 12 tritt er auf als gran" 
daepua^ {Utero orbus ovtiio$ p« 37 armi[)otens, uno 
Semper contentus ocello; p* 138 senex orbus ocuiisf 
hiMpido amivtu» ebenso in den sagen: kom thar madhr 
gamailf miük ordiispakr, einsfnn ok augdapr, ok hafdlii 
hau uidltan. forum, sog. 2, 138. kann helir hehlu fleh-^ 
höUa yfir aer, 84 madhr var berfcettr ok hufdhi knj'tt • 
llitbrökum at beini^ han var hdr miük ok eldiiigr ok ei/z- 
Vfnn, fornald, süg. i , 120. tha kom madhr t bardagaun 
medh sidhan halt ok heklu bläf hann hardhi eitt auga 
ok gcir 1 hendL das. 1» 145« thetta mun Odhinn gamli 
ferit hafsy ok at viSu var madhrinn einaynn, dos. 05. 
s4 hann mann mikinn medh atdhuni hetti* das. 5 ^ 250. 
Otlunus, OS jnleo, nc cuUu proderetur, ohntibe/is, 8axa 
gramm. 44. schon in einem eddischen llede heifbt er Sidh^ 
höttr fder breilhutijje , Sann. 46'*, in einer ^a^e blufs Jlöttr 
(der hiiii-c. iiclmtcte i lui nahl. sog. 2, 2.i. 26. vgl. .Müllers 
^agahibl. 142. ohne hmmmi iianien im (»i iiniilsn».H würde 
ich \ermuteu, ct^ sei abwicht der Chrisleu ^ den ah^ goU 



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IQ» WUOTAN 



durcli ärmlichen anziig herabzusetsen, oder er wolle , in 
den inentel gehallt, eich den Christen verbergen« darf an 

die plleati de» Jornandes gedacht werden? 

Die iiord. niylhe lej;l Üdliiiin einen wunder])arcn 
spt'cr . namens Gungnir bei (Sjem. 196. 8n. 72). den ich 
ilor lair/.e oder dem schwort des Mars, nicht dein sta])C 
iMcicurs vergleiche, diesen sptn'i- leiht er den lielden zum 
sieg (Siom. 165.) eine niei kwiirdige blelle, fornm. sog. 5, 

sagt : seldi liomini reyr.y)ruta ( den specr von rolir^' t 
hönd , ok badli ]iann skiola lionuni yfir lidh Stvi biarnar, 
ok thal skyldi liannniivla: Odliinn a ydlir alla! alle feinde, 
Über die der geschossene specr fliegt, werden dem lode 
geweiht} und der ihn abschici'sende eihält den Bieg, auch 
Eyrbygg. saga p. 228: tha skaiil Steinth^rr spioti al forntm 
sidJif tii heilla ser yfir flock Snorra, vro fireilich nicht ge- 
sagt ist| dai's es des gottes Speer war, der über den feind 
geschwungen wh*d«. 

£s ist bekannt, dafs schon im höchsten altertfaum die 
sieben steme, welche am nOrdllchen himmel den b&ren 
bilden, als ein vierraderiger wagen Torgestellt werden, 
dessen deichsei aus den drei abwärts geneigten Sternen besteht 

"JlQytTov S-*, ilv %al & fvulav inixXfjotv uccXiovott^» 
11. 18, 487. Od. 5, 273. 80 auch in ahd. glossen ursa wa' 
gen. Jiin. 304. mhd. himelwagen Waith. 54, 3. am 
deutlichsten erklärt N. Cap. 64: selbin ttrsa ist pi domo 
norde niatmelkhemo zeichenhaftin füne dien siben glaten 
sleriioii, die all^r der liut wagen heizet, nnde nah einenio 
gloccun loche**) gescafTen sint , unde ebenmichel sint, ane 
des niillehjslen. den Angelsachsen liiefs dieses gestiin 
vcvnea thisl (wagendeiclisei) oder bloFs tJihl, es w ird aber 
auch carles t^ren bei Lye an/^efiiJirl, dem engl. cJiarles 
i%>aifi entsprechend, drin, harlsvogn^ schwed. karlwagn, 
ist Jiier karl gleichviel mit herr, wie sich herrenwagea 
in gleicJiem sinn darbietet? oder ist es tibertragutig auf 
den berühmten könig der christlichen sage? worauf es 
uns aber ankommt, die constellation mag in der heidnischen 
seit den vollständigen namen fVuotanea wagan geffiiut 
haben, nach dem obersten golt des himmels« die nieder* 
ländische spräche seugt dafnr, noch in einem ms.yon 1470: 
ende de poeten in heure fahlen heetent (das gestirn) ourse, 
dat is te scgghene PFoensu^aghen ; und anderwärts: dar 
dit teekin Arclurus, dat wy heeten PVoonswaghen up 



*) sci'tt'ntt loii, (]ue nos char ' / ncl npelou. rooisu d<} Rou« 
") liuri/o:ttaler tragbalke, wie hei glockea. 



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103 



ttaet; hei aev«iiHai*re of de de fVoena^vaghen-^ vgt. 
Iluydec. procven 1, 24. plauslriim IMci cuni habe ich niclü 
geleseu, auch kein altn. Oühiiis vagn, nur r^/^'V/ ä /linintifn. 

\ ielJcicht hicl's auch, in einigen at itJulen, die grolse, 
olTenc Jicerslral.se. niil thM* man lani:«' /.vll uen hciiiil einer 
besolulereii heili^keil n crkniipfte , Jl uotafies wer. oder 
strdza 'i in Medei Sachsen erhielt si( Ii die (»rtliche ])eiien- 
nun^: praedinin in J T (jdeiieaa'Pge. Dielm. nierbeb. p, 31 
(Wagu.) annal. 8axo 272. Johannes de // de/iMvege, llein- 
rieus de PV ddenniveghe ^ (T^enz^ brandenb. nrk. p. 74 l a. 
1273; 161 (a. 1301 j: spuler // ^//tv/.s^cr^T, Godensvlin^ege^ 
eiii dorf bei -Magdeburg. Gero ex (ainilia H' odenswrgi- 
orum, ann. magdeburg. in thron, maricnüial. ."Meibom 3, 
263.) i(li erinnere an die alterlhümliche lusUalion der 
koni/igts streite (IIA. 69), und in Lplandsl. vidherb. balkr 
23; 7 wird der hecrweg genannt karlspeg, gleicii jenem 
luonulischen wagen. 

INoeh deullielier und be/iehungsvollcr sclieinen aijcr die 
iianien einzelner bei'ge, die dem diensl des golles nn beiden- 
thnm gelieiligt waren, al S/gtys bergi. Sa-m. 24^-*. ()l/ie/i,s^ 
berg \jelx.iü/isberg) ;m[' i\cr däu, inselSamsöe; Oilensberg in 
Sclionen. Göllesberg bei Bonn in den urk. des millelallers G//- 
denesberg. üüuüier 1, 211 (a. i, 274 (a. U43) 2, 34,5 

(a. 1265.) iiüweil der heiligen eiche in Hessen, tlie Boni* 
facius sliirzle, lag ein ff^uodenesber^^ der noch in tuk, 
von 1134 (8ehininke beschr. von Cassel p. 30. vgl. Wenk 
3, 79) 80 heilst, s|)aier Vdcneftherg ^ Gudensbergs eines 
Meiu icus conies de ll'udetiesberg . aus anderer gegcud^ 
denkt eine urk. von 1130 in Wedekinds uolcu 1, 367; 
einer ciirtis H^ödcneaberg eine urk* von 973 bei Falke 
Iradit. corb. VU. GotOjisberg (a. 1275) Längs reg. 3, 471« 
Comes fFadMiimontis f später Vaudemotii in Lothringen 
(Don Calmet, tomc 3. preuves XLVlii. L. scheint das- 
selbe, und fiir H^odanimoriB gesetzt, ein f^oänes beorg 
in der ags. chrouik (Ingram p, 27. 62) woraus nachher 
WodnesboroQgh , Wansborough (in Willslure) gemacht 
worde; schon bei Etlielwerd p. 935: facta niiiia magna ex 
tttraquc parte in loco qui dicitur Wodneshyrg^ statt Wod- 
nesberg, doch Florentius ed. 1592. p. 225 hat fVodnea-' 
heorh^ id est mons Wodeni. Dasii nehmen mufs man, 
dalDi bei dem hesabchen Gudensberg die sage geht von 
dem bergversunkenen künig Carl, der daselbst einen sieg 
über die Sachsen erfochten, und dem durstenden beer ei- 
nen brunnen im wald gegcldagen habe, künftig aber ein- 
mal zur rechten zeit, mit seinem beer, aus dem berg her- 



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IM WUOTAN 

vorgehen werde, den mythos vom siegreidieB btter, de» , 
nach waaaer schmachtet, wenden bereits die fränkischen 
anuaiisten auf köuig Carl an (Perts 1, 150« 348), gerade \ 
da, wo sie die serslörung der Irmenaeule vortragen ; er ist , 
aber siclier älter und heidnisch: Saxo gramm. 42 hat ihn 
vun ilcm siegenden Balder. das susammentreffen solcher 
öagcni mit festen plütsen des alten culliis kann nicht anders 
als ilire becleuUanikeil erhöhen uud bestätigen, das volk, 
dem sein glaube zerstört wird, rettet einzelne züge daraus, 
iiidt'in es sie überlriigt auf einen gegenständ neuer ^ uuv er- 
folgter Verehrung. 

Wie diese nanicii , welche den wagen, weg und l)crg 
des alten gotles bezeichnen, vorziiglicli in .Niederdeutsi Jiland, 
wü sich das heidcnllium langer Ijcliauplole, übrig gebliclica 
einil, weist eben daliin auch eine merkwiinh'ge gewolmlieit 
des niedersaclisisclien volks bei der kornernte, man pflegt 
t'iiRMi biischel gelraide auf dem fehl stehen zu lassen dem 
M üden Jär sein pferd, >iach der edda reitet Odhiim 
das besU? aller rosse, den Sleipnir ^ -welchem acht fiifse ' 
zugeschrieben werden (Saim. 46* Sn. 18. 45. 65.;; an 
diese eigenheit, an den namen hat sich keine erlnnerung 
erhalten, aber jenen unschuldigen gebraudi rot tele das chri- 
stentLum weder bei dem nordischen noch dem saclisischen 
landmann völlig aus. In Schonen und ßlekiugen blieb es 
lange sitte, dals die ernter auf dem acker eine gäbe für 
Odens pjerde zurück Uelsen. Die meklenburgische ge- 
wohiiheit schildert Gryse '^*) f ojgendermafsen : )a, im hei- 
den dorn hebben tor tid der ante de meiere dem afgade 
ff'oden umme god korn an^eropen, denn wenn de rog* 
genarnc geendet, heft men up den legten platz eins idcm 
Veldes einen kleinen ord. nnde humpel koms unafgemeiel | 
Stan laten, datsülve baven an den aren drevoldigen to sa- 
mende geschörtet unde besprenget, alle meiere sin dar- | 
umme her getreden, ere Jiode vom loppe genanten (vgl. i 
oben s. 21) unde ere seisen na der sülven wode (?) unde 
geschreuke dem kornbusche upgerichtet, und hebben den | 
fVodendÜpel dremal semplik lud averall also angeropen 
unde gebeden: 

fVode^ hale dinem rosse na voder, 

nu distel unde dorn, 

tom andern |ar beter korn ! 



*) C«'eyci» »cliw. ge&ch. l, 110. 

^ ) de« antichriftU^chen pawestdonu, dorch Nicolaiun Gr/ueo, 

I redigern In Rostock. Rost. 150B* #, bog«n fi ni|l». 



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WLOTaN 



105 



welker af^otlischer gebruk im pawesloni gebleveii. daher 
deuii ok noch an dissen ürii<Mi dar heiUen gcrwanet, bi et- 
liken ackerhiden solker a\ ergelüvischer gebruk in nnro- 
pingc des IVoderi lor liil der arne pespüret wcrd, und ok 
oft dcsülve //^'Z-vr/ze Jcg^r, sotulerlikeu im winlcr des naclites 
up dem Velde mit »inen ja^elhuiiden sik hören lel. 

I)av. Fraiuk (^leklenb. I, 56. 57\ der von alten leu« 
ten das ueinliche c^oliört hat, iülul den reim so an: 
IFode, If'odr, 
lial diucn rosse au voder^ 
nu distei nn dorn, 
äcfiler jar heter körn ! 
auf adhVhen Juden, fii«t er hiir/u. wenn der rogrron ab •^ei, 
werde den erntemeiern // oiit.lbier gereiclit : ft ode/is» 
tafr jrife man koincn lein, damit Jf^odens pferd den Sa- 
men nicht zerln le. in den zwülfleu spinne man nicht und 
lasse keinen llachs auf dem rocken; auf die frage wartim? 
lieifse es: JVode jage liindurch. 

Ich habe mir erzäUien lassen, dafs auch im Oldenbiuv 
gischen (in der gegend von Kioppeuburg) die erntenden 
ein stück lialme auf dem acker nicht abschneiden, und dar* 
um taDzen. vielleicht wird noch jetzt ein reim dazu ge« 
sungen, und sicher geschah es ehmals. 

£ine schaiimburgisclie sitte "wird so beschrieben*): in 
tcfaarea von z;wölf, sechzeim, z^vanzig sensen zieht das volk 
aus zur mahd, es ist so eingerichtet, dafs alle am letzten 
eratetag zugleich fertig sind, oder sie lassen einen streif 
stehen, den sie am ende mit einem schlag hauen kOtmen, 
oder sie fahren nur zum schein mit der sense durch die 
slojipcl, als hätten sie noch zu mähen. Nach dem letzten 
Mnsensdüag heben sie die vrerkzeuge empor, stellen sie 
aufrecht und schlagen mit dem streck dreimal an die klinge» 
Jeder tröpfelt Ton dem gctränke, das er hat, 4» sei |1ner| 
brantwein oder milch, etwas auf den acker, trinkt selbst, 
unter hutwhwingm^ dreimaligem anschlag an die senso 
und dem lauten ausruf fVold, Wold^ Woldl die 
weibsf eilte klopfen alle brotkrumen aus den körben auf 
die Sloppein, jubelnd und singend ziehen sie heim. Fünf- 
zig jähre früher war ein lied gebräuchlich , das Seitdem 
su8ge8tor]>en ist, und dessen erste ölruphe lautete: 

Jl'old. JVdld, IVuld! 

liavenhiine weit wat schiit, 

jiimm hei dal van haveu siit. 

*) TOB Münciihaiueu üt Drftgur VI. I, 2t - 34. 



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m MLüTAN 

vulle krnkcii uii saiigea iiiii liei, 

Upen holte \\ iisst i)ianij;eriei : 

hei is iiii; b.irii im wert iiig oid. 

// o/f/, Jf old, ^ okl! 
unterbleibt die feierlichkeil , so ibt das uucliste jähr mis- 
wachs an heu und gelrnidc. 

Wahrscheiiilicli wuidc tloni vrrrhrtoii wesen , aulVcr 
der Irankspeiule , getraitk* >U'lii'ii gehij^seii . >Nie diü \ierle 
Zeile dc8 lietks (er hat voMe krüge iiiul tiarbeu) zu erken- 
nen ij;ibl ; vielleieht uedat lite die zw eite sli dplie des !'u>.ses. 
*der hiinnielriese sc/iKiit tiicder vuu hinniiel, er wcffs 
les was geschieht', ilas 8linunl zu dem allen glauben au 
'^^ ti(»tans 8lul (s. *JS^; die sech>te /eile schildert defi un- 
geluM iien und unallernden goli last zu llieosophisch, // oA/, 
ül)^leich durtli den reim gerechtrcrligl , scheint eher aua 
n od ^ lV6de verderbt,*) aU aus waldarid (oben 8* i5) 
verkürz t. 

A|i8 solchen gebrauclien leuclitet die milde des alter- 
thums. der mensch will sich nicht alles z.ueignen, y<M iJuii 
auf seinem land gewachsen ist, dankbar läl'st er ein theil 
für die gütter zurück, welche auch ferner seine saat schützen, 
die liabsucht nahm su, als die Opfer auHiürten. 

Wuoian Avar es nicht ausschlielsiich , der den feldeni 
fruchtbarkeit yeriieh; in noch näherem besug zum acker- 
hau stand die multer Erde, wir werden diese güttin, bei 
ganz iUmlichen emtefeslen, an Jenes steile gesetzt sehen. 

*) vpi. nl. oud, KMld f. 0I4, gold, folglich "NVoude, das sicli der 
form \Vi<dt* nähert, wie wenn H uld ein niiid. \otliil(l liiitto? die dich- 
ter des 1.'? jli. l>ediencn sich des fnst imerkh'irlit licn w ortt s u-ddan, etwa 
ia der bedentiinjr von ölurm, kriej^s>liirm , einen trohlan riten, an den 
wcldan riten heilst einen angrif im gefecht thun, iu den stürm des strei- 
te«, ias ffetuBimel reiten (Wh. 00, IS. 9«, 93. 23«, 5. Ernst 6104. 
Ottoc. 286^ t> 304b 718« und etnigemal im Tituret.) es ufire «sIeich- 
Min die wilde jf^d, der wilde j(i^er\ Und die eine stelle dfs Titurel 
personificiert wirklirlt: wizzet, wie sie hnckent, wa der // tddan sfn 
hn hl tiporten houn ct,' eine «^n.-so, breit wie kirchentliür, in <lie feind- 
liche iichaar hauet. icJi fühle was sieh ge^^en diese verwegne deutuiig 
eUureDden liasea wird i wäre sie anaebBiliäiei« so gelierte ile aiciit ia 
eine aote. 

in Norwegen setzte man Julabends den Sperlingen kornl>üj>cliel 
hin: Juleaflen at sette trende kornhcrnnd paa stoer undcr nnben liimmel 
ved laden og fiiflin.set tii spurreus fod<-, nt de nüste aar ikke skal giOra 
dem skade paa «i^ieren. lll*)rthöi (»uibnind^dalen. Kb. 1785. I, 130. 
es erinnert au Waltliers von der vogelweide vermächtuis für die vogel, 
und au das was Dietmar von Merseburg erzählt: dooiina Mechtildis 
(Heinr. I genahlin) non solum pauperibus verum etiam atnbus victom 
mihminij«frans. p. 14; micnlis etiam io liienie maniinilos super orhores 
ad roan<lucanduro intuitu pietatis in nioate sao poni fecit. p. 8g. 



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W LOT AN 107 

In wekijeii lanilern die vi relirung des golles am Idiig- 
8teii haftcle, lalsl sich aus den orlsbenenniiiigeii erkennen, 
die, Nveil ihm die släUe gelieiligl war, mit seint^ni namcn 
zusammengesolzl siiul. es isi sehr unwahrst hcinlirli , dals 
sie stall auf den üoii niil nicnstlien bezogen wenh^n mäs- 
ten , die wie ei- uelieilscn Jiallen; \\ uul.iii , OtHiinn als 
men-t lilitlier eigennanie konunl zwar, icdoeh seilen mu', 
lind der sinn des zweiten thcils der Zusammensetzung, ifire 
wiederkelir in versehiethiei- i;c'g< iKl, reden ganz dafür, dafs 
sie von den» cotl zu versleheji i^t. AuTser ilen schon an- 
geiühilen l)eiclen fl odenesweg und TT oilefieabet'g weilt 
ich keine niederdeutsche; in Kngland ersclieinen mehrere: 
TT ood/ lesbar ü m Kent, unweit Sandwich; TT ednesbur^ 
in Slaffordshire; TT ednesjie/d ebenda; TT edries/iam in 
Cheshire, TVodnesfeld bei lüUelwcrd p. H4», und wol 
noch andere. Uire zahl ist aber in Scandinavien, "wo das 
heidenthum länger gesichert war, anseludiclier , und wenn 
iie in Dänemark und dem gothlandischen theile Schwc« 
dens häufiger vorkommen, als in Norwegen und dem eU 
gentÜchen Scliweden, so folgere ich daraus ein Übergewicht 
des odinischen cultus in Siidscandinavien. der hauptort 
der Insel Fühnen (Fion) hiefs Odhinave (forum, sög. 11, 
266. 281.) yon ve^ heiligdium, zuweilen auch Odhinsey 
(das. 230. 352) von ay, insel, und hiernach s|)ater Odenae, 
in Waldemars Uber censualis *") 530. 542 Othänaö. im 
Qntem^'orwegen^ nahe bei Fredrikstad, ein anderes Oc?A//ii^ 
ey (HLeimskr. ed. hafn. 4, 348. 398), später genannt 
Onsö* in Jütland OthänBJvyllä (Wald. Hb. cens. 519), 
spater Onaild* Othänslef (Othini reliquiae) Wald. IIb, 
oens. 526), heute Onalev, in Halland Othänsäle (Wald* 
Üb. cens. 533), heute Onsala (Tuneids geogiv 2,492. 504.) 
wie im alten Norwegen ein Odhinasaln in Schonen 
Othänshäret (Wald. IIb. cens. 52h\ Otheiuhärat (Bring 
2, 62. 138. 142**), heule Onsjö (Tuncld 2, 397); O/?«- 
iur/da (Tunehl 2, 449) d. i. üdinshain ; Othenspara (Bring 
2, 45. 47. Othenvara 39); Othenatroö (Bring 2, 48) von 
tro ffides) und vara (loeihis)? in Smaland Odensvalahult 
('iumhl 2, 14fi.) uiul Oihfisjö (2, 109. t47.) in Oster- 
gülland Oderi/ors (2, 72. ^ in Veslergcdlaiid Odenskidla 
2, 284) und Odenshälla (2, 264), ein gesundbrnnnen ; 
Ode/iSider , Onslder (2, 204. 25:i.) in Wesiniaidand 
Odeasvi (1, 266, vgl. Grau p. 427***) gleich dum liiimisclien 

Lang^ebek Script, tom. 7. 

Sven ßrio^ inuniinicntn x-Miieiisia. vol. 2. Lond. ^uth. 1748. 
*^*) OtofCirau he^rifiiing ofver WUtmsnlsnd. Wisterls 1754 



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WUOTAN 



Odinsv«) vidleicht gehört unser niedersaclistacliet Wocl«- 
neSAvege su dieseni ve^ nicht zu -weg (via)? ebendaselbat 
auch ein Odensjö (^Grau p. 502.) in Upland Odenstda 
(Tuneid 1, 56); Odensfors (1, 144); Oiuike (l, 144.) 
in Nerike Odensbacke {i, 240.) 

ILs schien nothwendig die wichtigsten dieser Ortsna- 
men liier nebeneinander zu stellen, und gcwis sind nur 
xioc Ii manche entgangen * ), in ilircr menge, so wie in ihrer 
alniliilicn oder gleichen hilduug liegt ebiii der voli«^* l>o- 
weis ihrer bcdentsandveit. einzelne dürfte man bezN\ t iltin 
und anders auslegen , sie alh? /.usammen zeugen uuabw eis- 
lieh lür die grolse au>dehnuug des üdinculliis. 

Krauler und pilanzen '^''••) sind nach diesem gott nicht 
benaiinl; Isländer und Danen hcifsen al)er einen kldiu u 
Wasservogel (tringa nüiiima, in<|uiela, lacustris et ikiI;»iis) 
Odhinsfiafil , ödeiishane ^ OiU-u^ A'A'^» ^'"d in euiia 
weiden ilmi zwei kluge rahen , flugiim inid JMuniin» bei- 
gelegt \^hugr aninuis , inunr mens, \t)hij)lns), die sieh auf 
seine schuller niederlassen untl ihm mclduugeu ins olu' sa- 
gen. 8iem. 41»^ 88«» 8n. 42. 50. • • •) 

leli ]>In tiavon ausgegangen . dafs die anhetung dieser 
goUheii allen deutschen sliinmieu gemein luul keinem fremd 
war, eben weil wir sie iiir die allgemeinste und oberste an- 
erkennen müssen. \\ uolan ist, insolcrn es gelingen kouuto 
aus Überresten des allen glaubens eine idee seines wescns 
Bttsammenzui'asaen , die allmachtige , allwissende ^ schaü'eudtt 
kraft, von welcher Jedes gedeihen, vorziigUch aber sieg, das 
wünschenswf^rt beste gut für kriegerische vtdkcr, abhieng. 
unter allen idirigeu gütlern tritt er am meislen hervor, und 
darum haben lateinische schriftsteiler, wenn sie von deutschem 
cultus reden, immer am ersten Mercurs zu erwalmcu anlaüs» 

"Wir wissen, dais. auCser den Nordmiinnem, SachacUi 
Aiamannen, Langobarden tiiescn gott verehrten ; warum soll- 
ten Franken, Gothen und die übrigen von seinem dienst aus^ 
geschlossen sein? 

Deutliche spuren zeigen aber auch an^ dafs sein cultua 



•) eini;^c mir felileml»* sle lH'ii in Fiiin Ma;rnnss<*iis lox. niytli. C»IH, 
riem irh aber nicht bet9tiiniiic ^ vteiiii er auch die hoch<i. iinnioa Oden- 
wald, Odeabetm (wo die hochd. form WnoUin vdliig omogelt) dahin aiehl» 
oder das fioo. OdenpS, dsi vielmehr biireahaupt hedeatel. 

**) Dreyer sqnil. vcrni. nhtb. 9, 900 behauptet, der dannte lieifjte 

(^eruiutiirli in einer niedersiU lis. ge^rend, ieii üinl«' abrr iiifit na) ^ri^den- 
Jinc^or, tfönlcti (jiHod) und <ii'* f>|iaiiuc zwisclu n <1 Hiiiii ii und zci^eßliger 
u ö'l^tispatine. hieridx r i>t t.ut'Ii niiliere auskunli /.u ^uusciieo* 
***) wie iu ihiiitiiieheu iegcudea taubeu deut |>abfi. 



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WLOTAN 100 

nicht immer uikI uirlit in allon gniienflcn iibei^vog. in dem 
M'idlichcn DniUcliiand erlosi li er li ith' r als in dorn uürdli- 
rlien, dort Jiaben ilin ^vc^U•r ortsnanion, iiut Ii die hencnming 
des vierten >vurlienlngs erhallen. nnlcr den Scandinaseii 
.««lioinfMi ihm ^venigei* Xorweger und v*^( liweden , als (Jot- 
lander nnd I) inen zngdlian. Die ahn. sagen gedenken ver- 
schiedentlich der i iiür8l)ihler , nie eines Odinsbildes; nur 
Saxo gramm, thut es in ganz mythischer weise (s. 79), 
Adam von Bremen , obwol Wodan unter den upsalischea 
gotiheiten nennend, ^veist ilim nur die 7Aveite, Thor die 
erste stelle an. 8|)äterliin mag in Öciiwedcn breys Vereh- 
rung vorgewaltet haben» 

Kin tVeilich jüngerer znsatz zu Olaf des heiligen sage 
gewährt eine merkwürdige äul'seruiig über die durch ein- 
föhriing des christeulhums gestürzten heidengötter. ich 
■will sie hier beibringen , um im verFolg noch öfter darauf 
zin-iiekzu kommen; Olafr konAni^r krislnadhi thetta riki 
allt, oli blCt braut lianii nidhr ok ijll i^odh^ sem Th6r £n* 
giismanna godli, ok Od hin Saxa godh , ok Skiöid 8kl^n* 
Anga godh| ok Frey Svta godh, ok Godhorm Oana godb. 
fornm« sög. 5, 239. Das ist nicht genau zu nehmen ^ al- 
lein es scheint mir doch darin die nachhaftende erinnemng 
an alte nationalgütter ausgedrückt ; 'wie die ScIiMredcn Fref , 
so zogen die Sachsen 'walu'scheinlich \Vuden allen übrigen 
gottheiten vor. warum wol der gewis norwegische ver- * 
fasser der stelle den abgott seiner landsleute auslSfst? hier 
hätte er llior nennen sollen, statt hei den j'luglandevD» 
die auch dem sächs. Vöden ergeben waren* 

Indessen darf nicht aufser acht gelassen werden, dafa 
in der abrcuuntiatio ^ einem nicht rein sächsischen, 
doch niederdeutschen y vielleicht ri]mari8chen denkmni des 
achten jb., TImnar vor ynodan genannt wird, und Snx^ 
n6t die dritte stelle einuinmit. auf jeden fall grhi tlaraus 
hervor, dals auch Thtmars Verehrung in diesen fegenden 
hci*srhle ; es wäre muglieh J'Viioda/ts din^)\ [\( ]\Q auf ticn 
oherslen platz (hn-cfi die annalnne zu reelitlerli';en , dals 
liiei- die drei goUtr in iler Ordnung gcUiUinl seien, wie 
iino hildsciden vielleiiJit nebeneinander aufgeslelll waren? 
// Liüdan, als der erste unter iJuien bland in der mitlel 
wie, nacli Adam von Bremen, zu Ujisaia TJior , iiun zur 
Seite iVodan inid Fricco. 

Wenn in alln. sagen zwei goUer genannt werden, 
geht gewühnlich Thurr dem Odhinn voraus. Laxd;elasaga 
p. 174 von Kiartan : at bann thykist eiga meira Irau-^l 
uadir afli shiu ok vdpnum (vgL oben s. 5] heldr cuu tiiar 



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110 



^VLüTAN 



sem er T^i6rr ok Odiiinn. die neniHche Rtelle findet sich 
fonnii. soü. 2, 34. liwindr erzalilt vuii seinen ellern, 
dals sie vor soincr geburt geloht: al sa madiir skal alt til 
(lanflliadags ihioiia T/ior ok Odlini, lornin. 8(ig. 2, UiS. * 
Daraus folgt iedoch nicht, dals man Thor für den gröis- 
len hielt, lly\indr wnrde gerade dem (Jdliiini geweiht, 
lurnni. s()g. 5, 240 opfert 8tyrhiürn dem l'hurr, Kirckr 
dem Odhinn, und jejier nnterlie^t. fornni. so«;. I. 3:5 wird 
in der volksversaniinng /.n I hr Indlieini der erste bcdicr 
dem Odhln/t, der /Meile dem Thorr gebracht. 

A\ erden die drei niarhligslen uolier iieiiamit, so finde 
ich Odhinn vornen : Odhinn^ T/inrr^ iVeyr^ 8n. eihln 
131. na<li fornm. sog. t, Ki geluhen Seefahrer ilem Trtyr 
geltl und drei tonnen hier, Avenn sie cuter wind nach 
Schweden, aber dem Thorr oder Odluun^ weuu er »ic 
Leim nach IsLiiid fülu-e. 

Etwas andeies ist, -wenn Odhinn in altn. dcnkmaieni 
Tliridliiy der dritte lieilsi ; dann erscheint er nicht neben 
Thorr und b'reyr, soiulern neben Hdr und lafnhdr (dem 
hohen und gleichhohen ) als der dritte holte* **) öa. 7« 
Yi»gl. Saga 52, Sxm, 46*. W iedcnun in verschiedtter be- 
Ziehung tritt er auf neben seinen brüdern y^iii und 
8n. 7; neben Hcienir und Lodhr Saem. 3**, neben Hoenir 
und fjoki ^ Sajm. 180. Sn. 135, was auf alteren niylhen 
'beruht, die -wir, als dem Norden eigentbümlich» beisetle 
lassen. 

Ein lianptseugnis für die tiefgewurzelte Verehrung die- 
ser gottheit legt endlich W udans Verflechtung in altsäch" 
eiecne siammsagen ab, -welche ich im anhang umständlich 
erörtere. 

Wir erblicken da Wddan überall im mittelpunct. auf 
ihn fähren sich alle beiden und königsgeschlechter zurück, 
unter seinen sühnen und vorfahren sind melirere göttlich 
gefeierte, namentlich erscheinen als söhne Balder und 
jener noch im achten jli. in dem nordwestlichen Deutsch- 
land Uli ausgerottete Saxn6t\ in der reihe seiner ahnen 



•) aiic ii in einer ag:s. Iiomilie de tcmporil)ns Anticliristi in AVfioloc:^ 
Be ta p. 495 wenicn Ihor nn-l Forcl/u-n, tlif li.i'diene nien lierjadli 
svidlic, und vorher Erculus sc ent (Hercules gigas) and ylpoUinis 
(Apollo), tlie Iii mserne god letou, aufgezählt, der prediger dachte aa 
die nordiicheii lud griecfaifchen götter, nicht an die sächsi^cliea, sonct 
liütte erThonor and Vdden i;e.sn;;t. auch in audern fallen, wo bestimmt TM 
nordischen gottern die rede ist, bedienen sich a^rs. Schriftsteller der nor- 
dischen namcnsform. F. Majrniwsons Icv. p. 919. 
**) Aelfrics gloMea QUanui : Voden. 



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WÜOTAN III 

Iri'ten Hereniocl auf und Oedt, avoIcIkmi illose sagen aus- 
(itiicklah iuv eiiK'ii j^oll otler eines goltes solin ausgehen, 
walireiul ihnen U odun seH>sl nielir das haiipi alh^r edlen 
gt'schk'ililer ist: es liilsl .«-ich nhcr loichl wahinehnien. dafs 
unter einem luilieren gesi< hls|)unct beidc^ Gedt uud kyödan 
in ein \v( -«"u ziKanmu-nialien. 

\\\ diesen genealogien, die sidilbar von niolir als einer 
Seite in die älteste epische poesie unseres Volkes greifen^ 
mischen sich gotler, iielden uud köuige. so wie heldeii 
versotterl >verden, können darin auch güiter von neuem 
als holden auftreten; dio folge und Ordnung der «ing<>lnf>n 
gUeder schwankt luilcr "Wiedergeburten. 

Auf die gesdiiciitiichen Könige, in wdche suletzt je- 
der Stammbaum ausgelit, fufsend zuriickzurcchnen, und naeh 
mcnschenaUcrn die zeit der mythischen heiden und götter 
SU ermitteln, wiire verkehrt, die ersten historisch sidheren 
angelsächsischen künigc fallen in das fünfte, sechste oder 
siebente jh«, man ;sälile vier, acht oder z\Yülf generationeii 
hinauf bis zu Vöden, er würde liiemacli nicht früher als 
in das dritte oder vierte jh. gesetzt werden dürfen« 

Solch eine rechnung kann die annähme seines weit äl» 
teren daseins auf keine weise gefährden* seine Verehrung 
mnfs In undenkliche Zeiten , lange über die erste nadiricht 
hinauf reichen , die uns von Römern über den Merewr»» 
dienst in Germanien mitgetheUt worden ist. 



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)13 



DONAR 



CAP. Vin. DONAR. 

Den über wölken und re<];cn geliictenden, «ich durch 
vcllerslralil uiul rollciule (lumicr anls n inli:;(Muloii guU, des- 
sen keil durch die lüfte fahrt und aul lU i i nie einschlagt, 
bc/.eichnele die spräche des nhorllinnis mit dem worle Do- 
fiar selbst, alls. T/uinnr, a^s. 'riiLinoi\ allu. Tliovr, da.> 
lel/Je scheint ziisammeiiiiezogen aus Tlionar \ ''^^ die natm- 
crsciieinung heilst alln. tliruma oder duiia, beide sind ^vcib- 
lieh . aleich dem g«>lh. theilivo, das vif^lleiclit aus linnisclier 
Sprache übernommen ^vurde. dem gott legten die Gotheu 
>vül den namen ^riuinrs 1)ei ? das scbwed. tordöiiy dau. tor- 
den (tonitm) ist aus der henlMuunig des gotles und jenem 
dana xusammeDgesetzt, altn. Tli6rduna ? ganz auf ähuliche 
'weise entspringt der sdiwed. ausdmck i\.sla (tonitm , ful* 
inen), im westgoth. geaetz. asikkia'^'^) aus asaka, der ^vagcD 
oder das fahren des gottes, von ds» deus, divus uiul aka 
vehere^ vehi, schwed« äka« auf Gotliland sagt man 2Vior9r^ 
Wwtj Thors fahren für donner, iind das altn, reidh be» 
seichnet nicht nur vehiculum, sondern auch tonitru, reidhar- 
slag, reidharthruma donnerschlag und blitz, denn das fahren 
eines wagens über ein ge wölbe kommt dem gerassei und 
krach des donners am allernächsten, diese ^Vorstellung ist 
so natürlich, dals sie sicli bei mehrern vulkern ausgebreitet 
jimlel: öoy.ii 6yi;jna t o v Jios t] ßoovji) th'at. llesy- 
chius 8. V. f )m Ol 1^00 VT u, Thorr ^vird in dei' edda, aulser der 
benennung Asalhurr, durch (jkuthorr ^ d. h. Avngea- 
tliArr (Sn. 25) naher bezeichnet, seinem wagen sind zwei 
bocke vorgespannt (8n. 20.) zwar haben auch andere güt- 
tcr ihren wagen^ \\:imv\\\Vn:\v Odhinn luid freyr (vgl. s. 73. 
74. 102' , allein Thorr ist in eigentlichem sinn der faiirend 
gedachte; niemals kommt er, gleich Odhinn reitend vor, 
noch wird ihm ein pferd beigelegt: er fahrt entweder oder 
geht 7A\ fufs. es heifst ausdrücklich, dals er zu gericht 
gdie (l'hOrr gengr tii dömsinsi ok vedhr Ar, und watet 



*) obgleich ich h"ir RR aus NR sonst keine analo;:io weifs; am 
IvN bildet es sich oder: ags. steorra, golh. stairau; goth. fairra, 
■hd. ferne. 

vgl. Oosike (Odios fiilirt V) oben s. 108. 



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DONAR 



113 



durch die fliwse) So. 18.*) Noch heute pflegt das volk 
in Schweden , wenn es donnert, zu sagen : godguhhen aker 
(der gute alle fahrt) Ihre 696. 740. 926, gofar äkar (der 
gute N.itcr ialirt.) aus scJieu wurde des gulles eigentlicher 
iiame nicht mehr ausgesproclien, oder seine valerliclie güte 
sollte hcrvorgehühen werden (der alte gott, üben s. 15.) Den 
bhtz nennt der Norwege T/iors vanne (Th. wrii me) Fnyo p. 6. 

Donner, blitz und regen gehen unter allen nalurer- 
scheiniingen vorzugsweise von guil aus, sie werden als 
seine haiullung, seui gesclialt angesehen.**) Bei grolseni 
lärm und gepolter ist die redensart gewulmlich : man künnle 
ini«ern lierrgott vor dem tosen nicht donnern hören; in 
I'rrmkreich : le bruit est si fort, qu'on n'enleud paa dieu 
toanefm schon im roman de Renart liöÜÖ: 

font unc noise si i.rant 

quen ni oist pas diea tona/it, 
29143 : et commenya un duel si graut, 

que ien ni oist dieu tonant* 
Besonders aber "wird der donner dem zürnenden und stra« 
fenden gotl zugeachrieben, Donar gleicht in dieser eigene 
Schaft des zorns und der strafe wicdennn dem WuotaA 
(t* 13* lOO.) bei gewitter pflegt das volk , den kindem zu 
sagen: der liebe galt zürnt; in Franken: draursen ist 
gott, der zankt ; in Baiem : der himmeitatl greint (Sclun* 
1, 463.) in Eckstorms gedieht zu ehren der grafschaft 
Honstein. 1592. CIV» heifst es: 

gott der /terr mufs warlich from sein 
dafa er nicht mit donner schlegt drein. 
die nemliohe Torstellongsweiae bei den lettiachen und fin« 
machen Völkern« lettiach: wezzajs kahjAs^ wezzajs tehws 
barraha (der alte vater hat sich auf die (öfse gemacht, er 
keift) Stender lett. gramm« 150. ehstnisch: wanna issa 
hüaby Wanna esaa wäljan, mürrisep (der alte vater brummt.) 
Rosenplünters be}tr. 8, 116. ^unser herr gott zankt'; 'der 
htmmel führt krieg\ ^ Job. Christ. Petris Ehstland 2, 108. 
Ebenso hmcht in dem lateinischen Jupiter (wort- 

*) lefai dunkler beioame JHlSrriHhi widerapricht dem schwerlich s 

dieses ridhi bezielir sich wol auf reidli (ua;;oii.) Iilorridhi scheint mir 
aMioiiiiert aas lilAdliridlii, \'^\. cap. X hei <!er ;r.itfiii fU Mhyn. 

•*) ein l>anor, hei (\er proccssion i'rnjafiiif nkilrr/.ul'alleii, sagte: icfi 
glaube niclit , dafs unser hpirjjott dabei sei. ich Imrte ilui noch «gestern oi>ej| 
im liimmel doiiiieni. ](Veidiierä apopbtliegmata. Amst. 1643. 277. 

***) in einem ans iiederanfangen soaaromengesetatea gedidtts ach 
Rott Tom himmel sieh darein und a^r/e einen donneratein ^ es ist ge- 
Wiilicb an der zeit, dafs .scb\vel;;er6i und Üppigkeit zerschmettart wer^ 
den numietodt l iooit scbrein wir baid aoa tiefer a^li. 

8 



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DONAR 



ich : gott vator, tHcspiter) die iilee dos dounerers vor; den 
(lichleni gilt lo/iaris iilr Jupiter (z. b. Ovid. heroid. 9, 7. 
l'asr. 2, 69. inetani. l, 170) und die lal. dichter des mil- 
telahers hedicneii sich gern dieses namens (z. b. Dracoa- 
this de deo 1, 1. snlislact. 149. Vcn. Forlunal. p. 212. 
219. 258) für den chrisllichcn goU. dem bcgecinen nun 
ganz die ausdrücke der vulgarspraclie : celui qui lail to- 
ner, qiü fait courrc la iiue (s, 16.) eine inschrift Jovi tf>' 
nanti hat Griiter 21, 6. der griecliiseho , donner und 
blitz (xepßt'J'Oi;) sendende Zons heilst Xf-Quvveio^. 

Weil er sie ober von der höhe des liinunels licrab 
entsendet, fdlirt er zugleich den nanien ctxgiog, und wird 
auf dem berggipfel (uxgig) wohnend gedaclit. Zeus thront 
auf dem 01yoip> dem Atiios, Lycaeus, Casius und auf an- 
dera bergen Griedienlands uud Kleinasiens. 

Ein hoher berg, über den von ältester zeit die baupt- 
strafse nach Italien zieht, in der kette zwischen den gra- 
fischen und pennintschen alpen^ der beutige sanct Bero- 
hardj hiefs im frühen mittelaltcr mons Joi>is, so haMÜg 
in den fränkischen annalen (Perlz 1 , 150. 295. 453. 498. 
512. 570. 606. 2, 82.), bei Otto fris. de gest. Frid. 2, 24^ 
bei Radevirus 1, 25, der ihn aU via Julii Caesaris, modo 
mons Jopia bezeichnet ; bei ags» echriitstellem muni Jofes 
(Lye 8. v.)t in Älfr. Boet« p* 150 muntgiat^f in unserer 
kaiaerchronik 68^ monie Job. Benennung und cuitu» 
führen schon auf die zeit der Römer zurück; die alpen- 
bewobner verehrten einen Peninnt deus, oder eine Pe^ 
nina dea: nequc montibus bis ab transitu Poenorum uHo 
Veragri, iucolae jugi ejus, nonmt nomen inditum, sed ab 
eo, quem in summo sacrattlm vertice peninuifi mon^ani 
adpeliant. Liv. 31, 38. quamvis legatur a poenina dea, 
quae ibt colitur, alpes ipsas vocari. Servius zu Virg. Aen« 
10, 13* eine auf dem 8. Bernhard gefundne inschrift (Jac 
Spon misceilanca antiq. Lugd. 16H5. p. 85) sagt ausdruck* 
Ikh: Lucius LuciHus deo Penino, opt. max, donum de» 
dit, und hieraus folgl, dals man unter diesem gott sich 
den Jupiter daelite. den uanuMi mons Joris, gebrauchen 
die clnssiker nie , auch die tabula Aiilonifü benennt blofs 
den 5unu»nii IN iuiinus und den Penni lucus; zwischen dem 
4 und 7 jii. selieint dafüi' Jo^'is mons aufgekonuncn, \iel- 
leicht mit rücksicht auf den gallischen oder gar deutschen 
sinn, in dem dieser gott damals aulgeraltit wurde, man er- 
innere sich jenes deutschen tsarnodori auf dem nicht waii 
abgelegnen Juragcbirge (^ä. 51.) 

*) an anterscbeidea vm dem mom Jovis l§i der motu gaudü^ 



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115 



Mit völliger Sicherheit dürfen wir solche bergnainen 
in Dcutschlaud selbst auf die Verehrung ilei einheimischen 
gottes beziehen, allbekannt ist dei- Dofinersbcrg fnionl 
tonnerre) in der Kheinj)falz an der grenze der allen graf- 
scliaft Falkeustein, zwischen Worms, Kaiserslautern und 
Kreuznach, ein andrer Thuner eshcrL( liegt in Westpha« 
len an der Diemel unweit AVarburg in mitten der dörfer 
Wormeln, Germete und Welda; die älteste seiner mehlung 
thuende Urkunde ist vom j. 1100 (Schalen nioü. paderbl 
1^ 649.) im miuelalter dauerte da noch ein grofses volks» 
gericht fort , das ursprüngUeh sicher an die heiligkeit des 
Ortes geknüpft wurde : comes ad Thuneresherhc (a. 1 1 23) 
Wigands ferne (222); comitia de Dunriaberg (a. llOij 
Wigands arch. I. 1, 56; a jnclicio nostro Tnonrgebercn 
(a. 1239) das. 5H. gerade in der nalie dieses berges stellt 
die heilige eiche, deren s. 45 gedacht wurde, wie das ro* 
hur Jovis bei dem hessischen Geismar (s. 44) unfern Yon 
einem H^uotanaberg (s. 103«) allem anschein nach konnte 
beider götter cultus dicht nebeneinander gepflogen werden* 
Wahrscheinlich sind noch in andern gegenden Deutsch- 
lands Donnersberge aufzufinden« eines im regensburger 
gebiet gedenkt eine^ urk. von 882 unter dem namen 2li« 
nieaberg, Ried cod. dipL num* 60* 

Auch in Scandinavien mangelt es nicht an Thiers na«* 
men tragenden bergen und felsen : TItora klint in Ost* 
gotland^ Tfioraborg in Gotlattd; aus Norwegen, wo dieser 
gott vorzugsweise verehrt wurde, sind mir jedoch keine 
bekannt, in Vermland pflegt der gemeine menn die siid- 
westliclie Himmelsgegend , aus der im sommer die meisten 
gewitter aulsteigen, Thorsluila, des Donners höle, zu nen- 
nen. (Geiicr Sveajlkes häfder 1, 268.) 

Aber (he slavischen Donnersbefge sind nicht zu über- 
sehen. Ijci xMilicsciiau iu ßübmeu ein Hroniolan^ von 



unter welchem das mittelalter eine höhe bei Rom verstaod: Otto Tri- 
riig. I. c. 2, 22} iu der kaiäerchroiiik a. a. o. heifät es wdrtlich ver- 
dsotecbt mmd*lbere* ia lemanlsdieB gedicbtea d^s 12. 13 Jh. ist 
monjoie das fiBiutöi. feldgeschrei, gewöhiili« h nlier mit beigefugtein S. 

Denis, z. b. monjoya, mo/ijoya sant Denis. Fernhras 365; monjoie en- 
»ei^ne S. Denis. Gariii 108. Diicnnp^e in der eilfteti «lissertntion zu 
Joiiiville erklärt monjuie unstattlinft für eine demiuuHvforiii von mont 
da e« in andern stellen (Roquefort 2, 207) allgemein ort der wunne 
■nd freade, paradies bezeichaet, so darf m«o bei der wftrtllcbea be- 
deatnog atehee bleiben; es müste aber in mehrern iregenden berge 
dieses namens gegeben haben, möglich wäre, dafa auch dieses mon- 
joie aus einem alten mcm/o^r (mons Jovis) hervorgien^^ : mit dem gdt- 
terberg verband aidi suglcich die Mse eines wonataufenthaites. 



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iie 



DONAR 

t 



hrom» donnei*» nach andern dialecten grom ; in 
ein Grimmin g ^ d. h. «lav. germnik, altaL gr^'mnik (don- 
nersbcrg, vgl. sloven* gr'miy es donnert, serb. grini) einer 
der Hteilsteu berge ateurischen alpe, nicht >veit davon ein 
fliilschcn genannt der Z^o/z/ze/'Ä^rtc/i. *) JNIit einem andern 
worl also drücken die Slaven gott und nalureratliLinuiii; 
ans, jenen allslav. durcli Pentn^ puln. Pioru/i , huhni. 
Peraunx bei den Sudölavcii bcheiiil es früher ausgestor- 
ben, lebt aber nocli in ableittingen und Ortsnamen fort. 
DobroAVsky (insL 28'J) liihi l es auf die 'sviirzel pcru , ie- 
rio, qualio zurück, und vielleicht lial dieser passende sinn 
eben zur entstellung der cchleren vvorilonn beigetragen.**) 
ich müchte ihr ein ausgcfallnes k z\ilrauen: der litthani- 
sclic, lettische, altprcnfsische donnergolt heifst Perkuno'^, 
Pehrlons, Perkuricr,, und eine menge von Ortsnamen sind 
damit zusanimcngeselzl. litth. Pcrkunas grauja (1*. don- 
nert), Perliuias musza (P. sc hlügt, ferit); lett. Pehrkons 
sperr (der dunner sclilapt ein.) das slav. perun winl 
heutzutage weniger peisunlich verwendet , und mehr vom 
biitzstrahl gebraucht. Schon Procop (de hello uolh. 3, 14) 
sagt von den Scla\enen und Aulen: -d^iop iii-v yclg i'va 
%6v tifS aoT o )) ^ d ij fi t o VQ y 6v ii7iüvT0)v xt oiov 
fikovov avzov vo/ni^ovQiv üra$, uai &vavQiP uvrw (iiaß 
w mal itQua tlnavxa, 

Perl'un gemahnt nun an ieuen morduinischen donnergott 
Porgui ni (oben s. 18), noch merk^rürdiger an einen 
goth. ausdnn k . der freilich, vNie er bei Ulfilas erscheint, 
alle personiiication eiugebülst hatte, das goth. nentnim 
fairguni{grB.mm. 2f 175. 45ö) bedeutet berg, o^g.**'^) wie 
wenn es vof zugsweUe der Donnersberg gewesen und' ein 
verlornes Fuirguns des gotles name wäre? man dürfte 
die bedeutung von fairguni = mons unverändert behalten, 
und in das niasc. Fairgann oder Fairguneis , folglich in 
Ferkunan , ihn sinn jenes axQtOß legen? ein schicklicher 
nebenuame für den donnergott. auch das alid. virguH^ 
ßf'g^i^ j in Zusammensetzungen , ohne welche es uns 
▼üUig untergegangen wäre^ kann entweder blofs den be* 



•) Kindermann abrif» von Steiermark p. 66. 67. 70. 81. 

**) aiid«ri, «reoo man perun imd »^iijuvpi^ vcfgleidicn d&rfle. loch 
B&het dem Peniii Kclilcne das saascr. Parjanyas^ welclieo Bamen In- 
drad aU Jupiter |>iu¥iiiif fübrt. wörtlich s befruchteoder re^a, donaer- 

wolke, dünner. 

•••) Mattli. 8, 1. Marc. ;% 5. Ii. 9, 2. 11, I. Luc. 3, 5. 4, 29. 
9, 37. Ii), 29. 37. J. Cor. 13, 2. bBirgnhei {f/ o^furij) «teilt Luc. 1, 39. 
nie du eiafaciie Imirgs. 



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DONAR 



117 



grif des bergigen, \val(ligoi\ cnlhallcn oder auf einen ver- 
dnnkcllcn gollesnanion bezogen werden, vsie es dai^um 
slelie ; dals mil fai'rguni, virm«M, lii i^eii gciitliLliverehrte 
%Tesen zusaniinenliangen, ergiht sieb oll'enbar ans dem allu. 
Fiörgyn , gen. Tiurgynjar, worunter in der edda 'J'biirs 
imittcr, die göltin Erde verstandeo wirdj und aufscr ihr 
trill noch ein männlicher Liörgynn^ gen, Fiörgvins, Fiür- 
gyns (6n. 10. Ils) auf, als valcr der Frigg, Oilhin» ge- 
maiilin. in aiieu diesen 'wOrlern mnrs man fairg, lirg, fiörg» 
alt Wurzel anneJuneu, und nicht abtheilen üdr^guniy fir« 

Die christliche mythologle hat unter slayischen Tolkerü 
das geschält des donnerers auf den propheten Bliaa tiber- 
tragen, der im wetler gen himmel fülut, den ein wagen 
mit f euer rossen in empfang nimmt, II. buch der könige 
2, lt. in den serbischen Uedem 2. 1. 2, 2 heifst er aus- 
drücklich gromovnik Ilija , *) blitz und donner (munja 
imd grom) sind in seine band gegeben, und er verschliefst 
snodhaften menschen die wölken des himmeis, dafs sie kei- 
nen regen zur erde fallen lassen, auch dies letzte ist dem 
AT. gemäfs (1 buch d. kön. 17, 1. 18, 41. 45. vgl. Luc. 4, 
25, brief Jac. 5, 17.) und ebenso in der altdeutsclieu dielt« 
tung anfgefafst Worden, 0. HJ. 12, 13: 

quciloiil 6 um giwuro, Velins sU tJier mciro, 
Iher thiz lant so tharta, ihen hiniil so bisparta, 
iIh 1 in ni liaz in mMin regonon then liutin^ 
Uiuaogta si giwilro barlo fdu suaro. 

nas aber besonders beachtet ^^ erden muTs, in der durch 
das ganze mittelalter verbreiteten sage von ersclieuiung des 
Aaticbrists kurz vor dem -weltende (deren auU'allende be- 
rühnmg mit dem altn* mylhus von Surlr und INIuspclIshcim 
nocli im verfolg besproclien werden soll) nimmt Hellas 
wiederum des nordischen donnergotls stelle ein. 27t^rr 
siegt über die grofse schlänge, hat sich aber kamn neun 
schritte von ihr entfernt , aU er durch ihren giftanhauch 
getroffen todt zu boden sinkt. Sn. 73. Nach dem ahd. gc« 
didit Müspilli 48— <54 erliegen zwar der Antichrist und der 
teufel , alleia auch Elias empfängt im kämpf schwere wunden : 



1, 7T: ndri gromoin, gromovit lUiuX sclilsg m\% donner, «Ion- 
■feier Elia-! 

•*) Greg. tur. vorrede /um zweiten buch: iiicJiiinerit (Ictior) siib 
UeUu€ tempore, qui pluvtas cum vuluit abaiultt ^ et ciuit iibuH arou' 
iibiif lerris mfucUt eti*. 



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118 



DONAR 



doh wänil des villi golmanno *) 

daz Elias in demo wige arwartit } 

Sarsu daz Efiases |iIuot 

in erda kilruifit, 

6ü inprinnaiil die porga, 
von Feinom auf den bo»l<^n triefenden h\\\\ gcrathen die 
berge in brand und ilcr jimgste tag wird »locli diii'ch andere 
zeichen verkündet. -Nvir niiistcn die vürslelliing von dem 
tcufel, dem Anliduisty lliias und Enocl» in ihrer ganzen 
voUatändigkeit , wie sie etwa im 7 und 8 jh. umgieng, ^*) 
kennen, um diese aiialogie zw^ischen Elias und dem Dooar 
der Heiden sicher aiiiTaBsen zu kOnnen* hi der christlichen 
tiberllefening ist nichts > vras eine Verwundung» und gar 
tödtliche, des IClias anzunehmen berechtigte. Noch merk- 
würdiger wird aber die vergleichung dadnrrli . daf» auch 
halbcluistliche kaukasische viiiker den Elias als donnergott 
verehren, einen hlitzprsch!ag/ien preisen die Osseten glück« 
lieh und glauben, Elias (iliaj habe ihn zu sich genommen ; 
die hinterbllebenen erheben freudengeschrei, singen und 
tanzen um den leidusain^ alles strömt lierzu, scldiefst sich 
dem reiben an und singt; Eilai, Ellai eldaer tschop« 
peil* (o Elias I Elias herr der felsengipfeL) neben dem 
8teinha\ifen des grabbiigels -wird eine grofse Stange mit dem 
feil eines schwarzen Ziegenbocks aufgerichtet, denn auf diese 
weise opfern sie dem Elias überhaupt« Sie flehen den£/iVxs 
an ihre felder fruchtbar zu machen und den ha gel dayon 
abzuhalten. Schon Olearius berichtet, dafsdie caspischen 
Gtrcassier auf Eliastag ziegen opfern und das feil an ei«» 
Der Stange unter gebeten aufspannen, +) 

Wie nun in jenen serbischen Hedem die jnngfrau 3/nr- 
rra neben l.lias auiuiu, isl sie es vorzüglich, die im juit- 
telaller um rei>cn an^ollolil wurde. Die Chronisten gedeii* 
ken einer rcgenprocossion im Liillichschcn um das j. 1240 
oder 1244; yy) ein ili cimaliizer Umgang des clerus und volks 
(nudis peilil)U8 el injaneis) l)lich ulme erfolg, weil man bei 
aruMifunci aller lieilii;en der mutler golles vergessen halle, 
als nun der chor iler hrilii2en sieh bei golt lun regen ver- 
wendete, widersprach Maria i in neuer prücessiou hui de 

*) gotman priestcr, tlieolog? vgl. obeu s. .58. 
**) anch die nbUiniäehe ssge oiromt an, dafs KUas wleiieikehrea 

aiii den bösen Sammael tü<lten werde. Bisenmenj^r 2, $96» 
•••) Klaproths reise in den tCnukaso» 2, 60(». (iOI. 

f) OU arins rclKcliescIir. 1647, p, r»2-2. 52:^. 
tl) Ao^i'lius aureao \'>\\h ran. 135 (Cimpraville 2, 267. 2<>ti.} 
rhion. be!g. umgn. ad a. I2i4 (^l*i»toriu« 3, 263.) 



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i>oisAa 



ein feierliches salve regiiia ccsungen: et cum scrcuum lom- 
|)iis ante fiiissel, taiila imimlalio pluviae facta est, iil fere 
onines, qui in proccssiune aderant, liac illacque liisperge- 
renlur. Da» heidenthiim richtete vermutlich die bitte um 
regen, statt an Elias und .Maria, an den donnergolt. i< Ii 
entsinne niicli gU ichwul aucli ans der alln. sage keiner stelle, 
worin von Verleihung des crfleliten regens durcli Thorr 
die rcile wäre; blols dals er Ufitvetter sc\n\{^{ , >vrnn er 
ziiint, ^viid Olafs Tr. saga I, ,'i02 — .i06 erziihll. ^^ ir diir- 
f«Mi nl)or seine allgemeine ahiilichkeit mit Zeus und Jupi^ 
ter {dini i'/r/o.c, pliiviits) und die Verbreitung des votis 
imbrem pocare unter beuadibarteo Völkern in «nschlag 
briDgen. 

Eine beackreibung» die Petron cap. 44 von der römU 
sehen regenprooeMion machte trift nah« mit der vorhin aus 
dem mittelalter gegebnen susammen: antea stolatae ibant 
nudis pedibiis in cUviim, pasais eapiUis, mentibus puris, et 
Jovem aquam exorahant; itaque atatim urceatim (aU 
gösse man mit mulden) plovebat» auf tunc aut nunquam, 
et *omnes ridebant, uvidi tanquam mures* Das einfacli 
Mhdne regengebet der Atliener liat Mark Antonin Mg iatH 
tovSy 7) aufl)e\va]irt: evyjfj ''ji&r^vaiwv, iaw, vaov, » 
ff lke Zev, uu%a Tr^g dgovaug %^g ^ji&f^aimv %al %Ap vre» 
iW« ich setze ihm das ausftihrliohere ehstnische an die 
Seite, wie es noch im I7 jh. Gutslaff einen alten bauer 
sprechen hörte : ^eber ppnner (woda Picker), wir opfern 
dir einen ochsen der swei hörner und vier klauen hat, 
und wollen dich bitten um unser pflügen und sSen , dafs 
unser stroh Htipferroth, unser getraide goldgelb werde, 
slo/f andersmmin alle schwarten ^ dicken iPolken über 
groise sümpfe, liohe wMlder und breite wüsten, uns püü* 
gern und säem gib aber fruchtbare zeit und eiijsen r«- 
gen. holiger Dcnner (pöha Picken), bewahre unsern 
acker, dafs er trage gut stroh unterwSrts, gute fihren über» 
warts und gut korn innenwärts'. Picker (vielleicht druck- 
fehlpr für Picken) würde im heuligen ehstnisch lauten 
was dem hnnischen pitläinen donner, vielleicht 
auch Donner, iviher kommt, in Hüpels ehstn. wörlerh. 
steht indessen pikkenne donner, und pikne donnrr. ge- 
v^üloiiich nennen die Finnen ihren donnergoU Llkoy die 

*) Joh. Gtttdaflr koraer bcrirlit and natemcht voa der falsch hei- 
1% irenandten birhc in Lienaod Wulihaada. Dorpt 1644 p. 869— 364. 

<1ie f listuisclten nus'lriirkp des gpUct^ wfireii ilim damals schon »chwl»>- 
ri;:, \< iUess(>rt geben »ie PeteKioa fiaa. m^tboK p. 17 uad KoMupläa* 
teri btiiir. heft bj y, 157. 



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■ 



120 DONAR 

£ft8teii aber auch TurriSy ofleubai- uach dem iiüi^idcheu 
27i6rr. 

Da vom regen \uu\ gewillcr fnirlilbarkoil der flurcii 
abbangt, so cr>('bcincii Pitkähien und Zciis als die äl- 
teste gottheit ackerl)amMi(ler Völker, von deren giile sie das 
gedeihen ihrer saatfeUier und Iriichle erwarten, ausdrüek- 
lich legt auch Adam von Fiicnicn dem 'J'hor donner nnd 
blitz verbunden mit der luM srliali über weiter innl friiclüe 
bei: Thor, imjuiunt, praesidel in aere, (jiii loi»ihiia el 
iulmina , ventos imbresijno, Serena et friti^cs iitihcr,iat, 
hier berührt sich also seine Vf'rehrttng mit der (U*s ^^ no- 
tan, welchem aus andern griuulen gleichfalls die ernler 
huldigten (s. 104 — 108), wie aul der andern seite Thor 
neben Odliinn kriegsthaten verrichtet, und seinen thcil der 
beute empfängt (s. 95.) In der ahn. aulTassnng haben so- 
gar '£lior8 siege und kämpfe mit den ricsen sein friedli* 
ches amt in schatten uosoizt. 

Oleich Zeus und Jupiter wurde ohne xweifel auch 
der deulscbe donnergoft mit langem harte vorgestellt, 
noch ein danischer reim nennt ihn : Thor med sit latige 
ahiäg (F. Magnussens lex. 957.) in den altn. sagen er- 
selieint er aber, mit näherer bestimmung überall rot/ibär- 
^igp 'Was auf die feurige lufterschein ung des blitxes bezo- 
gen werden mufs: wenn der gott zürnt bläst er in seinen 
rothen hart und donner sdiallt durch die wölken, fomm« 
sög. 2, 182 hdfst er ein schlanker , schöner , rothbärtiger 
jüngling: mikÜl YeXd ok Angligr, frldhr synum ok raudh" 
sheggjadhr ; 5, 249 madhr raudskeggjadkr* hilfsbedürf- 
tige menschen riefen seinen rothen hart an: landsmenn 
tdko that HAh at heita ft thetta lut raudha »iegg (2, 
183.) zumal merkwürdig ist die «Zählung von ThÖrs 
bcgegnung mit könig Olaf 1, 303, seine macht erscheint 
da schon halb gebrochen und vor der neuen lehre wei« 
chend ; als die Chi isten nahten , ermahnt den Thdrr ein 
anliänger zu tapferm widerstand: theyt thA t mdt theim 
Bkeggrikld tlnna (blas ihnen deinen bartruf, die stimme 
deines bnrles, entgegen.) tho gengu their At, ok 6/A Thorr 
fast i kainpana ok iJieytti skeggraiistina \^da i^iengen 
sie aus, Th. blies stark in tlon hart, und erregte die sprä- 
che seine"4 barts"^ , kom tha tliogar andvidhri möti koiu^ngi 
8\A styikl, al ckki n»;*lli \itlli haUla (alsbald kam ein un- 
welU r gcgon den künig, dais .er bich nicht in der sco h^' 



•) Vkko ist nacli Jumuhi (HtMi irli WtiotHii ver»!leiclie"> <ler litfcll- 
•te liiiiiitf<:lif gott. pitküincn lieiUt eigentlicii dtr inuge, iii>lie. 



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DONAR 



Ul 



teil küünte.) Dieser rollie hart des doniierers ist in Üüclicii 
der spälereu /.eil unvergessen, und zwar unter dem Iriesi- 
stlien Volk, olinc allen aulscrcn zii.^arnmeiiliang mit der 
nordisclien Vorstellung: ^diis ruadluii et doniier regiir!* 
(dels walle der rotliliaarigc dünner) rulcn noch heule die 
Nordfriescn aus. *) wenn in der islaud. spräche der fuchs 
holtaUuu r (waldlliurr) genannt wu*d **), be&ioUt sicli das 
Yerniullich aul sein rolhes haar. 

Die allen sprachen unterscheiden drei acte der natur- 
erscheinmi«; : das leuchten, /i*/^i/r, uOTQantj y den schall, 
to/iitriis\ ,i(joj'rt;, und das einschlagen, fiiimen, y.(f)CiVv6s» 

Den leuciitenden schein nennen wir h/itz , die allere 
spräche gebraucht sowol das einfaclie /)//// gl. Doc. 229**, 
mild, blic Iw. 649. WigaL 72Ö4, als plechazunga (coru- 
scaüo) aus plechazan, dem frequeutativ von plech^n (ful- 
gere Diui. l, 222. 224 abgeleitet; man sagte auch ple- 
chunga Diut. 1, 222. so setzt lohazan (micarey coruscare) 
goih. lauhatjan eiji U}hAuj goth. laulian voraus, der Gotlie 
bildete vou derselben würzet sein IciuJimuni (ttiFvpa^iy)t 
der Sachse aus blic ein blicsmo (fulgur.) aga. leoma ()U* 
bar, fidgur), ahn. liomi, schwed. Ijungeld^ dätu lyn. 

Aui'ser donar hätte der ahd. spräche zu gebot gestan- 
den zapreli (fragor^ von prehhan (frangere) gl« hrab. 963^« 
mlML dafür öfter tradi', von krachen (creparc): mit kra« 
che gap der doner duz. Pars. 104, 5 ; und da krachen sy- 
nonym ist mit rtzen (eigentlich krachend bersten), steht 
auch woIkenrIjK (fem.) für donner, Farz. 37$, 11 Wh« 
389, IS \ reht als der -wilde dunrslac von himel kam ^e* 
rizzen. Ecke 105. das goth. ilieihvi vei*gleiche ich dem 
finnischen teuhaan (strepo), teuhaus (strepitus, tumultus), 
es bedeutet also die lärmende « tosende, einige niederd. 
mundarten haben die benennung grummel für donner 
(Sux>dtm* osnabr. 77), nach dem slav. grom, hrom» 

Für den begrif von fulmen besitzen vrir nur zusam* 



*) der geizljaU aui :>ilt. Fien&barg 18üD |>. 123. 2 au«g. Sea- 
derboff 1883 p. 118. 

**) Badens latinitetis ia osnm schöbe schalholtiDae. Hafniae 1788 
pw S068. 

•••) irfi schreibe plecfiaz?»n, und denke an plerkan, plahta (patere, 
nuiiari) ml»d. lileckeu, blatte Wi^jal. 4890, so dafs es vom liimmel ge- 
brandit bedeutet: die wölken tliuu sich aut\ der liimmei üfnet sich, 
wie man nocli jetzt von blit/.eu und wetterleuclitea .sn;;t. vgl. Lo- 
beogr. p. 195 1 relit alMin des himel« blia vor doner sich erbUekei, Soll 
dies plechsn mit plih (fnlgur) verwandt sein, so hat msn svei verlia 
plihha«, pieib und plehiian plali, letaleres aus enlereoi entitprungea 
UHMiaebaiea« 



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122 



DONAR 



incnselzuiigcn , wo nicht das blofse doiiner in dieser be- 
deiitniig steh!: »luoc alse ein doner, Roth. 1747; hiiire 
liÄt der schür (das wotter) erpchlago» lieilst es irgendwo; 
gewöhnlich donfterftcJilag . h/itzsch/as^. alid. bligscuz^ 
fulguriim jaclns, N. cap. 13; mhd. blickesclioz Barl. 2, 
26. 253, 27 bl/csc/ioz Sl.irlina 205*; finriu dmerafrAfe 
Pnrz. 104, l; donresfar l\v. 651; ler sctiz tero fiurentim 
düHfrHtrdlo (ardentis (iilminis) , erscozen niit lien dotier" 
fitrdI(Sri. \. THh. 18. 175 5 mhd. wetteratrahl, blitzUrahl, 
donnerst r all L 

W ie also dem hlilzcndon cott rotlies Itnar. dem don- 
nerndt'ii der wagen, so wird dein einschlagenden geschois 
und wafTe beigelegt, fiier lieint mir aber die Vorstellung 
von geschoTsnen pCfilen^ wo sie in deulsclien gediehten 
vorkommt (doners lurnei von Nantheiz 35. 150i, erst 
den Griechen und H(imern nachgeahmt; der deutsche Do- 
nar vririlt eigentlich keilf(>rnuge steine vom himmel herab, 
es wart nie »tein geworfen dar ''in die hohe bürg), er 
enkflsme von der scfitlre. Ecke 203. ein plins von don* 
restr&len. WolTram 9, 32. sehn rester n Bit. 105^2« scha- 
iveratein Suchenw. 33, 83. in der heutigen spräche 
donnerleil , und nach dem Volksglauben fährt mit dem 
zündenden blitz .ms der wölke zugleich ein sclm^arzer 
keil tief wie der, höchste kirchtltnrm *) in den erdbode.n 
nieder, so oft es aber donnert, beginnt er der oberiläche 
näher zu steigen, nach sieben jähren ist er wieder oben 
auf der erde zu finden, jedes hans, in dem er aufbewidirt 
wtrdy ist vor gewittersohadien sicher , und sobald ein ge* 
witter naht) fangt er an zu Schwitten.**) solche steine 
heifsen auch donneräxte^ donnersieine, donnerhä/nmer^ 
aibucho/se^ strediieieine , teufe/sßnger in beiden« 
gräbern gefiindne steinhämmep und Steinmesser führen den- 
selben namen« Saxo gramm. p. 236 ftofsert sich gans 
deutlich so darüber: 'Inusitati ponderis maUeos, quos jo^ 
viaUn vocabant, • • • prisca virorum religione cultos • . • • 
ciipiens enim antiquttas tonilroonim oatmas usltata rerum 
similitudine comprehcndere, mal/eofi, (|uil)ii8 cocli fragores 
cieri credebat, ingentl aere complexa lueral. 



*) diese iieff wirrt in »ndern flurlieii inAnnigralti<; nuflgerfr&ckt» 
s. b. der doiirier »ciliare dich so tief in die erde all ein hife ia lina- 

dert jalircn iauftMi kann! 

••) Wed.lip.'ns «ostpliäl. mag, S* 713. ^Vigands arciiiv 2, 320, wq 

firn/i jnlilO xtatl 6trl>cil. 

<Ue gr. beaenaiiag des »teias ist ßik*ftyitr^i^ gescItolW 



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DONAR 123 

EHe nord. mytliologie legt dem Tbörr ausdriicklidi ci- 
uen wunderbaren hammer zu, MiÖlnir (tiides, contun« 
dens) genannt, den er gegen die riescn schleudert. Saira« 
57** 67*» 68^; er heilst auch tliritdhhamar (sUrker ham- 
mer) Snpm. 67^ 68% und hat die eigenscliaft nach dem 
wurf von selbst in die liand (des gottes zurückzukehren. 
8n. 13?. diesen hammer, wenn er durch die luft fäJirt 
(er hann kenu' a lopt. 8n. 16), kennen die riescn, seinem 
vurf pelien hlitz niul donncr vuiaus: thvJ n.xst sa hana 
fdei rlese Ihüngnir) eldingar oc licyrdln ihrumur gtö- 
rar, sä liann llia Thör t äsniodhi (in gulllicliem zorn), für 
hann Skailega oc reiddi hamarin oc kastadhi. 8n. 109. 
augenscheinlich ist es der nach vorausgeliendem blitz und 
doBBer mederfahrende, zmchmetterndc keil, den man sich 
dber als die dem gott immer yerbleibende waiTc dachte. 
8axo« p. 41 stellt ihn als eine heule (dava) ohne grif 
dar, was %n der eddischen ersäiilung von der yerfertigusg-^ 
des hammers stimmt, wo ihm als gebrechen angerecluiet 
wird, dal's sein schaft zu kurz sei (at forskeptit var heidr 
pkamt.) 8n» 131* kunstfertige zwerge'*') haben ihn geschmie- 
det, und er war, jenes felüers unerachtet, ihr meisterstüek« 
Der göttliche hammer galt für ein heiliges geräth, mit dem 
hiilate und leiohen geweiht werden (Sssm. 74^ 8n. 49* 
66); das kammerzeicken segnet,**) wie bei den Christen 
dM' zeichen des kreuzes^ und der einschlagende blitz galt 
Im mitteküter noch lange für die glückliche, 'einweihende 
TOfhedeutinig eines Unternehmens* Vorzüglich wichtig und 
die Terbreitung des düheidnisdien glaubens bestKtigmid 
scheint mir aber das schöne gedieht der edda hamars 
keimt (mall^ recuperatio) '^), dessen inlialt darauf beruht, 
dafsTliörs hammer von einem riesen entwendet und acht 
meilen tief in die erde verborgen wird : *ek heii Hlor- 
ridha haniar umfölffinn alla rüslom lur iürdh nedhan', 
Saem. 71*, das hängt unverkennbar zusammen mit dem 
angeführten Volksglauben, der donuerkeil iahre tief in die 

: *) wie Cflreteo oder Cfclopeo des Zeos blitz. 

•*) im alttleutsdiea recht heiligt hammeru urf den erwerl). 
*'*) kein nndrcr prsanpr Her tfida zeigt «irli so fest in die nordi- 
sche volkspoe»ie verwnrlisen ; die diciiliinj; lelit in srliwedisrlien , nor- 
wegischen, dänisflirri iiedern fort, welrhc sich zu jenem eddischen ver- 
blkes, wie da^ volk8lied von Hildebrand und Alebrnnd 2u der aitea 
dichtoog. Thor tritt akht mehr als ein gott auf, sondern als Thorkor 
(Tliorkarl) oder Thord af Hafsgaard^ dem sein goMliamraer gestolen 
t^t. v{r|. Idnna R, 122. Nyenips iidvalg 2, 188. Schade betkrirelse 
*»ver öen Mor«<. Aalhorjr IHM. p. $*3. Vgl. die nierkwiirdige »lage ?on 
Tliort ha nuier und tt^g bt i bnye norske sagu. Arendal 1833. p. ft. 



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IM 



trde und bnmdM sieben (neun) jähre um wieder «6f die 
oberA&che «a rücken, er stei^i gleiGhsam jedes jähr eine 
meÜe aufwärts. 

Ein anderes »ciipnia für die gemeinscliaft des mylhus 
vom donnergolt zwisdien Scaruliiiavien und dem übrigen 
Deutschland kann das worl liamnicr selbst ablegen, /ta- 
mar bcdetilel in*spriiui;li« h einen liarleu stein,") leisen, 
und dann eist das daraus verferliglc gerälh ; das alln. ha- 
marr hat noefi beiderlei sinn rupes und malleus, sa/is 
wieileruni isl sleiinnesser, folglich das lat. saxum. eil 
nun des golles Jjanuner einschlagt und die üüche *der c/o/i- 
ner schlage dich' oder *der /lammer schlage dich!' gleich- 
viel aussagten, so entsprang in einigen, /umal aiedenleul- 
scheu gcgcnilen , nach dem Untergang des gottes Uu/iaPy 
eine personihcation des >vorles Unmar mit dem begriffe 
T(»(l (Hier Teulel. Mal die de//amer/' *i vor den Homer P 
*de Jlatner slaT sind nocli iet^t unter dem volk gangbare 
redensarlen . in vvelchen man Hamer mit UlweL vertaii- 
ecken kann , die aber samtlich auf den mit dem hanuiier 
einscldagcnden goll zurückgeführt werden müssen, ebenso 
licilst es *dal is eu Hamer, en hamer sie n kerl', ein ver- 
teufelter, verwegener, listiger menscli. **) Hemmerlein 
(malieaius), meiater Hämmerlein bedeutete den bösen 
geist, den teufel. hierbei am erwägen ist tfuch die in flü- 
chen übliche Verbindung der nameu; donner imd teufeli 
-welche beide den alten gott meinen, in Dänemark ver^ 
sieht das volk unter gammel T/tor den teufeL 

Aiterthnmiidier war die Übertragung rinzehier eigen- 
•chaften und namen des heüands, oder jüdisclicluistlklMr 
sagen auf den heidnischen gou ; namen i^:<h der ni) thus 
von Leviathan auf lörmungandi*. wie Christus durch sei- 
nen tod die ungeheure schlänge überwältigte (Barl. 78, 
39 — 79 y 14), besiegte 'Ihörr den midgardsorm , und bei* 
den kommen ühnliche epitheta su. **^)* die ähnlichkeit der 
seichen des Kreuzes und haromers dasu genommen, würde 
es nicht befremden, wenn die neubekehrten Deutschen un- 
ter Christus sich auch noch den lierrn des donners und 
verleilier des regens vorgestellt hätten, desto leichter 
konnte die anwendung auf Maria^ golles multer; gemacht 



♦) s!a\. kHineii (hteiii), littli. akmii, gen. aknu n.s. kam r-: liam. 

**) Urem. wl». 2, 57'». vgl. Sclini. 2, i;>2; AnU «lidi der hiumufr 
Scilla;;, ein f;roJ.\rf huiuiner hchiag I Abele» küu&ll. uuurdn. 4, 3. ge« 
nrtit.4i. I, 673. 1, 29». a»2. 

'*-) Finn Masuiuicu kx. 4M. 485. 



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DONAR 



werden (s. 118); wirklich nennt iler alleslc troiibndour 
(Diez p. 1.5. Hayiiüuaid 4, 83) Ouislus juucii den hetrn 
des clun/icrs (Ihosiis del Iro.) 

Ein neapolitanisclies jiiaichcu Im penlanieronc 5, 4, 
pcrsonili eiert donner und blitz {truone e lanipe) als einen 
»diöneii jiiugllng, den bruder sieben spinnender iuiigfrauen 
und den 8ohn einer alten bösen nmtler, die keinen Inihe- 
rcn schmir hat, als *pe truone e lampe,^ auch in dieser 
Überlieferung, ohne dafs ich sie äuiserücli mit der dcuU 
ichen in Verbindung tetsen möchte, *) erhält sich die idee 
iiaes güdgen, woltfamgen donn^ottes , keines feindlichen 
und teufliiichen. 

Der grofs« kafer» den ynr lurscbachröter , feuerschrü- 
lerneanea, lucamis cervus» taurus, heifst in einigen süd- 
deutschen atrichen donner gueg^ donnergnge^ donner puppe^ 
Ton giieg, gucgi (k&fer)» vielleicht weil er sich gern auf 
eiehen, dem donner heiligen bamnen, findet? denn er führt 
auch den namen eichochs, schwed. ekoxei aulserdem aber 
feoerschröter , fürböter (feueransünder), bömer (brenner), 
hansbrcuncr , was seinen bezug auf donner und blitz an- 
deutet, das volk sagt, er trage aul seinen liürnern glühende 
kohlen in die diicher und stecke sie an ; beslininiter ist die 
abernlanbe p. xcvi, 705 angeführte meinung, dafs das wel- 
ter in die hauser scidage, worin man den Schröter getra- 
gen hat. scbwed. wird der käfer noch genannt hornlroll. 

Unter kraiitern mu! pllanzen sind hervorzuheben der 
donnerbar die hauswuiz, sempcrvivum tectorum, welche 
aufs dach gepflanzt vor dem einschlagen des blitzes si- 
cher! : harba Jovis vulgari more vocatur (Macer Flori- 
dus 741)9 fi*anz. Joubarbe (vgh anhang p. Lvm;) der don^ 
nubewn^ ein struppiges, verwirrtes, nestartiges gewüdbs 



*) woher hat die ital. spreche das wort trono (neapol. truono) 
mImi #110110? die proTeasstiiche in gleicher bedentnn«^ trotts? ist das 
R aus nnscini doaar ciogenisclit? (v|H. droboenX odsr gieag der be- 

grif des tat. thronus üher in von himmel und doaner? joaes Iba* 

soi del tro konnte auch blof« bedeuten: herr des firmnments. 

*') pleit h dieser hausn'urz (liauswurzel, abergl. 60) ist der Hage- 
dorn ^alimiipina) schnt/mittel wider den blitz (mem. de Tacad. reit. 2, 
StS), bei den alten Unniern der lorheer oder die um das hnns ^e- 
P ^MWtt wnfwt rebei vgl. brennessel (abergl. 336.) ^/ialnizn'eige auf 
■oblen gelehrt, liebter angezündet, feaer anf dea heerd gemtcht, bt 
gst (ur gewitter.* (braooschw. ans. 1760. p. 1392.) aneh der kreus- 
po^el (weil i»tin Schnabel ein kreuz ü<ler hnmmerzelchen bildet?) schutxt 
(abergl. H3r>.), aber das nistende mt hlcfilchen oder rothschtffinzrhen 
scheint dm hlitz lierbeizulocken (alwr^;!. (i29. 70 4^) ; war ei, det fO- 
Uteu geüederi* wegen, dem rothbäriigeu gott heilig Y 



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1» 



OONAE 



auf baumiSsteBy desaen- emugiing der aberglanbe dem bliix 
sntcfareibl^ es iiihrt auch den namen dlpnUhe\ daa dim^ 
nertraut (sedum); der donnerßug (fumaria bulbosa); 
die donneriUsiel (eryngium campeslre) ; düii« tordenshrep-* 
pe (klette.) den Südslaven heilst die iris perunikaj Pe- 
rofi» bliime, den Letten der liedericli pehrtonea. Vor al* 
Icu bünnien war die eiche dem Donnerer geweiht (s. 41. 
44); den Serben lieilst eine beslininile arl eichen grm^ 
und grniik ((juercetuni), ohne zweiiel in naher ver\N andl- 
acliail mit grum (tonitrus) grmiti oder grndjeti (tonare.) 

Vielleicht geluirt eine beneniuing der Schnepfe (scolo- 
pax gallinagü'i liierlier: donnerziege y donnerstagspferd^ 
hininielsziege^ capella coeleslis , weil sie in der luft me- 
ckern x>der Nviehern soll ? sie wird aber auch wettervogel, 
gewittervogel, regenvogel genannt, man beliaiiplet^ dafs ihr 
\h\'i nahendes gewiller verkünde, dän. myreliest, schwed. 
/lursgjÖk , isl. Iirossagnui r (pferdeguguk) vom gewleher: 
wenn er zum erstenmahl im jähr sich hören lalsl, zeigt er 
den menschen ihr Schicksal an (Blöru s.v.)*' olfenbar haf- 
ten abergläubische vor'itollnngen auf diesem vogel. sein 
lettischer name pehrko/ia kasa (douiierziege) , pehrkona 
alisia (donnerbück) stimmt völlig £U jenem ueutschen» 
Nack der edda bat ThOrr ein gespann bocke vor seinem 
doanerwagen: zwischen ihnen und dem mythischenr wet- 
tervogel, der aU bock oder pferd (immer als ein wagen- 
siehendes thier) vorgeatellt wird, scheint irgend eine halb» 
TOrdunkelte besiebung zu walten. Ob dem deutseben don« 
nergott vorzugsweise bocke und ziegen (oben s. 3t. 32) 
geopfert wurden? das altrömische) etruscische hidenteU 
(Ton bidensy lamm) beseichnet die stelle , wo der blitz 
eingeschlagen und einen menschen getödtet hatte: ein lamm 
mufste da dem Jupiter geopfert werden. Wenn die Os- 
seten und Circassier ilurem donnerer gerade so bei der 
vom blits getroffenen leicfae eine ziege opfern und das 
fM an einer eiange aufrichten (vorhin s. IIS)» so 
vrird dadurch noch um viel wahrscheinlicher ^ dafs das 
langobardische ziegenopfer keinem andern als dem Donar 
gegolten habe, denn der gebrauch des feUauJhängene 
war langobardisch und galt auch bei anderm anlai's, wie 
demnächst dargetlian werden solL 

Ortsnamen , deren Zusammensetzung den des gottes an 
sicli trüge , bieloii sich , aulser dem vorhin angeführten 
Uonnenibcrg y in Deulscldand noch einit;e andere dar. 
unweit Oldenburg liegt ein dorf geheifsen Donnerscfnvee^ 
früher Duunerswehei Donuerswede (K.oldi handb. voii Ol- 



biyilizeü by 



DONAR 



127 



deub. 2, 55), das an Odinsvo, Wodcncswege (s. 107. 108) 
gcmahut; elulem stand darin eine jetzt eiugegangue hnrg. 
ein dorf Donnersretit ist in Franken, gegen ßöhmcn hin, 
anzntTefl'en, ein Donnersted im hraunschw. aml Tiieding- 
liauäeu \i. s. w. Viele in Scandinavien, z. b. in Dan mark 
Torslunde (Thürs lundr) Tosinge (Thürs engi) meh- 
rere in Scliweden. Thorsbiorg und Thorshöf n in Nor- 
wegen (fornin. sog. 4, 12, 34^); Thorsniörh (ein heih'ger 
wald?) Nialssaga cap. 149. 150. **) Kinzelne solclier be- 
nennnngen kiuinten von dem mensclilichen eigeiinanicn oder 
von der naturersclieinung liergeleilet Averden, nni ihres be« 
zugs auf die goUiieit völlig siclier zu sein , müssen lüsto« 
rische imiatände ibrer it e ili g haltung und verelirung hinzu» 
treten« 

Donar j m der cinfacheu form, als mannsname konunt 
aeken vor; ein edles geschleclit um Kliein hiel's Donner 
ton Lorbeini (Siebmacber 5, 144.) auch ableitungen und 
composita damit sind in bocbd. spräche ungeMPühidi( h; 
eine keiimgiscbe urk. im cod. lauresh. num. 464 hat Do» 
naradf was ich für das altn« T/i6rdfir halte ; die tradit» 
liikL29 2S jilbthonar, dem alln. umgesetzten Thdräifr ver« 
gieichhar» Desto häufiger ersclieinen solche namenbildun* 
gen im Norden, wo sich der dienst des gottes lange ans* 
breitete: TMrarr (ahd. Donarari?), Thdrir^ ThdrdhTt 
TfiSrhatir, Thdröljr, Thdrodär vmd die weibUchen TUra, 
ThSrun^ TliSrarna (gebildet wie diorna, gramm« -2» 336), 
TMHUldr^ lYiSrdia u. s. w. ich sehe den gnmd nicht 
eiDy weshalb die heran sgeber der formanna sögnr den ei* 
gennamen Thörgeirr^ Thdrbiörn^ Thörateinn, TMrhetilly 
Thdrvaidr, JMrfinnr^ Tfidrgerähr u, a. m. den laugen 
Tocal entziehen» der ihnen gleich den vorhergelienden za 
gebühren schebt; mit dem abstracten thor (audacia) sind 
sie schwerlich zusammengesetzt, auch wird i t der ]NiaIs- 
saga z. b. cap. 65 Tliorgeirr, Thurkatla geschrieben. Der 
bäufiae name Thdrketill {verkürzt in Thörkell, dan. Tor- 
küd), wenn er kessel, gefäfs des donnergottes ausdrückt, 
gemahnt an jenen opferkessel ^^ uotans (s. 34.) in der Hy- 
misqvida wird besungen, wie Thorr einen groTsen kessel 
herbeiholt. Beruh tenswerth scheint die verbindinii? von 
yilp und Donar in Albdonar und Thuralfr, weil auch der 
donnerkeil a/pgeschofs, das donnerkraut alpruthe heilst; 
es muis eia nahes Yeriiäiinis zwischen dem gott und den 



*) andere Terzeiclinet Siihm krit. hiüt. 2, 651. 
'*) Votmeramarkt ein edles geschleclit ia Sclilenen. 



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las 



DONAR 



Elben besteh«!, wenn audb von Seiten der letiteni ein un- 
tergeordnetes. 

Tliörr galt nach Odhinn fiir den mächtigsten und 
stSrksten aller gütter, die edda stellt ihn als Odhins söhn 
dar (Sn. 101), was gana von der rdmischen auffassung 
abweicht^ die den Jupiter als Mercui*8 vatcr annimmt (oben 
8. H2); Stammtafeln lassen freilich den Tliorr als almcn 
Odhins ci6Llicinea (anliang xx. xxi.) Gevvuhnliili w'wA 
Thorr gleirl» nt'l)cn Odhinn, zuweilen vor ihm genannt (g. 
109. \ielleichl Avar er noch mehr als Odhinn gefürch- 

tet, lu'giier, hei Saxo gr. 11, bekennt: se, Thor deo ex- 
cepto, nuliam polen liam expavere. Er ist der eigen llitlio 
landesgott, landcts (palrium nunien) der Norweger. EgiLss. 
p. 365. 366 ; seine lempel und bildseulcn sind in iVorwc- 
gen imd Schweden die hauligsten, und dsmegiriy gültlidie 
Starke» ^vit d 1)esoudcrs von ihm verslanden. Eben darum 
suchen Überlieferungen ^ die noch zur christlichen zeit haf- 
teten j aUes gehässige auf ihn zu >verfen und ihn als teuC- 
lisches Aveseii darziutellen, von schlimmerer art als Odhiiio, 
Tgl. Gautrekssaga p. 13. Finnr schleppt Thörs bildseule 
SU Olafy spaltet und verbrennt sie^ die asche mengt er in 
brei und gibt ihn den hunden zu fressen : 'es ist billig dafs 
faunde den Thür essen , wie er selbst seine sOhne afs.* 
fomm. 8üg. 2, 163. das ist Schmähung , die edda weifs 
nicht das mindeste davon ; sie erzählt vielmehr, dafs JVI^hi 
und ÜNIagni ihren vater überleben. 

Seil ilcr bekann tschafl mit römischer gütlerlehre setzen 
die Sehl iiisteller den deutschen donnergott und Jupiler 
gleich, nicht nur dies Jovis heifst ags. 2yiufiresd'dg, son- 
dern auch Lalona, Jovis niater Thu nr esmodur; capitolium 
•wird von den Isländern IVidrsho^ übertragen. Unigckehrl 
versieht Saxo gr. p. 236 unter Jupiter den einheimischen 
Thor, Je 1% r kinderfressende Thörr scheint fast Verwech- 
selung mit Saturn, Jupiters vater? des presbyter Jotfi ma- 
ctans, der sacra und feriae Javis (im indicuL pagan.) ist 
a* 86 erwähmmg geschehen. 

Letzner (bist. Caroli magni* Hildesh. 1603 cap* IS am 
Schlufs) erzählt : alle jähr, sonnabends nach laetare kommt 
auf den kleinen hildesheimer domhof ein bauersmann, son- 
derlich dazu bestellt» und bringt mit sich eu^ei hälzeTf 
legliches einer klaiter lang, daneben zwei andere kleinere 
kegelfümüg gespitzte« die beiden grofsen setzt er gegen* 
einander in die erde, die kegel oben darauf, bald und in 
der eile versammeln sich dahin allerlei buben imd jung 
gesiudleiu und werien uiii kleinen oder stocken die kegci 



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DONAa 



129 ^ 



von den klutzen lierab; andere setzen sie wieder auf und 
(las nh\v(MTpn gellt von luiieni an, unter diesen kegeln 
sind die bcidnisclien, teuüischen gützen zti vci stehen, wel« 
che die christlich geworduen Sachsen niedergeworfen 
haben. 

Des namens der götzen wird hier geschwiegen, *) ei- 
ner davon mufs aber damals schon, wie noch später, Ju" 
fiter gehctfsen haben. **) unter den bäuerlichen abgaben 
lu Hüdesheim kommt bis auf tuisere zeit ein Jupitersgeld 
vor. (las dorf Grosfenalgermissen hatte jährlich 19 ggr. 4 
pf. \inler dieser benennung an den todteiigrüber der dom- 
kirche zu entrichten : ein algerniisser Ijauer niuste jedes 
jaiir einen vier luls holien , rulsilickoii, achteckigen klolz, 
in einen sack gesteckt auf den (lunihui bringen, die Schü- 
ler bekleideten (liescii Ivlotz mit mantel und kröne, grifl'en 
den nun so genannh'n Jupiter erst von der einen, dann 
von der andern seile mit sleinwürfen an und verbrannlcu 
ihn ciidlirli. Das nicht selten von Unordnungen begleitete 
volksic6t \%iirde nielirniiihls .untersagt , ausgestellte wachen 
sollten das verbot wirksam machen; zuletzt erliefs die kü- 
nigUche kammer das Jupilersgeld. Jenes dorf Algermissen 
hatte sich vielleicht bei eiuführung des Christen thums durch 
seine anhanglichkeit an den alten glauben die strafe der 
ibgabe zugezogen. 

Ich betrachte freilich als ganz unausgemacht ob dieser 
Jupiter bis auf den Tliüfiar der alten Sachsen zurückge« 
föhrt werden dürfe* der gebrauch wird nur durch proto* 
colle der letzten jh. bewährt, und frohere bestimmte zeu- 
gen treten dnftir nicht auf; aber seihst der abweichende 
letznerische bericht lafst eine uralu^ volkssiltc vermuten, 
die, MeiHi auch Jupiter nichts damit zu sciiairen hat, der 
aufzcichuuug werlli sclieinl. die zcitbcstiiiuuuug lactare 



') in der corbelsclien chronik, Ilanil). !590. cap. 18. nuiiit Litz- 
■M, e« lei der gutt der Irnieoiieuie. l^etzuer bezieht äicti auf liM* 
Mchricblca «fea Coor. Fontsaas, eines helmenliäoaer benedictiners Im 
11 Jh. 

**) ein an ende des 14 oder anfing des 15 jh. aufgesetztes lül-« 

Hf-xheimer reffister hat: *de ah^otter so siinimljeiides vor laetare von 
finem liausmann von \l<rernii.s&en pe.sctzet, darvor ilini eine hole lan- 
utliort zur (»(inknieisterie, und wie solches von dem hausmanii 
uicia gcseti^t worden, gehurt caniori de ijove laodes/ hanno verteile 
Metbläuer 183a p. 30. 

***) Lintzel die banerl. lasten in HUdesheim. 1830 p. 805.. Iian- 
Mr. mag. 18S3 p. 693, protocolle von IT4*i. 1743 in einem aafsatnc 
*ibcr dM iteinigMi des Jnpitei^ (Iwnnov. landasbl. 1033 p. 80.) 

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m 



DONAR 



erinnert au das allgonieiii in DeulsclJantl vorhreilele toü- 
ouslreibcii, wovon idi im vorloli; Imiuleln werde. 

linvcrkcnnbarcr iiberrcsl der vcrehruni; des gültcs i'^i 
die noch bis nuf die iieusle zeit unansi;erotlete Ijesondm' 
bf'iligbnilung des dütuierstd^s tjnter dem Aolk, wie m<' 
sclion in friiliern denkmnlorn des .MA. ani;eaeben ist: 'iiiil- 
Ins diem Jouis in olio observel' (abergl. p. xxx)^ Me je- 
riia quae faciunt Joid vcl Mercnrio' (p. xxxu) ; ^quinlnni 
fcrlam in honorem Joi^ls honorasd* (p. xxxvii) ; donners- 
tags abends darf nicht gesponnen nnd niclit gehauen 
werden (scliwed. abergi. 110 vgl. ileutscli. abergl. 517. 
703.) die Elislen legen dem donnerHag höhere heiti^eit 
als dem Sonntag bei. *) 

Wenn Jupiter auf diese wel<e im aclilcn jb. gefeiert 
war, wenn das capilidare von 743 für nüthig fand, eiii 
'ec forsacho Thunare^ ausdriii kiich zn gebieten , und vie- 
leS| was sich auf seinen dienst bezieht, nodi spater unatis- 
gerotM fortdauerte; so läfst sich nicht bezweifeln) dals rr 
auch schon früher von unsem vorfaJircn für einen ^rirb* 
liehen golt^ und einen ilirer grOfsten^ gehalten wurde. 



') etwas über Hit Elisteu p. 13. 14. 



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* 

Zlü 



CAP. IX. ANDfiRE CiOTTfiR. 

Darin dafs die beiden laaiiptgottlieiten deA Noi-dens, 
Odhian und Thön , gerade auch bei uns noch am erkenn- 
barsten vortreten I schant mir ein bedeutender grund fQr 
die behauptete Urgemeinschaft der dcutsclien und nordi- 
schen niylliologie «u liegen, wären die angefahrten viel- 
faclioii spuren des glaiibens an AVuolan und Donar ein 
spiel lies zufallsj \varum hiitlc er ('!)en sie, und nicht an- 
dere güUer von gei iiii;ereni rang holrolVcn ? ilirc voreliruu!; 
halle unler den heidnischen Deiitsilien liefer gewiiizeU 
und konnte damin nur schwerer und hmcsamcr vertilgt 
werden, dennoch lassen sich an( Ii uocli einzchie der übri- 
gen göllei' nicht nndeullicli erkennen. 

In den iilleslen uns iiherliererlen nachri« hlen der Rö- 
mer und Griechen ^vIrd Mars oder yirrs als ein liaupt- 
potl germanischer vülker ansi^ezeichnet und gleich ne])en 
IMercur anriieslcUt. die zeuanisse sind s. 27. 84. 85 ge- 
i-aniiiioll : Im i Tac. bist. 4, 04 heilst e?^ «geradezu : *conunu- 
nibus deis et praecipuo deoniiu 31ar[i i;ralcs ai;inins', niid 
nocli bestimmter redet Frocop von der verelirung des ''y/Q7]S 
bei den Nordhewohnern ') : tTie} <&£6v itVTov vojtti'^ovai 
ftiyiOT ov eJycct. Jupiter scheint vor ihm zuriickzutre- 
ten, einigemal wird er statt JMercurs genannt; ganz be» 
greillich, da aiicli Wuotan als siegverlciher angenifcn Avur- 
de (s. 96), darum konnte der s. 85 angefüiu^te glossntor 
Wuotan durch ^lars ühertragen. die nahe berübrung bei- 
der gütter soll sich sogleich noch mehr bestStigeii. 

In goth. mundari mul's der goti des Sieges TVi^«, «sen. 
Tipis, gebeÜ'sen haben, in ahd« j^iu oder Zio^ gen. PjuU 
wes, ZieweB\ in altn. lautet sein name 2^ti gen. 1^^, 
ags. Tiv, gen. TYt^es. diese formen entsprechen haar^ 
scharf dem lat. dejiSy das zur allgemeinen benennimg aller 
gdtterwärd» und dem ^.Zevg, gen. z/iog, das den obersten 
gott bezeichnet* schon daraus folgt, dafs Tins, Zio einen 
der hehrsten götter, dessen namen und eigenschaften in die 



') (-hu lirut ist ihm ifir nllprpinciiicr namc, er reclmet zu ihnen 
ftber nnmtntlirli luvioi. die Ütni rirlitij^ ein audcres volk :>in(i aU 
Öle litOiH. (v«l. t-ÜU. au'Ä. 1828, :ir>3.) 

9* 



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132 ZIU 

des Wiiotai) und Donar iibciliofen. im allrt. werte tp' 
liei»t ziigleicU der l)ri;rir von lainn , gloria. das alls. tfi\ 
gen. lireas (gloria) Hol. 4, lö. 80, ü. ai^s. tir^ gen. lires* , 
sind weiter mit Ii abgeleilel, scheinen aber für /yr zu 
Stehen = ahd. 2/0/' oder ziori, iivn. ziorcs, das ich nirht 
nacliweisen kann, wol aber das daher abi;eleilelo adj. ziori^ 
zieri (insignis , famosus.) in znsaniniensel/ungen verstärkt 
tir die bedeulung: tu last, tireadig aeelarns , praedivos), 
dtmelod Cädm. 143, 7 (sumnnis deus*) es ist vorzügHcii 
der vom alten gott abhängige kriegsruhm: Üsclir (&peer* 
nüun) Cädm. 124, 17. äaca tir 127, 10. 

Den iloclidenl.^ehcn inid Saclisen liat sich des geltes 
andenken deutlich in der Übersetzung des lat. dies MartU 
(8. 87 — 89) erhaUen. die ailn. lehre stellt Tyr als einen 
aohn Odhius dar: wenn nun Odhinn selbst Sigt^r, Hrdp^ 
tat^r, Gautatyfiy yeratfr, Farnmt^r^ Hdtigal^r ge- 
nannt wird (Saim. 30. 47. 248* Sn. 94 — 96), so kann maa 
darin entw. die mythische gleichhett des vaters mit deui 
söhn (s. III und anhang s. xvi. nole) '^'), oder die allge- 
meine bedenlung des aiisdrncks tyr, d. h. deus, divus fin- 
den, für letzteres streitet , da^s auch Thurr initer dem 
nanien Rcidlidi tyr, lieiä/iily'f d. h. goll des Wasens, dci 
dunners auflrilt. 

'i'yr ist nach der edda einhäntlig, weil ihm der wolf 
bis znni gelonk (tMllidhr, carpus) die rechte band abgebis- 
sen bat (Sien». 6')* Sn. 35. 3H): davon zeigt sicli iu deul- 
sclier sai^o keine spnr. die Norsleliung nuds a])er sehr 
gangbar und characteristisch gewesen sein, da auch in 
der altn. nuienerkläning bei dein bm bstab T gesagt wird: 
er einhendr Asa.' dieser buchstab führt de« gölte« 
namcn; auch die ags. runen nennen ihn tir^ die poetische 
dentnng: *Tir bj'th tacna simi, liealdeth treova vel vith 
ädheiingas^ (tir ist ein zeichen, erhält treue unter den 
menschen) scheint den unpersönlichen sinn zu meinen; 
an Thdrs hani merzeichen darf hier gar nidit gedacht wer- 
den, die ahd. runen, welche den namen dorn auf D, den 



*) den langen vocal zeigt Cadm. 64, 2 91, 15. 184^ 97. 187, HK 
143, 7, und die ngi). Iiss. verwecliseln häufig i und y folglich t nad ^. 
tncli altn. wird tlr nel>en tjrr geschrieben. 

liegt in diespiter der gen. <^<oc, so moss darunter anfnnglicli 

der Zeil« vater verstanden %vorden sein, der nachher mit dem be^f 
des sofins zusnmmenfifl. ( firi>ru<* heilst .sowoiil ^ott als i^ot 1 es so/m: 
UnU\ «Irohrfn Iki!«) drohnite.s Uarii (llt^l. lau, Q) iiara godei (.46, 20} 
»umi drohline:» (U.'), 



i 



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ZIU m 

iiainen lac auf i auweiitlen nni^^oii. iKHliirliMi für j^iu des 
ihr ali)lial)Ct Ff hlielseudeii hiichslaijs Z. bobaUl aber ein 
ruueiiv erzeichiiis ihorii liir TU. dag lür D beibehält, zeigt 
es auch T^Ie für T (wio der cod. Isid. paris.) ; im 8. galler 
tüJ. 270 verli.ill es ^ich eben so, mir dais uiirichliji doru 
«lall ihorn, lag stall dag geschrieben ^^ ird , ricblig 7V ne- 
ben T. tier pariser cod. 5260 gil)l dhron (Uiurii), lac und 
Zlu; der salzburgcr dhorn , I'i und daeg; überall ge- 
>vübrt u.is die form y^itc eine huclideutsche, die form ZV 
eine niederdeutsche , sächsische auiFassiitig. zumal bemer- 
keus Werth im aber im wiener cod. 140 der Dame l}yz bei . 

iu einem aiphabet das golhisdie buchsiaben gebrau clit; 
denn Tyz käme der oben vermuteten goth. form Tius 
ziemlich nahe. Die beibehaltung und iolgcredite veräu« 
denmg dieses götternamcns in deu runen vemhiedner deut^ 
scher Volksstämme darf als eüi zweites zeugois für die 
frühere ausbreiiuug seines culttts angeselien werden. 

Walirscheiulich waren dem Ziu, -wie dem Wuotan 
und Donar, berge geheiligt. Sigtys berg Ssem. 248* braucht 
uicht gerade auf Odhinn bezogen zu werden, da Tjrr gleiek 
Odhiun sieg verleiht, ein ort in Seeland, von dem volks* 
sagen geho, heifst Trbierg (Thiele 2, 20^; andere seeläu* 
dische örter Tlspelde (Tis quelle), '1^8Ung\ ein jütischer 
2y«/a//k?, Tnslunde, schwedische örter: jTisiad, Tisby, 
Tujöf Tfited. auch einige deutsche können luerher ge- 
hören: die weimarische carte hat secUon 38 ein l^sdorj, 
sect, 48 Ziesaberg. 

pflanzennameu« altn. Tyfaßola^ wol nach dem Ut. 
viola Marlis, märzviole; 'Tyrhialm (aconitiun), sonst auch 
T^wrhaltn, Thorhat {heim, hut des Thor), auf deuuch 
sturnihul, eisenhul , daii. troKlhat , ein kraut dem Zauber* 
krafte beigelegl werden, und dessen helmlürmige gestalt an 
die heidL'ii kriegerischen gölter, T}'r oder Thorr erinnerte ; 
Tsvidlir. il.in. 7\ufeil. 7\sve(i (i\d\A\nc nie/ereuni), hei- 
SiUiJiisdi //.s/, tistbast. der kollerbuls, eine schöne giflbhnne. 

Noc h ihleiuc erlauUn ung des merkw ürdigen unlersthicds 
XU Ncrsuclien, der in dem nanicn des drillen woclienlags 
?'.^vischcu dem schwabischen und bairischen volkssiamm 
stall findet (oben g. 88.) die lioutigcn Raiern und öst- 
reirlier, ohne zweifei atiderc alldonlschc \ölker mehr, die 

jelxl niclil aniieben können, luinion und nannten die- 
sen lag ertag , irlag, iertag, crvtugf ^'udlallg p. lvhi.) 
h'nM'in licinl in« iils al-« eine nebenlieonninng des ki iegs- 
P'IU Ziu /A\ liegen, an "A(;;;s', Zeus s<din, «kirf ni<ht 
^uiuchi^t gedacht werden, wul aber au einen deutschen na- 



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ZIU ER? 



men, lür, Eor, It , der jenem f^riecliisclicn hcuoiinple. das 
vriclitii^sle scheint niir nun, dals in den liot lul. üisL hen und 
gaclisisclien runenyorzi'ichnisscn der l^iiclislal), weklier den 
namcn ZAii. iiihrt, hin und ^vieder aucli llur , Ear^ Aet 
genannt -svird *), ja aiis. alphabcte fügen geradezu dem 
Rar noch eiu ?Vr (oder Tis!) hei.**) graphisch betrath- 
Ict ist der l)nchslnl) Z (Ziu) siclilbar ans T (Ty) eulspruii- 
geu ***), durch zwei zu beiden seilen angeluingle aulwarts 
gehende striche* die Angeisachsen hatten kein Z in iJircr 
Sprache Döthigy -wol aber die Alamannen und ßaicrn; ftir 
das zeichen war nur die (wir woHen annehmen alaniaii- 
nischa) beoennung Ziu sclückhch, die Baiern (vielleicht die 
Mareomannen und andere mehr) wandten den bei ihnen 
Yorhersohenden vocaliscli anlautenden namen des krieges« 
gottea 45Sr, Eor unpassend darauf ap. angelsScItsische 
achreiber, die das selohen aus hochdeutschen alphabeteii 
entlehnten, müssen gleichwol die bedeutnng des namens ge« 
kanut haben, weil sie mit Bar das 8ynon}me Tir verbin- 
den, auf die poetische auslegung: ^ear bytli egle eorla ge» 
hvylcuni' u. s. w. isl gar hiihls zu geben. S öl (hergeslall 
lielfcn uns die allen runen < rkläiTii, warum dies ^Marlis in 
Hoclideulschland bald durcli zistag bald durch ertag ausge- 
drückt wLi'd. Ich nelinie gleicliwol an, dafs auch unter 
niederdeulschen slainnien, nanienllicli den Westfalen, ein 
goll iiV* bekannt war, und beziehe auf ilui den nainen Eres- 
httrg^ Aereshurg (oben s. Hi — 83\ wofür seil dem 13 jli. 
in ial. Urkunden die beneiiTiung mons Marlis^ in deutschen 
Mersberg erscheint, f) letztere liefse sich ans znsammcn- 
ziehung der worte *in dem Eresberg* deuten, die lateinische 
aber lehrt wenigstens welchen begrif man dam&ls damit 
verband« dieses Eresberc also ist ein Zisherc. in emer 
andern gegcnd Westfalens liegt noch ein Marsberg, ff) 

Freilich sind durch diese Untersuchung nicht alle schwie« 
rigkeiten gelöst; für den Wochentag sollte man Brestae 
erwarten , iiberall aber findet sich ohne genitivisches 8 nur 



•) der cod. Isid. uaria. hat er, der brux. 155 eo (tafel 8tt MoBSI 
qaellcn.) beide feblerliBft. 

**) Wh. Grimm fiber deutsche ruoea p« fMu vgl. taf. 5, alph. L U. 

f ) ^Vigall(!^ archiv I. 1, 86. 37. II. 148. 268. dies Eresborg odrr 
Mersberg gehört in dea pngiis Hessi 8a\oniciui (registr. SanchonU 
p. 42, 735.) 

+1) im pngiis Marstcm, l)ci Marklo. di» fit an der Wrsrr (re}.». S i 
räch. 42, 727.) vidl^^icbt kommt auch Ua^» thäriugificlie Odcr&eburi; lu 
betracht. 



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FRO 



Iii lag, Krilai; ; es vvai c hticlisl cnviinsclil der forin aus alle- 
rer zeit liabliait zu werden. >vie >veim I^re den Baierii 
eine weibliche golllieit, eiiu* Jicllona gewesen wäre? dabei 
üeiiUl mau leiclit an den dunkeln ausdruck ero im wesso- 
hvniiner gebet, das walu^scbeinlich von einem Raier verfalhl 
^vurde: neben i^plu'inil mü-sle ero einen nllgemcineru begrif, 
der den tbribllicben dithler nicht slurle, enthallen ? kein 
golii. Wort lie5;l so nahe w ie n/ras, das die bedeuluug von 
nimtiu8 erlinlien lial , niul -leieli andern feubsl. der dritlCU 
dccl. aiünnlicli und weibücli zu^eicli sein dürlicl' 

Der nädiste goU^ an macht und niimi, ist unbedenklich 
der in aitn. spräche Freyr genannte* wie sehr verbreitet 
auch unter den übrigen deutschen stammen seine Verehrung 
-war, thut sein name selbst kund, dessen heiligkeit noch 
nach annahm^ des christenthunis fortwährend auf das hoch« 
•te wesen angewandt werden durfte« es mufs in dem na- 
men eüi allgemeiner, ausdrucksvoller sinn gelegen sein^ der 
ihn für die besonderheit emes gottes» und zugleich für den 
umfassenden begrif göttlicher und weltlicher herschaft über- 
haupt eignete, während die benennungen der übrigen hei« 
dengötter den Cliristen ein absehen wurden, konnte jene 
noch geraume zeidang unanstöfsig bleiben und bald den 
liinimlischcn herm , bald den Irdischen bezeichnen helfeti. 
Freilich liefsc sich eben darum ein sweifel anfwerfcn, ob 
der nordisclie goll nicht blofs aus solcher allgemeinheil er- 
wariisen, uud dcu auderu stäiniueu Uiibek^uuit ^cblic- 
Ijcu sei? 

Dem nord. Freyi\ gen. Freys, steht nnverkennhor das 
güih. Frdnja^ gen. Frauiins zur 8eite ; ein ahd. /'/ 0/4^0, 
Frowin oder Prouivo ^ Frouwin , ist zu vermulen , wovou 
aber nur noch das zusanmieugezogne Itu itblich ist; die 
aas. foi-m laulel Fred, gen. Frean , liir Freaan oder Freu<p' 
Villi, die alts. DitliOj gen. Frahon und verkiirzi wiederum 
7 /•«>. df I' nord. dialei l pllegl auch in auderu masc. die lu - 
t:ani>( Iisrhwaclie biegiuig mil der starken zu verUuiscIicn 
(vgl. golh. brumia, ahn. brunnr) und v'^chon der ujulaut in 
Freyr /.eigt an^ dal» er früher Freyji werde geheUscn 
haben,*) 

*) die fibergän^e des ^oth. dit in av und des iun In aW. 

iM ans der^^rainniniik iM-knnnt. Man vergleiche su <>M^'t>n formen 
die gsns alinliclieii iau'i, tB\i, taiijan, nlul. /.oiiwnn; mavi, ninujO«» nltn. 
n»ey , mcyjnr; {zolli. Iiavi, liaiijis, nlhl. Iiomvi, altii. Iiey , f»o .- : ;i!ifk 
^tuwa (_in»ub^ altn. r> . eyjnr. ? jroth. '.\\\y,\. Sn\o "^ranim. ncimt 'Ich 
i're>r iV«, gauz nad» üa». luuii'ittit, <iio du* aitn. e). iui*> iu 



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130 FliO 

t 

r>oi Uinia«* ist null frduja der gewohuliclic , auf allea 
blällcrn be^ogiieiulc, aiisdriicU (ür y.voioQ'^i tlio alid. dcnk- 
malcr setzen lieber Ivulil^i, luul nur in der anredeforniel 
JH miu (0. I. 5, 3/>. IJ. 14, 27. V. 7. 35) bat «icli diese 
benennung des göllliclien und weltliclien lierrn (vgl. W 
niin ! im Liidw, Ued) crhalicu, el»va >vle auch ieuce alter- 
thümliche aihora luul sirc (s. 18) zulaogsi in anreden 
datiert, in andern fällen hatte man noch ein ahd« frouwo 
(dominus) zu erwarten, gerade so erscheint, wenn damit 
angeredet wird» im H^Uaud immer die gekitrzte wort form 
Jr6 min! 123, 13. 140, 23. fr6 mtu the gödo 131, 6. 

134, 15. 138, 1, 7. waldand frö mtu 153, S. drohlhi 
jrd mtn 15, 3; '') aufserdcm aber das volle frnliOy 119, 
14. gen. fralion 122, 9 oder fraon 3, 24. 5, 23; einige- 
mal wird frolio, frolion (3, 24) geschrieben, woraus siih 
die conlracliou /ro lei( liier begreift. inzwischen bcilieiil 
sich der dichter des Ifc'lland dieses frabo, IVubo weil selt- 
ner als der uiij^onilir daniil synonymen woilc (hohlfn oder 
lierro ; er stellt immer possessiva da/u, keine adj. (wie 
mari drohliii, riki druliliri, craltag drohtin, Hol) herro), 
noch weniger braucht er es in zusammensetzinigeu (wie 
sigidrohlin.) da^ ag». Ji cci hat noch grulsern umfang, und 
duldet nidil nur adj. neben sich (/r«a äimihtig Cadm. 1, 
9. 10, 1) sondern bildet auch coniposita : agendfred Cädra. 

135, 4. aldorjred 21», 29. f o/r f red, III, 75 ja es wird 
mit dryhten ver])unden: freddrihten Cädm. 54, 29. Beov« 
15B5 (wo fredhdrihtnes) 515o (wo freodrylitne.) von ei» 
uigen andern nachher. 

Obgleich das goth. frduja keinen andern sinn ge« 
w&hrt, als den von heiT (und ein daraus gebildetes ver» 
bum fraujtnön geradezu herschen ausdrückt), so stellt es 
steh doch selbst schon als blofse ableitung dar, die uns 
den gehalt der wur/.el verbei'gen kann, ilie wur/el mufc 
aber laulon frdu, welche iu dem alul. adj. fr6 (gen. froii- 
wes), alls.//Y/ ^i;en. frahes), mhd.t /"/', uhd. froh eisclieint: 
dieses adj. bedeutet laetus; blaudu$, uüüs^ caius ^ dieselben 



wandelt, ein däii. voIki>lie<i nlellt iielieDeinnnder Fri^pr<*. Fru Tlior, 
mit dem dnn IVo (scm^ altii. trit> , Roth, fraiv liat «ifs «^oUe« ntin« 
nicht« zu sdr: liVn, wenn er svUou <;ntt <ler fruchtbarkcit inL 
•) ftl»!<'rl; »It winl *i0scliriel)0ii frito 143, 7. 

H sliiU W liebt diese miiadnrt, \gl. kneolie:» f. kiicoweji, fni- 
tahun (tapetibu») t frstavrun ; io f Aliun, bralion entsprlclit U dem jtotk 
UV («äli%aii, brahvdm), aber auch «lid. »teilt sihiin neben sftwim 
bralivn, lintlm Untet aticl. pr&wii. uli alt». brAlm, frttho KU «cbn-tbes? 
wviU icl« iiidit. 



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FRO 137 

' dklecle leileu daraus Ler froimt (gaudioni) frouwaii (lae- 
tiiui reddere) Irouwida (laetitia) u« s* vr. liientacli halle 

ich fiir die Urbedeutung von Ji dujai der gnädige , er- 
jrcuendet liebe, und jener zvreifel Schwindel; die Collicn 
durften einen reinen, edlen aiisdnick, der fiir den heidni- 
scJien polt und hcrrn gegollon halle, auch als Clirislcn bei- 
beliailcii , \vie sie gulli selbst und andere unLulclliafle cii!- 
luswürkr (^allis , blulan) forlbeslehen lielsen. ' } die übri- 
gen Deutschen scheinen noch hinterher das hcidnisthe (h r 
benenniinu gcwillert zu liaben , dalier ilirc alhnuhehe , auf 
hh)fse lorineln beschraukle seileiiheit, uud bald ihr gäuzU* 
ches veij^rh winden. 

Jtli will jilihl behaupten, dafs in den erslen jh. luiserer 
zeitrecluuuig dichcr Trduja, i'/unao, Fralio Non den Go- 
the?i . Alanianncn , l ranken, Sachsen so l('l)]iaft und be- 
slimnil vereiirt >vorden sei, wie uoch viel spaU i Vi eyr in 
Scaudinavien ; es ist möglich, dais unter den hiulliclicn Stäm- 
men frühe schon aiu Frduja die abslraclion jrduja (wie 
uoler den Köniern aus Heus eiu deus) liervorgegaDgen 
"war. allein liie Sparsamkeit unserer nachrichten läTst es 
auch zu, andei's zu scldieisen, und wenigstens liin und 
wieder einen lebendigeren cultus des gottes, in genauerem 
einklang mit dem altnordischen , zu vermuten. 

Darauf leitet sogar der gebrauch einzelner elgcnna- 
jnen"^) und dichterischer epithele, zumal bei den Angel- 
sachsen, nocli die späteren Gothen verwenden Frdttja 
als maunsnamen, in welchem schwerlich die bedeutuug 
von lierr gesudit werden darf: ein abgesandter des kü- 
nigs Hadafos an Carl den grofsen hieis Froia (Pertz 1, 
184. 2, 223) oder auch Froila (FraujUa), einen ahd. JFVe- 
4vilo zeigt eine urk. bei Neugart num. 162. die angelsSdi* 
sisclie genealogien bieten dar Vuscfted (anbang s. vm), 
der name kommt aber sonst noch öfter vor (Beda 2, 14) 
lind scheint auf VCden, den gott oder herrn des Wunsches 
(üben 8. lOU) gerecbl. ^leichwichtig ist mir in Bcov. 
470S. 4tS5.5. 4H71 das poeüschc fredvine (freavine folca), 
das in die^en slellen ein blulbcr beinanie guUlicbci", goll- 



•) götttrnanicn dunkles oder ühli-s aiiklan;;s, wie Votliaos, Tliunn, 
Tiuä gewesieii w^kreri, niuäteii vermieilen werden. 

**) Beger (spicil. aoiiq. Coloa. brandenb. 1692. p. 90) maciit das 
tS57 zu Ten im LAttidiisdien {rernndne, voa Pijrliiiis abjifescliriebne 
inarhrift bekniiiit» welche so lautet: D. 1. M. A. P. P. /'/ /\> et Fri- 
fitto V. S. I,. M. iiarli seiner aiu»ie«];iin«r : deo ifnicto Mithrae arnni 
|roäiierunf Kreio et FrinMu, ^ofo sdIuIo lilieiiler ineritu. liiio kaua 
aher iiiila iWw t'uniicn Frauja, Frouwo, Fraliu, Frea. eiitspreciieii. 



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138 PRO 

geliebter heldeu oder königc int. die wessexische sUmm- 
reilie liat aber aucli Ibren Fredvine aufzuweisen *) ; alid» 

Urkunden gcwaliron den eigennamen Frdwin (cod. lauresh« 
712. aber 122 Friouuni) , in dem bekannten gescbleclit 
\un Hullen hat er sich bib aul neuere zeiton erhalten, 
das nierk>viirilige hierl)t'i dalh (he eiUla , gh'irli jenem 
ags. jreiivinVy nur ohne /nsanmuMiselzung , l*^re\s xinr 
(i?;VHi. 21'.>''J von einem hehlen gebrauchl : Sigunlln* wird 
bier Freys freund inul scliülzling gelieil'sen. auf gh-irhe 
weise isl der ags. luid altn. poesle, lülglicli niyllie, genieiii- 
schaflhdi der ausdrnck fred Ingvina (gen. ph), Ingvinar 
(i;en. sg.) jreyr^ iuguiuiar Jrcyr (Saem. 65'*) Jngi//'err 
(Tliorhic. ob», bor. spec, 6, p. 43.), worunter ein held ouer 
galt (nicht aber }Uuior dominus, wie TiioHae. p. 68 nieiut) 
XU verstehen ist, ich Jiabe dieser dunkeln ver])iudung 
zweier mythischer nnnicn im anhang s« xxvn gedacht, uud 
werde auf Ingo zurückkommen. 

In der wocheugötter reihe erscheint tr6 niclit; mit 
einem römisdien namen liefse er sich schwer überira- 
gcn. seine gottheit mag zwischen dem bcgrif des hOclisten 
herm, imd dem des liebe und fruchtbarkeit wirkenden 
Wesens tlie miltc halten. er hat Wuotans scliöpferisclie 
cigoiisdiafl j a])er er verrichtet keine kriegslhatcn ; pferd 
nml scliNverl gi!>l h reyr aus seiner liand, als ihn die sehn- 
suclit nach der srhönen (icrillir verzefni, wie in einen) ilcr 
lieirHchston IlethM- (\vv ethla gej-ungen wird. Snorri sagt, 
dal's von Fre}r reiben und aoiuictisclitin (wie sonst von 
Wuolan uiul Donar, s. iOH. 120) abhaniie , er wird um 
I ruchtbai keit der ertle und f rieden angerufen (8n. 28, 
Vgl. ^ugl. s; i^n cap. 12). die Seliwodeu verehrleu iJin als 
'einen hauplgoU , und nach Adam von Bremen stand zu 
l'psal seine ])ild8eule neben der von Thor und \A odan, 
Adam nennt ilm Fricro y was der üfteren Verwechselung 
der beiden güuinnen Frey ja und i:*rigg, wovon künftig die 
rede sein wird y ganz gleichkommt, er schildert ihn aber 
als einen gott des frieden» und der liebes tertius est 
Fricco, paccni voluptatem<][ue lai^iens mortalibus, cujus 
etiam simulachnim iingunt mgenti priapo ^ si nuptiae ce» 

') aiihauj,' p. X. XI, wo bereit» auf des Saxo gramn. Froii4nu$ 
Terwienen ist. er nennt itio Slcsviceosiuni pracfectos uad erzibtt |>* 
60^63, wie Frowins beide soliiie Keto tiad J^igo den tod ihres va- 

Uts «m schwcd. k'viü» Atisliis rnclicn. von Kelo srliwci^it «ii»* rj:^. 
pent'iOopie, ober den I if; nomit sie in der \%e.s.st \iM*lioii reilie, einstiin- 
iiien«! mit Saxo, IV.-i'ifincs svUu. Fiuwimis, Kcto und Vipo leben ku 
WcimuiKlä zeit, d. ii. Uiü VaTuiuüd der mercifrcticii geaclilechtbreitie. 



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FRO 



icbraiidae 8iinl , (sacnficia oireriinl) Friccofii. Hiermit 
sinnmt auch noch ganz die im dn-istlichcii sinn , zur er- 
nicdrigunii des lioldengoltcs , a])i;crarsle crziilihiug vun der 
iu Schweden auf einem wacon durch das land umgoführ- 
Icn bildseule des Freyr und seiner jungen scliünen prie- 
slcrin (fornm. sög. 2, 73 — 78.) die umfahrt gcscliiohl : Uia 
er hann skal gera niünnum drhut'^ das volk slroml dem 
mragen entgegen und bringt seine 0])fer, dann kliirl sicli 
d80 weUor auf und alle liofren fruchtbares jähr. Diese 
Opfer nennt Saxo gramm. Fröbl6t\ es wui-den lebendige 
thiore dargelnacht , nameutlicli ochsen (Vigagl. saga p. dö-. 
lalend. süg 2, 34H), pferde -waren ihm geweiht, ein sol- 
clics liiefs Freyfaxi, und galt für heilig (Vatnsd. p, 140.) 
ia Schweden fielen ilini menschcnopfer (Saxo gr. 42.) 
Freyr besafs einen eher Gullinhursti , dessen goldborslen 
die nacht gleich dem tag erhelilen, der mit pferdes schnei* 
ligkeit reante und des gottes wagen zog (Sn* 66« 132 vgL 
5fleni. 114*«) in Freys cultiis erscheinen darum opfer von 
wiUinAern (oben s. 31) und ebergeiübde (HA. 901); daa 
schwedische voll( backt auf julabend kuchen in eberge-^ 
stall» vielleicht hängen damit zusammen die formae 
apronwif die bei den Aeslyem, aber nach suevischer 
•ittey im braudi waren? Tacilus Genn. 45 bezielit sie auf 
die vereluning der mater deuni, worin man einen weibli* 
ohen Freyr, also die Fre^ja sehen könnte? Auch bei den 
Angelsachsen scheinen solche eberbi/der heilige bedeutnng 
sn haben, vgl. fieov. 6o5 eoforlic scionon gehroden «golde ; 
2216 svin ealgylden^ eofor irenheard ; 2905 beseite a^ffn- 
Itcum. Auf Frey und seinen eher müclite selbst noch ein 
geldrischer aberglaubc gelien *) : in der chrislnacbl lialt 
JJerl: niet den beer (Diel rieh mit dem e])er) st inen iini- 
rilt, man sieht sich vor, aUes cu leriferällie unler dach zu 
Schaflcn, sonst trappelt ik'r eher cl.;iauf herum und macbt 
es ujdnauchbar. Wir Averdcn sehen, dais um dieselbe 
Vk'eilujacbtszeit fiau Hulda oder licrbla umziehen inid nach 
pfltig oder Spindel schauen: müllerüchc gutlinneu stall des 
gottes. 

Ein 8il])erne8 bild des Freyr wird Vntnsd. p. 44. 50. 
362 angeführt, aber niclil naher besclirieben ; einen Freys 
godi (Fre\i pontifex) erwähnt Malssaga cap. 96. 127, die 
Freysgrdlini!;ar im handiiamabök (Isl. sog. 1, 213) sind 
uacJikuinmcu eiues solchen pricslers. die gcwulinlichcy 



•) Stftriiip: in Mncmosyii'^. r.»;i«len 1820. 1, 323 uod daraUft Wc 
ftleadorp luiurdädic lu^'tliul. Üordreciit löJO p. 



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140 N£RDU i 

landnAmobiik 4, 7 (hl. siig. 1^ 199) aiin)c\vahrle , eides- 
fornicl : ^ iaipi mer sv4 freyr ok Niördlir ok iiian o/- 
mdttki daV stellt ihn mit seinem vater Eusammen^ und 
mit dem allmäclitigen gott, worunter etwa Odkinn, oder 
/ lieber Tki^rr verstanden werden mufs \ in der nemlichen 
Ordnung werden Egilss. 365 Freyr^ Niörd/ir und der 
lainlus (Tliörr) gcnanut, und in der erzHliUing vom Hri- 
sui-aincii (aiilian«^ zu Sn. 354) lu-ilst es, dafs Üdhiiiu Jeu 
i\eyr iiiul ^luidfir als 0|)feri;ultc'r be8lolll liabc. 

ßciilc sind iiarli der iiordisclicn vorslellung \ anir, aber ' 
in gesollscliall der ^Esir zugelassen« Von Niörd/ir würde 
die deuisciie niylhologie so wenig wissen, als Saxo granim« 
je Seinen namen nennt wenn liier nicht die berühmte 
Stelle aus Tac, Germ. 40 einschlüge, mehrere an der Ost- ' 
sec wohnende vüikerschafien vereinte gemeinschaftlich eine 
gOttin^ unter dem namen Nerthus , d. L die mutter Erde» 
alle hss. und alten drucke lesen Nerlhunif woraus die un- 
befugteste critik Herthum gemacht hat, das,, wenn es 
Erde bedeuten sollte, einmal unaspiriert sein, dann auf A, 
nicht auf U endigen müste: der genaue Regier hfitte in 
diesem fall gcsclirieben Ertham (vgl. goth. afrtha, ahd. erda, 
ags. eordhe, ahn. iördli) wie er das deutsche weibliche A 
in den eigennamcu Aniinia, \ Cleda bcobachtcl. auf der 
andern seile ist die lonn Nert/i/is srannnahsch iniladel« 
liafl, sie kann, wie alle goth. subsl. driUer dcel., für beide 
g( s( Idei ]»ler iileiehlaulen. ninsc. oder fem. sein, goth. Sa/r» 
///w« (weiblioii wie handus, tjvai'riuis, kinnus^ altd. 
J3at"s nini in der altn. sprrn lie und niythe ^iÖrdJir wie- 
der manidich genommen wird, erklärt sicii schon aus der 
Unsicherheit und Zweideutigkeit jener goth. namensforni« In 
der saclie selbst könnte vielleicht noch einigen ausschlag ge- 
ben, dals iler von Tacitus geschihlerte unizug der AW- 
thus auf ihrem w agen , den sterblichen friede und frucht* 
barkeit zu verkiinden, ganz identisch dorn des Freyr im 
Schweden erscheint. Ware Frduja der Nairihun söhn 
gewesen (wie Freyr des Niördhr), so kOimte von der gütt« 
liehen mutter auf. den söhn ungezwungen der gleiche eultus 
übergegangen sein? auch zwischen Freyr und seiner Schwe- 
ster Frey ja schwanken einzelnjc erscheinungen ihrer ver* 



•) es ist von genüge lindern bemerkt, dafs er ein IiuIk^cIips lircl, 
f\-A<, in <I('r eiWn Niordlir iiiirl Skadlii sinjrfMi, y. 17. 18 dem ^\^\\^. koiitji« 
lla<Miii<{ (aiid. IJnrtMiig?) in den iiuiiid Ir^M. dtr w.v.wv \h\Mh\^ isi 
ültrigfnä };ei»icli(iii , sonst mörlite man aiirli liier eine \erwedu»liiug x^i' 
M'tien H end ^ niutniaräcn (^ndding, Nartun«{V) 



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BALTAC? 

ehmng* nach Yngl. sa^a cap. II glaubie inj 

^ich seinem solino Freyr, Iricden, (VuchlljOTj^c^l uml ivKii- ■ 
tfium «cliaffe: *aiuligr som Siördlir' (\^^i(^^^yt\Q N.j^^alt \ 
Spricliw (ii llii li von einem Nvolliäbigen iiiaiui. \1f(nm!. p. 20?. 

l brigens wurde Niürdhr baiiplsaclilirli bci julkLi n, ,U ' 
die am seegestade wobntcn , gefeiert: nacb der cTHi5^l)ie- 




tot er über \vind , sce und Icuer (So, 27); aus gerTL-^,, 
«ehnt er sicb weg an kiilde iifer zum gesang der schwane, 
eine Wasserpflanze liilirt den namen Niardliarvottr (N. 
liaudschuh), die spongia marina. *). ancli die NertfiUB 
des Tac. badei im see^ und verschwindet darin, ati eine 
enlriithaelung des namens wage ich mich nicht: vielleicht 
berührt er sich mit ahd. nord (septentrio) ags.nordh, altn. 
aordbr» gotb. nadrlhs ? 

Während keine spur eines ags. Neordli zu entdecken 
ist, erscheinen die beiden folgenden götter in den genealo« 
gien, als Vödens verwandte^ wiewol niclii als brüder. 

Der nord. Baldr und llennUUir sind söbne Odbins, 
ihre gescbichte verflicht sich. Baldr ^ gen. liaUhs, kann 
Bichl dem adj. l)aUr (andax) gotb. baltbs, abd. i^ald, wol 
aber dem ags. subsl. haldor , das einen Fürsten oder beiden 
ausdi iukl, \t r-licben werden ; ein abd. ])aIlor, pallar kenne 
ich nicht. Jn der ags. stainnisage beiist aber ein sobn Vu- 
tlens nicht ßaldor, vielmelir Bä/däg^ und über die idcnli- 
täl dieses Beldeg mit dem nord. Baldr waltet nacb dem 
formilli der edda kein zweifei (anliang p. xxui.) das ags. 
ßäUläg läist ein ahd. Paltac, Bnltac er^varten, das ich 
auch als eigennamen nie gelesen habe, beide dialecte pflegen 
sonst eine menge mannsnamen mit däg, tac zu componieren» 
ahd. Adaltac , Alptac , Ingatac , G^ac, Hehntac, Hruodtac, 
Regintac, Sigitac ; säclisisch : Alacdag, Alfdag (Albdag, Pertz 
1, 286) Hiididag, Liuddag, Osdag, MWdag; ags. Vegdag, 
«▼ehhig; selbst dem nord. ist der name Svipdagr bekannt, 
wenn nun z. b. Regintac und Reginari gleichbe<leiUig sein 
könnten, wären es auch Baldagr und iialdr, voransgeselzt, 
W» Baldagr und Paltac stellen für Balddagr, Palllac? 

Den schönen mytbus von Balders tod erzählt Saxo 
granun« p. 39 — 43 in einer sehr abweicbendeii mehr bi- 
rtorischen geslallung, die eins der bedentcndsten bei^piele 
rar die fbictualion der güttersagc abgibt, beide erzabbm- 
gen scliciu cn im übrigen Deutschland ganz verschollen j et- 

') einige arten der orchis, we;jeii ihrer handformigen wiirzel, heis- 
^asseriiaod, iiebfraueniiaiid ^ AlRrieiihand, gotteshand (d&o. gudi- 



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142 BALTAC? 

vra gomaliut Bälden brunncii fürs dtiistende beer (Saxo 
42) au eine alle auf könig Carl gezogne sage in heidnt- 
ftdier unigegend (oben 8. 82. 104«) 

Der sächa. Bäldcig (oder wie einige schreiben iSel- 
äßpf Beide y anh. p. x« xi) soll sufoJge der nord. angäbe 
(s. xx) Westfalen behersdit haben. Sein vater ist Vtkien^ 
wie des nord, Baldr Odhinn ; sein söhn aber heifst Brond^ 
«Icsseo die edda geschwcigr. Suhm legt*) dem Baldr dm 
söhne, Brond, Fordete nnd Vcr^a bei. Forseli ist sein suliii 
nach der edda. Vagn isl der in tiaii^ca i icensionen des 
incrcisclien slainmbauins /Avisclieu Vodeu und Vilitlag ein- 
gescliaitele (anh. p. vn. vni.) 

8a\u kiuipll an seine erzahhing naclnuchl von örlerii, 
die für die bei;ebeiiheil zeu!zen , Balders brnnncn und 
hafen (p. 41. 42.) Balde rshr Und ^ zwischen Copeiiliagcu 
und lioslvild Iriigl den narnen noch Iiente. 

Nach der seliünl:eil und "lan/.enden färbe des üoHos 
licifst eine pllaiize JJaldrsbrä (B. brane) : bann er s\.i 
fagr uliluni ok biarlr sva at I5'sir af Iiomiidi , ov eilt gras 
er sva hv?lt, at iaffiat er til Baldrs hrdr , tbat er alb'ft 

frasalivilast, oc Ibar cplir mattu inarka haus fegnrdli biediii 
liari ok liki. So. 2'). cnlw. anibeinis colnbi, *lie ieUt 
in Schonen entstellt BalsensbrOf Balienabra, dan. Bar- 
brogr'ds heifst; oder matricaria maritima, die anf Island 
jene beaennung fortführt **). Aus der welfsen färbe möchte 
ich Jjalders namcn deuten, litth. ist baltas albus, lett. 
balts, uud das slav. biel, bei hinzugeh allen, hätte man nicht 
nöthig im ags. Bäldäg ein ausgefallues D zu mutmafoen. 
Bäldäg ist der w ie ein weüser tag leuchtende, der weilse 
gott (slav. bjelbog.) 

Seine wohoung hiefs Breidhablik. Stern« 41^ Sn. 21. 
27) d. i. breiter Schimmer, glänz; gerade dieser ausdrud^ 
£ndet sich, zwar nicht von einer wohnstStte, sondern einer 
über das feld anrückenden Schaar schneeblanker rosse in 
einem gedieht des 12 jh. wieder: Mo brähte Dietheriches 
vane cvenclk ddslnt lossam in breither blichin über lant' 
Roth. 2645« ***) eui ort unweit Roskild, bei Lelhra, soll 
den namen Sredeblick gefuhrt haben* f) 

*) tafel 81 des tabelleDtliells «einer ctitisk Mstone, t^I. 1, 4d2. 499. 

**) deutsche benennunjrcD der cnniille: kiilinu? \ nmfsaiigc. oclisen- 
ange; dnlekarl. hvitetojR (weiGraage), ia Bäiiiusiäa hvitapJga (weifiie 

•••) oder ist zu lesen: in breiten blicken? vpl. Wli. 381, 16 daa 
bhiot über iW^, bliche thiz, iil>er die goldgläazeodcu gewünder? 
f) Sulim crit. liUt 2, 63. 



üiyilizeü by GoOgle 



HEaiMÜOT t HADU ? 



14» 



Von HermAdlir ^ der 8eineu geliebten bmdcr in der 
urilcrwell aiilsnehl, wcil's schon Saxo niclils niclir; die ag». 
genealo^io vcrscL/.l ihren Jleremdd iinlcr Vudcris vorfali- 
rcii, iiml iieaiU SeclJsa oiIlt ihu) saghenihnUeii Stw'.f sei- 
nen Sühn. <lcr iianie 1 lerüiiiiot ist in ahd. Urkunden 
niclit sehen. Xeugarl nuni. 170. 214. 244. 2fi0 (a. 809. 
822. 830. 834.) 

i/öV//tr (gen. Hadhar, Sn. 103 acc. liödh, Sn. 103) ein 
Lliud dargosleUler golt von gowahiger starke, der, ohne 
arg, den lüdlichen p(cil gegen r>ahlr absrhielst. Soxo nennt 
ilni ITotheru'^ ^ und si hildei l ihn als ßalders nebenbuldcr 
um Nanna. namc und goll müssen aber Avcilcr verhreilct 
gewesen sein, golh. Jlatliits, ahd. Hadii^ ags. Htuidho; 
<'S sind davon n<uh nianclie zusanunenset/.nniien iibriü, ahd. 
nur in ilen eigcuuauien llmluprahl , ILululuus, lla(hii)ahl, 
Hadufrid, Haduniar, (vgl. CaUnnenis !)ci Tac.) auch den weih- 
lieben Hadupurc, HaduÜnt, Haduw ic (Hedwig) u. a. ni. in der 
ag9*poesieliaÜ€U aber die dichterischen bei Wörter : hoadhorinc 
(vir cgrcgiuSy liobüis) Cädni. 193, 4. Beov. 737. 4927. lieadho- 
velni (niaxlmus impelus) Cadni. 21, 14, 187, 8. Beov. 164, 
6633. hcadhosv^l (sudor beUicu») Beov. 291«). 3211. 3334. 
hcadhovrcd (veslis bellica) Beov. 78. headholac (pugnae 
Indus) Beov. 18G2. 3943. headhogrini (atrocissimus) Beov, 
1090. 6378. lieadhosioc (pugna vulneratus) Beov. 5504. 
lieadhostedp (celsus, vom heim) Beov. 2490. 4301. und 
andere mehr (K^emblc p. 250.) Wenn in soiclien ausdrü- 
cken die bedeuUing nicht blof« unbestimmt erhöbt ist 9 so 
scheint durch headho- der begrif von kämpf, sdüacht her- 
vorgehoben, und der gott oder held vorzüglich als ein krie- 
gerischer, verehrt worden zu sein. 

Den wunderbaren mythus von Heimdallr (gen. Helmdal- 
lar) dem weifsen gott (hvlli as), der von neun Schwestern ge- 
boren, und mit einem haupt todt gcsclilagen wurde, kennen 
nur die beiden edden, wie es scheint unvollständig. Sax. gramm« 
berührt nicht das mindeste davon, sein name ist schwer xu 
deuten: in einer bencunung Fre^jas Mardöll Cgf'ö. Mai^ 
dallar) mag doli gleichen sinn gewahren, und sich auf mar 
( fuare, ue*juor), wie dallr auf lieimr (niuudus, domus) be- 
ziehen: die Verbreitung de» cullus bezeugen norwegische 
orisnainen : Heimdallav vattn ein see in Culdbrandsdalen, 
Jlcimdaltslunug y ein hcig in NiunnuMlalen ; aulserhall) 
Standinn\ icii ist mir nirht die geringsle spur weder des 
flOlles noch der sage bckaiuit. 



*j äii^iu* 4oa der dat. ilöüiii f. ticdhi. 



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144 FORASIZO? 

Bei Braffi wage ich kaum zn erinnern au den iii 
der ags. pocsie niclit seltnen ansdruck brcgo (dux. rex), 
da die lurni nichl genau znlrill , und das wort vielleicht 
aus eijier cclUschen spraclic hergciiüninien wurde. 

Ihrseti Sjeni. 42'*, Baldrs söhn 8n. 31. 103, ist von 
l'elicr, wolheFugl, mit dem Iriesisdicu gotl I'osite zusam- 
inengeliallen worden, von welchem uns einige im iieunleii 
jh. abi^eralslc lebensbesrhreibungen 'schatzbai^e kuude ge- 
ben, die vila saneli >A ilibrordi 739), wie sie der be- 
rühmte Alcuiii (f 804) geschrieben, erzählt cap. 10 fol« 
gendergestalt: cum ergo plus verbi dci praedicator iter age* 
bat, pervenit in confioio Fresonum et Danorum ad .quam«* 
dam insuläm, quae a qnodam deo suo Fosite ab accolit 
terrae Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana 
fuere constructa. qui locus a paganis in tanta veneratione 
habcbatur, ut nil in ea vel animalium ibi pascentium, 
aliarum quarumUbct rerum gentilium quisquam tatigere 
andebat, nec etiama fönte qui ibi ebulliebat aquam nau" 
rire nisi tacens praesumebat. Quo cum vir dei tempe- 
State jaclalus esl, mansil il)idem aliquot dies, quous(|uc ?e- 
posilis teni[)cslalibus opporlunum iiavigandi tenipns adve- 
niret. sed par\i|)enden8 slultam loci iMius religiOiiem , vel 
fcroeissiinum regis animum, qui violalores sa( roi um illius 
alrocissinia mortc daninare solcbal ; tres lioinines in eo 
foule cum invocalione saiirtnö trinitatis baplizavit. sed et 
animaUa iu ea terra pascenlia in cibaria suis mactare prae« 
cepit. quod pagani intueutes arbitrabantur, eos vel in fu- 
rorem verti, vel etiam veloci morle periro; quos cum nil 
mali cerncbant pati, stupore perterriti rogi tarnen Radbodo 
quod viderant factum retulerunt. Qui nimio Furore soo- 
census in sacerdotem dei vivi suorum injurias deorum ul* 
cisci cogitabat, et per tres dies semper tribus picibus eor* 
tes suo more mittebatf et nunquam damnatorum sors^ deo 
vero defendente suos, super servum dei aut aliqiiem ex 
suis cadcre potuit; nec nisi iinus tantnm ex sociis sorte 
monstratus marlyrio coronatus est. Radbod fiirchtete 
l'i[)pin, den frardxi.silien küuig, und enlliefs tien bekehrcr 
unverlelzl. ) Was AYilibrord unausgefühi l gelassen halte, 
braclite einige zeit nachher ein anilerer geistlicher zu stand» 
wie die vita liiudgcri , abgefafst von Altfrid (f ö49) zum 
jähr 78.5 berirhtel : ii)se vcre fLiudgorus) .... sluduil 
Jana deslruerc, et onmes erroris prislini abluere sordes« 



*) acta sanctor. Deiieil. ser. 3. pars 1. p. 609. 



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FORASIZO? 145 

tiwvit Ifuoqti«' nh^tis doctrinae derivare Ainniiuiy et cou« 
iSlo ab iiiiiH ratore accepio, transfretavit in confinio Frese 
jium atque Danorum ad quandam insulaiii, c[uae a nomine 

dei mi falai Foaete Foseteslant est appellata • • 

pervenientea autem ad eondem insulauii destruxertint om- 
nia ejusdem Fbaetis fana, quae illic fiiere constructai et 
pro eis Christi fabricaverunt ecciesias. cumque habitatorea 
terrae illhis fide Chrisli inibueret, baplizavil eos cum invo- 
catioiie sanctae (rinitatis in foule, qui ibi ebiilliebal, iu quo 
saiKlus A> Ülibroiikis prius huniiiics Ircs bajili/.avcrat, a quo 
etiain fönte nemo prius haurire aquam nisi tacens prae- 
stmiebat. (Terlz 2, 410.) olFenbar hatte Altfnd Alruins ar- 
beit zur band, die iiisel nahm seiulcni den namen hdleg-^ 
land, He/goland an , den sie noch heute forlfiiiirt ; den 
bekehrern Avar aucli hier daran gelegen, einen auf der Stätte 
^uheiulcii begrirderliciligUc'il für das chrlstenthnni zu erhalten. 

Auf einer insel , zwisclien Dänemark, Friesland und 
Sachsen gelegen , dürfen \vir siclier einen heidnischen gott 
erwarten, der diesen stänurien unter einander gemein war. 
es wiire seltsam , dafs der friesische Thsite den Nordlän- 
dern unbeknnnt gewesen, und noch seltsamer, dafs der ed- 
dische Forseti ein davon ganz verscltiedner gott sein sollte, 
freilich hatte man bei Saxo grainm. eine erwähnung gerade 
dieser gottlicit erwartet, der ihrer völlig geschweigt; allein 
er gedenkt mancher anderer nicht , und in seinen tagen 
magFosites name unter den Friesen verklungen gewesen sein. 
^ In beiden namen ist einige abweichung, wie zwischen 
tifei Völkern natürlich: oltn. Fbrseti^ gen. Fhrseta, fries. 
Fosite, v^i^ruFositeN, leichteste annähme scheint, dafs durch 
assimilation ans Forsite Fossite, Fosite entsprang oder 
fiel R aus, vde ahd. mosar f» morsar, nnd. möser? auch 
Hilst sich sonst Fosite kaum deuten, forseti ist altn. 
pfaeses, princeps, ahd. foroHso, foraaeso? die edda 
tiettt ihn dar als richter und schlichter aller streitigkct« 
ten. forseti bestiitigt zugleich die Verbreitung des BaU 
d«rcullus, als seines vaters; vollslSndig«re ags. genealo^n 
worden vielleicht auch einen Foraeta oder Fbraete , jBi|« 
dägs söhn auffuhren. * 

Spätere Schriftsteller haben aus diesem Fosele eBie 
wrtbliche göttln Foseta, Phoseta, Fosta gemacht, um sie der 
roili. Vesta zu nähern, schon aus diesem grund schreibe 
ich der in Clarkes Iravels, pars 3. secl. 1 p. 8 herausge- 
gebnen carle von Helgoland, auf welcher man ein temphini 
1*08136 \el Phosetae a. 768 und ein templum Vcstae a. 
692 angemerkl lindel, geringes aUer zu. . 

10 



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146 



AGl, UOGI? 



Zuletzt erwähne icli zweier göllcr oder lialbguttet, die. 
ohne zum geschlcchl der Asen zu gehören , mit ihnen iu 
viellache berührniig Irolen , und in gewisser hinsieht al"- 
eloiiieutargöiier betrat litci werdeu künuen^ iadein eie das 
wafiscr und feucr darslelien. 

CE^77* , nach der edda abkümmling der alten, im Nor- 
den vor deu Asen eiulieimischen rieseu (iütnai*), scheint 
nicht einmal ursprünglich so zu heifsen. in dem aufaats ^fimd* 
inn Noreg^ (Su.369. fornaid. süg. 2, 17) ist die merkwürdige 
äuTsening enthalten: Fomiolr 4tti 3 syni, hdt einn ///er, er 
i^er höllum (Egif annarr Logi^ thridjt Kari. Hl^r (gen. 
Hles) ist also der namc , den er unter den loten «äbst 
fühlte^ (Figir (g^n* Cfigis) liatten ihn die Asen benannt 
ich schreibe dies wort mit oc, weil ich ein » darin nicht 
XU erklären vermag: wurael scheint doch agan, 6g (ahd. 
uoc), worin der begrif des stihauerlichen} schreckhailefl 
liegt, Vogo^ vrol auch Uogi ist ein ziemlidi häufiger aha. 
eigenname; man darf vielleicht öceaniUf ^Jbteapoß hSnau^ 
halten^ zur beslätigung jener deulung gcreidit, dafo in der 
edda ^gühialmr ausdrücklich auf die grausenerweckende 
gestalt eines heims, ^er üU qvikvendi hroedliast at si4*, be* 
aogen wiH* 8u. 137. Sasnu 188*. <bera CEii ishiälm 
einum* bedeutet: einem furcht, ehrftircht einüöfsen* htai* 
saga p. 130« die tradi fuld« 1, 97 liefern den ahd. manns* 
namen Egilinlai (bei Schatinat p. 2H6 num. 128 Egg^- 
Mm) d. Ii« Agihelm, identisch mit der ablautenden form 
Uoglhelm, die ich nicht getiuideii hal)e. Heide formen be- 
gegnen sich aher in der analuiicii beiieunung eines graii- 
sonvollen, von zwergoii geschmiedeten, Schwertes der altd. 
liehleiisage , das in der laicit Uokesahs (man darf nichts 
äudcrn), in der Vilkinasaga Hchinax^ im gedieht von Ecke 
*Jier jElcken sa/is heilst, also darauf führt, dafs der riese 
Ecle oder (Jucke jener nord. iötunn Oegir sein könne, 
im Kggeidiel (Lafsbi 77 — 83) wird die zid)ereilung der 
kostbaren wallen, der briinne^ des heims und des Schwerts 
besungen» Ks kommt dazu, dafs auch in andern helmna- 
inen der eiulieimischen sage wiederum der begrif des 
Schreckens aiisgednirkl erscheint, Oluils, Dieterichs lielm 
heifsen Hi/degritii^ }illdei^rin ^ der im kämpf furcht- 
bare, ja das Wort geht in allgemein!» ])oetisch(> bezeich» 
nung d< s liehns über (heldensagc p. ^86.) gruna ist altn. 
larve, iii;im, ags. egesgrUna hehn des schreckeus, ahd. 



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AGI, UOGU FIRNBZ? 147 



egisgrimoil ein furclit bares nugeheuer, mit anspielung auf 
den aUcn ^^i^ der auch die namcnsfonn JEgis (gcu. Egi- 
m) oder JSgiso (gen. Egisin) gefiilirt liabea köiinlc. *) 
In dem gr« tUylg suclie ich keine würlliclie vervraDdtsdiaft, 
aber dieser schiid dc8 Zeus und der AÜiene verbreitet 
farclit und schrecken unter, den feinden^ wie CEgishialm 
und Eckisahs ; auch an den unsichtbarmachenden heim des 
Pkito darf geilariit Werden« 6pHter werde ich zeigen, dafa 
auch Fasolt, Eckes bruder, geist oder halbgott ist. 

Lacbmann (critik der sage von den Mb. p. 23) hat 
eine beadehung des geisterhaften, elbischen jigamioy mhd* 
Ag€^ auf den nord. iötunn angenommen; es müste ge- 
liiigen eine altn> form CEgti oder j^gti aufeufinden. 

Etttschiedner ist eine örtliche anspielung» der flufsy 
welcher die Sachsen von den Normannen scheide^ die jB- 
der, luefs im achten, neunten )h* bei den frSnk. annalisten 
J^idora, j^gadora, jie^idora (Perts 1> 355. 370. 386. 
2, 620. 631.); «dtn. Aegisdyr (fornm» sog. 11, 26. 31, 
wo der gen. pLAegisdura, dyia)**) d. h. thüre des meers, 
ausgang in das meer, vielleicht auch hier mit dem neben* 
begrif des schreckhaften. ♦♦*) 

Forniotr (nicht for-uiolr, prinius occnpans, ^vIc Biörn 
meint, soiidcrn forn-iotr, alter loir) , des Hier oder CEgir 
valcr, gebort zwar nocli weniger zu den Asen, sondern iu 
die allere reÜic diimoniscber riesen: allein er bestätigt sehr 
merkwürdig meine aiisiclit, dals aiicb diese halbgülter über 
Scandinavien hinaus unter andern deutschen Stämmen be- 
kannt gewesen sein müssen. In dem ags. über medicina- 
lis , ans welchem Wanley p. iTT) — 180 ungenügende ex- 
ceiple gibt, findet sich nacb lijes wb. auch eine Jicilkraf- 
tigp pllanze, des namens l ur/jeotes folme^ Fornetes folme 
(d. h. Forncoti manus) , wie die Variante lehrt, mehrmals, 
augefülu't. da keins der nord. denkmaler dieses krauts 
gedenkt y so mui's seine henennung aus der einheimischen 



*) schon die goth. sptacbe leit«| mit S abs agis (thaor) gen* 
afbis. 

^0 eY)en80 in der von Werlaoif Coj»enb. 1821 henilugegebaea geo- 
gnpliie eines Nurdmanns p. 15. 

••') // leglesdur bei Dietmar von Merseb. ad a. 975 (Wagner p. 
50) scheint nicht der flofii sondern das im DanaHriii* d.- b. der am 
dao. nfer der Eider gebanten befestignog (fomm. si^g. 11, 81. 8S) 
gi(|u«ne thor, wiewol andere fiss. (nml der annalista Saxo) heggedor 
= egidor lesen, aol! 41' ieglesdor synonym mit Egidor sein, so ver- 
stehe ich es nicht; wichet ist nach dem I»r. wb. 5, 247 weidenbaiim, 
das thor könnte von dabelst« heiiden weiden den nameo führen. Subm 
(crit. hiät. 1, 138) erinnert an küni;{ H'ii^Iet, 

10* 



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LOrmO ? KRENTIL ? 



inylliologie des sächs. volks übrig sein. alid. könnte tUr 
riesc Firniiz , die pllanze Firnäzes fulma gcheilsea 
haben. 

L.ogf\ ein aiulror solin Forniols (oben s. 146), ofTen- 
bar die kroTt des fciicrs, >vird in einer eddischen fabel 
dem Tjoh\ ein ^vcscu aus dem kreise der riesen dem gc- 
«ellsdiafter der Asen, zur seile gestellt , 8n. 54. 60. legi 
istaltn* flamma, und einem akd* lolio, golh. laüiia vergleich- 
bar (gramm. 2, 50.) aber auch der asiscbe Loli könole 
dem begrif jenes Logi identisch sein; Tliorlacius (spec. 7, 
43) liat nachgewiesen, dals in der nord. redensarl: 'Loki 
fer yiir akra' (L* fährt über die äcker), in der dänischen: 
^'Lacke diicker vaud' (L. trinkt wasser)» darunter das feuer 
und die brennende sonne gemeint sein müsse* Lioka dam 
(Lokit odor) heilst auf Ishmd der feuiige, schwefeMim* 
stende irwisch (das* 44); Zjoha npoßnir sind brenn späne; 
ein bOses dem vieh schädliches imkraut (pol) irichum coomi.) 
wird in Nordiiitland Lohken9 havre genannt und mtu 
sagt sprich>YÜrllich : *nu saaer Locken sin havre' (nun säet 
Locke seinen liafer, der teufel sein unkrant.) das dan. wh, 
Überset Ljokealiavre avena falua. 'al höre paa Lockens 
evenfvi' bedeutet: auf lügen, fabeln hören (P. Syvs gamlc 
danske ordsprog 2, 72.) wenn das feuer knistert, heilst 
es 'Lokje gibt seinen kindern schlage.' Faye p, 6* der 
name wiid also für feuer und teuiel gebraucht. 

Auf der annähme , dafs für ein alleres Logi später 
T^oli gesetzt \vai*deu sei, beruht nun die gleich nälicr 
naclizuwelseudc spur des nord« diimous bei den übrige» 
deutsclien stammen» wie Logi von der wnrzel Iluhao, 
wäre I.ohi von hikan (claudere) abzuleiten, lok bedeutet 
altn. finisy consiimmatto , loka repagulumy >veil der riegel 
schliefst« im Beoviilf tritt ein feindseeliger, tcu iiischer geist 
auf, namens Grendel, und seine mutter {Grendeles m6tloi\ 
Beov. 4233. 4274) als walirhafle teufelsmutter« irielletclit 
hat Thorkelin s. 261 diesmal getroffen, dafs sich Grendel 
dem Loki vergleichen lasse ^ weil ags. grindel, und alto. 
loka beide einen riegel ausdrücken : zwar finde ich das 
ungeheuer uifMuals Grinde! geschrieben , und für grioilcl 
(obe\) Ciiihn. 24, 27 m'cht grendcl , es könnte aber nahe 
berührnng heiilcr fnimon stattfinden. ahd. lieifst o\n\ 
kiinliJ; dem (ircinicl cnlspnidie Kranti/^ Krenlil? ^^ie 
ihm sei; das ist sehr aullalleiid, dals wir nocli lieute v\w\\ 
dritten synonymen ati^druck zur bezeichnung eines icui i- 
srhpn Wesens, froilicli in der verstärkenden zusaniniciiJ^ot- 
zung mit iiöiie, vcrw «udcn : /iöi/riegel, iiulicubraud} teuici 



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LOBHO? KREM IL f 



149 



oder dpm tetifel verrallen;*) die« heller igel gebraucht 
scholl lliiiio von Laiigcfisleiu im l;^ jli. (Mariina 4^) end- 
licli .stellen i>l. Doc. 208'' die ausdrücke dreniil (d. i. lie- 
niil) 11 id grintil synonym für pessiilus, und das altn. 
trami oder tremill bedeutet cacodaeinon , malus dacmou, 
vornuitlicli aber aucli clathnini , cancelli, was sonst gi-ind 
heilst (gh edd. lialii. 1 , 684. Biörn 8. v. trami.) Sonach 
scheint sich von niehrern Seiten ^virklieh eine bosliiligung 
des inUlnHchen begrifs von ricgel und büser geisl zu er- 
geben und der Übergang von Logi in Loki bereiu ein hu- 
iies alter iiii' sich zu haben« 

Auf^er dem asischen Loki stellt die edda noch einen 
andern, vrahrscheinlick fnUieren, Utgardha loki als k6- 
nig anf| dessen ktinste und mackt sogar den göttlicken 
Thörr täuschen, und dessen kausgenosse Logi es eben ist, 
der sich selbst )enem Jjohi überlegen zeigt (Sn. 54 if.) 
Von diesem UgarthilocuB berichtet Saxo, der des eddi« 
sehen Loki iu seinem ganzen weik mit keinem worte er« 
wähnt, 8* 163^166 wunderbare dinge: er schildert ihn 
als ein riesenliaftes in entlegnem lande hausendes, halb- 
ciUlHches ungeheuer, das im stürm, gleicli andern göltem 
aMiicrulen vvu'd und hilfe leistet, ein mutiger hehl, na- 
mens Tliorhill !)csteht die abenleuerlichc fahrt zu (^gar^ 
thi/ocus und das scheint mir niclils als eine fal)elharie Ver- 
änderung des besuchs , den nach Snorri T/i^rr !)ei Ut- 
gai-dhaloki abstaltet, hervorz.uheben ist, dals TliorkiU dem 
l'gni I liikx US eins seiner grol'sen, speei iiiudiclien liaare aus- 
rault und mit nach haus bringt (Saxo 165. 166.) ut^ 
ganilutr sind die aufsersten grenzen der bewohnten weit, 
wohin man die slätio der riesen und luigeheuer, die hidle 
verselzle ; auch dabei könnte an den bcgrif des riegels 
gedaclit werden , der gleichsam den eingang jener uuuab» 
baren i*cgiou der geistcr und dämoneu absperrt. 

' Mag es nun auch einen sächsischen JjohOf einen aU« 
mannischen jLohhOj oder blofs einen Grendil^ Krentil 
gegeben liaben; von entscheidender hedeutung ist die wahr« 
zunehmende Übereinkunft der mythen selbst« durch uusre , 
kindermärchen ist der zug Terhreitet von dem haar, das 
dem teufel ausgezogen wird, als er auf dem schofs »eiuer 
gror>niuller schlafl, (Ivinderm, num 29.) Der uord. Loki, 



•) Hartmimn vom Kegensprectien p. 203. Stiflcr p. i:»72 Km! fol- 
jrendi's : hfllti.'^i'f , *mf*TnT»lif. n)>j<>ctn('iiiuni tnrtart, Un per coiivi^ 

tiiMH appeliaut vviul»m (iclurmem et ri\ittttiu. 



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IM LOHHO? KaBNm? 



zur strafe telner undiaten, wird in fesseln gelegt ^ ans de- 
nen er aber am weltende wieder frei werden soll; eins 

seiner kinder Fenrir*), d. Ii. er selbst in der wiederge^ 
biirt, verfolgt in Wolfsgestalt den niond, und dM))it Hin 
zu verschliugea: nuifiagannr heilst der den niond ver- 
echlingeude wolf; nach 8n. 12. 13 ist es ein \volf namens 
Sl'oll, der die sonne, ein andrer IJati, der den mond ver- 
folgt. Dieser Volksglaube scheint sich allgemein, und schon 
in der ältesten zeit durch ganz Deutschland und "sveilcr 
zu erstrecken, nocli jetzt sagen wir, -wenn unheilvolle, 
gefahrdrohende verwirrimg eintritt: *der teulel ist los, der 
teufel ist freigelassen^ wie es im Norden hieis: 'Lvki er 
or böndiuu'; m Göz von Berlichingen leben p. 201 : 'der 
teufel war überall ledig'; in des minoriteu Detmar chro- 
nik 1, 29^2 'do was de duvel los geworden', da hersdite 
Unordnung und gewaltthat. In Burgund pflegte man Ton 
einem aus weiter ferne drohenden spüttiBdi die redensarl: 
^dieu garde la lune des loup^^ zu gebrauohen d« b« 
solche drohungen treffen erst am ende der weit ein ; und 
ebenso wird in dem frans. volksUed auf Heinrich IV ds8 
äufserste ende der zukunft durch eine zeit ausgedrückt, wo 
die zShne des wolfs den mond erreichen werden; 'jusqu^ 
ce que Ton p renne la lune arec les dents\ vom ^ivolf 
des mons* redet an niehrern stellen Fischart , z. b. Garg. 

130^, ausiüluiich in aller practik grorbnuillcr p \ier 

Jialbüu dürft ihr nicht nielir für ihn (den niond^ bellen, 
dafs ihn gott fo/" den Wulfen wolle behüten , denn sie 
werden ihn diis jähr nicht erhaschen,' Sonnen, oder 

niondsiinslernisse waren vielen heidnischen vülkern schauer- 
lich ; die eintretende und wachsende Verfinsterung der leuch- 
tenden kqgel schien ihnen der zeitpunct, wo sie der rächen 
des wolfs zu verschlingen drohe, und man glaubte durch 
lautes geschrei dem mondc hiife zu leisten, ich werde auf 
diese Vorstellungen XMrückkommeu. 

Eine ganze reihe altn. götter ist in diesem capitel anch 
für das übrige Deutschlaud in anspruoh genommen wor- 
den, aus gründen wie sie theils der haltende name, thdis 
das zusammentreffen der ni) ilien an hand gibt» nicht alle 

*) goth. Faaareisf ahd. Faosri, Feolri? doch nicht fhlincatnifr«', 
paonifisr9 allein die nord, spräche scheint das dem goth. fima, ahd. 
eoUprechende wort in friiber seit nicht sa kennen. 

La motiDaye glossairc zu den iioei borguignon,Dijon 1776. p. 812. 

•••) «Inrf hier an rlie tliit'rfnhrl \ou dem wolf erinnert werden, der 
in den brunneu steigt, um den lür dacn Ikase gebaltueu imiui xu vei- 
achliiigcn V 



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GÖTTER m 

gellefevlen bewebe könnon glekhen grad von et&rke ha* 
ben ; das gewisse mag auch das vermutete heben. 

Eioaehie eigenschaften verschiedner gütter greifen in 
einanderi was hier von einem derselben gilt, kann dort auf 
einen andern übertragen worden sein, und es begreift sich, 
wie bei einigen volksstämmcn naine und cultiis irgend ei- 
nes golts feltleu durfte: seine besonderlicil fiel dann noch 
einem ähnlichen, verwandlen gott zu. so werden \A uolan 
Donar und l i o samtlicli, unter gewisser beziehung, als göt- 
ler des ackerhaus und der fruchtbarkeil der erde gedacht, 
VVuolan, Ziu und Er als lenkcr des Kriegs. Die macht 
und das ansehen mäunliclier kann aber auch auf weibliche 
gottheiteu überdehn. ' 



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GAP. X. G^riNNEN. 

Vor abliaudlung der göltinncii, welche uns die nord. 
myÜie überliefert, sind alle, iinabliaDgii; davon, dem allca 
DeutscbUnd beigele^en oder überwcisbareu zu UDtersuchen. 
abweicbungen in geschlecht und iiameu dürfen wir, z^-i- 
scben beiden liauptdialectehi wie für andere begrüfe und 
Wörter auch hier zulassen, ja erwarlen. 

Taoitae stellt Nerthua ab mütterliche gottheit der 
erde dar; nicht allen Oermanen, nur den Langobardeni 
Reudignenii Avioneui Angeln^ Varineu, Eudosen^ Suardo« 
nen und Vuilhonen*) legt er ilirc Verehrung bei: nec 
quicquam notahiie in «aingiüiSy nisi quod in oommune iVer- ! 
thum, *^) Id eet Terram matrem colunt , eamque inter* l 
venire rebus honünum, invelii populis, arbitranlur. Est in 
insula oceani caslum iicnuis, dicalumque in eo vehiculuni, 
veste contectum. alliugore uni saccrdoti concessum. is , 
adesse penctrali deam intelligil, vectaniquc buhtis femi/iis 
luulta cum veneratione prosequitur. Lacli tunc dies, fcsta 
ioca, quaecunque advoulu liospitioque dignatur. non bclla 
iiieunt, noii arnia suniunl; clausuni omuc feri'um : ])nx el 
quies tunc tantuui nota, tunc tantum amata: donec idein 
sacerdos satiatam conversatione mortalium deam templo 
reddat« Mox vehiculum et vestcs, et, ai credere veL's, 
ntunen ipsum secreto lacu abiuUur^ servi ministrant, 



*) in VithoneR die Wurzel Her eifrennamen Vtthlmer» Vitliiric? 
(Nuithoneä uuätatliialt, weil des Tac. ui — ui, vgl. Tuisco, Tviko, 
wie sein vh=s va.) Badoses^ gotii. luthusjös, ludusjds? gebildet wie 
b^rnsjdtf da iolcnes u« ancb im voltMoamen Sedasii (Caesar 1, 51 ;) 
vgl. altn. iodli (prolM) und die liitlnmgi bei Dexlppua nnd Amminn. 
AUrc Suardotm» sor woVzel des alid. snert, sgs. sveofd, gotli« svairi 
(ensi«)? Jieudigm goili. Riudiggus, alid. Riotin^A? zu rtot, a^^. reod 
(anindo, arundinetum)? des Tac. eu ist = golli. iu, alid. eo (Teui*»- 
lies, Kudoses) und sein ign = gotli. igg, ahd. inir (Marsiyjni.) 

**) die verglichenen liss. lesen so, eine uehertum (Mafätoann in 
Anftefa und Monas anseiger 1834. p. 816;) Nertos w&rde icb den 
Nertbna vorsieitea, weil sonst ia deutsdien Wörtern TndUu kein TU 
lialy anfiar in jaiem Vithones, 



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NBRDU? GAUB? m 

quM ilatiin ideai hcns bainrit« arcanas hbc tmar sau- 
daqae ignoranda, quid dt iUud, quod tantum perituri vident 
Diese schöne erzätüung verti*ägt sich mit dem» was 
aaiere berichte von dem cultos einer männlichen oder 
fröhlichen gotthelt enthalten, der man friede und frucjit« 
'hailEeit beUegle« ebenso sieht der nord* Breyr, solin des 
jlliürdhry auf verhiilltem wagen in Schweden umher, das 
Mrolk feiert ihn durch gebet und fcfilc. Wuotan und Do- 
nar erscheinen auf ihren ">vagcn, aiicli sie werden um ge— 
deilien der frucht und um milden regen angerufen; ich 
habe s. 73. 74 hei dem wagen eines golhisclicn goUes, des- 
sen name Sozomenus voreutlialt^ auf die vcrehruu^ der 
^erthus gewiesen« 

Diesen Wechsel weiblicher und männlicher gollhcilen 
der erde sclicinl mir ^Yillkommen ins liclil zu setzen . dals 
die s. 104. 105 hei Wuotan, eben in solcher be/Iclmng 
angefiilnleu formcbi und reime in andern nicdenleulscheu 
gegenden geradezu auf eine gJJltin übertragen wenlen. 
wenn die liausleulc, licifat e?, tlcn j <)25en niiilien , lassen 
^sie ctlitlie halnie stehen, binden blunicn dazwischen und 
,4iach vollendeter arbeil sanuneln t>ie ' sich um die stehen 
gebliebenen büschel, fassen die roggeuähr^n an, und h^i^en 
dreimal aii zu rufen: 

fru Gaue^ haltet ju fauer» 
dül jar up den "wagen, 
dat ander jar up der kare ! *) 
während dort dem Wode für dies jähr schlechtes futter, 
für das näcliste besseres zugesagt ist^ scheint hier frau 
Gauen eine künftige herabsetsung der dargebrachten gäbe 
voraus angekündigt su werden; durch beides finde ich die 
scheu der ("bristen über die beibehaltung des heidnischen 
Opfers ausgedrückt« die alten götter sollen > 'wenigstens 
im Worten nach, sich nunmelir gering und schlecht stehen* 
1* in der Umgegend von Hameln herschte die gewohnheit, 
wenn ein Schnitter beim binden eine garbe über- 
gteng, oder sonst auf dem aoker etwas stehen liefs, ihm 
spottweise zugerufen wurde: 'scholl düt dei gaue frue^ 
oder Me fru Gauen hebben?'**) 

her die bcdeutung des namens fru Gaue fallt es 
leicht zu entscheiden; die adjeclivische vorsetzung 
von gaue beruht wol auf blolsem misverstand, man wollte 
<lcn sinn von ^gutc fraü' in die worle legen, die mund- 
■■■ .P ' '-' 

*) braun^cliw. riiz. 1751 p. 900. Iiauiiov. gel. aus. 1751 p. 009. 
*') liattn. gel. aius. 1751. p. 726. 




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154 



art, wddio faucr für focr, foder gel>i?auc1it ^ wird aucli 
Gau9 für Gode, Guade nehmen» in diesem Guode könnte 
nun nichts anders stecken als Gwode, Wode, und fiii aus 
dem Siteren fro erklart, 'würde fro fVoden den heim 
und golt; göttin bezeichnen i also die formel völlig 

mit der s« 104» 105 gegebnen übereintrelTen« Zieht mau 
den wenigstens spSterliin mit der benennuTig fru oiTenbar 
verbiindnen begrif einer weiblichen güllheil vor, so lielse 
sich vielleicht an die ahn. Gvi 358. fornakl. sog. 2, 
17l eine mythische jungfrau denken, nadi welcher ilcr (e- 
l>iiiar ahn. benannt wird, JJie gr. Faid oder Fi^ miifs 
aus dem spiel bleiben. 

In den anhang s. cxxvn habe ich ein ags. Formular auf' 
genommen, das zur herslellung der fruchlbarkeil solclier 
jickcr gebraucht wurde, denen ein zauber angethau war. 
liier konunen zwei bcmerkenswerlhe aineden vor; einmal 
heilst es : 'ercc, erce, erce^ eordhan mSdor^ und es scheint 
damit nicht die erde selbst, vielmehr iln^e mutter gemeinti 
aber der ausdruck erce ist rathselhaft in der ags. Übersetzung 
des N« X. yrird sonst durch erk, gen. erke Luc. 17, 27 
das lat, arca^ also schlf oder kästen bezeichnet (vgl. altii» 
övkf gen« arkar , cista.) sollte in Erce (gen. Ercan) ein 
verdunkelter eigennameslecken, der sich mit dem ahd. 
adj. ferchan (simplex, gcnuinus, germanus) berührte? yrJkre 
noch genauer zu schreiben Efirce? mag man sich an die 
in unserer hcldensage berühmte frau Erclie, Herhja^ Her' 
che, Helc/ie erinnern? Das andereiuai wird der erde 
zugerufen: 'lial ves ihu folde^ fira mödor !\ heil 
6ei du erde, der menschen muller, was zu jenem auch 
von l acilus ausgedrückten terra mater stimmt, die Ver- 
ehrung der zeugenden, nährenden erde, wiederum der cr- 
denmuller, war ohne zweifel unter unsern vorfahrern aus- 
gebreilet, und mehrfache benenniingen mögen slatlgefun- 
deu haben ; wie sich bei den alten der Gaa dienst und 
ihrer tochler Rhea mit dem der Ops mater, der Ceres und 
Cybele mischten, "f) Vorzüglich beachtenswerth scheint 
mir die ähniichkeit «wischen dem cultus der Nerthus, wie 
ihn Tacitus sdiildert, und dem der phrygisclien götlennut* 
« ter« Lucretius 2, 597 — 641 beschreibt den umzug der 
nuigtia deum mater auf ihrem Idwenbespannten wßgen 
durch die länder der erde : 

•) Op« mater r=r- terra mater ; Cere« = (^<^rf.^, quoti gerit frit-^fi' 
aiitiqiiiä enini C qiiod nunc G. Vnrro de \\\\**- l>»t. cd. O. Müller ^ 
25. dtr Ceres gr. beaeunung Jfffi'p'i^ sciieiut wieder auf yf^ /<^'V.' 
SU fuliren. 



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NERDU? ERDA 15ü 

quo nunc insigiu per niagnas praedita terras 
liümTicc fcrlur diviuae nialris iinago. — 
ergo ({uom primiun niagnas invecia per urbeis 
inunilical tacila morlaleis muta snliite, 
aere atqiic argento slerniint irer onine viariUDi 
largiHca stipe ditantcs, ningiiiit(|ue rosarum 
iloribus, umbrantes matrem conütumquc catervani« 
Den VI oal. apr- benannten die Ilümer latfatio matri» 
deum und begiengen sie festlich. Ovid. fast. 4, 337 : 

est locus, in Tiberin qua lubricus infinit ALno, 

et nomen magno pmlit ab amuc minor; 
illic purpurea canus cum veste sacerdos 
Almonis dominam sacraquc lavit aqui8. 
Anunian. Marcell. 23, 3, (Paris 1681. p. 355V. ad Call!- 
WCum, — ^ ubi ante diem sextuni kal. quo iloniae matri 
deonim ponipae cclebrantnr annales, et carpentinn ^ quo 
pehitur simulacrum , Almonis undis ahlui perliibetur; 
Vgl. I^nidenüus liymn. 10, 154: 

nudari plaiilas anlp varpcntuin scio 
proceres togatos niatrU Idoeae sacfls« 
lapis nigelius eveliendus essedo 
mulicbris oris clausus argento sedet, 
quem dum ad lavacrum praeeundo ducitis 
pedes remoUs atterentes oalceis 
Almonis usque pervenitis rivulum* 

Gerade so mrird Nerfhiis, nachdem sie im fand umliei|se. 
«Igen ist, in dem heiligen see, auf ihrem -wagen, gebadet. 

Für die insel des oceans liält man Rügen, in dessen 
mitte nocli jetzt ein see liegt, der scliwarzc see, oder burg- 
•ee gciiaijnt. was als sage nmgolit : vor alten Zeiten sei 
dort der teufel angebetet , in seinem dienst eine jnngfrau 
uiUerhahon, und wenn er ibrer äberdrüfsig geworden, im 
scliwarzen see ersäuft worden*), könnte, so arg die ent- 
slelbnig i.st, aus des Taritiis nacbrichl entsprungen sein, 
der die menscbliches Umgangs gesättigte güllin irti see, 
Mnit den dienern , verscluvinden lalst. aljer selbst diesjS 
liberliercrung, falls sie scbon jabrbunderte im gang ist, da 
«ie von einem leufel, keiner götlin redet, widerlegt alles, 
»as man in unserer zeit von dem lierthacultus auf Rü- 
gen vorgebraclit hat. 

Deu namcii erd^ IrelTen wir in allen deutschen mund- 



*) deutsciic sagen duoi. 



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166 NEaDU; FiaGUNUf HLUODANA 



arten, ^oih. atrt ha, ahd. erda. hl'rda, ags. eordhe, olin.iorätL 
die ahn. lurdli Irin perbüiilicli auf als Üdiiius gemahliu 
zuglek h uiul tocliler ; sie ^var Tliorß imiUer (Sd. 11. 39. 
123.) gleicliwol ist sie ein abslractercs >vesen, als Rindt\ 
die ebenfalls als Odliine gonialilin und als eiile vorgestellt 
wurde. Jenes ags. Jolde {^qw^ foldan) könnte auch pcr- 
gönlicli gewesen sein ? alls. folda^ foklun , akii. fiddy ful- 
dai'. das güth. intihla, akd. violta^ ags. molde , akn. 
mold enthalt uur den materiellen begrif der erde, staub, 
Ms sind aber noch zwei andere alto. benenniuigeD der 
erdgoUia für unsere untersuclumg yorzüglich wichtig: in 
skakl^kaparmäl p. 178 heilst sie w^o\ Fibrgyn als 
Hl^dhyn. 

Fiiirgyn ist schon s. 117 abgehandelt; vrenn neben 
dieser güttin ein ^Q\t Fiorgynn^ undein abslracles neutnun 
fßlrguni bestehen konnte, wenn der begrif von ThArs 
matter zugleich in den des donnergottes selbst übergeht, 
wenn Freyr und Freyja denselben gedauken ausdruck^Ht 
so wird auch eine weibliche Nerthus neben dem männ- 
lichen Nerthus einzuränmen sein. 

Hlodhyn hat dieselbe ablekung >vie Fiürgyn , es darf 
also ein goth. Hldthnnjay akd. Hluodiiriia gek>Ii;erl Nver* 
den. Vülus[)u 56 winl 1 kur genannt: niögr Hlodliyiijuv^ 
der Hl., das ist der erde sokn. hl6dh in der altn. sprä- 
che bedeutet einen keerd **), der nanie dergöltin also seliir- 
nicrin der feuerstalte ; auch die Körner vei ekrlen eine 
güttin der erde und des feuers unter dem iienieinsckaftli- 
chen nanien Fornax^ dea fornacalis. In niederrkci- 
ntschein boden >vurde ein anfanglich zu Cleve , liernach 
zu Xanten aufbewahrter stein gefunden mit der merk^v^r• 
digen insrhrift: DKAE HLUDA^AK SA( KN M C. TlüE. 
1UV8. VEKV8. Hiudana ist weder eine römische noch 
eeltischc güttin; ihr name begegnet vollkommen dem der 
altnordischen 9 8k. Thoriaoius hat das verdienst die identi« 
tät beider anerkannt und gelehrt erwiesen zu haben* f) 
ich sehe in dieser inschrift ein schlagendes zeuguis fiir das 
zusammentreiTen nord. imd deutscher güiterlehre* Thoria« 



*) v^l. feld (campus) upd elista. piild, gen. pollo (campiu), uogtfr 
f^ld (terra.) 

**) eigentUdi straes, ara von hlatbao, tiluUi (stroere) gnoiat % 
%0, nuin 83. 

*") Oviö. fast, a, 618. 

f ) antlq. l)or. spec. 3. Hafii. 1782. (Jotfr. St liiitzo in seiner 
»clirilt t\it den IJUidunn, LIps. I74H vermorlitc /..^;t^ dfii ueilli dei 
»tcius eiusiuelm, aber nicht die bewaadtais d^r t^aclie aufzudtH^keu. 



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DAMFANA? NEUALENNIA? (ISIS) 157 



eins vergleiclit nicht tmeben AijTio uriJ Latona, Sollte 
nicht Hlorrldhi, ein beinamc Tliurs. dos solius der Hiudliya 
aus Hlodridhi goilcutel werden köwiien? 

Jn dunkel geliiillt steht eine andere pöftni , die von 
Taciliis lind in einer Steinschrift genannte Tanfana, Tarn- 
Jana (TAINIFANAE SACRUM, oben s. 50.) ihr imnie ist 
gesichert, wenn er auch der nord. my the völlig abgeht; 
gewisse ))e5ondere gottheitea vrird jeder volksstamm vor» 
•US geliabt haben, der ausgang -ana wie bei Ilhidana«! 

Auch der belgischen oder friesischen dea NeiitUennia 
sei liier kurz gedacht , über deren benennung mehrere 
gleichlautende inschriften keinen zweifei aulassen« ihr 
Wesen ist uns unbekannt, ihr name gestattet nur gezwun* 
genei unbefriedigende anknüpfungen, in andern am Nie* 
denhein gefundnen inscriptionen kommen zusammensetzim- 
gen vor, deren ausgang (-nefiis oder ^nehabus sind <lat« 

Sl. fem.) das nenlliche wort zu veikünden scheinty das ia 
fehaknnia die erste hSlfte bildet. ♦*) 

Viel bedeutender ist, Avcil sie sich mit lebendiger Über- 
lieferung eines im nultelalter fortdauernden cultus verbindeu ^ 
läfjit, des Tacitus nachritht von der Isis, unmittelbar nach- 
dem er die Verehrung des jMercurius , Herciües und jNIars 
gemeldet hat, fügt er (rap. 9.) hinzu: pars Suevorum et 
Jmli sacriHcat. undc causa et origo peregrino sacro . pa- 
mm compen", iJisi quod Signum ipstim, in moduni /ibr/r" 
nae figuratum, docet advectam religioueni. das aus der 
fremde her eingefülu*te liegt augenscheinlich nicht in dem 
namen Isiw, den die suevische gültin gar nicht führte, so- 
wenig Mercur, Hercules und IVlars unter solcher benen* 
mmg in Deutschland gefeiert Wurden: sie bei einem 
theile der Sueren hieia, erfahren wir weder durch Tacitus 
noch dorch andere, firemdartig schien ihm zeichen und 
büd des schijffes , weil dies an das römische navigiiun 
ennnerte« 

Orieehen und Römer pflegten beim anbmch des früh- 
Imgs, wenn das im winter unbefahrne meer wieder adiif« 



•) Montfaucon ant. expl. 2, 443. Vredii bist. Flandr. I, XLIY. 
»«II. de l'acad. celt. 1, 199 — 245. Moiie lieldeiitli. 2, 346. 

**) man tiat eiue celtischg^ermant«che guttio Sirona angeuommeo, 
^ m( ioidiriften (Gruter 37, 10. 11. Orell. 2047.) nebeo Apollo ge- 
MU wird und, der Di«w Tergleielibsr, die heilkoast fescbftlst liabea 
^li- F. C. Matthiae de Sirona de«. Fnnicot 1806. Lebae das Si 
r^tn!)i,l ht'I Nicrsteiii. Ifalax l.i27. S) r i*t eine beuenoung der 
[/ VI u So. 37, aber jenes wert sjtieiot laleiniKb gebildet wie Lalona, 



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158 



(ISIS) 



bar wurde, feierlichen nnigang 7ai lialten und der Isis ein 
Sehl/ darzubringen, es goscliah den 5 merz (III. non 
Mart.) und dieser tag wird ijn kalendarium nisticum durch 
Isidis fiavi ghim bezeichnet. *) die hauplzen-znlsse ste- 
hen bei Apulejus und liaclaulius **) , zwei schriftsicllern, 
die jünger sind als 'l'acilus , aber die sitle mufs in ein 
höheres alter binan (reichen. Isis ersclieint auf alexandri- 
niscbon miiuAcn neben dein i'iiama wandelnd , ein se^ei 

ausbreitend. 

AVar der I&isdienat aus Aegypten nach Griechenland, 
nach Hum gedrungen, wie liei'se sich annehmen, dafs er| 
im ersten jh. oder vorher, einem das bere von DeuUcb« 
laud bewohnenden einzelnen volksstamm zugeführt worden 
tei? es rtiag nur ein ähnlicher cuhus, nicht derselbe, ^oad 
Yieileidit noch unter andern Deutseben bergebracbt gewe- 
sen sein. 

ich will einen seltsamen gebrauch, der mir damit zn* 
sammensubfingen scheint, ans \Iel spaterer zeit nachwei« 
V sen. etwa um das j. 1135 wurde in einem wald bei Inda 
(in Ripuarlen) ein 9chif geeimmert, unten mit rädern ¥et^ 
sehn und durch vorgespannte menscben zuerst nach AdieD» 
dann nach Mastricht (wo mastbaum imd segel hinzukam)| 
hierauf nach Jungem, Loos und so weiter im land her* 
umgezogefif überall unter grofsem zulauf und geleite des 
Tolks. wo es anhielt war freudengesckrei, jubelsang und 
tanM um das schif herum bis in späte nacht, die 
ankunft des schifles sagte man den Städten an, welche ihre 
thore ((fneten und ihm entgegen gleugen« 

Wir haben darüber eine zwar ausfohrlidie aber nicht 
vollständige nachricht in Rodulfi chronicon abbatiae s» 
Trudonis Hb. XI , welche ich aus Dachery spIcU* tom. 7 



•) Gesner sm'pt. rcl rust. ed. Ups. 1773. 1, 886; ebenso im et- 
lend. valieuse, und im ral. laaiber. (Graevii Ihos. 8, 98.) 

**) Apuleji met. lib. 11 (Lliihuk. p. 7^^ 16:y)t diem qui diei ex 
Ista-necte asicetar» aetena mibi nnaciipaYit religio ; quo sedatis liibce> 
nis teaipeitatibos et lenitis maris procellosU floctibus, niivigabiU Jtfli 
pelago rudern dedicantes carinam prioiitias commeatus libant mel la- 
crnlotes. id sacnim sollicita noc profann nicnte debebis operiri. nam 
meu inoriitii sncerdos in ipso procinctu pooipae roseani manu dextre 
slstro cobaereiitem gestabit coronam. incontanter erjro diniotis turbu- 
lis alacer cuiitiuuare pompam nieam , volentia fi eins ; et de proxioM 
dementer velot maDom nceidotis deoieolabaadaa roils deeerptb paad* 
nae mihiqne deteatabiHa dodom bellnae iaüua corlo te protiaai 
exue. Laetaotiiu instlt 1, 27: certoi dies habetur io üutb, qoo 
JsifUs na§figium cckbratur, qoae rea doce^ iUam non tnuuMae aad 
navigaaae. 



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(ISIS) 



159 



(Paris 1666. 4.) p. 501—505, oder lom. 2 fPar. 1723 fol.} 
p. 704 — 706 ilirer wirliligkoit halben, hior (Min iickc : 

Ksl gpmis iiKMHCiiaiioniin, f|uüruni olUciuni c»l cx liiio 
et lana Icxere tclas , liüc proeaK et superhum super alios 
inertenariüs vulgo repnlaliu", ad (juonmi proracilalem et 
supcrbiani LiuniiiaiKlaiu et propriam iniuriani de eis ulci- 
scendam pauper (piidaiu ruslicus ex villa noniiue luda *) 
haue diabolicam oxcogitavil techuam. Accepta a judicibus 
iiducia et a leyibiis lioniüiibtis auxilio, qut gaudent jucis 
et llovi^übu8, in proxima silva nauem composuit^ et eam 
rotis suppontis ajfigertH vehibiUm auj^er terram ^ff^ 
citf ohiauit quoque a poteslaiibus, ut injectis funihus 
textorum humerU ex loda Aquisgranum trahere&iTi 
Aquis suicepta cum utriusque sexua grandi hommum 
processionet uibiluminus a textoribus Trajecium **) est pro* 
vccta, ibi enicndata , mala x^eloque inaignita Tungi-is est 
iuducta, de Tungrla Lo6« '^**) Audiens abbas (sancü Tru- 
donis) -{')% fi.odiilfu8 nwini illam infauato omine com^ 
pactam itfftlique aolutam alite cum hujusmodi gentilita^ 
ii$ siudm^otXro oppido adventare^ praesago spiritu homi* 
Bibns praedicabaty ut ejus auscaptione abstinerenl^ quia ma- 
ligni spiriius 8ub Lac ludificatione in ea traherenturi in 
proximoque seditio per eam moveretur^ unde caedes, in» 
cendia rapinaeque fierent, et liumanus aanguis multus fun* 
deretur« Quem ista dedamantem omnibua diebus , qiübus 
malignorum •pirituum iliud simutacrum loci moraba- 
tur, oppidani nostri audire noluerunt^ sed eo studio et gau- 
dio excipientes, quo perituri Trojani fatalem equum in 
medio fori sui demcaYerunt, statiinque proscriptionia seit* 
tentiam accipiunt villae texiorcs. qiü ad profanaa hujtia 
aimulacri excuhias venire fit fardiores, Pape, cpiis vidit, 
unquam tantam (ut ila liceal laüiiisare) in ralioualibus aui- 
malibus brulitateni ? quis tantam in renalis in Christo gen- 
tilitatem ? Cogebant sentenlia i)ro6criplioni8 textorcs, nocle 
et ilie navlni stipare omni arniaturae genere , sollici- 
tasque ei excubias uocte et die continuare. niirumque fuit, 
quod non cogebant eos ante navim I^eptuno hoslias ini- 
molare, de cujus navts esse solent regione, sed Neptunus 
eas i^larti reservabat, quod postea mullipliciler factum est. 



*) Inden im Jülichischeo , später CorneUm&nster, naweit Adieo, 
vgl. Pattx 1, 8Mw 488. 614. 6M. 2, 489. 
**) Maitridit 

f.ooz. 

t> TroB Sir. Lulticli o. Lvweiu . 



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(ISIS) 



Textorcs intcrun ücc iiUo seil pi'aecordi'ali genuin deiun 
iustum jiidicem super cos virulicem iiivocal)anf, qui ad hanc 
igiiominiam eos dclrudebaiü, cum juxla reclam vilam aiili- 
quoruni Chiisliauoruin et apostolicoruni vironim manuiim 
suanim laboribus viverent , uocte et die operantes , unde 
aierentur et ire^tirentur , liberbque 8uis idlpsum provide- 
rent* qiiacrcbaiit et coJiquerebautur ad iuviceni lacryma« 
biliter uode illis magis quam alüs mercenariis haec igno* 
miiiia et vis contumeliosa» cum inter Christianoa alia plura 
essent officia suo multum aspemabiliora, cum tarnen nul- 
lum dicerent aspernabUe, de quo Cbristianus posset ae sine 
peccato conducere, illud(|uc solum esset vitabile et igoobile 
quod immunditiam peccali «ioutraberet animae, meUorque 
sit rustieus textor et paupcr, (juam exaclor orpliaiionim 
et spoliator \iduannu uibaiius et nobilis judex. Cumque 
haec et eorum slmiiia secuni , iit dixi, lacrymabiliter cou- 
quererentur, concrepabaut aulc illud iiesciü cujus polius 
dicam Bacvhl an Vene'ris ^ Nepfiini sive Martis ^ scd 
ut verius dicam ante omniuni inallgnonmi spirituuni 
execrabilo doniicilium gcnera diversorum inusicoruni, tur» 
pia cantica et rolit;iüiii Cbrisiiaiiae iiidigua concinen^ 
tiLim, Sa/K i tum qiwque erat a jiulivibus , ul praeter 
textoreSj quicumque ad tactuni riaui appropinquarent^ 
pignas de collo eorum ereptuin textoribua relinquerent, 
nisi se ad libitum redimerent* Sed quid faciam ? loquarne 
au sileam? titinam Spiritus mendacii stiüaret de labüs meis; 
•ttb fugitiva adbuc luce diei imminente luna matronaruin 
caierpae abjecto femineo pudoie aitdientea atrepitum hu^ 
jus panitaUs^ sparsia capillia de atraiia auia exilie^ 
bant, aliae aeminudae, tuiae aimplice tantum clamide 
circumdutae^ choroaque ducentihua circa napim im^ 
pudenter irrumpendo ee iidmiacebant, Videres ibt all- 
quando mille bomimun animas sexus utriusque prodigio^ 
aum et in/auatum celeuama usque ad noctia memum 
celebrare. Quando vero execrabilis illa chorea r»uiipeba- 
tur, cmisso ingenti clamore pociim inconditarum sexus 
uterque liac iJlacque bacchando ferebat\ir; quae Iuik" vide- 
res agere, nostrum est tacerc et dcllcre, qnibus niotlo ron- 
tingit graviter luere. Istis taiu nefandis {'actis plus quam 
duodecini diehus supradicto ritu celebratis coiiferebanl 
simul oppidoiii quid agcreut amodo de dtducenda scÜi- 
cet riai'i, 

K)\n sanioris eranl consilü, et qui eam suscepta/n 
fuisse duicbani, timciites dciuii pro Iiis quae facta vidcraut 
et audieraut, et sibi pro Iiis futura conjictebanl^ horiabati" 



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(ISIS) m 

tut ut comhuratur (comburerchir) aüt isto vcl illo modo 
de incdio tolleretiir; seil slulla (fnoniiulam coccilas huic sa- 
lu])ii cunsiJio contumplioso rcnilcbaliir. Nam mah'gni spi^ 
ritus, qui in illa ferebantur^ (lissciiiinavcraiU ia populo. 
quod locus ille et inhabiianlcs probroso nomine ampliiis 
nofaj'enfi/r, apud (juos remansisse inveniretur, Dcdu- 
ceiidam igitur eam ad villani, qiiac jiixta iios est, Leugncs 
decreverunt. Intcrea Lovanicnsis doinimis andiciis de dae- 
monioso navis illius ridiculoy inslmclusque a religiosis 
viris terrae suae de illo vilando et terrae fiiiae arccndo 
monstro^ graliam s\iam et aniiritiam niandal oppidanis no- 
stris, commonefaricMis cos hiiniillter, ut pareni illnm qiiae 
iüter illos et sc erat refonnala et sacranioiUi? counrniata 
non infringorent, et iude praecipue illud diabnli liidibrium 
vlciniae siiae inlViTcnt; quod si Indinn esse dicerent, quae- 
rercnt aliiini cum ([uo iiide ludercnl. (Juod si ullra lioc 
mandaluni coinmillerenl, pacem praedictam in eiini iD&in- 
gcrent et ipsc vindiclaiu in eos ferro et igne exsequerc* 
lur. Id ipsum mandaverat Duracluensibus dominis^ qui et 
homines ejus fuerant manuatim, et inlerpositis sacramentüt, 
et obaidibus datis sibi confoederati. Hoc cum jam terlio 
fedsset^ spretus est tarn ab oppidanis nostrls quam Dura* 
clilensibus dominis. nam propter peccata itUiabitantium 
folebat dominiis mittere super locum nostruni igueni et 
anna Lovaniensiuiiu Ad hanc igitur plebeiam Jatuita- 
fem adjuiixit se dominus Gislebertus (advocatus abbatiae 
& Tmdonis) contra gcneris sui nobilitatem, trahendam" 
gue decrevit napem illam terream usque Leugues ultra 
Durachiensem villam, quod et fecit malo nostro omine 
cum omni oppidanonim nostrorum multitudine et ingenti 
debacchantium pociferatione. Leuguenses oppidanis no- 
stris prudeiitiores et Lovaniensis domini mandatis obse-* 
quentes portas suas clauserunt et infausii ominia mon^ 
itrum iatriwe non permiseruntä 

Lovaniensis autem dominus precum suartun et manda- 
tdMoi contemptum nolens esse inultum, diem constituit 
comitibus tanquam suis bominibus, qui ucque ad primum, 
neque ad seciindum, sed nec ad terliimi venire vohierunt, 
Ednxit ergo contra eos et conlra nos multorum multitudi- 
nis cxerritum armalorum tarn pedilum quam militiim. 
Nostro iuilui' o])[)ido seposilo lanc[uam lirmius munito et 
bellicosoruin hominum -pleno, prinuun impeUnu in Dnra- 
chienses fecit, quibus viriliter resistentibus castellum uescio 
quare cum possct non obsedit, sed inter f.eugues et Du- 
racliium pernoctavit. Cumquc «equcnti die exercituni ap- 



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102 



(ISIS) 



plitaro (lisponorct et cx (jnatiior partibus assullum faceref. 
Iia])cl)at ciiiju ingonlem nmlhlutlliicm , siipeivcnit Atlelbero 
IVIelcMisiiim priuikeriua iiliui um Lovauirn>is i]i)iniiii avun- 
culus, tiijua iiilcrveiilu . quia coniilissa Diuaoliiensis cTci 
soror ejus, et Duracliiciisc oral cnsti^lluni saiicli Lainijcrli. 
liOvauieiisis iloniiiins al) inij)u^!.ali<>!io ccssavil et al) obsi- 
dioiic se aniovit, pKjmisöo ci qnod Uurachieiisos paiilu posl 
el ad juslillam 8iiam. educcreiUiir. Et cum isla et alia de 
domiDis et inter donunos tractaienlur, pedites el niililes per 
omnia iiostra dt riimiacentia ee dÜTudcruiit, viüas iio.ciras, 
cccleelaSy molciidina et quaecnnque occurrcbaut combustionl 
et perdilioni tradentes, l oiedenie«; vero quac louge a nobia 
fuerant proul cuiqiic adjacebani iiiter se diviserunt. 

Sichtbar ist iu der ganzen erzählung alles in gcliiUtt' 
gern liebt aufgefaDst; es \erleihl aber dem hergang gerade 
erst \ olle bedeutong , dafs er don gei.^ilicbeu enl^cliietlcn 
Kuwider Mar, und sie ibu auf alle weise als eiu süudiiaf- 
tos hciduisdies ^vcrk 2U Linterti^eiben dachten* allein die 
wcltUcbe Obrigkeit liatle den umzug geataltet tmd 8c1iiilzte 
ihtiy es hieng von den einzelnen orlsdiaden ab^ dem her- 
aufalirenden schif eiulafs zu gcwaliren; wie vs scheint galt 
iu der volksmebung für sdiiniplUcii^ es nicht weiter ge- 
fördert zu haben» 

BloD^^er tanz und gesang, vie sie damals be! vielfdcher 
gelegcnlieit unter dem \o)k üblich sein musten, konute der 
geistlichkeit keinen solchen iirger verursaclien, sie benennt 
das schif 'jiialignorum spirituum siuiuJacrum\ MIaboli ludi* 
.briuni^ nimmt an, dafs es 'infauslo ominc* und 'geulilitatis 
studio* aufgeschlagen sei, dafs in ihm 'maligiii spiritus* her^ 
umziehen, ja daCs cä ein schif des Neptun oder ISIarSy des 
Bacclius oder dtr Venus heifseu kouiic^ mau solle es VCI^ 
brciiueu ütl<M- soiisl >vegscli allen. 

AVabrscbtinlicb itbicn inilcr iloni gonielnen Volk Jener 
gei;{'iul (lania!^ nocb eriinu i imi;! ii au einen uralten heidni- 
scben ciillus, der iabrliundei le lang geJunderl und ein^c- 
scbrrinkl nichl vollends balle aus^froUd ^^e^de;l könne/i. 
ich Jiaile dieses Im land Uinitieiiende , \üii cU i' y.uslrö/iicn- 
den nienscliei; fuenge en)}>langne , dur( Ii li'Slliclten gcj^.ini; 
und tan/ gdt-Ii rle sebü iuv den ^vagen des golles, oder 
lieber jener i;öiiin, Avidebe Taeiius dej' I^-Is ver^kicbl, (Ii«' 
den sterbliclien (^gleieb JNerlbus) friede und rrudiibarkeit zu- 
liibrle. \> ie der nvo.'mmi verhüllt Avar. so niodile auc h der 
cingang in das innere sdiif den nuMisdicn verwclirl 5(In. 
ein bild der gollbfil brautble nidit darin zu sieben ihren 
uaiueu hatte das voik langst vergessen, uilt die gclehrttu 



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(ISIS) 



163 



Inikidie olmteii noch etwas von jNcpInn oder Mars, Bac* 
clius oder Venus ; auf das äuTserliche der alten icier kam 
die lu8t des volks von zeit zu zeit M'ieder zurück« yrie 
lirSre der bauer im waldc zu Inden darauf verfallen ein 
Schif zu bauen, vrenn ihm nicht erinncrungen an irühere 
processioneuy vielleicht auch in benacLbarlcn gegcnden vor« 
geschwebt liHtten? 

Beachtehswertli tfit^ dafs die weher^ in den Niederlan- 
den ein zahlreiches, übcmuitlges; aber dem gemeinen häu- 
fen vcjlnttl^te^ handwcrk, gezwungen vrurden, das schif 
Itilt seÄMt äuf ihren schultern zu ziehen und zu bewa- 
^eni; dafiir durften sie dem übrigen volk näheren zutrilt 
Irirehrtn imd pföhder nehmen* 

Rodulf meldet nicht » was zuletzt aus der damals uni- 
gcfiihrlen 'terrea Davis* wurde ; es genügt ihm zu erzäli- ^ 
Icn, daCs über die verlangte und geweigerlc aufnalime 
z>vielratlit und hiindel ansbraclien, die in olTnem kämpf 
gekühlt wcrilon nuislen. das bezeugt uns die lebliaflc llieil- 
nahme der Zeitgenossen, Avie sie lur oder wider das fest 
von der welllitlicn oder geiöüiclieii pailei augelacht wur- 
den war. 

Es sind spuren vorlinnden, daTs auch anderwiiils in 
Dcutsf lilnad zur zeit des begiuneiideii friihjaln? S(jK](a ^ 
svhilje umher gezogen wurden, nanieniHcli in 8eli\vahen, 
also dem spateren silze iener Sueven. ein nljiicr ralhspro- 
tocoll vom Nicolausahend 1530 cnlhiilt das \ejl)(»t: 'ileiu 
es sul sich nieninn mer weder tags uocJi nachts v('ii)uzen, 
verkleiden, noch einii; f ilsnaclilkleider anziehen, oueh sich 
des lienimjarens des pflugs und mit den srJiifen ent- 
liallen, bei straf l gülden'. *) Xocli ausgebreiteter scheint 
die gewolmheil des pllngiinizlchc/is, die ursprünglich, ohne 
zweifei, zu ehren der goltheil -fschah, von welcher man 
fruchtbares jähr imd gedcilien der aussaal erwartete. Enoch 
\Medemanns chronik von Hof meldet: 'fastnacht filhrleri 
bösebuben einen pflüg lierum^ \\m\ spannten die niagdlein dar- 
ein, welche sich nicht mit gehl hislen ; aiulere folgten nacli, 
sUclen licckeriingund s.igespiine'. **) IMeiller chron. Hps. Hb, 2« 
}. 53 : 'mos erat anlifpiilus Lipsiae^ utliberaiibus(am Ijaccbus- 
festd«i«farsnachts) petsonali juvenes pcrvicos oppidi (iratrum 
circum ciucerent, puellas obvias per lasciviam ad iliius ju- 
gum accedere etiam repugnantes cogerent^ hoc veluli iudi- 
cro poenam expetenles ab iis; quae innuptae adeum usqu« 

*) Carl Jä^er schwäb. stnrftcweien des Wk, 1, 685. 
**) aächs. provinz. bi. 8, 347« 

11* 



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i«4 



(ISIS) HOLDA 



iiem iliinttssent *) Von diesen und Sludicken rnnzögcu 
^vird im verfolg noch einiges nähere mitgetheüt werden, 

hier >Yolhe icli blofs zeigen, wie das fahren äes pßugs miii 
dem des scJilfs durch die Jaiulschafl aui einer und der- 
selben alllicidnischen idce zu beruhen schehie^ die shh eeit 
Verdrängung der göller durch das chrisleulluun nur in nn- 
verslaudlichen Volksgebräuchen i'orlerliallcn und alhnulith 
verJiüchtigcn konnte: auf der 8iclllba^^vcrdung einer -wol- 
ihHügen, güligen golllioit beim »lederbogiun des ackerhaiii 
oder der schiil'alu t unter den menschen, die sich ihr allciil- 
halbcn mit frendenbezeugungen nahlen. So müssen die 
Sneven zu Tacitus zeit ilire guttin durch umtragung des 
schifs gefeiert haben. Die nothigung der Jungfrauen cur 
tlieilnahme am fest gleicht dem zwang , der in Kipuarieu 
den ^vebem angetlian wurde« 

JNicht allein der Isis war bei den Griechen das scliif 
geweilit, auch der Athene, in den PanathenSen wurde iiir 
heiliger peplos zu schif auf die Akropolis geführt: düa 
schijj an dessen mast er als segel hieng> im Kerai»ik05 
erbaut 9 hepf^egte sich su lande durch ein unterirdischei * 
triehwerk^ erst zum tempel der Demeter, um diesen her- 
um^ am pelasgischen yorüber zum pyüiischen, zuletzt nacli 
der Inu'g. das volk folgte in feierlich geordnetem zug. **) 

Soillc der nanie, luiler welelieni die Sueven die von 
Rönieru der Isis gleichgesetzte udllin \erebrlcn, sollte uiclil 
Wenigsleus eine iJircr neben beneauungeu gewesen ßciii 
JJoi(/a ? 

Diesor nanie liat reindeul<;ehe bedeulung und nocii 
heute in U'bendiüer \ ulksiiberUef'erung leslen grund, 

lloldd ist die IVeundliehe, milde, gnädige güttiu um! 
frnu, von hohl (propilius) goth. hullhs (Luc. 18, 13) altn. 
holh*; die goth, form wüi'de Unit ho lauten. Ulhlas ver- 
wendet für den entgegengesetzten begiif feindseliger , teuf- 
lischer wcseu sowol das fem. u/ihuliliij als das masc. ufi" 
huUha^ voraus ich ein halt ha neben hultho folgere; nene 
hestätigung des doppelgeschlechts ^ das in der vorslelluiii 
dieser gÖ.tter waltet, gewis aber konnten mehrere g^tter 
oddr geistcr des heinamens thcilhafUg werden« Notker im 
Capella 81 übeilrägt veriis genius durch ^in wÄre hiolM* 
auch in der mhcl. spräche mufs holde (fem« und masc) 
für geisterhafte wesen bekannt und gebräuchlich geweseo 



•) ScIiellVrs Ilaltnn> 

•') Pliiloatiai. de viJi.>, NUüliiat. üb. 2. cap. 1. e i. pari». 1<J08 
p. 54». 



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UOLDA 



8P!n. Albreclit von Ualbcrslatll in seiner hoaibeiluug der 
üvitlisttien inelaiiiorplioseii liat wazzerJiüUlt (seii, -eii) 
für nyniplio , der reim bcliiiute diese auödi-iicke in \Vi- 
krnms uiudiclitung. *) in der niedcrdeulsclicn vielfach er- 
weilernden iiberlraguiii; des iiarreuscbifs (?Sarrai;ünia , Uu- 
üfok t5lfJ. OO-*) lindel &icli folgende dem lioiliib lexl man- 
gelnde stelle: •uiaijiiicli narre lüvet an vogelgcsclirei und 
an der giidcn hüllen (bonorum geniorum) giinsU* Häu- 
figer begegnet das mbd. unholde (fem.) nlid. unhold 
^masc.) im sinu eine« büsarügeii; iui»lei*eii9 jedoch gewalti* 
geo Wesen?. 

Da« älteste zeugnis für den bestimmteren gebrauch des 
namens Holda gewährf mir Burchard von W orms (ag- 
hang xxxvi); die merkwürdige Variante unhuhla ist aus 
dem cod. \indob» aniv* ^^33 gescliö[)ft. ßurehard hat iiier 
das deutsche M'ort an die stelle der Diana ^ Paganorum 
dea. gesetzt, die sonst gewöhnlich in gleichem «inn und in 
der uemlichen Verbindung genannt wird (vgl. xxxiv.) 

\ olkssagen und märchen lassen frau Holda (Hul- 
da, Holle, HuUe, frau Holl) als ein höheres wesen auftre* 
ten> das den menschen freundliche , hilfreiche gesinnung 
beweist, und nur dann zürnt, wenn es Unordnung ün haus* 
halt widu*ninunt* diese Überlieferungen scheinen unter kei« 
nem deutschen stamm so verbreitet als unter Hessen und 
Thürlngemi (auch der wormser bischof war gebürtig aus 
Hessen.) indessen kommt frau Holle vor bis ins Voigt- 
huid,**) über die Rhön hinaus im nördlichen Franken, '^*'*) 
in der Wetterau bis «um Westerwald f) und aus Tliü» 
riugeu her in das angrenzende iViedersachsen. Schwaben, 
Schweiz, baicrn , Oslreith , Zsurdsachscu , Friesland kennt 
sie nicht. 

Aus dem. was \njs die Iradiliun uochbcwulul hat yJ-), 
ergeben bich iulgende ziiee. 

Frau Holle wird als eiu hi ftwillschcs, die erde um- 
fepanuendes w esen vorgeslclll : »ejiu es sclineil, so macht 
sie ihr belt , dessen federn iliegen. yyv). die vergh ichuiig 
der schneeüocken und ledern ist uralt, die 8cyLhen er- 



Fmiikf. in^l. 4« 171« von einer wazzerlioldeo: «oldcu} 126« 

»h^/'-rliolile : hold*'. 

") Jut. Sciliiiiill lickhcuteU p. 152. 

Reinwakl lienueb. Iii. I, 68. % 62. SiliAeHer % 174. 
i) Sclimidt weUerwia idlot. T3. 341. 

tt) LiiKltini. lu» 24. deutsche sagen no. 4^8. Falkensteiu« .tliür. 

chroiuiH I, 1<;5. 1G6. 
ttf) Trau UoUe ftcliuUeU ihr belt. oiodcjumu. 1816, 2^3. 



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}m aou>A 

klärten die nördiiclie weltgegeud, %vc!I ^Ic nnt federn an-v 
geftUIt 8ei, für xinndlibar, (Hcrod. 4, 7 vgl. 3X.) 

Sie liebt ilen aufentlialt in see Und hrunnen\ zur 
mittagssUinde sieht man sic; als scliüne vreifsc frau, in der 
flut baden und verschwinden* sterbliche gelangen durcli* 
den brunnen in ilire wolmung, vgl. die benennung was^ 
zerholde.*) 

Auch das stimmt zu der Ncrthus^ dab sie auf einem 
imgen einherfährt, sie licfs ihn von einem bauer, der 
flu» begegnete, Ycrkcllen, die aufgeraften spone waren gokl**)^ 
ihr Jährlicher umzug bringt dem lande fruchibarkeiim 
nicht anders scheinl Derk mit deui cbcr, jener niederlan« 
disrlie Freyr (s. l.VJ) iimziizidien und natli den pRü- 
f»cu zu scliaiHu. Cb icli A\ uulan frilirt Hulda aber aiu li 
f^rhreckeiihart dmcli die liifle und gcliürr, wie der goll, 
zu dem \viilomlen beei'. daraus folgt die clubikliuig, ilaf's 
liexoii in Jlüllas gescIlscbaCl faliron ; schon Burcliard woils 
eb, und noch ist JJoUeJahi'en iu Oberiicöscu gleiclibcdcu-» 
lig mil hexcufalirt. 

Hieran kniipfl sicli , d^f's sie, statt der güuliclien ge-* 
Htall, das aus'iclion einer /la/s/w/u fi ^ lancnasigon , grofs« 
/.abnigea alten, mit 8lruppigem. chun cnvorrcncu liaar an- 
nimmt* *er ist mit der Holle gelabrcn' heilst es von ei- 
nem, dessen haare sich unordentlich %virren und sträuben« 
und so werden die hinder mit ilir geschreckt, ihr ge^ - 
folge ist nicht weniger greulidi. +) 

IJolla vyird ferner als spinnende frau dargestellt, der 
flachsbau ist ihr angelegen« lleilsigen dirnen schenkt sie 
epindeln und spinnt ilmen nachts die spule voll; faulen 
Spinnerinnen ziif^det sie den rocken an o^'^vbesudeWütm. -j-f) 

•) wenn der namc hrunnenhold im mnrchenbnch von Alb. T.tif!\r, 
G't idiin 1, 221 echt uail überliefert vst^ so bezeidiaet er ^iaea bruo- 
aeiigeibt. 

**) älaiiiciie i»age bei Jui. Sphmidt Reiclicnfelö p. 162. 
***) £ston oberh. tdiot. i. 
f ) Erasm. Alberos fabel 16 1 ^es kaffien auch so. diesem beer vfel 

weiltor, die .sicli forcbtea .sciiy, und tragea sicheln ia der band, fran^ 
Hulda bfit sie aui>{;:esandt.* Luthers anslegunpf der episteln, Baset 
15 22 ful. 69'«: *Iiie tritt fraw Huldc lierfür mit der jn^t znasi^n ^ die 
nntur, und (larf irem «^ot widerpellcn und iu liij^ea süalcn, heugt uuib 
«ich iren alUu trewdeiniariit, den .sUuharnJ^ (alrolilmruischj — hebt 
an uad scharret datier mit irer geigen, er vergleicht hier die gatt 
widerspeastige uatnr der beidniscuca Haida mit der ITIrchterlieheii use 
(Oberiiu i>. v. (lutzmünnchcn) , wie ^ie ip Stroh oad trödellrnnpeD ver* 
mummt unter ;,'ei^cuapiel auftritt. 

ff) cod. |)al. 355b: Mch wen, kaia «i'Ä«se2 (sdieusal) 4/i ktUmrockei^ 
wart aie ab beUJicb ab du biat'. 



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dem iiiädtlici». de.^srn S][)Iik1('I in ihren ]»ruiin( ii fi! ], luiiiile 
sie durtli beg«'jhiing. nvuiu wcilin. » hteii im laj:d ein- 
zieht. werdcJi nl(c splrmrofken reiiliüt h ani^ch'ül und ftir 
sie ölcheii gclasbcn; lb,-lnaclils ahcr, -wenn sie lioimkclirf, 
inufs allos a])gosponnen bcin, die vocVcn slchcn ilain» \(H' 
iliT versttHkl (iihcriil. ^'^3' ; Irifl sie rdk'3 an, wie t\H sii h 
gohnii, 60 ?^|M'}ihl sie ilii ru 501:011 aus, im ijiM.I ficil ihroii 
ilittli, die foriuelu 'so juam hos haar, eo inantlicb i."ilc jähr!' 
*fiO maüclies haar, so manrhos liüso jahrP kh'niMMi aUrr- 
tliüniücli« vervvochsohijig scheiul, wenn auch crziihll wird, 
iu den zwiiifuüdileii dürfe Kein llachß auf der die/se blei- 
be«, fioust komme frau Jtlvlla, ) dn« vcrslcekcn des ar- 
lieilsgerätlies deutet «ugleicli auf die lioihgkcil ihres feier* 
ta£C8, aa dem geraslel Averdeii soll. den ^samslag der 
HüUfC ^vird auf der lUiÖn keiue laadllche arbeit verrich- 
tet, weder gekehlt, uocli gemistet ^ noch zu acker gefali- 
rcu, auch im Nordeu soll eich von jultag bis zu iieujalir 
weder rad noch winde drehen (dan« abergl. no. 134.) 

Diese Oberaufsicht über den fehlbau und di^ strenge 
Ordnung im IiaiishaU bezeichnet ganz das amt einer in/ij/- 
ierlii lii'/i güttJicil ^ wie wir sie in der Neiihus und Isis 
keniu II gekrnt liabeii. Ihre besondere sorge für flachs 
und spinue/i (das ^vesenlh*cllo gesehiiia deulsclier hniis- 
frauen , die nach S|)Iiuk'l und kiuikel Ijonajini Avorden ''^ j, 
vie nach Speer und Mh\Ncrl die /iianncr) Inhrl aber uu- 
jnillolhnr auf tlio alln. Frigg, Odilias genialdin, deren \ve- 
am in don beiiiif einer erdgüüiu iibeigelil und nach der 
flu geslirn des hinniiols, Orions güiiel: .Jr/'ggjar roclr 
(l'i i;4grie cohis) l)enaunl ist. zwar gewahren iskin(li^tlle donk- 
iniiii i «Uesen nanieii nicht, unter dem .schwedi>o]ien land- 
Volk 46l er im gel)rau(h geblieben (Ihre 8. v. Fn'ggerorl'.) 
das gestirn heilst aber auch Mar/ärocl , dan. ÄJdrjroi- 
(iSlagmisson gloss, 36^. 376), weil die ChriÄtcii den allciv 
uaiiieii auf Maria, die Idminlisclic muttci% anwandten. 

Man könnte versucht sein, frau Ilohla aus einer ge- 
stalt des alten teslamenls herzuleiten. 11 Keg. 22, 14 nnd 
II Paralip« 34, 22 ist die rede von einer wahrsagcrni nV^n 
Clmledda, Chulda, wofür Luther Hulda setzt: die LXX 
haben '0;.Ai, die vulg, 0«a, die lat. bibcl Vileb.. 1.5in» 
und wahrschelnltch andere spatere Hulda , mit riick»icht 
auf Lutlieru, der die deutsche 'frau^ Holda im sinn habend 



•) l»rauii?oli\v. HU/. 1 KiO i»ü. 8t>. die/se i>t <lcr e^iigcbumiiie (l«rlis 
^ni ruikcu. t)runi wb. 5, 
RA. 168. 16». 4T0. 



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■ 



m HOLDA 

die jüdische prophfliu jjopularisiert. niolirmals in seinen 
Schriften gedenkt er des lieidni&clieu weseiis, eine stelle isl 
vorliin s. 166 angezogen« Ich wcifs nicht, ob schon andere 
vor ihm beide naiiieu verglichen haben» «eher aber ist die 
Vorstellung von Drau HoUla nicht erst aus der ganz unbe- 
deutsam auftretenden Olda der vulgata geschöpft , wie die 
tiefere wurzelung Jenes namens in unserer spräche ^ seine 
allgemeine beziehiing auf verschiedenartige geister und die 
ursdte negatlon unholda seigen. 

Auch um der Verwandtschaft nordischer nberliefemn« 
gen willen würde man Jenen gedanken fahren lassen« 
swar kennt die eddische götterlehre keine, unserer Holda 
entsprechende, Holla; allein Snorn (Yngl. saga c. 16. 17) 
gedenkt einer jtauberiii (sülva, seidkona) namens Huldr^ 
und eine spätere im 14 jli. abgefaCste isl. sage erzählt iim- 
sländlirh Vüu dem zauberweib Hiilihi^ üilins eeliebtcu, und 
der bekannten lialhgcUliiuien Tliuraerdr und Yrpa iiuitter. *) 
iNuili >vichti"er scheinen norweci^i lie und danische volks- 
fiai-eii von einer berg- oder waldliau Jlulla^ Huldra^ 
Huldre, die sie ])ald jung und schün, bald alt und finster 
darstellen, in blancni kleid und >vei(seju Schleier nalu sie 
sich den Weideplätzen der hirlen und dem tanz der men- 
schen, an dem sie llieil nunmt ; ilire geslalt wird aber durch 
einen schwänz entstellt, den sie sorgsam zu verbergen 
trachtet, nach einigen ist sie von vornen sdiÖn^ von hin«» 
ten luÜ'slich» sie liebt musik inul gesang, ihr lied hat 
traurige weise und heilst huldreslaat. in den wildem 
sieht man Huldra als graugekleidete alte frau, an der 
spitze ihrer heerde, den melkeimer in der haud, einher- 
siehen, sie soll den menschen ungetaufte kinder fort- 
tragen, oft erscheint sie nicht allein , sondern als herrin 
oder kÖDig^q der bcrggcister^ vrelche Jtuldrejolk genannt 
wcv'dcn. '^'^) auch auf Island weifs man von diesem JSful^ 
dufdlky von den Hulduinenn^ und hier aeigt sich von 
neuem die beriihruug mit dem deutAcheu Volksglauben, der 
neben der frau Holde zugleich holden , d* h. freundliche 
geister , ein stilles unterirdisches \olk annimmt , desseu 
liii-stln iileiclisam frau lluldc ist. Aus diesem urund s( Ikmi 
>\ird es riciili^er bciü, die uuid. bexicuuun^ liulla^ HuL" 



*) Müller>» Mgabibl. 1 , 303-^366. 

**) nitiieii Kogabeii rindet man in Muiier» sa«;»!». 1,.^67. 368. Uil- 

Lii^ci p. 4H. 1 j.>o |). 3«)— 13. i». 10. 15. 2ö. 2(i 'M\. Fri;rjro, n>t- 
.•>ai\sg;ive tor y. H.». Ström» Soii lmvf 1, o^ö — öU. V^iM. ijj>>- 

dcbei;: 2, 411). MiU « .^ilii jüid p. 250. 



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PERAUTA 



m 



dra aus dein akn. ad), hullr (fidus, (idelis^ |irupiliiis) , das 
däii. und scliwed, huld laiitr't, zu (m klaren, nicht aus dem 
altii. hulJa (obscuritas) mit beziehiiDg aut die wolmung 
der bergzei^ter unter der erde, »alascUeitilicli kam der 
•nadruck huldurulk erst aus der dänischen oder norwegi« 
sehen spräche ia die isländische. Schwerer zu deuten ist 
das in den formen Huldra, Huldre eingescLallele R; 
•oUte es aus der piuralform hulder (boni geoli, holler v»t- 
tir) herrühren? oder aus einer Zusammensetzung? 

Die deutsche Holda steht dem^spinnen und ackerbau 
yor, die nordische Bulla der Viehweide und dem melken. 

Ein ähuliches weseUi wie Uolda, oder panz dasselbe, 
imter vei-schiedner benennung, erscheint gerade in (hn 
oberdeutschen gegenden, wo jene aufhurl, in ScIian abcn, im 
Elsais, in der Scliwciz, in jjaicni iinil Österreich. *) es 
lieilsl fruit ßerdite, d. i. alid. Perahla^ die lenclitende, 
glänzende, Jiehre ; schon dem sinn des \vorles nach eine 
gütige, freiidebringende, aber nur selten wird .sie noch so 
Vürgeslelll, gewölnilich itt die grauenlmrio seiti» liervori;e- 
Loben, sie tritt als ein liirt hleiliclies, ki/idvr.scJircckt/ides 
Scheusal auf. in den er/alihingen von frau JiercUta 
ben*scht die btise bcdeutnng vor, wie in denen von frau 
Holda die gute, d. h, durch die christliche vulksansichb ist 
Berchta tiefer als Ilolda lierabgewürdigt. 

Ihre identits^t ergibt sich am deutlichsten daraus, dafs 
beide zu gleicher zeit, in den zwölften , zwischen Weih- 
nachten und neujahr, ihren Umgang lialten. doch ist für 
Berchta ein eigenthiiinlicher tag am schluls dieser perlode 
bcsthnmt worden, den ich nie nach frau Holda benannt 
imde. nicht weniger gleichen sich ihre Verrichtungen. 

Berchta führt, wie Holda, aufsieht über die spin^ 
nerinnerty was sie am letzten tag des jahrs uuabgesponnen 
findet^ verdirbrsie (abergl. 512.) ihr fest mufs durch eine 
allhergebrachte speise begangen werden, brei und fische. 
Tbdrr sagt (Ssem« 75'»), dafs er *s(ldr ok hnfra' (heringe 
und liaber) zu nacht gegessen habe; die weijHe frau hat 
tiem landvolk auf ewige zciten ein gcrii lil JiscJie. n:ul /la- 
hergrutze serordnel, bie zürnt, wenn es einmal uiilcr- 
lileibt (deutsche sagen no. 267.) den letzten lai; im jähr 
I vh^iiiieibeu die Tliüringer im Saalleldischeu nui k/ivdal 
yna\ heriri^e/i. fische und nielilspeise galt deii Chriölea ge- 
ziemend lür die i'oalc. **) 

*) ciDtiiei! von Fnulkea und Tliöringen keuut Berchta und Holda i 
Wqiissteii« i;>t hier die grenze nwiiidien beiden. 

nach d«a braunMhir. anz. 17 W p. 1392 jvoUen, wenn fran 



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170 



PEUAUTA 



Seltsam uiitl allcrlhiiinlloli klinnl die rarhc der zürnen« 
den Berclita, M-enn iisclic und klcilöc loldcii: sie sdnu'idet 
dem der amlerc speise au ifiroin tag zu nii Ii genoninien liat, 
d«Mi leib auf, fiilil Ilm niil iuLLeriini; und nalil mit einer 
pilugsvhar slalt der iiadel, mil einof i:i.<enkel te slalt des 
2>virus deu si hniu am bauch zu (abcr^b .5.23.) *) damit 
Avird auch iu andern gebenden gedroht, iiii gebirgc um 
. Trauii»icüi sagt mau den Kindern am Vorabend epipitaiiiaei 
-weiui s!c bös seien, ^rerde die ßerdte kommen und iluien 
den bauch auischneiden. an diesem läge 'werden fttte ku^ 
vhen gebarkcn und bei den koccbtcn beifßt es, damit müsse 
piati sich deu baiidi erhmicreu y dann wenlc Jraii 13er che 
mit dem nteaser abgUtadien (Scltni. 1 j 194.) Vielleicht 
fülirt sie darum den uamcn der wilden ooer eisernen 
Jlert/ta ? Crusius ann. suev« p» 2* Hb* 8. cap. 7* p» 266 er* 
zählt ab seine yermutung über des namens Ursprung, >Ieui* 
rieh 4 liabe der Stadt Padua freUieiteu verliehen: inde in 
Signa Ubcrtatis armato carrocio uti coeperuut in hello Ber^ 
tlia nomtnato, hiiic dictum hoc ortum puto, quo lerrentur 
inquieli pueri : ^schweig, oder die eiserne Bertha kommt !'**) 
au aiulern fränkischen und schwabischen orten heif&l sie 
JI I Ulabcrfa ( i iwa \ crliiiuluns di i' beiden nanicn lioldn und 
Jit rla?) QiVn^ JUldabcrta\ in zuUigem haai- gehl sie iiaLlils 
um die hiiiiiier und zerreiJst büsc hüben,***) 

traf/ P recht mit der langen nas ^^ Ii d sie von 
Viiith'r iiciiannt (anhaniz i.n) luid scbun ein nihd. gediclit, 
üaö iu eiue^: h^. uberscluiebeu \%i ^da;^ uiic^e \qu der Ötexa- 



Holhi in «Im 19 nnrlifon ongreht, leine hUhenfriichte genossen ^ver- 
dCD. entn-. nii-^vcrstainJon. fnlor nuf l)eslininitc InilsentViiclite /ii beziehen. 

•) im Voi^tland wirti ra>t <lji"!>clbe erzalilt von <Kr H'crre oder 
frnu Hi lle, die // erre liält am licili^'tMi .'tf)on(le des liolicii neuen jali- 
res genaue ie\ision, ob auch alle rocken ahge.sjiojmui siUvij wo Ci 
nicht der fall ist, TeroDrcint sie den flaebs. ancli rouGi an dieiMi 
•bende polse , ein aus mehl and waster ei^en bereiteter dicker hiA 
genossen werden: wer es unterläfst, dtm reifst sie c! .-t leib auf, JaL 
Schmidt ReieltfMif« Is p. 152. Den nnmen iTtTra (von den gewirrten, 
hlnnil*eiMi<Mi hiuirenV) ielirt schon Thoni. Ueinesiiis lect. var. Alt« ii1» 
1('»40 j>. ÖT?) (in den rrilischen {mmerknn;;eii zu Rhyalvinns, d. i. Ausir. 
Ki\iiiui oder IJachmanu, über Kiraniduni Kirani. I^ips. 1638): *no- 
fttrates Itodieqiie petuiantioribus et refractariis mandiicum altqueni CVB 
ore liiapte frendeotem dentibna, aut furibundam silveacente «nmia, 
«i« lurida, et ceteru hal>iU( terribiiem cum runiitatu maenadum h'ef 
tarn iaterniinantur.' Reinesius war aus Gotha (geb. 1587 f 1d07|, 
lebte ;d»er zu llof im \ oi;;tland. 

*') v-l. ( rii>iiis 1. üb, 12. cap. 0. p. 329, wo er aa l^erliMi 
('iirl.H mwUi r, deiiki. 

•••) Juach. Camerariu» clirouul. Niccphori p. 



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PBRABTA 171 

|icii*, Leifst ia einer andern 'von BercIUen mit der lan-^ 
^en naSt *) was daraus hierher gehört vermag ich nup 
iiach jener (in berichtigter Schreibung) mitzutheilen. 

nu merket reht vraz ich iu sage: 

näch -vriheunaht am zwlften ini^e, 

nSch dem heiigen ebemvfhe '^*) 

(golgeb, da« er uns wol gcdihe) 

du man czzcn solt zc nahtej 

iiiiil jiKui y.o lisilie bralile 

allcz (laz man ozzoii soUle, 

SM'az dvv ^vi^t aoben wolde, 

du S|)racli er zeni gcsiiulc 

und zuo Sin f^clhrs kinde : 

*ezzet Jii/ile fast dnrdi nnu belo, 

daz incli diu Stempe tiiht eniitU^ 

daz kiiillin du von forbtcn az, 

cz spradi Sclcilin, Avaz ist daz, 

daz du die Stempcn nennest;* 

sag mir, ob dus erkennest.' 

der vater sprach: ^d.iz sog ich dii^ 

du seit ez wol gelüuben mir, 

ez ist so grhnvelich getdn, 

daz ich dirz niht gesagen kans 

wan swer des vergizzet, 

daz er niht fast izzet^ 

üj den kamt ez und trit in/ 
auch hier werden kinder und knechte Tom hauswlrt er^ 
mahnt, die aufgetragnen gerichte rein zu verzehren imd 
mit der Stempe tritlen bedroht» von dem stampfen (drö-i 
ckeo, treten, ital, stampare) mufs dieser beiname der 
Beichte entsprungen sein; vielleicht ist Stempje zu lesen* 
Im salzburgischen gebirg wird noch bis auf heute der 
fSrchterlichen Perchiel zu ehren das sogenannte Percha 
tenlaufcfi ^ Perchtenspringen znr zeit der rauchnächte 
gchultoFi. im Piftzgan zielien dann 100 — 300 buisclie (sie 
boilseu die Jiervhten) bei hellem lag in sehsnjiisler vcr» 
iiuiiiuming mil knhglo( ken (ind kiiallcjiden peitschen be- 
"Wafnct umher.***) im Gasleinerllial gelit der zug, den rii- 
Mige bursche zu 50, 100 bis 'M)0 anliihren, von ort zu 
ort, von haus zu haus, durch das ganze thal, hüpfend und 



*) T. der Hagm grundrirs p. 898. 989. 

**) ebenweibtag, gleicbbeilger tagt &ei|jabr. Scbcfien IJaltaiis 

p. 68. 

***} reise durcb OberdeuUclik p. 843. Scbm. 1, 195. 



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172 rLKAllTA 

spriiiueiid. *) In der juinlllrlieu Sdiwclz, wo noljen 
ßerchtli auch die weichere Ibrm ßtc/illi y Uec/iicii '•'') 
vorkuinnit, ist BecJitellstag ilci- zNVcile, oder vveim neu- 
jahr auf einen soiinabeiul iaUl. der drille jan., und er »ii-d 
von den jungen leuteu durclit;eheud8 in iiesellscliarüiclier 
luslbarkeit gefeiert, man nennt es bercJitclfi , bedituln, 
uocli im IG jh. hcrschte zu Zürich der gebrauch^ neujalirft 
einander aufzufangen und zum >veingol»on zu nütLigen: 
das liiefs ^z\imBerchto/d führen.***) Vielieiclit dafs man 
aicli auch einen männlichen Bercht oder Berchtolt dach* 
tc, woraus diinn in Schwaben >vieder eine Brechtulterin^ 
Prechtölterin wurde, f) Im Elsal's galt das bechien: 
knaben und handwerksgesellen liefen zur weihnachtsjceit 
pu8 einem haus^ aus einer Stube in die andere und lerm« 
ten.ff) Cunrat Ton Dankroxheim, ein elsassischer dichter, 
in seinem 1435 verfafsten namenbuch :'*Hi*) 

damauch so komel die milte Bellte, 

die noch hat gar ein grofs gcslehte, 
er nennt , sie die milde, den menschen gütige, vidver- 
ehrte, nicht die schreckliche. 

Als ein gutes, günstiges wesen ersclieint sie IB 
manchen andern, gewis hoih in das miilelalter hinaufrei- 
chenden vorslelhingen. die wclj^e frau ist ilir schon dem 
namen luu h vüllig gleicidiedeulig. denn perahl, berlil drückt 
aus gliiiizend , leuchtend, weiis. diese weifso frau pllegl 
zwar an 1)estinnnte gc^chlerhler geknüpft zu w erden, aber 
den namen Beita fortzuführen, z, b. lierla \on Roseii- 
berg. scluieeweifs gekleidet zeigt sie sieh nailils in iürsl- 
lichen liausern, wiegt und Ir.'igl die kinriM-, wenn die ain- 
meu sclilalou: sie tritt auf als alle aJiumulter des ge- 
ecblechis. 

Es liat vieles für sich, dafs einige in unseru überlie» 
forungen berühmte frauen dipscs namens mit der gclster- 
hafte^ Berhta zusammenhängen: sie sind aus der götter- 
•age in die heldensage aufgenommen wurden, lline weil 
zurückhegende Vergangenheit pflegt mau in Italien und 
Frankreich durch £e reden^art zu bezeichnen: 'nel lempo 
ove Berta ^ilava^ , <au tems (pic la reine Berthe filaiV \ 
es ist wieder die Vorstellung der spinnenden hausmutten 



*) Moclisr Gstfteia 145. 147. 

**) wie sonst für Berchtung BecAftmg. 

•••) Stüld. 1, 150. 156. 

f) Sriiini«! sclivvab. wb. 93. 

Ii) >li lk'ii lu*i Oljerliii >. Him litcfi. 

fit) .\iJ. Walt. ätrui»t'ld beitr. üUixäh. 1827 p. 123. - 



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PERAUTA 173 

ßerla, des künigs Blume und der ^\e^^slJlulne todiler, 
]icrnach gomniilin Pippios, und mutler des groi'sen liciden 
Carl , verleugnet ihren mytluschcn Ursprung nicht, sie 
heifst ^Berhte mit d&n fuoze* Flore 309, Berthe au 
grand pied- $ nach den Reali di Franza 6, 1 1 'Berta det 
graa pie^ perche ella aveva un ple im poco inaggior dell 
altrOi e c|ueUo era üpie destro/ Adenez, der franz. dich- 
ter scheint diese misgestalt absichtlich m mildem, indem 
er ihr beide lufse grüfser beilegt , sie ist ihm ^Berie aä 
grcifis pieä* (Paris ausg. LIL 78. 104.) aber der eine 
grofsfois ist echter und geht aus weit älterer Überlieferung 
hervor von einer ^reine Pidauque\ ^rogiua pede aucae\ 
deren biid an alten kirchen in stein gehftuen stehti *) es scheint 
der fufs einer »chwanjungj rau ^ den sie (wie Huldra den 
ScfawanE, der teufe! den pfei'dfufs) zum zeichen ilirer höhe- 
ren natur nicht ablegen kann. 1 Fallen wir in Deutschland 
allere, genauere bcschreibungeii von ^frau BerJUa\ viel- 
leicht würde dann auch dieses fufses ei'wälint. 

Es ist jetzt noch librig ihr näheres Verhältnis zu ei- 
nem heslinimlen jahrslai; ausclnamler Selzen. Die christ- 
liche kirclie feiert dreizehn tage nach weiluiachten , also 
äm 6 jan. das fest der erscheinung Christi luiler dem na- 
inen epiphania ^ oder theophania (allfranz. liephaine, ti- 
plingne.) in einer ahd. glosse (einm. 394) \vird llieopha- 
nia gegeben giperalita naht, die leuchtende uaclit, vun der 
himmlischen erscheinung , die den hirten auf dem felde 
widerfuhr« **) Urkunden des MA. datieren mit der dativ- 
form: perchtentag, perlitennaht (zi demo perahtin taga» 
dem pcrahtun naht); diese und andere verkürzte formen 
belegt Sclieffers Ualtaus p. 75 und Schm. 1, 194. hieraus 
konnte sich nun ganx leicht die personification Perckien» 
taCf Perchtennahi f h. der tag» die nacht der frau 
Perchte entwickeUi. Conrad von Dankrotsheim p. 123 
setzt die milte Behte auf den 30 dec, ^*^) acht tage früher. 

Zwei annahmen bieten sich dar. entw. hat sich das 
iabelhafte wesen einer Perhta überhaupt erst zuföUig und 
durch misverstand aus dieser personißcation ergeben , oder 
die analogie des leuchtenden tages ist an die früher vor- 
handne Perhta geknüpft ^vorden. Frau Perhta lalst sich 
freilich erst aus dem 15 oder 14, höchstens dem 13 jh.. 



') Aw. 3, 4r. 48$ auch Psris veibiodet die PMaoane mit Berte 

(»11. IV. 198.) 

Lnr. 2, 9. O. J. Jll, 3. 4. Ih l. 12, 8. Maria 182. 
" ) 28 dec. luuciiuldige kiuder, dec. Xiiomat, 31 dec. Silvester. 



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174 (HEaODIAS) 



naclmveiseQ; aber Jene Termutung würde selbst dann nidit 
zu iveicben brauchen , wenn es gelänge , den persönlicben 
namen in nodi altem denkmalem aufzuspüren» auch im 
9 )h. könnte aus der Formel perahtAn naht geworden sein 
PerahliVii nalit. Indessen scheinen "mir die bcigebrachlen 
cigcnlieilcii einer niylliischcii Berta, iiiul iioth iiiclir ihre 
ideiililäl mit IloUla liir den aiuN^rii lall zu entsi heiileu. 
gal) es, uiiabliaugig vom ein isllii hcii caleiuler, eine llolda, 
so \s lvd aiicli die Pcralila lüi Iii erst aus ihm liervorgcgau- 
geii sein; vielmehr ITihini beide adjeclivisclie beucmiungeu 
auf eine heidiüselie guUheil, 

Sclir merkwürdig, dals aneli den Italienern eine ungc- 
stalte» kiaderschreckcndc fee Befana ans e£>ipliania (bef'n- 
nia) entsprang: an diesem tage setzen frauea uud. kiuder 
eine von allen lumpen gemaclite pnppe ans fenster: sie ist 
schwarz nnd hafslich und bringt geselienke« nach einigen 
ist sie des Merodes tochter, ''') Berni sagt: ^ii di di Be- 
fania yo porla per Befana alla fenestra, perche qualcun 
le dia d^uua ballestra', **} es wäi^ doch seltsam, wenn 
zweimal» unter verschiednen völkem» ein name des calen- 
ders die crfindiwg eines übernatürlichen wesens veranlafst 
hätte ; wahrscheinlicher ist, dafs sich in Italien w^ie bei iinsf 
ältere volks Überlieferungen mit jener clirisllicheu bcucu- 
niuig zu verst linielzen suchten. 

Jlerodlas, an die uns eben Befana gemahnte, soll da« 
noch mehr erlaulern, die erzahlung von lierodes tochter, 
durch deren tanz Johannes des tiiuiers enlhauplung her- 
beigeführt wurde, niuls in der früheren zeit des >lA. ei- 
nen besonders tiefen eindruck erzeugt , und sich auf mein* 
als eine weise mit fabeln gemischt haben, geistliche dichter 
behandeln diesen gegenständ ausführlich und mit Vorliebe 
83 — 85), Otfricd scheint ihn absichtlich auszulassen. 
Man wälmte, ihrer mehr leichtsinnigen als bosiiaften band- 
lung wegen (denn dei- gedanke gieng von der raclisüchtigeo 
mutteraus), sei //eroc/ia« (die tochter) verwünscht worden, in 
gesellschaft der bösen und teuflischen geisler umzuwandem» 
sie wird an die spitze des wütenden lieers oder der 
nächtlichen hexenfahrten gestellt, neben die heidnische 
Diana, neben Holda und Perahta, oder an deren platz, 
ini anhang s. xxxiv. xlii. lu sind stellen aiigelnbrl, wel- 
che diesen Volksglauben erweisen 3 es gibt aber noch an- 



•) Rankes liist. zeitscliriit 1, 7 IT. 

Fraac. licmi rime 105. Gruses s. v. befana. 



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(IIERODUS) 



175 



Jere aiisih ilcklichcrc. Johannes sarIs])crifMi<^Is (y 1I-S2) 
iiJi polsTi. 2, 17: qualo cj?1 , qiioil nuclilmani quaju'ani, 
vel Herodiadeni , vel prac^iclem noctis tloininajii loncilia 
et coaveutus de nocte assenint convocarei varia celohrnri 
convivia etc. Augeriü8, epiacopus conscranus (a. 12H0): 
HuUa mulier de noctuiiiis eqiiitare cum Diana, dca paga- 
fiorunif vel cum Herodiade seu Bensozia, et liitiiimcra 
miilierum mullitudüic profilcaiur. Nicht zu ühefsehcn ist, 
dafs dem cullus dieser Jlcrödlas ein drittel der ganzen 
weit eingeräumt, also die anselinlichste ausbt^itung zuge« 
Stauden vrird, Katherius (bischof zii Verona, aber ein 
Franke, aus Lobi bei Canibrai gebürilg, Y 974) in seinen 
pracloquiis (Marlene und Durand d, 798. upp. cdit* Bai« 
leriDi p. 20« 21): quis enim eonimt qul liodie in talibns 
tKS([ue ad perditionem anlinac in tantum decipinnlitr , ut 
eliam eis, ([uas (Ball, de quibus) ait Gen. **), Herodiam 
illam baptistae Christi interreclricrni , (juasi reginani iino 
deam prupoiiaiil ; asserenl05, tertiam totiiis miindi par'^ 
tr/n Uli Iraditam: ([uasn haec mcrcos fueril piupliolac oc- 
cisi, cum polius sint tl;.<'iiiüncs, lalihns praesiii^iis infoHces 
muliernilas , hi>((ue inuiunn vituperahih'oros viros , (|uia 
pei tlui^-iinos, th*ci[)ienle5. iMork\> iirdige auslührlu lHM O nach- 
riclileii von dci- tradilion des 3lA., die an ITciodias se- 
kiuipft Aviirde, enthält der erst ueulidi bekamitgeuiaclite 
Reiiianhis 1, 1139 — 1164: 

praecipue sidus cch brant, opc cujus, ubi ouiiies 
dehierant tesles, est (hila Koma Peiro, 
- traditaque injuslo Pluiraildis virgo labori, 
sed sonctifaciuut qualiacun((ue vohuit. 
Uac famosus erat felixque fuisset Jlerodes 

prole, sed infelix hanc (juoque laesit amors 
haec virgo thalamos Baptistae soliiis ardens 

voverat hoc demto nullius esse virL 
offensus genitor, cbniperto prolis amore, 

insontem sanetum decapitavit atrox« 
(ostulat afferrl virgo sibi trislls, et vSSeni 
regius in disco tempora trunca cliens. 
niollibns allatiiin stringens caput illa lacertitf 
pcrfuudit lacrimis, osciüaque addere avet^ 



*) Dacange s. v. Diana he»t ßenzon'a, Iiat aber die riclifige lesart 

V. l^eiisozia selbst $ die bedeutuug sdieiat bona socia, gaostiges, bei- 
des Wf >en. 

") ilicd Gen. verstellt Balierlni hirlit; vielleicht Genuadiiu (majMtli- 
ttitt) «in ficbriftäteller des aiu;$ciieiideii 5 jli« 

* 



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176 



(DIANA) 



oscula raptanlem raput nufugit atquo resufßat^ 
illa per impliivium lurbiiic ilaiilis abil. 

Ex illo niiniiini menior ira Johannis candem 
per vacniun coelL llabilis urgel ilcr: 

morluus infcslal nüserani, ncc vivus amnrat, 
non tanicri lianc penilus fnla jioTisse biiiuiil. 

Iciiil Jionor lurhim, inimiil rci'crentia pocuam, 
pars hominnni moestae tertia servit herae^ 

queraihns et corylis a noctis parte secunda 
iijicjue nigri ad galli carniina prima sedrf. 

nunc ea nomen habet Pliaraildis, JJcrodias aule 
saltria, uec subiens noc siibcunda pari, 
hier "wird Hcrodias gescliiidert als die moesta herUy cut 
pars tertia hominum servit^ der elircnvolic cultus, des« 
seil sie tlieiiliaft geworden ist, mindert ihr herbes geschick, 
von mitlcrnarht bis zum ersten liaiikrat sitzt sie auf ei- 
chen und haselstauden , die übrige zeit schwebt sie durch 
den leeren Uiftraum» sie Mrar von liebe gegen Johannes 
entzündet I die er nicht erwiedertej als sie das auf dem 
feiler getragne haupt mit thränen und küssen bedecken 
mrilly weicht es zurück und hebt heftig zu blasen an; die 
unselige wird in den leeren räum getrieben und schwebl 
ohn unterlafs. warum sie späterhin (im 12 jh.) Pharait* 
dis hiefs, crrathe idh nicht, das leben der flandrischen liei- 
ligen dieses namens (acta . sanct. 4 jan.) hat keinen ähnli- 
chen zug : aber auch was die kirclie von Juhaiines dem 
täufer und Herodias beiiihlel (acta sanct. 1^4 jiui.). rührt 
nicht an den inhalt iener liberliererung. Hcrodias ist des 
lierodes frnu, dio tcx lilor -wird genannt Salome. 

Es leidet keinen zweilel, dafs der christliclie mythiis 
von Hcrodias schon im frühen niillclalter mit einheimi- 
schen Jieiihiischen fabehi versetzt wurde ; die Vorstellungen 
von Irau Holda, dem wütenden beer, und den nachtfahr- 
ten der Zauberinnen griffen ein, der jüdischen künigstoch- 
ter fiel die rolle einer heidnischen galt in zu, wie Rathe- 
lius ausdrücklich sagt; ihr cultus fand zahlreiche anhan* 
ger. auch Diana ^ die nächtliche niondgottheit , die \Tilde 
jagerin, bewegt sich in diesem kreise; Diana , Herodias, 
Holda stehen für oder nebeneinander. Diana wird von 
Eligius (anhang p. xxx) aufgeführt, die stelle aus den con- 
dliensclüüssen (xxxiv) ist hernach in manche schriHen 
übergegangen (xlu. ui), gleich der Herodias erscheint 
Diana als domina und hera* das leben des heil« Caesartus 
orelatensis erwfihnt ein ^daemonium, quod nistici Dianam 
vocant'^ die benennung mufs ganz volksmäTsig gewesen 



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(ABÜNDIA) 177 

sein; jener bildseule der Diana aii& Orc^ur. tur. 8, 15 
habe uli s. 77 getlacht. *) \ orziiizlicli wiclilig für dieaus- 
breilung des üianacultns sclieiut aber eiuc 8lellc aus dorn 
leben des heil. Kilian, des bckelircrs dex* Uatfrauken (f 689): 
GMberlus, diix Franciae — Wolens rrebra npud sc irac- 
tare inquisidone, utrum ejus, quem (^KiliaDus) praedicabat-, 
nl Dianae potius coltus praeferendiis esset« Diana nam- 
qae apud illum in summa veneratioiie liabebatur\ (Sm*iu8 
4, 133 und acta sanct BoUand« 8 jul. pag. 616.) Da frau 
Haida in Tiiüringen^ Franken und Hessen Vorzugspreise 
todebl, so ist nicht unglaublich, dal's schon im 7 jli. unter 
biana in der gegcnd yon Wirzburg keine andere als sie 
gemeint wurde. 

Der Hcrodiaa oder Diana zurtickbezicliung aul ge- 
stalten des cinheiiuisclien lieidoiilliums, sei es dos teUisclien 
ocUt GorDiauihclicii , \vird oiidlicli iiuch Avillkonuneii bcsiK- 
ligt durrli die sage von einer domina yibundia **) oder 
dnme Haho//de aus franz. quellen des iMA. Liu parij^er 
bischof Guilielnuis alvornus (Guillaunie d'Aiivergne), der 
124»slarb, redet (oinra. Par. Iü74 fol. 1, 1036) von nym- 
phen und lamien : 'sie et daenion, qni praefextu mulieric^, 
cum alüs de nocte domos et cellaria dicilur frcquentare, et 
vocant eam Satiaui a satietate^ et dominam jdbundiam 
pro abundanlia, ***) quam eam pi aesture diamt domibus, 
oaas frequentaverit ; hujusmodi etiam daemones^ quas 
aminaa vocant vetulae, penes quas error iste remanait, 
et a quibus solis creditur et somniatun dicunt has domi' 
na» edere et bibere de escis et potibus, quos in domlbus 
inveniunt, nec tarnen consumptionem aut imminutionem eas 
facere escaruni et poluum, inavimc si vasa cscaruni sint 
discooperla et \a>-a poculoruin nun obslructa eis in norle 
relin(piantnr. si vero operta vel clausa invenuiiit seu ob- 
slructa iiido nec comcduut nec bibunt, propter (piod ifdau- 
stas et iulorlunalas rclinquunt. nec safletatem nec ahau^ 
dantiam eis praestanles'. ähnlic hes ^v^nl p. lOfiH Avi<'der- 
liolt, p« 1066 aber heilst es: ^suiii et aliae ludificutiones 
nudignorum spirltuum, quas faciunt iuierdum in nemoribus 

*) Yielleicht ist anch die anf ioscIiriAen erscheinetule, mit dner 
Nennung des Scliwarzwalds znsamnienliänn:ende Jbnula nis Diana 
hier im t>erück<iclitip:en, TgU PaMow KU Tac. Germ. 1 imd Creuaer 
iUröoi. niltur p. G5. 

auklaiijj V(»n .Ibutulia nn die in drr vorausgehenden nnm. ge- 
dachte j4l}/i»f'fi üvheuit zu Ufering, um darauf gewicht zu legeu. 

***) auch die ROmer persoalftcierten ein höheres weaen JhuinUintia 
^ aber aar auf nifiazea vorkommt, weder tempel noch sltSre hatte. 

12 



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(ABülSÜU) 



et locis amoenis et frondosis ai l)ori1)U8 , ublappareiit in 
similitudme puellarum aiit matronarum ornatu niulicbri 
et candidOf iaterdiun etiaoi in stahuhs, com lumiiian- 
bot cereis» ex quibus apparoat dbtillationes in comis et 
Collis equoram, et comnc ipsonim diligenter tricatae, et au- 
dies eoSi qui talia se vüHssc iatentur^ dicentes verani re- 
ram esse^ qoae de luiniiiaribus hu^usmodi stillaverat. *) De 
illis vero substantüs, quae apparent in domibus, quas A- 
minoM nociurnaSf et principem eanim Yocant dominam 
jibuncUanh pi'O eo quod domihut) quas freqaentanl, abvn- 
dantiam bonorum temporalium praestare putantur, non afi* 
tcr tibi sentiendum est neque aliter, quam quemadmodnai 
do illis aiidivisti. Oii^^P^'^P^er eo iisqiie invaluit stulli^ 
tia liüiniiuim et insania velulanim^ ut vasa viiii et recep- 
tacula ciboruni discoopcrla relinquant, et omnino nec ob- 
slruaiit iiequc claudaiil eis nuclibus, quibiis ad domos 
81108 eas credunl advenliiras, ca de causa videliret. ut ci- 
bo8 et polus quasi paratos iiiveniant et eos absque dilfi- 
cullate appariüonis pro beneplacilo siimant. 

Der roman de la rose (^Iroii IS 622 ff) erzählt: 

f[iu les eine Pens aijisinc deeoit 

par ies fautosnios, quil regelt, 

dont maintes gens p.ir lor folic 

cuident estre par nuit estrles 

errans auecques dame Habondef 

et dient) que par tout lo monde 

U iiera enfant de nacion 

9unt de ceste condidon. 

qa*ü vont trois fois en la semaine» 

•i cum destiaee les maine, 

et par tous ces ostex se boutenti 

ne des ne barres ne redoutenti 

ains sen entrent par les fendaces^ 

par cbatieres et par crevaceSy 

et se partent des cors les ames 

et vont avec les Lonnes dnrnes 

par leus foraiiis et par niaisons, 

ei le prnevent par liex raisoiiä: 

que ies diversil«'» venes 

ne sunt pa8 en lor liz venues, 

ains suni lor ames qui laborent 

et par ie monde aiüöiuc sen euren t etc. 



*) vgl. deutcclie Mgea num. 12S. 



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(ABUNDIA) 



Dautre pari, qoe Ii iiers du month 

aille ainaino wec dorne Habondef 

ti com fole« vidlea Ic pi uevent 

par lea Tisions que traeveut^ 

doDt convient ii sans nule fatlle 

que trestotis Ii mondes i aille. 
Wie von Ualhcriiis und dem dicliter des Rcinardiis ein 
dritter llicil der ganzen avcIl dem ciionsle des llerodias er- * 
geben vorgestellt wird, so ist liier das jicniHcl>e auf damc 
ifaboiide angewandt. Herodias und ylbu/idia sind also 
eiui'ilei. man pllegle langst die Ijc Uaimle Avelt in drei 
theile abzusondern. die weifsi^ekltidele domina erin- 
nert all TerahU, die hona domina^ bona socia'^'') an 
llolda , die nachts aul eichen hausende llerodias an den 
altdeulscheu bamncultus. Ivs ?ind \u'spriint;licii lauter gii- 
tigie wesen , deren crscheiiuaig den menschen gedeiiien 
hriogt und überiluis ; dalier ihnen, w ie bernMindeten geistern, 
wie göttern zum Opfer, speise und (rank bei niiclitiicher 
irrile aufgestellt 'werden« Uolda, Berit ta, Werra sckeinen be- 
atiinnUe speise zu lieben und an ihrem festtag zu gewarten« 
Wir haben bisher die namen und den cultus mehre- 
rer göttinnen kennen lernen, die von gewissen volker« 
Schäften Deutschlands unter yerschiednen namen gefeiert 
worden (Nerdu, Hluodana, Tamfana, Holda, Berhta), ei« 
nige ihnen fihnliche sind uns nur in ausländischer benen- 
nnng bekannt geworden (Isis , Diana, Herodias, Abundia) j 
TOn allen erscheint keine einsige Wi den Angelsachsen* 

Der angelsaclisischc gesohiclitsschreiber hat uns dage- 
gen die n.'iiiien zweier \on ihm ausdriieklieli für alte göt- 
iLtmeu seines volks ausgegebner wesen gemeldet, deren da- 
sein unigekehrt bei den übrigen Den Ischen verscinvindet. 
zum klaren beweis, dafs hier \vie dort das heidenthuni 
erliillt wai* von vielgeslaltigen , vielnamigen gotlheiton, de- 
ren ei^ensrhaflen und verehruni; sich dennoch bciieanete. 
warum bei den weiblichen guUern diese manniglaUigkeit 
der form noch mehr überwiegt als bei den mamdichen, 
scheint aus dem grüfsem ansehn der männlichen haupt- 
gottlieiten gut erklärlich: sie waren su bcrlihmt und 
zu hoch gehalten^ als dafs nicht ihre Yorzüglichsten be» 



*) a^^Ilur pars tertia mundi. Ovid. mct. 5, 372; tertia pars mondl 
fbaiani perit Africa fianinis. Corlpp. 1 , 47 ; tertia pais orbis Earopa 
focstur. Walthar. 1. 

*') viel leicht liaogt die beoeaaang Mcia Msarnmea mit der Satia 
bei GnilidBiiw alv.? 

12 ♦ 



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180 



HREDIA? BRUODA? 



iiciinnngen alle atSmine des volks durchdrungen ImImii 

sollicn. 

Die beiden gülliniien. welclie Beda (de temporum ra- 
lione cap. 13) ganz kurz, oluio jwiliere liildernng , hlols 
zur crklärnng dov nach ilnicii ])euannlen nioiiale anluhrt. 
sind Tjcislre luul Hreth' ; von dieser hal merz, von jener 
april soinon saclisichen nanion. ^ lihedmonath a dta illo- 
rum Rheda , cui in ülo ßacrilicabaiit, uomiiiatiir.' ^anti- 
ijni Anglorum popuU — gcns mea — apud eos Apriüs 
hsturmonathf qui nunc paschalis meusis interprctatury 
cjnondani a dea illoninii quae Eostra vocabatur, et coi 
in illo festa celebrantur^ nomen habuitj a cujus nomiiie 
nunc pascliale tempus cognominant, consueto aniiquae oh^ 
aerpationis vocabulo gaudia novae solennitatis vocantes'. *) 
Es "Wäre uncritisch, dem kirchenvater^ der sidi dü 
heidenthum überall abhiat und vreniger als er weifs di^ 
von mittheilt, die erfindung dieser göltiunen aufsuburdsik 
sie liaben niclils iinwjihrscbeinjielies , ja die Bweile dersel- 
ben Avird durch eine dculliclic spur in dem vvorlvuiralh 
der ul)iigen slamme gerecht fertigt, der merz licilst sonst 
abd. Icnziiiman^t, vom beginn des Inililiiiiis (lenzo, len- 
gizo) **); er könnte aber noch andere namcn gelidnl ha- 
ben, das ags. adj. liräd (velox) entspricht dem ahd. lirat 
(ninl. 1, 17:^) altn. liradhr ; llrede (gen. -eaiO ahd. //re- 
tia *^ wäre die sclinelle, vielleicht ein der Fortuna äbnhches 
wescn, deren Sinnbild dos rad (ahd. lu^at oder hrad) war? 
Ober! in 1)ringt ans Chorions ehrenkranz der tcutscbeD 
sprach. Strai'sb* 1644 p* 91 Retmonat für merz bei^ aber 
diese form mag zuletzt aus Beda selbst hergeflossen seiB. 
wenn es in der ap])enzeller reimchronik p. 174 heilst ; 

in dem lltdunonet 

die puren kamen donet. 

do der nioiv.»'iii)U)iiel gieng herzu 

an ainem njori;cn fru ^ 

do ziuideutz liorscliach an, 

so scheint Iiier Medimonet^ nach einer in monatsnamen 
gewöhnliciycn verscliiebung, der dem merz Yorausgebende 
Februar; von Arx hat das wort ganz anders, wie mich 



') nndi « iiier l»s. (Ki^iniP.seii o[)iisc. p. 2!^7 , dies citat pil>t R«th- 
lefj» iUiy.\ 11. Diejiliülz 3, Ib.): Scteres auglicani jiopuli >ocaut K>ior- 
monatii pa«ehiilein meiisefii, idtine n dea quadam, cui fcu/vmci popoli 
in .pftgfuiMitio Mcrifici« fecerant tempore measis aprilis, qnae Moitra 
est iifipetlata*. 

**) gnimm. 2, 5i0. laages Diut. 3, 88. 



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OSTARA Itil 

dütikt unpassend, von einem borg erkläi'l. es tuitsteii 
aber noch mohr belege für die sellne form des monalsna- 
meiis aufgefunden werden und selbst die ag«. ic&art steht 
Bocli nicht fest genug, wftre nemlidi hr^dhenionadh zu 
schreiben und der göttiu name Hredhe y von hrt*dhc glo- 
riosii8, faniosus (Ciidni. 136, 20. 198, 2)^ 80 ergäbe sich 

ahd. form Hruoda und eine ganz abweichende erklS- 
nag. wirklich kommt im ags« menologium z* 70 *Mar« 
litis Fedhe' vor, d* h. hr^dlie. 

Den april benennen wir noch heute a%termonatj tmd 
schon bei Egtuhart findet stcli östarmAnoth* das heilige 
fest der Christen^ dessen tag gewöhnlich in den april oder 
den sdhlufs des merz fällt, trägt in den frühsten olid. 
Sprachdenkmälern den namen ösiard (gen. -ün) *'^), niei-> 
stentlieils stellt die pluralform, weil zwei ostertage ((V-^lar- 
tagä, aoslorlaga, JJiut. 1, 266*) geTt iert werden. dieses 
Oslard mufs gleich dem ags. Kdstre ein liuheres ^eseu 
des lieidentliunis bezeiclinet haben, de.«seii dienet sn ffsi,» 
Wurzel gescldageu hatte, dals vlie bckeliicrdeu naineii tli;!- 
iletcn und auf eins der lincli^len ( lirislliclieii jaliihfeslf au- 
wandten, alle uns heiiae!il)arlen Völker haben die benen- 
ming pa.seha beiheliallcn , .selbst l Ullas setzt paska . kein 
auslrö, obwol ilun der ausdruck bekannt selu musle, '*''^) 
g^frade wie die nord. spräche paskir (sehwed, pask, dan, 
paaske) einführt, das ahd. adv. 6star bedeutet die rieh- 
tang gegen morgen (gramm. 3, 205)^ ebenso das altn« auntr^ 
fernuitlicli ags. eastor, goth« anstr? wurzelhaft ist nur aus, 
os^ eas (orieus), das ich zum gr. r^MSy dor« itke (uligleich 
hier das 8 nomiuativisch scheint) und su aurora ausura ?) 
hahe; die lat. spradic hat das ganz identische mint er aitf 
die mittagsseite (den süd) verschoben« In der edda ftihrt 
ein männliches wesen^ ein lichtgeist den namen Amtrl^ 
ebenso konnte ein weibliches AuBtra heilseu ; der hochd. 
und sUchs. stamm scheint umgekehrt mir eine Osiara, 
Edsirey keinen Ostaro ^ Edatra gebildet eu haben, f) 



') vgl. altn. hrd*ihr (Isns« gloria) und das abd. hruod, frauk. 

chro'l in jcu?*?iiiinion«5» »/migeii (srainn) *2. 462.) 

T. IST, 1. 3. 5. O. 1. 22, b. III. 6, 26. IV. », 8. Iivniii. 
21, 4. fn.gni. tlirot. XIV. 17. 

**') er mahlt iiir orieiis urniiis, (ur ocrideiw aa<!ip:i, aut'pniijr und 
Mergao^ der sonne, kannte aber ohne zwelfel vitftr (vvrsns urcid^n* 
>«n). wmet vis (ruhe, stille, abend.) 

i) zu»Hmmeiij2;e:>etzte ei<!ennaoien: 0»iri>l>i'ilil , Aiistrol>rii;i . in- 
'i>e^i>;i, Ostru<$otlia, wie Vbigoib«, Vlstrlmund, WesUralp, Suudttiolt, 
Nunllierahl u. a. m. 



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188 OSTARA ZI8A 



hierin Hegt deutlich der grund^ weshalb die NordlSnder 

pilskir und nicht auf^trnr sagen: sie hatten keine cüuin 
Auslra vcreliii, oder ihr ciillus war Irülicr iiiilcr«zcgan^cn. 

Oatara, Kdstre mag also gollhcil des strahlofiiloii 
jnorgeiis, des aufsleigeiuleM lithls govescu sein, eine Ireu- 
dige, LcilbrinaciMio er.^i lieinung, deren begrÜ leiclit für das 
avifersleliiingsicst des clirisllichea gotlcs voi*\vaiull werden 
konnte, f rendenfener ^viirdcn zu oslern angezündet, und, 
nach dem lange lurldaueruiicu Volksglauben^ Uiut die sonne 
in des ersten ostertages frühe, so wie sie aufgeht, drei 
freuUenBpriinge ^ sie holt einen freuderitnnz (abergi* 
813.) Wasser, das am osterniorgen gesehi>j)(t -wird, ist 
gletch dem weihnachtUdien, heilig und heilkräftig (abeigl* 
775« 804); auch hier acheinen heidnische Torstellungett auf 
christliche hauptfeste iibei^egangen, weifsgekleidete jong* 
trauen, die rieh auf ostem, zur zeit des einkehrenden 
irähliiigs, in felsklüften oder auf betigen sehen lassen, gc- 
nialuien an die alte gottin. 

Auf Bedas nachrirliUii von Hrede und Eastre soll eine 
schwäbische oder bairischo , wenigstens aus dem 12 jh., 
wahrsclieinlich aber ältere meidung von einer im heideii* 
thujn zu Augsburg verehrten göttiu Zisa folgen. 

Der cod. monac. lat. 2 (vom j. 1135) und der cod. 
emerani. F. IX Fol. 4^ (aus dem ^^13 ih. entiialteu ein- 
slimmig: ^excerpta ex gaüica hystoria\ *) 

*dum hec circa renum geruntur in noricorum (über- 
geschr. bawariorum) fiuibus graye vulnus romnnus popu« 
lus accepit, quippe germanorum gentes (übergeschr. 
Buevi), qiie retiaa occupaverant , non longe ab alpibtts 
tractu pari patentibus campis, ubi duo rapidissinu amnes 
(übcrgcschr. licuB et werthaha) inter se confluunt, in 
sis noricis finibiis (übergeschr. tenninis bawariorum et 
sueiwtmi) civitatem non quidem muro sed valio fossaque 
cinxerant, quam appellabant Zisarim ex nomine def 
CYsf , **) quam rcligiosissime colebant, cujus templum 
quoque ex lignis harharico ritu conslructum , poslquaiil 
eo***) colonia romana drducla est, inviolatum perniaiisiti 
ar velustate collapsum numeii y) eoUi servavit. hanc ur- 
bem titua an/iius prclor ad arcendas baibarorum excur« 



*) ich danke die miulicilung Sduueiler« gute. 

**} am raiid: 'quem male polluerat cultiira nefaria dudum 

go/la« mohticolttm huae tibi dza tulit*. 
**) am nnd : 'post coudilam arbem augus/am a romauit^, 
f) raudnutc: uaque liodie ab iacolis dzunherc uoniBetsr*. 



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ZISA 188 

}»ioiic& kal. »cxlilibns (üborcpprbr. cxacfa jani cslalc) cxcr- 
citu circunivcnil. ad ineridiauaiii oppidi j)arlcni, que sola 
a fontiiieiiü (^iiljcrgosclir. liUoribiis) erat, pretox' ipse cum 
legione martia castra operodiftsiiiic coinmuaivit. ad occi« 
dtDtein vcro, qua barbarorum adventus erat, duar, bögu^ 
di$ te^ Mus ^ cum equitatu omni et auxUiaribus mace»- 
donian copüs inter flumen et Tallum loco castris parum 
ao^lo infelici tcmerliate extra flumen (über^ fperi/io/ui) 
coDscdit. pulcbra iudoles, non minus romanis quam ^r^- 
oif discifiUois instructa* i^tiir cniinquagesimo nono die, 
qiu eo yentum est, cum is dies aee eise apud barbaroe 
oueberrimua, ludum et lasciviam magts quam formidinem 
oftentareti unmanis barbarorum (überg. suevoruni) mul* 
titudoi ex proximia silvis repente erumpens ex improviso 
eastra imipit^ cquitatum omnem, et'quod miaerius erat» 
auxilia sociorum deleyit avar, *') cum in hoattum pote- 
»(alem regio babitii viviis venisset, [sed que apud barba-* 
ros rcNcrcnlial'J niore pccudis ibidem maclalur. **) oppi* 
daui vero nou luinoii loiUina sed maiori virlulc prelorem 
in aiixiliuni eociis proiicranleni adorimilur. roma/ii band 
segniler resisUuil. duo priiuipcs op|)idaiiuniin habino **^) 
et cacciis in primis piigiianles cndiinl. et incUnala jam 
res oppidaiiorum esset, lü maturasdcnt auxilium ferro po- 
cü in altera ripa jani viclorla polili. dciiKiue coadunalis 
viribus castra irninipuiil, jirelorenr, qui paulo altioiTDi tu- 
midiim (iil)crg. perleih) iruslra ceperat, rofnana vi resi- 
stentoiu obtruucaut* legioucm •}•) divinani (überg. marti- 
am), ut uc Dunciua cladis aupercaset, iuuditua deleut, 
Verrts solus tribunua miiitum amne transmiaao in proxi* 
mia paludibua ae occultanaff) honealam mortem eubter^ 



*) randnote: ^ex cujus yocabalo , (]uia ibl mactatoa et taondttoi 
est, chnke$aperon notnea accepit. grecut enim erat'. ^ 
**) am laod: *lioe oomeo terrls bogudis Ant regia pirolei 

grecavar. pecudid de suevis more litatus\ 
tfli fand: ^prefectus futhenu (»e victtim liicqiie aepultiiBi 
pcrpetiio iiiüiitis nomine notificat. 
qui juxtn montem orrisu.s et sepultus uomeo monti habtnonherch Ut;Jit, 
quem ruätici lia\eiieul)eicli dicnnt\ 

t) aoi rands Sie hae ibl penUta legiooe adhae peMch nonüna« 
tni'. mit kleinerer, aber gleiclixeltiger adirift : 

*iodicat hie Collis ronuinam nomine rladem 

martia quo h'gio tota siniul periit. 
«ibdidit liiinc rome propes victoria pcho, 
lioc ftit>iniet templnni (|ui modo (onstilnit'. 
it) am raad : Miic quia iu paludibuä udjacenlibu:» laluit, lacui utrits» 
Imm af(|ue uomeo dedit. 



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184 



ZISA 



fngU. ncc mullo posl sicilie proc():..siil ininiani avancia 
lurpem moi leni prünirniit. nam cum se iiiai^Ulralu abdi« 
caret in«HcI<> ci\iuin dainualus q^{. 

Das Pcl!)C briuh^lürk, nur ohne tÜc übercpJirliriebenea 
>v()rlc iiiul olinc das am raiul hinziigeriii;le , linilet sich ia 
Goliiasls roriiiu suev. scripl. aliquol \elcios 1 1 Im 1727 
fol.) p. 3 unter der rubrik : */^^r//e/i Galli Iragmentum 
do vicloria Suevoriim conlra Uomanos'. auch wird 'dea 
Cisa^ uud ''CUava^ geschrieben; slaü Caccus ^Cacusf'^ die 
übri{;cri namen stiminen. noch ünde ich für loco paniaf 
amplo die bessere Icsarl ^aptu\ die parcuihose Sed qn^ie 
apud barb. revercntla' fehlt, und am schiuis der salz : 4iani 
— daninatus esl\ Ich würde glauben , dais (loldast ailea 
aus Wolfg. Lazius reip. rom. libr. XI 1. Francof. 1598 p. 
b2 hergenommen habe, wenn nicht in diesem abdnick 
wieder einige abweicUungen vorkämen; die Überschrift 
lautel: ^elleii excerpta ex gallica historia*, es wird gele- 
sen *Cimra' aber *CVjC{*; 'Habbino, GaccuSi amph>', ge- 
schlossen mit promeruit* Lazius sagt: ^quam nos historiam 
in ^ pcrvetnsto codice membrana literis antiqiiissimis siri- 
plam ]'ej)enmus'. hiermit scheint doch eine über das 
zwölfte ili. hinaurgehcnde, und vielleicht hetrachtluh altere 
S'.hrift angedeutet; der wiener wahrseheiidich noch erhal- 
tene cod. wäre iie])cn den beiden nuiuchncru und dem 
goldastischcn der vierte das sliiik eulli.dlen<le. 

Dieser iiaudschiülen eine oder die andere sclielnt dein 
Ollo von Frcisingcn imd dem Verfasser oder fortsetzer der 
auersberger chronik vorgelegen zu liaben. Jener ver^^uchl 
alicr die sage an den Quintil. Varus (statt an Veires / n 
knüpfen, er fügt, nachdem er dessen nicderlage erzählt 
haty (chroD. 3, 4) hinzu: Hraduut Angustenses hanc caedem 
ibi factam, ostenduulque in argumentum collem ex ossibua 
mortuorum compactum, quem in Yulgari perleich^ eo quod 
legio ibi ])erierit» usque hodie vocnnt, vicumquc ex no« 
mine Vaii appellatum monslrant'« Den bericht des auers» 
beiger Chronisten, obgleicli er das ältere bruchstück bei* 
nahe wurlHch aufuinimt , achte ich hier zu wiederholeii 
darum für nöthig, weil die *randglossen eigenthümlich in 
den text verwebt und auf gefundne steininschrlfien beso* 
gen werden, *) 

De Augusta Vindelicorum vel Rheliae. sicnt ex scrtp* 
tis veterum cuUigitiir haec civitas tria nomina accepit* Ger- 



riiron. (*onr«<ii urspcrg. Argent. 1582 p. 308. ed. 1609 p. 225. 



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ZISA 185 

inanonim qaippe gentes prlmnm conaidcntcs in partHjus 
Khetiac; qiiae nimc e$i pars Sucviae) non longe ab alpl- 
bin in^planilie loco tninen mumto propler concursum du* 
omm rapidorum iluminum Lano nrbem construxerunt^ et 
OOD muria sed foasatU eam firmaveniiit, et ex nomine 
iute ZiKitCj q\iam rellgiodasime colebanl^ Zizerim eam 
nuninabant« hujua quoque deae templum ex lignis bar- 
busco rito constnictnniy etiani posiquam Romant eam ici- 
eolere coeperunt, inviolatum permanstl, at vetnstate col- 
laptom nomen colli servavit, in c£uo postinuduiu in lapide 
exsculpti Iii versus sunt rcperti: 

quem male polIiK'rat cullnra nofnria tlii.lnin 
gailus mouticuiuin Iiunc tibi Ziiza iulit. 

linde usquc In praesens ab incolis idcm inoniiculus ZAzen-^ 
berg nominatiir. apud Lanc urbem Romaui dieleti sunt 
magna caede« nam 2Ytus Anriiua praclor ad arccndas 
Barbarorum excursioues cum exercitii in kaL Aiigusti eam 
circundedit, ipscque ad meridianam opiiidi partcm, quae 
sola patebat j castra sua cum legionc .Marlia opcrosissime 
comrounivit, ad occtdenicm vero ultra ihivlum, nbi Sue- 
vis aut Barbaris aditus patebat, Ai»ar Bogudis rcgis filuis 
cum omni cquilaln rl auxilio macedontco cousedil. itiitur 
quiuquagosiino iiuiio die, quam eo veulum csl, euiii is dies 
deae Kiz<^ apud Rarl)arüs celeberrimus es^sel, hulum et 
la^iviam mai^is (juam formidinem tivcs ostcularuul. lunc 
eliam iniiiiaui^ ii.ii harornm mnlliludo, qiiac de parlibus 
SiicNiae illnr ((»iivcneral, de proximis siKis repenle erum— 
peiis cx improNisu caslra irriipil et ^h^aris ('\<Mrihim de- 
K'vit. ipsum quo([ue yL'ar regio Labilu iiuluhim \ivum 
euniprehendeiUcs crudeliler iu modum peeoris juaclaverunt. 
a <piü in loeo^ ubi mactatus est, vicus usque kodie appel« 
latus est Criechesaperon, in quo Iii versus reperli sunt: 

Iiis nomen terris Bogudia dat regia proles 
Graecua Avar^ pecudis de Suevia more litatus. 

oppldaui vero iion miiujri forlnna sed majori Nirlule jirae- 
toreiu iu auxllium .s(n üs pro[)t'raiilem in\aihinl, quii)08 llo- 
maiii liautl secuiler resisluut. in quo cordliclu duo prin- 
cipes fq^pidanorimi Jiahino et Caccus iu ]>rinus ]>niinau- 
ICR caduiit. et imliuala jam res esscl oppidanorum, ui jua- 
tnra88cut auxllium feire Snr{>i iu altera ripa vicloria i'am 
poliii. de uonn'iiibus autem illonnn priueipiuii iulf'rT«Hlo- 
runi exsiaul adhuc loea deuoiuiuala, uam vusti» i de /7a- 
hlnone \oeaut mouticulum Habinobergy in quo hi vera^is- 
repetu sunt; 



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I 



186 ZISA 

praefecUis Habino $e viel um alqiie sepuUum 
perpeluo montis nomine noliücaU 
a Carco vero dicunt Gegginen dcnominari. denicpie coa^ 
dunatis Suepis et oppidanis castra irrumpunt, et praeto- 
rem , qui paulo aldorem tuDiulum fnistra copcrat, romana 
vi resistentem obtruncant^ legtonemque divinam, ut noc 
nuDcius cladis supercssci, funditus deleot. de hac perdita 
legione adhuc perlaich ^ quasi perdita legio, nominatur, 
ubi postmodiim hi versus sunt reperti : 

indicat liic Collis romauam nomine cladem, 
martia quo legio tota simul periit* 
solus Ferres tribunus militnm amne transmisso in proxi* 
niis paUidibus se occiiltaiis lioiicslam mortem subtciTugil, 
lacui f^ernse huciis<|ue nomcii iknlil. \crsu8 : 

das noiiieii la* iii ferrcs quo tu latiiisti. 
hlr lanieii noti iiiiilto post Siciliae proconsiil eftcclus turpem 
iiiorlein proincruil. nam cum se magislialu alnlicaret iu- 
diriü cisiuni dainualus est. propter Ininc J^errem Irailunt 
Augusloiis(»s Jianc cactlem fuisse eaiulem, quam ^ub Au- 
gu^lo farlani ([uklam descri!)nnl, sed T^iinnn illum nonii- 
iiaiit Iiis vcrbis: ea tempeslale T'^nrus^ nminiio iiiore, sü- 
perbe et avare erga subditos se gei^exis a Germanis dc- 
letus est. 

Auch einzelne spätere schrinsleller gedenken der üher- 
liererung. KücUlin, ein geistlicher, dichtete um 1373-1^91 
für Peter Egen den jungen , bürgermeister zu Augsbiu^ 
der sein haus nül Vorstellungen daraus bemalen lassen 
vrollte, eine geschichte der Stadl. *) darin »heilst es cap, 2. 
foL 99 voii den Schwaben: 

sie bawten einen tempel grofs daiein 
zu eren jf^ise der abgüUin, 
die sie nacli liaidnisi lioin hillcn 
anbctten zu denselben zoilon. 
die slat »ard genennl aucJi .Tjisaris 
nach der abgüllin , das was dt r pi is. 
der tempel als lang stund unvcrserL 
bis im von aller >vas der \al beschert, 
und da er von aller al)i;Ienii 
der borg namen von ini empfieng, 
darnf gestanilen was das werrk, 
und liaiöt noch hüt der Zise/dbenk. 
Sigism. Meisterlin in seiner vom' achten cap. des ersten 



*) C4MJ. monac. lat. 61; wieder Sduuellere mUtiieiltuig. 



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ZISA 



hucliß an gedriicklcn augsburger clironik *) handelt cnp. 5. 
6. des zweilea buchs von dieser Cisa. im ungcdrucklen 
.cap» 4 des ersten bezieht er aicL unverkennbar auf Kücli- 
lin, und cap. 7 am ende vviederiim: ^das er aucli melt 
Ton der götty CVsa, die auch genent wird CizaUf das sj 
geert habend iiacli jrem sitten, die doch aus Asia warend, 
dawider aeind die andern, die von Cysa sciireibent, die 
spiechenti das Bf die Vindelici habend nach schwebischen 
Sitten angebettet. Yon der göttin vrarst du hemah mer 
haben ob got vvU (buch 2« cap. 5. 6.) 

IJnheUbare viriaersprttche jenes fragments liegen am 
tige« Bogudy ein puniscfaer sdufshaiiptmann ^ der im 
494 Roms, also 260 vor Chr. lebte, **) ist hier iu einen 
macedoriisclien könig umgewandelt, und Avar sein solin 
soll <.lem 200 jähre spater auliiclenden (ciceroiiisilieii) \ cr- 
res, oder gar dem noch jüngeren Varus gleidizeilig sein, 
welclier Titus Aiuiiiis unter dem praetor gemeint wird, 
erralhe ich nicht; ein gleichnamicpr ronsul lindel sicli ijn 
i. 601 iiud 626 der Stadt, 123, IjS j. Nor Clir. Vellejus 
ralercuUis kann dergleiclien nicht >orrarst liaheu. 

Aber all der iinsinn, den sie enlliull, lieht den werlh 
dor merkwürdigen ühcriiererung für uns nicht auf. sclion 
der reinere, lateinische stil thut dar, dal's sie uiciit erst im 
zwölften jh. niedergeschrieben sein kann; Lazios und Vel* 
ser sind geneigt , sie in das carolingischc zcLaller zu 
setzen, zugh lch scheint sie von einem ausländeri dem die 
Deutschen Heiden und Barbaren waren ^ abgefafst. ich 
oiöcbte wissen, ob die von Lazius eingesehne vnener hs.| 
wenn sie vielleicht dem 10 oder 9 jh. angehört^ schon die 
randglossen der mitnchner hss. aufzuweisen hat? durch 
diese glossen wird die örtliche anknüpfnng der ganzen tra- 
dition an Augsburg und die umgegend befestigt, und nicht 
Uofs die lateinischen verse, auch die deutschen iformen 
werlhaha, cizAnberc, habino, habinonberc scheinen über 
das 12 jh. lünaus zu reichen, llabo, Habino, Hahinolf ist 
ein urknmllii Iier ahd. niannsnanie; ein (^acus keime ich 
nulil. spracligeinalscr schiene Ca^an , Cacan , >v<>r.uif der 
ver-^Üclione orlsnanien Geginen leitet, einzelne der ange- 
führten beueuuuugeu haben sith hiä heute erhalten. Pei'' 



*) Augsb. 1522 ful.; Mei;>terlio schrieb sie im j. 1456, uuü ätarb 
an 1484. 

**) Niehl] Ii rs rOm. getcb. 677. 
***) G. Jo. Voüiiius de liist lat 1, S4. 
i) Hu» YelMKi rer. aagastanir. Ubri 8. 1604. p. 45. 



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188 ZISA • 

lacJt heilst fori wahrend <Uu anhulic niittcii in der Stadt, 
nächst dem rathhaus, auf welilier im j. 10'i4 das slift und 
die kirclie S. Peter gegriiiidel wurde; die verse: snhdidil 
liiiiic (^conein) liüjnae praepes \ utfjria Petf'o gclieinea also 
spuler gedidilet:* der namo pei leih, den die sage aul per- 
iiMis oder perdita legio zieht, gemahnt an daö ahd. ciki- 
leilii, aiglhiilii fidiahinx) gl. ker. 124. Diiit. 1, 22;^: viel- 
leicht war der Jinud mit heeren hewaclisen. perileih , leik 
ist auch in andern zuaammenselzungeu vieldeutig. Zi* 
senborg und llaveneuberg sind heute verschollen, die doiv 
for Pfersett (VerUad) uiul Krtegshnber desto bekannter, 
auf -welche weise die richtigere alte form Criechesaveroa . 
imiuerhiu zu erJdären sei, os leuchtet hervor, da Ts die be« 
nennung de» orles CriahJtes (graeci) at^arä (imago^ vgl« 
obeu 6. 72. 81, sonst auch prolcs) den Graenis yfvar 
erst erzeugt hat, wie Habinonberc den beiden Habina, 
des auersberger Chronisten angäbe, die lateinischen verse 
seien an alleo diesen orten eingehalten gewesen ist ohn« 
zweifei zu verwerfen* 

Es ergibt sich, dafs die Überlieferung, nach ilirer weise» 
gegiündetes und erdichtetes, mengte; das merkwürdigste 
•was sie enthalt ist al)er die nachricht von einer suevi- 
ßcheu gölliii. Cisa srlieint ältere, bessere sclireihiini;, ( iza, 
wcnii^er deulhar. aus der Güttin nameii lalst sicli iiuh*s- 
sen Cisava^ als henemiuni; der sladl, sthwerlith herieilcn, 
wenn es rein dciit«ehe lt)ri^ialion sein soll, demi iue ANcr- 
den Ortsnamen aul sohhc weise aus Avi'il)lirheii oder 
männlichen eii;einiameu gebildet. aiuiehndic her sthiene 
Cisara ~ Cfsaf ara^ nach dem allar und lenipel der gotl- 
heit ; die spateren sclu*eibcr enlsleillen ( isarani in Ziza- 
r!ni, Zizeriiu? Cisa wird von den äucven aufs eil'rigsle 
(religiosissime) verehrt, ibr iahrestag ist ein hauptfest, dem 
Spiel und df r Freude geweiht; dieser tag wird genau als 
der neunuudfuntV.igste vom ersten august an bcsciurieben : 
er fiel also auf den 28 sept. zu diesci* zeit konnte ein 
fest der gottheit begangen werden, die das gedeihen der 
eben eingebrachten ernte verliehen hatte, den 29 aepl, 
feierten die Cliristen einen ilurer hehrsten tage, des heil« 
Michael« bemerkenswerth scheint, dafs die Saclisen ilir 
grofses heidnisches fest etwa hi die uemltche zeU, in die 
drei ersten octobertage legten (Wilerti. corbej. p. 683.) in 
dieser überlieferten j siclier echten /.eiibcslinunuug Hude ich 
die? glr.tihwiii äi^keil der sage heslüliul. 

Wer ist nun Cisa? man diuile an ili's lacilus sne- 
vi^che Inia (^s. t57) denken, deren name die uachsle 



FRikKA FROÜWA 19 

äinilicliL'it uui der dciilscben göttin darbot, docli der 
idiwäb. Cii'fitag ^ Zislag (s. HÄ) briDgi auf eine aiuUre, 
vlelleiciit vurzü^^liclierc DiuimnCsung: der männliche goU 
Ziu, gen« Ziwes^ Zies (vgl. Ziestag, Zisara) w ii o in eina 
gältia verdreht worden? oder übergegangen das 8 in 
dem frauennamen unori^anisch eingeschoben oder ailtre- 
tetide ableitimg? ZUunberc gleicht dem Zi-sberc (s. 133.) 
Dürfte man den namen der altn* parse DiSf goth» Veis, 
ahd« also 2^9 Tergleidien? Entacheidet mau sich aber 
für die Schreibung Ziza oder Z/m? so wüste ich einmal 
das a^s. Tastva (anhang p. xvi) und etwa Zcisenmüre (Nib. 
* 1272, 3) in ansehlag zu bringen. 

Die iinlersuclnnig wciidel sieb nunniebr zu den gül- 
tinaen der nordischen glaubenslclne , von denen sich auch 
im übrigen Deutschland unzweideutige spuren crg( ben. 

Zuerst treten uns Irigg^ Odhins gemablin, und Fi eyja^ 
Freys Schwester, entgegen, beide nach ihren ähnlichen na- 
men verwechselbar und oft verwechselt, ich will sehen, 
ob eine strengere etymologie sie scheiden und auseinander 
halten kann. 

LeicJiler scheint der nanic TVeyja: er ist ohne zwei- 
fei üiovierl aus dem männlichen Frevr (m ainni. 3,335.) da 
nun Treyr in dem golli. Irauja erkannt wurde (s. 135), 
laist Freyja ein gotli. Irauju, gen« irauj^ns erwarten, sowol 
mit der allgemeinen bedeuiung von domina, herrin, als in 
der besonderen eines eigenuamens Frciiijd, der begrif von 
herrin ücht uns bei Uliilas nb. desto häufiger drücken ihn 
die alid. doiikmäler ans durch Jrouu^df fr6wd und mhd« 
haben sich Jrouwe^ jf'ou^ uhd. frau allgemein erhalten, 
während das männliche fr6 völhg erloschen ist. ihrem 
iinn nach stehen frouwe und frau vollkommen dem 'h^rre, 
beer zu seite und werden gleich diesem iii der anrede und 
lODst verwendet. *) unsere minnesänger streiten über den 
vorzag der namen frouwe (domina) und WJi» (femina) 
^ip bezieht sich mehr auf das geschlecht, frau auf die 
iviirde; noch heute ist uns frau edler als weib, doch be- 



*) wie uns fro^ fehlt jt i/t dns allfrati/. dame («loniinii») ; dame 
(Honiiiia) ist gel>liel)en , wie u.i-er fruit. :>|)aii. hnltet dun und dona^ 
itai. uur domm, deu uiäuniicjitu begrif drückt die rouiau. »praciie 
4ordi awei aadeie Wörter aiin, jeneä ji>», üeur (s. 18), daaa darcli 
teigneurf aigtwre, 9euor^ d. Ii. iteiiior, woroiis ital. tignora, spaa. senora 
»•^iert \» erden, aber keia fraiix. fem. 

*') \N 48. 49. 57. Attgb. 45t» 4^» ms. \^ 216« 0e- 
cea oliic 2, 279. 



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IM FBOhKA FROÜWA 

xeicluiet auch das franz. femme manches i was in nasem 
frau liegt. bemeiiLenswerth scheint i dafs die dichter den 
ausammenhang des Wortes frau mit froh und freude 

(s, 136. 187) hervorheben, vgl. Fridank 106,5—8. Tit. 15, 35.) 

Gerade umgekchil iiabeii die ags. und alls. spräche, 
velclien beiden das niasc. frea , Iraiio uiigieith geläufiger 
"war, als der ahd. fromvo, kein fem. daneben entwickelt, 
die ninl. niuudarl keiuU v^rauwe , prouwe als anrede und 
tilel (Huyd. op Sl. 1. 52. 356. Kein. 297. 731. 803. 1365. 
1655. 2129. 22H8. 2510. 2532. 2557. 2564 u. s. w.) 
seltner in andern fallen (^llein. 2291); das auL proiiu> hat 
seine bedeutung ausgedehnt; noch über die grenze des nlid. 
frau. 

Allein diesen dialecten sämtlich gebriclit der weibliche 
eigenuame, im gegensatz zum altn., welcher J^reyja fast 
nur als nameii der guttin besitzt und kein freyja = bera. 
doch steht hAsfreyja (liausirau) Saem. 212** und Snom 
weifs noch, dafs freyja ein tignarnafn und yon der göttin 
abgeleitet ist, *) vornehme frauen, rfkiskonor sind jreyjur* 
Sn. 29. YngU saga c. 13. die lesaricn fn\r, fruvor schei- 
nen hier verwerilich, denn die ibl. lurni frii ist ulleiibar 
aus dem diin. Jrue, schwed. /m, und dieses aus Ueulsch- 
land eingedrungen, die gottin würde schwed. I^Vöa^ diin. 
FrÖe heiiscn, ich bin- ihnen nirgends begegnet, das schwed. 
Volkslied von Thors lianinier nennt Freyia Fröyenhor'^ 
(das dan. Fridlefsborg) , ein anderes dän. hat schon Fnt. 
Saxo geschweigt der göttin» "wie ihres vaters^ überall ^ er 
würde sie wol auch Fröa nennen. 

Von Fr^ja, gen. Freyju wird friggf gen. Friggjar, 
genau gesondert, tochter des Fiörgvin, gattin des Odhina; 
8axo gramm. p. 13 hat richtig Frigga^ Othini conjtoc 
In formein treten beide deutlich nebeneinander auf: svl 
bialpi ther hollar Tfettir, Frigg ok Freyja^ ok fleiri godb, 
•em thü feldir mer f&r af hOndom!' 8mm. 240^. jenes 
d&n« Volkslied ebenso ^Frigge, Fru og Thoi'. 

Die ahn. spräche püegl GG zu haben wo die ags. CG, 
die alid. CC oder KK, d. h. wenn nach G oder K ablei- 
tendes I im spiel ist, z, b. nltn. egi; (acies) ags. ecg , alid. 
ekki} altu, bryggja (poos) ags. brycge, ahd. prukka^ altn. 



^) wie von Friqjd fraujo, von Freyja freyja, soll nach einem na- 
gedr. liede Frauenlolw in der Jen. Iif. voo einem frank, könijc 0'ippf* 
der name u^fp stammen, hallt hier ein mythischer Wippo, Vibba (aafc. 
p. Tin) nach ? die deutuug ist so fiilsch wie die eddiiwdis dss woftei 
vif ans vefa» vgl. gramm. 9^ 323«! 



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4 



FRIKKA FROÜWA 191 

hryggr (dorsuin), ags. Iir) cg , ahd. hrukki. folglich ags. 
Frirg , ahd. Frikka, FriHiuj absteLead von Frouwdy 
aodi melir als Frigi; von Frc^ja. 

A\i8 Verwechselung beider wesen erklärt sich nun« 
luclir, wie Adain von inen, oder seine quelle, dazu ge- 
laiigle deu Freyr 8laU iru zu neiiuen Friccu (üben s. 138) j 
für Frey}a würde er gesagt haben jbficca. Jbricco^ Fric- 
chOj FxicGolf sind gangbare ahd. eigennamen» 

Ferner scheint jetzt erklärbar, was sonst unerkläiUck 
wSrei wartim äcr sechste wocheutag, diesVeneris, alto« 
genannt wird nickt bloi's JFreyjudskffc, sondern auch Fria^ 
dagTi ahd* niemab Frouwiintac, sondern IriaX^^j Frige^ 
tacy nkd* Freitag, ogs. Friged'dg, (T. Frlcgcdiig)? vgl. oben 
I» 88. 89. faröisck Frujggjaded (L) ugb) e 532.) 

Unter den angeführten formen hat die ags. keinen an* 
Stöfs, in dem ahd. und aitn. namcn befremdet die abvve- 
»enheit der gutturale. 

Aulschluls gewähn, wie ich glaube, die wichtige stelle 
des Paulus Diac. 1, 8, worin \\ odans gemahlin Frea 
heifst, womit nur Frigg, nicht Freyja kann genieint sein, 
wie denn auch 8axo m.iniin., niil ausdrücklicher bezichiing 
auf Paiihis, sich der iorm Frig bedient (Paulo teste au- 
ctore Fl ig dea.) *) 

Dies langob. Frea stimmt su dem ahd. Frla^ ich 
halte es füi* identisch mit Frigg^ Ja für die urforni des 
namens ; mit Freyja und dem ags. masc. frea hat es nichts 
zu schaffen, wie sich ein altn. brii (pons) sm hrjggia ver- 
hält» wird sich frl verhalten zu frigg. das langob. Frea 
ist =: Fr^a, Fria^ Frija, Frla. zu sdner wurzel leiten die 
Wörter goth. fireis, fri)is (Uber), ahd. £rl; goth« Irijte 

(amare) ahd. friun, und vorzüglich darf das alts. neutr. M 
midier^ m\. 9, 21. 13, 16. 171, 21. 172, 1., das ags. freo 
(muUer) Cadni. 29, 28 freolic cvcn (^pulclira femina) Bcov. 
1275. freolic ncmne Faihiu 12, 12. 54, 28 **) angeschlagen 
werden, da nun iri (Uber) und frech, altn. Irekr (proler- 
vus, impudens) verwandt scheinen, so zeigen schon diese 
adj. formen den ühergang der substantivischen. 

Was ich auseinandergesetzt habe lehrt, dafs die for- 
men und sogar die bedeutungen beider namen nahe zu- 
sammenstofsen. Freyja sagt aus die frohe ^ erfreuende^ 
liebe, gnädige göttin, jfrfgg die freie, schöne, liebenswür- 
dige; an Jene schliefst sich der aUgemeine begrif von £rau 

*) die ag;». Chronisten s. 91 nehmen Frea aas Paulus. 
**) vgL abd. wipllcb wtp. Fan. 10, 17. BfS« 8» tflftb MSi. 



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192 



FRIKKA FROÜWA 



(hcrrin), an diese der von M (weib.)*) Holda von hokl 
(lieb) glcidil bciil on. 

Deslo bogreillicber wird die niiscliung der mylhoLi 
sein. Saxo p. 13 erzählt, wie Frigga^ um goM für ilireri 
8cfnnnck zu erlangen, ehliche treue verletzt iiabe; aus- 
iülirlicher und niil abweichenden unistUudeu «cUeint die 
sage von Freyia (Sn, 356) dasselbe abenteuer. in»lo<;>en 
Ii all et auch bei anderm anlafo auf t*ngg die schuld det 
ehbruchs ^Sasm. 63« YugL saga cap. 3«) 8ü. 81 ist vom 
valshamr der Frey ja ^ Sti. 113* 119 von dem der Frigg 
die rede» für jenen streitet Saem« 70. 

Darum schwankt die benennuug des wochentags» der 
ahdL JFV*/atac ist deutlich ein altn. l^riW'yVzrdagr, der 
altn, Freyjudtkgc wäre ein ahd« FrouwanUtem Darum 
schwBBken die benennangen eines gestims und einiger 
pflanzen. Orions güi tel, sonst auch Jacobsstab und spindtl 
(cohis, )]).ay.t'.7 1^) genannt, heilst unter dem scliwed. volk 
Fl ig ge rock ^^coliis Friijgae) **) oder Fr e/erok, ***) wie sc hon 
8. 167 angemerkt wurde, orchis oduralissima , sal^i inni 
albidum, eine pilaii/c aus welcher liebeslninke gekoilit 
werden, i^l. Friggjargras , sonst auch hionagras (^herba 
conjugalis.) Die spätere cliristliche ansiciit ersetzt die 
heidnische guttin durch Maria. <"ier gonieine mann nuF 
Seein nd benennt jenes gestirn JMariäi'ok, Mariroh, meh- 
rere arten des farrenkrauts, adianthinn , polv|>o«liMm, asple« 
iiium heifsen Frauenhaar, jungfranenliaar, Mariengras^ ca- 
pillus y^neriBy isL Freyjukdvy dan. Fruehaar^ f^enu»^ 



auch hiar nord. namen aus lateinischen entsprungen sein, 
sie zeigen» wie man Venua durch Frigg ^ Freyia und Ma* 
na übersetzte* 

Frigg , als des höchsten gottes gemahlini hat den 
rang vor allen übrigen göttinnen, sie weifs der menschen 
Schicksal (Siem. 63^. Sn* 23» 64), nimmt eide ab, diener* 
innen vollziehen ihr geheifs, sie sieht den ehen vor und 
vvird von kinderlosen angefleht (fornald. sög. 1, 117.) da« 
her jenes liionagras = Friggjargras. lu einigen theilen 



*) ffoth. fr! =s MBskr, pri; ssotkr. prt (amare) goth. frijOBt alid. 

frhiflil , mini, vriedel (nniicus) serb, prijatel, liltb prietcliis, s ^n-kr. 
prija (gratuü). Sclielliiig (gottli. von Saniotlirace p. 65} «teiU dtt 
pers. Peri «^uter eugel) mit Fre^ja scusammen. 

••) Ihre p. (ioa. 

•••) Kiim Ma^iausaen 361». 




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FAIK&A FRODWA 193 



des nürdliclicu Eüglauds^ in YurksliirC; zumal Hallaiashire 
zeigen gebriiiuho des volks Überreste des Fricj^cultus. in 
der i^egeiid von Dciil halten zu gewissen jahrszeilen . vor- 
züglich im herbst die landlcute einen Umgang und führen 
veimuinrnt alte tanze auf, was sie den rieseutanz heifsen : 
den voruebnisten ricsen nennen sie ff^oden und seine iiau 
Frigga , die liaupthaudlung des Schauspiels besteht dar- 
ia, dais £wei *chi4ferUr um den lials eines knaben ge- 
schwungen und geschlagen werden, ohne ilm zu yerleUen. 
Noch bemerkenswerlher ist aber die deutliche spur der 
gutlin in Mied«nacliieO| iro sie unter dem yolk fru Fr ehe 
heilst, **) und in den rollen auftritt ^ die wir s. 165. 166 
der frau Holle überwiesen : tugleidi die triftigste bestati« 
gung der göttlichen natur dieser letateren« eine voUstän« 
dig^e samlung aller noch jetzt in England und Nieder- 
siäsen fortdauernden Überlieferungen voa Frigg und 
Freie wäre zu wünschen* 

Freyja ist nach oder neben Frlg^ die geehrteste 
güUin, ja iJir cullus scheiut noch verbreileUr und bedeu- 
tender gewesen zu sein, sie heilst 'agaituz af Asynjuni' 
bn. 28, und 'blolgydiija' Vngl. saga cap. 4, der häufige 
Opfer gebra( Iii werden. Ileidhrekr opfert ihr einen eher, 
wie sonst tiein Freyr, und ehrte sie vor allen göttcrn. ***) 
Sic v/ar einem manne (keinem gott , keinem As wenig- 
stens) namens (Jähr vermählt, der sie aber verliefs und 
den sie , thriincn vergieisend, in der weiten weit , unter 
lieaiden Völkern, aufsuchte« ihre ihraneu waren golden, 
das gold heilst Freyjas thränen, sie selbst grutfagr (schön 
in weinen.^) So. 37. 119. 133. Nach den ältesten Zeug- 
nissen erscheint sie aber auch kriegerisch, auf einem mit 
iwei katzen bespannten wngeri (wie Thorr mit zwei bü- 
cken fährt) f) aieht sie sur kampfstätte^ ^idhr tü v^gs* 

mittheilün;; von Jolin M. Keml)le, aus dem nionH eines *old 
Vorkhliireniau\ daf schwort bezielie Ich nnf die alte anwenduog die- 
MTWiffo bei heeliseilett, t^l. RA. 426. 437. 481, besonder« 167* 
168 di« altfriea. sitte. noch tot 18 jh. trugea ia Schwaben die bmot- 
fiibrer grolie sdiwerter mit flatterndem band vor der braot ber« nerk- 
wänli^ «timmt der ebstolache bniacli (anlian^ s. cxx, 13.) 

*•) Kccard de orig. Germ. p. 3981 'cclebralur in plebe saxonica 
irn i'r, (r, cm eadem miinia tribuuatar^ quae soperiore« äsKone« Uol- 
<iae suae adsrribnnt'. 

•••) UervararsRga ed. rerel. p 138. ed. 1785 p. 124; in der auMf. • 
^ Ibnialdi sog. J, 469 Ist die stelle ab tfabcst&tigte taHeale ia me 
▼enriefed. 

f) Frey/a hat emen u^agen wie I^erthas (Frejra matter?), wieHoIda 
•nd Freyr selbst, Wuotan und Donar, vgl. s. 7». 74. 152. 153. 154. 
156} nur grafiMB erbabnea goCtbeiteB gebAbrl d« kooi^Udie wagea. 



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1 



194 FRIKKA FROUWA 

und tlieilt sich mit Odin'nn in die ersclilagnen (oben 8. 95^ ' 
vgl. Sfcm. 42* Sil. 28, 57) sie wird genannt *cigandi vmL- i 
falls' (quae sortitur caeaos in ptigna) Sn. 119; valfreyja 
Nialflsaga p* 118. ibro wohnnng führt den namen Fdik* 
Tftngr oder F61kv4Dgar, ihr saal Sessrymnir^ der suzräi»- 
mige, die menge des volks aufnebmende : sterbende fnmeft 
glauben nach dem tod in ihre gesellsdiall su gelangen. 
T1i4rgerdhr (Egilssaga p. 603) weigert sich irdiscber md^ 
rang, sie denkt bald bei Freyja zu speisen: ^ok engaa 
(n4ttverdh) mun ek fyrr enn at Freyju^. Ihr behi^eB 
aber audi Ittfbeslieder und liebende sollen sie anrufen« 
'henni IHcadhi yel mausdngr, 4 hana er gott at heita tO 
4sta^ 8n. 29. 

In 80 weit solclie vergleichungen zulässig sind, würde 
Irigg mit Hoie oder Juno, zumal der pionu])a, Jupiters 
gemahliii , Freyja mit Venus, aber aucli der nach Osiiis 
suchenden Isis, auf einer linie stehen. Fr eyr und Freyja 
gemahnen au liiher und Libera (Dionys"« inul Proserpina 
oder auch Demeter, an sonne und mond.) Maria konnte 
die göttermutter ersetzen und die göttin der Schönheit, 
wörtlich stimmt Frigg mehr zu Libera, Adams von Bre- 
men Fricco^ als goli der liebe^ dem namen nach zu Li- 
her, im begrif zu Frcyr. 

Die angeführte stelle des Paulus DIac. ist eins der 
gläuBendsten, uuablehnbarsten Zeugnisse lür die einsrim- 
inung der nordischen und deutschen mythologie. ein 
Schriftsteller aus Carl des grofoen zeit meldet ttnS| dafs die 
Langobarden Pf'^odans gemahlin Frea nennen, wie sie in 
der edda Frigg heifst» weder hat er dies geschöpft mm 
nordischer nberiieferung, noch svA weniger ist seine nad»- 
licht, durch Saxos yermittdung, quelle des nord. gjtaabene 
geworden. 

Aber auch für Freyja besitzen wir ein wichli|fes Snt» 
seres Zeugnis, nach der edda war ihr ein kostbares hals* 
band eigen, BrMnga mea (Brisingorum monile) genannt) 
sie heifst *cigandi Brtatngameni?, 8n, 37, 119. wie sie 

das geschmeide von zwergen erworben , wie es ihr von 
Loki l»inlcilisüg geraul)t wurde, liilirt eine eigne crzaldung 
aus. Sn. 354 — rJ57. Loki heilst darum den dichtem 7i/ 
stngs thiofr (Tliorl. obs. 6, 41. ; citi verlornes edda- 
lied enllu'elt, wie lleimdallr mit Loki um diesen schmuck 
gestrillen. Sn. 105. Tiiorr, als er zur Wiedererlangung des 
hammers iu Frc) ias gewand gekleidet wird, unterläfst 
nirlit, ihr berühmtes halsband anzulegen: *hafi liann ii 
mikla men BrhingaV Ssmu* 72* Von diesem schmuok 



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FftOUWA HBLUA 195 



weifa nun oiTenbar auch der ags. dichter des Beovulf 2S99, 
er nennt ihn Brosinga mtnty ohne beziig auf die gOtthi* 
ich möchte Brisinga niene lesen und das wort überliaiipt 
aiis der Wurzel nilid. ])riseii, breis (nodare, sodis conetrin- 
§ere) herleiten : die halskette war aus geleuken geschlun* 
gen. virilekht heifeen die schmiedenden jBwerge Brüin^ 

far? Das gesehmeide hiUigt so genau mit der mythe von 
leyja ausammen, dafs seine erwShnung in der ags. poe- 
sie mit sicherhmt auf die verbreitang der sage von Freyja 
witor dem sKchs. Tolksstamm schliefsen lälst; und wenn 
die Gothen FvdUijii göttlich vereluteu, werden sie auch ein 
Bmigga mani gekannt haben? 

ISoch iinzweifelhafler als Frigg und Freyja erscheint 
imtcr den übrigen Deutschen die altn. güttin //e/, gen. 
ileijar: i^uih. Bali, gen. Haljös, ahd. JFiel/iay gen. Heliid; 
mir dais sicli der persönliche begrif allniälich ganz in den 
lucalen von helle, hoile, aufentlialt der todten, unterweit, 
ort der strafe auilüste. ursprünglich ist HelLia weder der 
tod noch ein böses wesen ; sie tüdtet und verfoJgt nicht, 
sie Dinimt der abgeschiedneu menschen seelen in empfange 
und hält sie unerbittlich in ihrer wohnung fest. 

Nach der edda war HeL Lokis und einer riesln todi* 
ter, Schwester des wolfes Fenrir und einer ungeheuren 
.^cldange. Sie ist halb schwarz und halb menschenfarbig 
{bld half en half mcdli hörundar lit) 8n. 33, nach art der 
elstcrfarbigm leute des mittelalters; in andern stdlen wird 
blofs ihre sofwarze &rbe Terglichen: blär sem HeL 
Nialss. cap. 117. forum, sög. 3, 188. vgl. BelJarMnn 
kidienfarhe der haut. Nialss. cap. 96* *) Ihre wohnung 
ist tief im dunkel d^ erde, abwärts unter einer würzet 
des Yggdrasilly in Niflheim, das innerste hmfsl danun 
Nißhei, da liegt ihr hof (rann) und ihre säle. Siem. 6^ 
94^ Siu 4. Ihre Schüssel heilst hängr ^ ihr messer 



*) auch die altea stellten Demeter, als s&rneade erdgottln Mehipan 
dar (Pau&an. B, 42. O. Mullers Eumeniden 168), ja zaweilea ihre der 
uoterwelt verfallene tocliter, Perseplione, die schöne jungfran: Proser- 
pina /uri^a (Censorin. de die natal. c. 17.) der schwarzen Aphrodite 
(MelanU) erwähnt Paasanias 2, 2. 8, 6. 9, 27 tmd Athenaeus (buch 
13); bekannt ist die epheaisciic schwarze Diana und dnf* im mittelalter 
MftiviarM Marienbilder gesclmitzt und gemalilt wurden, die heil, jung- 
m endieiot dann als treamde efd oder aachtgöttias soJehe blMer zu 
Loretto, Neapel, ESasiedelB, Wünborg (A. W. fi, 909« 98e) OtHagen 
IGoihe« briefw. mit einem kinde 2, 184) Pny (Baaclriii;^^ nachr. t. 
^12^333) und anderwärts, v^l. endlich die ichmurM» BeÜMUi (ebea 
lU) «04 biam (/whwane) Uuldia (s. 168.) 

18* 



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aultr , jileic}il)ecleullt;e nninen , ihre iinorsatlliclio cif-r an*- 
ziidiücken. Die todicii ialircu zu ihr lücilcr, /ara hl Hvl' 
jar^ eigeQUicii nur ilie in kranklicitca und vor aller ge- 
•torbneoi nicht die Im kainpt* gefallnen, Valiialla einncli' 
inenden, abgezogner sind schon die redsneerten / hei sld^ 
betja i hei, in die hülle schlagen, zur Unterwelt seudru^ 
tödten; t Jielja Tera, in der umtcrvrelt, todt sein, fenald. 
•ög. iy 233« hieraus ist den neunord* dialeden ein gaiis 
ahstractes und entstelltes; schwed. ihjälj dUn« ifuel^ d. k 
todt entsprungen, den begrif der Unterwelt geben dtets 
aeusren spraehen nur durch eine ausanunenseteungy schwed. 
/ helvete, däo. helvede, d. i. alln. heMti (supplicium ibCbi^ 
nale), ahd, hellawizi , mlid. hellewtze. Die unbarmhsp» 
zigkeit der eddisclion llel "wird ausdrücklich liervor^eliO- 
beH; was gic einmal hat, gibt sie nie zunick: 

haldi Hei thvi er hehr. Sn. 68 
gleich dem wolf der ihierfabel ^Ucinharl xxxvi) , wie sie 
wölfischer nalur und hcrkunft ist; umgekehrt wird dem 
woli ein höllischer rächen (guilur infernale) beigelegt. 

Saxo granim. p. 43 gebraucht für Hei gans passend 
das lat. Proserpiaa^ er läisl sie Balders lod ansagen. Nach 
dän. Volksglauben soll //e/, als dreibeiniges pfcrd unige« 
hend, pest und seuche verkündigen; ich werde im verfdg 
davon haudeln. 

Audi das deutsche mittelalter hegte deiigteichen'vor' 
Btelluogen von einer ge&üTsigen, hungrigen^ unersatttichsi 
UöUe, von einem Orcut emriens^ d. L dem menschen* 
firessenden ogre« ^diu Hella fersUndet al daz ter lebet 
sine wirdet niomer sat\ N. ('ap. 72. *diu Helle und 
der arge wan werdent niemer sat\ welsch. S'ist. und 
noch persünliclier lautet, dals ihr ein gajj ender ^ gähnen^ 
der rächen zugeschrieben wird , gleich dem wolf: hilder 
in der hs. des Cudmon sleliei) sie durch einen blol^cu auf- 
gesperrten miuul dar. 

der tobende wnoteikli 

der >Yas der litllen gclichy 

diu daz abgruude 

hegen it mit ir munde 

undc den himel zuo der erden^ 

unde ir doch nüit ne mac werden^ 

daz si imer werde vol; 

si ist das ungesallivhe hol| * 

daz weder nu noch nie ne sprah: 

'dix ist des ih niht ne inac\ 
Lampr. Alex, 6323—30. Häufig ist in den alten gedichlio 



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. RAH ANA? m 

von dem abgrund und den tliürcn der höllc die rede, 
vgl. liellii-nioba, Iiellagnint, helliporta u. s. >v. gramni. 
2,458. der abgruude tuucj der tiefen lielle lunc. JVlarU 

öS*» 99c. 

Zmiädist liegen hierbei zwar bibliaehe tteUen iinteri 
Bonentlkh von unerslittUchkeit der Hülle pror, Salom. 27, 
20. 30, 16 (vgL Freidank lxxiv), vom au%edian aein, Hiob 
26, 6 und vom dfnen ihrea nnindea Esaiaa 5, 14« inawi- 
«eben haben alle diese das masc üdt;s oder infemus, und 
es ist schon m beaehten» dafa die deutsche spräche, ihrer 
eigenthiunliohkett nach, ein weibliches wort gebrauchen 
mustc. die ideen von Ihürc, abgnind, öfnen des galmeuden 
seil I lindes sclieinen aber bei dein begrif einer unlerwcll so 
nalürlich \iud iiüllivvenilig, dnls sie bei vcrschiediien vulkern 
iimuer auf almliciie weise wiederkehren werden. 

Das M csenlliche ist , die Vorstellung einer weiMicLen, 
hungrigen, nie zurückgebenden goUlieit iesUubailen, *) 

Mit Hei hat gewisse ähnlichkelt eine andere altn» 
göttin, Rän, beide sind zwar nicht ftsyn)ur| aber aus ei- 
nem filteren geschleckt, dessen gesellschaf^ sich die Asen 
nicht ganz entzogbn« Aän war des meergottes Oegir gat- 
tm und wohnte in den fluten: ertrinkende menschen fielen 
ihr anheim, wie die zu land sterbenden der HeL wie fara 
tU Hcljar sterben, so bedeutet fara iit Rdnar 7,\xs: see er^ 
trinken, die erlrunkncn zog sie in einem netz zu sich, 
raublc sie, und daher erklärt sich iiir nanie: ran (neulr.) 
ist rapina, rcvna rapere, spoliare. Sie zeugte mit Oegir 
neiMi töehler, die wellen, die in der edda iianienllieh auf- 
geführt und Ranar oder Oegis doclr genannt werden. **) 

Auf die naehweisuug jenes Wortes raliauen (spoliarc) 
im UUd. lied 57 lediglich stütze ich meine ansieht, dais es 
auch ein subat, rahan (rapina^ spolium^ und eine göttiu Ra^ 



•) in SödlioUand, an der Maas einflufs ins mcer, findet »icli ein 
ort Ueli'oetsliiia. ich weils niclit, ob altere urkundlictie formen die in 
diesem namen liegende idce von Höllenfufs, fufs der Uölle beatätigen.^ 
^ Römer haben lilerHeUam: iater Beltooi se Flevam, Ita appellan- 
tir Mlia, ia qnae effbioi Rbeau ab septentrione ia lacas, ab occU 
4cale ia tmaem Moi»ani «e spargit, niedio inier haec om modicum no* 
mine wao CBStodiens nlveum. Plin. 4, 29. auch Tac. ann. 2, 6 sagt; 
imnicnso ore. v^'!. otien s. U7 üi>tr Jef^isdyr^ und im travellers sons 

nrt l'lnr (oätiuju uceaui), wie Boetb, cap. ^ U4 l^'Ü'eUUeani 
(meeresÄtruni.) 

") Sa?ni. 79b 144* I53b 180. Sn. 124. 120, iö5, ül^rbjgg. 
»HA p. 2tl und iudex i. v, K^ilMaga p. 016. 



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ÜB 



hana in «Bchm gegendoi DentscUanJs gegeben hAm 
köune^ yde einen Üogi = Oegir. yieUeichl folgt die $^ 
tenheit und der nntei^acg jener autdrücke aus ihrem Iteid« 
nischen anklang. 

So sind nocli einige andere weibliche siihslautivo der 
ahd. und ags. spräche aUniUlich seilen geworden und zum 
Uieii erloschen, deren abstraclerer begrif einen alteren per* 
sOnh'clien, ganz mit den namen altn. gütlinnen zusammen« 
treffenden, mutmalsen lafst. Das goth. sibja^ alid. sippia^aippo^ 
das ags. «i6,gen. sibbe bedeuten friede, frcundschaft, Verwandt- 
schaft ; ick' folgere daraus eine gottheit Sippia^ Siby der 
altn. Siff gen. SiQar, Tkdrs gemahlln entsprechend, denn 
auch der altn. pl. sifjar drüdkt aus cognatio, sifi amicus 
(ahd. sippip^ fiippo), sift genus» cognatio. diesem wortsinn 
nach scheint SiJ , gleich Frigg, götttn der schSnheit 
und liebe, und wie eigensehaflen des Odliinn und Ttidrr 
zusammenstimmen, haben auch ihre rr.uion Fries und Sif 
gemeinschariliche hedculung. das lurmali der cdda ver- 
gleicht Sif mit Sibylla (anhang xx.) Sif heilst in der 
edda die schönhaarige und das gold Si/jar liacldr (Sifae 
peplum), weil ihr Loki das haar abscimill und ihr hernach 
eia neues, schöneres aus gold geschmiedet wurde. Sn. 119. 
130. die erkliiier sehen hierin die vom feuer verbrannte, 
wieder aufwachsende goldne Frucht der erde und halten 
Sif zu Ceres ) womit übereinkäme, dafs die altslav. Sha 
Ceres, dea fnimenti glossiert (liankas glossen 5* 6** 
allein 8 scheint hier das slav. sliivjete = SU und V = Wy 
was Yon dem deutschen B| P abführt. Xhörs mutleri 
nicht seine frau^ ist die erde« 

Nannaj lialdrs gcmahlin, wÜmIc ^olli. ^ariihd, alid. 
^anddj ags. I^udhe d. i. die kühne, mutige heifsen, v^l. 
goth. nanthjan (audere) ahd. ginendan, ags. gen^dhan, altn. 
uenna ; aber die weibliclien einfachen namen sind verschul- 
len, Procop 1, 8 hat das goth. Q^väti ürdaf 

Gehört die altn. Gefjon au der nhs. und ags. benen« 
nung des meeres gebhan, geofon? selbst dies wort ist dem 
ahd. dfalect unbekannt. 

Solche Schlüsse aus ersterbenden Wörtern auf erslor- 
beue goliiieiten lassen sich noch vermehren; es ist nicht 
unnütz sie zu versuchen , weil sie den blick fiir künflis^' 
fumhungeu scharfen, zu beweisen erheben koiiu si^» 



*) wie Uluuclaua, TamÜRua s. 157. 



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GÖTTINNEN 



199 



wenn aus der sage oder eonstber übcrciusliainuiDg der 
uiyllien aufgedeckt wird. 

Im ganzert mag aufTallen, dafs der nachweisbaren 
ilüülnnen fast eine grüfsere zahl ist als der golter, da doch 
iu vollständigen niylhologiöli diese weit überwiegen, mir 
scheint, sage und nanu^ vun götlinncn stellte sich der clirisl- 
lichcn ansiclit unge{ahrliciier, UDSchnldiger dar und wurde 
mit minderer strenge verfolgt, zum tiieil waren auch die 
fuytlieu von weiblicheu gotiheiten anmudgeri uud ia der 
eriimenmg des volks uozerdtörbarer. 



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200 



UELDEN 



CAP. XI. HELDEN. 

Die götler sind in besläiidigem verkelir mit den nicn- 
fichen, überall bedürfen die menscbcii der goUer, \er- 
iiiischungeu beider können sich auf doppelle weise zulra- 
geü, duich "Wandlung der güUer in Jiclden oder der beiden 
in guUer: dort sinkt der golt lierab in mensdilidie nntiir, 
hier. wird der luenscb erhoben zair gölllicben. poesie, sage, 
Ja der glaube selbst schüpft aus beidem warme und leben, 
indem das göttliche wesen den irdisehen dingen näher ge- 
rtickti die irdiache kraft aber verklart erscheint, ohne bei- 
den, aus denen noch der göttliche funke sprüht , oder die 
seiner theilhaftig werdeni kann das epos nicht auskommen* 

80 .viel ich sehe, beruht in den meisten fölleni wenn 
nicht immer, dieses sweifaehe Verhältnis auf leiblicher yer« 
vrandtschaft, auf einer zwischen unsterblichen und sterb- 
lichen wesen statfgefundoen Verbindung. Hercules wud 
vergöttert, weil ihn Jupiter mit Alcmene gezeugt bat; 
die halb^ülUicil dos rerseus , der Diuskurcn geht hervor 
aus Jupiters bimd mit Danae und Leila , Romulus, der 
gülllicbe, ist des Mars und der Silvia kind. den nach der 
mutter, als mensch, geborncn söhn *) zieht des valers hiinm- 
lisclie natur aus der ärgern band in die bessere \vieJcr 
zu sicli. Die mylhen sind uns versthollon, aus denen wir 
entnähmen, welche Jungfrauen nach Vodens umarmung die 
vergötterten beiden Seaxneat, Büldag, CÄsere gebären« 
(anh. s. ui.) Wie Heimdallr der gott, in Rtgs gestah, nie- 
acr zur erde stieg und sterbliche naclikommen zurückliei<i 
erzählt ein eddischer gesang, aber ihre eigennamen bleiben 
verschwiegen, nur die appeUativa sind genannt« Den über' 
menschlichen glana, der noch auf Sigufrit !allt> erklart 
seine abkunft von Sigumunt, Sigi |ind Wuotan* Es kann 
im einzelnen fall zweifelhaft sein, oder nach verschiedea* 
hett der sage abweichend aufgefafst werden , ob ein goit 
in die reibe der licKlen , ein held in die dt r ^ullcr trili: 
im Norden gilt Daldr für cincu vulleu golt, der bachbibchc 



*) partos sdialtar fentrem, rgl. RA. 884. B95, 



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HELDCN 



lialiL-ig vrar wol nur lialbgolt. Ja selbst jene norcli- 
sche ansieht ist genau bclrathlet nur die der edda, nicht 
§axos , \velcher den Bahler p. 39 ausdrücklich für einen 
^semideum, arcano snperum seminc procreatum' ausgibt, 
icli bin in allu. Sprachdenkmälern nie auf die beneuiiung 
Lalfiiodli oder luilias gestoisen, obgleich halftrüll, liulfrisi 
mehrmals vorkomiuen. ^»emidei* eetzt auch Jornaiides 
(oben 8. 17.) 

Helden , die das epos mit der gescLichte gemein haty 
leiden^ nicht leicht Vergötterung, wie umgekehrt alle, in 
die (lichtung nicht durch die geschichte eingehenden, irgend 
gOltiichcn ankhing vermuten lassen. *) ao Siegfried, Rü- 
diger, vielleicht Hagen in den Nibelungen , wälirend Diet- 
lieh und Etzel die grense des menschlichen einhalten, den 
Griechen konnte Achilles vergöttert werden, nicht Agamemnon, 
Ein merkmall gütter von göttlichen beiden zvl unter» 
sciieiden finde ich darin, dals die namen jener in sich be- 
deutsam , d. h» ursprünglich auf ihr inneres wesen selbst 
XU beziehen sind« **) den namen der haYbgdtter hann diese 
bedeutsamkeit fehlen, inrenn sie atis der menschlichen na« 
tur mit übernommen werden, in der regcl sind götlcrna- 
jmen cinfacli, hehlennamen oft zusanimeiigesetzt> Donar 
ist darum ein ursprünglicher gott, kein zur gollhcil n liöh- 
tcr mcjisch: seine bcnoniunig drückt zugleich scijjcii cba- 
ractcr au«, derselbe gi und streitet gegen die ansiclit, dafs 
W uütaii aus der Fchaar der mcuöcheu sich in die der gul- 
ter eingedrungen habe. ***) 



0 rine vergleicbende antersnebiing der griecbi<cheii, römiMliea, 
sordisclien Vergötterungen überschritte die mir hier gesteckte schranke, 
ich solid« re die durch poesie und sage nüein vollbrachten von dea 
diirrli fieidiiische priester ausgesprochncn , der < lirlstüclien canonisation 
iiUnliciien. (hernacfi ein beispiel in dem «clivvediscliea Ericii.) 

••) «n^efnlir wie ia der tliierfaljel die iiamcn ilirer trager, 

der irihum ist aber frülie, und durch die Clirtsteu aufgclcom- 
mcD, die den lieidniscben gott bemnterznaiehen sucliten, indem sie 
seiner aDgeniafsten gottbeit menschlichen urspruns beilegten. Schon 
bei dem Etbelweid p. 833 liest man: 'Hengest et Horsa, hi nc- 
potes fuere iroddan regi.-» barbaroruni , quem post infanda dlgnitate 
ut deutn fiom ranies , sacrificium obtulerunt pati^aiii victoriae caiLsn s\\q 
virtutis, ut liiimaiiitas i>ae|)ius credit hoc quud videt'. AVilli. von Mal- 
liieäbury ahoiiilie Hörle bind oben Hl au&gczogeu; auch er &<i;^t 
•ifeum eise defiranies\ Albericus tr. font. 1 , 23 (nach dem J. 274) 
dr&ckt sirb so ans; *ia bac generatione decima ab incarnatione do< 
mini reguaüise invcuitur quidtun lilercuriusj in Gottlandia insu!», (|uae 
est inter Daciani et Uussiaui extra romnnuiii Imperium, a quo Mercu- 
rio, qui Wodeii dirtus est, descendit jr«M!eali)jjia An;;loruin et nuiUo- 
nun aiiorum", ?iidit viel anders sUllt tSuotri in der Yogk saga Od- 

* 



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HalbgüUer Lahcii für das volk elwas vtttraiiUclies 
zum voraus, aus unserer iiiiiie entsproasCD, in unsere öä- 
lierc gcsellschait eingelasaen , sind sie es, an die sich ver- 
ein ung, gebcle, schwüre am liebsten wenden: sie veimil^ 
telu^ erleichtern uns den Umgang mit dem höheren gott. 
wie C8 dem Römer nahe lag <mehercle\ ^mecastor% <ecft» 
stui^, ^cdepor zu sdiwören« schwuren auch die Christea 
des mittelalters häufiger bei besonderen heiliceiu als hei 
gptl selbst. " ' 

Wir vermissen naehridhten über die art und wei«s^ 
wie sich der heroencukus, verschieden mjh dem eigenüi« 
eben gülterdienst , unter unseru vorlalireii gestaltet hatte; 
eogar die alliu quellen enthalten daiüber nichts. Bei den 
Griechen wichen die lieldenopfer ab von den gölteropfcrn. 
dem goll wurde blofs das eiugeweide uud fett der tlüere 
dargebracht, der aufsteigende gcruch genügte; dem vergöt- 
terten lield das fleisch und blut selbst, zum geuufs. So 
sättigen sich die in Valholi aufgenommnen einherjar an 
Saehrimnir, des ebers , gesottnem fleisch^ und trinken mit 
den aseu ; nicht vrird gesagt, dafs asen aucli an der speise 
theil genommen hatten. Sa^m. 56. 42. 8n. 42. die edda 
lehrt, dafs Odhinn selbst keine speise genofs (önga visi 
tharf haun), nur wein trank (vhi er honum biedhi dryckr 
ok malr), gleich Jupiter, mit der ihm voi^setaten speise 
nährte er Oeri und Freki, seine wÖlfe. 8n. 42. Mdh vm 
eitt vöpugüfigr Odhinn as lifir^. Sfem. 42*. Läfsi sicli dar- 
aus eine verschiedenheil der opfer folgern, die göllern und 
halbgSttem geschalten? 

Es ysdrd eiuzelno wescu geben, bei denen wir uiisi- 
dier bleiben, ol) die vorzcit mit ilinen den hcgrlf eine« 
vollen gottes oder halbgottes verband. 

Dafs die Germanen dem Ifercules 'coucessa nnima- 
ha' 0[)rcrlen, dafs ihm ein liaiu geheiligt war, dafs sie beim 
beginn der Schlacht seinen preis, vor dem aller andern hel- 



hiii als einen aus Asten hergekommenen hofdingi und hennatihr vor, der 
sich durcii seiae klugheit die Verehrung der vulker zuwege gebracht; 
■ach Sftxo gnnm. bekeaot sich sa eiaer Uinlicben meiouiig: *e« lern- 
pcstate cum OthinuM quidam^ Europa toti, foho dMmtatU iituh cea- 
seretiu* ii. s. w. Welche andere idee konnten sodi dtmaU recbtgtiu- 
bige Chritften von dem falsrlieti gott ihrer voreitern fasica? sie ma- 
ateri der nhgötterei gettisäeiUiichen bctrii<? iinterscJiieben , und waren 
XU bc)j[reifen unfähig, dafs dem heideiithum etwas (;anz anderes zum 
grund liegt, als ein hisloriselier walni. es hat so wenig einen wirkli- 
chen menäch und köoig Odliin (geschweige zwei oder drei} gegeben 
nit einen wlfUicbea Ja^r oder Mercur. 



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(UEßCULES) SAHSNOZ M 

den, in Hedem sangen, eagl Tac. Germ, 3. 9. aiin. 2, 12. 
aber Nvelchcii ciiilieiniischt'ii licld bezeichnet uns iliese in- 
terprctatio roinaua;^ eiueu 8uLu ^Vuütallä vcruiuLlIch, ol» 
heia welchen? 

Kaum Donar, den init der erde gezeugten, obgleich 
dann die iibergclumg Jupiters anders gedeutet werden 
könnte, als ich sie s. 85 zu deuten suchte. docli waren 
Donar und Jupiter niemals lialbgütter. Audi Ziu nicht, 
den hätte der Kömer JNIai s genannt, den nord. Baldr oder 
HernD6d[ir? sie sind, nach der edda wenigstens, volle 
götter. vielleicht den ags. Seaxnedtf den altsächsischen 
oder altfränkischen SaJundt? der nodi sechs jahrhunderte 
apäter neben Wodan und neben Thunar angebetet wurde 
imd jedenfalls eine der voiragenden gottheiten war? anh, 
f. VI* vik 

Wiet gedenken nicht mehrerei und eben am Nieder» 
ibeini in Lothringen fast in den gegenden der abrenuntia- 
tionsformely aufgefundne inseriptionen eines HERCULES 
SAXANVS *)? «aAs hiefs in unserer spräche was das lat. 
9axum, stein, steinwaffey messer, hämmere schwert (s. 124.) 
sahsndz bedeutet also steingenolSB. **) die sage, welche uns 
diesen nnnien erläutert hätte, scheint verloren, es könnte 
eine ähnJiihe gewesen sein, wie die, wehiie man zur deu- 
tung des Hercules saxa/LUS anwendet. Hercules, heim- 
ziehend mit den erbeuteten rindern, von ligurischen beiden 
überfallen und des gescholses ermangelnd sei im kämpf er« 
schöpft auf die knie gesunken; da liabe ihm Jupiter steine 
aus einer wölke regnen lassen, mit welchen er bald seine 
feinde besiegte, ein sleinbedecktes feld (campus lapideus) . 
zwischen Alassilien und der Rhone bezeuge den \ oi lall. ***) 
Indessen kommen in allen beiden und riesensagen so viel 
denkwürdige steinwürfc vor f), da(s mir diese beziehuug 
sehr zwetielhaft erscheint^ zumal das adj» saxanus unclas« 



•) Griiter 49, 3. Orelli no. 200r. 2009. IlageDbach de Hercule 
nxartü, Snsati IT.SX. ScIiOplIin Als. ili. 1,441. Canoef^ieter <)e miita- 
tione roman. nouiinum. Lugd. 1774. p. 165 — 174. Joli. >Vfi. Brewer 
vaterl. chronik. Köln 1823. 1, !.*>--:<(>. 648. 649. auf den Hercules 
magusanua laüse ich oiich nicht ein; (Cauuegieter i. c. 161 tf. »teilt ilio, 
eboe grund, mit Freyr BOMOiroen.) 

**) aiid. hdsgitt^s, ags. bordgeoeit, beodgeae4t, nihd, baakgeodSy 
•taotgeiidz« splez^enAz tt« S. 

•••) Strnbo IV. I, 7, worte aas des Aescliylus Promeilieus anfiifi- 
rend. Diun. Hai. 1, 41. Hvj^ln. P. A. 2» 0. TzeU. cJiii. 2» 341. 
•cbol. Lycojifir. 618. Pomp. >iela 2, 5. 

f ) z. b. Sörii und ilamtliyr wtrde.n mit steinen todt gewurfeu (Sa. 
144), die dichter brauchen Hauithys ok görla graad (or Stria. 



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»4 ZVIS&O 



siscl» gcbilJel Ist *) , imd eher die naclialinimii; t iner gor- 
maniötlicu lonii sein könnte, sahf^in ? Inseln illeu. /.m zeit 
des 2. 3. 4 jli. in (Jermanicn eingehaiien, muc lilcii loi« Iii iliu 
ScliOii bei Tacilus und seinen gewährsniauiiej n liei i;eljiai]ilü 
interprelation des güUliclien heldcn der Deutschen beibc- 
lialtea und diuxh das zugefügte adj. genauer bestiinnicn? 
gilt C8 hier die edda zu ratiic zu zielieu, so wäre Salnnüt 
geruuden io Bari (Sn. 7)^ dem manne, den Audliumla au9 
den steinen lechty einem wahren genofs der steine und 
felsen. Dies ist meine Vermutung über Hercules^ Htrcu* 
le» saxanua und Sahsn6t\ dafs die Saclisen, deren name 
unleugbar von sabs (stein oder steinwaffe) herrührt, solch 
einen stanungolt eigeuthiimlich feierten, liegt vor äugen. 

Ti'isco, der ei-dgeborne gott (dcus terra editus) ist 
schon iin aiihaug s. xxix besprochen, an Ziu, Tins, Mars 
darf er nicht genialim n, Tacilus würde dauii Eli. nicht VI 
setzen, und SC Aviire auch eine bei Ziii ungebräuchliche 
ableitung. Nur kaiui es^ in gorinanisclier slannnsage, noch 
andere Zwillinge als die gegcl^eii haben, die der licinier nn- 
^er Castor und Pollux (Germ. 4.)) niciul, dcj cn heillhum ihn 
urllichen nanicn AIx (s. 39) lührle. Baldr und lIermodl*r 
sind biofs briider^ keine geniiui. Tvisco mag der sonst vor* 
lornei damals vorwaltende beiname eines der grofscn göt- 
ter sein, den der germanische stamm als seinen ()!>crsleu 
ahnherm und slificr betrachtete, am wahrscheinUchsleo 
kein andrer *al8 Wuotan, dessen eigenuamo durch jcucn ver- 
dunkelt wturde; will man auf die baare wurzel von TV 1 
rücksicht nehmen und den bestimmteren begrif .der vwH* 
lingschaft aufgeben, 80 liefse sich mulniafsen, dafs T\isco die 
eddi.^chen beinajneu Odhins Ti^eggi (duplex) und IV/* 
bltfidi (bis coccus, vgl. einiiugig 8. lOi) berühren könne, 
wenn es aiulers mit ihnen vöUigc richligkeit hal : ich üiid« 
sie zwar in Uesens ausg. der kcnuuigar bei Odliinu Jiw« 
104. iOj, nicht aber in r»a>ks Snorraeihla. 

Mu^iiiiifi^ des T\isci> suhii, ein f^ii liihnr echldeulschcr 
namey entspricht dem gotlu man (nichl tU r si hwachen form 
manna, die Tacilus iManno gebeu würde), ahd. y}icui . 
man, moHf ahn. madhr,. ohne zweifel hat im alierihum 
diesem wort eio mythischer,' tieferer sinn bcigewolmt (vgh 
s* 36 und s» uviu des anhangs über die vnirzel)^ erst durch 



*) tat. ndj. auf -aitfi« erwachsen sottst aus Ortsnamen (moottiiai» 
•foutaiiuK, romauu;», tiielMiiii»), kaum aus neutralen; Sa&um müfte w^> 
nig»tens die benennung des steiufelds gewesea sein, um datoa ein sax- 
anua itt formlereo. 



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iMAN LSG 106 

anfiigung des aMcIteiuleii IvSK eulspriiigt die beclenUing 
Jionio. Zwar kemil die edda keinen solin Odhins mit dem 
uameii Mad/ir ; die nuilniassuug, dafs ^lan in dem Iter^ 
mon^ Itrinan der genealogien slerken küiine, ist im aulinng 
geuui'sert worden , er triu dox t als alin oder uaclikomme 
oder wiedergcbiii i Odiiins auf. Öelbst das iüjigere mhlelaU 
ter kannte noch überüeierungea von diesem Stammvater dea 
deutschen volks ; Fraiieulob, dessen bekanntscliaft mit dem 
mythischen künig AVippo ich s. 190 auTührtei sagt in einem 
imgadruckten liede des jen« cod« 

Mennor der erste was genanl, 

dem diutisclie rede got tet bekant. 
^eist das schliefsende OR auf einen nordischen oder irte- 
aischen diirdigang der sage? 

Auch des Mannes drei oder fünf söhne wurden in 
die zahl der halbgütter aufgenommen (anh. s« xscvx-nvni) 
nicht auf alle doch auf einige wirft die uns erhaltene sage 
liia und wieder schein, ich will nocli einiges niiliere von 
den bei Tocitus auü^e:6eichneten , lugO; Ibco und Ilermiuo^ 
abhandeh). 

Jrig oder Ingo hat sich im andctiken der sächsischen 
und nordisclien stamme zulangst erlialten. ahd. ninenalpha- 
belc schreiben J/ic. im ags. runeulied scheint noch etwas 
YUA seiner sage naclizuklingen : 

I/ig vas a^rest mid Easldeniim 

gesevcn secgum, odh he stdhdlian edst 

üfcr geval. *) vajn äfter ran. 

llius Heardingas thonc häle nemdun. 
er»t hielt sich Ing bei den Ostdänen auf, dann zog er gen 
Osten über meer, sein wagen rollte hinten nach, wir ha- 
ben schon öfter (s. 73. 193) den wagen als kennzeichen 
der götter gesehen, 'so (nemlich Ing) nannten, diesen na* 
men gaben ihm die Hariunge\ Hariunc im heldenbuch 
lieifst ein lönig von Reu/sen**)y im Alphart 74 einer der 
vrölfingtschen beiden; die Härtungen scheinen ein den Da* 
iien und Schweden östlich gelegnes yolk^ unter welchem 
log eine Zeitlang gelebt haben solL zu diesem östlichen 
Wohnsitz des Ing stimmt auffallend die merkwürdige Stamm- 
tafel , wdche das Islcndtngab^k von den Ynglingen liefert 
Hslund. süg. 1, 19.) daselbst steht ganz oben an ein 
Yngpi Tyrlja konungr ***) und auf ihn folgen INiürdLr, 

*) Cidib. 88, 12. ^evät ofer Tonne v»g sl^^an. 

••) sonst Uartnit. Jlerlult von Iliuzen. Ulis. Heldensage 19B. 253. 
•••) gerade so heilVt sonst Odliimi TyrLja konungr, Su. 368 UImI 

aaljaog i. zzi, ?gl. Tjrkir ba. 78« 88 and tunaiii i5. 



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906 



ING 



Frayr (so), Fiululr, Svegdln'r ii. 8. W. Die YngKngasaga 
hingcgeu beginnt den 8tamni erst mit Niördhr , Nvelcliem 
Frc}r, Fiülnir u. s. w. folgen, und bei Freyr Avird ange- 
geben, dals er «lit anderm nanien Yngvi oder auch Yng" 
vi freyr (^oben s. l.i.Si heilse und nach ihm das ganze iic- 
schlccht Yrigiif/gar genanut werde, richtiger wäre Ifig-' 
. in gar oder IngvingaVy wie die alid. und ags. schieibuog 
lehrt; man verwecLseite im Norden damit j^ngliogr 0uve- 
nis) alid. jungtliiiCi ag8. geonglingi von der gar nicht liier* 
her gehörigen würzet üngr, junc, geong. abgesehn davoOy 
bestätigt der türkische könig Yngn, und selbst der rii«* 
sische Härtung Inga moi^enlSndischen aufenthah: viell^dit 
muTsi weil den «Nordmannen Rufsland Gardariki hiei s, fiir 
Hearding Gearding , für Härtung gdesen werden Gar* 
iunc? *) Die wichtigste Wahrnehmung ist jedoch, dafs in 
jener geuealogie Ingvi vor Tsiord/ir gesetzt wird, also 
I reys grolsvater isi, wülirend die andere recensiou iJin in 
Freyr gleiclisam wiedergeboren werden lal'sC und mit Freis 
namen verschmilzt, davon steckt eine spur auch in dem 
ags. frea Ingvina. mit recht aber scheint ///gr/ oben an 
der 8j>ilzo eines i;eschleclils zu stehen, das den namen 
IngvAugar = \ ngh'ngar iiüirt* Was nun die altn. stamm* 
sage nicht hoher hinauf zu bringen vermag, als su Ingv% 
eigänzt uns Tacitus auf das willkommenste, Ing oder 
Ingo ist ihm des Mannus, dieser des Tvisco söhn. 

Vollstiüidig wäre dann die göttliche reihe: Tvisco, 
Mannus, Ingusy NerihuSf Fraoo ? (Fra^io? oder wie in 
römischem mund ein dem goth. Fr^uja ähnlicher name lau- 
tete.) des erdensohnes Tvisco mutter wiederholt sich, nach 
zwei Zwischengliedern, in Nerthus, wie der nord* I^gvi 
bald voi'; bald nach N'ördhr sieht. 

Dies zwischen INiurdhr und Ingvi nachgewiesne ge- 
lenke, der unverkennbare haft eines nordisclien gottes an 
einem tacitischen gollhelden drückt, wenn icli mich nicht 
täusclie, der lesart Nert/ius das siegel auf. Will man in 
die gÖUerreihe keine göttin einlassen, so kostet die an- 
nähme wenig, dafs einzelne deutsche Völker ^erthos zur 
göttin, andere zum gott machten. 

Alles dies greift nun in andere altn. und eddisdie ray- 
then , einzelne lichter streifen in das tiefere dunkd der 
Torzeit, können es aber noch nicht ganz beleuchten und 
verlieren sicli oft nur in r&thselhaftem Schimmer, das for- 



0 HartimesBlMdlDgr? oben s. I40i 



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INO ISK 207 



HillI der edda p. 15 n^Diit Odhinn vater des Yngpi und 
atflit ihn als obersten ahn der Yngltngar auf: man siebt 
sich von neuem befugt fVuotan mit MannuB oder 3W«co 
l^eich SU setzen. *) Noch weiter reicht die erzähhing M 
Formoti og hans settmönmim (forald. süg. 2, 12): xu Oberst 
steht Burrij Mrieder k$nig von TyHcland, auf ihn folgen 
Burr^ Od/nnn^ freyr, JViörrf/ir, Fteyr, FifUnir n. s. w., 
mithin ein doppelter Fre>T, der erste an Yngvis stelle (fe» 
ner Yngvifrcyr.) Burri und Burr sind die in einer 
andern reihe (anhang xxi) dem Finn und Frialaf gleicJi« 
gesetzten, Bttrri und Jh)rsj ^vuHleruIn aber die in 8nnr- 
raedda 7. 8 als vorfaluea der drei brüder Odhinn^ yi/f\ 
Ve aufgeführten Bari und Borr, Buri ist der von der 
kuh aus den sleincn geleckte erste mann oder mensch. **) 
Hiernach scliciuen ßu ri ^ Bö'rr^ Odiiinn parallel den ni.r 
mit andern nanien genannten Tvisco^ Mannas^ Irigif^j 
da Yngvi ~ Odhinn: dem Ingus stehen zwei brüder (Is- 
CU8, Hermino /.nr seile, wie doni Odhinn (Vili, Ve), Tvisco 
heifst terra genitus, wie Buri ans dem stein hervorgehe, 
oder will man lieber Buri für Sahsn6z nehmen (vorhin 
s. 204). Ich weiiis nicht ob hier sage von älteren natur* 
Qdttern und jüngeren halbgöttern unter einander rinnt; 
tiHschen ihnen scheint aber die eigentliche gottheit (/^rio« 
IflMit Odiiinn) immer aufsutauchen« Ich fahre fort Taci* 
tos auszulegen« 

^ in der Termtitongy des Ingus (oder Ingo) bruder 
kSmto nur l9COf nicht Isto, geheifsen hab^ (anhang s. 
xxvn. xxvin), bestürkt midi alles. ***) sollte gar die eddi* 
tdhe erzSldung von einem ersterschafben Jiskr (Sssm. 3» 
8n. 10) und fencr name susammeohKngen, vrenn auch die 
ags. Oescingas ans dem spiel bleiben? seltsam scheint schon, 
daf« %vir in den runennamen diesem ash (die deutung mag 
den bäum im sinn haben oder nicht) neben dem incy ziti, 
pr, lauter beiden und j^öttern be^jegnen. aber auch der 
vocalNvechsel in den beiden naniensfurmen Irift sich gerade * 
80 in der ableilungssilbe -isk und -ask. 

Hier mag ein verwegner eiufaÜ sich luft machen« in 



*) verwirrend ist in einer Iis. des formaU (p. 15 unten) 0<2Aiiui = 
KordJir, Saem. 3* ein 1 /igt« unter Zwergen. 

Buri wäre alid. Poro, goth. Dura ; Jiörr elid. Paru, gotli. Ba- 
nif? ashe liegt altn. burr, geu. burar (filius) ay». byre (titius) goili, 
uaürs. 

***) za meiner freude haben aelbat hss. Tscei'ones, wie ich eben SBS 
Btts f ae. kct in Tac Oenn. cewment 9. Halwit. 18Si. p. • sehe. 



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208 



IRMLN 



unserer spracho wird das abslanimungsverhältnis iiaupt- 
fiäclillcli durch zwei ableitiiugssilbcu ausgedrückt: l.\G iiud 
ISK« numniiig bedeutet den von niaii stammenden soliii^ 
mannisk, mannisko (nU dasselbe, ich sage ulcUt^ dafs die • 
gottglekhen helden unserer Voreltern aus der grammatt» 
Achen form genommco, noch weniger, dai's die grainmaliscke 
form aus den heldennamen entsprungen sei. ic)i lasse dea 
tiefen susanimenliang beider unerklärt, und zeige ihn blof«» an. 

DesMannus dritter söhn wird uns4anger beschäftigen 
•Is seine brüder* Enntnos nachkonimenschaft vollen- 
det den berühmten cyclus der drei grofsen hauptstämmo 
Deutschlands : Jngaeponesp JArminonea, lacaefo/tes» ihr» 
Ordnung scheint gleicbgiliig und ist bei Tadtus blob von 
der 5rtiichen läge entnonunen. 

Die aspiralion von Tacitus in Herminones und ebenso 
in Heinumduri zugefügt, ist dem deulsrben >vorle eigcnt- 
lieh fremd, Avird aber auch von lat. sein iildlelleni iles niil- 
telalters, in eigcnuamen, die mit dem worle Irniin coni- 
poniert sind, häufig beibehalten, in dem namen des histo- 
rischen Arininius liifst sie Tacilus >v>^'g. 

golh. ylirmafi ^laloiniscli gescluüclicn I^.rinaii); alivl. 
Irnian^ Irmin^ Ernian, Ermln; ags, Eonnt// ; allu. AV/ — 
mi/fi , >vozu jenes Her/nun in Hennunduri slimnit , viel- 
leicht auch ein schwacliiurniigcs Ainnanay Innuio \\,%,\\' . 
dieser halbgott mui's eine weil ausgebreitetere Verehrung, aU 
des Mannus übrige söhne, genossen haben« mit seinem na- 
men sind, unter allen deutscbeu stäounen, zahlreiche be- 
nennungen von menschen, thieren und pflanzen zusan&r 
inengesetKt: ihr eigentlicher begrif empfangt dadurch ver- 
stärkte» erhöhte bedcutung. in diesen häufigen anwe»- 
dungen hat daher Jrinin selbst einen verallgemeinerten, 
abstracten sinn. Jrmin mufs in dem munde des volks so 
gangbar gewesen sein, wie Hercules, Castor und Pollux un- 
ter Römern .(<. 202.) 

Beispiele, männliche eigennamen: goth. AIrmanareiks 
(Ermanaricos) ahd. Irmanrth, Erminrih, ags. Eormenric, 
altn. lörmunrekr; ahd. Irmandco, Irniandegan, Innanpe- 
raht, Irmanfril, Irminolt. weibliche Irniaiuh'i\t, Inuangart, 
Irmansuint. tbicre: ahn. lürmuugandr (serpens), liirnmii- 
rekr (lauiiis.) pllauzcu : ags. Eormenvyrt, Eonnenleaf (maU 
va), ich fiiulc jedoch bei Lye und bei 31one p. 322. 333 
nur dio sthrcihimg geornioii v\tI. goormenU'aF. mit unorga- 
nlscliesii übertritt dt>s vucalischea eu in cousonantisches geo 
(vgl. genug, altn. i\ngr.^ 

Danu aber bei appeliaUvea und abstracteu; ahd* ir- 



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la&UN 209 

mangot, imiansnl, irniand-ot; nlts. irnuntliiotl, umlnman; 
agÄ. cormcncyii, eorinciigrijud , eormenlafe , cüi menstrynd } 
altn. iurniiiugnind. erforderliche belege oben 8. H3* 

In allen solclica Wörtern liat das vorateiiende irman» 
nidit mekr die lebendige bedcutuDg eines gottlicli verehr- 
len wesoris, wie schon daraus folgte dafs es eigentlich^ nicht 
uneigentlicli componiert wird, eormenledf lieiist es, nidit 
Eormenesloar. ^vle Fomeotes folme; irmansül^ nicht Irma- 
nes 6iM, wie Wuotanes wec u* s* w* 

Die verblndungsweise gleicht also der mit got, in ei- 
gennamen wie GotadeOi Gotalint und andern ^ nur scheint 
der begrif von Irnian noch abgezogener und länger ver- 
blichen, da es nicht mehr als zweiter Iheil der composi« 
tion vorkommt, wo sein eigner sinn bestimmter hervortre* 
ten mnste* 

Eine fener Zusammensetzungen zielit indessen vorzüg- 
liche aufmerksanikeit auf sicli ; vou ilir wurde bereits s. 
•1—83 gcliaiuklt. *) zwar bcdeulct iiDiansul niciils nu- 
ders als die groiöc seule, \vio irmaugot deu grofseu goU, 
iniiandiut das grolse volk , iiu inuugruud die grofsc , "weite 
^'ide. allein die niitgotheilteu stellen der chronislen thuii 
zugleich dar, dnls diese seule unler den Westfalen und 
Sachsen des aclUeu noch der wirkliclie gej^enstand ei- 
ner f^ötlliclicu Verehrung war, mag nun auf iiir das bild 
eines gulles geslaudeu liaben , oder der gült selbst in der 
bloisen seule angebetet worden sein, einen bestimmten 
"Ott darbte sich das volk ohne zweifei dabei, wäre dies 
aber Wodan, Thonar, Tin gewesen , so hätte die seule 
schwerlich eine beuennung empfangen, in AvelcUer sich der 
Wae einer andern gotthcit hndet« ich bedenke mich da- 
her nicht weiter anzunehmen , die Irminsäl müsse zu eh* 
reo eines göttlichen wesens Irtnin^ Irman aufgerichtet 
worden seini desselben, aus dessen althergebrachtem cul- 
tus die abstraction jenes praefixes hervorgieng. wie gud* 
hus, gotahAs neben gotes hüs fs. 39. 56) mag irmansAl 

Irminessilü gesagt werden* oie corveier chronlk redet 
geradeza von einem idolum Irmin statt der seule. 

Und Widekind, wiederum ein corveier eingeborner 
^fMftsteller, läfst uns gar keine wähl, er bezeugt ausdrück- 
Irmin s , oder nach seiner Schreibung Nirmina per- 
•Öaliche goltlieit. die w orle, deren er sieh bedient, um das 
ttegsopfer der Sachsen in Thüringen zu scliildciu , sind s. 



•) nach einer urk. Ton 1298 (Barings clavis diplom. p. 403. uo. 
'*) tio Qti BrmcMuUn (heute Anneiuettl> ia HVettfaie^ 



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210 IRMIN 

7S auflgebobtn ; er fugt hinza ; 'ex hoc aestimationeni il* 
lorum apparet utcuuquc probabilem, (\m Saxones origi« 
nem cluxisse putant de Graecls^ ({uia Hirmin vel HemteB 
Graecis Mars dicitur, quo vocabulo ad laudem vel ad vi- 
ttipcrltim usque bodic , cüani ignorantes , utimur/ *) Die 
verglcicliung der gricchisclien giUlcr ist mislungen: auf 
l[priiu'S fülirlc der ^Icuhlaut von Hirmiii, soll aber dieser 
IMciTur sein, so sliinnit Mars Jiichl, und es M'Kre gezwun- 
gon, die f.ille, wo sicli AYuolan mit Zi\i ])oridirt, zur hülfe 
zu iK'hmen. unler Ilirmiu denkt sich ^^ idekind den ÜMai-s, 
\Yic aut li ans den voi nns<;eheuden \yorlen : Marie m e/figie 
coliininanim imiianles lulgt. die Sacliseu hallen an der 
ITnstrul ihrem Innin eine seule crridilet, wie sie in der 
lieimat thaten. 

Für die Identität des Mars und Innui liefso sich gel- 
tend machen, dals Innin ein iiebeuuanic des 7///, Ziu 
lind nichts weiter als Jene zweite beueunung des kriegs- 
goltcs sei, die ich s. 134 in jC!r, nachgewiesen habe, 
ich will diese meinnng nicht geradezu verwerfen; ja, es 
könnte sclieinen, Irnian zerlegt in h-man, £r-man trete 
dem einfachen Ir, £r nocli näher, doch eben eine solche 
Zerlegung ist wol unzulässig und Irnian | wenn man die 
formen Irmin, Eormen^ £rmun, lörmun erwSgt, ein deri« 
• vatum, kein compositum; niemals erscheint neben Ertag, 
dies Marlis y die form Ermintag, Irminestac. ferner bat 
Irmiriy als söhn des Mannus, neben seinen brödern Inc 
und Isc^ weit eher das ansehen eines göttlichen heros» als 
eines reinen gottes. Ich glaube einen grundsatz aufstellen 
zu dürfen, der hier entscheidet: so oft volkstämme nach 
einem ihrer berülimlen ahnen den nanien em[)rangen, ist 
dieser ein vergöltei ler jnensch , ein lialb^ott, nienials cia 
roin:;(illliclies wesen. es i^djt Ingaevones, Iscaevones, Her- 
juinoncs, Ooscingas, Scilhngas, yngUngar (d, i. Ingingar), 
Volsurigar, Skuihhnigar, INilli^ngar **), wie es Ileraklidcn 
gab; keine \ üdeniii^as (Odliirniigar), 'J'hunoringas (Thurin- 
gar) u. s. \v. der grnnd hnichtet ein. den nameu Vude- 
uiugas hätten gewis die Angelsachsen gciülut, an deren 



*) heif^en die letzten worte: wir vcrwpnrlen das verstärkende 
pracfix irinin- ^ ülme seinen sinn zu verstehen, ini Wörtern guter und 
fibier t>c<teutung? irmiudiep kuuote eineu erziJicb, aieiiterdieb be- 
seidineo. 

**) die pntrenyoiinclie ab!eitun;]f ist ntdit aoth wendig« aaeli die 

(lantiis, ((CtMii, beneimeu sicli^niicli Gaut», Uevis, .Suip, gott- 



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IRMIN 



splue überall Yddeo aaih*itl, wenn es aittc gewesen wäre, 
nach dem golt selbst zu lieifsen. die Völker stammen von 
dem gott ab, allein durch vermittelung eines Halbgottes 

und n.ich (iicscm letztem nennen sie sich, ein volksname 
imrJi ik'ni liüclislen golt würc frcvclharicr stolz j^pwescn 
uihI dem niciisclilirhoii gemüle li\'incl. llii'inath luille irli 
für nrreclillerligl , dals dem Irrni/i nur halli^ulüiche nalur 
einzurauDJcii sei. *) 

Da "\icclcrsat hscn , vorziiglirli Westfalen der liaupt- 
silz des Ii iiiiiicultns >var, so diii len sicli wol neben W U 
ilekiüds Zeugnis von Hirmin einige spuren seines in die- 
sem dculscluMi InndslricJi noch immer niclit ganz erlosche- 
nen namens stellen. Slrodtniann p. 85 verzeichnet die os- 
jiabrückischen rcdensarlen : 4ie nient, use lierre golt licet 
JFierm^ (sei gütig, zürne nicht); *u8e lierr gott licet nich 
JHemii lic hcet levc berre, un weet >val to te gripen'; 
darin scheint leise Sehnsucht nach der milden Lerschaft 
des alten, heidnischen gottes unvei-halten im gegensatz zu 
dem strenge richtenden und stralenden clirisilichen golt. 
Im säelisischen Hessen (an der DiemeJ), im Paderborni- 
schen» Ravensbergischen, im bisthum Minden und herzog« 
Uium Westfalen**) lebt unter dem volke folgender reim: 

Hermen^ sla dermen, 

ßla pipen, sla trummen; 

de kaiser wil kummen 

met hamer un Stangen 

will Hermen uphangen. 
ilcrmen wird hier gleichsam aufgefordert, kriegerisches 
spiel anzustimmen, Sailen, pfeifen und trommeln erschallen 
zu lassen; der ieind nahe mit Iiammeiii und Stangen und 
-wolle Hermen auriiaiigen. nicht unmuglieh, dals siel» in 
diesen durch die lange haililion der jalirliiimlerle gcgniig- 
neii und wahrscheinlich entstelüen wui len iiherresle eines 
licds erhallen hahen, cKts zu (U^r zeit erst holl. als Carl y) 
die Irmenseule zersKirle. Auf th'n nurli iilh'rcn ylinii» 
fiius und die luinier lassen sie fiicJi viel weniger deuleu* 

•) dt» eiiiwnii.ls versehe ich mich nicht, dafü Nars ein andrer bru- 
der des Irmiu »ei; er wt uicht der runii:>che Mars, sondern ein deut- 
scher t von dem die Marfi, Managai uad Marsaci (Tac, bist 4, 56) 
•tannieo. 

") Rommels ^e.sch. von Hessen 1. nnm. p. 66. wesifil. provinz. 
btitter oder Westphalia 1. 4, 52. Minden 1830. 

*'*) Variante X mit «taageu luid prangeo. beide wurter üiud gleich- 
bedeiiti^. 

f) lY//>tfrsi-boD iasehrnlten denkmälern fürkönig, vgl. iraags. Roeüi* 
p. 114 cap. 8. kdsent vou Agauiemoon, oad anhang vi über CAsera« 



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212 



IRMIN 



Zvrar der name Arminiits untersclieidet sicli kaum 
▼on Irinin, Ermin ; die ab>veithende lassuiig der t^iamm- 
sage (aiih. p. xxvni) gibt wirklich Armetio i. llviniifio 
oder Herminones des Tacilus, ohaloich dieser dem niil A 
anlauleuden wort niemals H eillieilt, also beide nanieii 
genau von einander luill. Fasl aber nü»chle ich belinup- 
len, dals der gcöchicblschreiber gerade ann. 2, 88, avo er 
von dem Varusbesicger sagt: ^canilur adlnic Ijarliaras apud 
gentes' irlhiinilid» beide, den haibgott und den ganz liisio- 
rischen beiden verriiengt. Als Tacilns schrieb, als seine 
gcNvahrslenle ilmic benierkung zu machen gelegenheit hal- 
ten , "vvar noch keine sehr lange zeit nach der Varus- 
schlacht verslricben, keine die ausgelangt hättCi epischen 
glänz über den rcllcr der deulschca Freiheit zu verbreiten, 
vrol aber war die uralte, dem Flinius vor Tacitus bekannte 
ttammsage von des Mannus sühnen in deutschen liedem 
gesungen) \ind diese vrerden auch Irmin gefeiert haben« 

"Wir haben s. 102« 103 einen Wuolans weg und vra« 
gen, 8* 112« 126 einen Donners wagen y s« 127 vielleichl 
auch einen weg nachgewiesen; willkommen wäre, wenn 
sich aus einem Irmins weg und tvagen ein neuer beweis 
für seine götüichkeit entnehmen Heise« weg und wagen 
beziehen sich auf einander, und das deutsche heidenthum 
scheint den wagen seinen hauptgottheiten wesentlich bei- 
zulegen. 

Die composita irmanwoc , irmanstraza, irmanwagan 
Waren, nach dem vorhin ciorlcrten, ganz in der Ordnung; 
icli babe sie nie gelesen, noch erwiinscbler -würde sein, 
auf ein Irmanes wer, Irmanes wagan zu slolsen. *) 

Krst die spateren ags. , und die altengl. quellen nen- 
nen, indem sie vier grolse, Mngland durchschneidende ^vcgc 
anfiiliren , darunter Eniiingestrete^ von Süden nach Nor- 
den der insel. **) n)an darf aber die reinags. form cor- 
inenstrcvt mutnialsen (vieileiclit bestätigen sie unliotnus- 
gegebne hss.), da auch eine andere der vier straüseu, yatt- 



♦) ich weifa, dafa Leibuiz 1, 9, und Eccard fr. or. 1, 883, de 
orig. Germ. 397 irmuut»<i(gsn fir aivtm, plaastnUB ooelesCe aogebes» 
kenne aber keinen beleg. 

lege» BdcMratdi confess. cap. 19 (Schmid 1, 281.) Icj^es ;^ViI- 
lielrni nothi cop. 30. Robert von Glocester. 0\f. 1724 p. 299. Ra- 
imlpli. ili{;bden polycliroti. cd, oxon. p. 196. Jolin Leland« itincrary 
Oxf. 1744. 6, 108—110. Ciihson in app. cliron. sax. p. 47. Cam- 
deiu Britt.innia ed. (iib.son, Louct. 1753 p. lwix. auf der carte M 
LappeabcrgN {^ckcIi. vini Bagl. bt die richtun«? der Yier wege eioge* 
trafen. 



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IRMIN 218 

tingastrcet bereits in der ags. cbron. (Ingr. p. 190« Thor- 
pes anal, p« 38) yorkommt und in dem friedensschlufs 
zirischen könig Aelfired und Guthrun (Schmid 1, 57.) Ein 
solches eormenstraei mag bedeutet haben via publica, via 
regia ; es ist hier kein gen. des eigennamens, "wie in Yaet- 
liogaslnet gebraucht* 

Oder führt jenes Ermingestret auf ein ags. earminga 
Minei (?ia pauperum, mendicorum)? von earming (miser) 
inhd. arminc. dann läge der uamc weiter ab vuu dem 
hier gesiichlcn. *) 

INIcht zu iibcrsclicn für deu forlgang meiner Unter- 
suchung ist nun, dafs eine der vier slrafsen, die vorliin- 
gcnannlc P'^cvtlingastrcei zugleich an den liinimel \ er- 
setzt Avird und dadnrcli ein ganz mylliisclics ansehen ge- 
\vii)nl. ein \öllig bc&linimlcr landwcg , von Dover nach 
Cardigan sieh crslreckcnd , bildet am hinmiel die milch- 
strafte, und \vird von d^m wagen irgend eines heidni*« 
»cheu gollcs befahren. 

Chaucer (libuse of fiame 2^427) jene gegend des bim« 
mels beschreibend sagt: 

lo there (cpiod he), oast up thine ejei 

se yondir» lo, the galaxie, 

tbe wbiclie men depe the nulky way» 

for it is white^ and some, parfay, 
ycallin ii han fVatling es trete, 
that onis was brente with the hete, 

whan tliat tlie sunn Is sonne the rede, 
which ihat liite Phaetou, Wolde lede 
algate bis falbirs carte and gie. 

im compiaynt of Scolland p. 90 wird von dem comet ge* 
sagl: it aperis oft in tbe (piliyt circle, calHt circulus lac- 
teus, the quiülk the niarynaÜs caUis f^atlontatreit. im 
Yirg^ des Pouglas p. 85 ; 

of every sleme the twynkling notis he, 
that in the sÜU bevln move cours we se, 
Arthurp s house and Hyades, betaikuiDg rane, 
PFathngstrete, tlie Hörne ar.d ihe Charlewanc, 
the fcirs Orion with Iiis goldin glave. 
V;vlHnga ist der gen. pL, wer die Vcf'tlhisrnfi waren, auf 
svelche weise sie einer irdischen und liimniübchen ölraibe 



*) Lye hat imingstnet neben irniin<;^sul, beide fornien aber ohne 
beleg, uod wie es sclieiiit aus sbiwDdlungeo über den weg vnd die 
lenle. 



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214 IRMIN 

die oamen gaben wissen vrir niclit *) Cbaucerji der ei 
\ielleiclit noch halle erzählen kennen, spielt lieber auf die 
griedu sage you Pha^thon an. dieser, auch eines goUes 
söhn, als er sich vermafs den sonnenwagen seines valers 
zu lenken, verseiiglc eincu streif am hinimcl und das ist 
iler ^^ cg, den wir ilic iiiilclislrarse nennen. INacli der ge- 
wülnilielioren voi^U llunjj' der Gricclien >var es llcn , die 
durch ilire am liiiumcl \ crspriilzle milch, zoriü:; iiber deu 
ihr zum saut;iMi u iik'rgeh\i;tcri Hermes oder Ilcrach"?, einen 
weilh^lanzemleii Kreis l)iuh'le. Iis lei(h'l keineu zweiiel, 
dals auch hei andeni sdlknii phnntasie und saiie die 
namen irdischer und liiiupiiibcher öl^aiseu uutef einander 
laufen lielseu. **) 

Einen merkwürdigen heleg dafür l)ietet die einheimi- 
sche überliereruiig dai*; durcli sie werden wir Irmi/ij vou 
dem wiir ui^s fast entfernt »u haben scheinen | wieder er- 
reichen. 

Widekmd von Corvci ist der erste, der uns ans allen 
liedern die schöne« durchweg epische crzäldung von dem 
sieg der Saclisei^ $ber die Thüringer gibt« Jrmen/riedf 

*) Ware > ätlingastrait verderbt nns ▼adlilin?:a strait (via va^n- 
tinm)V obgleich irli keia ags. vailbolin^', nur vndliol (va*»abun(lus, er- 
mtinis) kc>nii(>: dniin ia^e enrminga.stra't d'T bcdeutuug ^aoz oaiie« 

die foljioinle aiimerlvim;; über [»ilfTrinistralse. 

**) ich best braiike inicli auf kurze aufiibrung anderer beaennunjieo 
der milchst rafse, «nbiflcb beifst sie iarik al ihihn (via stnavai«); 
syrisch sc/tet^il t$v^ (via paleae); nculiebr&iicb neiihat theben (se- 
mita paleae); pcrs. rah kah kes/uui (via stramea tiaheatis); co{»t. 
TTioi't eilte jiitüU (\!a .stramini.s) ; alhiop. hasarr zamanegnde (»li|)uia 
viae) ; arnb. dt'rh ciliiheiiiit (pfad der b<'rkeiliiigtrnp:or) ; (firk. s(T>san 
ughri&i (|ijib"Mm tapicns, pnb'ae Im ) ; ariiiiMi. hurltuol oder /iarlünf,k 
(paleae i'ur) ; alle dicMU iiuitieu lauleu aal verzettelte t>preu Iiiuaus: eio 
fluchtiger dieb hat sie (allen lassen. Einfacher ist das arab. nutd- 
scfterra (tracttts), nahr al madscherra (Aumen fnicttis), oder die ro- 
misclie Vorstellung ?on dem Ufeg dt-r f^o//er oder zu den >;oll''rn: 
auch irokeüiscll weu; der s.ecUn^ türk. had/i/rr j-rfi (weg der waliif). 
jeder pilgcr naeli Mecca und .Mc<litia lieifat iia<iji , bndsclii. Iiic.au 
scldiefät sich der ini nilitelaltcr üblit hu, t hrialliche iiame i amino ne 
Saittia^Oi citcmiii dü iun.i Jui^iics^ Jtuoh.s/rofsey siov. ::,i:stu A'"* 

(weg nacli Rom) von deu pilgerftibrten nach Gallizien oder Rom, die 
mm himmel luhrtea. Atta, vetrarbraut (winterweg.) Finnisch Vif 
nunrata (vogelweg), liuh. j^a/Aszaud kieUt^ vielleicht weil scelen ttsd 

geistcr in gestalt der vögel ziehen. 

*") man v^l. die jiliweieheinb' ^leictifnlls alte darstellung aus horM. 
gcgend in (i oMast Script, rer. kiicv. p. 1 — 3, wo Schwaben die stelle 
der Sachäieii eiuneJmien. den Widekind schreibt die auersberger chro- 
nik aus, ed. argeut. 1609. p. 146 — 148. Widekinds text lie*t Her- 
ttiuugfreäus and iliri/i^us'^ leb habe nach beiden andern reeeariiHMi 
das II iretiln. 



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IRMLS laLNG 215 

könig der Tliürlngcr, bctlriiiigt von Dielcrich, kÖni^ der 
Franken, rief die Sachsen znliille: sie erschienen und ("och- 
len tapfer. Irmenfricd, in seineii £;osinriuni;(Mi Avankond 
gemacht^ imterliaDdeltc iusgehclm ii'lcde mit den I'Vaukeii 
und beide Völker wollten sieb nun gegen der Sachsen 
fnrclitbarcs lieer vereinen« aber des verratlis inne -werdend 
Rainen die Sachsen zuvor, von dem alten Halhugät ange- 
fiibrty drangen in die bur^ der Thüringer und crsclihigen 
alle; die Frauken standen sHU und priesen den kriegs- 
nibm der Sachsen. Irmenfried entfloh, doch, triiglich ge« 
lockt, kehrte er in Dietcrichs lager zurück, in diesem la« 
ger vreiite 7riV/^ , Inuenlrlcds ratbgeber, durch dessen kluge 
anschlage iluu vormals grofse dienste geleistet worden waren« 
Als Irmenlricd vor Dieterich kniete, stand Irioc dabei und 
erschlug, von Dieterich gewonnen , seinen eignen herrn« 
Nach dieser tinthat verwies ihn der Frankeokünig aus sei- 
nen aimen, Iring aber sagte: 'eh ich gelie, will icli meinen 
herrn r iLlion^, zu;.; sein öchwert , erslach Dieterich, legte 
feines herrn leib über den des Franken , auf dafs der im . 
leben besiegte im lud überwiimle ; bdfinte si( Ii irrg mit 
dem Schwert (*viam ferro facicns') und entrann. *mirari 
tainen non ]U)ssuinus*, fügt \MdeUiu(l lüiizu, in tantum fa- 
mam praevaiuisse, ut Iri/iiri nomine, quem ila vocilaiit, 
laden» coeli circubis usquc in j>raescns sit jiülaUis\ oder 
nach der auers!)erger (hroiu'k: ^lamam in tantum praeva- 
hiis-e , ut lacteus cocli circuhis Iringis nomine ^ringes» 
»trd^a usque in praesens sit vocatus\ 

Zur bestiiiigung liefern ags. glgssen von Junius ge- 
«aininelt (synd). 372) Sia S^cta: Irlnges uuec\ dalicr 
fnilehni ist ^Jrlns^cs vfg'^ via secia' bei Somner imd Lye. 
in ahJ. glossen bin ich ihm nicht begegnet, Avenn nicht 
Ju uius CS aus solcheii unter die ags. geschoben hat, wie 
fast die schreibuog 'uuec' verräth« 

Im Mbclungenlicd 1285. 1965-2009 erscheinen diese 
beiden wieder, es sind die nemHchcn, aber verscliiedcn 
ßcfafsl, der liochd, recension bei Goldast venvandler *): 
Jrnyrit von Düringen und Irina von Tenemarkc, jener 
landgraf, dieser markgraf, beide dienstmanucn Etzels, das 
lied von der klage fügt hinzu, in <les reiches acht seien sie 
gefallen und narli Htnienland geflohen; worin sich eine 
8l>ur der virweisnUL! zeigt, die Dietrich Über Iring ansge- 
sprochcu. uacli diu ^cUklilcJi ilea 13 Jh. ist aber Irinc 



') wie 6CÜ0U aufgeführt ist Ueutscii. heideus. p. 117. 



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2L« 



IRMIN nUNO 



nicht ratbgeberi nooh -weniger Terriidier und mSrder Irn- 
vrits: beide sind verbundne freunde, beide eriiegen dem 
unwiderstehlichen Hagcne und Volker. 

Zu allem diesem konunt, dab die Vilk. eaga cap. 
360, während sie Irnfrieds geschweigt, Irungs letzten | 
kämpf mit Hogiii bericblet und ihn an einer Steinmauer ^ 
niedersinken lalsl , die zur eriuiiernng an den beiden bis 
liciUe 'Iriuigs vcggr' beifse. der nord. bearbcilcr \er- 
"wecIiseUe vegr (via) mit \eggr (miirus), seine deutsche 
quelle mufs geliabl haben Iri/iges pec , mit bexug auf das 
Sveg balinen' bei AVidekiiid, die auslautend^ teuuls in "wcc 
verleitete zu dorn iribum. 

Jetzt erst sind schliifse, die yvir zieben wollen, vorbe- 
reitet : die dciilsc he sage wüste von einem Jringes wec 
auf der erde und an dem himmel ^ wie die ags. von 
einer doppellen Yiiillingastra?t , oder wie der weg nach 
Horn und S. Jacob Kugleicb an das ürmament gestellt wird, 
solche vorslcUungen von i4^eg und wagen scheinen sehr 
heidnisch und verkündigen göttersngen. Der tbiiringisclie 
Itfwrit früher Irmanfrit ist füglich derselbe nüt Irma/i% 
Irmin (vgl. Sigfrit , Sigmunt , Sigi) und die Hermuninn 
— Irmanduri bangen deutlicli susammcn mit den Du^ 
ringen (Thüringern), so dafs Irman in thüringischer tra* 
dition vorzüglich bedeutsam wird« redete sie von einem 
Irmines ufec, so fügte sich a^es« 

Sie redet aber, an drei, vier stelleui von einem /m- 
^ea wec. die namen Trine und Irmin haben (aufser der 
un alten lied hier gewis vriricsamen alliteration) nichts ge* 
mein, jenem gebührt *) sie allein können sich nicht ver» 
treten haben* Entweder hat nun die sage der beiden 
freunde in einander übergegriffen und Irmines weg aiif 
Iiing übertragen , oder Iring ist für sieb selbst ein ver- 
dunkelter balb^uli, der gleich Irmin, solncn eignen weg und I 
wagen hatte, nur scheint Trmins vciohruni; tiefer begrün- 
det, wie schon das bild der Jrmansul zeigt. 

Bis hierher aufgespart habe ich einiger nordischen 
{iberlieferungeu zu erwähnen, die wenigstens auf die irdi- 
sche heldenslrafse in bezug stehen. Ks war althcrgebraclit, 
dals ein neuer künig, wenn er das reich übernahm, auf 
der grolsen heerslrafsc durch das land ziehen und dem 
Volk seine freiheilen bestalii:en niusle (RA. 237. 238.) in 
altschwed« gesetzen heilst das aber 'J^lriksgatu ridliaV \ 



*) Irlnc ist das spatere Eiriog, Eteilag, bei Aventln Eariog. golk 
wurda Irinc Eiriggs (oder Ebigg«) laateo, Innia, Aicaini^ AlraMü 



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IRMIN laiNG BUK SIT 



Erichsweg reiten. *) Schweden zSlilt eine menge von kö^ 

nigcn lies namens Erik (alln. Einkr), doch läist sich die 
sille auf keinen derselben siclicr zurück liihren und ein mytlii- 
schcr Zusammenhang mit jenem Iri/igesweg scliienc nicht 
unmöglich, zumal aiich lliksgata vorkommt, ^Yas viel- 
leicht anspielt auf Bigr , den irdisdicn namcn des guUes 
Heimdallr. diesen liilst das eddische lied \<rrl/ne wcge* 
(gi'cenar braulii) der erde ^vandeln , die verschieilncn ge- 
schlechter der menschen zu erzeugen (Sirm. 100.) Selbst 
an den zuweilen vorkommenden Erctagy Eruhtag (g. 88) 
stall Krtag (dies Martis) \vare hier zu eriiniern, und auf 
solche weise ^virklich berührung zwisclien Ir (INlars), ir- 
min und Iring herauszubringen. !Mit dem konigsnamen 
Erik nuil's sich den Schweden allerdings schon sehr frühe 
die idee eines goltes oder vergötterten verknüpft haben, 
die ifila Anskarii hat darüber eine merkwürdige sielle 
(Perlz 2, 711.) ali «m das }. 860 dem konig Oslef das 
christentliiim angemutet ward^ gab ein heidnischgesinnter 
vor, 'se in conventu deorum, qiü ipsam terram possidere 
credebantur et ab eis missum^ ut haec regi et populis nun- 
daret: ^^vos, inqnam**), no$ vobis propitios diu habuisUsy 
et terram incolattis vestri cum mu]la abundantia nostro 
adjulorio in pace et prosi^eritale longo tempore tenuislis, 
vos qüo(jue nubis sacriiicia et vola dcbila peisolvislis, gra- 
lat|iu; noI)is veslra fueruut obsequia. at nunc et sacriii- 
cia solila sul)lrahi[is et vola spontanea segnius ollerlis ***) 
et cpiod magis nobis dispHcct , aüennm deum super nos * 
iiiUü ducilis. si iuupie \os vubis ^iropilios habere vnllis, 
s.KriTicia omissa augete et vota majora persolvile, allerius 
quo^ne (U-i cullTU'am , qui contraria nobis docet, ne apud 
vos rccipialis et ejus servitio ne iulendatis. porro , si 
eliam plures dcos liabere desideratis, et nos vobis non suf« 
üclmus, jB/ricum^ quondam regem vcstnmi, nos unanimes 
m collegium nostrum asciscimuSf f ) ut sit unua de nu» 

•) noch im 15. 16 jh. galt <!er ehrwürdige brauch: *s(ntufa pro- 
vincialium generöse coiilirmavit et sijiillavit iu equitatu, qui dicitur 
Erihgata.^ diarium vazstenense ad a. 1141 (ed. IJenzel, Ups. 1721) 
p. 86. *rex Christoferus Sueciae et Daciae equitatum tecit qui dicitur 
üriksgata secnadani leges patriae', ibid. ad a. 1449. auch Gnsta? 
ItUA ritt seine Erilugata, 

*') Ar inquimuä, wie sonst inquit für Inqnhint» 
**•) was der einzelne mensch opfert (votum), gegenüber dem «"f. 
Ceotlicfi und gemeinsam dargebrachten (sarrificium), vgl. oben 8. 35. 

■f) so wird könig Häkon in die gt scllsclinft der götter aufgenom- 
Beo, Uennodr und Bragi geliea iiim cutgegea; üakoa medli 
iMidbiB godb*. (QAkooanniii.) 



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213 ERIK FIN SCOUP SCILTU 

Ttiero deorum^^. ich habe die ganze stelle, well sie vor- 
IrcHich die slimmuug der lieicliiis( hcii parlei uiul die sclioii 
\erl)reiicle hiuheit liir das heldcnlhiini atisdriiekl , hergc- 
81 hri<*l)en : die heidenpriesler dachten ihrer g.'Ulcrschaar ei- 
jK'ii Irisc hen hehlen ziizngosellcn. *) llierdnrch schciuen 
jiin^ere Kriche vom ans])riich an die Kriksgala aiisgesclilos- 
6611 ; waliTöcheinlich mischlcu &icky weuigstens bei Iicni- 
bcrt^ schon damals überlieferuDgen von einem gülüiclicn 
Erik ein. 

Auch die Danen kennen , nach ihrem alten, geliebten 
könig, einen yoldemarbi>ejy^*) >on dem ich, zur erklarung 
des wiileudcn heers, näheres anführen werde. 

Wir haben nunmehr die bei Tacitus erwälinten oder 
angedeuteten heldengütter^ Hercules, Maanus , liignio, hc- 
vio, Hermino, und was sich an sie schlofs abgehandelt 
über Caslor nnd Pollux wird es sclnvcr fallen ein siche- 
res urllieil zu lalseii , >va8 s. 39 und 8.5 geaulM-rl wunle 
kann nur eine •^ewar^lc verinulung bilden, da die guUcr- 
hehlen ßaldag und Iferemud (s. 141. 143) zwar als treue 
brüder, nicht als / ^^ iliiiiij;o erscln inen ; auf die>en naincu 
LüUc eher T\isco seinen ansprucli (^s. 204. anlianiz x\i\.) 

Zu einer grüLscren zahl guUlicher beiden luhrcn uv.^ 
sächsische, nordische, golhische slammsagen. hin und wie- 
der auch noch die epischen licder des niillclaltcrs. 

Aulser den ags, genealogien im anhang verdient Beo- 
vulf und das geJii hl vom w anderer hier besondere beacli- 
tung: es ist aulFalleud, dafs in allen keine naincu vorkom- 
men, die sich mit Irmln oder Iring verglichen« 

Nach anhang s* xu. xv stehen Finn und Folvvalda 
tinter Vodena nahen vorfahrpn , statt des Folcvalda nen- 
nen andere reihen einen andern, es niufs beiden etwas 
güllliches ankleben, schon deshalb well »ic dem niyllii- 
schen Ihu'i und Borr pleicli ;esetzt wei den (vorhin S. 
207.) Sie pehiiren dem f] ie>i>^l)en uml ^iit heischen sl.'.nnii. 

Von Si-cdjs niylhus hat sicii ein kitines, .«cluneS 
bruc]i>|il;k erhallen (anli. s. xvu. xvuO*. der schlalenJc 
j{inu;ling wird \on den Angeln, zu d("ren kiisle ihn ein ^t^lii^ 
trägt, iür ein wunder empfangen; seine gutllichc abkmill 
»cheint noch die sp.iler forlgepllanzle sage vom schwnii- 
ritler anzuzeigen, f^ie fol-il auch ohne das aus seiner \«*r- 
Wandlschaft mit Vodcn, Heremod \nn\ Sctldfa, SctJii- 
va, Svildf SkiölUr ist ahne aller Skiöidungar^ bald 

*) Datilmatin muCmsrftt nuf rfeo npsnliscben Erik (f 801.) 
**) anliqvaritfke «ttualer I, 15. 



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SCILPI GOZ SUAP WBSTFALAH PIL 219 



dens Yorfahre, bald Odliins sobn« auf ihn haben DäneUi 
auf Scedf Angeln ein uäberrecht; nach dem licde des 
Wanderers 64 \ieileicbt Langobanlen ; nach fornm« süg« 5^ 
239 niclit 80 vol Danen und Schweden als die einwobner 
Ton Schonen : er heii'st ausdrücklich Shdnunga god und 
wird auf jeden fall da vorzüglich verehrt worden sein. 
Aber auch Skelßr^ Scilfcy ahd. Sci/pi ? von dem die 
SLi/f/figar, Scilfingas^ Srilpiifigd slainmcn, schciul sich 
mil Skiüld zu bcriilacii (s. xxiv, xxv.) Odhiuii heilst 
SlHh'h/gr Sri. 24. 

Oedt ((j.uiU-, Gauls, Goz) , beiiiamc, sohii oder \ür- 
falirc \ uclciis. kann seine gÖUlichcit hl vcrlouynen. aucli 
Godifulf\ sein söhn, \on einigen mil jeiicni Folvvalda 
\erniengt, scheint nnlhisch, von Gdiifs leiten ihr Ge- 
schlcchl die (Jaiilus (Goza, Tih'to!, vgl. s. 131) d, Ii. an- 
dere als die GiUhans (Tac. Golhuncs, FdiOof) aber ihnen 
(loch zugewandt, weil eben die ^liiiächc gcncaiogie mit 
)enem Gauls obenan beginnt. 

Suäp der Schwalten , l^anclal der Vandalen slainm- 
becr, nnd manche ähnliche) sind uns verduukell ; den 
si Ii wabischen f^iUa (irav. song 43) meint schwerlich das 
Sviiiu iriuingül' im IlUd. lied 30, ffesfjd/ah^ göllli- 
cher held der Westfalen^ taucht nur in einzelnen aufüh- 
ruDgen hervor (anh. s. ix* vgl. xx. xxii.) Noch ini 10. - 
Ii jh. blühte ein berühmtes geschlecht ^er Billin ge^ BilU 
Ufige *) ; CS nnifs walir8cheinlic]i auf einen Stammvater Bil 
oder Bil Li ^urückgeleilct werden ; travellci'S song hat z. 
30 Bilii/ig veold Vernum (den Werincn, Warinen.) gc- 
fakrlich wäre, was neuere von einem sächsischen gutzcn 
Ißiel fabeln **) hierherzunehmen. 

Kci.ic andere geschichle Avoif's so viel beiden an 
gülUr zu kniijdciij Avie die nuiHlistlic nach dem fonnali 
der edda p. 15 luul Yngl. saga c. 0 liihrlc wegen sein 
allcsles küiiiiisgcsclilcchl auf Sa ni///^ r , einen söhn üd- 
hins. der ihn mit Skadhi, früher JNiürdhs gallin, erzeugle. 
Skadhi wnr lochler des iüUinn Tliin^^i, in Sigiuilharihapa 
hcilsi Si.:iirdhr Ladhajarl *ar>prnigr TIucihscl* (TJiiassi pro- 
gniie.^.) ^ Küi ni.ikssnaa , Hain. h:\2 ji. 279. 284. Ifer- 
rrMidssaga cap % lalsl Hringr von Gaiiti, tliesi n von Od- 
In /in stammen« JFroger^ ein norwegischer held^ heiiöt bei 

der erste hLstorlscIi sichere IJilliiis f 9G7 ; man iiennl Ptnon 
über liiiiidtTt jalire älteren. Wedekiiuls tiermaua herzog \ oi\ Na« hACii. 
huacb. ibiT p. 60. altii. BUluigr eiu zwerg (Sxoi. 3% mbd. 
^ Renner Inlimc eine «dielte. 

Staboer gesell. Dtankenburgs 1» 197. 



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220 GOaM WBUSUNGA WITÜGOÜWO 

Saxo p. 66 ausdrücklich ^Oi/uno patre nalus*. flun hat- 
ten die gÖUer verliehen im kainpf unüberwindlich zu 8eui| 
auber wenn ihm der geguer den ataub unter seinen fnfsen 
greifen könne, und Frotho besiegle ihn hinterlisiig. Dit 
güUliche abkunfl der ShiötdAngar und YngUngar habe 
ich sclioii verhaiulell. Ein *Danagocl!i', ein von den Dä- 
nen i^üUlich \ert'ln les we^eu (^ubeii s. 109) hiels God/iormr, 
irli vcrmulc mil Gortnr liinu gamli, Danakoniingr (fornm. 
Sog. 1, 2. 3.) ganz derselbe, und kann mir den letzten na- 
nien nur durch verkiir/un£^ des erstem erklaren ; schon 
Saxo hat (Jornio» Die aus. ^encaloüien berühren den 
slanun der Franken niilil; den ai^s. dielilern 'waren al;- 
frUidvischc sagen wol l)ekannt. wie uns Vdlse^ Valsing^ 
Sigemundi Fitela im Bcovuif cap. 13 beweisen« Yalsia* 
gas sind die altn. y ÖUüngarf ein heldcustamm , dessen 
gültlichkeit nordische quellen aufser zweifei setzen (anh. p. 
xxux und die »ttartala Sa. 364. 365. fornald. sOg. 2, 10.) 

So ist der weg gebahnt zu l&nger forlgetragnen sagen 
Ton Siegfried und den NiMungen im herzen Deutsch» 
lands* Siegfrieds ganze natür hat noch deutliche spuren 
des übermensclüichcn an sich: er wird von Kegln o, einem 
alb, erzogen, von Brunhi/t, einer walk} ric , geliebt, vott 
Gn'pir, dem weisen mann, über sein Schicksal belehrt; er 
tragt den unsichtbar maclienden heim , ist unverwundbar 
und besitzt den Nibehnigenhürt. des allen JVelsi, dci 
slaminnanicns / 1 ^e/isiingd Unhan die Jieder vergessen, aber 
andere göüerheUlen Irnvril und Iriiic slreilen noch in die 
sage, auch Hagano ^ einaui;ig wie A^ iiolan (s. 101\ im 
AValiharius 1417 spinosus (von hagan, splua) genannt, ist 
'mehr als Iieroisch\ *) 

Kin gleiclies behaupte ich von einzelnen andern bei- 
den der einheimisohen sage. Ecke und Fasolt sind zwar 
gütterhaf^y doch mehr ricscn als beiden, dagegen fallen 
ganz hierher ff^iUich und Heime^ beide mehr beiden als 
ricsen, der nord* Überlieferung fremd, der ags« und ver* 
mutticli der gotliischen bekannt. Jenen halte ich lur des 
Jornnndes Vidlgoia fVidugauja), die ahd. namensform 
scheint IVitigoatvo y den spSterer irthum in zwei hrudcr 
^yiuicll und Williehowe (h^^<^®"sage 196. 288) spaltet; 
mild. JVittege, in der Vilkinasaga Vidga^ a-s. Vud^a 
(trav. S(jng 24S. 2^)^).) der name bedeutet silvicula, 
golh. vidns, alul. wiUi, ags. vudu (lignuni, silva), und sthon 
daraus laist öicb auf cincu die grenze meuschUdier uaiur 



*) Lacbnanns kritik der sage ? oa dea Nib. p. SS. 



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WIOLANT MLMI 



221 



fibcrsclircllcnden -waldbcwolincr, einen waWgott scliUcfsen. 
frau IVdchilt, ein inerminne (eine "wasserfiau). ist seine 
alinmiiltcr, und er cntHicht zu ihr in die scc (lieldcnsage 
209. 210. Eggenlict ed. Lalsl). 198.) von seinem grofs- 
vatcr, dem riescn IV Ade (alid. Wato, nihd. Wate, Vilk, 
saga \ udi) ^vuste die allcngl. liborliofcrung noch, jetzt vcr- 
Jornes, zu erzählen, aus der Vilkinasaga -wissen wir, dal's 
Vilkiiujs mit jener nieerfrau den Vadi , dieser den Velint, 
VeUnt den Vidga zeugle. Velint^ ahd. fViolantj oiiiU. 
JVitlanty ags. Veland^ alln. Völandr ist noch um ei- 
nige grade mythischer als sein sehn: ein kunstreicher 
schmid, mit vaikyrien und schwaniungfrauen verkeliicnd, 
hernacli am fnls gelähmt und im federkleid durch die liifte 
fliegend: er darl mil Hephäst oder Vulcanus,*) vielleicht 
mit Dädalus verglichen werden, unbedenklich sind Wdle, 
Wielanty Wittich geisterhafte wesen, halbgötler des alt- 
deutschen Volksglaubens« 

^ Dies findet sich durch einen besonderen umstand be* 
stätigt. ^ Vilkinasaga^ also ein deutsches gedieht, worauf sie 
baut| fuhrt noch einen andern schmid auf, namens Mtmir^ 
bei welchem nicht nur Velint seine kunst erlernt, sondern 
auch Sigfrit (gleichfalls sclimiedclehrlins) anferzogen wird, 
den nemlichen Mime vveils die spälere diiliLiin^ von Bi- 
tcrolf gelegentlich zu nennen (IMune der alle, hcldeus. i^, 
146 — 148); ein ahd. Minii wird noch liefer in spräche und 
sage verwachsen gewesen sein ; **) für verwandt halle ich 
Memerolt (Morolt Iii.) Aber die allere nordische iiber- 
lielerung kennt ihn nicht weniger, in mehrfachem , abwei- 
cheudem Verhältnis, einmal verdiclit Saxo p. 40 einen Mini'' 
ringus 'silvaruin sntyrus*, der scliwert und i:cschniride be- 
sitzt, in den nivtliiis von Balder und Hollier, wodurch, wie 
mich d linkt, jenes vidigauja von neuem beleuchtet wird^ 
noch hoher stellt aber die edda selbst ihren Mimirs er 
hat einen brnnnen , in welchem weislieit und kluger sinn 
verbürgen liegt, jeden morgen ihn trinkend ist er der wei- 
seste, klügste mann* Odhinn kam liin z\k Mtmis brunnr 
imd begehrte einen trunk, allein nicht eher emplieng er ihn, 
bis er sein auge zum pfand setzte und in den brunnen 



*) gemahnt nicht Vilhinus^ Teliats ahne, an Vuteaima^ 

") Mhna^ Mhnikilt tiad fraucnnamen trarJ. fuld. 489. coH. Iniiresh, 
211); der echte alle name von Münster in We.st|>Iialen war AJtmigar- 
djford, Mimigernefunl (indices zu Pertz l. 2.) Mimifrard (Asegabök 

westph. Minden liiels nrsprünglich Mimidun (Perta 1, 
Menikben an der linstrut MuniUha, 



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222 MIMJ aEL\IU 

verbarg (Sium. 4* Sn. 17.) dies ist ursaclie voa OJliins 
eiDaiigii^kcil (oben 8. lOl,) \acU Vngl« saga cap. 4 sand« 
tcn die Ascn Mitnir, ihren weisesten niaou, zu den \ aucii, 
die ^ aficM liicl)eti iliui das liaiipt ab und gaben es den Äsen 
zurück. Odbiun sprach eitlen* zaubcr über das haupt, su 
dafs CS nie verweste und immer noch redete; Odhinn hielt 
gespräche mit ihm^ wenn er räths bedurfte, vgl. Yn^l. sn"« 
ca|). 7 und Sosm. 8* 105**. wen Vuluspä unter Miini9 
syuir versteht (Sscnu 8') weifs ich nicht; Mimatneidhr 
(Sscni. 109*) setzt ]\]imi (gen. Mima) voraus, der wol von 
Mimir tiuterscliteden ist. Älimir ist kein Asd, sondern ein 
erhabenes wcsen, mil dem die Asen umgelieu, dessen sie 
sich IxNÜcnen , ein inl)ei:Tjr der wtislicil, vielleicht allerer 
iiahiJmjll. .sn.ilore ralji.'iu \\iirdii;en ihn zum wahlfreist und 
klui^en srhmiil litiah. seine pfineinst liafl mil iieldeu i&i 
geeigui'l, goUlii licii st iicin aul diese zu woiTcii. 

A'utlun und llan»a, \\ itege und lieinic werden iminer 
zusammen <;enannl. I/r/mo soll ei::enl]ich 8ludas Nvie 

firiii valer (tlon aljer andere überliereiMini^en Atlelgcr. jNla- 
delgcr nennen) geheilsen , erst nach erlegung iles wnnnes 
//e/V/ia"' '•) dessen nanien angenommen habcu(Vilk« saga c. 
17.) als einen beweis fiir Heimos annäherung an eiu äl- 
teres riesen oder gut tcrgeseld echt hebe ich hervor, dals ihm 
die übcrlieieruug t^ier einbogen beilegt (heldensage 2ol)\ 
sie mcigen nicht mehr dem menschlichen beiden gerecht 
sein, sind aber keine Steigerung (hcidens. 391), in ihrem 
inregbleibcn liegt eine scliwiichung der ursage. Starkadhr, 
ein berühmter göttlicher held des Nordens, hat drei paar 
armej Thor schneidet ihm pier hände ab (Saxo gr. n* 
103) ; Hervararsaga (Rafn p. 412. 513.) legt ihm acht 
hande und das vermögen mit vier scIi wertem auf einmal 
zu fechten bei. Slelpnir, Odhius pferd, Ist mit acht läpstii 
ausgestaltet, wie Cerherus, der höllcnhund mit drei häup» 
tern, vielhäupligkcit gibt ein keiiuzeitiicu der allen rie- 



*) li^s. mimor, meomor, gemimor (tnemorlter notiis) mimerlaa 
(memoria teuere), nnd. mimeren (pfiantasiertn) brem. wb. 3, Kil. 
liier (^rie iii Memeroh) kurzer vocal , 60 muCii man die erloschene for- 
me! ir<'Hi. ansetzen: tnciiiui, maim^ mi/uum^ WOZU sichthar <la» lat. me- 
niur jjeliurt, und ^iftto/iut, vgl. Mi^uq. vielleiclit gebührt ciuigeu eigen- 
namea der vorigen anm. eia koraes i. 

**) tniT. song 248. 260. heldeomge p. 14«. 162. 244. 268. »I. 
tieimo ist son^^t {grille (Reinbart oixv) , wofilr elier <ias heatigs 
diminutiv heimchen (würmcliea?) passeo würde, so dafj lieimo or- 
sprri]i;;!irli wnrni wäre, aucb eio berühmter kerliagifldier held bicü 
J/euHu ^Keittiiart cciv.) 



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HEIMO 223 

gen, aber atith der alten güttei*. ein-thurft thHhvfüJwtlhr 

erscheint im ecldischcn Skirnislör (Snem, 85'») wie im mini, 
wahlelniirre (einen drifioiiptlgen tnrseii. IMafsm. ilcnkni. 
109.) selir mei kNN iiriliL;c' eirislimminii^ ; v^l. den sechshäitp" 
(igen riesen.^olin 8;iin. 35^ (nach der Variante), die vir/" 
hciuptige Schaar bei dem riescn (S.vm. .5(r») und ille rie- 
sin mit 900 häupLcni (8;ein. 53.) Deutsche und noidi- 
sclie göller zeigen keine solche ver\ ielfnchniii; einzelner ulic- 
der, desto heriiebiachler isl sie in shivischer, inilischer und 
mongolischer güUerlchre: 'IVii^lava (^vie der name uihl) 
wird mit drei ^ *) Svaulcvit mit vier, lUigevit mit sifbca 
häuptern dargeslellt. der iudisclie Brahma ist vierhäup» 
tig, Carüceia Shiwas söhn sechs/iäuptig und zwöljhän^ 
digf Ganesa vierhändig u. yt. auch der rümi^clie 
Janas bat zfvei , nach andern vier Jia't/pier* In iiraller 
seit mögen die deutschen gollheiieQ nicht ohne solche aus- 
ttattong gewesen sein , und Ueüues vier eüenbogen bezeu- 
gen seine abkunit; 

Diese mageren ^ brOckelhatten reste sind uns aus der 
heldensage unseres altertbums, insoweit sie mit göttersage 
tnsammenhängt, geblieben. 



*) Hankas altböhm. glofsen p. 93«: *Trihhtu^y qui habet capita 
tda capieae' vgl. oben s. 82; 



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WEISE FRAUEN 



CAP. Xn. WEISE FRAUEN. 

Das vcrlialtnis der fraiieii untl niänncr zu den göl- 
tern ist sehr vcrsclueden , und ein nalüiUcher grund da- 
von, dafs nianner berülinite gcsclilechler bilden, nnt frauen 
das geschlccht slirbl. die sinmmsage bedarf folglicli nur 
lieldeimanien ; alle königslochler verschwiuden wieder, so- 
bald sie als geinaiiUoucii genannt worden sind, eben des- 
halb erscheinen yergcitierle sühne, nicht vergötterte tucLler, 
ja aus der ehe unsierbücher mit sterblichen wurden fast 
immer söhne geboren. Den beiden, die wir im vorherge- 
henden cap. als eine mischung himmlischer und irdischer 
natur betrachtet haben , lassen sich also eigentlich keine 
Irauen zur Seite setzen. *) 

Was das geschlecht der frauen aber hier elnbüTst wird 
ihm auf anderm wege erstattet, für jene besouderheit 
einzelner heldenroUen^ die in der sage oft unwirksam un« 
tergeht) sind ihnen allgemeine ISmter mit vlelbedeullgem, 
dauerndem einflufs überwiesen, eine ganze reihe anmu- 
tiger oder furchtbarer halbgüttiuneu vermillelt den men- 
sclicn die gotlheit : ihr ansehen ist offenbar i^rulser, ilu' cul- 
tus eingreifender, als die Verehrung der hcruen. 

Auch andere mylhologicn lassen -svahrnchmen , dals 
im zweiten rang der götler weibliche >ve<5cn vorwalten, 
während der erste männlichen vorbehalten bleibt, und jeue 
gölllichen beiden nur im dritten stelin. Ich habe schon 8. 
199 die längere dauer der überliefemng von eininen göt- 
tinnen mit daraus erklärt, dafs sie bleibendere eindrücke ia 
dem gemüte des volks zuriicldiefs. 

Nichts scheint bei solchen Untersuchungen scliwerer, 
als zwischen göttinnen und halbgöttinnen zu unterscheiden, 
eines jeden gottes gemahlin mufs zugleich für wirkliche güt* 
tin gelten; allein es gibt auch unverehlichte güllinnen, «• 
b* Uel. Halbgdttin ist 9 die sich weder als gemahlin, noch 
tochter eines gottes erweisen Mst, und in abhängigem ver^ 



*) eine ausnähme werden wir bei den valkyriea aotreflea, ttot^ 
welclie ftucb kunigsloditer aufgettommeo wurdeo* 



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WEISE FRAUEN 225 

liallnis 7M liülicrcii gollhelton steht. Ein eolclier schlufs 
laufet jedoch nicht überall für imvoUstänclig crhalleno my- 
tholosien ; 03 wäre müglicb, dafs man weiljhi he wesen wie 
Uolda, Teraiita, die ich cap. X hi die zahl der göttinnen 
aufgenommeD habe, Tür blofse halbgüttinnen anzusehen 
hätte, cboii Aveil halbgöltiuDen höher stehen als halbgOt- 
ter, sind diese leichter^ jene schwieriger gegen die ciasse 
der grofscn götter ahsugrenzen. Die grenze kann sich 
endlich dadurch verrücken, dafs eiuaeine yolksstSinme 
göttliche wescn geringeren rangcs , deren cultus hei ihnen 
überhand nahm, zu höherem rang erhoben, welches frei- . 
lieh auch hei dem heldendienet , obwol seltner ^ eintre- 
ten magfc 

Geschäft Und bestimmiing der lialbgüllinncn ist nun 
im allgemeinen so zu bezeichnen, dafs sie den überca pol- 
tern die/ien^ den nienscJicn x erkundigen, 

Ks ist ein bedeutsamer zug unseres lieidentliums, dafs 
zu diesem amt fraiien und nicht manner auserlesen "wer- 
den, die jüdische inid i brislliclic ausichl bildet liier einen 
gcgensal/. : j)i ()[)helcu Avei^sn!zon , cngel , crsclicineiide Iiei- 
iigc verkündigen, und richten gultes hefelde aus; die grie- 
chischen güller bedienen sich mannliciier und weiblicher 
boten. \nch deutlicher ansieht sclieiuen nussprüche des 
Schicksals im munde der frauen grufscre heiligkeit zu er- 
langen *} und vielleicht liangt damit noch zusammen , dafs 
die spräche lügenden und laster durch (Tauen allegorisiert. 
Wenn es in der natur des menschen überhaupt gelegen 
ist, dem weiblichen geschlecht eine höhere scheu und ehr« 
lurcht zu beweisen; so war sie den deutschen Yölkem 
Ton jeher besonders eingeprägt ^s. 63.) **) 

Auf daSy was die götter fiur si<;h selbst auszurichten 
hahen^ kommt es in unserer betrachtung nur nebenbei an ; 
hauptgesichtspunct^ unter den diese Yermitrelnden wesen fal- 
len, ist gerade ihi« bestimmuog, den sterblichen menschen 
heil oder unheil, sieg oder tod auziisagen* Ihre Weisheit 



*) BOT als niunahme treten weisstt([;ende ninner auf (splmeon) 

». 1). Gnpir (5. 220) und Mtmir (s. 22 1). 

*) (Ijpse fraiicnvcrclirung cfsclicint nicht blofs in den ininnelie- 
derii, suudcrn aiicli in einer merkwürdi^rcn formel des flonlsflien rit- 
tertJinnis, wie sie Volkslieder und Iiöfisciie godiriitc cntlialten: 'diirrli 
9Üer frouwen ere\ Moroit 2B34. Kcke 129. 'durch ander maf;vt ere' 
Gudr, 48419. *darcb tUiu Parz. 136, l(i. *eret an mir elliu 

t"'/' Pars. 88, 27. *atten meiden tiiot ez z« ^ren*. Godr. 4858. 
Otfried druckt es iireni<|rstens Bejrnliv ans: *nl sft irbol^n wlbe*. V. 
TgL oben s. ise. 190 Aber den sina der worte frau und tpäh» 

15 



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226 ZISt 

crspalil . ja hio lenkt und ordnet vevneelilnngcu unseres 
echickeals, ^varnl vor gefalirea uud ralh iii zweliclliaiter 
läge: sie licifsen darum kliige^ weise frauetiy allu. sp6n 
l'onor (v^l. s[)ukr, alid. spulii; pniiiens)) Bikd« Uftsia ivif» 
Nib.- 147.5, 3. 1483, 4. 

Ich schicke nocii einen ausdnick YOräus, der nur ganz 
den eben entwickelten ginn y.w gewähren, und in seiner 
allgenieinheit Sämintlichc, heraacli uaher absuhandehide be- 
sondere wesen zu unifassen scheint. Die eigentliche be- 
deutung des altn« Yvortes dta pUir. disir war bisher ver- 
borgen geblieben; man begnügte sidi ed etwa durch uym- 
pha zu übersetzen) und unter den disir sowol nympliae 
tutelares als hosliles^ bald gütige, bald feiudliche wcseo 
anzunehmen, vgl. Sapm. 185» 195» 254'> 273*. «»n bei- 
spiel der letztem arl iielcrt die geschichle von TlfiühraDdi^ 
den disir iiinlji ru hic ii (^.Xialssnga cn|). 1^7); liie uni^lünd- 
liclie cr/aliiimo (loiiini. 2, i'.)')) lu'init sie al)er blofs 

koilur (Trauen.) späilisir (ii;, iiipliac \ .»lu iiiniiies^ ^ ölsmig. 
Faga ( a|). 19 sind nii lils anders als Avns .spdLufUir \ die 
i cdciisarl: *ecki eru allar <//.v/r ilaiular eiui' i Air?^ saga cap. 
15) Fagl ganz aiigeni»*iii : noch sind niclil alle giiluii geinter 
r.usqcslorben. (.lie du-ir -svaren aher geisteilialle liaiien. di^ 
man vt relii le, ilenen mau oi)rer In atliie : üllcr \^\ die rede 
von clisablüt. Mgiissaga cap. 44 p. 205. Vigagl. saga cap. 
C). p. 31) ; hlnla kumla <//.s7/* (dcabus tunuilalis sacriücare) 
Egibs. p. 20 7. Herjans dis (Sicm. 213*') ist nyniplia Odi- 
Iii, eine In V.iÜudl \v(dMUM)de, zu Odhins gebot stcbeude 
Jungfrau ; (//.s- Ski(ddi!knga (Srom. 169» 20'm), aus dem ge- 
sell leciit der Skiölduuge abstammende göttliche )uugfrauy 
wird sowol Sigrün als Brjnhild genannt, aber selbst 
l'ieyja heilst Vanadts (nvnipha Vanorum) Sn. 37 und 
Skadhi, eine andere göttin, öndurdis (die in holzschidien 
gehende) Sn. 28, was gleichviel ist mit öudurgtid/ts meb* 
rcre weibliche cigennamen sind mit dis zusammengesetzt: 
Thdrdfs, llicirdts, Asdts, Vrgdts, llalldh, Frejdfs. Zu die- 
ser allgenieinliett des ausdrucks scheint nun ei« erst neu- 
lich aufgefundnos g<*ili. adj. deis (callidus, ])rudens) zu 
passen, und JJcis ^vii^e niilils als femina prmicns, eine 
khige und wcijjc irau*)j die bclegslelieu sind ötiiou s. 06 
gcge])en. 

ICine andere, viel gewaglere nnilinalsiuig , dafs in den 
uanien der alid. güllia ijim eiii solches dein oder dis ver- 



^) wie alto. 600t oder snolte (femioa) zum a^i- cnotr (pradew) 
gebort 



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ALRUNE ? ^ 2» 

borgen lici^cn kcinnc 189), ]ial)e ich hier wenigstens als 
nioglith zu re« iiilerh«;cii. die rc^d der laut Verschiebung 
erfordert zwar liir goth. dei'i ein alid. tis, ansnahmsweise 
triu aber ahd. Z neben goth. D auf und eine solciie 
ausunhine tnüsle denn auch liier gestattet sein« 

Im fünften cap* ist der Zusammenhang zinrischen die- 
sen Mrahrsagerinneu und dem priestcraint gewiesen worden, 
eingegangne vertrage wurden in f^eiedas gegenwart ge- 
heiligt; sie weissagte nicht blofs, sie hatte unter dem volk 
geschäfle zu schlichten und auszuführen« Veleda mag 
meiir als eigenname, wirkliches appellaliv» und mit dem 
altn. Valaj vielleicht mit der bcuennung der valkyrien 
verwandt sein. **) 

Vor Veleda soll Aurinia in Deutscldand beriihmt 
gewesen sein (s. 64); alt mag unter den häiiden ilor 
Schreiber sich leicht in au verdcrl)! Jiabeii. und ruiia la 
niiia: gu lialleu \\\v j4liruna^ woliir IreiUch la^iuis sclioii 
AhotLuia schreiben durfte, aber tiie (dt wahrgeuoDiniene 
('iiislinnuuni; mil Jurriaiub's ist am b unverkennbar, »U'i-, 
zur ei kliit ung des ursi)ning.s tb r I Innen, von I' iJinier di'ni 
gulhiMiif n kt'nii: boricblet : 'rcpinvi iL in [)()|iiiJo sno (|uaö— 
ilaiu //Z(/j; f/.s nLiilicrcs^ cjuas ptiii io .scrinone aliuruninas 
(al. alyrnnma^. alioi iuics, abui niu as i '^''•j is ip=e co^nonu- 
iiat, easfjue hal)ejis susjun las de niedio sui prolnrbai, lon- 
gequi.' ab exerciln sno iugalas In süb'ludiiic coegit errare, 
quas siiveslres liomines, (juo« faunos ücarios vocant^ per 
eremum vagantes dum viüissent, et cariun se couipiexibus 
in coitu miscuissent, genus ]ioc ferocissitmun edidere\ mit 
-r////, ^rdna werden viel frauennamen gebildet (gramm. 2, 
517), und -rumnas statt -ruuas gesi blieben, erhielte man 
entweder allorunai das liir aljanuia (gramm. 2, 628) 
stände, otler (y = v = u) aluru/ia, das vielleicht mit alus 
(cerevisia) zusammengesetzt wäre, zu letzterem stiuimt 
der altn« frauenname (}lrun^ welcher Sasm. 133« 134 ge- 
i^de von einer weisen frau vorkommt, und unser noch 



*) protl). chi^ alid. zi\ gotli. Iinprnstrdds, nlid. Iinga>la!t, n!id. liage- 
*toIz ; altii. dv('r;rr, lalid. twcrc . nl.d. zwcr^r. iu tiii/.elficn wdrfern 
MlnvaoWt die ii<l. 

^«S» scherzefedtr (^L'iidaiik p. 31)2) und im Ilild. lieci sdieiiit umge- 
^rt cfaludua gesclirieben für cbluzuu (tindebanfe, fin<lebantur.) 

**) idi flode aucli PKaladetiiMA in den trad. corb. p. 364. §. 2t3; 
^»n wildes wtib heifst Wolfdietericli 514 *die wilde iraldin\ T35 *ditt 
ubel wall^fi in'', das sclieiiit al»fr verderbt mis Viilnndlnne. 

'**) bei dieser le«inrt fallen mir die Anruoi und Aurunci (Niebulirs 
rüm. geiicli. l, 77. H8) tin. 

15* 



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228 NORNI? WÜRT 

gaogbares alraun, das mehr die lebendige völksMigei ab 
SUere apraclidenkmiUer fortgopflaDst zuhaben scheinen: et 
hat die bedeutiing eines teuflischen (weissagenden?) gei- 
sios , uml endlich der wurzel (inandragf»ra) , aus M elcber 

iiKJi ihn scluu'idel, angenommen. Alle lUesc vcrniuhuigen, 
fio /wcHclJiali sie immer .sliul , tlurllen liier nicht g ui^ 
übergangen \venlen. ^^ir Memli u uns zu andern beiieii- 
nnngea, iiir ^Ycküe die quelle lier überilciciaiug reicher 
iUcJbt. 

Von den drei scliicksal-^L;(lll!nnen cnllj.ill die edda ei- 
nen abgesclilolsnen liefsinnigen m) tluis. sie lieilsen gonu lii- 
schafilieli nornirj einzchi aber Urdlu\ f^erdhaticli^ SkiiUL 
Ssem. 4* 8u» 18. der ansdruck nor/i (parca) Lal sich bis- 
her in keinem andern dialcct auljgcfujidcu gehurt je- 
doch oime £\reirel ecbldenUcher würzet an, und ist wie 
körn 9 horn,iK W. gebihlet^ ahd. würde man uorn, pL 
nornt gesagt haben ; auch die schwed* und dSii« s^iradie 
hat ihn verloren« In den drei eigennameu sind die for- 
men abstracter verba unmüglich zu verkennen : Urdhr ist 
aus dem pUiralablaut von verdha (vardh, urdhum) eot« 
nünnneu, Verdhafidi ist das fem. part. praes. des nem- 
liclien wörls, Stuhl das pari, praet, von skula, d. h. dem 
worL mit \velchcm die mangelnden llexionen dos fnlnrunis 
innsehriebcn ^verdcn. es ist also sehr passend das ge- 
wordne, werdende und werdensollende , oder vergangen- 
heil, gogenwarl und zuknnll bezeithnel und Jede der ihci 
par/tn in einer dieser riehlnngen aulgeslelll. zngleicli ihua 
uns die r.iiin^n dar, dafs die lehre von den nornen ur- 
Bprüuglieh unter «illen dcnlsehen Völkern eiidieimifich war« 
eine golhische Vailrths, Vairthandei, ökulds, eine alid. 
Wurt, AVerdandi| Beult n. s. w. müssen als pcrsünlicli« 
wcscri bekannt -geweaen sein, wir vermögen die Persön- 
lichkeit der ersten norn dentlicli aus alts. und ags. poe- 
slen zu beweisen, 'thiu fVurdk is at handun' heifst es 
II^L 146, 2, vrie Mdd is at hendi 92, 2: [>arze, t6d ste- 
hen so nahe, dafs sie den ihnen verfalln^ menschen mit 
der hand greifen künncii ; wir vnirden heute ebeoM 
sinnlieh sagen: ^stehen äim bevor*, ^sind vor banden'. Hbiu 
IVurlJi nAliidaS nahte sieh. ^Ifurth ina bcnani'. H^k 
66, 18. lU, 4: die lodus^üttiu nahm Ilm weg. IcWuser 



*) Nürnberg (mons noricns) hat nichts damit zn schafiTea, iitaick 
keine bciir alte stadt (in BOIiüilts regest. zuerAt no. 1G07.) 

mliH. ^er hat den I.U an der hnnt'. Rrinh. 1480. 1800. 
1480, 4. Morolt 2db. Oietr. 2d4. pf. Cliuoorät 3060. 



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« 



NORNI? WURT 229 

kfiogt der ansdntok des HUd. liedes 48 ^f4^^mirt skUiit^ 
oder vielleicht getrennt ^wl ! wart 9ktliit*| weil 'gescliclieu' 
mehr von unsinnliehen dingen ge8agt wird, desto leben- 
diger sind ags« redensarten: %e tbät Vyrd*) geväf (par- 
ca hoc mihi texuit) Conybeares illustr« p» xxiv ; ' Vyrä ofl 
neredh unfnegne eorlt thonne bis eilen dedh' (ellan tnoc. 
Hild.) Beov. 1139; •him vHs Vyrd ungemete neah, **) se 
thone gomclan metaii sccolde, succaii sAvIelionl, sundiir gc- 
(la?Ian Itf vhlfi 'licc'. IJeov. 4836; *8\a liiin Vyrd nc 
STaf fjta oi ialiim iioii urdiiiaNil, tU-crcvit) Ijcov. 5 1 -i 5 Ni;l. 
Rui'lli. ed. Ilawl. y, 151; 'callc VyrdKy^v9>\\^(^\i***^ (iälU'iil's 
die parze forl^ Ihnjv. 5024. iinsiiiidii iKT siiul die slclioii 
im Ciidm., doch licilsl Gl, 12 die f yrd 'valgrim', bdilaelil- 
iiierijz, grausam. IViclil so lalst sicli die persiitdirlie ver- 
weiKluiii; der beiden andern nanicn eisveiM ii, obiileiili der 
ilrillc Scidt , ags. Scyld als abstrades Icni. scidl, sf ^ Id. 
mit der bedeulnng von debiluni , deliclum überaus limlig 
fürt*»ebrauclil wurde. Eino einzige benennung, iiaelidem ilas 
christenüiuni die heidnische vorsleliung verdrangt lialle, gc- 
nägtc, inid bald erlosch auch sie, um neueren ausdrücken 
wie Schicksal, vcrliän'znls und abnliclien , die weil unbe- 
quemer und schwerfälliger eind, als die alten ^ einfachen 
vrörter, platz zu niachcii. Am längsten scheint die eugli« 
sehe und vorzüglich schottische niundart den ausdruck ge- 
Itegt zu haben ; bekannt sind die ^weirdsisters* in SJiak- 
speam Macbeth , die er aus Holinshed entnahm; auch in 
Douglas Virgil 80, 48 stehen sie, und der complaynt of 
Scotland (geschrieben 1548) gedenkt untpr mehrern fabel- 
haften erzahlungen der *of thp ihre pelrdsystirs* {^^7' 
dcns ausg. Edinb. 1801 p. 99); in Warners Albiona Eng- 
land (zuerst geihuckt lülfi) heifseu sie *{he weirdeh€s\ 
es suid wol die drei par/en der allen gemeint. eigen- 
thiimlicher scbciiil 'ihc n^eird hnly of t/ic u'oods\ wel- 
che um ralh beiragt, aus ihrer hüle weiösagl| in l'crc|8 
reUipies 3, 220 — 222. y) 

Selbst im Norden mufs Uvdhr bcdcuUainer als die 



•) mit D, nicht TH, obgleich Tcorthan, voarth gewliriebcn uird, 
aber der plur. niiiimt D a'i, vurdon; « ine hostitf ipang der vorgetrag- 
Uttl ableituii'^. el)euso nli»! >\ nrt, weil \v»M(laii, wuttOOl. 

**) SieAdh iKijit'iiiele iicnli . Beo*. .'>453. 

60 lese ich lur n'uraveot' der au»^abea, vgl. fordväpeu CädOL 

i) vgl.' Jamieson s. t. uwd (weerd, weard«) Chaueer gebraucht 
schon fatal mtirin sUtt weiidsysters (Troilus 8, 788. leg. of good 
vomea 8619.) 



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230 



NORM ? WUaT 



beiden andern g('\ve3cn gcin. denn der brnnnen an der 
licilii;eii e^clic lieilst nach ihr Ü rdlinrbrinuir, inid ncheu 
dem hrnnnc'ii steht der saal, aus >vehlieni die drei noiiun 
kommen; auch wird vorncmlich das ^ ürd/iar ordh' (Sicm. 
112^) genannt, und einmal ^^Immar urdhir'* (dira fala) 
ahstracl gebraiiclit. Stein. 216^'. Dicj^e drei jnngfrauen be- 
stimmen icdctn meiisdien seine lebenszeit (skapa mönniim 
aldr; skC,\^ i ardaga) 8ii. IS. Siem* IHl*, und ich habe 
schon (ilA* 750) den technischen bezug des aiisdrucks ska^ 
pa auf das riclitende, urtheilende amt der norncn darge- 
than, denen eben darum ddmr und qpidhr (Sacm. 273**) 
beigelegt Mru*d« ^nornir hcita thivr er naudh stapa^. ekSld- 
slcaparmdl p. 312*. gleichbexeichnend ^nornir visa^ Saem» 
88^y sie weisen das urlheil und sind tpeise. Jedem neu- 
gebornen kiude nahen sie, und fallen über es ihr urtheil; 
als. Helgi geboren var, lieifsl es Stern» 149; 

null var i hip, nornlr (|vamo, 
tb(rr er (Mlhllngi aldr \\m slopo : 
thann I' kIIio fylki frcrgslan vcrdbay 
uk l)udlih\nga beztan lliyrlNii. 
sncro ilntr af alli vrlüirtfidtlo. 
tliu er borgir braut t l>rahuuU: 
thocr \nn s^rciddo srullinafmOy 
ok und nidnasai midlijan fcsto. 
thocr austr ok veslr endo fu^n, 
lliar alti lofdhAugr laiul j\ niüiis 
brd nipt Nera ii nordhrvega 
einni jestL ey badh hon halda. 

in dieser merkwürdigen stelle wird ausdrücklich gesngt, 
dafs nachts in die bürg tretende nornen dem hehlon 
die sthicksalsladen dielilen mid das gcjldne seil itluilti' 
ziz dahl, dochl ; slnir nullen am liinnnel ans!)reitclen, eine 
nuin l>arg ein endo des fadens gen Osten, (He andere gen 
vrcslen, die dritte festigte gegen iiurden. diese dritte mIhI 
genannt '»eliwesler iks I\f ri\ **) aUes poMct /.n\ Indien 
dem oblliclien und m esllicliea ende des seil öuUle dem juu- 

*) vgl. njrs. vynla ^c i cajt Cäitm. 224, 6. nits. wurd/i^tsrapu (<\e- 
crota fati) HtM. 113, 7 uii'i (Ion a!ui, nusdruck scepiif^nl a (parca) nili<i 
Mlu'pJ'e (^OMoc. IIU'J) uml ,si/irj>j'cf ; der dicliter, aucli ein \ates, liiefi 
alid. scuoJ\ nlts. gcSp, aacli derselben warzeL N. Cap. 50 , 65 fiber- 
tragt pafca durch brievara (die anf^chreibende ?) Das ag». wort nteh 
fen stelle icli zusammen mit meivd (si hopTcr) oben s. 15. im Boetli. 
p. 101 (Hawlinsun) Uelüt es iiacli der %'ftriaiite: *tliA gramao melttnu\ 
die grausfunon pnr/on. 

vgl. *m^;/ I^aru Kgilwaga p. 440. 



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NORM? 2ai 

gen heUlcu zufallen; llial die ilrllle noru dieser gäbe eiu- 
trng indem öic eiu ewighalleudeö boud gegen norden 
luix \varf ? 

Das selioiiit gcratlo clinracforislisi Ii iii nurncri und feen- 
sagcn , duls was vurausücliciule bcii.tljungen günstiges ver- 
heilst!) , durch eine nachi'oigcude ißiun üicü wieder verei-^ 
leit wird. 

Noruage4l8€aga cap. 1 1 LcilHt es : im laod fuliren ^i^oU 
vur*y die man ^npcikomn '^ uanute, itmlior, die vrcisdagten 
den ntenscben ibr ge&cbick (^<pudliu niünnuin aldr' oder 
'örlug*.) die leulc eutboten sie zu sich ins baus, bewirte« 
ten und beschenkten sie. Jlinst kamen sie auch zu Nor- 
nagests vater, das kind lag in der wiege, über ihm brann- 
ten zwei kerzen» uachdein die zwei ersten weiber es be» 
gabt und ihm glückseligkeit vor andern seines gcschlechts 
Tersichcrt hatten, erhob sieh zornig die dritte oder jüngslo 
norn ('bin yngsta nornin) und Hef: 'ich schaflo, ilaTs das 
kind nicht länger leben soll» als die neben ihm angoziindete 
kcrze brennt'! schnell grif die älteste vah^a nach der 
kerze , lüselilc und gab bie der nuiUer vcraiahncnd, 
8ic ^lidit olirr "NvicdtM- anzuslcekcn, als an des kindes 
Iclzloni h'ijcüslag, woli lies davon den nanicn Nornengnst 
enijjfieng. liier ist i'u/ra, spdLuna und norn vollkonunen 
di u hbcdeiilig ; den beiden ersten nornen wird wolwolleiido, 
lier driltcMi iil>lc ge.siniiuiig zni:;es( In ieben. di(\^o drille, 
folglich SL'iihl 9 heilst Hlie jimiisie', sie wurden also 
Vüu verschiedncm alter ^ und Urdhr als alterte ange* 
■ommcu. 

Die cdda lehrt ausdrücklich , dafs es gute und böse 
(gudhar ok iilar), und, obgleich sie ihrer nur drei nam- 
haft macht, noch mehrere gebe: einige nornen stammen 
?on den gOltern , andere von den elben, andere von den 
Zwergen* Sn. IH. 19. S<em« 1Ö7* 188« 

Man sieht es, in dieser ganzen Vorstellung sind sacho 
imd personen genau getrennt, das Schicksal selbst keifst 
örlög oder auch naudhr (necessitas) aldr (aevum); die 
Dornen haben es zu verwalten, zu erspiUien, zu verhängen 
und auszust^rechen» Den übrigen dialecten wohnte auch 
hier der neniUche aüsdruck bei: ahd. wr/rtc, ags. orla'g^ 
mild, urlouc (gramm. 2, 7. 87, 780. 790) alts, orlag^ or* 
legi, aldarlaga (liel. 103, 8. 113, 11- 125, 15) und 



') nller wnlirsclioinlu hkciJ nacli von logaii (coiistituert) , wie nji-». 
In;ie, altn. Oeit), al«o urgcäetz; die formeu urlouc uutl urliujjti 
siod verfttUclit. 



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232 



NORM? (FATAE) 



erst liachJcm jnaii die licidiilsclicn götlinncu aiisceslofscn 
halte, \cr\viiTlcu feicli die ^vü^lboi:^il^c , das pci^üiiliche 
ivurt^ ivurdhy vytd Heng an in diu bedeuluug von uvUm 
Überzuj^elion. 

"N'N ic uorn zu vrlll^^ verhalt sicli parva zu fatum 
(von fari, gleich icnciii (jvidlir von qvfdlia), ulou, fiolqa 
zu avuyo; (nnndhr) o*icr f:tfia()fiivt;» als aber die par- 
cae in der ciubildung des volks versoUwundou waren, bü* 
dete die romauischo spräche (uacli einem umgekel:rtcn her» » 
gang, als dem eben bei uns nacligewiesnen) aus dem sacli- 
lichen worl ehi neues persönliches , aus Ja tum ein itaL 
fata^ Span, hada^ franz. fee, *^ ich weil» nickt, ob TOm 
celtiscben glauben nacJiballende weibliche wesen, oder ein* 
virirang germanischer nornen dazu nütliiglen* diese feeo, 
urspniagUdi von Verkündigung dc& Schicksals benannt, sind « 
aber bald überhaupt geisterhafie frauen geworden und das 
altn. völvur oder dtsir vrürde ihnen entsprechen. -wie 
sehr frülie die beneunung in Italien gangbar "war, bezeugt 
Procop, der (de hello goth, 1, 25. ed. bonn. 2, 122) eines 
römischen hauses gedenkt, welches ru rola (fära liiels, mii 
der bemerkung : ovtio yicQ Pa/aifoi jus jttoi^us rij o/iiAuat 
7tu?Mr. ***) damals also noch neulruin. 

Von (IcMi r.jinauisclicii iwii ^( hl eine niciii^e sagen, die 
mit dem dciilschoii volksi^lanben zii^ammentreflen. tre fate 
^vollüen unten in einer lelsenstlildLhi und begaben In'nab- 
steigende kindcr (pcntam. 3, IfX); fate erstheinen bei neu- 
gebornen , und lc'i;cn sie au ihre bnist (penlani. 5, 5); es 
gibt sieben feen im land , man Ijiltcl sie zu pallien und 
bereitet ihnen elirensit/.c am ti*:cli : als sclion secbse platz 
geuouimen halten, war die 8ichcnic vergessen worden, die 
nun ersdieint, und wahrend jene günstig begaben , ihre 
Verwünschung murmelt fta belle au bois dormant)^ im deut« 
sehen kindermärchen (Üornrüschen) sind es zwölf" weise 
frauefij die dreizehnte hatte man übeirsehen. Bei Bur- 



•) vgl, nntn, nre; amnt«, aimee; lata, h'e. eiiiinfC mild, dichter 
sagen Jcie (Uartni. Wolfr ), andere feine (Gotfr. Cour.) 

•*) nitfranz. diclituiigtn ju iiuoii sie, aiifiier fee.s, auch duesses (Ma- 
rie de Fr. 2, 385) due&ses ^Meoa 4, 158. Iö5); jmitlcs bien eurees 
(M^n 3, 418) franchea pucelös senies (3, 4 t 9); sapaude* 
fraueil, von sapere?) Blaria de Fr. S, 885, allen wird bezaubernde 
Kchrinheit zugeicbriebeo i ^as bela qne fada,* Feiabcas 2767« vgL 
Troj. 16434. 

•**) liienmcli leite ich nicht von r/nri^ C'^'^n^) o(]er tpaio^, ob- 

»i hou Int. verhiiiii seihet mit yj//4i verwandt iüt) vgl. Ducange f. Tt 
Fadufl uud Lübecks A^iau|«h. blü. 



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NORM? 233 

cliaril licifscii sie noch drei Schwestern oder parzen, de- 
Dc» im hause der tisch mit drei tellern und drei jnessern 
gedeckt wird (anhaug p. xx\\m)*\gl. das ^praeparare men- 
sas ciun lapidibus vel epulis iu domo' (p. xxxv. xxxvi.) 
la den meisteii erzäl^ungen erscheinen drei iecu, w ie drei 
nomen oder drei parzen; einigemal sieben und dreiz€hn\ 
aber auch einzeln, gleich jener weirdlady of thc wood, 
tmd mit besondern eigennamcn treten sie auf. ^) Niemals 
begegnet« so viel ich wcifs, in romanischen oder deutschen 
▼olkssageB die nordische Vorstellung von dem drehen und 
feetigen des noch die griechische von dem spinnen 

und abschneiden des lebenafadene. nur ein dichter des 
mittdahers, Marner, hat sie 2, 173^ : 

zw6 schepfer jldhten mir ein aeil 

du bi diu dritte saz 

diu zcbrachz: daz was nun imliciL 

ob er sich dabei auf einheimische Überlieferung oder auf 
die antike ansieht gründet? Nach Ottocar "wird von den 
avhepfen alles gelingen, in gutem und bösem, auferlegt. 

vergleicht man den nordischen und gricchisclien my- 
^US; 80 ist ieder in unu1)bangiger eigen tbiimlichkcit geslal» 
tet KXw d'ii, AayBö(Sf''ATQ07fqgf die drei /foipai , haben 
in den namen nichts gemein mit TJrdhr, Yerdhandi, Sktild ; 
sie sind Schwestern, der nacht tüchter. Clotho , wiederum . 
die älteste, spinnt (von ftXfiäwy ich spiuuc; ZAvirne), La- 
chesis loost, entscheidet (von XaTeiv), Atropos, die iinab- 
"V^eadbarc, schneidet den faden. * ) jene idce von Vergan- 
genheit, gegen wart, Zukunft bleibt nnberiilirl; auch die des 
eiiKspruclis der drillen gülliri sclieint zu mangeln, merk— 
Aviinli^e iiluilichkcit mit Noniai;r-l8?aga bat eine von ^le- 
Icager, bei dessen geljurt die iHc»ieii weissagen; Alr()jK)S 
beslintml ihm so lange zu leben, als das auf dem beeide 
brennende sclieit nicht verhrannt sei. Allhaea , seine mut- 
ier, zieht es aus dem feucr. Spätere denlsche niiir- 
rhen verwandehi luer norneii oder par/.en in den fod 
(lvin(k'rm. iio. 44.) eiji anderes von (hMi drcr spi/iNc- 
riiuien (no. 14) scliildert sie als liäislicbe alte weiher, und 
kennt ihre lullreiche, nicht mehr ihre weissagende erscliei- 

♦) 1a fafa Im Gucrino mescliino p. m. 223. 234 — 238; fata 
Morgaiia, Morghe la Jt a (nouv. Benart 481 o) ; diu fnmwe ile ia 
Tusche hise (vom tcbwarzen feinen), die gesach nieman, er schiede 
ÖUI vro, riclie onde wisc. Heii. 144. 

**) Hesiod sciiild des Herc* 8&4. vgl« Uttm. Iiyma. in Merc 650. 
***) Apoliodor i. 8^ 8. 



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SM NOENI? 



mitig, amlcrwarts weissagen drei alte is^eiher, olme dafs 
feie spinnen. *) eine volkssagc **) fiilirt zfPei jttni^ f rauen 
in einer l)eri:lK»lile spinnend ein, nnler ihrem lij-ch i>l (!er 
böse firh denke die drille jiurn) fcslgclninden *, >\ ieiU riiiii 
^vi^ll \on dem Iinnfbauni erzählt, auf dem zn milleiiiachl 
eine spinnende Iran sil/U \irht zu öhersidieri isl 

der eine wehe/nie aom bezcidiucude ags. ausdruck 'V^rd 
ge^dr (s. 220.) 

8nxo grainm. p. 102 bedient des lat. au^^dnuks 

parva und /rynip/utj schihLul aber- unverkennbar nonieii: 
'mos erat auliquis super iuluris iiberurum evenlibns par- 
varam oracuki eonsultare. quo riUi Fridicvu^ Olavi lilii 
fortunam exploralupus, nuncnpniis solenoiler votis, deonim 
acdes [nccabundus accedit, ubi introspccto sactllo y) /er- 
nan 8edes lulidem nympln' - ( upari cognosciU cpifirupi 
prima indulgenii( ris nnimi liberalem puero formaui, ube- 
rcmque liumani favoris eopiam erogabat« eidem sevunda 
beucficii loco liheralitatU exccUentiam condonavit, tertia 
vepo ppotorvioris iugenii invideotioriscjue sfudii femina so» 
roruni indiilgentiorem aspernata conseDSum, ideoque carum 
donU ofßcere ciipiens^ fu Iuris pueri moribus parstmoniae 
crimen aflixit'. hier heifseii sie scliweslem, wie ich iu 
ahn. quellen sonst nicht gefunden habe 9 und die- dritte 
nympbc ist >viedernm die büsgesinnle, das geschenk der 
l)eideu ersten verringernde. ab\vei< lioud ist nur. dals die 
nornen niihl dem neuaebornen r.alicn, sondern der valcr 
ihre Avolinung, ihren lenqud aulöuchl. y-f) 

]ii--luM' hai)e irh die >v('lsen fi'aueii des allcrllivnns iww 
als lenkerinnen niens( hlirhi r srhii ksale, als urlheilemle 
nornon ahi'oliandell, luul f^chrci'.e nun z»! einem andern ih- 
rer imiler lorl: ^ie stehen tler s( lda( lil \ov, i«ic vveiss.iücii 
und ])ringen den kampfcrn .«^ieg oder verderben. Schon 
Jnl. Caesar (de bello gall. 5U) berichtet die grrmanisrhe 
siltc : *ul matreslaniilias corum sortibns et vaticinut io- 
nibus dcclararciity utrum px*oelium conmütli es. usu esset» 



•) Aw. 1. lor. 108. 101). lio. 

*•) deutsrlic «sagen no. i». 

Jiil. Schmidt Reiclienfels p. 140. 
i) sie hatteo also einen iempel^ in dem man ihr Orakel befra^fte. 

^) die Slaven haben keine Vorstellung von srliirl%^Hlsg6(ün- 

nen. die lettisdie Laima legt dem tvind liei <ler geburt (in 8 laken un- 
ter onri ordnet sein {i[lü< k. aucli ht'i andern aidassen dt"? I<>l»»'ns hf iM 
es: *so liat es Jjaima gt'iVi^^t'. sie Inult harnils ilher <li<- I rrge. dtti- 
• y.ald der parzen, und tadenspinncn i.ol den f.etten uiihelvaiuit« vgl. 
Steiiders gramm. p. 264. lUiesas daiiius p. 2i2. 309. 31U. 



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WALACauaiUN? 235 

nec ne\ liaiisfraneii [)llagcii der AveLssagiiDg, vielleicht be- 
ßoiidcrs dazti cr>vüliiie fraueu^ von iioiierem^ göttlichen an« 
f^ien wie Yeiefla t* 

Man entsinne sich, welchen göttorn hauptsäcididi nn 
dem ausgang des kampls j-eloficn war: Odhinn und Frey ja 
zogen alle in der srhlacUt gefallenen an sich, Odhinn nahm 
«ie in seine hininilisciic wohnnng auf (s. 95. 194.} diese 
hofoung, nach dem tod gotlliclier gcmeinschafl thcilhanig 
zu werden, durchdrang den glauben der Heiden. 

altn. valr , ags. väl^ ahd. wal bedeutet niederlage der 
leidien auf dem Schlachtfeld, inbegrif der erschlagenen: den 
val in empfang nehmen, holen nannte man kiosa^ kie- 
sen, überhaupt scheint dies verbum technisch zu stehen von 
der annähme jedes einem höheren wesen geschehncn Op- 
fers. *) dem Odiiinn dienen aber in \ alluill iunslraiien, 
und sie entsendet er in jede Schlacht , um die erstlilagneu 
zu kiese u. Sn. iiO, 

Hiervon heilst eine solche halbgüüliclie Jungfrau val- 
lyrja, und es ist wieder eine der erwiinsclileslen uiiislim- 
inungen, dals die a^s. f^pi acUe den t^leit lien ansdi uck ivV/- 
rjr/r (valcyrge, valcyritO zur verdeuL'sc Imna Inl. ^viirlor wie 
bellona , eriiiin\«, AltM fo, 'rislplione bcihcliallon bat, ja lür 
parca und \euelica vcrwcnilct. ganz siclior folgere ich ein 
ahd. walachurid iy(iAaji\xurx^)\ vaiakusjo wäre die golh, 
form. 

Gleicld)edeutend mit valhyrjur ist das altn« valmty^^ 
jar (s( IdacbiniUdciien), vielleicht das heutige norw. (^a/</ö^er, 
4iacb Hailager 140^ scbutzgeist« noch werden sie* genannt 
^hialdnieyjar^ hialmmeyjar^ weil sie gerüstet unter scliüd 
und heim ausziehen (vera und hialmij Snem* 151* 192^); 
nonnor Herjane (Sicm. 4**.) ***) 

auch dskniryjar (wunschmädchen), Sa^m. Völs. 
saga ca[). 2« ich denke, weniger in bezug auf ihr kriege- 
risches wesen, als weil sie in Odhins diensten stehen, und 
Odhinn Oshif fVunsc heifst. Hierzu tritt noch et\('as an- 
deres, das ich schon s. 99. 100 hätte sollen anmerken, eine 
bestaiigung meiner ansieht^, dafs Wuotau den namen IV unsc 



*) Iiaupt^telle Sa-m. 141». 

**) von rr.-lr, wal j;ell)>t kf"nnte die würz« ! in veija , vnljan (cli- 
perc) ^rst'rfit werden, so dnls es an »icli srlion «ton hc^rrii* von ufili- 
len UfKi kiesen « lUlialli-n li.-itte , (it»r auf die sliages anf^ewandl, v.wA 
Spater verdnakeit, durcli eia anderes verbum noclminls niisgediückt 
Worden wSre? 

***) Mit Odiilan fahren Frigg, die vatfyrjur and die nit*en im 
wagen. Sn. 66, 



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* 

23e 



WALACULRIÜiN / 



führte, lieyt ia t^t inrr idcnlilnt mit Mcrcur , ilcnii AToi cur 
tr;)gl ilcu zaiiljcrslab (cadnccus), der sich ilor nHfrisrlit Irulhe^ 
ahd. ivitnsci ligerta vergleicht, aus einer naheieu helrach- 
tuug beider 8lal)e, die ich später anstellen >verde, soll sieh 
dies« analogie bestiininler ergeben: sind aber ^^ tiotan und 
fi^unsi'f Odhinn und Oski zusammen fallendi so läf^t sieh 
■vermuten, dafs der dorn oder sihlafdorn, welchen Odbin 
in das kleid der yalkyrja Bryuluidr steckte (Sieim 192*), 
wieder ein wunschdorn war ? 

In ValiiöU hatten die dahneyjar oder välhyrjur das 
geschäfty göttem und einherien das trtnkhorn zu reichen 
und den tisch zu versorgen. Hieraus ergibt sich ilir beson- 
deres Verhältnis zu Frey ja j die gleich ihnen Sral kieset', 
yaljreyja heifst (s, 194) *), und gleich ihnen, beim gc- 
lag der Asen (at gUdi Asa) einschenkt. Sn. 108. 

Bedeutsamer ist ihr amt im kHeg. nicht nur das 
*kio8a val', 'kiosa feigdh', auch das *radha viguin^ oder 'si- 
gri', also ein ausschlaggeben über kämpf und sieg wird in 
ihre band iielciil. Sn. 39. sie heilsen *u{»i\ar al iidlia 
grund\ gürvar at rMha til godblhiodbnr'. Siein. 4^'. Jn ili- 
i'eni v escn isl unNvidcrslehlii lie .s( /i//.su( /it nadi iliescm 
krie^ei isclien sescbiiri bei;riiiulel : dalier in der eil !a ihre 
eii'enlh(milirli>ti» IciileDsclKifl ausiiedriiilvt ^vird vlunh das 
vei'bum Mliia' (desideranl) 8ieni. *SS'^ 'lliradho* (^desldera- 
banl) oder 'lysloz' (euj»i(.'])anl SaMii. l.i*;*. **) Gewülin- 
Jich reilen neun valkyrjur znsanunen aus '8iem. 14Ü. 
ibre lanzen, heüiic und schibler gliinzen (^SaMii. 151*), ibre 
pferde schütleln sich und thau luüt zur erde (Sa^ni. 145./ 
diese neun&akl ist auch in der sage von Tliidbraiidi (s. 
22ö)y dem erst neun disir ijn weifsem, dann neun andere 
in schwarzem gewand ersclieincn. 8(em. 44. 4.5, und dar- 
aus Sn. 39 AVerden ibror ilrci^.din ü<Miainit: Ilrist^ 

akeggöld,Sk6guly Hildr^ ThrtkiUr.Hiöck, HerJiötr.GöUj 



*) auch in eiuem iardisdiea lied Vulfrygv (Fioa Maga« 
p, 805.) 

*•) (iie cmpfini^uohine der scelen im aii^ieublii k dos stcrl»rns dnnli 
Odliinii uutl Freyja, oiicr dureii buUu die valkvricii, Miiciui mir ein 
SO tiefgewursclter zog noseres hcidenthums, d»ftf maa ihn wol noch 

ia chri<t)ic|ien traditionen wiederftoden darf, dahin gehört der streit, 

den en^cl und teußl um die .scele nnhebeo, wie er in der von Srluii«?!- 
ler aufgefuiidnen (ii< lituii^' Mnspilli , iieor«: 12:i.'>. 1244. G0H2 — 86 uii-i 
Meon 1, 21^1). 4, IM. 115 ges.t!nMiit wii.l; line nierkwürdijie slc'lle 
nu!* Morolt ui-rde icli rnp. xiii ;tii;^ebt'U. will man iluse Vorstellung 
BUä der euiülci Jud«iu i> uder dt;iu apocrvpliiocheu über KuocIj her- 
Iciteat 



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WALACHUBIUN? Hn4TIA KüNDIA DRLD 237 



Cfiro*6a7*(nl.Geirülul) RandgrWu RcklgHilh, Rpi^in^ 
hij; Srem, 4b abor mxvsrrhs: Skuhl, Skögiil, Gur/nr, ///A/r, 
Göndul, GcirskögiiL *) ilio prosn Sii. .^9 hebt f//>/, 
als eigciUlirli w.nlkicsende, sie^^beliem Iiende brrvor: Giidl r 
Rota uiul Skuicl, 'norii cn yniz/-t,V. das beriibiiilc Schlad; t- 
webdit il clor Maiss.-.na iiemit' lullende : ///A/r, Iliorthri^ 
miil, Sa//grid/i r [ \. Vuin-vU\hr\ Si^ipul, Gunnr, Görnhil; 
Ilakonaniial: GunJo/ , Siögol, Geirshugol; KrÄkuiiiM 
(ed. llaiji p. 12 ij Jllöih und Hildr. Unter diesen «a- 
meii haben eioige Schoo jeUl für unsere untersucbung rais- 
seiordenthqhen wertU, und keiner der übrigen vird bei 
fortgesetzter forsdmog aiis deb äugen zu lassen sein. 

Einmal Sin/d; es geht daraus die gemeinscbaft der 
nonien und valk>Tien, zugleich aber ihre verschiedeuheit 
herror. eine dis kann beides^ norn und yalkj-rja sein, die 
Terrichtungen sind gesondert , f^ewöhnlich auch die perso- 
nen« Die nomen haben das laUnn auszusprechen, sie sit- 
sen auf ihren stuhlen oder sie erscbeinon unter den slorb- 
liehen und fesli^^eu ihre laden, niemals heilst es, dals sie 
reiten. Die valkyrion aber reiten in den krieg, bringen 
des kanipfs enlscbeidun«; und gelciicn die ^eiallenen gen 
liuiunel. ßlüls Shi/d, die juf/gstr riurn (vgl. s. 231) kann 
aiuh valkyrja sein: darbic man sich lirdlir und Verdhandi 
.'ll/.ubeiahri, oder all/anvürdig fiir die arbeit des kriegs? 
i'iui langte das schneiden, abbrechen des fadens (wenn sich 
•liese idec im jNorden beweisen läÄt) mehr für die waf- 
feogeii!)ic jungfrau? 

Gunnr^ l'hrddhr sind deshaJb genauer zu 
l)oira( Ilten, weil ihre Persönlichkeit auch noch in andern 
deuischen sj)rachen durchbricht, also das dasein einzekier 
walacliurien das ihrer ganzen gesellscbaflt aufser zweifel 
»erzt. schon das alln. Hildr und Gannr (= Gudlir) ab- 
strahieren sich in hildr und gunnr (pugna, proclium;; 
»US beliona wird belhim« umgekehrt steht neben dem acs. 
ndd und giUlk noch ein pej süjdiches Hild und Gudh : 
gif mec Hi/d n\nic\ Jicov. 891). 20H2; ^Gtidh nimedh' 
Beov. 5069; wie sonst 'gif jnec deadh nimedh' Deov. 889 
oder *8vylt fornani' Beov. 2872 oder wie (oben s. 229) 
f yrd forsveop'; vgl. 'Jli/de grap' 13eov. 5009. Die aluU 
forjiKH lauteten //////« und Gundla (Gudea), beide bie- 
l«*». froilich schon in abslracter bedeutung, das Hild* lied 
^- ^Oj zusanuncngeseUte elgennamen haben -liilt, -gunt. 

*) ung«dnickte steltctt der sUda liefern 39 oder 30 namen (Fion 
l«Ä. p. 808.) 



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WALACIIüRlüiN? 



die sngc von Jlildr ^ die iiac lil - «nif ilcn wal gelil iiml 
diircli iiireii zaiibcr die «cdailneii wieder ins leben 
•Nveekl. lial sieh in der edda (Sn. H)4. Ifi5^( \ind in der 
nitd. diclilung voji (iiulrun cj liahcn, >\ u sie //i/i/i. hci\>\.') 
'J'/irud/ir endlieli, das wicdeiuni zum appellaliv thrudlir 
(virgo) >vird, mnl in vielen alid, fi aucniianien voi konunt 
(z. 1). Alpdriid, ^^ üleliandrud, lliniildrud, Kerdriid, _Miiru- 
dr!\d, Sigidrud, die leicht an geiötcrbafte wesen gcmahnenji 
hat die aligemeine hedeulnng von lio\e, znuberin, iinlioldc 
angCDoninien, **) sollte nichl bei Vinlb'r (auh, 8. Liii) liir 
tevvtc trtvte zu leften sein? Hans Sachs hat melunials 
*altc trtite^ f. hexe, und mit den >v orten: 'schweig, die 
(h at kommt !' stillt man lerniendc kinder« so dat's sie 
hier ganz frau lioUa oder Bertha ($. 166. 169) Tertritt imd 
desto füglichcr die alle valkyrie sein kann. 

Auf'ser den angerührten valkyrien mnfs es aber man- 
che audei'c g<*gcben haben, und die £\reite abthcUung der 
Stemundarcdda nennt einige als geliebte und gemahlinnen 
edler beiden, so sind Sfava^ Kära, Sigrun, Sli^rdrija^ 
und heifsen ausdrücklich valkyrien (Smnu 142l> 145^ 157. 
1G9. 194) Kiiglcicli erhellt, (lals sie menschlicher abkiinft 
lind künii;st()chler waren, iSvava des l.\Jimi, MLiraii des 
Högni, Kaja des llalldan, ^iiiidrifa ries fhidli; SsaNa lieble 
den IIel:ii llicirs ard-s<din .Si:;run den fle!i?j lluiulinii^bani. 
Kura den llelai lladtlinuaskndhi, 8ii;idi iia oder mit andenii 
namen Brynluldr den* 8iü;nrdbr. iiireii litblinbcT Fi \er- 
lielien sie sieg und schütz im kampl ('Sigriui hlilUlii lio- 
iioni opt sidhaii i orrostoin'. Sicni. 14U''.) auch jene iiiiur 
w ar königs Ilögni (^llagene) tocliler, inid liedhins verlobte. 
Odhinn nahm also in seine valkyrienschaar sterbliche 
jungfraucn aus königlichem gesclilechl auf: vergötterte 
frauen den vergötterten beiden zur scite sh^ f td; doch 
glaube ich nicht, dafs alle valkyrien dieser hcrkunlt wa^ 
Ten, sondern die 'ältesten und berülinitesten , gleich den 
nornen, von güttern und elben slanmitcn. Bemerkens* 
-Werth ist auch, dafs Rdra und ihr Ilelgi für eine wieder^ 
gehurt der Svava und des älteren Helgi angeschen wiir- 
den, (Sicm. 148^« 169.) In Völimdarcivldha erscheinen 
drei andere valky rien nebeneinauder: Hladhgudhr svwi» 



0 deotidie beldensage p. 327 ff. was bedeatet 'lUhle scHnee ia 
der volks&age vun Hilde^litini ? ('leatsclie sagea no. 456.) etwa |ilüU- 
hclier scIineeV (brem. wh. 2, 031.) 

") <ic>rdrut, Cicnlraiit halten einige für einen imcUrifitUdiea aameo. 
Flöget ge«clj. de» groi«6ke koui. 23. 



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WALACUURILIN ? SK 

//<•//, Jfcrvur olvitr und Olnhi *), die licldou crskMi tiltli- 
tcr kömg Löillivcrr, die dritte Kiars : 8»e verbanden sich mit 
Öiagiidiir, Voluodr und J i^illi lebten sieben jähre bei ih* 
Beo und eutllolieD dann, ^at \iUa Yi^a'^ um ihr altes kriegs* 
gewerbe ^vieder zu treiben, liberhaupt, scheint es, schlug 
die Verbindung dieser liaibgöttinnen mit holden für beide 
theiie unchlheilig aus; die beiden fanden einen frühen tod 
oder anderes vnbeil: YicUeicht darf angcnominen werden, 
dafs die erbebung sur valkyrie unter der bedingung des 
jungJräiUichen atamlea crfolgteA **) wenigstens als Od- 
kinn auf Sigrdi^fa zürnte « die seinen scliüizling im kanipf 
batte unterliegen lassen,**^) bestimmte ^r^ dafft sie uiin 
vermSklt werden sollte (<ivad liana giptaz scyldo) $;rni. 
194*. Hladbgudlir, Hervör und Olrün waren von den 
mannem »lit gevralt und wider ilircn willen ciitiührl 
worden. 

A\ ie wenig mau riornen und valkjrien völlig von 
einander Ireiuien darf, lehrt auch die sage dieser drei Ict/.l- 
jionamilen jun^Ii aiu'ii. zu geschweigen, dals liervör den 
hcinaiiieii alvitr (onuiisria) liihrl, der sich mehr für eine 
norn . als für eine valk\ ria schickt , heilst es von nlhMi 
dals sie am- seeslJand srilscu und kostlichen y/«f //5 
fipamien ^ ja von derselben nhilr, die wicderholenllich 
^//Nira\ wie Skuld in andern stellen genannt ist, dals sie 
*or/(>> (/rfgja\ Schicksal ti*eibcu wollte (Sjcm. 133* 134\) 
Auch die entscheidung in der sch lacht ist ein theil des 
sdiidxs.ils, wie das ahd. urlouc (fatuni) im nihd. nrlitige 
die bedentung von bellum annin uii (gramm. 29 790.) Un- 
streitig dachte man sich nicht bhjfs die nornen spinnend 
nnd webend^ sondern auch die valk3rrien. dies wird durch 
dte furchtbarerhabene dlchtung im 158 cap. der Nialssaga 
am sichersten eriäutert. Dürrudlir sieht durch einen fei- 
senspalt singende frauen an einem getvebe sitzen , wobei 
ihnen menschenhäUpter jKtim gewicht; dältue zum garn und 



^ über diesen nsmen, der fre&ieh nie altn. appetlstiv ist, s. W 
**) Pompoa Mela 3« ft: ^oracuH numinis gallici antistites perpe^ 

tua t'tf^initate saoctac nuinero nuretn eue traduutur. gallicenas vo- 
cant, |iutantque ingcniis siiijruljiribiis praeditns maria ac ventos eoocl-* 
tare, se*|ue in qiiac vrlint anlniaüa vcrtere, sannrp (june npiid nlios ia« 
f«;)nnl>ilia Mint, sii/c ruihnc et praaluorc sed \\o\\ Iiis! iie(!itaä linvi- 
(rantibti« et iu id tantum, ut sc cuiisulerint, proftictas'. Die äliiilichkcit 
dieser nenn walirMgeuden gailicenae ist ooverkeuubar. einige lesen 
Galli C^na«, vgl. Tzachudce not crit. p. 159—163. 

**0 tnerkwQrdig, gegen Odiiins willen, der also Umgangen werden 
konnte, das sducksal stand fiber dem gott. 



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240 WALACHÜRIüNt 

wUt, Schwerter zur spule, j)feile zum knmm dienen: iu 
ihrem schauerlicheu gesaug hezeicluicn sie sich selbst aU 
valkyrieri^ ihr gewe])e als das des zuscliauentlcn Dür- 
rudhr. *) zuletzt zerrcifsen sie ilne arbeil, bcsleigcn ihre 
pFerde, und sechs rollen gen siulen, sechs gen norden. 
Hierzu halle man die irche/u/e Vyrd des ags. diclilers 
(s. 229.) Die lluilimg der jiiimrraueu in zwei nach ver- 
schiedncr seile reitende hauleii dun liiiilereinauder aufziehcu- 
deniieuu schwarz und ne>ui weirsgekleidelen ähnlich (s. 236.) 

Ich habe die noraen und /uoiQat zusammeDgefttellt) 
glelcli IrelTcud lassen sich valkyrien luid xijQtc nebeneiii* 
ander setzen: auch die uf;g erscheint auf der waktatt im 
blutigem gewaade, verwundcle pilegendi todte fortziehend; 
aehon dem nrugebornen wird eine U9^q zugetheilt, AduU 
hatte zwei xi^Q^g^ zwischen welchen er wählen durfte, und 
zwei legt Zeus in die wagschale, über Achills oder Heo- 
tors tod SU entscheiden. **) Die spätere ansieht hebt in ih- , 
nen den begrlf des unheilvollen hervor« 

Nun ist aber eine neue seile der valkyrien zn er&> 
lern* es heifst von ihnen, dafs sie durcli laß und tpas^ 
ser ziehen, <rtdhä lopt ok lüg\ Stern« 142^ 159} die gäbe 
zu fliegen und zu schwimmen ist ihnen eigen , mit andern 
Worten: sie können die geslalt eines schwans annehmeo, 
und weilen ai-ni am seeuler. In Vulundanjvidha ^virll ge- 
sagt: die drei trauen safsen am sUauil, spannen llaclis 
nnd hatten neben sich ihre d//)tar/ianiir , ihre stliwan- 
Lemde ; um augeid)licklich wieder, als schwane, forltliegen 
zu künuen. *me\iar jltigd* luid Selluz at livilaz a sievar* 
slrönd' ; eine unlcr ihnen hat sogar den beinamen sra/i^ 
ln'it (schwanweifs) und tragt scliwaii Federn (svanli.Kihrar 

, dro.) Jene Kdra, Avorin jiatli der ecKla Svava wiederge- 
boren ward, tritt iu der llrunnuidai ;i;.gn T«»rnal(l. sog* 2| 
375. 376) als zauberin mit schivanhemd i iuilk vngiskona 
1 alftarham)auf und schwebt singend über den beiden* 
Helgi hatte ilurrh ihren beistand immer gesiegt, es geschah 

. Äber, dals er in einem kami^f mit dem schwert zu Imdi in 
die luft fuhr und seiner geliebten den fuls abhitd) : da üel 
sie zu boden, sein glück war zerronnen. Brjmhildr gleicht 
dem Bcliwan auf der welle (fornald. sog. 1^ 186.) 

*) so darf man wenigstens! Madam Tiadwii rtt J^radhai^ ver- 
stehen , wenn aneh der nsme und die ganse tolksMife ertt aa» elaea 
*vef d»rra<llinr* (lelaiii j.icu!i) entsprangen wäre, vgl. ags. deoreilh Qa- 
CUlum.) btkantlirh entlinlt Stiirli^n^asnga eine sehr ähaUdie eizällloag; 
II. 9, 411. IS, 5^:,— 540. 22, 210. 33, 19* 
Rafu hat die iemt Lara vorgezogeil. 



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SCHWANJUNGF&AUEN 241 



Diese liebUclicn scliwanjiiti^Ihiiien liat (IcuUclic Über- 
lieferung^ aicber sclion lange gekannt« in külikr fiiit ba- 
dend legen »ie am ufer den schwnnring oder das schwnn- 
hemd ab: wer es raubt, bat sie in sciaer gewaU. *) ob- 
gleich es niclit autdrücklich gesagt wird, so sind die drei 
weissagenden meertpelher^ denen Hagnedas gewand weg- 
genommen hatte, eben solche; es heifst (Nib. 1476, 1): 

si swebten eam die vögele vor im der fluot* 
Dem mythus von Völundr begegnen wir in einer altdeut- 
schen dichtling, welche statt derschwüne tauben setzt: drei 
tauben fliegen zu einer quelle» als sia die erde berühren 
werden sie jungfraucn^ Wielant entwendet ihnen die klei- 
der und erstattet sie nicht eher, bis sich eine derselben 
bereit erklärt, ihn zum manne zu nehmen.'^*) In andern 
gleichverbreiicten erzahlun^on "Nvcrfen jiinglini;c Itcnul, ring 
oder kelle iibei\ die» sie iw sr/iojä/ie \cv\\iiin\v\i\,***) kann 
die wicderannaljjne niciistliliclier gcstalt niclit vollständig 
fTPoIgcn , so boliiilt der licld einen schwanßügel bei: ei- 
nen beweis des holien allers dieser ditlilung liefert il'r 
xiiganimeahang mit der hcldensai^e von Scoop oder Sceaf 
lanh. p. xvrii und vorliin 8. 218); selbst in spüiere gene- 
alogien hat sie sich fortge|dlanzt. -J ) 'jnit dem fitinneringe 
giln' bei N. ])8. 79, 14 ma£; ii])cr]ianjU das vennügen lliie- 
rische gestalt gegen menschliche zu Avecliseln bedeuten, 
und der schwanring ist dann dem ring oder giirtel , mit- 
telst dessen menschen werwölfe werden, identisch, ff) 

Man erzählt von einem scJiwan, der auf dem see ei- 
nes hohlen berges schwimmend im sclinabel einen ring 
halte, und wenn er ihn fallen lasse gehe die erde unter, fff} 
iBch auf dem Urdharbnumr werden zwei eehwäne un- 
terhalten (Sn. 20) ; bezieht es sich auf die Schwangestalf 
weissagender trauen? 

An Schwanjungfrauen schien die spinnende Bertlia» 
und die gansjufsige künigin f ttt) gemahnen (s. 173.) 



*) Mnsaens volksmahrcl)en band 3 : der geiiabte Schleier. 
•*) deutsche beiden sn^re 401. 402. 

kinderni. no. 4y. deutsrlu« hajren 2, 292. 295. 
i) ^gb deutsclie sagen no. öiO Mic Sc/iit'onrin^e zn Plesse, die 
$ehuci.;..,fiel Mik«l ring im Wappen führen, eine ark. tob 14^1 (Wolfii 
Körten uo: 48) nennt einen Johannes StvaneJIügel^ decretomm doctor 
decanud ecclesiae majoris hildesemensis. 
tt) in einer flu^.sclirirt von 1617 die reden«art ; Mem erdichten na- 

Ben riNf; und lan c ahziehtn. 
III) GoU^chalkd sagen. Halle 1814 p. 227. 

ittt) IhuMOier (fuudgr. or. (i, 465) vergleicht Pedauca mit Si- 

16 



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242 WALDFRAUEN 

konnten Jene weiesagenden galliccnao beliebige thiergcstaU 
ten annehmen ; so mag auch den Gelten tvi'ihe ^lion die 
versvandlung in schwäne bekannt geweeen stin> nnd man 
darf in frans, feensagen, was sie yerschweigen ^ er^seo} 
M^on 3^ 412: 

en la fontaine ae baignoient 

irois pucelet preus et senjfea^ 

qui de biaute aembloient fiesi 

lor robea a tont lor chemiees 

orent desoz un arbre misea 

du bout de la fontaine en haut« 
die hemde werden geraubt und die Jungfrauen aufgehalten« 
Bisher ist eine slelle des Saxo unerwogen gehlieben, 
worin er uuvcrkeniihar von valkyrieii redet, obgleich, 
seiner "Nveisc nacli, die einheimischen beneiinuiiii<Mi prmie- 
den i>ind. in der von ihm überhaupt so abweicheiul von 
der edda erzalillen cosrhirhle des Hotlier und l^aUlr lieifst i 
CS pag. 39: llollioms iiUer venandum errore nehulae ]ier- 
ductus in quoddam tiilvestriiim tnrgirium conclave iiici- | 
dit, a quibus proprio nomine sahitatus, quaenam e«i<fnl, 
perquirit. illae suis ductibus auspiciisc/iie maxime bei- 
loruni fort linain nuhernari teslaiitur: «aepe eniin sc ne- 
mini conspicuas praeliis Interesse^ clandestinisque sub- I 
sidiis optatoa amicis pr neber e succeasus ; quippe coa- i 
ciliare prospera, adversa iniligere pos'^o pro libilu memora- 
bant. Nachdem sie ihm rathschlage ertheüty Terschwindco 
die inogfrauen und ihr haus (aedes^ conclaye) vor Hothers 
äugen. Späterhin p« 42 : at Hotherus extrema loconun de- | 
via pervagatua insuclumque mortaUbua nemus ementoti 
^ignoUa forte pirginibua habitatunTreperit apecum: eea- 
dem esse constabati quae enm insecabili veste qoondan- | 
donaverant* sie berathen ihn jetzt aufe neue, und beifsen 
nymphae. *) . 

Dies sdieint mir nun nicht gerade jüngere, entstellte 
ansieht, dafs man sich die in Odhins hiromlisdier gesell- 
schaf^ wohnenden» durch luft^ und flut ziehenden scidacht* 
juiigfrauen zugleich in waldeshölen hausend dachie; es 
mag in ui'alleu vürslellun^cu ^egi üudet sein, wii' wissen, . 



hjUa. .s«>ilte iiii lit die bekntinle funfeckin^e ge»talt fies Drut<^nfu(ser^ tief 
•ndl j^ljffu ßUcKitf auä zwei «^aiis oder schwanfüraeu eut^priii^eu ¥ die 
▼alkyH« Drät steht der fldiwanjungiVau ganz nah. 

*) gleich hemacli tretea alier drai aruhre uyinpliea aaf, die 
Balrlr mit schlangengeifer zauberliafte speise bereiten. |ft. 43« eiaer fi' 
mina sUvtstris et inuBsnii gedenkt aacb Siazo p« 195« 



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WALDFRAUEN 24S 

^afs lialne und bäume ab Ott des aufenihalts und dtr Dithe 
der gOtt^r 8H])st angesehen wurden; nicht« irar naturll- 
eher als in diesem heiligen ranm auch halbgütlKche wcscn 
den sterblichen erscheinen zu lassen* Sollte niclit der Ve- 
leda hoher thurm auf einem felsen des waldcs gelogen lia- 
ben? wohnten die gotlu aliorunen niclit im unter 
waldgeistem? heilst es nicht Srem. 133, dafs die sdiwan- 
jungfrouen durch den dunkeln ^\M {Myvk\n\r) flogen? 
also durfte sie Saxo sihestres neuueu, und iiir gemach, 
ihre hole in den -Nvald setzen. 

Unsere allere spräche bietet in diesem sinn norb of- 
tiige nnsdriicke dar, in denen ich die vor8lcllllll^ weiser 
Wd/d/ratten >viederHnde , nicht blofs elbischer >vahlgeisler. 
sie heilsen irildiii wip nnd die tradiliones fnldonses ge- 
denken p. ')\\ eines orles *ad doinnm ivildero wtbo\ 
meister Alexander, ein dichter des 13. ili. singt (slr. 139 
p. 143*^): *ni\ gdnt si \iir in über gras in wilder wibe 
wfelo\ S'on einem wilden wfbe ist Wdte arzel% hat er 
die heilkune.t gelernt (Uudr. 2117.) niaz wilde frouwe^ 
Iin\ Kcke 189. den gl. mens. 335 ist wildaz wip lamia, 
lind 333 wildiu wip iilulae, d. h. leichenvögel , todansa- 
gende frauen, die noch späterhin klagefraiien, klagemät^ 
ter genanot werden und der weissagenden Bcrhta (s. 172) 
gleichen, in hainen, auf bSumen erschienen weifsgeklei- 
dete dominae, rnatronae» pu^llae (s. 178. 179.) Die vi* 
centinischen Deutschen Terefaren eine UKildfraUf haupt- 
sächlich zur seit der zwölften : von den frauen wird ün* 
flachs am rocken gesponnen und zur sühne ins feuer ge- 
worfen *) : sie ist der Holda und Beriita vollkommen Shit* 
Hch« Als WoUdieterich nachts im vrald an einem feuer 
sHzt^ naht sich die raufte SU^ das raufie tpeih , und ent- 
föfart den holden in ihr land, sie ist eine köni^in und 
wohnt auf hohem felsen t zuletzt legt »le im jungbrunuen 
badend ihr rauhes gewand ab und hei ist Trau Sif^fmlnrie^ 
•die schönste iibcr alle lande\ Synf)nym mit >vildaz >vjp 
geben die glosseu holzniuoja (lamia und uhila) , die im 
Wald klagende, muhende; holzruna (gl. mons. 335, Doc. 
210'') von gleicher bedeutuug, aber an jenes goth. alio- 
i'umna eiinnornd. 

iiine aili^eiueine beneunung solcher wesea muls schon 



*) dentsclie sngen no. l.>o. 

*) Trojet vgl. Ecke bl, und hUeiitroje deutsche heidensage 
IWt Sil» 

16* 



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244 



MBNNI 



im hohen alterthum menni, minni, gewesen sein; sie ge- 
hör! SU man (homo) und zu dem altn. man (virgo)f kommt 
aber nur in Zusammensetzungen vor, merimanni (ncutr.) 
pl. mcnmanniu, verileutsclit sirena oder scylla (rcda umbe 
diu tier, Hoffm. fundgr. 19 > 18) meriminni gl. Doc. 225* 
mons. 333. *) den dichtem des 13 jh. ist merminne gleich- 
viel mit merwtp^ mtrfrouwe^ aber auch mit wUde$ wtp* 
'diu wtse merminn^. Diut. 1^ 38« 'gottinne oder msr^ 
minne, die sterben niht ^nmohten'« Eneit 8860« im lIVf- 
gamdr tritt ein wildez wfp auf (112* 200. 227 iT.) das in 
einem holen stein des meers wohnt, und abwechselnd mer- 
wfp (168. 338) merfrouwe (134) merminne (350) hefiGit. 
ags. merewtf fieor. 3037. mnl» maerminne. die o^srn 
ipfp der Nib. werden menvtp genannt (1475, 1. 1479^ 1); 
sie Aveissagen und warnen, schon dafs sie cigennanien füh- 
ren , stellt sie den nord. valkjTien an die Seite : Hadbtirc 
und Sißlirit. den der dritten verschweigt das lied , von 
llagne wird sie raiseredet: 'aller wisestc wjp !' (1483, 4.) 
Wittichs ahufrau (s. 221) heilst 'frouwe WdchHl\ gleich- 
sam Hilde der wogen , ist ein merminne , und w ahrsagt 
dem held (Rab. 964 — 974.) auch Moroli hat eine mer- 
minne zur muhme, die im berg £Usabe**) haust und über 
Zwerge hersclit ; ihr name koninit niclit vor, wol aber der 
ibros Sohnes Madelger, und wiederum empfängt ■Morolt 
ihren weisen ralh (Mor. 40^ 41*.) im ApoUonius erscheint 
eine lulfreiche merminne als kJiiiigin des meers (z, 5160« 
5294); hier lag dem dichter eine sirene, im sinn der al- 
ten, vor, allein meriminni muis in Deutschland bekamrt 
gewesen sein, bevor man von Sirenen hörte, tler dan. nane 
hiutet marenünd (danske viser 1 , 118. 125.) die nonL 
sage hat uns ein ganz entsprediendes männliches weseft 
aufbewahrt, den schweigsttmen , weissagenden marmenniU 
(aL marmendill, marbendill), der aus dem meer gefischt 
wird und wieder hinein gelassen sein wilL HWssaga c 7. 
(fomald. sög. 2, 31—33.) «nach ihm TieiTst die koraOe 
^mantiennila smtdhp, er hat sie im wasser kunstreich ge- 
schmiedet Spaterhin wurde in Deutschland der auadruck 
^mer/eV gebraucht, Staufenbergers geliebte, die er im wald 
angetroffen hatte , die schöne Melusine (eine vielleicht 



*) seltsam der gen. pU meriniaado^ merimenadae, ein feik ms- 

rineania erfordernd. 

*•) vgl. iJsentroie (s. 243.) 

deutictie ngeo uo. 62il* vgl. do. 70. 



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M£NM 



245 



nodi gallische übcjliuferung) sind gerade das feeiiliafle ^e- 
scü, vveldies iiiaii früher meriinerinl nannlc. *) gleich 
der iiieriiiiiiue gab es aber auch eine waltminne^ nui m cI- 
chem aiisdruck alle glosscii wiederum Innüa iiberlragen 
(Diut. 3, 276.) Sigctiiin/ie , enlweder die getaufle Hau« 
chels uud >\ olfdielerichs gelicble (s. 243), oder Hugdiete- 
richs gemahliu **), darf mit vollem reckt als waUminne 
oder merminne betradilet ^rerden« 

Aus dieser zeugoisse Zusammenstellung geht zur ge- 
mße hervor, dafs man sich uuler wildati uftp imd menni^ 
* minni ein hüheres^ übermenschliches wesen dadile, wie es 
der nordischen norn nnd palfyrie an die seile gesetzt 
werden kann* aber die namen stehn in unserer sparsamen 
ttberlielierung allzu nakt^ feinere Unterscheidungen müssen 
uns entgelm und die grenze der gottor, balbgötter, elbe und 
rieseo lauft in mehr ab einer linie durcheinander. Gleich 
dm nornen und valkyrien (s. 239) spinnen und we- 
ben Holda, Berhta, Frejrja» die göltinnen« 

Der seibischen mytbologic eigenthümlich ist die SchÜne 
dichtnng von der W/e, einem halb focnliaften , halb elbi- 
schcu wcseii. an das Verhältnis Jcr valkyrie zu dem mcnsch- 
liclien liulden erinnert tlic vcrhi udei ung der vilo nül INlarko 
(Vnk. 2, 98. 2, 2J2 und üanilza für 1826 p. 108\ 8o Nvie 
tluiö die vileu einzeln auftrelen und eigenuamcii liiliron. an- 
deres aber nähert sie mehr den deutschen elbiimen (K s lol- 
gcnden capilels: sie ^vohneu auf bergen, Hoben gesang unil 
reigcn (ir. elfcnm. lxxxu), erlieben sich in die lüfte und 
scliiclsen auf menschen tödlich verwundende ])feile. *uslri- 
isUla ga vila', die vila hat ihn mit dem pleil erschossen, 
ibr rufen im wald gleicht dem gerausche des hackenden 
Sj^htSi die spräche benennt es ^kiiktaii'* 



•) doch stellt schon nierfeiiie Diut. 1, 3». waizerftine (Oberl 
1. r.), ja merfnn Ms. 2, 63'«. 

**) dculäche heldeiuage p. 185. MO. tOI» 



246 



CAP. XUI. WICHTE mD ELBE. 

Voll Jen Ycrgöltoi tcii mul lialbgütllichcn iialiireii sclici- 
dcl ßicli eine i;anze reihe amleror Evesen liau[)l«iiLliIii Ii dariO) 
dafa sie, ^Yiilu•eud jejie von den incu scheu ausgehen oder 
mensch liehen umgaug suchen , eine gevsondertc geselUdiaCiti 
man könnte s?.aon , ein eignes reich für skli bilden, uod 
nur durcli zulall oder drang der umstände bewogen >vci> 
deoi mit menschen zu verkehren, etwas übermenschHclieSi 
was sie den gülteru nähert ^ ist ilinen beigemischt , sie be- 
sitzen krafi den menschen zu schaden und zu helfen ; zu- 
gleich aber scheuen sie sich vor diesen, weil sie ibnea 
leiblich uiclit gewachsen sind» entweder erscheinen sie 
weit unter dem menschlichen wadisthum, oder ungestsll. 
fast allen *) ist das vermögen eigen sidi unsichtbar za 
machen. 

Die beiden allgemeinsten benennungen sind in der 

übcrschrifl augegeben ; wir würden uns heute des awi- 

Jrucks geiHter zu bedienen Iiaben. gel^t **) aber i!>l, wie 
das gr. d\it fiv)}', hier zu weil , indem es sii Ii au» h auf die 
im \urigeii tap. abgcliiiialilica Italbgötlinncxi auöiiciiiitu 
liersc. genauer tiale das Jal. gen ins. 

Der ausilruek H'i/it seheint in niehrfaelun' hiikslchl 
nierkw ürilig , des weehbehulen geschleelilö und der daraus 
enl wickeilen a])slracleu betleul untreu wciieu, das gotli. 
pnifits isl weibUch , gen. xaihlai^, luul 1 llihis l)rauchl es 
uie in concrelent sinn; Luc, U l iiberliagt es ihm S7()«/'- 
fia-i viel häufiger, mit der negalion verbunden, Oi'JfV ^giamm. 
3, H. 734.) dadurch wird aber nicht ausgeschlossen, dafs 
sonst bei den Golhcn vai/Us ciuen wcibhch gedachten 
geist bezeichnet haben könne ; denn keiner der übrigea 
dialecte, die es ebenwol zur Stärkung und fesligung der 
negation verwenden, i.i endlich die eigentliche^ einfache ne- 
gatiouspartikel dadurch absorbiert w erden lassen, büfst die 
lebendige bedeutung ein; alle ahd. deukmUler schwanken 



*) freilirlt aach gOttiimen («. J6(S) und wet«eii fciiuen (s. Sil) 
**) aliil. heui^ «gü. gtUt^ alU. (würzet «(ramin. 2, 46); goük 
ahnut^ alui dium f. Hiiaduni, vcrwniidt ileiii i^vlU. nlia (meni) «hiii 

(nieiiiiitisM' . eo^ilarc) w\c tnuii (iioino) , mavnUka UUd ttUi/Mt^ IMMii 
ZU iiiuiuiu, iiiiiiueu j^ciioreii ISü. 2U4. 244.) 



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WICUTE 24r 

zwischen neiilr. und masc, jenos golli. fem. Ist ihnen fremd. 
0, hat ein nculr. wiht , mit dem colleclivcu pl. wi/itlr*), 
zugleicli einen andern uciifralen pl. ii>iliti , der den sg. 
wihti fordert, vgl. arniu Avilitir 1\ . 6, 23. armii >viliti II. 
16, 17. krunibu >vilai III. 9, 5; tlcr siunist: arme, knunnie 
geschüpfe , so dafs wilit überlianpl gleiclibcdeulend mit 
wesea, crealur, persona erscheint und auf inensclieii oder 
geister gehen kann. *in demo mero slat wunderluliiu 
wihtirj diu heizettt sirenae' (Hoftm. iundgr. 19, 17.) mlid. 
bald neutral: iinrcinez iviht, Diut. 13. trügehaflez 
UfUit. Barl. 376, 11. vil himbcz wiJit. Barl. 11, 2, bald 
mSimlkk: bocser wiht. Barl. 220, 15 $ Geo. 3508. der 
mhL Geo* 3513, 3536; oft das genua unkennüich : boese 
wiht. Trist. 8417. heUe wiht. Geo. 3531, in jedem faU 
^Sbfst «owol von menschen, als geistern güllig. nhd. setzen 
ifir fpfeht männlich und bezeichnen dadurch geringschSt« 
% ein elendes, yerachtUches wesen, kerl, oft mit beige- 
i%ter bestimmung : elender wicht , bSsewicht. Tritt die 
Verkleinerungsform hinzu, also eine Steigerung des begrifs 
der kleinheit , so wird es nur von geislern gebraucht: 
wiclUlelii, wn htelniatin\ nibd. diu wi/iteL MS. 1, 156^ 
b(csez wihtel (elfenm. cxvni); kleinez wihtelin, Ls. 1, 
378. 3«0. Wolfdielr. 788. 709; ahd. wihtelin (penates), 
wihteleri vel helbe (clbe) Icmures, daemones (gl. llorian.) 
In JNiedersadisen sagt man wicJU ganz in gutem sinn von 
kleinen kindern , im iNliinsterland gilt *dat wichl^ vor- 
von Di.idchen. Das mnl. neutrum wicht steht wie 
das hoclideulsc lie ; tpiade fvic/if, clene wicht (kind) lluyd. 
op SU 3, 6. 370; nicht anders das nul. wicht, pl. wich- 
Uteni arm wicht, aardig wicht, gutmütig gemeint. Die 
ags. spräche stimmt mit .der goüu in dem weiblichen ge- 
sdilecht überein: viht^ gen.vihle, nom.pl. vihta; später puhf^ 
vuhte, vuhta ; die bedeutung powoI concrel : yfel viht (phan- 
tasma) leas viht (diabolus) Cädm. 310, 16, sCBpiht (ani« 
aal mariiuim) Beda 1, 1 ; als völlig abstract : ding, sache. 
Mgl. wightf im sinn des nhd. wicht. Im altn. va^tt oder 
pcetitj welche gleichfalls weiblich sind, hat sich der be^if 
eioes daemonischen, geistigen wesens rein erhalten (Sn^m« 
145*), Martfcetlir (gemi quicunque) Stern. 93^ hoUar t'ce/ /ir 
(geutibenigni) 5sem.240^y ragpceitir odermeinvasUir{gemi 
noxii) ♦♦), landpccttir (genii tutelares) u. 8. w* auf den 

*) wie tliiu diufilir UI..14, 53 oebeo iher diiifiil III. H, 108. 

**) Blüm nimmt ein masc. (fem.?) meinuwttr inn! ein neiftr. mehi' 
fcefii an; mein ist zwnr noxa. nialum, aber doch erinnere idi an da« 
zeiuijfcba mainjus C&piritiid oialu«.) 



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S48 



WICUTE ELÜE 



Kriröcru sagt mau: ^ledr tA t^ar til mainviltis P (fahr zum 
loulel.) livnghyo p. 548. diin. ist vette ein wcibliMier 
geist, eino waUlnyniplic, meifwette ein böser geisi (Tliiek» 
3, 98.) die stliwedische spräche besitzt aidser vätt (ge- 
nius) und dem gleichbedeutigeu neutr. vätter ein nach der 
deutschen gebildetes wilt (Ihre p. 1075.) allen diesen 
mundarlen ninngelt aocli die abstraction nicht. 

Dieser Übergang der bedeutung wicht auf der eineo 
sehe in die von ding, sache, auf der andern in die von 
teiifel stimmt sii mehrern erscheinungen der spräche, wir 
reden auch mit ^ding* kleine kinder an, und der unke 
w^ird im märchen (no* 105) zu gerufen: *ding^ ifsbrociienP 
vricht, ding, vrint, teufel^ vAlant (gramm. 3| 734. 736) Kei- 
fen alle die Vereinigung steigern. 

Bestimmtere fdrbung hat schon das ahd. mhd« wort 
alp (genius); ags. älj^ aitn. ätjr\ die golh. form alh» 
sieht zu vermulen. *) vielleicht galt neben dem masc. ein 
ahd. neiilr. «//?, pl. elpir, wie sicli ein mhd. pl. diu elber 
beweisen Irilsl ; und a\i8 dorn nilid. dat. fem. elbe (MS. 1, 
50^) muFö >vol ein nom, diu elbe, ahd. alpia, elpia, £;olh, 
rt/6/, gen. albjüS gefolgert werden, weil sonst keine mulion 
slallfände. nach einer gelaufii^eren niolion sagte man ohne 
zweifei ahd. elpinna, mhd. elbinne, und Albreclit vuu 
Halbcrsladt wählte diese nocli durdi Wikrams ausarbeilun« 
erscheinende form **) ; ags. elje/i, gen. elfenne. des lunn. 
pl. masc. bin ich nur im altn. sicher, wo er dljar lauler, 
also ein goth. albös, ahd. alpa, mhd. albe, ags. älfas for- 
det^ vnirde, auf eine ahd. elpi (golh. albeis) fdlirt hinge- 
gen der mhd. pl. elbe (Amgb. 2^. vrenn dieser nicht von 
jenem fem. elbe herrührt) und der ags. nom. pL ^Ife 
BeoT. 223 gen. pl. ylfa (anhang cxxvu.) me en^t 



*) AlhÜa ein Gothe. Procop ed. bono. % IST. 
**) Wikrun 1, 9. 6, 0 (ed. 16:m p. 11« 199b); die erste stelle 

lesen nüe von mir vcr^Hicline« driukc (1545 p. 3i) fclilcriiaft ; *aucfi \\A 
evviiineii und fre>ea', im reim: zweven. All»reclit setzte wol: Sil elb- 
iiiuen und feieiC ^ denn aus freion \vü>tc it It lir.elistens eine sehr {re- 
v^agte anspieluug auf Frigg und Frea (s. \\)\) laiauäzubringea, und 
froie hat mich eben (Reinliart clxxii) genug geplagt. 

***) daf ags. Y geaonuDeo wie in yldra, alid. eldiro; ylfeC, ebd. d* 
piz; yrfe, altd. erpi. da iuswiscKen Y aucii umgelautetes O sein knoOi 
B. I>. Off, yrfe (pecoä) oder unigelnutetcs U, z. b. vai^ vylfeu ; so will 
icli ein mild, u//, pl. iiU-e niclit unbemerkt lassen, das mit alp ziem- 
lich ;!;leiclil)edeutin: si hcint und dem a*?«, i //' verwandt sein könnte : 'von 
den iihen eiihunden werden'. MS. 1, bl*; ^vijheit ein >.ulit ob aliey 
filiteu\ Ms. 2, V6h^, vgl. du:s ticrnacli augclüiirtc o/y^ bei H. Sacti». 



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ELBE 



249 



formen elf ^ pl. eluesy die Bcliwedischeii r//, pl. elfvar 
(ma6€. elf vor (fem.), die dän. eU^ ^ pl. elve sind ganz in 
oer r«gel ; in der dän. zusamiDensetzuDg ellefolk^ cUeloner 
ist Mimiiation eiogetrelen« nlid. dauert alp mit der be- 
deotang eines nacfatgebtee forty daneben iiaben sdirifi- 
steiler des vorigen jh. die unserer mundart ungereclite 
engUsche form elf eingeführt; früher findet man nur den 
riditjgen pl. elbe oder elheiu*) H. Sachs gebraucht ölp 
^ olp, du dölp!' I, 5, 525^.) und ölperüeh (lY. 3, 95«); 
vgl. olpern und ölpeirüisch bei Schm« 1, 48, elpentröi9eh 
und tölpentrötsch bei Schmid (schwSb. vfb. 162.) man 
denkl sich darunter einen linkischen einstigen menschen, 
dem die elbe etwas ai^ethan haben, vras sonst auch blofs 
Misch heifst (fnndgr. 365.) elveace wehte^ elbische vrich- 
ts^ liest man gl. Jan. 340. 

tiber die natur der elbe zielie ich vor allen andern 
die alln. quellen zu rallu es ist schon s. 17 angemerkt, 
(lal's die allere edda vcrschiedeullich cesar und dlfar zu- 
»aiiimenslellt , gleichsam als den inbegrif höheiH?r wesen, 
und dals geradeso auch die ags. es und ylfe nebeneinander 
stellen, hieidurcli scheint den elbcn nähere guUücheil als 
den menschen eingeräumt, einigemal treten als drittes glied 
die vanir zu (Siem. 83**.), d. h. ein von den a?sir ver- 
schiedner^ allein durch heiralhen und vertrage mit ihnen 
iü bestimmtes Verhältnis getretener volksstamm. Ilrafna« 
gttldr beginnt mit den worten: 'alfödhr orkar, dlfar skil- 
)a, vanir vita' (Sfem. 88*): alivateri d. Ii. der as , hat 
macht, ulfar verstehen^ vanir vissen. Alvtsnidl zählt die 
abweichende benennung auf, vrelche ge§timen\ elementen 
und gewHchsen in verschiednen sprachen std^ommt 
auch hier werden cesirj älfar vaA vanir beräcksichtigt, 
aufserdem aber godh^ menn^ ginregin^ iötnar, dpergar 
und bewohner der unterweit (liel^ das mei^wiirdigsie 
för uns dabei ist, dafs älfar und avergar gesondert ste-» 
hen. ebenso unterschieden sind äljar und dvergar Sann« 
8^; dvergar und dockatfar Stern. 92^ ; dreierlei arten der 
nomir: askungar, Älfkungar und doJlrDvalins' (Sn»m. 188*) 
d h. von ansen, elbcn und zwcrgen lierslammende ; auch 
die lulid. ditliler uuter»i;iit'ideii noch clüe und gelu^erc, 

*) Beäold s. V. elbe; l*)ttners hebamme p* 910 olpen oder tlheti, 
**) die nierkwardigeii sprarhuoterschiede dieses gcdiclit^ gemaiinen 
l^ns SD die hoaierisdie ■nterscheidung der j^öner ond meiMr/^^iyspraclie. 
eiuige unmea lasiea sicli aocli aus «nsem tientijireD moiidarteii erlüutern. 
z. b. die swerge neDoea dea inond skin^ wie er im wirzburgiitcheii 
«cÄtfiA lieiCit 



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SM BLiBB ZWfilRQB 

wie man aus Wlkruns ADmdit 6, 9 mtelit *) verwaiHk 
glelchwol sdieinen dlfar und dvergar schon oealialby weil 

uQtcr Jen zwcrgseigeimamen (Sfeiii« 2. 3) ein j4lfr nndl 
f^ifiddllr \ürkuiniiioii. Loki , zwar sonst us geheiiscn 
(Sil. -3), eigenllich aher nur zu den aseu gczrilill , und io- 
lisclier abslannwinig (Sn. 32), empfangt dennoch die anrede 
älfr (Sium. liO^ ), ja Vüiundr, ein giiiuiilicr Jield lieiJst 
^dlja liodUr (aliorum socuis) Sisi Tdla' ^aHonnn pruii:e|js) 
Ssem. 13o** ^. ich erkläre das nicht historiscli (^aus seiner 
finnischen abkunfl)) sondern mytliiadi: auch nach deutscher 
sage ist Wielant könig Klbcrichs gesell und mit ilun sehnud 
im berge GluggeDsachsen (sonst Güugelsahs, Caucasus?) 
wir sehen also das wort dl fr eingeschränkt und ausgedehnt 

Jene docidlfar (genü obscuri) fordern einen gegen- 
satz, der in den eddiscben Uedem nicht ausgesprochen ist, 
wol aber in Snorrls prosa« ^in Alfheim', sagt er s» 21« 
^wohnt das yolk der liosdlfar (lichtelbe), unten In der 
erde wohnen die doctaljar (dunkelelbe) » beide einander 
lujgleich in aussehen und Kräften , liosdlfar leuchtender 
als .sonne, duckalfar schwarzer als pech\ liosdljar be- 
wohnen des hinuucls drillen rauni. 8n. 22, 8)nonym uiil 
döckalfar scheint auf den ersten blick der, in den liedern 
gai' nicht vorkommende, nanie cS(^a/'/(/7/Vzr (^bchwarzelbe) **) 
und diesen stellt Siiorri i^an/. olleidjar die di^ergar gleich: 
seine di^ergar Jiausen in Svartuliaheim (Sn, 34. 130. 136.) 
einmal wide^ßU-eilet das der in den liedern vslatlündendeii 
sonderung der dlf ar und dvergar , dan:i aber namentlich 
der Verschiedenheit, welche 8wm. löö* zwischen döcldl/ar 
und d^crgar angenommen w urde, ich mag die dichter- 
sprachoi die uns sonst überall bestimmte auskunft über den 
alten glauben ertheilt^ hier nicht als allgemein und unbe- 
stimmt beseitigen. 

!Man findet in dem gegensatz der lichten und schwar- 
zen elbe den dualismus, der auch in andern mythologien 
zwischen guten und bösen, freundlichen und ieindhciien, 
himndischen und luillischen seislern, zwischen enjieln ilc* 
liihls und der fuisteriiis aulgesielll wird. ^nllicu alur 
nicht ihei arten nonlisrher genien an/.unohnien scint 
liunä/fdr, dückdl fhr^ sidrldlfar ? ich erklare daniil Irei- 
lick Öuorris baiz Mückalfoi* eru svarlaii ea bik' iür irre- 



*) der norwegische Volksglaube halt alfer iiad dverge gesoodert. 
Faye p. 49. 

**) Tliorlae. spcc. 7 p. IGO Iiat für lioslilfar aucli hpiiäifar (wcMt* 
«Ibe)) ans dea queiieu kenne ich es aidit. 



i 



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leilend. döcJtr *) scheint mir weniger das entscliieden 
schNvaize, als das Iriibc , linslere; nicht nigcr, sondera 
obscuruSy fuscus, aqiiiius. dann bliebe die gleiclistel« 
hing der zwerge und achwarselbe gültig | aber auch jener 
alteddische iintersdiied z^iscken swngen und duokeleiben 
gereciiirerügl. 

Dieser trilogie gebricht aik ents^eid ender l>e8täti* 
gung ; einiges wird aich zu ihren gunsten anführen lassen* 
Noch der spätere volk^aube nimmt sw«rge in gratter 
kleidung, grauen oder braunen nebelkappen an, die sckot« 
tisdie Überlieferung browniee^ braunförbigc geister» d. h. 
eher duckdlfar ab svartiUfar. In einem auf echt deutseke 
sage gegründeten heldenlied, in dem von Morolt^ erschei- 
nen geradeso drei geisterscharen, wekbe der im kämpf ge* 
falinen und ihrer Seelen wahrnehmen ; die weijse, bleiche^ 
schwarze (s. 28^), was erklart wird : engel, aus der un- 
terwcll kommende vorwandleii der hlreiler, und teufel. 
eiue solelu; Iviiegeristlie rolle spielen freilicli ilie nurdisclien 
allar niemals, nicht sie, sonilcra die valkyrien haben es 
mit dem kämpf zu llnui, aber die iil)erliererung mag langst 
verworren sein, und die iimter vermischen. **) an sich glei- 
cheu liüsci/far und svnrtdlfar hinrelclieiul ilcii rliristli- 
clion engein und teufein, liie bleiche scfiar der helfe* 
sind die ^/lidhri i iurd/uL' wohnenden dockci/ far\ ja das, 
was im Alvismal nicht ausdrücklich benannt, allein mit 
den werten *i heljo* bezeichnet wird, nun kann ich es 
auch so fassen: liosdlfar wohnen im himmele dockalfar 'in 
helj der heidnischen hülle, svarliillar in Svartdlfntieim^ 
was niemals gleichbedeutig mit hei (hülle) gebrauch i ist. 
Seelen verstorbner menschen sind die dunkeln clbe nicht, 
ynt der jüngere dichter glaubte , nur ihr aufenthalt ist in 
den regionen der unterwdlt, wie der lichten in denen des 
Gimmels: von beiden erzähk die edda weniger, als Ton 
den schwarzen 9 mit den menschen öfter verkehrenden« 
wiQu^nd svartälfar in menge genannt werden , kommt nie 
ein eigeuname der liosAlCar oder döckdlfar vor. 

Festgehalten werden mufs die ideutitSt der BvartHjar 
uod dveri^nr, 

Dpcrgr, goth. di'cilrfrs'^ ags. dveorg j abd. tnerc, 
mhd. tvercj nlid. ztverg *♦*) enl>|>ri( lü dem lal. nanus oder 
gr. 7ivy/nuiog ; neben jenen männlichen lurnica eröcheinl 

*) Tfrl. abd. tnnclml, mlid. tunke!, nhil. dunkel, fit donker. 

**) otrrit der elbengescbliilitei' um den leichntm (ir. elfenm. GR.) 
*") in der laiisitz querx ^ im Thüriogerwald qucrUch* querch iiai 
<^ac. von kujiigttbofeu p. 89. 



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252 



ELÜE ZWGRGK 



govoluilich iliü nihil, neutrale getwerc Nib. 98, 1, 335, 3. 
JNIs. 2, 15*. Wi-al. 6080. 6591. Trist. 14242. 14515. daz 
u^ilde getwerc. Ecke 81. 82. Wh. 57, 25. *\vltI ^tovQyog 

Sübcrnalürllche dinpc veiTithlond) da7Ai gehalleu >%crdeu? 
em begrif uach vcrglciclieu sicli die idaeischeii daclylc der 
alten ^ cabircn und ^lutaixol: in der edda sind alle oder 
die nieisteu dvergar kunslferlige schmiede (Sn. 34. 4H. 
130. 354.) daher scheint sich ihr schwarzes, rulsiges ous- 
sehea am einfachsten zu erklären, ihre schmiede liegt iu 
liöleo und bergen: Sfariäljaheirnr wird ako in eine ge- 
birgige gegend zu aetoen aein, xiiclu in den abgrund der 
liölle. 

Hat die gegebne Vorstellung einiges für sich, so be« 
greift man leicht y yne ue der spätere \olk^aube \erän* 
dern und verwirren konnte , eeit ilim die unheiduischeu 
begriffe christlicher engel «md teufel zugeführt wurden, 
teuflüache eigenheiten hflJ>en im grund alle elbei selbst die 
lichten , z. b. ihre lust menschen su necken } aber teufol 
sind daarum auch die schwarzen nicht, sondern oft gutmütige 
wesen* Es scheint sogar , dafs man gerade den Schwarzeln 
ben, d. h. den berggeistern, die in manigfaite beziehung zu 
den menschen traten, eine bestimmte Verehrung, eine arl 
von cultiis erNvies, dessen spuren noch in bpaler zcil lurU 
dauern, das wichtigste zeugnis hicriür findet sich in der 
Konnakssaga p. 216. 218, mit dem bhit eines erlegten 
slierä Süll (gleicli dem aliar eines goHes) suli der hiigel der 
eihc gerüthet und aus dem. Heisch des lliiers den elben ein 
mahl zngerichlct werden ; *huU einu er Ju dhan skanil t 
brott, er älfar bua gradhung ihann, er Konnakr drap, 
skaltu fa, ok riodha bludh giadüngsins u hOliun utau, eu 
gera dlfum veizlu af slutriuu» ok nmn thcr batna\ ein 
wiriüidies dlfablöt. Damit verbinde ich den abergläubi* 
sehen gebrauch^ engein speise zu kochen und hinzustel'» 
len (abergl. no. 896.) ebenso wird den hausschmieden 
und koboldcn der Usdi gedeckt und ein topf speise hin'^ 
eteizi (deutsche sagen no. 37« 38« 71); der domina Abun» 
la essen und trinken (oben s« 177) ; den unterirdischen 
in ihre hole, beim vorübergehen, geld oder brot gelegt 
(Neocorns 1, 26:2, 560.) *) Wie Mch göttern sind einige 
pflanzen auch nach elben benannt : 'olpraahe • alpfrankcf 
alferankey alpkraut (lonicera pcndymeu., Solanum dulcam«). 



*) auch dem alt|>reuUUc[jeu uad lUUi. pantuk (daumiiiig) 6pei»c 
liiiigeAleUt. 



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ELBE ZWBRGB «» 



wns <^onst gcifsblatry in Dänmark troidb&Ty in Schweden 
truilbhr heilst. 

' Hauptziigc dor olMscIicn nntnr scheinen mir fo^nde* 
Nadi der eddi^chen darsteilung gehen rieaen nnd 
zwergc den mensriieii in der achöpFung voraus, iotnar 
sind die ältesten erdbewohner, sie.heifaen ^Sr of bornir' 
(Vülospa 2) ; später beschlossen die götter auch dtfcrgar 
zu schaffen : 'or Bifmis holdi ok hlAm legg)om% aus dem 
fleisdi und den schwarzen knochen des riesen Brfmir (das. 
9.) so erwuchsen Mdlsognir und Durinn ^ die berühmte- 
sten Zwerge, und diese bildeten aus der erde ^iele mensch- 
lOinliche zweite (das. 10.) Snorri 15 erzählt : die dvergar 
seien in dem fleisch des Ymir, gleich würmem entsprun- 
gen, und hernüch von den göttern mit menschliehem ver* 
stand und menschlicher gestalt begabt worden, diese er*> 
scLaiFiing scheint sichbiol's auf die irdische form der schu^ar* 
zen elbe zu beziehen. Es ist beaclitenswerlh , dafs dem 
voi reduer unseres heldenbuclis nocli eine aus jetzt verlor- 
ner quelle genommene künde von der schüpfung beiwuliii- 
le : zuerst seien zwerge erschaffen worden, um das wüste 
land und gcbirge zu bauen, hernacli rieseru um die unge- 
lieuer und wiirme zu erschlagen, zuletzt htlden , um den 
Zwergen gegen die riesen beizustelui. Das rcclile," mensch- 
liche mal's gab den aiisschlag zwischen der list des 2werge 
Und der phunpheit des riesengeschlechts. 

Auch die gestalt des menschen hält mitte zwischen 
der des riesen und des albs; so weit der riese über die 
meusclüiche gröfse hinaus ragty so weit steht der alb unter 
Hir. Alle elbe werden klein und winzig gedacht^ die lich^ 
ten aber wolgebildet, ebenm&iSiig; die schwarzen häfslich 
uad misgeatalt. jene strahlen von zierliclier Schönheit und 
^^gen. leuchtendes gewand; daa aga. älfteiene Cädm. 109, 
23. 165, 11, schön wie elbe, ahm ^fridh aem Mjkona\ 
drückt den gipfel weiblicher Schönheit aus* Der widrigen 
färbe der zwcrge tritt noch ein übcigebauter leib, ein hö* 
cker und grobe tracht hinzu ; seitdem man elbe und zweige 
mengte, geht auch die anmutige bildung der elbe oft auf 
die Zwerge über , doch bleibt ihnen zuweilen ausdrücklich 
die schwarze oder graue färbe: 'svart i synen' (s. 258); 
em kleines schwarzes männcheii* (kiiulenu. no. 92.) ein 
Weines graues mannchen' (Büschings weich, nachr. 1, 98.) 
iln^ grufse selbst wird verschiedentlich bestimmt, bald er- 
feiclien sie dcTS wachsllunu eines vierjährigen kindes, bald 
erscheinen sie weit kleiner, nach spannen oder daimien 
gemessen, 'küme drier spannen lanc^ gar eislich getdn 



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254 ELBE ZWERGE 

(elfenm« cxvi) ; zwei spannen lang (tloutsrlie sag. no. 42) ; 
^dumeln lanc? (Ls. 1, 378.) dalier düumling fpetit poii- 
ccl) in den luarchon zwercarlii^e ij!cslalt bozcichucl, r/?»;'- 

/ ^ O v_ ' w 

fUiioc^ von nvyjnt] ffaust), das alfprcurs. parstuh\^ pcratnk 
(zweig) vom lillii. pirszias (fiiiger) slav. pcrsl , pr^t und 
eine bulim. beneuming des zvvci^s pjcUinuzjk (spannen- 
niiiiiidein) von pjd' (spanne) zu leiten isl, *) Von der uii- 
iorm ihrer Jdße, welche deueader gcinse oder enlen glei- 
ehen solleu (wie die der künigm Berhta, b« 173, oder der 
ediwanjungfiniuen 241)» gcLea Imondere ergähliingen. **) 



•) für zwerg wird geaa«;t: Mcr kurze man\ Wlgal. 6593. 6685. 
6710; flüher auch ^hurziboW Perüs 2, t04, wu 'sonst einen kurzen 
rock bedeutet Hoffin« gl. 36, ISw Roth« 4&70. Tgl. «ich diia urkMi 

(nanus) (rmtnm. % 781^« 

**) deiiUche sagen no. 149; ich tlieilc sie liier in gctreoerer auf- 
zckluiiiiij; mit, wi«; ich si«' hrn. Ilicroii. IJa^^ehucli au» Aniu verflaiiikC. 
Vo de h', t (ltn(iii<Ueiie uf (Irr Hjuiisnue. Ilirnfer der ärli.>l>nrfier r^i;, 
zwiischcnein durüe Hard und dem alle I-.orenzekopällcle, steht: im enc 
thile aa cleigge e grüsle vertraite flue. se sägere dRamsÜue. 
iif der hindere aite iach ae hohl, und dbohJe bet nnmmo ediUae igang. 
Do sind denn eniol, me weifs nid äxact i wele johr<:änge» ao fange 
jtiämlle ^si , die »ind i die huiiie us und i gange, linnd ganz e so ti 
eijjes labe f^fnehrt, und en apartige hnshaltig, und sind jran/ h^tirideris 
derfiar r': * , ^^ jirklich gstaltet, und mit eini wort, es i<eh halt kei 
inönscli useue ein», wer .se denn au scipre, wohar sc cho seige uikI hm 
se tribc. ämel gkocliet imad se uüt, und wurzle und beeri ggäoio. 
«nde n der fln« vorbi lauft es bachle, und i dem bicble bind die 
mändle im aummer badet» wie tubUj aber eia vonene bet immer 
wacht gtia, und het pflfl^, wenn opper derliär che isch , uf em fuefs* 
wäg: denn sind se ame {rspruoge, was fi;\sch was hesdi, der här^ uf, 
dafs ene kei haas noii cho wer, und wie der schwick in ehre hohle 
gschloj/f, dern;il»e band se kein mönsrh uüt zieid tho, im {^ägetheil, 
gfeilijjkäite , wenn se hän<i ehonne. Kinisch bet der Hardpur es fiie- 
derle riswülle giade, und uil er elei gsi isch, bet ers »u fai»t uici niuge. 
B sones mändU gsehts vo der ilue obenabe und cbnnt der durah 
Kh5pperle Ober driese, und hilft dem pur, waa es het möge, wo aa 
do der bindbanm wand ufe thue, so isch das mandle ufeni wa^fc 
und het grichtet, und der pur het Oiierundc azo<re a de bindchneble. 
do het das iiumdL- s'icil nid räciit unie {j;liret, und wo der pur aziefit, 
selinelk der bäum los und trift .smond/c ane finjrer und hets würät 
blcsditrl; do füllt der pur a jommere und seit ^o heie, o beie, weuns 
nunenau mer begegnet wer!' do aeit das mandle ^bba* das macbt 
P&ty aalben tbOf aälben gha'.f) mit dene worte apringbi vom wage 
Habe, bet es cbrfltle abbrocbe, hets Tercbaflet und uf das bluetig fia- 
gerle gleit, und das het alles ewag pnzt. do sprin;;ts wider ufe wage, 
und lu t zum pur ^st^tt , er soll sseil nume wider uine pe. Mr?niri^<'h, 
weau räcIiUdial'ue liit durn tag gbeuet oder buude band uad «e siod 



t) scliwab. «sei! thaun, seil hn\]n\ Sclimid p. 628. schöner auf- 
gedrückt im mild, 'selbe t«eie, seihe habe'. M;S. 1, 10b. ba<>. 



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BUBE ZWERGE 



2ft5 



man wird auch au die blatevüeze (Aolher 1871« Emst 
a82tS) crinnci L 

Die altar bikloii ein voJh ^ wie die eiltia nu<;drücklich 
sagt (Sn. 21), dalier auch im Alvisniul dlfar^ helbü^ar (wenn 
ich dies vrort gebrauchen darf) und d vergär den menschen^ 
riesen, gOtterO) asen und vanen als besondere classe, und 
mit ihren eignen sprachen, zur seite. stekn« Ob man dar- 
nus ein historisches^ in bestimmter gegend gelegnes reich 
folgern darf^ lasse ich hier unentschieden, wergmdl 
(sermo nanorum) ist der altn« ausdrack für das echo: sehr 
bezeichnend, weil ihr ruf und gescLrei in den bergen wi- 
derhallt, dem gegen den berg hin lautredenden menschen 
der zwerg gleichsam antwortet* Uemudssaga cap. 11p. 
50 : ^Sigurdhr stilli svä hfttt hdrpuna, at duergmäl qvadh 
t höllanni% er spielte so hoth auf der harfe, dafs es im 
sial widerhallte, die helden führten laute slreiclie: V/^or« 
gamal sang uj qvürjun hamri% echo saiii; iii ichIcjh lei- 
sen (liyngi)ye p. 464. 470); sie hiohcn stark 'dvürgarndL' 
^an£r \\\ fiödiun* et ho snng in den hcj gcn (das. 468.) sollte 
vielleicht grcrti cilfa (ploiahis nanorum) im dunkeln ein- 
gang des Hamdisnial (8icni. :269'») etwas almlirhcs meinen? 
ahor auch in unserer cinheimisclicn heldeupoesie mag die 
üeaiUche Vorstellung gehaltet haheu: 

dem fehten allez nucli erhal, 

du beide berg und ouch diu lal 

gäben ir siegen stimme. Ecke ed. Hagen 

daz du beide borg und tal 
^ von ir siegen wilde wider einander allez haL (das.l7L) 

nit fertig wurde bis zobe, und shet oppe welle clio rägne, so siud die 
härdmandle cbo , uod lilod ^scliaflf^t and gwärnet draf ine, bis alles 
In tcliirme gsi inch. oder wenos durt dnacbt lach che wittere, liünd 
ie chea and schoni, wo dusM glige isch, de lüte znm tenn zue trait, 
und am mor^c iiet halt alles grofs sage gmaetit, und se liänd nid 
pvMV^t, wers tbo fict. den liänd erat no die moftdh' kei dniik be^'ebit, 
nuuK'iiau, daffli nie i>e gern liät. Amenini wiiiter, wenn alU;s htci und 
M glVorc gsi iijch, sind die inaiuUc is tdicrst lius eiio z Ariispncli ; se 
(iSftds halt gar gnet chünne mit dene lütc, wo dert gwolmt hiind, und 
siiid ame dnit dnacht ufern ofe gläge, und am rnorge vor tag band ae 
Nieder dnis gmaetit. waa aber gar gspassig gai iscb, «f händ ehre 
JveJ.\lt' ,,{(. yiire frlo, häiid r , . rharluchroths mantett träit^ vom hals 
bis ufe lüde nahe, jet/t lu fs ini dorf SO jT\viind«Tij:c nicltb! lind buebe 
^r!.'--, die sind einisch znaelit vor das lius fjo pen iiselie streue, dafs se 
gsäclie, Was «ilc hur-lmandh fr«'; l^i('^^le liebe, und was iiänd^e 
gfunde? biacii frile wnuderle: ante und r^rlf.^fiiffs sind in «irr ästiie 
abdrnckt gsi. Aber vo sälbcr stuod a isch kei.s inawL^ n»eb clio, und 
se frind an näraaie nf der Rsmaflue bliebe, i dkräihe band se se swr- 
tc/doj/'r^ tief id geifaflue hindere, vnd band keia seiche me von eae ge, 
■ad cböme aOmnie, so lang dlut cso boahaft sind. 



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256 ELBE ZWERGE I 

I 

hier lieifst es niclu blofs, ille berge halUen von. Jon scliwert* i 
schlagen der licldeu wider, soudern sie gaben stimme und 
autworl von sicli, d. Ii. die in ihnen lianseuden zwergo. 

Diesem volk der elbe oder zwerge sieht ein kö/ii^ 
vor, z^var ans nord. sage kenne ich kein Ijeispiel , deslo 
hänfiger sind sie sonst : englische Überlieferungen reden von 
einer eljqueen ; ich denke, weil auch ia gallischen die vor- i 
stelhing weiblicher feen (fairys) überwog, die altfraiuu 
fabel von Huon de Bordeaux kennt einen roi Oberon, d* I 
i. Auberon für Alberen , also schon dem namen zufolge 
einen albi das königreteli der feen (royaurae de la fee» ! 
rie) ist sein e%em unser gedieht von Orendel fübrt einen 
swerg namens Alban wt» im Otnit spielt hünee AUm^ i 
rich^ Elberich 9 ^dem manec bei^g und tal* untertfaan tsl, 
eine bedeutende rolle; das Nibel. Ued macht ihn nicht stt 
einem könig, nur zu einem dienstmton der künige Schilb* ' 
ung und Nibelung. ein ungenannter swerg könig erscheint 
Jm gedieht Ton Ecke 80; anderwärts hönig Goldemdr i 
(deutsche heldens» p. 174) hönig SinneU und JLdurfa 
(IMS. 2, auch die deutschen volkssagen geben dem 

Zwergvolk einen hönig (no. 152 ; Heiling ist ein ßlrst 
der zwergc i no. 151.) *) Alle diese sind könige schwarzer | 
elbe, nur den Oberon halle ich für einen Hellten alb. Es 
scheint dafs mensclilichc beiden , indem sie sich das ober- | 
haupt der elbe unterwerfen, zugleich die herschaft über 
die geister erwerben : in solcher meinung kann Vülundr i 
visi (Ufa (s. 250) heifsen. ^ j 

Von den Wohnungen der lichtelbe im himmel wissen j 
die volkssagen nichts mehr; desto liaufiger schildern sie 
die der zwerge in den scl l'ichten und holen des gebirges« 
'by ec for iördh nedhan , u ec undr steini stadh\ ßa^m. | 
48*. Mvergr sat undir steininum^. Yngl. saga cap. 15. i 
Mvergar büa t iÖrdhii oc t 8teinum\ Sn* 15. darum hcis- * 
sen sie crdmännlein^ erdmanneken^ in der Schweis 
härdmändle^ sonst auch unterirdi^chej d&u tmderjor" 
disie» über fluh und tobei springen sie und ermüden 



*) 'der hSnig tat tedtM «Urbao Ist todtM* Mte alte mutt€r Pum- 
jmM Büflctiingg woeb. oachr. 1, 99. 101. Mie alte Schump^l (sage 

von noniknii.) *kömg der erdmnnncheti', kilulerm. 3, 167* 

*') den lünebiir^er Wf'ndcn Iiicfsen ihre nnterirdisclien geUter fror- 
znni (ber«(riiainilein, von gora, berg) uikI man zei<rt noch die berge, 
wo sie {.'( hallst haben sollen, sie pflei^ten von den mensrbeo back« 
geräliie zu leiüeo, und deuteten das undichtbar an, dann Kluilte man ei 
Ihnen faiaaiis Tor die thüre. abend« brachleJi sie es zurück, au daa fea- 



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I 



ELBE ZWERGE 257 

nicht vom flclfion der ialicn wände: Mcn ix ilden ^ttiver^ 
gen yyxve zc j^li^en du genuoc' lieii'st es AN Ii. 57, 2.5 vott 
einer felscugegeiid. *) in die ritzen und spailen der berge 
iddäpfend oder scüiieiend **) scheinen sie plöuüdi zw 
vencWinden ; überall , wo sie hausen, zeigt man solche 
zivcrgalöcher ^ querlicJislövher. in diesen liolen treiljcn 
sie ihr w esen , eaninieln schätze und schmieden köstiiche 
iraffen; ihre künige bauen sich priichtige gemächer unter 
der erde auSy Elberich > Laurin vrohnen in solchen wun- 
derbaren bergen, menschen und beiden werden zuweilen 
lununtergelockty begabt, entlassen odet festgehalten» Diete« 
Heb von Bern wh^ am ende seines lebens von einem 
aswerg abgeholt (deutsche heldens, p. 300} ; nach dem lied 
Yon der klage 2167 weiTs man nicht, *ob er sich verslüffe 
in lociter der ateinwende.^ ***) wahrscheinlich meint die 
sage, er sei, gleich dem TanhUuser und dem getreuen Eck« 
harJ, in den berg gerathcn, in welclieni frau yeniia hause, 
von diesem fraii \ enii^hcig wird erst seit dem 15. 16 jh. 
erzählt, man möchte wissen, wclclie allere vorötellungen 
ihm zum grund liegen: ist fidii Vetiiis an die stelle ei- 
ner unterirdischen elbküuigiii^ oder einer güitin > wie frau 
Holda^ Frikka getreltM ? 

An fiaii Hulda gemahnt nocli cnio andere bcziclnmg: 
*die guten holden'' (s. HI.)) ^'guedcholden^ penales (Teu- 
touisra), holdichen y holdeken , holdvrvhen scJieint ganz 
gleichbcdeutig mit 'die gnleii elhe'; lioklo^ liolde ist dem 
wort nach ein freundliches, günstig uesinnles wesen , und 
auf Island wird liußingar (liebliugc) und huläafolk^ huU 
dumenn (s, 168) für dlfar gebraucht. Von dieser seite 
her sind die elbe gutmütig, wolthätig und hilfreich: sie 
heifsen das stille volk (deutsche sagen no. HO. 31), the 

ffoorf pBople, die guten nachbarn, die friedlichen leuie 
Schott* doanc shi, ir. daione maith, walish dynion mad.) 
bleiben sie in ihrem stillen treiben ungestört« so halten sie 
friede mit den menschen, und erweisen iihnen, wo sie 
können, dienste. Sie bedürfen auch ihrerseits des rathes 

»tcr klopfend iin<l ein brot aus dankhark eit hinzulegend. fJiijrlprs Wör- 
terbuch. ) Audi die ehstuisciie Di^tliologte hat ihre unterirdi^cheo {jm 
oUused^ unter «ier erde.) 

*) andere helege 6ind gesammelt ir. elfeum. lxxti. *deo berc 
büten wildiu g/etwer^, Stgenol 1 1S, 

**) diefen gilt von ilinea wie TW» fudis (Reiuli. \xxi)s unser 
iabsL 0(-liIurlit stellt für stuft (wie beichvriebtigea » hiebt» fcracbt, t 
•wiften, luft, kraft), Schlupfwinkel. 

"*) vgl 'If uticlie saften no. 383 Toa Tbeoderichs seele« wie sie ia 
4m- abgruad des Vulcsoi geführt wird. 



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* 



258 ELBE ZWBaGE 

uutl bclslands dir mensclieii in gewisser läge; dabin sind 
besonders drei lalle zu rechnen, eiiiiual liuk-n sie fraueii 
und liebaninien , um Icrei J'stndcn zwergin/ien hilfe zu 
t .geNvalircii *) ; dann verständige inaiiner zur tJieilung ei/ies 
^8chatz.es^ zur 8diliclilun£j eines slrciles ; **) drliit-n^ Iri- 
.)sen sie einen saal für ihre lioth zeit; ***) inmur aber 
belobnen sie durch geschenkte kleinodc , die dem haus 
und di u uaclikonuueu des nienschea glück bringen. Ilh- 
neu 6clb$t wohnt mancherlei keimtius verborgner beilkrafte 
der pdanzen und steine bei« -j-) 

indem eicli die zwerge so, und noch auf andere wetee» 
Buweilen dem menscblicben gescliiecht näberiiy ecbeiuea sie 



•) Ennznii, Alveiish-ben , Hahn. (cK iitx lic sagen no. 41. 6B. 69.) 
vgl. Thiele 1 , «iG. Eine »chucdische »age mag hier noch aiu Uttl- 
pheri laiiiliiiseD om Jimtland. Wedterat 1775 |>. 2t0 ttebeiL *ir 
1660, da jng titlik« med min Itoatru var gangen til fabodeme, no« 

llgga I mit Hl an Raganda prastegard, och der lent om qvällen suttit 

orh tnit htund , koni en liteu man iii-i MMMti* jicnom fton n , ocli l».id 
min huslru , <U*t %ille hon hjeipa hans /lu.Jru, soni da Ijg och q< (:!d.^ 
med hur/i. karlen var eljest liten til vaxten, ft ttri i yy ueii^ oi Ii nre-1 
ganila gr» klüder fursedd. Ja*; och min hui»tru bntto eu stund odi 
undrade pä denue mannen, emedao vi nnder<todo, at ban var et trollt 
och hört beraitos, det sädane, af bondfolk vetjar kallade , »ig altid i 
faboHni iic uppeliuiln, aednn l'ulket om hosten sig derifrän begifvit. Men 
som linn 4 \\ 5 ^raiig^cr sin liejjärnn payrkafl«* . orh ninn (Icrlioji hr- 
tüiikte, livnd skada luuidfülkct beriilta sig ibiand al" vetlarne lidit, di 
de antiugen .«»Mirit pa <itni, eller eljf^t vi.st <I«Mii med vrangn orii til 
iielvetet ; tv l'aUade jag da til det radet, al jag laste ötVer aiiu hu- 
sfra fiugre huner, valsignade benne, och bad henne i gud» namn folja 
med hononi. Hon tog A \ hastighet oagre gamla lioklader med aig, 
ocbfulgdehunom at, men jag blefqvaraittande. Scdaaharlion mig vid ater- 
konisten berättat, at da hon gatt med mannen utom porten, tykte hon sig lik- 
som loras nli vädret en stuad, och kom sä uti cn stuira, hvarest bre- 
de^id vor en liten mörk kanininre, der hnris hu.stru l.<g och vändades 
med barn i en sang, min hu.stru Jiar sa stigit til henne, och cfter ea 
Ilten stund hjelpt henne, da hon fodde baruet, och det med lika at- 
border, aom andra menniikor pläga bafva. Karlen bar aedan tilbodlt 
henne mut, men som hon dertil neliade. iy tMcItade ban henne och Qigite 
lienne at, h>arefler hon ater liknsom i'arit i vädret, (»eh kom öfteren 
stund til perlen igen vid passkloikan 10. Kmedlcrtid \ovo en ho[»er 
f^cfiiL! silf'n'rskei'ar lagde | a e!» li>I'n i stugjui, ti< li laiiii min liu<»tru 
dem, da iioii audia dngen ^tulxad•' i vraarne: kiiririniide^ rur.«ta , »t de 
af vetlidt voro dtt lagde. At sa i sanning är skedt vitnar jag meil 
nitt namns undenittande. Ragnndn d. 12 april 1671. Pet. KaJim.* 
**) Meocorns I, 542. kinderm. 2, 43. 3, 172. 225. Mb. 22, «. 
Bit. 7K1J). vgl. rientsche heldeiis. p. TH. 

)Ji»ii (denlselie sngen no. H').) Cuaiknu (Kli.sabelh von Orleans, 
Straub. 1 im, p. 133. Leipzig p. 384>.> üiuohing« wwcheAti« 

nachr. 1, US vgl. 101. 

f) a. 254 das verwundete härdmändle. 



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BLBE ZWERGE 



doch (ihcrhatipt vor ilim zurückzuweichen und machen den 
eiadriick eines unterdrückten, bedrängten volkstainms, der 
im begrif steht, die alte heünat den neuen mächtigeren an* 
kömmlingen zu überlassen« ihrem character ist eiwa^ scheues^ 
und zugleich heidnischea eingeprägt, das sie dem umfang 
mit Christen entfremdet, sie grollen der menschlichen treu- 
losigkeit, *) das s<»ll yroX ursprünglich heifsen, dem abfaU 
Vom heidenthum. es ist ihnen innerlich zuwider, wenn kir- 
ehen gebaut werden, g locken getaute (oben s. 4) stört sie in 
ihrer alten heimitclikcit ; auch das revileii der Makler, den 
ackerbaii imd neue pocliwerke im gebirg hassen bie. **) 

Aus boli her ahliiingigkeit von den menschen, umge- 
kehrt aus geistiger iiberleuenheit der elbe in andern slü- 
ckeii, lülgt nun ein feiudscliges verliiillnis zwischen bei^ 
den. die nienschen achten der elbe nicht, die clbe sc/ia^ 
den den menschen und npcke/i sie. 1 raller glaube war 
CS, dal's von den elben gohihrliche j)/t'ile aus der lull her- 
ahgescliossen werden: hier sind also liclitclbe gemeint; 
auch schweigen die zwergsagen davon, in der ags. Formel 
wird dsagescot und ylfnge.scot nebeneinander gestellt, die 
elbe scheinen mit 'äbniiclien wafTen^ wie die gütler sel!)sty 
ausgerüstet ; ***) der göttliche donnerkeil heifst auch a/h^ 
srhofs s. 1:2. 127) und in Schottland el/arroip, eljjlltit^ 
^Ifbolt ein karter, spitzer keil, von dem man glaubt, dal's 
üin die gcister entsendet haben; rasen , den der wetler- 
strahl aus dem boden schneidet, sollen iie herausheben, f ) 
ich habe schon 8. 123« 127 gefolgert, däfs irgend ein nähe- 
rer bezug der elbe zu dem donnergott da gewesen sein 
mufs, der uns jetzt entgeht: sind ihm seine keUe.von elben 
geschmiedet -worden, so führt das wieder aiif schwärzelbe* 

Ihre Berührung , ihr anliauch kann inehscheh ünd 
tbieren krankheit oder den tod verursachen; -ff) ^'«n >hp 
sddag triff, der ist verloren oder untüchtig (danske visfer 
Ii 238.) di^ergslagen heilst iu Noi wegen geliduntes vieh, 
dem sie es angelhau haben (Hailager p. 20); der benen- 
uuug elbentrutsi h iiii' blödsinuigc , geistesschwache men- 



*) Hans Snchs K TOib oil. kempten: klage der hotzUutei die sich 
TOQ der weit ontreii ia den wiideo wald gezogen linlten. 

*') naliere atisfülining In dtn fr. elfeiini xciv. xcv. v^l. Faye p. 
17. 18. Ein zwergfolk Ileinchen ^renannt, durcli weidende tieerden und 
lautende glocken^ die deo scliafca aoliieiigea, vertrieben. Vari»cia 
%10l. 

pfeiU der serblicfien inle (s. 245.) 
i) irische elfenmarcbeo xlt. slti. eii; 
ft) das. cm.' 

ir * 



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«0 ELBE ZWBBOB 



8c1ieii, die ihr« rficbende hand berührt Haty TTurde »• 20 

gedacht. Als -wehende, blasende >ve8eii erscliieiieii »ie TOa 

jeher scJioii in der spräche : "Nvie von spirare spiritus ist 
unser geiht von dem alten stamm gtsau (flari, cum impe- 
tu ferri) herznlehen ; ahn. bedeutet gustr llatus, und cid 
zweig heilst Gustr (Sivni. 18 1*^) j *) andere zwerge ^Jtistri, 
Fesfri, ISIordhri, Sudlirl (Sc-vm. 2^. Sn. 9. 15. lO) be- 
zeichnen die vier hauptvvindc, Vinddljr^ noch ein zwergs- 
name, erklärt sich selbst, **) Gleich dem anhauch hat der 
blofae blich der elbe bezaubernde kralt: das nennt unsere 
alte spräche inisehan (torve intueri, gramm. 2, 810) mhd. 
e/!t sehen: 4ch han in gesegent, er was entse/ien* (Eracl. 
3:^:U) Son der elbe wirt enteelien vii inaneger maa^ 
MS. i, 50»>. ' 

Über fldiwerrallige mensclien erbebt diese lekhteiiy 
lutligen geister das vermögen, zu verschwinden oder un^ 
sichtbar zu werden, kaum erscbeioen sie» so sind aw 
wieder unsern äugen entrückt für die liebten elbe ver- 
steht es sich von selbst, aber auch den schwarzen ist diese 
etgenschaft unentzogen. gewöhnlich wird die ll^^klitba^- 
keit tlcr zwcFi^e in ein bestimmtes stück ihrer kleieUiiig, 
einen Jiut oder maultd gesclzl, dt^cli deren zufälliges ab- 
legen oder abwerfen sie plülzlich 'sidilbai* werden, der 
piltua des rönusclien incubo ist ir. clieum. s. lxxv. nmli- 
gewiesen. heulige zwergsagen erzählen von ntbellapptn 
(deutsclie sagen no. 152. 153), von grauen rucken \n\<\ 
rotlien kappen (Thiele 1, 122. 135), von schar Ladunan- 
teln (vorhin s. 255) ***)• frühere jabrhunderte bedienen sich 
der ausdrücke helknppe , helkepleln, nebelkappe (MS. 2, 
156^ Morolt 2922. 3932.) und tarnkappe. Kih. 98, 3. 
336, 1. 442, 2. 1060, 2 mufs unter tarnkappe (oder dem 
blofsen kappe 335, 1) Albertchs und nachher Sigfnts nicht 
die kopfbedeckung allein verstanden werden, sondern cia 
ganzer mantel^ denn es steht 337, 1 auch iarnhut^ die 
bergende haut \ auTser der un8ichä>arkeit verleiht sie ho* 



*) iiorwe^. ah'gusf , eiae kraaklieit durch aabauch der elbe est* 
spriogend (Hnllager 4i*.) 

*•) in allfrnnz. »a^io fieifst ein alb Xephjr^ eitt dcutodier liau*^ei*t 
Blaseric (Moiies anzei;;er 1834 p. 260.) 

***) Ol. Woruiius Vorrede zu ClHU.ssön^ dän. übers, dts Siiorrf« 
Kbb. 1888 s *derfor sigifl de (dvergor) at liafve hätte paa, liuormidrfe 
konde giöre aig naynlig*. aadere seugiiisüe sind scIien geaamaielt ir. 
elfenm. i.xxiv. lxxv. eto schretel tragt eia r6t€z keppei an (nicht auf ) 
das. cxvi. Rollenhagens bergoiäoalein tragen weifte herndteia wii 
•jHtsig§ kappen, Froacbmeuaeler zx. Yt>. 



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BLBB ZWERGE 



261 



hcrc lenjcsstärke uod zugleich herscIiaO über das volk 
mid den hört der zwerge. Auderwürts dachte man aicli 
Dar die miitzc : in einer novvr» volkssage bei Faye p. 30 
beifot w uddeltat (spitzer hut?)| und ein hildesheimischer 
haaagetst föhrte von dem ülzhut^ den er triig^ den namen 
HSdeken. vermutlich haben das ahd. helotheltn (latibu« 
lum) gl. HrabI 969«» alts. helithhelm 164, 29, altn. 
hiaimr huliz (ein eddischer name für wölke) Ssem. 50^, *) 
ags. grfmhelm Cadm. 188» 27. 198» 20. Beov. 666 Shn-* 
Hebe bedeiitung, obgleich schon in dem einfachen heim 
und grime der begrif von hülle und larve steckt. Ohne 
zweifVI trugen auch aiulei c höhere >vesen , aulscr cK'u el- 
hon und zwergen , das luisichtbarniachcude gcwaud. vor 
allem erinnere icli au Odhius gekrenipteu htit (s. lOl), an 
Mercurs petasus, au den hut des Wunsches, der noch in 
\ni«;ern miirchen genannt wird**), und nii des 

Plulo oder Orcus heim. Die zwerge können in eiucr be- 
sonderen, jetzt verdunkelten, bczicluuig zu Odhin geslaii^ 
den hnbou ^ wie die hutlrageudeu paläkeU| kabiren uud 
dioskuren zu Jupiter. 

Aus dieser iahigkeit ihre gestalt zu bergen und aus 
Ihrer neckischen natur überhaupt geht nun vieifaclier tntg 
und tätischung hervor, denen der mensch im verkehr mit 
den elben und swergen ausgesetzt ist. *der alp triuget* 
keifst es fundgr. 327, 18; *den triugety wcixgoi, nicht der 
nlff Diut. 2, 34; *dte mag triegen wol der a (p\ Suchen- 
wirt XXXI, 12; ^elbe triegent* Amgb. 2*»; *diu elber ti ie^ 
gem\ Herbort 5^ ; 4n bedAhte das in tn'ige ein alp* ir. 
elfenm. Lvn. ^al fache droch.^ Reinaert (prosa lxxii*.; gi* 
#roc, getroc^ dgetroc^ abegetroc^ bezeichnet in der älte- 
ren Sprache vorzugsweise teuflisclie, von büscn geistern 
ausgeliende täuschung (gramm. 2, 709. 740. 741.) ***) und 
in diesem sinn gelten auch von den elben andere nachthei- 
lige beneunungcn: elbisvhez gettvds^ elbischez ds^ elbi'^ 
ivhez unge/iiare y wie der teuFel selbst getwas (fantasina) 
und ungeheuer heilst, ganz in gleicher bedcutung wird 
von der kraukharicn bcklcnmunig schlafender und triin- 
meuder gesagt: *dcr teufci hat dich getiUeri\ 'liiuaht r/- 



•) fornm. sog. 2, 141 von Eyviri'lr dem Zauberer: '[liOnllii tlicim 
huVuLliialin , maclile Üinoii nehel, fin.>ternis. Ii iliuhiabnr^ foriiald. sog. 
3, 219; Lußshni/r das. l, D. 2, »0. g. lt:» ji* iudex ». v. «Inlxerfi, 

**) eine wichtige Verstärkung der gründe (ur Wuotans und Mer- 
cnri Identität, vgl, a. S36 über die w&utclielgerte. 

'das aualotte d«» aili pergent«» irugtiievth^. N. Dth. 44. 



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2G2 



ELBE ZWERGE 



tert dich satanas' (fundgr. 170) oder der nachtmar, *) 
der alp : 'ilich hat geriteri der mar'') *ein alp zouniet 
dich\ Und wie IVaii HuUe gcspinst oder liaare verwirrt 
(s. lGf>\ seihst verworrene haare tragt **), ein struppiges 
haar Jluiirnzopf ***) lieilst *, wickcU der iiachtalb, nacht- 
mar, haar der inensclien, nialine und schweif der pferde in 
knoten: alpzopf, drute/izopj , tvichtelzop/ , weiclisel^ 
^opf (wovon nachher noch), in IViedersachsen mahrtri' 
locke j eltkla^tte (brem. -wb. 1, 302) engh elßocls (Aarea 
8« V.), ^i^ish krotßy das v erb um elf bedeutet bei ÖU^k^ 
8peare die haare verfdzen : ^elf aX tnj hair in knoto\ Leav 
2, 3. Auch der ütthauis^e alb, aU$4Hiraa geiianot, vcr'> 
filzt die haare. Kinig^ niedenächs. gfgenden zuriscbeD 
Elbe und W^ser g^bea dem mchtelEopf den namen sel^ 
tenHeeri (brem. wb« 4, 749) eellentosi (Uufeknds Jour- 
nal iif 43), was ich yeratehe: zopf de« haiugeiste^y dea 
gesellcheps. f ) 

Alle swerge und elbe sind diebisch, unter den eddhchen 
zwergsnamen findet sich ^///iio/r (Saun. 2^)*; JUpriuj richli«' 
ger Alfrlkr dvergr (Vilk. saga cap. t6. 40) heifst *liinn mikli 
stelari', und im Titurel 27, 288 ein berüchtigter dieh, der die 
eier unter den \cigehi wcgsticlt, Elbcgast (enlstelh Ele- 
gant, Algast.) andere diehsiale der zwerge sind cllenm, 
Xi II. xcni gesammelt und von ihrem verhmgen nach kinilcru 
und blühenden jungfraueu ist s. nv. cv. gehandelt, zwergko- 
jiiiio e////ä/trc/i 3 ungfrauen in ihre ])erge : LaurJn die schüne 
Siuiill (Sindhilt?), Goldcniar oder Volmar eines königs- 
lüchier (deutfiche lieldeus. 174}^ sdiw^d* \olk&liei( ^den 

•) engl. Ttigh/mare, franz. canchemnre, cochemar, fiiirh chauche- 
riUe ^ chattchi t irilli (meni. des anliq. 4^^399; J. J. ClianipoUioo Fi- 
(*vi\r i'ntols p. 125); ital. j eaarnolo, s\)nn. jtesaflilia^ alttVanz. cr/yMmar/ : 
\oii cnurlier (caicare) und pesar (drücken, lasten.} 

**) im kiadefmilirdien 8, 44 »fot sich Holle Are fercktterea 
lisarc, die «in Jahr Imi0 nicht gekimoit wsrea , «askimssen. ei« nid» 
eben, das sie begabt, kämmt svs seinen locken perlen und edelsteine. 

huUeznpp Schmidt westerw. idiot. 341 ; hei Adeluag Sl«Ut Ad/- 
lenzojtf. plica polonica, po!n. kultim, böhm. koltaiin. 

f) O^ionczyk /akr/cwski prsrliirfite das weirhselzopfst "Wien 1830, 
bemerkt p. IH dals auch »eine hei ung unter nber^lHuliisclien gebräu- 
eben geschieht, io Ppdltcblen wird der alpzopf feierlich, mn.oslcn, 
ab^escbnitten and begraben, bei Krakau in der gegend von Skawina 
^ini er thcil\vei^e mit geglühter soheere beschnitten, ein stiick kap- 
fer«:e!d hinein^ebnuden und in die trämmer einer alten biir«]:, iu wel- 
rficr hose fr^i^far hausen, {rpwurfen ; w»m* es thnt darf sich nbcr nicht 
umgehen und eilt so geschwind als nio^^licl» nach liRU.>e. Aher;^!;tubi- 
sch'e formehi znr hcilunri^ <ier |>iica aus einer altbuhm. hä. von 1325 
siad von Zakrzewbki p. 20 mitgetheilt. 



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BLBE ZVVERGB 



bergtagna^ erzdlilt von einer jungfrauj die aclit jähre lang bei 
dem bergkönig zubringt, aiebeo söluie und oine toclilcr mit 
ikm erzeugt, ehe sie die iJirigeD vriedersieht* *) Woigestalle 
kinder der mensclien entti>tnden aus der wiege und legen 
ihre csgaen bärsliclien oder gar ^ich selbst an deren stelle« 
Diese untergeschobnen geschiipfe heil'sen cafnbiones Um- 
hang s. XLvi), abd. wlliselinga N. ps. 17, 46. cant. deu- 
tCTOQ. 5, nhd. wevhaelbät ge^ schw. bytingat^ dän« bytiiti'^ 
ger^ nhd. auch kieikröpfe von ihren dicken hSlsen und 
köpfen; erzählongen stehen hei Thiele 1, 47. 2, !• Faye 
p. 20, ir. elfefinu xli— xlv. cv. deutsdie sagen no. 81. 
83, 87-^90. **) Schon im gedieht von Zeno (bei Bruns 
p» :27 ff.) ist es der teuftl^ der das geraubte kind erseUt« 



*) aber auch zwergiaaen Terheiratitcn sich mit menscljon ; ödoian 
(Babmlia p. 78. 79) berichtet gaai enistbaft uad die eiseniMinen aa* 
führend: Rcors förSIdrar i Hogea i Lamocka, soai bodde i Fug- 
lekärr i .S\artel>org8sockB; livan farfar var en skutt, ok bodde vid 

et berg, tlier fick Iian se mitl pa (lagen sitjande en vodcr pt)^a 
cn steil ^ ok tlier nit d nt Tatiga lienne, Losforfc hau stuf ainclUin her-j^et 
ok henne ^ hvarj^i hciuies far gasniade eller \o» in i berj:ct, ok üpnnde 
berget« dürr, tilfragande« lionom, oni iian viii ha hans duUcr ? Iiviiket 
liaa med ja besvarade« ok efter hon vor helt naken^ tog hna »iiia 
ilider ok hdfgde öfver henne, ok lät clirigtiia heane. vi<l afträdet 
»ade henaes far til lionom: *iiär tu skalt ha brüllup, skalt tu ln;ra til 
12 tiinnor Ol ok baka en hop bröd ok kiött effer 4 stiitar, o\ kiora 
til jordhö^en eller herf;et^ ther jag halli'r til, ok uär brudakaiiken skall 
«Idelas, skall jag väl ge oiiii'; hvilket ok skedde. ty nar de andre gafvo, 
l^fic lian u/f tacket ok kastade en sij. stur peniiinc^cposse ihcr ifjcuom^ 

at bäakea sa aar gädt af, ok sade tliervid: *tiier ar aila üküakM ok 
lade ytterli^res ^aar tu tkal ha ttn heaimagifta » skaitu kiöra aied 

4 häätar liit til berget ok fa tia andeP. Ta haa federmera efter haas 
begäran kom tit, iiii hau lvp]'orkäl tlar thcn ene större iiii theo an-« 
dre, tils tlien yttersta störate kättelen blef iipfyld med amlra m'mdre. 
item brandcreatiir , som voro hielmeta, af hvilken färg ok crealursiajr, 
8oni äro stura ok tVodiga , tiie än Im tpar pa rik, i Taouniü ^äli bela^ 
get. Theoae maaaea Reora far i Foglekäratea beaaaid, allade eit hop 
bara aied theaaa sia säledes fraa bemret afliaaitade ha^, l>laad hvilka 
var iiamocmanDea Reor | ä Hegen ; su iiar ok Ola StensoQ i stora Rijk 
Varit Ueur^i «yttter^n, hvilken i forledit ar med doden nfgiU. 

•') dresd. sand. no. 15 von des nifillerä sun. ein tliörirliter nnil- 
ler bittet ein mädchen ihn der liebe siifsigkeit zu lel»reii. sie lafst 
iliii die ganze nacht honig Iecken,^er leert einen grofüen topf aus, be^ 
kommt leibwell und bildet sich naa ein adiwaogef aa seia. Sie be- 
ftdiickt cinea iiaafen alter weiber, ilim in seiaea kindesnötheii beizusteha. 
'da fragt er war sein kind wer komea? A apraclien : hasto ntt verno- 
aaeaV es was aio rcliter n islonhalk ^ und tett nLs »in fruoter schulki 
da er erst von deinem leib kn:ii , <la fnor ez pald hin und entran hin 
urt" zuo dem lar>t eiipor. Der nuill«>r s^pracii : pahi fiin iitV <la/ spor! 
vi^duMit c/.\ priugeut 62 uiir herab T äie bringen ihm eine achwalbe in 
«erdeckleut lupfe. 



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984 BLBB ZWBRGB 

Gegen die aostanscfauiig sichert, dafs man einen eclilfissel, 

oder eins von de8 vaters kleidern, oder stabl und nälina- 
dein in die wie^c ie^e (^deutsch, abergl. ao. 484. 744. 
scliwed. 118.) 

Alle elbe haben muvidcrstehlichen hang zu mnsik mid 
tanz, man sieht sie nachis im mondschcin a\if den wie- 
sen ihre leigen führen und erkennt morgens die spur im 
thau. die erscheinuiii; tan zencler berggeisicr auf den 
matten zeigt den meascheu ein gesegnetes jähr an (deut- 
sche sagen no. 298.) ein östreiclu Volkslied (Schotlky p. 
102): ^md duart drobn afm beargl, dd ddnzn zwoa 
Mwearglt de danzn so rar*, iu Laurins berg, in frau Ve- 
nus berg rauscht fruiüiche, verführerische nnisik, iindtanse 
werden darin getreten (Latirin 24) ; der Minnen gesSage 
locken jüngliugc auf den berg und es ist um sie getcbe- 
ben (danske viser 1, 235 — ^240.) in Norwegen heifst 
eine solche musik huldrealdt (oben s. 16s) ; ein nnge- 
drucktes mhd. gedic}it (cod. pal. 341, 357') enth&lt die 
merkwürdige stelle: da sal'sen fideler ^md videlten alle den 
albleich\ es niuls eine sülse, enl/ii^keade vseise gewesen 
sein, deren erfinduug man den elh(Mi l)einiar8. **) 1 iim ISlag- 
liussen bezieht den namen des zwergs ilaugspori (Sirni. 2^) 
auf die dem gras eingedrückten spuren eines bei nächtli- 
cher weile über die liiii^el slreilenden albs. 

Diese liebe der elbc zu den tönen inid tanzen knüpft 
ihr geschlecht an höhere Ave^en , vorzüglich an liaibgütt- 
inneu und göttinnen« Aui (^der Isis) scliiff erschallt nächt- 
licher freudengesang , und das voBk zieht seine relgen dar- 
um her (s. 160«) in Trau lloldas wohnung, in frau VeniM 
beig ist gesang imd tanz, celtische überUefeningen stel- 
len die feen tanzend vor (m^m. de Tacad. celt 5, 108); 
diese feen stehen in der mitte zwischen elbinnen und wei- 
sen frauen. *^*) Kein wunder, dafs auch 4en klugen elben 
und Zwergen die gäbe der fi^issagting zugeschrieben wird« 
Andvari der zwerg erscheint ganz so in der edda (Sann. 
181*) und noch mehr Alvis; im alifianz. Tristran ist der 
naiub (^iianus) Frociii ein dcri/i (divinator) und er deutet 
die Sterne bei der gehm l von kindern (z. 318 — 326. 632.) 
die drei huuLtunänncrchen (huimänner« erdinüuiileiii} deä 



*) Tolli.ssAge vom Haiiebierg in den nntiqvnrbke annnler I, 331. 89Si 
**) v«r|. ir. «HeoBi« LzzKi-— i.xxatif. Ihre s. ätfdansy Arndt feiM 
■ach Schfrerlen 8, 16. 

***) p!t-i(h den serbischen pilen^ die sm iieig «ad wiesen ÜMts 
tanz baiteu (».^fttö.) 



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ELBE ZWRRG^/ BILWIZ 265 



kinilerinärchens (no. 13) iielinien die stelle becahonder 
fecn ein ; annahcmles unlicil oder den tod verkündigen sie 
den menschen voraus (ir. elfeuni. lxxxvi.) In dieser bin- 
siclU ist auch nicht ohne bedcntung, dais elbe und Bwerge 
dts von frau Uoida und Frlkka begünstigte spinnen inid 
wehen treiben, die fliegenden Spinneweben im herbst 
iiiilt der Volksglaube für ein gespiiisl von elben und Zwer- 
gen; von den Christen wurde es Marienfaden, Mariensom- 
mer genannt, weil man sich auch Maria spinnend und 
webend dachte, schwed. bedeutet dvergsnät (zwergs* 
netz) ein spinneweb« Die altn. saga von Samson hinn 
fagii erwähnt cap. 17 eines wunderbaren mantels (skickja), 
den elbinnen gewebt hatten (sem Alfkonurnar höfdhu 
ofit.) Auf Einern von geistern bewohnten hi igel hört man 
nachts die elbin (das mag hier troldkone bedeuten) spin^ 
nen und ihr Spinnrad schnurren , erzälill Thiele 3, 25. 
Die männlichen zwerge hingegen schniiede/i kleinode inid 
>vallea (oben 8. 250. 2j2), ^vic schou ir, elfeum. lxxxvui 
unistäiullicher dargelhan ist. **) 

Was ich über die nalur und ei£»eiiheilen der elbe zu- 
sanimeugeslellt liabe wird sich (hirch die betrachtung ein- 
/ohur elbisrher Aveson, die noch unter besondern namen 
\ orkom nien , 1 > o s ! a 1 1 g e ii . 

Unter ihnen >vill icli einem genins, d«M* in den nord. 
mythen gar nicht auflrilt, die erste stelle atuveiscn; er 
scbeiot dennoch von hohem alter, mhd. gedichte erwäh- 
nen seiner verschicdrnllich : 

si Avolleii daz kein p/hi^iz 

si da schüzze durch diu knie. "Wli. 324, 8. 

er Sölde stn ein g not er 

und ein pilewia geheizen, 

davon ist daz in reizen 

di<$ übela uugehiure« Rüediger von zwein gesellen 

(cod. regimont.) IS'*, 
d4 kom ich an bulwechs perg gangen 
dä schÄz mich der hultpecns^ 
da schoz mich die buiwechsin. 



*) wallisiscli curr Ix-ifles, spinne und zwcr^, 

**) iiier noch eine »age aus ödmniis Bahuslän p. 79 : thessiitan 
htr msQ ätskillige beratteber ok sagor om smedar^ ta i hög»r ^oni 
twrgy altfom bar i Fowiimstorp högar, livarest man hördt, st the s^inidt 

Uk»oim i en annan .sntrtfja om aftoiion e//er solenvs nedar^y.nif: , ok rl- 
* j«it nitt |)a Ilöpa middageii. Kur HO ar sedan püv 0!as fadnr i Sur- 
tong, beoämd Oia Simuiisaou, liär i föraamiiogeo uSk Sluiigevald iial- 



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266 



BILWIZ 



da srlio/ iiili Ii als ir lilngcsiiid. cod. vindob. 2817. 71* 

von i>clirabaz pilwiliten. Titur. 2 7, 299. 

eeiu (jarl Lei uiaucheu pilbU siolen, Cnsp. von der 

Run liddcnb. 156^ , 
liieraus isl es schwer, die eclite form des namens zu innen. 
Wolfram reinil pilwix (var. ]>ilbiz , bilwiz, biiwilz) auf 
biz (morsns) und kurzen vocal in der letzten 5111)0 srlieinl 
auch pilwilit und bulwecbs anzudeuten , so >vie pilbis in 
einem gedieht , das sonst pilbeis geschrieben balle, die | 
'wechselnde gestaltung oder Verunstaltung des worU ver^ i 
rälli, dals maa es schon im 13. 14 jh* nichl aiebr yer- 
stand ; späterhin vrurde es noch auf andere weise cnUtelit» 
£iii beiclabuch aus der ersten häifte des 15 jh. fHolfmaiuiS 
monatsschr« 753) bat pelewysen synonym mit hexen« 
Willkommen ist das westphoi« belewiiten im TeutonisUi 
CS wird von Schuiren gleichgesetzt den ausdrücken guede 
holden und wUte vrouwen (|>cnates.) bel$4^it ist also pe- | 
nas, ein freondlichgesinntcr liausgeist, ein guote holde 
(oben s. 165), wie es bei lUiediger beifst ^ein gnoier nnd 
ein pilewiz^. Der ags. spräche ist ein ad$. eigen bihit^ 
hiUifit Gidm. 53, 4* 279, 23, das mansuetits, sini|>lex er« 
klärt wiihI. genauer vielleicht aequus , juslus bedeuten 
könnte. *) die Schreibung btlehvit (IJeda .5, I i wo c» 
siniplex iibrrsclzl) würde auf bvil (all)us) führen , folglirü 
den cirrnn«l!(»\ hegeln cn ; v> as sollte dann aber bil bedt u- 
Icii ? idi ziohc das allrre , brul.juhiglore hi/evit vor, und 
lu'lmie \il liir sc ins, hilvü , rihtl. juhnviz^ pf/ivi'^? liir , 
aequuiu scicns, aet^uus , boauä^ obgleich ein adj. vity ^vi2 



vandes med sig en liund, livilkeo ta han blef varse mitt da^cu 
bärj^stiuiiinen 1 som tä smidde en stor Uen^ skiälde iian |)a iiooooi, 
hvar pa bärgameden^ tooi bade ea iiasgn rlür ok blhi^ulen hali^ bc- 
gynte »t wilrka %t huaden, som tillika med bailiottden fonst» t$deUgii-«t, 
•t leoiaa ttoaoni I fred. Tliet gilVas ok iiiinu ilitend gemene nuia 
sma criicirtxer af mctall, »om gcnuMilifreii linllt'> fV-rc vara i furdna li- 
der .\rni({'lf i f>t!rg, livilka tlie ulV>i sfaiidifie I>riik.H at liaii^a pa lH>»k»Pi 
som lia.sll^t ladt ondt iite pa marken, t'ller son\ sa«zes blitVit uutdrr- 
slogue^ liVHrigt'noiii tro tliem hü liclbro^rda. af »adaiia barfis/utticn U^r 
ja;; ok n> Ilgen kommit ofver ett, som annu ar i förvar, ok pik ofraa- 
nimde fitt gtk i läa at bota atukHummar. 

•) mild. I'illlrh (aequu«) Reilili. :i:.4. Iw, 1630. 5214 57no. 6812. 
billiVlicn (Jure) Nik 150, 2. der l>iliuh (acquitns) Tri^t. C Pii>. 'y^U. 
lOOGi. 1:^7 72. 177H7. 1H027; a!id. kt iiiie itli /'////Vi mir aus W. i 
27, wo die leidiier Iij». bililhlidi . in derlliat, <)a Ii «lir lu^^-iiSit* 
af(|U(i.% ao(|itHliii, siniilis berülirea iat bilidi, pt'atii aei|iiuiila.t, AiiiiitlUal^t 
altii. likneski (imago.) das einfaeiie />//, / // scheint an axAt »rtioy ae- 
qniftas, ju»{ ich llaiin es aber in koiner ifentsriten spraclie aaciiwrisca* 



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BILWIZ 



tonst, so yiA loh weife, mangelt, und das ohn. \hr (gen. 

vitrs) noch ein ableitendes R zuiiigl, Sind diese et) niolo- 
gicii huUbar, so ist h/ltviz ein ^uier geniiis, aber ellnsclicr 
ualur, er hauset in bergen, sein ge,S( /lo/s wird, >vie das 
des albs (s. 259) gcriirclitet, er venrirrt und verfd/t, 
gleich dem alp die haare (8. 262.) auf die verwandbin«; 
des ausdriieks bi/u'iz, btltvia in bilwiht nioelite maa 
leicht geraliien, da auch sonst S und 11, S und liT (lios, 
liolit; granim. 1, 318) und HT (forest, foreht; gramm. 

416) tauschen, die ztisaninieusetzung bi/iriht aber einen 
passenden sinn gewahrte (guter wicht.) gl, blas. 87* lie- 
fern wihsilstein (tienas), ja die heulige zwisclien weich- 
uizopf , wichwUogf und wichtelzopf {Inchlelzopf) 
schwankende benennuog der pb'ca (s. 262) bestätigt den 
jibeigattg der formen bilweivhsy bilwevh« und &i7- 
wiciit\ ohne zweifei kommt auch bilweich82ox)F; bilwiz- 
sopf vor. *) 

In den jüngsten jahrhunderten hat der Volksglaube, 
üie alte, edlere bedeutung dieses geisterhaden wesens ver- 
lierend, gerade wie bei alb, Nvie bei Holla und iieilila, 
i;ur die feindselige, siJiadlicbe seile senier natur festge- 
Itallcn : es erscheint als plagendes , schreckendes, haar und 
l»arl ver\> irreniles, gelraide /verschneidendes gespen.st, meist 
in weibliclier gestall , als bose zauberiii und Jiexe. schon 
Kilian deutet beleivitfe durch lanua , slrix. die Überliefe- 
rung haltet vornemlich im (tsiüchen Üenisehland, in ßaiern, 
Franken» Vogtland, hiesieii. Haus Sachs gebraucht bil^ 
(Htz^n vom verwickeln der haari^opre , pUinitz von v( r- 
vrorrencn haarlocken : *ir har perbi/bitzt ^ zapfet und 
stroblet, als ob sie hab der rab gezoblet'. I. 5, 509^. IL 
2, 100<i I ^pUniitzen , zoten und fasen'* III. 3, 12S Im 



*) poln. Iieifst die plica, nufscr koltnn , muh nocli H>ifszcz^ce 
(binde (J, 227) und <lor volksplaiihe «clireiht sie dein zatiber einer 
tfieszczLa^ d, Ii. weisen frau, weis2>ageriu, liexe zu. dit^ses Nvicszczvcc 
itiiiimt zu tfeichselzopf und dem -wiz^ ~weis in bilwiz. Liefäe «icli 
tili coin|H»ititiioi bialowieszczka (weifse ssiiberin, wei^^e fee) nsch- 
wcuen, (ich finde es aber nirjreuds, auch nicht bei amleni Slaven); 
M wärrfe alarke vennutun^ tVir die lierkunft onseres biMz aas dem 
ibviscfien erwachsen, und ich will nicht panz entscheiden, zumal der 
■Hsdrink lunipfsächlich in Baieni, ()>treicli, Schloieii jr**fiinden wird, 
voriruifi;: M*lieint mir aber seine d<Mitschlieit durch tWv. nl)vv^•^♦Mll;eit iv- 
fltr »lav. zu.sauinienüetzunp:, .so wie durch das ajjs. bil\il, nl. l)»*hvino 
ttad die «lid. ei^^euflaDien Pililiiit, Tilikarl, Pililielm, Pilidrüt, Ptiiiiwii 
^ i. w. gesietiert: fibrigens stammt unser ans wizan« das pofii. 
wesuz aas wiedsi^y and Verwandtschaft beider wOrter erklirt sieh 
Mcb oliae entleiiattogea. 



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JMS BILWEE 

ackcrmann von Bräunen cap. 6 st^t pilun& gTeicKbedenlii 

jiül licxe. 'Zauberer pielweiser, -Wahrsager'. Böhinos beifr. 
zum scbles. recht. 6, 69. 'ao. 1529 (zu Scliweithiit/) ein 
piehi^ei/s leljindig begraben'. HofTmaniis nionat^chrilt s. 
247. *1.582 (zu Saj;an) znvü ehrbare Trauen für fu'/ti'ci/sen 
und Iiuren geschollen (das. 702.) *(hi pi/ewei fsin^l A. 
Gryphius ]>. 828. *las de deine hilbezzodn au^kninphi' | 
sagl die zornige nuUler zum kinde (8thni. 1, 16S) *i den • 
biitnezsc/iedl (struppigen köpf) get nix nci'. pilnieskind^ \ 
eine scheUe wie teuielakiud (Delling bair. idiot. 1 , 78.) 1 
biibezsrhailt, biln>ez9chriitt, bilJezschniU bezeichnet ei- 
nen durcbscbnitt im getraidei'ehi , den man als werk eioei 
geistesy einer bexe oder des teufels betracbtet. 

Dieser glaube gebt in ein bobes alter binanf. sdion 
die lex bajiivar. 12 (13), 8: 'si qnis messes alterius im* 
tiaverit malefiols ardbus et inventus fuerit, cum diiodedm 
solidis componat , quod aranscarti *) dicunt'. ein solcber 
übeUhäter hiefs vrol damals piUwiz, pilawiz? ISledcrer 
bemerkt zu der slelle p. 202. 203 : ein ehrlicher landmanu 
erzählte mir von dem sogenannten hi/mcrscJtnitt^ bilher- 
schnitt foliiPiides: der böse mensch, der seinem nadilhir 
aul die golllusesle ^veisc schaden >vill licht niillci nai lits, 
ganz, nackel. nii den fuls eine sichel gel)nn(len , und znii- 
beri'ormehi hersagend , niitlen durrli den cljcn reileiitlcti 
getraideacker bin. \un dem theii des leides, den er mit 
seiner sicliel durchschnitten bat, lliegen alle kömer in seine 
scbeune , in seinen kästen, liier wird alles einem von 
menschen geübten zauber beigemessen. Auch Julius Schmidt 
(Reicbenfels p. 119) berichtet aus dem Vogtland: der gia«l« 
be an die hilsen oder bilversvhniUer ist siemlicb Yeibrci* 
tet, ja es mag gewisse leute geben, die welche zu sein 
meinen; diese geben dann am Johannis, mitunter am 
Walpurgistage vor Sonnenaufgang in das feld, scbneiden 
mit kleinen an die grofsen xcben gobundnen sicheln die 
lialme alj, ^vobei sie <pier durch den ackcr trelen, dabei 
sollen diese leule klcuie cl i eievkige hüte (bilsenschniller- 
hülclien) auUiaben ; gi iilst sie jemand in dem pniia, 50 
miilsen sie heuer sterben. die bi /scnsihn Itter glauben 
nun die halfte des erlrags von dem leide, >vo sie cesdinil' 
len haben, zu bekomnic n : Ix i manchen leulen hal man 
nach ihrem tode kleine slrliellnrniige instrumenle gclun- 
den» wenn der eigenthüiuer des ackers stoppeln der 8^ 



*) gatfa* ctans (meisit) slid. aran^ srn. 



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BILWIZ 



sdinhleneii lialmo antrift, tiiid in tleh rauch liängt, so 
jauls der biUenscIifiittcr nach inul nach vcrlrocknen. 

Zuiolge einer niilllieilung aus Tliüriugcn kann man den 
hinsenachneider y >vic er dort heiisi, auf doppelte Avcise 
verderbeji* euiweder seUe man sich auf trinitatis oder Jo* 
hannis, ^enn die sonne am höchsten steht, mit einem 
Spiegel vor der brüst ^ auf einen Holunderstrauch, und 
icliaue nach allen endeu um, so kann man den binsen* 
aduseider >vol entdecken; jedoch mit grol'ser gefabr: denn 
venu der aufpassende eher vom hinsenachneider gesehen 
inxdf als er ihn erblickti so mufs er sterben und der bin« 
senschneider bleibt lebeui er müste sich denn sufdUig selbst 
in dem Spiegel, den jener vor der brüst hat» erschauen, in 
welchem fall er auch noch in diesem Jahr sein leben ver- 
liert. Oder, man trage ähreu| die der binaenachneider 
geschnitten hat^ stillschweigen ds in ein neuausgeworfenee 
grab^ die aliren dürfen aber nicht mit blofser^hand ange- 
fafst werden: würde nur das geringste dahei gesprochen . 
oticr käme cia tropfen schweils aus der hand mit ins 
grab, so nnds, sobald die iihreu verfaulen^ derjenige ster- 
ben, welcher sie Jiineinwarf, 

A\ as hier men&lhlit ben zaul)erern, *) wird anderwärts 
dem teulel beigelegt (abergl. no. 523) oder elbisrben ge- 
speuslcrn, die sieb scbon an iliren kleinen hüten kundge- 
ben, sie heilten bald hiliyerischneider^ hald pilver oder 
hilpertsschnitter , bald führen sie ganz abweichende be- 
nennungen. Nach Schm. 1, 151 bockachnitt , weil das ize- 
apeost auf einem bock durchs getraidefeld reiten soll, wo« ^ 
bei an Dietrich mit dem eher (s. 13'j) erinnert werden 
hano* Der Osnabrück ische Volksglaube läfst die trema&^ 
mutier im korn umgehen : sie wird von den Kindern ge* 
Hircbtet. im Braunschweigischen heilst sie hornwif^ wenn 
die kinder kornbltunen suchen, wagen sie sich nicht zu* 
weit ins grüne feld und erzählen sich voM kornweib , das- 
die kleinen raube* in der Altmark und mark Branden* 



*) Ist auf diese Zauberei scboD eioe stelle der ksiserchronik («od» 
pll. 361, 12c) bezu^lirli? 

diu nuloter lieizit Racbely 

diu hat iu geleret : - 

•weaae sie In hiei sntden g&n^ 

afn hmi ineom nU ddr 

stn sicbll sneit schiere 

nit^r dan aii'fore viere : 

vril er durcli ciniii berc T«rn, 

der §Ut immer m^r ia gegea im üf getia« 



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2?0 ^ 



BILWIZ SORAT 



"barg ^ird slo genannt roggitnmiUime unil man sdiweigl 
schreiende kiuder mit dtMi werten: *lialt8 mauli sonst 
kommt roggentjiöhmc mit iliren srliwarzon langen liit- 
sen (?) itud eclilep^t dich hinweg' I *), Ist nicht auch die 
bairische preinackeuhe ein solches getraidegespenst ? im 
Schräckengasr, Ingoist« 1 598 finden sich p. 73 ^preinschev^ 
hen und menvuudor' p. 89 ^wüde larvenschopper und 
preinsrheufien* nebeneinander* prein, brein, eigenüicfa 
brei (ptds) bedeutet auch körnertmgende pflanzen wie hal- 
ber, hirse , p«imciim , planlapo Schm. 1, 256. 257) und 
hreinsvheiiJie wiiro der geisl, den das volk in Laber und 
hirsenreldern fürt hlel 

ljnvorke!iril)ar durch alle diese znsanimenstcllnngen 
isl die \er\vaiidlseliari der h//iV/Jse mit gtittlichcu und el- 
l)i-( lien Wesen unseres heidenllnnns. Sie verfilzen das 
haar wie Trau llolln, Iran lierlila untl der alb , sie traeen 
den kleinen hut und fuhren das gcschois der clhc, sie sind 
zulelzt, gleich lioUa und Jjerhta , zu einer kinderscheucfae 
lierabgesunken. lU'sprünglieh *gule lioldeu', gesellige wol- 
tliütige wesen haben sie sich allmäiich in ntdudde, teufli- 
sche gespens(ei\ Zauberer und hexen verkelirt* **) Ihre be* 
rühmng mit llolla und Berhta ist auch darum merkwür- 
dig, weil alle diese wesen, dem eddischen glauben fremde 
eine eigenthümliche entwickeln ng oder "vrendung der Leid« 
nischen religion im innem Deutschland erkennen lafsen. 

An die behaarten, struppigen elbe oder bilwiTse reiht 
sich zunächst ein geist, der in ahd. Sprachdenkmälern scral 
oder scratOf iu gleichzeitigen lateinischen piluaus genannt 
wird, die gl. mons. 3v^3 haben scratun (pilosi\ gl. herrad. 
200^ waltsclirafr (satyrus) sumerlat. 10, 66 srate (lares 
mali); ebenso mhd. 'ein w'Mov waltsvhrat Barl. 251, lt. 
Aw. 3, 226. *sie ist villihle ein schrat, ein ceist von lielle'. 
Albr. Tilur. 1, 190; dafs ein kleiner, elbiselier geisl ver- 
standen werde, folgt aus dem dim. sc/iretei , das gleichbe* 
deutend mit wihtel in der artigen fabei gebraucht ist , von 
welcher die ir.elfenm. cxiv — xix einen auszug liefern. Vint- 
lers stelle vom achrättlin (anh. Lm) bestätigt es. der vc)- 
cab. von 1482 hat schreUia (penates), Dasypodius nachi^ 
scAretieie (e^hidlies)] spätere achreiben «c/irä//«/0, sehräi" 



*) rn|. deutficfie sagea hO. 89. 

sollte nicht das umgehen des bilwifs, der kornmnhme im jre- 
traide eine wuMiätige iiräneiie gehabt hn!>en, 80 dafs die^e wesen dem 
göttlii-li ver» lirien robif;o der Römer, der dea braud im Lora veritia« 
derte, vergteiclibar wärea? 



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SCRAT 



te!^ ßchrettelcy schrötle, vgl. Sfakl. 2, 350. ScTimiM 
bchwäb. Avb. 478. Audi aiidoni tleulschcii dialeclen scheint 
das worl bekannt: ags. scriffa , cnnl. scrat (hermaphrodi- 
tus) ü\[n. slrat/i (^inalus geuius, giijas); ein meeresfelseii 
heilst skratta.sLar (oci^lomii^ scopiilus) loruDi. sog. 2, 142; 
diese foinien zu jenen liochd. gehalten \erniis8t man die 
lautvemhiebung. in der that gewäliren andere hochd. for- 
men ihr Z fttatt T: screza (larvae, larcs mali) gl. lindenbr. 
996>>5 srezze vel «rate (uiclit screzzol scraito) sumerl. 
10, 66; 'unreiner svhraz^ Aw. 3, 170 (: vraz.) **) auch 
oberdeutsche Wörterbücher des 16 jb. stellen schretzel und 
•Ip zusammen, Hofer 3, 114 hat Mer achretz\ ***) 

Wichtig ist die einstimmung slaviscber würler. alt- 
böbm. acret (daeniou) Hankas zbjrka 6^; screti^ scretti 
(i)euales inlinü et setrelales) das. 16*^; böhm. ssLrjteh (pc- 
na», idoluin poln. skrzot und akrzlteki 6lo\eii, ßiiräty 
ßdrdtiz^ Juki dttlj (bergniannrlieu.) dem serb. und russ. 
dialect scheint der ausdruck unbekaunl. 

Ich weiis weder der deutschen noch der slav. form 
eine wurzel. -j-) 

Gehen -wir dem begrlf nach, 8o scheint sclirat ein 
wilder, rauher, zottiger waldgeist, dem iat. fatmund gr. sa- 
tjrr vergleichbar; schrätleln , synonym mit wichtel und 
alp, hausgeist, bergmäimlein. immer kommt aber hier das 
mänuliche geschlecht vor, nie das weibliche ; es mangelt also, 
wie bei den fauhen, der verschönernde gegensatz, welcher 
in den elbinnen und bilwissinnen da ist. einiger bezie- 
hungeii halben lassen sich allerdings die am schluls des 12 
caj). abgehandelten wilden weiber und waldnuuuen den 
Schraten zur seile setzen. 

Auch darin untorscheideu sich die Schrate von den el- 
ben, dais b'iQ kein vulk bilden, und einzeln auftreten. 

Die glosse bei Hanka 7^ 11* hat vilcodtac faunus, 
vilcodlaci fauni hcaiü, incubi, dusii^ neubülun« form wäre 



•) schon Ssp. 1, 4 altuile und di-er^e nebeneinander, vgl. RA, 410. 

**) oder Ware sc/irdz (: vrAz , wie sich vcrtlififli'ren lafsl) aus 
•cÄWTM'öi verkürzt? Gudr. 448 är/, ruH'iiz, oder intTWundcr ; st lini haz. 
Albr. TiL ar, 299 (uebeo pilwiht); schrai^'uts,en uud merwuader. 
Msp. V. d. Ron Wolfdieter. 195. 

*") Murhar röm. Noricum 8, 97 und Gsiteia 147 erwäliot eiaes . 
aönis;eii bcrggeistes schraneL 

t) das altn. skratti soll auch terror bedeuten, sciiwed. sknittay 
flau, skratte iüt laut lachen, erlaubt die ags. form xiiüfi das gr. 
ox^io^'j eiueo hüpfenden, üprin;i:enden kobold oder itat>r (.vou a«*yYtt«iy 
i^üpfe), za vergleidieoV Lobeckü Agiavpli. lail. 



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272 



SCRAT (PILOSÜS) 



wlkodial'f wolfTiaarIg; den Sorben ist vtlhydlak der vnm- 
pyx (V'iik 8, V.) Ka wird nicht auilallen und gewahrt 
neue beriiliruug zwlsclien elben , bilwUsen und schratea, 
dai's in Polen dem sirzoi dieselbe verfilsung der haare 
zugeschrieben und nach seinem namen benannt wird ; 
in einigen gegenden Deutschlands sagt man achrötiwi^ 

Schott frühe dadite man sich in Europa daemoniscbe 
Wesen als piiosi. die Tulgata hat Jesaias 13^ 2i 'et pilosi 
saltabunt ibi', wo die LXX: ttaiftorta iuel ofxvaov9ct^ 
vgl. 34, 14. **) Isid. etym. 6 cap. ult. ^und daraus gl. 
Jun. 399): pilosi qui graece panilae, lätine incuhi no« 
minantur, — hos dacjnoncs Galli ditsios nuncnpant. queirt 
aiiteni viilgo ificttburieni vocant, biuic iioniaui fniiniim 
dicuiit. Bnrcanl nou \\ urnis (anh. xxx.vu) aedenkt des 
aberglänbisrhon biaudis, den liansgeislern iu keller iincl 
Scheune S|jielsacben, sthulie, bogen nnd pteilc liinzuiegcn, ***) 
und aucli diese gem'en lieilsen safrti >el pilosi. Der 
niöncli von S. Gallen erzählt im leben Carls des grolscti 
(Perlz 2, 741) von einem pi/osus, der das haus eines 
scinniedes besuchte und sich nachts mit hammer und am- 
bofs belustigle, vgl» ir. elfenm« cxi. cxn. Also ein spielen« 
der, fröhlicher'}- tanscfnder, launiger hausgeist^ rauh und 
haarig anzusehen, wie die heidelberger fabel sagt, 'eislich 
getftn\ uad mit dem reihen lappdien der zwerge ausge* 
stattet, gern in küche und keller sein weseii treibend, ein 
bild ganz vomen im cod. pal. 32f4 scheint ihn darza* 
stellen. 

* Nur nehme ich an, dafs man in allerer zeit dem schrat 
oder waldschrat eine ernstere, giuf'sere gestaU , und er5t 
spater dem schreltel die lieitere, kleinere lieilegle. das 
sclieint auch aus der alln. ])edeutung von skratti gigas, riesc 
liervorzn£;elm. Diese Waldmeister müssen noch im 6. 7 ih. 
eines eiiiiien cnltns theilliallig geworden sein : bäume und 
tempei waren ilmen heilig, beweisende stelieu sind schon 



•) aucli lüULi Iielfst der wcichselzopf, und koliki sind wiederum 
{»oluische, russische hausgei^stcr. 

**) Luther QlMrsetzt das bebr. sagnir lieselchaet baarij^ 
bockartige wesen. Radevicas frising. 2. 13 ahmt die gaose stelle dei^ 
Propheten nacli: Sihilae, apupae, bnbones toto anoo in tectis faoebrta 
personantes lu«i;ubri voce aurcs ooimum repleverurit. julosi quos 
t\ri)s vocant in doniibus plerunque auditi'. und nochninls 2, 24: *iB 
aedil>us tui.s lufruliri \orc rcspoiideant ululae, aallent j>Uoxi\ 

•••) so wird dem j/nfrl (ich nieiiie gite/i'll was aoast gupte hüldej 
•pielwerk hiugelegt. abergl; no. ij'I vgl. 473.) 



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SCaAT (FAUMJS) 



278 



t, 45. 54 dafür angofährl: ^^bom damnoni dedicatae', 
und unter den Waraskeiii einem den Baiem Terwandten 
8tamlDy ^agrestium fana, quos vulgiis faunos Tocat'« 

In Eckeharts lat. Walthariaa kommen merkwürdige 
SnfiMrangen vor. Waltkarin« redet den vierten lidden, 
der Um bestehen yrill, Ekevrid aus Saclisen, einen landes- 
verwiesenen, darum also Nvaligongou luid im >vald liauscu- 
den *), mit den billeren worlcn an : 

die (ait), an corpus vegelot Iraclabile lernet, 
sive per aerias lallas, maledicte^ figuras? 
f:altibiis assuettts Jaiirms mihi quippe \idcris; 
ükevrid entgegnet liohnlnclKMul 

cehica lingua prohat, le ex illa gente creatuni> 
cui natura dedit reliquos ludendo praeire; 
at ei te propius renientem dextera nostra 
attingat, {lost Saxonibiis memorare valebis^ 
te nunc in Vosago fauni fantanma videre; 
du magst einmal den Sachsen , meinen hindsleuten , von 
dem si^at erzählen, der dir im Wasgan erschienen ist* 
Als nun Eketrid seinen Speer Tergeblich geirorfen, sagt 
Walthari nochmals: 

haec tibi silvafiU» transpöndit **) miinera jattnuff, 
ein solches waireu >vird dir ayoI ein ^vahscllrat zugoh'cfert 
haben; jetzt eoLLst du mein (meuäcliliciics) gcschofs ken* 
nen lernen* 

Hier heifst der faun ein fantasjua ^ phanlom , ahd. 
grscin T. 81 (Matlli. 14, 21), sonst auch sctnleih (nion- 
8trum) gl. hrab. Jun. 214. ags. scinläc (portentunr) 

oder gitroc (s. 261.) ^Jantasiay quod in libris genlilinm 
Jaunus solet appellari'. IMahillon analect. 3, 352. Und 
gerade ?o in altfranz. gedichten: ^fantosme nous va fati^ 
noiant\ M^n 4, 138. ^/antosme , qni me desvoie , de- 
niaine'. das« 4, 140. 4 , 402« Solche fauni ficarii und 
9ilpeßtres hominea sind es, zu welchen Jomandes die goth» 
aliorunen tfich gesellen läfst (s. 227.) sie streifen aber 
auch in das gebiet halbgötdieher beiden über : Mimriog, 
9ili>arufn aatyms^ fVitugouu^ (sflvicola) scheinen zu- 
gleich kunstreiche, schmiedende schrafe und beiden (s, 220. 
1*21. 222.) mit dem satyiliaften Vidundr verbindet sich 
t'iue valkyrie, M'ie mit den lanncu die aliorunen. wilde 
weiber^ waltminne (8.244. 245j und tPiIäe man (Wigamur 



**) praet. von traaspottdeo (d. i. träasipoadeo) welcbes ich soart 

18 



274 



scuomsAL? 



203) berühren eniniulcr. im Wolfclielencli wird cia sol- 
cher wilder niaiui waltluoder genannt. Die altn, ni> tlio- 
logie kennt wilde waldfrauen unter dem uamen iwtdjur 
(Sivm. 88*. 119**) und iarnMjur (Sn. 13.) von der ii^idju 
sieht 7.11 eingang des lirafnagaldrs der dunkele aussprtick 
*elr ividja'y alit, äuget, parit, gignit dryasj ividja isl abge- 
leitet von einem wald oder liaiu ii^idr^ dessen Völuspa 
erwahnung thut; <nio man ek beima, nio lndi*$ ebenso 
iarnvidja von iarnvidr (eisenwald.) 

In den romaniscben mlüpcbea bat ein altnBmiscber gott 
ganz die natur eines waldgeistes angenommen, aus dem 
Orciis*) ist ein iial. orco geworden, neapol. /looreo, franz. 
ogre: er ^ird scJui^arz, behaart und borstig, doch mehr 
in grofser als kleiner gcstalt geschildert, last riesenmülsig ; 
im wähl verirrte kinder slolsen auf seine wohnung, zu- 
weilen erscheint er gutmütig und begabcnd , oft reitet nud 
schützt seine frau (orca , or^resse.) **) Deutsche niiirchen 
übertragen seine rolle dem teufcl, der auch uuuüileibarer 
aus dem alten gott der Unterwelt bervorgeht. von dena 
unsichtbarmacbenden liebn ist dem orco nichts übriggeblie- 
})en , dagegen wird ihm charadenstiscb eine dämoniscbe 
JeinheU des f^eruches beigelegt, er spürt, gleich seeunge* 
heuern, die annahemng menschliches fleisches: ^e scna In 
chair fraische*, 'ich rieche, rieche menschenfieisch*, 'ich vrittere, 
wittere menschenfleisch^ 'I smeU the blood^ 'Jeg lugt»r det poa 
min hOlre haand' *''"'') gerade vrie schon die meerminne im 
Morolt 3924 sagt: 4ch smackc diutsche iserngewaiit*. 

Das golli. neutr. slo/isly womit UHilas datuoi'ioy 
INIattli. 8, 31. Luc. 8, 27 (hier am rand beigeschrichen, drr 
text hat iinhiilthu) I Cor. 10, 20. 21 übertragt, ukm Ute 
ich aus einem golh. slolis (gen. 8kuhis) oder lieber sLös^s 
(skugis, das H kann blofs durch die vorbiiulunG; SL ent- 
sprungen sein) erklären, skdgs entspräche dem altn. skogr 
(silva); in allen unsern gotlu £ragmenten bietet sicli uie- 
mals der begrif von waid dar, aufser vidus (s. 220) darf 
dafür auch jenes skdg$ vermutet ti'crden. Ist nun sköhst 
vraldgeist, f ) so katm damit, v^ie mit äai/twriary die Idco 

') vgl. nnlinn;;: p. x\\ ^Orcum invocare\ neben Neptun und Diana 
und p. Liu bei Vinticr: Meli liab den orlctn gesehen'. Beov. 224 orcneas, 
**) peutameroae 1, I. 1, 5. 2, 8. 3, 10. 4, B, und die orca 2, 1. 2, 7. 4 
6. 6, 4. 

***) Pemnlts petlt poucet; kiodm. 1, 153« 3, 410« Mmaeas 1, 
91. danske viser I, 820. 

i) ein alid. skuoli and sknolilsal siod reitieh noch gewn^tcr; qq- 
ier nlid. scheusal (monstrom) , wenn es von scheuen (sciulian) her- 
•taiiuaty hat ganz aadera vocallaut, kauo aber aock verderbt seia^ 



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NICIIÜS 2?5 . 

eines hulieren lialbgiJillichen oder selbst gol iiichen Wesens 
▼crbunden seiu, Jhiiinert mau sich an dio hoih'gen , un- 
verletzbaren , von i;cistern bewolnitcn b.iunie (schwed. 
abergl. no. 110, dün. no. 162), an den germanischen wald- 
ciiltiit öberhaopl (s; 41. 42. 43. 82. 83.) ; so wird begreif- 
Udi| -warum vorzugsweise waldgeiater statt der elbiscliea 
iMtur menschliche und gOttüche^aanehmen; . 

Auch die wasseii^eister selged diese doppelte seite. 
Weise firaueii| yalkynen erscheinen ab echwüne auf der 
Hol, sie gehen über in weissagende meetweiber und 
meerminnen (e. 244.) selbst Netihus und IVnu Holla ba- 
flen Im see öder weifier, in Hollas wolinuug gelaugt man 
durcli den hniiuicn (kiiuicrni. no. 24, 79.) 

Der allgemeinen bcnciinung holde ^ guoler hohle (ge- 
nius, bonus genitis) steht daher auch ein a^azzerholde 
(s. 165) und brunnenholde (s» 166) zur seite, dem allge- 
meineren minni ein vieriminni. Andere, nn sich selbst 
terstdndliche namen sind : meerwundei\ Wassermann (slav. 
wdnik), seeßungfer^ m^erweib y ahn. fwffru^ sastonaf 
hafgfgr, margygr^ schwed« /injsman, ha/s/ru, beson- 
ders auch »trönikarl (stromgeist| mann.) die Vorstellung 
eines wa$8erk6nig$ erhellt aus waiercöninh bei Melto 
Sloke 2, 96; 

Ein solcher wassei^elst liiefs eigentlich . ahd: niJJius, 
niehus (gen. nichuses), welches atisdracks sich die gloisa- 

luren zur verdeulscluing von crocodilus bedienen, gl. mons. 
.)22, 412. Juu.270. ^virceb.978^; der physiologus braucht ihn 
neutral : daz nil'hus, Diut. 3, 25. Hoffm. fuudgr. 23. spater sagte 
man nichts (gl. Jun. 270.) ags. finde icli mit Verwandlung des S 
in U das männliche nicor, pl; niceras, Bcov. 838. 1144. 
2Ö54| es werden ungeheuere geister verstanden, die Im 
■wer hausen» vgl* nicorhüa Beov. 2822, Diese ags. form 
ist anch die mnl. nicter, pL nickers (horae belg* p* 119), . 
Rtbaert proaa Mnm^ ^nickers ende wichteren'y necker (Nep- 
tuams) DiiiU 2, 224^. nnL hat nikier die bedecftung vOn b^ser 
gebt, teufel, ^aüe nikkete uit de hePf eben sö' gilt das engL ^bld 
ftkk^. Bei uns dauert die 8 form, und der echte begrif 
(les Wassergeistes fort, eines m&nnBchen nix und eines 
^vciblichen nixe^ d. h. niks, nikse ; doch hört man" auch 
tncLel und nickelmann, mhd. verwendet Conrad waz^ 
zeraixe gleiclibedeulig mit sirene : *heiz uns leiten Az dem 
bade der vertanen iPäz&ernixen^ doz uns ir gedoeue iht 
scha det JNls. 2, 200\ 

kb kenne nof alterer tpraclie nur ille s. 166 unten in der anmerkoag 
nitietUUle Com sc/muL docli iiat Toeab. IM fchpurie (lam.) 

18^ 



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2T6 NICHÜS 

Das oUn. mir (gen. niks?) satt fctst nur bippopolih 
mus bezeichnen ; das scliwcd» nähy neh, das dän. nök^ noty 
nocle, drucken ganz unsern Wassergeist aus, immer aber 
eiuea iiuiiinlichoii. an die daii. ionn /iiiKtLlist scliUcfÄt 
sicli ciu miUollat. nocva , speclruni iiiai iiium in slagnis el 
fluviis. IMaii /lolil das viel allere nelia und tiehahn- 
nia (8. 157) liierJier, ic li einübe ohne grnnd : das laU ur- 
gaii halle iiiclit ui^aclic Jl iür C zu setzen, >vo es iu deut- 
schen wiirleru II venj\ endet (VahaliSf jNaharvali), diiilcri 
^ir keine teuuis gebrauclten; sodann deuten die büder iler 
Nehalcnnia schwerlich auf eine flul'sgÖUin. 

Richtiger mag es sein» den Wassergeist in einem na- 
men Odhins wieder zu finden. Odhinn beiTst nach So. 3 
l^ikarr oder Hniharr und Nilus oder Hnibadlir. Saem. 
46* ^ steht Hnikarr^ Bnilud/ir; 91* 184« Hnikarr. 
Niharr entspräche dem ags. Nicor, Nikus dem ahd. 
Nichua, die Variante ist nici kw urdii? , und Snorri öHift 
Sie aus quellen gCöLlui^iil haben, die vf>ii der duppollurin 
Avusten. das nielnun vcraulal^le vielleitlil den vurlritt der 
aspiration. scliarlbijuii^ bemerkt l'inn ^Magnussen p. 43H. 
dals Odhinn, wo er als Hnikarr auflrelc, als nleergf*i^t 
und wollenbcsdufugend erscheine. Sonst aber weniea 
iu keiner cdda nickar, \vie alFar oder d vergär, genannt. 

Wie von göttern haben pflanzen und steine vom nix 
den namen* die nymphaea heifst uhd. nixblume, seeUu« 
mc, achwed. näckblad^ dän. nökkeblomsiery nöhkeroH\ 
die conferva nipestris isiiL nökkeskäg (nixbarl); die halio- 
Iis, eine muschel sehwed. näeköra (nixolu) ; der taf- 
stein, tophns, sehwed. r/äckehrod , hvol des Wassergei- 
stes, die Wasserlilie wird auch gcnannl umsscrinannUin 
und uiuniifiel^ letzteres glaube ich fia* jniiemel, nnihimheii, 
wasserin uhnie, wie im allen lied die merminne an<:(]rmk- 
lich JMorolts 'liebe Tiiuome' angeredet, und noch lienie 
lu \'Vestfalen watermönie ein geisterhaftes wesen ist; meh- 
rere von nixen bewoluite seen heiCsen mummehee (deui- 
schc sagen no. 59. 331.), sonst auch vieuinkeloch. Maa 
lälst scegcistcr iu bestimmten weihern und üiissen hausen, 
z. h. in der Saale, der Donau, der Elbe,*) wie auch die 
Romer bärtige flufsgdlter für euizelne flüsse annahmeo; 
vielleicht hängt der name des Neckars (Nicarus) mit im« 
serm nicor ^ nec/iar unmittelbar zusammen. 

Biörn gibt auch nennir als cincu allu. ausdiuck für 



•) die Elbjiiiifrfer ua l rlas Saalwclbleio (deutsche Mgea no. 60) 
der Dofdgeist in der Oder (daa. uo. (»2.) 



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MCUUS 277 

« 

lifopopotamus an, da$ wort eclieint dem namcn der göttio 
Nan/ia (s. 198) verwandt. ♦) Dieser nennir oder riikur 
8oH als scliünes, apfelgraue^ roa am meerCMtrand erschei« 
neu und daran su erkennen sein dafs seine ]iufe verkehrt 
stehen ; heslcigt es einer^ so stiirzt es sich mit seinem raub 
in die flut. Man kann es aber auf gewisse weise fangen, 
zShmen und eine zeit lang zur arbeit abrichten Zu 
Morlan<) in Bahiis warf ilim ein verständiger mann einen 
künslliclicn zaum über^ dals es nicht eiillaiifen konnle, 
und plliigle iiu;i alle seine lieker mit ihm: als zufällig der 
zäun aufgieng , sprang der neck wie ein fener in die sec 
und zog die egge mit sich hinunter,***) wenn sUmn und 
gowiüer aufsteigen, pllegt si'li ein grofses pferd mit un- 
gelicueren liufen auf dem wasser zu zeigen (baye p. 55.) 

Die Wassergeister liaben manches mit bcrggeistern 
gemein^ aber auch ihr eigenthiimliches. Gleich dcjn sclirat, 
treten die männlichen. lieber einzebi, als in geseilseliaft auf» 
Gewölmlich wird der Wassermann schon ältlich und lang^ 
bäri/o- voigestellt, wie der römische halbgott, aus dessen 
Urne der üufs quillt; oft erscheint er mehrhäuptig (vgl* 
I. Faye p. 51. In einem dän« Volkslied hebt der 
nOkke seinen nassen hart in die höhe (vgl. svenska visor 
3, 127. 133) er trägt grünen htitj und wenn er den mund 
bleckt sieht man seine grünen zahne (dentsche sag. no. 52.) 
zuweilen hat er die geslall eines raiihliaarigen >vililen 
Inaheri^ zww üWen die ciuvs gel hhrligen^ mii rvt/icr mutze 
aul dem hanpt.i") Aixe/i erscheinen in der sonne sitzend, 
iiire Jangen haare kämmend (sv. vis. 3, 148), oder auch 
mit dem obcrllieil des leibs, der von liolier scliönlieit ist, 
aas wellen tauchend, den untertheil soll, wie bei si- 
nnen, ein fischarliger schwänz bilden; doch diese Vorstel- 
lung ist unwesenllicli und wol nicht echt deutscli, denn 
niemals treten geschwänzte nixe auf tf}» und auch die nixen, 
wenn sie ans land unter menschen gehen ^ sind gleich 

*) Mnclinr Noiikum 2, 37 und Gastein {»«145 erwähnt eine» al- 
pen^eiätes Dona/uidel ; stellt hier nadel Inr aaodel? ciu druckf. für 
Buidel (niä'it'heri) ist kaum auzunehnion. 

'*) laixlnaiiiabok 2, 10 (lsl< nd. ^i)'^. !• 74.) Olafseus rtfiüe igieu« 
Dem lulatid I, 55. sv. \is ;i, 128. 

**') P. Kalms wcstgüta och bahusländska resa 1742. p. 900. 

f) auf diese kleiabett geht der volksreim : *nix in der grübe ^ da 
li't ein böser bube\ wa^cli dir deioe beiocben mit rotlied aiegel- 

ii) »her uixc die oben nienschUth, unten wie pfmle gebildet 
«ind ; ein wnsst i ist hnt fica oamen vou seinen auJge^chUiziM ohren 
('leuuctie Mgeii uo. ^ ) 



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278 



meDsdiliclien jungfrauen (gestaltet und gekleidet, nur an 
dem Dasaen kleidersainn, dejn nassen Zipfel der scliürze etw 
kennbar. ^} Hierdurch berühren sie eich mit den schwastv 
Jungfrauen 9 und wie diesen Schleier und kleider vreggp^ 
nommen werden , setzt auch sie das vorenthalten deip 
handschuhe beim tanz in Verlegenheit (deutsche sagen 
no« 58. 60.) 

Tanz^ geaang und musit sind, wieder elbe (s. 264), 

auch die freüde aller >vasscrgeisler. In Scliweden ers^lilt 
mau von der lückeiitlcn , bezaubernden weise des ström- 
harl: der slrönikarlslag soll eilf varialioueu haben, von 
welchen man aber nur zelien tanzen darf, die eilftc ge- 
hört dem naclitgelst uiul seinem beer ; wollte uian sie auf- 
epielen , so fiengen tische und bauke , kanncii und becher, 
greise und grolsmütter; blinde und lahmei selbst die kinder 
iu der wiege an zu tanzen. Dieser spielende strömr^ 
harl halt sich gern bei mühlen und wasserrdllcn auf. da«? 
von heilst er in Norwegen fossegrim (fos, schwed. und 
altn. fors, Wasserfall.) es ist schon s. 3i als Überrest heid- 
nischer opfer angeführt worden, dafs man diesem dKmoni* 
sehen wesen ein »clmarzea lamm darbrachte und von 
ihm dafür in der muaik unterrichtet wuide. auch der fes* 
segrim lockt in stillen, dunkeln abenden die menschen dutcfi 
seine mu^ik, und lehrt geige oder anderes saitenspicl den, 
der ihm donnerstagalionds mit abgetvandtem haupt ein 
weifscs hocklein opfert und in einen nordwärts strö- 
menden Wasserfall wirft. ***) ist das opfer mager, so bringt 
CS der lelirling nicht weiter, als zum stimmen der geige, 
ißt es aber fett , so greift der fosseiirim über des spieU 
manns rechte band, und führt sie so lauge hin und lier, bis 
das blut aus allen fingerspitzen springt, dann ist der lehr- 
iing iu seiner kunst vollendet und kann spielen , dafs die 
bäujne tanzen und die wasser in ihrem fall still stehen» -|*) 
Obgleich das christenchum solche opfer untersagt und 
die alten v^assexgeuiter als teuflische wesen darstellt^ so be« 
hält das Volk doch eine gewisse scheu und Verehrung bei 
und hat noch nicht allen glauben an ihre macht und Sutsn 

*) iu Olaf des helligea saga (f^rnm. sog* 4, 56. 5, 162) wird eine 
ffforg^gr geschildert als scbones weib, tooi gArtel tn in daea ftich 
«lisgenead, mit Ibrem sfibeo gesang maaoer elnsclilifenid. o^cahar 
iikch dem moster des rdinisclien siren. 

**) Arndts reise nach Scliweden 4, 241 1 TOB ahaUcbea Caasm 
* meldet MerrnndfisagA cnp. 11. p. ^9 «^52. 
nordwärts, oben «. 22. 
f) Fii>e {>. 57. vgl. Tüiele 1, 135 vom kirkegrim» 



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MICOUS 



279 



elnnufg aufgegeben; es ßind ihm unselige wcscu , tllc aber 
lUOiiial der crlüßung theilbaflig ^vcrdeu küuuen, Dahiu ge- 
liört die riilirendc sage, dai's der glrönikarl oder neck für 
^ineu Unterricht in der musik eicli nicht blof« opfern, 
iondcrn aucli die aujerfitehurig und erlosung versprt^ 
chen lälst. * ) Zwei knabcn spielten am ström ^ der Deck 
sif« und schlug seine harfe, die kinder riefen ihm zu: 
Sras sitzest du neck hier und spielst? du wirst doch nicht 
selig r da fieng der neck bitterlich zu weinen an, warf die 
harfe weg und sank in die tiefe. Als die knaben nach 
haus kamen, erzählten sie ihrem vater, der ein priester 
war, was sich zugetragen liattc. der vatcr sagte: ^ihr habt 
euch an dem neck versündigt, gclil znn'ick und tru^sltt ihn 
und sagt ilim die erlösufig zu\ Da sie znni slroni zu- 
riitkkclirleu, safs der neck am ufer, trauerlc und vveinle, 
die kiuder sagten : Svehie nicht so, du neck , unser vater 
hat gesagt, dal's auch dein erluser h^bt'; da nahm der neck 
froh seine barfc und spielte lioljlich bis lange nach t»on- 
' ueuuntergaiig. **) Ich wüste nicht, daJs ii'gendwo in un- 
Stru sagen so bedeutsam ausgedrückt wäre, wie bedürftig 
des christlichen glaubens die Heiden sind, und wie mild er 
ihnen nahen solL Auf unseeligLeit und Verdammung 
•der nixe scheinen sich vorzüglich die mitleidigen oder 
fhsrtenbeiwürter;(u beziehen, die ihnpu gegeben werden« *^^) 
' ujtntfftAufser d^m freiml/igen opfer für Unterweisung 
Ib seiner kunst forderte der nix aber auch die darbriuguug 
f jgniisamer und gezwungner , deren andenken in fast al« 
*^ len Überlieferungen des volks fortdauert. Man pllegt sich 
noch jetzt, >venn menschen im flufs ertrinken, ausz\ulrü- 
cken: *der Sluis^^chi furdcre sel/i jährlUhes opJtr\ ge- 
wöhnlich 'ein iifischuldiges lind? '\) Dies >vci6l auf 
wirkliche, dem nichus in Uraller heidnischer zeit gebrachte 
mcuschenopfcr hin. Dem pi^mcinij^ ^vixlt mfiu fül^iüi|*llcJi 
hrot und fruchte hinab. 



•) Odmang Baliu«län |». 80: oni speleman i liGgar ok forsar Iiar 
olstf ok atsktlli^ja sn^or; rt»r 15 ar tillmcka Iiar man liär uti liogeu 
ttoder Garim i Tanunia güll beiägit iiurt spela som the baste nuisi- 
Mtsr. Thea soo^ bar viol ok vUl läca ipela , bKv i ogaablekct ISrd, 
.aHsMit han hfyar upst%ndehe\ ea iopi ej lofle thet tick liora lioni 
tbe i liugen sfogo sonder sina ptoler ok f;reto bitterliga, 

*') SV. viior 3, 128. ir. elfeam. ai. MO-r-^ äbaUcbe irische, 
tsliotti&che, dänische überlieforungen. 

•••) '•vertane wasseriilve' (s, 275); Men fula^ ^h'Rf^^ necken' sv, 
vii. 8, 14T ; Meu usld iunlVue', *uilc iuaremiud\ *dea (intw mareviv*| 
do fuU ug Udtf 2S|>aaqvinde !' danske vUer 1, 110. ki^» 125. 
t) deutsche aageii au. 61. i>2. Fajfe p. 51. 



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NIOBUS 



ijberliaupl gclit durch dlo >Ya8Scrgel8t8agcn ein ziig 
von graiisamJccit und biutdurst , der bei daniouüii der 
bci'i^e, -Nvälder und liäuser nicht leicht vorkommt. Nicht 
alkia menschen, deren der nix gcwahig wird, tödtet er, 
ßüuik^ru er übt aucli bUilige räche an seinen lenlcn , die 
0X18 iaud gestiegen sind, mit den menschen un)i;cheti iifuI 
■wieder zurückkehren« Weun »icli die seejungfern beim 
tanz verspätet liabeOf weqn die eolführte Clu^istiu dem nix 
ein kiad gebierl, vrenn des Wassermanns kind seinem rufe 
SU spät gehörclity so sieht man einen blutstrahl aus der 
tiefe des gewSssers empor scliiefsen zum zeichen der volU 
brachten unthat, *) gewübnlidi war dimeben ein andern 

•) deutsche sagen no. 49. 58. 59. 60. 304. 30<) 318, 1 : ich 
tlieile Iiier noch eine westfälische safje mit, deren .nut'zeichiiung ich 
hcrrii Seitz aus Osnabrück verdanke : dünken von den smeft uppn 
Vunnssen, Dk'hte bl lirnuniüke liixgt en lütken see, de Darins:«eu; do 
hlüad vurraulen tiea ea ktauster ane. de miüuke ^ber in den klaii«t«r Iii- 
btf*ion Dig goddes willea s dnioune göak et mmer. Nig lange oa 
biar hdrden de buren in der aaaberskap, ia Epe, olle aacbte en klop- 
pen aa linrnien bi den Darmsseo» esie wenn me npn unbold slt't, im 
wecke lue seigen wott midden up den DarawieB* se sgeppedeu dnip 
io; da wns et n smett, de bet ant lif inn water seif, mitn h;Ämer ia 
de fAst, damit weis he jümnier up denn amboid, un bedudde He bu- 
ren, dat se em wot to smien brinfjcn sollen. Sit der tit bro« litcti em 
de iüe iit der bur.^kup jüniiuer Isen to sniien, un uinminske hadde so 
goe plogisen Oise de Eper. Eas weil Koatmaa to Epe r^t (ried, 
sdiilf) at den Damitiea Mien, do felnd he n iäik kinä aanen öwer, 
dat was ruti^ upn ganssen liit^e. f) Do sgreggede de smett : 'nimm mi 
minen süennen riig aber Koatmaa neun dtt ktad inn back (oll, 

un Inp derniit nä huse. Sit der tit was de smett nig mehr to solin v>f 
to hören. Koatman larde (futterte) den ruwwen up, un de wor l sin 
beste un flitig^te knecht. Osse he aber twintig jär ault wör, sia lie to 
ftiuen buren: *bür, ik mot von ju gaun, ntin vär het im ropen*, Mat 
spit mi je\ siadebilr, 'gift et denn gar luu middel, dat du bi mi bliwea 
kannst'? *ik will es (mal) aebn\ sia dat waterklnd, «glt ent es (mal) 
no Branmske un tiftit mi en nlfrgea djangn (degeq); mer Jl mjöt do 
f<»rr giebn wot de kaupmann h( !>ben will, nn jau niks afkamn ! .\ De 
Nc göuk no ßrauniske un kofde en c^aaga, liannelde aber doch wot 
nf. Nu gön;;en se lo haupe non Darnissen, do sia do rttfcn-e: 'nu 
pajf-it Upp, wenn ik int wnter släe un et kinnmt blvt ^ d;inti mot ik 
weg, künunt injiiUf^ «Ijinu draf icii iii ju l)liwwen'. He .slu^^ int wa- 
ter» du kwauiui kene mjnlke un nuk keu hiud. gans iargeriik sprak de 
rau^ttfe: *ji hebt mi wpt wis maket uu wot aflianneit, dorümme kämmt 
k^n bli)d im keae nijalke. spöt ju , na kaupet ia Branmske en ianem 
djangn\ De bAr gong weg un kwetm-wir; äber erst dat drüdde mal 
brachte he en djangen, wa lie niks an awwelmnnelt hadde. Qsse de 
ru i' i^e da mit int watcr Alüg, do li-'as et raut 099e hlvd ^ de rmwttm 
stü^ted^ sik io den Da nu vscn, uu nioiiaske hef en wier sehn. 

f J auch bei Cnsp. vuu der Run p. 224. 22:i hcifst das merwuuder 
Mer rauhet der rauche\ vgl. vorhin s. 271. %VX 877. 



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MCIIÜS 



II, . 



giliisliges Zeichen (ein slralil niilcli , ein teller ^Öwjißeni 
apfd) verabredet, das dann ausbleibt. ^^^S^JlTl 
Doch dal's ertrirdendt menschen von dem nSfe^ 
8ich gezogen werden hat aucli eine mildere, und gkuch- 
falls heidnische wendung. wir haben 8. 197 geselin, 
dals ertrunkene zur göttin Rdu Ja/iren ; der spätere 
Volksglaube liilst sie in der bchausung des nix oder der 
iiixe aufgenommen werden. INicht der Ihilsgeisl tödlet die 
im dement des Avassers uuterge"an2nen mensclien . aiilic 
und erbarmend tragt er sie in seuie wohnung und herber:;t 
ihre seeleu. *) Der ausdruck rdn sclieint ursprünglich 
eine allgemeinere bedeulung gehabt zu haben : 'jihxla rdn 
ok regiri^ hiels einem alles übel, alle bösen geisler an- 
>vüü8chen ; mir ist eingefallen, ob nicht das sonst uner- 
kliirhclie schwed. rix in der zusammenselzung */ora (nix) 
slogsrix (scliral), lorntrix (hausgcist) aus diesem rdn ent- 
sprungen sein könne, da die nord. spräche das N so gern 
apocopierl ? \Aie HeL und Rdn hall der Wassermann die 
feelen der im wasser mngehomttinen Lei sich fest; nach 
dem naiven ausdruck einer sage (no. 52) 'unter umgekelir- 
tcu topfen', die nun ein ihn besuchender bauer stülpt, 
augenblicklich steigen alle seeleu durch das wasser in die 
hohe. Von erlrniiknen sagt man : 'der nix Jiat sie an 
sith gezogen', oder *hat sie gesogen', weil Icichen, wenn 
sie im wasser gefiuulen werden , rolhe nasen zu haben 
pUegcu. **) Rolleidiagen im froschmeuseler (]\'n. ll^j : *das er 

elend ijn wasser wer gestorben, ^ 

dtt die seel mit dem leib verdorben, 

oder beim geist blieb, der immer frech 

den ersüj/ien die hels abbrecJi\ 

Der scliAved. volksglaulic nlnunt an, ertritfikrie monsclien, 
deren leichen nicht an den lag konunen, seien in die Woh- 
nung der hafsfru eingc/ogen. (sv. vis. 3, 148.) Nach 
deutschen marchon (no. 7*J) geralhen kinder, die in den 
bruiuien fidlen, in die gewnll der Wassernixe \ gleich frau 
ilolla gibt sie ihnen wirr.Mi llachs zu spinnen. 

Fayc p. 51 fiilirl einen norwegisclien sogen an , den 
man auf dem wasser gegen den nix aussprechen solle : 



*) wahrsrheinürh gab es auch snp^cn von hllfreic Iicn , rettenih'n 
flufsgütteni, wie bei den Griechen und Römern von Tlietis, hiö, keu- 
cothea (Odyss. 5, 333—353), Albuiiea, Mntuta. 

*) daii. ^uökkca har taget hanr, *nOkken bar suet denr. Tullins 
»krifter 2, 13, 



9BB 



NI0BU8 



nyk, iiyk, iinal i vatn! 

jüinfru iM;uia kästet staal i vatn: 

du sfik. iik ilyl! **) 
ein ähiiHclier lür badende m ird scliwed. nbergl, no. 7 1 
inilgellieilt : suld hemmt eiuwirkeude gevvait der gel« 
«ler (oben 8. 2G3\ 

DuinpFer, dem todesaclizeu ähnlicher ruf des nix 
soll ertrinken welssagen (i^aye p* 51*) überhaupt legen 
«dum sehr alte aufseidinuDgen den was$ergci»iem weh'^ 
llagende stimmen und geapräche bei, die an weiliera 
luiil Seen erschalleii! entwe^^r erzählen sie sich ilire ver- 
eiteilen anschlüge, oder wie sie vor den Christen das land 
räumen müssen. Gregor, turon. de g^or« confess. cap« 3i 
erinnert sich aus seiner jugend eines Vorgangs (^ipud Ar* 
veruos gestum\) ein frühe su walde ziehender mann, 
läfst sich seine morgenkost vorher segnen, eh er sie zu 
sich ninnnt: cuinque ad aninnu adhuc antelucanuin venis« 
sct, iniposito planati o cum ljul)us, in ])onte qui super na— 
\eiu lucalus cral, allciuni Iransnicarc cucpil in liiliis. ve- 
rum nbi in mediiim amnis devcnit, audivil vorcni dicen- 
tis ^merge^ merge^ nt tnoreris\ cm rospondens vo\ alia 
ait : *siiie tu.i oliam admonilione quae procIamas focisseni, 
sl res Sacra meis conatibus uou obstaret; nam scias cum 
eulogüs sacerdolis munilum, ideo ei nocerc non pos» 
suin\ lu der vita Godcliardi liildesiensis (erstes viertel dee 
XI jh.) cap. 4 (Leibn. 1, 492) heilst es; erat elian^ in 
orientali parte civitatis nostrae (Hildeneshem) palus horri-^ 
fica et circnmmannentlbus omnino plurali formidine in- 
visa, eo quod ibi| ut opinabantur, tam mcridiano quam et 
nocUirno tempore iUuaiones quasdam horribiles vel au- 
dirent vel viderent, quae (se. palus) a fönte Sfilsuginis quae 
ibidem in medio bullicbat, Sulza dicitur. qua ille (Godc*- 
hardus) spectala, et illiisione etiain phantastica j qua 
brula plebs terrcljalur, audllci , candcni paludeni sccundo 
sui ailvoiitus anno cum cnue et rclicpiiivS ^ia^lclo^um inva* 
sit el hal>ilalionem suam ibidem aplavil, et in medio ]ieri^ 
culo oralorium in lionoicm s. Ijarlliolomaci apostolt fun- 
davit, r|uo se<pieiui anno consinnmato et dedicuto, ouine 
daenwnum phantasma (vgl. s. 273) exiude ftinditus ex- 
stirpavit et eundem locum omnibus commorautibu^ \A ad« 
advenientibus gratum et sine qualibf t tentatiooe haUilabi« 



*) sink du^ icli gehe fort ! so ruft Biyuliildr zuletzt der rie&ia au : 
'scjhtu gygjar k^n!' Saem. 



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MCHUS 283 

lem reddidit. Die drille ßtellc Ist forlsetzung der e. 75 niis 
der vita 8* GalU milgeihcilten (Portz 2, 7): yolvente dein« 
eeps cursu temporis elecliis dei Gallus retia lymphae laxa- 
1>at in silentio noctis, sed inter ea audivit demoffeni de 
cuimine montia pari .suo damantem, qui erat in abditis 
maris. qno respondente ^adsum', montanus econtrai 
^urge' inquit 'ia adjutorinm mihi* ecce peregrini vene« 
ruDt, qui me de templo ejecerunt (nam deos conterebaot, 
quos incolae isti colebant, intuper et eos ad se conYerte- 
bant) veni, veni, adjuva uos ßxpellere eos do terris^ pia^ 
rinus demon rcspoiulil : 

^eii II MUS coriiiu est in pclngo 

CHI uiiuquani uocerc poterO| 

volui enim retia sua ledere, 

sed me victum proba lugere: 

signo orationis est Semper clausus» 

nec umquam somno oppressus\ 
^1ectus vero Gallus Iiaec audiens munivit se undique slg- 
uaculo Christi, dixiUjue ad eos 

'in nojnine Jesu ( lirisü praecipio YOblS| 

ut de locis islis rccedalis, 

iiec aiiquem bic lodere preßunialisT 
et ci|m festiDatione ad littus rediit, atque abbati suo quae 
audierat recitavit. quod vir dei Coliunbanus audiens, con- 
Yocavit fratres in ecclesiam, solitum signiun tangens. 
O mini dementia diaboH ! voces servorum <lel praeripuit 
wx Jantaemativa, cum heju/aiiM atque ulßlatus dirae 
vocia aiidiHialiir per ci/lmiria. Man lese nocb die 2, p fol- 
gende erziililimg von den hj'iden nakl am ufer siebenden, s/ei/l- 
u-^erfefiden secj t auen, i'bcrall liclcn Iiier die bekebrer den 
licidnisclien diinioncn, als etwas ^virklidicin, mit kreuz und se- 
eensfornicl cntociicn ; dem "lückenrüliron weicht das kla«2i;elieul 
der geisUr. giitjer und gcisler >verdcn hk IiI unleröiliieUeu ; 
der aus dem tempel geworfne golt, dessen bildscule zer- 
brocben wiräe, sinnt als alb oder nix auf räche, nieik- 
>?tirdig, dafs auch berg und waaaergeistcr als genossen 
(paFes) dargestellt sind; in späteren \ olksagen scbeiiit ihre 
Verwandtschaft untereinander vielfach begründet. 

Wir haben genien der beige, Wälder und fliifse be- 
traditct; es ist übrig die zabbeiche, viebiamige schar der 
freundlichen, vertraulichen luuiBgeiater zu mustern. 

Von allen stehen sie dem menschen ain nächsten, weil 
sie sich VAX ihm selbst gesellen und ihre wohnung unter 
seiiieni ci^^neu dach oder iu öciuem gehöfte aufsclilugcu. 



üigiiizcQ by 



281 



HAÜSGEI&T 



\Va^ den Rümcm lar *) Ijlef? , tar familiaris (iiimi 
eelie den pi olog zu J'laulns Aulularia) und pcnas ^ wird 
in unserer allen spräche hüsing oder sletigot (genius loci 
gcnannl, vgl. hilsinga (pcnates) N. cap. 51. auch da« span. 
duende^ dnendeciUo (koboid) scheint aus domus herieit- 
bar, dueiio ist hausclgenthümer (dominus | verschieden TOn 
don s» 189) und dueudo häuslich ^ eingezogen, ahn. be^ 
deutet i^hj schvred. tomt^ area domus vacua und der haus- 
geist führt den namen sdiwed. iomtetarl, tomtcgubbe^- 
(der alte im gehüfte), tomtrk, norweg. iomteväiie^ iofi'^ 
väUe. In Deutschland hin und vrieder gesell (oben tu 262 
8f»no, selke)» gut gesell, n achbar y lieber natrnbar, in den 
ISicderlanden ^'O^^c/e l'i//d (lioi ae belg. 111^), in England ^'^ooc? 
JelloiVy in Diinniark .i/^üf/ Jj c/Ji^y kidre granric\ v^\l. bona 
soc/n s. 175. 17'J und giiote liuidc fs.U)5.) das en;,!. pit< 1^ 
lii'lse sicli zwar dem ir. pliida, welstlien pti-' cca, **) Nielleiclil 
aber mit nu'lir fug dem dun, pog (junge) vergleirlien, 
welches nichls als das schwed. pojie , n\\]\. pitki {[nivi ] ist 
und aus dem finn. poica (fdius) herslanmit ; auch iii 2\ie- 
derdeutschland braucht man poob von einem im >vuchs 
zurück gebliebenen 9 schwächlichen menschen (br. wb. 3> 
349.) 

Seit dem 13« }h* (aus früheren gebrechen uns vielleicht 
nur belege) bis auf heute gilt die benennung taboid» Con- 
rad von Würzburg M8. 2, 206« s ^mur ist ein Idser hove* 
Schalk als ein hobolt von buhse^ und der Mtsnsre Amgb. 
48«: -w^ den hobolden^ die alsus erstummenl mir ist ein 
htdzJn bischüf vU lieber dan ein stummer herre'. Es 
sclieiiil, man schnitzte ilaniais aus buehsbaumholÄ kleine 
hausueisler und stellte sie zuin scherz in dem zimmer auf, 
wie noch jetzt hölzernen nulsknackern oder andorni bhjf- 
sem Spielzeug die geslalt eines zwergs oder gdlzen get^e- 
ben wird; doch küiuite der gebrauch iiiil einer altheidni'- 
sehen vcrehnuig kleiner luren , dencu im innersten der 
wohuung ein platz angewiesen wurde, zusannnenhh'ngen: 
der ernsl wandcUe sich in scherz, und die chri Iliche an- 
sieht duldete die beibehaltung des alten brauchs« Den 



*) SU lar (gehört lan^a («^esppnst , damon) , wie su arare anrum, 
arros. der itioinirlnis fiaii;;a]t. iteiint den piiosiiji («« 872) lart-a, 
") Crokers tairy lo^^eiids 2:»«)— 232. 2(i2. 

•'•) nmii sollte dem altcT und der {;l'>(;\Ii des gerätlies, da«, irm^^it 
als bloCscr zierrat, auf »vautiM iiiiiiikc uud li>clie «reselzt wird, n.uli- 
j»jjiiren; daraus und aiis ultlier^ebrachten toreirii deä harkwerks ia^ycn 
»ich eiaige fol«^erun;:en gcwinacii für diu &iUe dtj lieiilcüüiuaid, güUen 



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KOBOLD 283 

stiunmcn hölzernen kobold bestätigt auch der vom IMis- 
nacre gleich darauf genannte hölzerne bisclioF. *) In dem 
öfter angerührten gcdichle Hiiedigers heilst 17^ der königsb» 
ha« 'in kobolde» aprdche'. Aw. 2, 55 'einen hoboU von 
valise maclien' (anfaang s. lvi.) Uoffm. furfdgruben ha- 
ben im gloasar 386 aus. einem vocabul. des 14 jh* opold 
für kopold. Hugo von Trimberg gedenkt verschiedentlich 
der kobolde: 5064 'und l^n einander goiikeL^pil, unter de« 
ninntel er iobolte mache, der manir man loiigen mit im 
laclic^ ; .5576 'der niale ein amlori» kuholt dar, der iingez- 
zen bi im silzc'; die folgenden sieben kann iili norli nirlit 
ans dem bamhcriior. nur aus dem allen (h uck beihi ini,en : 
54* 'einer silil den andern an als koholt n. her kdtitrr- 
jiuiti'' \ jf)'^ 'ir (der lieiden) abgol, als ich gelesen han, daz 
M aren kobolt und katlLennan **) ; 60* *got niöhle w oX la- 
chen, Sülle ez Sin, Man sine kathermennelfn so ^vunder- . 
li<!h iif erden leben', gaulder bringen kobolde unter ihrem 
mantel hervor, kobolde werden an die wand gemahlt» die 
heidengötter vraren nichts als kobolde und kalermänner, 
sich einander ansehen wie kobold und katermann ; überall 
eracheini hier der kobold als ein winziger , trügerischer 
Imusgeist. Bei Schriftstellern des 17 jh. finde ich die be« 
inei kcnswerthe redensart 'lachen nla ein kobold,* Ettners 
lla^viird. doct. p. 340 und anhang p. 53; *lachst du doch» 
als \venn du die Ii aussehiillen ^vülllesl , wie ein küboIt\ 
Keimdich p. 149. entweder soll das heil'sen, mit auli^e- 
Rperrleni maule lachen , Avie ein gescluiilzter küb(dJ , den 
man \ermulh'ch so darstellte, oder überhaupt sehr heftig 
lachen, d als einem davon der leib schüitert. ***) Srhweini- 
clien 1, 260 wird von einem hell und laut lachenden pul- 
tergeist erzählt; es kann eine fröhliche odef J^üluuschv la«- 
che sein. 

Auch in den Miederlanden begegnet *schon frühe der 
name hubout (pL coubouten, horae belg. 119); nnl. ta^^ 



XU flclmitaen oder zq teigea (vjgl 11. 73. 79. 80.); teig begreift Jede 

weiche ninsse, Ihon, wncirs oder mctil. 

•) Vfil. ul)er papa sniigiius, lleiiiii. p. xciv. 
*') (()<!. fraiicof. lG4a 'kül)ril'le imde knlirni.in'. 

i) S r lachte ilaf» er schittierte^ ; N. Cap. 33 sagt: *taz lalitcr 
srnUa sia' , Petronitiä cap. 24 *risn dissolvebat ilra siia'; Roiuardiis 
3, 1929 *cachinuus viscern fissurus', uud noch heute: vor lachen her» 
^ ateo, sich krumm, bucküch , kurz nad klein, zu stikkea lachen , sich 
so elaem bölzlia laehea (Gryphius p. m. 877), vor lacbeir braun oder 
dumm werden; einen schübe! voll lachen; vor lachen veigehea, ster- 
bco^ mhd. ^mnn swiadet ander lachen'. Ben. 330. 



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286 



KATERMAN 



botUy in Belgleu haboty hahotermannehen *) ; ^ie nordi- 
Sclieu dialcctc haboii üiu iiiclit. 

Er ist ein Ireindes wort und wol aud ilf^ra gr. y.oßo^ 
Xos^ iat. cobalus *^) euteprungen, T hinzugelügt, w oi\ un^ 
Bere spräche für ungeheuere, geisterhafte wiesen die formell 
OTiT liebt, die franz. Iiat aus cobahis, das auch initteilat; 
gobelintiB lautet, gohelin gebildet, vi^leieht liefse eich em 
slav. eiymon aDnehmlich machen hätten nicht aodi 

slav« denkmSler die unveränderte deutsche form. Hankas 
altbühm. glossen geben 79*» gttulius (getullus, gaetulius) 
durch tobali und unmittelbar darauf aplinus (1. alpiuus) 
durcli (airmanz hier sehen ym also Koholt und /<7/r- 
jnan nc1)cneinander gcslelU gerade wie im reniier koiolt 
und katcr/nan ; vielleicht lesen einzelne der vielen hsSi 
taterniari ? ich wcii's aber noch nicht, welche der beiden 
Icsarten leichter zu deuten ist. Jener glossator inag sich 
unter gnetulius einen afncanischen wiklen, unter nlpinus 
einen barl)nrischen tarlar (mhd. sonst auch tatter, tateler) 
denken; er konnte kubo/t und tatrnian in deutschen bü- 
chem gelesen und zum tlicil mis verstanden haben ? kater^ 
man hingegen» von kater (cattus) abgeleitet^ wäre mit hein- 
zelman^ hmzelman, dem namen eines hausgeistes f) und 
Hinze, dem kater im Reinek«^ zu vergleichen? der 
slieJeUe tater im märchen spielt ganz die it>l!e eines giit«i 
artigen, hOfi-eidien kobolds; audi ein anderer heifst Miie* 
fei (deutsche sagen no. 77), weil er eioen grafsen Stiefel 
trägt, durch den stiefel werden, wie ich glaube, gefeite 
sc/u/ he der alteren sage angedeutet, mit denen es uuiglicli 
war schneller auf der erde und vielleicht durch die Iii He 
zu wandeln ; man denke an die meilenstiefeln der mar- 
ehen und an des Hermes gejlügelte schu/ic. Den immen 
Jfeinze hat im froschmeuselcr ein berggeist. Huinzc ist 
Verkleinerung von Heinrich, wie man in Niederdeutsch« 
laiul einen andern pollergcist mit dem diminutiv von Joa- 
chim Chinike nennt (vgl. br. wb. 5, 379 dat gimlr/i)i 
die erzählung von Chimmeken (um das 1327) findet 



*) ScIiayeA sur les usages et traditions des Beiges. Louvaia 
]834 p. 230. 

Lobeck Agiaopli. 1308—1328. 
***) vgl. kobila (ftote nmi beusehitcke). 

f ) deotMcbe sagen nd. 76 ; die ersitilaag ist mn 100 Jalire JAiifcr, 

tXs die abfnsiiung des Reincke. Binselannn läfitt In der bettiiatt ein 
grüMeia zurück, aU ob eine katze da geleri^en wäre, früher schon 
melden Lutliers tSMliredeo («d. 16TI p. 441«) ilmüdisi vea eimsr 



HAUSGEläTEE 



•ich in Kantzows pomcrania 1 , 333. Noch verbreitetev 
echeiiit die glclcliartige, ebenfalls niederdeutsche benennung 
WoHerhen. Sani* Meiger in der panurgia lanüarum (Hamb. 
1587. 4) bok 3 cap. 2 handelt Wan den laribos domesti« 
eis edder husknechtkens, de men ok fVolierhen iinde 
Uümken an etliken örden nOntet'. dieser fVolterhea 
erwähnt auch Arnkiel (cimbr. hcidonih. 1, 49), in den Kie» 
tlerlandcü lieilseii sie JVoulcrs^ i'Vvitferken \ Tuinniau 
2, 201 liat das sprichworl : Tis eoii wlUle auiilcr^ denkt 
aber dabei uiiritbtig an woul (silva) ; ^Volller, AN oltcr, ist 
niclils als der dcjii haiisgeist beigclegle ineDScblichc ei^en- 
nninc Walllier, Ks stiniint ganz zu der verlrauliclikcit des 
Verkehrs zwischen menschen und diesen geistern, dals 
iitneoy aufser den üblichen appellativen, aucli nocli gewisse 
fioniina propriai die diminutiv ibrm von Heinrichj Joachim 
und fValther^ gegeben vrerden. Nicht anders nehme ich 
Rohin und I^^issen in der gewöhnlichen benennung des 
englischen und dänischen kobolds Hobin good fellot4f und 
Nisden god dreng. Robin ist die franzüsischen^che form 
des mannsnamens Robert, d» i. des ahd. Hniodperaht, mhd» 
Ruotperht, nhd. Ruprecht^ Rupert, imd Rabin Jellow der 
nemlirhe hausgeist, den wir in Deutschland knecht Bu^ 
prci/it nennen und zu Weihnachten den kindern erscliei- 
iH'ü lassen. I^tssCf ISissc/i (nur in Danniark und Aor- 
wegon, nicht in Schweden j^angbar) niufs man aus iV'/c/«, 
^'i^lsen, d, b. Nicolaus, Nit las *) erklaren, nicht aus dem 
hd. appellativ des wasscig^'i^rles nix, womit ts aar nichts 
L'oniein hat und der diin. nük, nok (s. 276) lautet. **) iune 
besläligung finde ich in der sitte, dem N^cloas, Claus oder 
Ciubes dieselbe rolle anzuweiseui welche Ruprecht in an- 
dern gegenden spielt« auf letztern möchte ich schon {;> 
terdingens Worte MS. 2^ 2^ beziehen: ^Rupreht min hneht 
muoz itynrer hftr gelich den tören. Schern'. 

Andere benenoungcn sind vom gcrausch hergenommen, 
das diese geister in häuaern verursachen, man hört sie 
leise springen, art ^len wäntlen kluplen, auFtreppen und bo* 
den poltern oder rumpeln. soterai\ soff et (springer) mem. 
de Tacad« celt. 4, 91 j ekerken (cichliüruclicu) deutsche sa- 

*) neben dem fnmiliennamen Nielsen ist in Dunmark die form 
Hissen üblich, und kann nur dasselbe bedeuten, nicht kobuld oder nix. 

**) ahd. HS, nhd. CHS wird plattdeatMli zu SS, bleibt aber di«> 
attch X KS, z. b. secbi, al^d. schs, nod. set, sesie, diu. sez; 
WBcI)8, alid. waln, and. wa% gen. wasta«^ daa. vax} Sachse, abd. Sabsa, 
aimL Sasse» das. Sazo; 



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288 



HAUSGEISTER 



pon no. 78 ; polfcrgeisf. niDipel freist. \m kindcrmärcliea 
(no. .5.5) rumpehtilzy bei l'isrharl rumpcLstilt \*) eiü bp- 
stimniior kobold keii'st klopfer (deutsche sagen no. 76V 
vielleiclit ist aucli in dieser be/.iebnng hämmerleinf lie-^ 
merlein (oben s. 124) auf teuüisclie baiisgeister angewen- 
det worden« niederd. buUmann^ baUermann^ bullerka* 
tetj von bullen, bullern (poltern.) pophati, bei Fiscliart 
jenem rumpeleslUt identisch, ist von popeln, popem (schnell 
und schwach anklopfen, pochen)**) absuleiten; an andern 
orten popel , pö'pel , papelmann y pnpanz, gewöhnlich mit 
dem nebensinn eines kindcrscbi eckenden gespenstes^ selten 
von Jnslii^en freundlirlion kobolden i^ebrancbl. 

.Almliclii^ fiUiniibor^ani;e ersclicincn in den nainea 
vuinihart (.•^dion Caesarius licislerb. 7, 46 Snuniniart iiio- 
jnordil me\\ mitniDiel, mnitimehnanti , mttnitnanz, ***) 
die vollkommen dciisclbea begrif ausdriK kc n , mnmmen, 
mummebi bedeutet - einen dumpfen laut von sieb geben; 
oder darf man an mtiDicJ ^ jjiiiomelj den namen des Was- 
sergeistes (s. 276) denken? übrigens ist vermummen (vcf^ 
kleiden), mummerci (larva) die nacliahmung des gespenstes, 
nicht clas gespenst von der Verkleidung benannt* 

Schon im 13 )\u sagte butze dasselbe aus, was mumin* 
art und poppart: 'ein ungebiurer 6«f re' Martina 116* 224*; 
*si selieiit mich nihl mcr an in Lützen wts' Waith. 28, 
.^7 ; *dcn blitzen vorlit er khMne, als man du seit von kin- 
d(Mf Albr. Til. X, 144; ^ein li/nlt/ butze Ls. 1; 617: 
ich solchen butzcV Ls. 1, 380 , wo von ein^^m ^viil(cl dif 
rede ist. schrecken mit dem blitzen, den butzen (dielarvc) 
abserren ; butzen antliit, blitzen klcidcr bei Kaiserspf^g 
larva (Oberlin 209.) So noch lieute fast in ganz DeutscU- 
Und ! der butz kommt, der butzemanny butzelmanru ji" 
im Elsafs auch butzmummel, was blitz oder mummel alleiD* 
hutzenmann^ Fischarts bienkorb 194* butz Garg23t^ in 
Baiern fasnachibutzj buzmann , buaibercht , mit »jenem 
i'iOK hta oder bercht (s. 170. 17t) zusammeugcstcllt; der 6ii<«- 
ii>inkcl (schlnpfwinkel), bittzlßnster, stockfinster, so dafsdie 
erbciieinung des geistes gofnrchtel wird; 'der piilz würde 
uns über borg nnd thälcr tragen' (Sclim. I. 229. 230): der 
hut:i f der >vaiidercr auf abwege lüla l (-Muckai- Gasleiu 



•) siiUt stiU das alte ^tait ia zusammcasetzungca ? grarom 
2, 527. 

••) Sialti. 1. 204. ScIim. 1, 292. 323. 

•*•) fiir iiiumtiaus, wie popanz f. poplians, denn man sagte s«el 
bllndbsiis, grobtians, kantltaBs, sebarrhans n. s. w.- 



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HAUSGEISTER 2S9 

145.) in Scliwaben butzenmaiiller (von niaiiclicln, liolm- 
Jiclilluiii) hitt zenrauley huizcurollv^ rollputz^ butzenbelly 
(weil der gej.<l mit rollen und srlielleii r.isselt und klln- 
pclO? hiitzerjhrecht (Scinnid III.) in der Sciiwciz ho(>fzi\ 
bozi (St. 1, Ii nu'lnero Vorstellungen greifen dabei in- 
einander, bald erscheint ciu ungeheurer, kinder ioxUcldcp* 
peuder bulZj bald ein vrinziger bätzelf daher man auch 
bälzel^ butzigel verächtlich von kleinen, ungestaltet! ge- 
scbopfen sagen hört, auf gleiche weise gilt niederd. hat 
Tpn kurzen , dicken kindem , biiUen , verbuUen heifst im 
wuclis zurückbleiben , verknorzen , der ponanz aber führt 
den namen hatte j butie^ budde, buddele: 'dat di de 
buthe nig bit* sagt man. spültisch zu kindern, die sich im 
dunkeln liirchlen (brem. wb. 1, 173. 175), und der Was- 
sergeist in dem kiudermarchen uo. 19 butt oder buttje 
gehört gewis hierher, die henennung ist nur auf einen 
sluniplköpfigen fisch, den rhonibus oder passer marinus 
übertragen worden. ^valirscheinlich aiuli bulieinanny 
huitmami \ häufiger cllc verkürzte form biiniati (br. ^^b. 
t, 153.) mil. bjtebaucp (f. hntlebauw) , da^ uh dem nd. 
huba (bn wb, 1, 152) vergleiche. Es ist schwer die ah- 
stammuDg dieses blitze, butte anzugeben ; ich möclUe ein 
verlornes goib. biuta (tundo, pulso), bäut, biitum , alid. 
pluzu, pöz, puzum annehmen, wovon das alid. anapuz (in- 
oib), das mbd. bOzen (pulsare) gebiuzc (pochen, lärmen) 
Nib. 1823, 2. fragm. 40, 186 ; butze bezeichnet einen po- 
chenden» klopfenden geist, stimmt also ganz zu dem be^if 
von muniharl und popbart , *) vielleicht Steht auch ein 
buidiart oder ljuzhart nach/.uweiscn. 

Das franz. follet^ ital. lallet to ist die Verkleinerung 
von fül, fou, das wie fullis (blasehalg) von einem veral- 
teten follcre, foUare (sich hin und bcr l)e\vc-rn) ahpeleitet 
Verden mag.**) liitin^ auch ////o// , vieileiLlil \uni lat. 
luctus, ein weliklageuder, trauerkiiiidonder gei.^l ? das span. 
/r/?.9;ro '(kobold) von Iraseaar umkehren, umstürzen? jiuh. 
hilduhhas^ bUdiina%^ biUhiitha (pollergcisl) von bildenti 
(poUern^ rasseln); grozdunas von grodzia (es poltert); 



. - . 

*) weil diis nngebeare zngleieh das widerwärtige« unreine entliält, 
wird nicht befremden, dafn butze und popel beide roncus, iinOat rus- 
drücken (Oberlin 210. Scbni. 1, 291.) ebenso lehweis. böög (St. 
303). 

•*) Ualfierias ed. Hallerini p. 3t4: *mrrito ergo follls latiali ni- 
ctiritnte vocaris , quoniam veritate vacuiu.' WilUeioi. meteo«. ep. 3 
'fülle m me ruöUco verbo appellvsti.' 

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290 



sloven. flvafimihy scrb. straschilo, böhm. sirassldlo, p<^. 
8traszydlo von sstrachati (poltern)? .oder «trach (lerror)? 

Doch genug der namen , sicher irSren manche andere 
anzufiiliren : es ist »eil das yresen und die Verrichtungen 

dieser Tiausgeister selbst SU betrachten* 

In gesialt, aussehen und tracht kommen sie den elben 
und Zwergen gleich , und der spitze rothe hui mangelt 
uichl. Jliitche/iy der liihleslieimische kobold, führt davon 
bcineii namen. ein pdz mit breitem deckel heifst diin. 
fiissc/uit (küholdshul.) den norwegischen Nissen stellt 
man sich klein wie ein kind vor, aber stark, graugekleidet, 
mit rollier pechhauhe und ein blaues licht bei naclit 
tragend. **) Sie können sieh also nach gefallen den inen- 
schen sichtbar oder unsichtbar machen. Ihrer gefeiten 
schuhe oder stiefel wurde 8.286 gedacht; damit ist es ih- 
nen leicht, die beschwerlichsten wcge in grürsier schnelle 
zurückzulegen: Hütchens rennpfad zog sicli gerade über 
gcbii^e und wSlder hin (deutsche sagen 1 , 100.) ***) Mit 
dieser fuTsausstattimg und Schnelligkeit verbindet sich hin 
und wieder ihieriecfie gestalt und benennung : Heinze, 
Heinzelmann, polterkater, katermann, stiefelkater, eichhSrn- 
chen; ihrem schleichen und treiben im haus gleicht die 
niichtliche unruhe polternder katzen. +) Sie vrohnen gern 
in stall, Scheune oder heller des menschen, dem sie si«^ 
zugesellen, zuweilen auch in einem dem hause nah ste- 
henden bau/n (schwed. botrci.) \on soiclicm bauni 
aar! man keinen asl abbrechen, sonst entweicht der zür- 
nende kobold und mit ihm alles glück aus dem haus; er 
kann auch nicht leiden dafs donnerstags abend im hof ge- 
hauen oder gesponnen werde (schwed. abcrgl. no. 110.) -j- f ) 
In den hausgeschafleu erzeigen sie sich Ireundlicli und zu- 
thalig , yorzüglich in tüclie und slalL Sain. Meiger sagt 
von den wolterkens: 'se vrnden sik gemeiniclüich in den 
hüseren, dar ein god vörrad van idlen dingen is« dar 



*) vgl. dsi blane licht des acbwsfseii mtocbens (luadem. 
116.). 

••) J.N. Wil.n.' hi'skriveNe over Spyrieber?. Citristiania 1779 p. 418. 
•••) so wird \uu einem c/ifintn des fces Cmcni. celt. 4, 240), von 
einem troUasLeid (rurricuium <;t<2^niitum) Laxd. aaga (iö geretlcl. 

f) hexen und feeu neiiiuen uft ktii zeugest ali ao, und luiUCB tiad 
besonder» verd&ditige sayberliafte tliiere. 

ft) Abereimtimmend WiUe «. a. a. t temlegnbbcn sknl Iiave ata 
eilliold uiider gamle iräer ved otuehutet (boeträery og derfor liar mna 
tj tordct fnlde disse pandske. auf diesen ziisnmmenliHn'j der luni>prei- 
ater mil dem banmcultoa aaü noch im verfolg juirückgekonuntfu werden. 



fichülcn 8e -^ik beileiibtliani^eii anstellen , waschen in der 
koken iip, boten vür, schüren Je vate^ sclirapen de |jerde 
im stalie, voderen dat quik, dat it vet u« glat heria geil, 
Iheen water und dragonl dem vehe YÖr« men kan se dei 
jiac hte8 liöreo de ledderen edder treppen iip u. dal st igen, 
lacken 9 wen ae den megeden efte knechlen de decken af* 
theen, se richten tO| liouwen in, fegen dat geste kamen 
schulen) *) smiten de wäre in dem iiuse umme, de den 
morgen gemeinliken dama verköft wert'« Der kobold ist 
also ein diensameri fleifsiger geiet, der seilte freude daran 
hat, den knechten und niägden in* der hausarbeit beixu« 
springen und insgeheim einen theil derselben tu verriclitcn. 
er striegelt die pferde, kanuiit ihre mahnen aus **), gibt 
dem vieh fuUcr vor***), ziclu aus dorn 'brunnen wasser 
und trankt, mistet den stall, den magilen mach! er feuer 
ein, spült die Schüsseln aus, spaltet »uid tragt Iiulz, kehrt 
uml legi, sein dasein bringt glück und gedeilten ins Iiaus 
min abgang entzieht sie. er gleiclil cUmi liilfreichen erd- 
juäimlcin , die in der feldarbeit beistehen (s. 254.) AI)or 
zugleich iiibrt er aufsieht, dais alles im haushält ordent- 
lich hergehe ; faules und falirlässiges gesiode hat von ihm 
(wie von Uolia und Berlita S. 166. 167) zu leiden, er 
ueht den trägen die decke vom betl ab , bläst ihnen das 
lieht aus, dreht dti* besten kuh den hals zu, stufst schlam- 
pigen meUunägden d^n köbel um, dafs die milch verschüt- 
tet und spottet ihrer durch böhniflfches gelächler; seine gut* 
mätigkeit wandelt sich in neckei^i und Schadenfreude , «r 
wird zum quäl g etat und plagegeitL der uJgertUind im 
Reinarilus 4, 859 — 920 scheint mir nichu als ein vom 
(iichler eiilstelllcr und übertriebner liausdanion , der die 
magd im schlaf, melken und bultern stört. J) 

Dienstboten, die sich gut mit ihm stehen, setzen von 
den speisen ein besonderes napichen bei Seite , \vas >vol 
noch auf kleine opfer deutet , die ihm im allcrthum ge- 



*) man sagt, es zeige gaste an, wenn sich die katze den hart 
puta. 

**) wie die iretfse frim (Bertita) , tön dereo waclmkenen in dito 
miline ||[«Ailhie tropfen frflhfiiOTgefttf den atehtltchen besocli anseigea 

(deutsclie »a<;en nu. 122.') 

•••) oft hat er aber ein liebÜHprspferd , das er besonders pOefrt ; er 
nimmt den andern daü lieu atu der krippe weg und trägt t& jeuew 2U. 
Fayc p. 44. 

t) die üchildcrunf^ seiner gestalt (pferdemäline, habichtssclmabel, 
katzenscliwanz, ziegt^ubart, ocbsenbörner und bahofafi) mag bioiu er- 
fomleo sein. 



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292 HAUSGEISTER 

brnclit wiinlon (s. 25?.^ oft gesclilehl es aber nur an Fest- 
tagen oder einmal vvüclienüich. er ist genügsani und nimmt 
mit einer scliaalc criil/o. einem sliirk knclien , einem sl."is<» 
hier yorlicl) , die ihm alsdann liingeslellt werden; au sol- 
clion abenden hat er uiülit gern 9 dals innerhalb oder au- 
isethalb der thüre eine larmmacbende arbeit vorgenommen 
vrird. man nennt das in Norwegen 'at holde qvelvart' 
(qvcUsvart), abendriihe Ii alten« wer ihn sich geneigt wöotcbly 
gibt ihm gule vrorte: *kiäre granne, giOr detP (lieber 
nacbbar thu das)^ und er antwortet in gleichem ton« er 
soll suweiien aeine Vorliebe za dem hauaheirn so wot 
treiben, dafs er aus der schetme oder dem stall anderer 
bauern beu und siruli entwendet und es Jenem zutragt. 

Der Ai>sen liebt den mondschein, und zu Winterszeit 
sieht man ihn munlrr über den hol" s})ringen, oder im 
schlilien fahren, auch versieht er sich auf tanz und jhu- 
ßik , und mau erzählt von ihm , w^as von dem schwell, 
slrümkarl (s. 278j, dafs er für ein graues »chaf die 
Icuie im geigeaspicl unterrichtet.*) 

Er fülirt gern lustige streiche aus, und wenn es ihm 
gebingeu ist, möchte er sich krumm lachen vor ergötzen: 
daher jenes koboldiacJie Indien (s. 286) uiul k icher/u 
aber auch ^ wenn er schmollt 1 und einem übel will , de& 
er in noth und Verlegenheit gebracht hat, erschallt seiil 
spöttisches gelächter aus vollem hals«^*) 

Als getreuer knecht hält er es mit dem liausheiriiy 
dem er einmal zugelhan ist, aus in freud und leid/ seine 
anhani;lirhkeit erscheint aber oft lastig, und man kann 
ihn nicht wieder Iuh werden, J.in hauer ziindete die 
Scheune an, um den darin hausenden kobold v.u xrbrcn- 
nen ; als sie in vollen ilanunon sieht, silzt der geiöt hin- 
ten aul dem karrn , in welchem das gut gelliichtet wunle 
(deutsclu? sag. no. 7?.) alinliches hat Thiele 1, 136 und ein 
iiifiches cUcum. p. 93. ***) 



•) weuii Dicht WiUe (a. a. 0. 419) Nissen und nocken verraiscM; 
doch Ut aoch Ouidemar^ ein deutscher kobold, der imsik ktadig 
(ir. etfenm. LXixin.) "Wilse nnd Faye p, 43 — 45 geben die bette 
nncliricht von dem nonreg. Nissen, Thiele 1, 134. 135 von den di- 
niscfien. 

••) Wnlt. Scott, mlnstrH-nv i, cur. civ gedenkt eine? srliotti- 
»rhcn kul)i»lds Slifllycoat (ScIit'Heiirotk) . eines ourdeiiglist licn Brog 
oder B<4r^ues/ : 'he usuall^ ended hia nii:ichievoaa frolica wiih a hof 
seluuf^h,'' 

**•) der alraun oder das ^ul^enmännchen (deutaclie sag. oo. 
M) Ist iieio eigentlicher kobold , , sondern ein ana einer wurzcl ge- 
admitelca halbteufliachea weaen v^n gami kleioer gestnlC» so dafte* 



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BAUäG£IST££l 



99» 



Es gibt auch kobolde, Ale gleich den oixen oder 
waldgeisteru iu keines menscUeii dienst stehen ^ sondern 
imabhängig leben, wird ein solcher gc fangen, so bietet 
er geschenke an oder eissagt, um vrieder in freiheit ge- 
setzt zu -werden. Von dieser art ist der buit im kinder« 
mäichen und iev folei bei JVIarie de Fr. 2, 140, welcher 
drei wünsche (oremens) gewährt* ebenso thut der gefangne 
marmennil (s. 244) oder die meerfrau. 

Feindselige poItcrgeUter^ plagegeister^ cpicdgeister, 
die ein haus besessen haben, uniersclieideii sich von den 
freundlichen, gutmüligen dadurch, dais sie gowölinlicli eine 
ganze bände bilden, die den hauseigenllinnier durcli niitlit- 
liclies poltern und povhen in seiner ruhe slürt und auf 
vuriibergehende vom dacli licrab steine wirjt. Eine franz. 
comodie des 16 jli. 'les espriib' *) stellt kobolde vor, die 
iu einem hause poltern, ])ei nacht singen und spielen, bei 
tag Ziegeln auf vorübergeliende werfen/^ feuer macht 
ilmen ireude, wenn der hausbcrr ausspeit ^ tobcu und 
lennen sie heftig. '*^) Auch bei Gervas. tilber. ca|>* 18 
werfen die folleti mit steinen ^ und solchen eteinumrjen 
\rerden wir schon in alten teu felssagen begegnen; über- 
haupt mcheinen in dieser beziehung die poltcrgeister mehr 
teuflisch und gespenstisch^ als elbisch: es ist eine der 
ehrisdichen ansieht angemessene Verfinsterung und entstei- 
luDg ihrer ursprünglichen natur. 

So erklärt es sich endlich, wie der alte trauliche und 
getreue hausfreund des heidenthuins alhnalich sum schreck- 
Mld und gespötte der kinder herabgesunken ist: ein loos, 
das er mit göttinnen und göUera der vor^eit theilt* In 



In einem glas verwahrt werden kann; es miif«, wie ein putze, |re- 
ba<let und {];epÜegt werHeii. darin alier gleicht es dem hausgeUt, dafs 
auch niclit von seiiiein beaitzer weicht, und selbst weggeworfen 
immer wieder zurückkehrt, es sei denn, dafii es wohlfeiler erkauft 
^«rde» als es entaoden bt, der letste kaafer mufii es behalten. 
SimplklM. 1S4. 209. 

*) comediei facecieuses do Pierre de TArivey, chanpenois, Lyon 
1597. Rouen 1611 p. 242 tf. 

") Icficnda aurea cap. 177: 'hu jus Ludovici tempore, anno do- 
Diini 856, ut in quadam chronica liabctur, in paruchia maguntina 
fftülignu^ sjirifus porietes doinorum ijuasi malieis puUando, et ma- 
aiteste ioquendu et diacordia« semiDando ädco hoinittes Infcatabat, nt 
qnocnoiqae intraaset, statitn Uta ttvmut exurereiur» presbyterb an- 
teoi letaaias agentibns et aqvam benedictam spargentibus iuiti>icii< /a- 
l ides jactahat et multo« cruentabat. tandem aüquando cunciuiescens 
confessns est, ac, quando aqua spargebntur, sah »njm talis sacrr^ 
doll% cua.n familiaris sui hitiii^>c . acCIUaua eum quod CUm fiÜ* 

pracouUoris ia peccatiun lap»ua lueriu' 



Sd4 



HAUSGEISTER 



der Normandie droht man den kindern : 'le gobeh'n voiis 
mangera, le gobelin vous altrapcra'. Nicht mehr aU klei- 
nes bütsel, aondern als förchterlioher butsemann scheucht 
er (gleich der roggenmuhme, s. 270) ; es ist bemei^enswerthi 
dafs zu vreihnachten hnecht Bupert^ tnechi Nicolas^ we- 
nigstens in einigen gegenden, nicht für sich auflreteo, son- 
dern neben dem eigentlich bescherenden Christkind, oder 
neben frau Berhta: wahrend diese ihre gaben austbeOen, 
ersclieincii sie niU rullic und sack und der drohung, un* 
geliuivsame kinder zu schingen, ins Avasscr zu tragen, ih- 
nen die äugen auszublasen (ruckenpliilos. ü, 353.) Ihre pos- 
sen , ihre raulicil ist die folie des milden , höheren We- 
sens , von dem ilie gaben ausgelien ; sie sind ilem fest so 
nothwendig wie dem alten luslspiel der hanswurst. ich 
kann niii- woi denken , dafs sclion im heidentlium der 
gottheit, deren erscheinung glück und lieil verkündigte, 
ein lustiger alb «oder zwerg, als dienere zur seile staml, 
und ihre Segnungen dem gemeinen häufen versin n lichte. 
In dbristlicher zeit mochte man zuerst dem Christkind oder 
der muttcrgottes , bei ihrer gabenspende, einen heiligen 
zQgesellen, der aber unvermerkt wieder in den alten ko- 
. bold , und in einen vergröberten , ausartete. Nicolaiu, 
Ruotberht haben sich in einen knecht Clobes und Rupert 
verwandelt; der Ostreich. OrampuM (Höfer i| 313. Sdua. 
2, liO) ist vielleicht aus Hieronymus zu deuten^ ich weif» 
nicht wie der schweizerische Schmutzli? (Stald. 2, 337.) 
Statt Granipus auch Bärlhel (Bartliolomäus?) und Klaub* 
auf ^ rasselnd, ^)üllefnd, nüsse werfend (^Denis lescfr. 1, 
131.) 

So bricht einigemal noch ein früheres verband durch 
zwisclien götlern, \veisen fraucn und genien. der pfcil- 
sendendc alb ist dien er oder gehUffe des hulieri don- 
ncrgottcs, der kunslreielic zwerg hat die dünnerkeile ge- 
schmiedet ; sie tragen göttliche helnie der unsichtbarkclt, 
des liausgeistes füi'se sind noch mit wunderbarem gcsclniiie 
versehen $ Wassergeister können die gestalt von fischpa 
und seerossen , hausgpister die von katzen annelimen. 
Dem weinenden nix wie dem lachenden kobold ist das 
geheimnis zauberhafter töne kun^ und sie enthüllen es 
auch dem opfernden menschen« von altem genien und 
d&nonencuhus zeugen opfevy die den gebtem der hfx^^ 
des Waldes ) der seen, des hauses gebracht wurden, ko- 
bolde geleiteten vermutlich die erscheinung einzelner gott- 
heilen > unter den menschen, voraussieht des kiinfiigt'"' 
weissagende gäbe war den meisten genien ei^en; ilire uu- 



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6EISTBR 295 

veretc^clie heiterkeit steht z^iscliea der gOtter erhaben« 
Iieit uDd dem erust der sterblichen« zu den menschen 
nUilen sie sich hingezogen und von ihnen ziirückgestorsen« 

der Untergang des lieidiMilhiims inufsle vieles in dem lior- 
gebraclileu Verhältnis andern: die geister erschienen fürch- 
terlii her , gespen^^liM haft , als diener und boten des ten- 
kh.'^) einige nelniion Nviideres^ riesenmärsiges aussehen 
au, znnial die waldgeister, 

Dnrcli das ganze >vesen der ell)e, uixe und kobolde 
gebt ciu leiser grundzug von unbcfriedigung und trosllo- 
sigkeit: sie wissen ihre lierrlicheu gaben nicht recht gel- 
tend zu machen, und bedürfen immer der nnlehnnng an 
die menschen. Nicht nur streben sie^ ihr gcschlecht durch 
heirath mit menschen zu erfrischen, sie haben auch zu 
iliren angeU genheiten des rathes und beistandes der nien* 
seilen vonnothen« obgleich geheimer heilkräfte der steine 
und kraiiter in h()herm grade als die menschen kundig 
(s. 2)4), rufen sie dennocli zu ihren kranken, und krci- 
IscihUm) fraiien menschliche hilfe (8.25 ), leihen von den 
mciJaclien back und braugeralhe (8.256) und feiern selbst 
ilirc hochzcilen und feste in siilcn der menschen, daher 
auh ilir zweifei, ob sie der erlüsung iheilhaftig werden 
können, und der uuvcrhallue schmerz^ wenn verneinende 
autwort eriolgt. 



•) hruthr Rausch (frlar Rusfi) ein leibhafter kobold, witd 
geradezu auA ilcr liullc uitter die mündie abgesandt. 



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S98 



RIESBff 



CAP. XIV. RIESEIX. 

Das verhültnisy in welchem die riesen zu den swergen 
und menschen stehui wurde schon s« 253 angegeben, so weil 
an leiblicher gröfse und starke der mensch dem alb oder 
zwerg überlegen ist, bleibt er hinter dem rlesen turucl%; 
dagegen hat das geschlecht der elbe und zweite aiiFge* 
wccklercii geisl , feineren verstand als das der inensrlien, 
und \viederum sind liariii die rusen tief gestellt iinlcr die 
menschen. Die rohe, derbe rieseinialur trotzt anf das gc- 
fiilil ilirer sinidii lien gewalt und Uraft, der scidaue, stlieiie 
zwerg ist sich seiner geistigen üborlegenlieit bo\v!i-t. Dem 
menschen ist eine glückliche mitte beschieden \%ürdcü, die 
ihn der uubäiuligkeit des ricsen^ wie der list des z>vcrgc 
überhebt, und er steht als Sieger zwischen beiden. Der 
riesc begeht und leidet unrecht^ weil er in seiner UDge« 
Bchlachtheit alles geringschätzt und sich selbst an den göt- 
tern vergreift; dem verschlagnen zwerg, welcher gut und 
böse unterscheidet, gebricht der wahre mut freier und 
unabhängiger handlung. In der Schöpfung ist der riese, 
als das sinnliche element, vorangegangen und hernach erst 
das geistige der clbischen nalvir i;cl()lgt, zuletzt dun Ii 
das menschengeschlecht ein gleichgewieht hergestellt \vnr- I 
den. die abstnfung mindert und sch\vacht sich aber von 
beiden seilen in häufigen Verbindungen der riesen oder 
Zwerge mit den menschen , und zum deutlichen beweis, 
-wie weit sich die dichtung des alterthums von starren ge- 
gensatzen fern halt, auch den frühsten riesen wird aioo 
und klugheit beigelegt« 

Es gibt eine reihe alter benennongen^ die tlem bcgrtf 
unseres heutigen riese entsprechen. 

Die älteste und allgemeinste nordische lautet iotium, 
pl* iötnar (nicht Jötuno, jötnar); ihr zur seite steht ein 
ags. toten (pl. eotenas Beov. 223 eotena cyn.Beov. 836. 
eotonisc 5953.)' oder eteri (Lye s. y.) altengl. eiin , eliin 
(Nares s. v.) sehott ettyn ^ eyttyn (Jamieson s. v.); 
alts. eian^ eten lafst sich mit Sicherheit folgern aus dm 
urkundlichen orlsnamen Etanasfeld , Eleuesfeld (canipus gi- 
gautis) AVigands arcliiv I. 4, 85. no»h mehr, das wort 
niufs selbst in späterer » bis auf die neueste zeit fort^eiebt 



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• 



EZAN? ums 297 

Italien; denn ich finde das fem. eteninne (riesin) \vcn!g- 
stene in kindermSrchen beibehalten« Lauremberg*) (ed, 
Cassel* 1750 29) bat 'de olde eteninne\ und ein ande- 
rn roatoker buch aus dem beginn des 18 jh. ''^) Mie alte 
tteninne^\ Ich möchte -wissen , woher Adelung 8.v. mum- 
met nimmt, dal's man in Westphalen ein fürcliterliclies 
weih, mit dcMn kiiider gescliretkt werden, etheninne 
licilsc:* gewis ist es riclilig. Das sachs. etan goslaltct ein 
aLd. ezaiiy ezzan ^ ein gojli. l'tcifis zu mulnialscii , die 
^vurzcl ist 7.11 suchen in dem allu. ela, ags. etan, alul. cz- 
zan, golli. jiau, die bedeulung: edo (m'u. cdonis), man- 
üucus, ■fo'/.vifi'iyoc:^ fressor. INun fragt sidi aber, ob noch 
ein anderes, der abieil un;; N enlbelirendes wort liierher- 
genommeo werden dari, das altn. iotr ***) ags« eot , ^vcl- 
dies in der Zusammensetzung Forniolr, Forncot ^s. 148, 
14y) und in dem volksnamen lotp.r (luti) übrig ist? da- 
für scheint eine Unterdrückung des N in dem schwed.^aY^e 
(gigas) dän. Jette pl. jetler zu streiten, und man wäre be- 
rechtet 9 iötnarsBiotar (goth. litands, ttds?) setzend, den 
nomen Jotar, Jotland aus älteren riesenhaften einwohnem, 
die von uachriickenden Deutschen verdrängt wurden, zu 
trkläreTi. -f) dann liolse sich ein alls. et, elos, ein alid. ez, 
eze», mit der bedeulung riese erwaitcii. •\-() Viollclrht 
g;dt nebou lotunn ein alln. /o7////, alid. czaL ! cdax} ; dar- 
aus ci klart siili dor Ijentige norwegische ausdruck Idr 
riese: joliif . jiittil i llallager 5-2. Faye 7.) 

Auel» eine andere hcneniuuig gemahnt wieder an eines 
Volkes nanicu. das altn. thurs scheint von iötunn nicht 
wesentlich verschieden ; 8n. 6 >vird Ymir stannnvaler al- 
ler luiiuthurse genannt , Saem. 118* führen sich alle iötnar 



') Hans >Vilmseii Rost, ein Rostoker, gb. 1597. f 166Ö. die 
erate au>;x, seine» {jediciits or'irlii«Mi um 1050. 

l'än. Joach. >Nt>tjiiial <le cuiisiuiutliuc ex sacco et übro, 
Rost 1726. 8. 224. 2*25; datt Iiier gej;ebiie verseiclinls alter wei- 
bergeieltichtea wird aasgesclirieben in Job. Pet. Scbmidt fastelafcends- 
ainitiuijE«!. Rostoit (1742) 4. rep. 1752 p. 22 nher fehlerhnft 
ctriit Soll der altea jirden lnn\ statt bei We&tphal ^voii der altea 

£ten Jane: 

für lotr, w?p mtolk für mir.lk (-ramm. K 298.) 

i) n»'<)a 1, 15 hat Juti, die ags. verbioii aber faisrhlich Gcntas 
(n!tn. Cinular); hesser steht in der ags. chrouik (Iiigr. p. 14) loluui 
(luti») lutiiacyuD (huoruin gens.) 

it) tollte die pfölslsdie Jtiiha (s. 64) cnUtellt sein aus Bts> 
Bsa? dieser Jettenbnhet bei Heidelberg erinnert doch an den bairi- 
ichen Jettenhtrg (moii. bolca 9, 219. a. 1317) und den berg Jetten 
in Aciabotes Georg 1717» wo «micbtig Selten gedmd^t stebt. 



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DURS 



nuf iliii znvnck. in olfizelncn liedcrn oder Verbindungen 
lial ilas eine oder das andere appellaliv den vorziig; so 
heü'den bei der dialeclaufzähiung im Alvisnial die ricsea 
immer iötnar, nie tliursari und für lütunlieimr, löUui« 
beimr ist kein I hursabeimr gebräucblicU; aber Tliryniry 
obschon iti lölaabeim Mrolmend, wird dennoch tliuraa 
druldnn (Sfem. 70. 71) und nicht iütna druttinn geoaiint, 
er ruft aber die iötnar auf (73*) und heifst iöUmn (74*.) 
Snsm. 85^ sind iölnar und hrimthunar hintereinander auf« 
gerufony es mufs also «wischen beiden ein feiner unter- 
schied Ucgen, den ich hier in dem vorgesetzten brim 
suche: nur hrtmlliursar, keine brimicilnar kommen vor; 
eine erklaiini«; dieses tirunthurs soll hernach versucht wer- 
den. Stall thurs begegnet häufig, zumal in jüngeren 
spraclidcnkmalern ; die assimilierte form thuss, vorzüg- 
hch in dem pl. thussar, hrimiluissar ; ein dämonisches 
"Nvesen spaterer sagen heifst T'/iusselin (iNIüllers sagab. 1, 
3f)7. 368), ja die diin. spräche hat in ihrem tosse (plum- 
per riese , tülpelj eben diese assimilation festgehalten , *) 
ein norwegischer dämon fuhrt den namen titssel, das 
ahn. tliurs ist zugleich benennung des runbuchstabs, der 
bei den Angeisachsen tborn lieifst, vgl. Hburs xista' Smn. 
86'; eine merkwürdige ahweichung, da der ags. sprach« 
jener ausdruck gar nicht fehlti nicht nur Beov. 846 Ueat 
man thyrs^ auch in dem menologium bei Hiekes (gramra* 
ags. p. 207) : Hl^ra sceal on fenne gevunjan'; und ander- 
wärls tiberträgt thyrs y pl. thyrsas, das lat. cyclops« orcus* 
Ahd. sollte stehen durs^ pL dursft, oder duris^ gen. dnri- 
ses, welches letztere in einer glosse für das lat. dis, ditis 
vorkommt (Scbm. 1, 45H); doch schreibt N. ps. 17, 32 
tiirs (daemonium) pl. tursa, und mhd. gilt turse, gen. 
tnrscii (Aw. 3, 179), vielleicht tärse^ tiirsen, wie ISIarsm. 
denkm. 109 tursen : kiirsen; selbst tiirste, gen. tiirsleu 
Ols. 2, 205*), dagegen in Albr. Tit. 24, 47 *spil von ei- 
nem dilrsen\ und I.s. 3, 564: Mos kunt der di/rsch u. 
8j)iicliet schuol' hier herscht die hedeutung von satyr und 
wildi { mann (s. 273) vor. in dem Ortsnamen 2ursu2riutf 
T(irnenriut (urk. vou 1218. 1219 in Längs reg. 2, 88. 
94) '^'^) ist der ausdruck unverkennbar, ich denke auch 
iu dem älteren Tuzzinwanc bei Neugart, das für 7/^5- 
uinwanc^ lursinwanc (campus giganlis) steht und das 
heutige Duamang ist. nicht viel gewagter ackeint «s 



•) dän, fos, fossen , altii. fors, 
vgU i$clini. t , 458. 



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Btrabos QovaviXSa (7, 1. Tzsch. 2, 328.) dnrcli Thnr^^liilda, 
Tliusshilda^ Thumnhilda auszulegen, ol>6chon ich keine altm 
Thtmhildr nacliwcisen kano« in der Schweiz ist dürat 
noch heute der wilde |äger (St. 1, 329), auf der ealzbur* 
gbchen alp ein nachtgetst duatil (Muchars Gastein p. 145), 
in Niederdeutschland droa oAev droat teufel, tölpel, riese.*) 
Gothiscb hätte das wort zu lauten tfuiürs plur. thaiSrst^s 
(thdursis, thaursj^s? thadrsus, tbaürsjiis? thaürsja, tliaiirs- 
• jaiis?) und diese formen j:eben uns die lierleitnng 
des namens an liand. das golh. thaursiis bedeutet sircUv«», 
tbaursjan sitire , thaiirstei silivs; aus thaursus, thaiirsis 
\sird ahd. durri f. dursi (wie aus afrzis, irri==ir8i), in 
dem subsl. durst haftet das S, wie in unserm durs, und 
in dem alln. ihurs neben thurr (aridns.) thaürs^ tJiurs, 
dura drücken also aus entw. weingierig, durstig oder trun- 
ken, und das sdiickl sich treflich zu dem entwickelten 
sinn TOn Ytans, iötunn. beide riesenapj^eilatiTe bezeich- 
nen unmai'sige gier nach speise und trank, ganz wie sie 
sich in dem homerischen cyclopen kund gibt. 

Wie nun die Juten, ein deutscher stamm» den na« 
men der filteren, yerdrängten einwohner behielten , **) und 
dies die eigentlichen lütnar oder Itands waren; so kön-» 
nen audi die thursar, die dursd, in ihrer mythischen 
gestalt , mit einem abgelegnen , in früher Yorzeit nadi 
Italien eingewanderten stamm zusammenhängen, ich habe 
schon s. 17 auf mögliclie berührung der tliaürsus mit den 
liVQor^vot , l^^vooi^voi y Tusci, Etrusci gewiesen; das laut- 
vcrscliiebuugsgesetz Irift genau zu , und S('ll)sl alle assimi- 
lationcn, die Versetzung des K finden sich wieder. INie- 
buhr hall Tyrrhcnor und Etrusker von einander, wie ich 
glaube , mit unrecht. 

Krscheint doch in einer dritten riesenbeneonung eben- 
falls ein Yolksname. Niederdeutschland, vorzüglich West« 
falen, gebraucht hiine gloiclihedeutig mit riese; in allen 
YOlksÜberlieferungen der Wesergegend lierscht jenes wort, 
es erstreckt sich bis nach Grüningerland und Drentlie; 
rieeenhügel, riesongrttber heifsen hünebedda, hunebeddan, 
helt gilt dort Yon grab, der ruhestfitte todler. 'grot as an 
küne* bezeichnet riesenniHisigen wuchs« Schürens Teuto* 



*) brem. wb. 1, 257. Richey 8. dnnis, Schütze s. v. drost, 
StrodlMiiin s. v. droMti '<dti di de dSroM/ sl«!' in der Altmark: Met 
di de dnise lial!*; anderwärts drds in de helle', zu erwägen 
bleibt imlessen des liocbd« drnos, tnios, pist, l>cule. 

**) ein öfter vorkommender fall, die Baicra s. b., ein deutsches 
foU, heirsea nedi den celtiichen Bojen. 



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300 



BUN 



irfftla verbindet rcse und huyne. aucli hoclid. scliriftstel- 
1er lies 16. 17 jl». haben, Aviewol seltner, l\€une\ Mailie- 
siiis: 'Golialli iler grofse heiine^\ vocab. von 1482 sclircibt 
hewne, Der ausdruek ist aber schon in hd. Herbort i coil. 
pal. 368, y^^): '^röz alsani ein hunei juit starkem geliine'; 
Trist. 4034: 'an gelideu uud au geiiunc gewabfen aU eio 
hitine\ *) In alid. denkmaleru kann ick diese bedeutung 
niclit nachweisen; allein mlid. bezeichnet y ohne allen ne- 
bensinn ieibliclier gröfse« zugleich Hiune (gen. -en) ei* 
nen Unger, in den Nib. einen unt^than Etzels (iliO| 4* 
1123, 4. 1271; 3. 1824, 3. 1829, 1. 1831, 1. 1832, i\ 
"was in lal. schrieen des RIA. Hunnua richiiger JBunu9 
Chunun beifst. diesem Uitine vürde ein akd. Hilknio ent« 
sprechen; icb treffe nur die starke form an: Hurif [»!• 
lliUii, gen. llunio , Hiinco, ' mit Nvelt hom viele ortsua- 
men zusammengesel/.t sind, z. b llunioleld, ein fuldisclies 
slädu lien , heule lliinfcUl , so >vie miinnHrhe elijonuainoii 
b. Hiinull , llnnpcrlit , Huurat. Allhun, Folchuu u. s. w. 
Das ags. a cyiiins (Bctla l, i3) iorderl einen v«g. liuu; 
dem altn. nom. pl. Hiliuir soll ein sch>vaclifarmiger sg« 
Uiini gebühren (gl. edd. hafn. 2, 881.) Oü'enbar sind nun 
diese lluni nach ort und zeit ein höchst schwankender 
begrif, bald dachte man sich Pannonier, bald Avareo, 
bakl Wandalen und Slaven unter ihnen, immer ein ToU^ 
das durch nadibarschaft und krieg mit Deutschland in iriel* 
lache berübruDg kam. das Hiurfmlant des 13 jh. (Nib- 
1106, 3. 1122, 3) kann unmöglich das Hänaltuid seii» 
■welches die eddischen licder für Sigurds lieimal ansebeo 
(deutsche heldens. 6. 9.) Als die mannsnamcn llutual, Uun- 
periil zuerst entsprangen, war wol noch kein gedanke au eiu 
ausländisclios, pannonisc hes oilerwendisches volk, aber es mag 
sclioii in I rii lister zeit künde uud sage von einem uralten, my- 
ihischeu siainni umgegangen sein, der den namenlIl^n! lüliric 
imd den man in liegend einer unsicheren gegcnd vvohuen liefs, 
etwa wie lütnar luul Tfiursar« Meine mutniaf'sung geht 
also (hiUin, dafs der begrif von riese , den wir in Hüfl 
freilich erst seit dem 13 )h. nachweisen konneu, längs 
vorher müsse darin gelegen haben: durch solch einen ne* 
bensinn scheint auch erst jenem von üUdubrant ausgeru^ 



*) Wotfiiietr. 661 stellt für riese homt .sohoenc, aber so 3tr 
sietle d^n alteu verMintcluMtte^ ; IriUier wird ako tUtum galcMn wr- 
d«a sein. 

••) im Hild. lied Huaeo tnihthr und 'alt. r Diut. 2, t**3 

il Uli (PaDBonii); 9, 353^ Uöai f. (Bttau»)! 2, 320 Höiii 



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ENZ GIGANT 



nen 'altdr HiW bt^deiiUamkeit verlielien. Gotfried, als er 
hiiine für ricse setzt, Aviiste ndier^ dafa liiune damals 
«ach einen Ungcr bezciciinetc ; ebenso wenig achiiefst die 
bcttimmtbeit des -volks^ das alid. flössen durch UAnfi über* 
setzen y su Jener zeit das bestehen einer mythischen be* 
deatnng des namens aus. sie kann hier und da lebhaCter 
oder sdiwächer gewesen sein : das altn« hünar ist nie $y» 
Bonym* mit )dtnar u« thursar. die wurzel hisse ich unan- 
gerührt, nur sei bemerkt, dafs ein eddischer nninc des 
baren hunn lautet (Sn. 17y, 222-^ nach liiürn Jluu uud 
hunbiörn caiidus tirsinus. 

Ein ags. ansdruck für riese ist ent, pl. entas, j\lfred 
im Orosius p. 4S ij!)t'iiragt Hercules gigas durch *Ercol se 
enl.^ die dichter setzen das >vürt gern, »ciiu \on allen 
bauten und arbeiten die rede ist: ''enla gcveorc, erita ajr- 
geveorc, eald enla geveorc' lieov. 335(i. 5431. 55.54. Co- 
Jiyb. illustr. 230. 253; 'entisc heim' Beov« 5955. auch 
die gl. des Lipsius geben eintisc avitus , was aus der Ur- 
zeit der ricsen herrührt. In der bairischen Volkssprache 
erscheint ein verstürkendes praefix ensj enzio (Sciun. 1, 
was aber aus dem gen. von end,* ent (Schm. 1, 77) 
«wachsen könnte? oder darf selbst dieses ent" mit dem 
begrif von ungeheuer , riesenhaft , als ausnähme von der 
Isutverschiebiing , hierher genommen werden? man sagt 
Mterisch und enzerisch für ungeheuer, seltsam. Und was ist 
derÄ?s^A//;erc MS. 2, 10^? ein Kiesenberg? was die eigcnna- 
mtn E/fznivfp (]Meiclitll>. 1233. 1^05) Juizenian (ßen.325)? 
Wenn Hiiut an ÄVciuicii luid Slaven gcuiahuten, >vird es ge- 
staltet sein enlas und die allen yJrttes zusaninienzuhalleii. 

Die ngs. dichler bedienen sich /ugleich des gr. lat. ' ) 
tmd rüniaui>clien appcllativs /f/j^Yz/// , \)\, gigantas Beov. 
^25. gigant(L cyn JJeov. 3379. gi gantiWACg. Ciidni. 76, 
36 vgl. iltal. span. gi gante, provenz. ^aja/z (Ferabr. 4232) 
franz. gtantf engl. gianL Unverwandt hiermit scheint mir das 
gewöhnlich verglichene altn. nur för riesinnen giltige^ und 
des iS r ermangehidc fem. gygr't gen. g^gjar (Sacm. 39, 
Sn« 66. 68). den übrigen deutschen dialecteu gebricht cSy 
yürdc aber ins gotk« übersetst lauten giugi oder giugja ; 
ich bringe es bu der wurzel giugan und vergleiche die gr, 
2| 50 no. 536 angeführten Wörter. 

Dem ahd. riso, (N. ps. 32, 16) mhd.- nse, mnd. rese (En. 
7096)nhd.riW, aliu. riw, (in der altern edda uurGroltas. 12) 

*) selrsnm, daf« die lat spräche kela eignes wort (nt den be- 
irrif riese hat, ood das gf. gfgM» titao, cyclops horten mntsi gleich- 
woi Ualiea eigene Toliiiiagea von campaniscbea riesea. 



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302 RISC 

»chwccl. rese^ dän. rise , mal. rcse und tose (Huyd. op 
St. 3, 33. 306), nnl. reus ^ sollte ein golli. ri^a enlspre- 
chea; bei Ulf. hat sich aber gar kein ausdnick für diesen 
begrif crbalten. juU mehr Sicherheit darf der niaiigel ei- 
nes ags. risa aus dem gebrauch von gigant, uüd dem ab- 
gaag elnea ähnlichen engl, worts geschloMen werdeik Die 
-Wurzel suche ich in dem goth. nuaan (aurgcre, efferri, ex- 
toUl), riaa ist elatus, superbus, excelsus, sonvoI der leibli- 
chen grtf fse nach, als dem Übermut ^der michel knabe' Iw.505€. 

Aufser jenem g^gi* gelten noch einige alto, blofe fnr 
n'esinnen gangbare ausdrücke: ^kaM fneutr.) Soem. 154* 
(fem.); gridkr (fem.); meÖ« (fem.); gtp' {^^^\ 
S.vni. 143^ norwcg. jyi^ri (Ifallag. 53) oder gyi^r/\ gurri 
(Faye 7. 10.) dieses gtfr mag frech, trotzig, gierig bedeulsn* 

Jrö/l (nculr.) gen. trölls, schwed. troll, ddn, Irold 
•wird zwar liiiiifiii von riesen gebraucht ^ ist aher ein all- 
gcmeuierer ausdrurk, der nm k von andern geistern und 
sauberhaften weseu vorkommt, uml dem simie nach uji- 
serm ungeheuer, ungcthüm entspricht. 

Lillh. heifst ein riese fnilzinas, milzinisy ktt. md- 
sis, milsems. Böhm. o6r,*) altpoln« obrzym/**) pola* 
olbrzym. keins dieser Wörter begegnet deutschen , und 
dos nordslaT. obor, obr ist auch den Südskven fremd* 
Sanscr. räkachaaas^ welches weder mit «nserm riete, 
noch mit dem ahd. recchio, mhd. recke, einer beaea- 
nuug menschlicher beiden kann verglichen werden* 

Eigennamen allii. riesen und riesinnen sind in mecge 
aufbewahrt ; einzelne scheinen bedeutsam, z. b, HrÜRgttW 
gemahnt an das goth. hrusiia (virga) und das nhd. möge 
(breni. wb. 3, 558); Herbort cod. pal. 368, *gru» . 

aisam ein runge.* In mhd. diclilungen gehen riesennajneu 
gern auf aus, pyiloUj Fasolt , Memerolt u.a.m. 

Eine grofse, über menschliches mals hinaiisragemie 
gestalt wird allen riesen Eugeschrieben ; nie einäugigkeil, 
wie den cydopen. dagegen sind sie oft , gleich den gne- 
diisdien riesen , mit mehretn händen und hati^ 
iern atisgestAttetj ich habe s.222, 223 merkwärdige bei- 

Snele angeführt, aber nicht alle, der Brana vater 
rei (unsichtbare) häupter (fomald. sög. 3, 574) j ebenda 
heilst es: ^th^L feil margr tMöJdhadhr iüiunn.' auch » 

n slovakiseh svat^ pismo. Gian 1889. 1 , ^S. . 
^) psalter der kdaigia Mai«aretB. Wiea 18S4. p. Ub: utfrumr 
4n '-im wi« k» aycBjm, piet|rn>iii. » il 

•••) BmrcuÄ oder Aegaeoii »t hunffertnrmi^ (fK«tüy/#»§o«. i*« 
402) Md faalaiglMHiiilig, Cieryon äreihäuitiig^ sccJuhasidig. 



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RUSSEN 



ScIioUland kannle man die erzalilung *of tlie reyde eyt- 
iyn vitht the thra he)dis\ vom rolheii rieseu mit tlea 
drei häuplern (cuii)[>layiit p. 98) und Lindsays drenie (ed. 
1592« p. 225 gedeukcii der *lii«U>ry of reid etin^ ob eich 
die rothe färbe auT baut^ Laar oder traclit besieht, miUte 
die &bel selbst lehren, schwarze leibfarbey -wie sonst 
swergen (s. 258) und dem teufel^ wird riesen niißht bei- 
gd^y doch war die halbschwane Hei (s* 195) riesischer 
abkunlt* HrAngnir, ein eddischer riese» hat ein haupi 
von stein, Sxm, 76^ Sn. 109; ein andrer riese henst 
farnhaus (eisenschiklel) fornald. sog. 3, 578. Meist aber 
seiieineii die riesen wolgcbildet und von vollkomnuicui 
wuclis; riesentötlitei sind der liüclislon Schönheit fähig, 
z. b. Gerdlir, von deren glänzenden armen, als sie die 
liausthüre schlielst^ lult und wasser widcrleuchlen. Sasm, 
Ä2* Su. 39. 

In den riesen überhaupt waltet volle , tiugebäudigte na« 
turkraft, die jene Überschreitung des leiblichen mafses, tro- 
tzigen Übermut, also nüsbrauch des siimlichcn und geistigen 
Yermögens zw folge haty und zuletst ihrer eignen last er- 
liegt, daher heifst der iötunn in der edda skrauigiarn 
(faitosus) Sasm, II?**; sa inn ärndithi (praepotens^ Sfem« 
41b gob. atorädtigi (magnanimus) Sasm« 76^; tfträng^ 
mddhgi (superbus) Sieni. 77' ; liardrddhr (saeTUs) Ssem« 
W*; was diese epilht la ausdrücken, habe ich in dem 
begrif unseres appellalivs risu selbsl gefunden, auf gleiche 
weise bestätigt sich die eiUlarung der naincn iötunn und 
thurs in [)üclischcn beiwürlern und &childerungen : hosl- 
möühr iü4unn (ciho gravatus) Sa^n. 56^ ; ''Ölt (ebrius) erlu 
GeirrodJu', helir lhi\ ol'druccit' (niniiiini polavisti) Sirni. 47». 

Deunoch ist in den liedern auch ein den riesen gün- 
stigtr zug. sie »teilen ein untergegaugncs oder untergehen- 
des geschJecht dar, dem mit der kraft auch die uiischald 
und Weisheit des alterthuniSy mehr eine ob)ective und aa- 
erschafne, als selbsterworbne Vernunft beiwohnte Diese 
halbwehmätige atiffassung harscht vorzüglich in ein^m 
der schüttsten eddbchen gedichte, in Ilymisqvidha« lijr. 
vir*) heifst forn iötunn (der alte) 54% wie ein andrer 



*) altn, ist hdm crepuscolum , fn^nm vesperascere » hyiaa donni- 
tnrire, H^nitr der träge, scliläfrige? ahd. IJiuini? wie, wenn daa 
mild, hiiine (s. 301) au« einem alid. Iiliimi cntspränjfe? da sich M oft 
in N verdüaut , zumeist das auslautende, utier iulauleud for gevvii»scn 
coMoaantaa (koaft« venionft C ehanift, fiiraarnft) bia nnd wtvdar 
aber andb iai attiaat eder iahnt m vecatea (niadklog, aets« aaz), das 
pmeadite beltpiel bl alid« sUuiai, satoad (celer) mIkL fUene, sM*- 



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804 RIESEN 

riesc gerade den eigennamcn Fbrntotr, Porneot fülirt 
(s. 147); aber aiicli hundi'iss (niuluscius) .'>J'', nvio boiist 
liodliiim (Siuin. 14.')»), Gcirrciillir (8n. 113) iiiul Slarkadlir 
(turnald. sög. 3, 15. 32.) Ootiir wird SaMii. 7'J 'j^viumnl 
jiülkunni i>^ r (vielkundig), Il\jiur aber am Ii hat nteilr 
(froh M'ie ein kiiid) 52*; Thrymr sitzt da, und legt sei- 
neu iiuuden goldbauder an, strelclit die nialineii seiner 
rosse. Sicni. 70^. Ein anderes lied beruht auf dem ge* 
sprach 9 daa Odbiun selbst mit einem verstiuidigen riesen 
über gegenstände des alterthums (d fornom stöfum) zu füh- 
ren begehrt: Vaniiriüdbnir heifst wiederum 4im aUvinni 
iöiunu' 30* 35^; Örgelmir und Bergelmir 'sa inn Jr6dhi 
iOtunn.' Saem. 35* ^ ; Fenja und Menja sind framvfsar 
(Grötlas. 1, 13.) Wenn den riesen das verbum HUmia' 
Siem. 88* eigenthünilirli beigelegt wird, das sonst exsjjc- 
ctare, desiderare aiisdriickl , so mag darin ein dninidcs 
briilen, lialbtrnnkne beba^licbkeil und l)eliarrlicbkeil lie- 
gen, gegenüber der reg'^anien natur des meuscUeU; der 
listigen , verscblaguen des zwergs* 

hin solches wesen ist in seiner rulie giilniüllg mul 
plump**); aufgereizt aber wild, tückisch und heftig, die- 
sen riosenzorn nennt die nord. sage iöiunmAd/tr, der sich 
dem ^mudhr, dem zorn der götter trotzig widmetzt. 
Wenn die riesen von wut entbrennen , so schleudern sie 
felsen, reiben flamme aus steinen (Roth. 1048), reifsea 
bfiume aus (kinderm. no. 90) und stampfen mit dem fufs 
bis ans knie in die erde (Roth. 943. Vilk. saga cap. 60): 
in diesem zustand wenlen sie von den lielden , denen «e 
dienslbar sind, in fesseln geleat, inid nur im krieg ge- 
gen den feind losgelassen, so Witolt oder Witolf. Roth. 
760. Vilk. saga cap. 50. 

Zu den gollern und menschen stehen sie bald freund- 
lich, bald feindlich. Einzelne götler sind mit riesinncii 
vermählt: Niördhr mit Skadhi, tochter des Thiassi, Tliurr 
mit larnsaxa, Freyr mit der schönen Gerdhr, tocliler de« 
G^mir. OunnlOdh eine riesin ist Odhinns geliebte. Ge- 
fiuiiy die asin, zeugt s^hne mit einem riesen; B<>rr hei- 
ratet Beda , BölthOrns des riesen tochter. Loki , der ua« 



nie, nhfl. selilciiniji:. daraus erklärte sich, warum keine spur des 
mens lumie im altii., dann müste aber auch alle wesentliche berühcusf 
mit dem volksnsmea HAn aufgegeben werden. 

*) hnnd (centum) Tentärkt die bedeutungen: hnndmargr (peiaal- 
toa) hundgamall (steinalt) 

iinn;eordn«*t; mhd. gilt VOII rieseö ungevä^gt* JNib. 456, i. 
hr. 6051. 6TW. 



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RIUSBN 305 

ter (leo aseti wolmt, ist söhn des riesen Farbauü, An-i- 
boflha, eine riesin, seine frau. Mit Oegir dem iotunn 
Yerkefaireii die götter und werden von ihm au gaste ge« 
laden. ^ Aber auch riesen streben nadi asinnen^ Thrymr 
uacb Freyja, Thiassi raubt Idhunu, Slarkadlir ist dienst- 
inann nordisclier könige ; köiiig Frudhi haue zwei riesen- 
juDgrräuen, Kenia uad JMeiiia, zu nialmägden; in Rollicrs 
beer känipfcn die riesen Aspriiln (Asbiiirn) nnd Wilolt. 
Unter den aseu ist T/iurr der gröfsle rieseufcind, er 
schlägt ihnen, wie Jupiter, donnerwunden, sein hani- 
mer bat vielen die bäupter zernmhnl; wenn XiiOrr niclit 
wiire, sagt ein nordisclies Sprichwort, 60 würden die riesen 
uijerhand nehmen: er besiegt llinngnir, H5^mir, Tluymp, 
Geirrodhr. auch der hei/^ Olaf verfolgt das riesenge* 
schlecht auf das heftigste. In der heldensagc unterliegen 
Sigenöt, Ecke und Fasolt Dietrichs menschlicher atfirkeJ 

ijlur, oder nacb der riesen sprndie Orgelniir, war 
der erstersi hajrie ^ und aus seines lei!)s ungeheurer niasse 
wurde hernach erde, wasser, hcrg und wald erzeugt. 
\m\v M'lhsl entsprang aus gefrorneni reif oder thau(lirun), 
den lliegendc jNluspillsfunken ti opfend gemacht haUen. *) 
davon heilVen alle riesen lirinilhiu sar ^ rcifrieseu (Sn. 6« 
8fem. So*-^ "»: hrinikahlr (reifkallj ist beiwort för ii)Luun 
oder tfiurs (8.eni. 3ö*» 90^), sie triefen noch von thaucn- 
dem reif; Hrimnir, HrUngrtmry Hrlmgcrdhr sind 
riesische eigennamen (Sieni. 85« 86» 144, 145,) da brim 
zugleich fuUgo bedeutet, darf vielleidit Ymir mit dem dun« 
keb mhd. om, ome (mbigo) zusanuuengehalteu werden 
(gramm. 3, 733.) 

Nach rieften, wie nach gottern, lühren Kräuter und 
gestirne den iianuiu. thursaskegg (hicus lliiforniis) rie- 
senbart; uorw. iussegras f paris quadrilolia) ; Bronugt as 
(satyriuni) , was sonst Friggjargras (8.102), weil es eine 
riesiu ßrana ihrem Schützling HjUldan als zaubcnniltcl 
scbenkte (fornald. sog, 3, 576); Forneotes Johne (s. 147); 
Tliiaaais äugen warf Odbinn, Ort^andils fujszehe Th^ix 
als leuchtende gestirne gen himmeL Sn« 82, 83* III; 



') (las ganze niilt» hilf» r trug sich mit einer sclierzlinlt gewerxle- 
t« fabel vüü einem kiü<l, das aus schnee oder eis liervorgieng ; srlion 
iia 10 Jb. batte niiii deo modus Liebinc, eia altfranz. gedieht steht 
bei M^B 3» 215, ein mhd. Ls. 9, 513; in sdiera and ernst dp. 
251 heinst das kiad tissrhmarre (eisbissen) Tgl. Bure. Waldis 4, 7t 
! Weisens erznarrea p.S3. Wieder andeis, uad ernsthaft, fassen' 
iiuderflurdiea die idee von sebnee «ad blnt 

2U 



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80Ö RIBSEIN 

Die rieseu bilden ein gesondeiles volk, das skh 
wieder in slUmme zcrllieiite, Tlir> nir heilst Hhursa dr6t- 
tinn' Swm. 70 — 74«, Hhursa thiod/L* vrird 107* genannt, 
als ihr gewöhnUcher aufentlialt aber iotunheimr beEeich- 
net. noch das gedieht von Rother 767 gibt ein risenlant 
an. fiuf der grenae des riesengebieies lagen griottuaa 
gardhar {Sn^ 108. 109.) die vorhergehende untersuching 
lehrt, dafs sich die meisten benennnngen der thma tn 
alle Völkernamen schlössen. 

Man dachte sich die riesen auf feUm und bergen 
hausend; ilire ganze natiir hiiugt mit dem Steinreich «!• 
ßamnien. sie sind belebte stelomassen ^ oder verstclnertsi 
früher lebtnulige geschopfe. 

Hierlier geboren erst folgende benennungen: bergrni 
Sn. 18. 26. 30. 45. 47. 66. Gröttas. 10.^24. Egilss. 22*); 
herghüi (fornald. sog. 1, 412); hraiinhAi (&axicola) Sictn. 
57^ 145«; hraunhvalr 57^; tlnissin af biargi f fornald. 
süg. 2, 29); bergdanir (giganles) Sjvm. 54»>; bergrisa 
brädhr^^mcer bergrisa^ Grutias. 10. 24 vgl. das griecli. 
OQSiig* Thrjrmheimr liegt auf bergen. Sn. 27. 

Rieseneigennamen weisen auf stein und metall, 7. b. 
Jarnsasa (die eisensleinige) , larn/iaus (eisenschädel); 
vielleicht darf man die noch )et»l forü^bende Zusammen- 
setzung steinalt (gramni. 2, 555) aus dem' hohen all«r 
der riescii erklären , das dem der berge und felsen nsitf 
koninit. 'giliir rata' (^gigantcs pedcö illudiuit saxis) sagt 
mau im JNorden. 

Steine und (eisen sind des rieseugeschlcclits wajjen] 
es gebraucht nur sleinkeiden , steinschildc , keine srhwer- 
ter. Hri\ngnis watfe heilst kein; als sie geworfen in der 
Inft niil Tliurs hammef zusammenfuhr, brach sie und cin^ 
tkeil fiel zii boden: davon kommen alle 'heinbrii' 
(schleifoleinfelsen) her. 8n. 108. 109. Spätere sagen leg«^" 
den riesen ätalilstangen, von 24 eilen, zu. Roth. 687. 
1662. hüm. Stfr. 62, 2. 6», 2. 8igen6t (l.afsb.) 14 (Hag 
ÖSF. 75. Iwein 5022 (riioie 5058. koibe 6682, 672«.) 
Trist. 15980. 16146 ; taensiange Nib. 460, 1. dem FtD- 
dnrus und BJüas (Aen.- 9, 672) verleiht VMdek ries^ 
natur und iserne kolreri (En. 7089); halben MiäMh 
führt das riesii^c beer k(»nin Gorhands. W h. 35, 21. 895f 
24. 3'Jf>, 13; eine fitaaistan^j^' riese Langben (danske vi- 
ser 1, 29.) WalirscheiuUch aber wird unter dem *eaW 



*> hiilfbr-rfrri^^ kdlfrw^ hdlfubU bei gelBiiditer üduat^ 
gmmin. 3, 6^3. 



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807 



bpeord kotoniBc* Beov. 5953 ein stemernG« verstanden; äiich 
der 'entue heim? Beov* 5955 mag ein solcher seih. Viel- 
leicht hängt damit zusammen j dafs kein eisenschwert auf 
die riesen einschneidet: blofs mit dem schweithnöpf 
wJigea sie erschlägen werden (Ecke 178.) 

Bauten dfer Vorzeit, seltsamer strucUir, die lange 
J»hrh\iiulerte überdauert haben und die das lieiilige ge- 
schleclit hl niclir unternimmt, pllegt das volk den /ve- 
f^en oder dem teufel zuziisi hrriben (vgh s. 55 die anm. 
u\)iT leurelsmauerii.) das sind die 'enta get^eorc* (s, 301), 
und so nannten die Grieclicn cyclopische mauern was aus 
Ungeheuern stücken gefügt >var. *) 

R lesen berge y riesenJiiigel y hiinenhette können «so 
lieifsen weil die volkssage dahin eines riesen grab versetzt, 
()der eine aholichkeit des feisehs mit d(*r riesengestalt än- 
umimt, oder davon ausgeht, dafs der riese den herg oder 
hügel an diese stelle gebraclit habe. 

Von der letzten art hatten wir eben ein bei^piel : die 
edda erklürt alle hein felaen äiis dem zur elUe gefailnen 
iheil einer riesenieule^ die von glattem üvetzstein gefer^ 
tigt ^ar. In diesen volkssagen herscht anmutige mannig* 
ialtigkMt, die mir nSherer künde Werth scheint, weil da- 
durch die lebendige vorsiellung von dem wesen der riesen 
gel bezeichnet wjrd. Eine aul der insel Ifven umgehende 
^age maclil (irimihl tind Hvenihl zu zwei riesinmn mul 
Schwestern, die auf Seeland wohnen, llvenild will slüike 
von Seeinml nach Schonen tragen und celani»t inil einigeff, 
<iie sie üi ifire schürze ninnul, gh'icklirh Ijimiber; als sie 
fiber das n.irhstemal ein all/.u^rü^ses förlsrhlcppt , bricht 
(lau sduirzlxind mitten in der see, sie verlierl ihre ganze 
last, und so entsteht da die insel Uven« **) Fast dasselbe 
meldet eine jütisclic sage von dem Ursprung der kleinen 
hisel Worsöekaiv (Thiele 3, 66.) Abweichende umstände 
gewähren ponimersche überiieferungen : einen riesen auf 
Rögen verdrie&ts, dafs er immer durch das meer nach 
Pmnmem waten mufs; er will einen dämm hinüber zum 
^en land bauen,* bindet eine schürze um, und füllt sie 
nitt erde?* als er mit der tracht bis liber Rodenkirchen 
gekommen ist, reifst eiri lock in die echürze, und 
Äos der erde, die heraiisralit, werden die neun berge 
W Rambin. er stopft das loch zu, und geht "wreiter. bis 
Goslow gekommen , reÜst wieder ein locli und dreizehn 



t(f1. Nle^olirf roin. gesch. I, 198. 193. 
**) SJ«borgi nomeDklatttf p. 64. 

90* 



806 MfiSEiN 

kleine berge faUen heraus ^ mit der nodi älirigen erde 
gelangt er ans meer und giefst aie hinein: da wird der 
prosnitzer hacken und die halbinBel Drigge, aber es bleibt 
immer ein schmaler räum zwischen Rügen und Pommern 
und der riese IU*gert sich darüber so sehr, dab er toh 
einem schlagflufs hinstürzt und stirbt: so ist denn sein 
(laiiiiii nie fertig gmvürtlcn. V mgekehrt, ^vill sicli ein 
riese 11 mäd che II von Poiuincrn aus eiue brücke nach Iiiigen 
maclieii : 'daniil ich übers wässercheu gelin kann , ohne 
'mir meine panlöffelchen zu netzen.' sie naluu eine 
schürze voll sand aus ufer eilend, aber die schürze 
hatte ein loch* hinter Sagard lief ehi theil der Lidung 
aus und bildete einen kleinen berg namens Dubberworlh. 
'ach' sagte das hünenniadchen» 'nun wird die mutter sdiei« 
tenV hielt die hand unter und lief was sie konnte, die 
mutter schaute über den wald: 'unartiges kind, was treib&t 
du? komm nur, du sollst die ruthe haben!' da erschrak 
die tochter, liel's die schürze vollends gleiten , allext. sand 
ward umher verschüttet und bildete die dürren hügel bei 
Litzow***) Ein riese in Fladsoe war feindlidi gesiant 
gegen einen in ^^estved wohnenden, er nahm seinen ran- 
zen, füllte ihn am ufer mit sand und dachte gaiis Nest- 
ved zu verschütteu. unterwegs aber lief der sand durA 
ein loch im sack aus, so ilalb eine reihe saudbiinke da- 
von zwischen Madsue und Neslved entstand, erst als der 
riese zu der stelle kam, wo vordem Hnsvald lag, meikle 
er, dals das meiste versc biiltet war, und ärgerlich warf 
er das librige gegeu ?scslved, wo man uocli eine einzelne 
eandbank gewahrt (Thiele t, T^>.) Zu Sonnerup war ciu 
andrer riese, namens Lars Krands, den ein dortiger 
bauer beleidigt Iiatte. er ging zum Strand , füllte seiuen 
handschuh mit saud und trug ihn zu des bauern hoff 
er ihn ausschüttete , so dafs der ganze hof zugedeckt 
wurde; was durch die ßi/if ßngerlucher im handschuh 
gelaufen war, bildete ifünf hügel (Thiele 1, 33.) In den 
Niiedet*landeu wird der hügel von Hillegersberg durch den 
sand hervorgebracht, der einer riesin durch ^een Mchorte* 
kleett fallt. '^^) Solche erzählungen sind aber nicht blofii 
unter dem deutschen volksstamm yerbreitet, sie gehen aiicb 
bei Finnen, Celten und Griechen im schwang. In Tswt- 
etoland bei Päjändc, in llattulusuckeu liegen stciafcl&eo, 



) K. M. Arndt mirclieii 1, 156. 
) I.oiliars Volksen;, ,!. Ldpz. 1820. p. 65. 
) »VeiteadorpA m>lhologte p. 187. 



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RIB8EN 



80» 



welehe ehdem von rlesentöcKtern in der scliurze geirrt" 
gen , und in die hOhe gevrorfen sein sollen. *) iß^zö« 
sieche äberliefeningen setzen die lieilige jiiiigfrau an die 
stelle der ricsiniieii. ?Sülrc daine de Clery, als es ihr iu 
der kirche vuii INUzitMcs nicht gefiel, bcschlofs den siu 
ihrer anbctiing zu verlegen, nahm erde in ihre schürze, 
und Irn^ sie, verfolgt von Judas, auf eine benachharle 
anliölie; uni aber dem Verfolger auszuweiclien , fal'sle sie 
einen theil der erde wieder auf^ und iegle ihn nicht 
weil davon an einer andern stelle nieder: an beiden stat- 
ten wurden betiiäuser gebaut.**) In der Charentegegend, 
im bezirk Cognac und der gemeinde Saintfort am \ey- 
fläfschen liegt ein ungeheurer stein; man erzählt die hriL 
fungfrau habe ihn dal^n auf ihrem kox)f, und zugleich 
yier pfeÜer in ihrer schürze getragen: als sie aber über 
den Ney ging, entfiel ihr ein -gf eiler in den sumpf von 
Saintforl.^) Naeh einer griech« sage wollte Athene zur 
befestigung der Acropolis einen berg vpn Pallene herbei- 
holen , liefs ihn aber unienvegs^ erschrocken über die 
rerkündigiuig einer krähe, hinfallen^ uud da blieb er 
(der L\ kabellos) liegen. -j-) 

Gleitli der götlin, gloicli den ricscn ladt sich der teu- 
fe! solche lasten auf. in Oberhessen wurde nu'r folgendes 
erzählt: zwischen (Forsfelden und VA'cller lag vormals ein 
jetzt ausgeslorbnes dorf Klbringhausen ; die bauern leblen 
darin so üppig, dafs der leufel gewalt iil)cr sie bekam, 
und sie aus ilucr guten erde auf einen sandigen boden, deu 
die austretende Laiiu jiüirUch überschwemmt, zu verse- 
tzen beschlofs« er nahm also das qanze dorf in seine 
külze, und trug es durch die lüfte dahin, wo Jetzt Sa- 
renau steht: er fing an, die einzelnen hauser zu langen 
imd der reihe nach aufzustellen, unversehens stürzte ihm 
die töize untf itnd der ganze plunder fiel durcheinander 
zur erde; daher rührt, dafs zu Sarenau die sechs ersten 
häuser in gerader gasse stehen^ alle übrigen untereinander. 

Weit umgehend ist die artige fabel vom pflügenden 
aciermann, den eine riesenlochter auluimoit, und in 



•) (Jananders finn. mytlr. p. 29, 30» 

iti' ni. «le rnr.-ul reit. 2, 218. 
**') ni»-m. «ies niitiquiürrs 7, 31. 
t) \nti^oiii C.irvjitii liint. miral». cap, 12. Lips. 1791 p. 22: 

lutovaaoaf to o^o;, '6:fQv tvp ?(rr»" t/7 <)> ko^w'i// »hu njt» mo- 

nuyytUttw iSmiy, du^ginoXtr ov nvr§ fffra« dftnitf&m. 



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m RIESEN 

ihrer schürze dem yaler heimträgt, am adiönsien in 
der elsassisciien 8age vou bürg Isklcck; 

Im wnldsriilofs dort am waMoriiU 

5100 d ritter risc gsinn ; 

a mol kujiimfK frauie hrab ins tbal^ 

uun gellt spaziere dritiii. 

sie ihut biti scliier noch Hafilacb gelio, 

vocm wald im ackerfeld 

do blibt sie voll vcrwondniiig fCehii 

unn sieht, wies feld wurd bBtellt» 

sie luogt dem ding h wil so za:' 

der ]{flui- die ros , die li'ttt 

iscIuT vhs nciis; sie ^< ht derzp 

unu denkt 'die nlriim i mitt.* 

Drau Imurt sie au de bode bii| . 

iiqo spnil ihr fürti u/s, 

hn^t alt^» mit der band , tbutf nüq, 

QOQ' lauft 'gar froh nocli Iins. 

sie sprin;2[t <le feUwei niif gnnz frisch« 

dort wo <ler herfr jetzt iscli so gäh, 

unn ine bo kraltle nnifs in dlioh» 

ninoht sie nur eine seliritt. 

Dct ritter sity.l juai uoeii am ihic\\: 

*oiltt kind, was brlngste miCV ' * 

dfrend luegt der 2tt de auge mifs; 

M krom Dur gscbwind diu 'furti uCi; 

was be^t so 2awelicl}S drin 9* 

*o vatter, spieldings gar ze nett, 

i ha noch nie ebs scliöos so ghetl\ 

unn stelltem alles fiiii. 

Üan uf de ti$cb stellt sie de pßui^ 

difuret unn tbri rot^ 

lauft dnlm hemm nno l^cht denu, 

ihr freud iscb gar ze grofs. 

Oa kind, difs isch kau spiddin^s niitf 

do best ebs sefiüns «remnclit' 

salit der hcrr ritter giicii und lacht» 

^geb oimms nur widder mit! 

die l)ure sorje uns für brot, 

suQscb sterbe mir de bungertod; 

trab alles widder fnrt!* 

sfraole krbit, der vatter schilt: 

*A bur mir nitt als spieldings gilt| 

I lud nit dafs me murrt 

pack alles sn( lite widder ini 

unn tralis ans tienili plützel hiii| 

wo des genumme best. 

baut nit der bur sin ackerfeld 

se feblts bi aus an brot tiaa gcld 

lA nnseän felseonast.* 

Älinliclie er/.aldungen vom ilarz und aus dem OdeiiwaU 
sJfJieii (leuls-ch. bag. no. 3I'J. 324. In llessi'ü wird dt« 
riesculudiUer auf den lii^persbcrg (zwisclien Kolbe, VVeUi^a 



uiyiii^uü üy GoOgie 



EIB8BN 311 

um! Gofsreldeu) verlegt: ihr vatcr schilt sie heftig aus 
und setzt deu pflüger, nnl lobsprücben, witnler In Freiheit. 
Zu Dittcrsdurf unweit ßlaokeiiburg (zwisciieu Hiidolstadt 
und Saaliekl) geht dieselbe gescliiohte um« am eiugang des 
Scbwarzatliais auf der Hünenkoppe ^vohute eine luitiia 
mit ilirer tochter. die fochtet fand auf dem gemeindeberg 
einen feldpflügeu^en bauer, tliat ihn mit pflüg und oc/t- 
$en in ihre schürze und trug der mutter ^den kleinen 
herl mit seinen täizchen^ hin« sornig befahl die mutter, 
mann, tliiere und i)nug augenblicklich wieder an ort und 
stelle zurück zu tnigen : 'sie gehören zu einem volke, datf 
den liiincn großen scliaden zutiigen kann.' bald darauf 
verlielseu beide die gegend. *) Diese niisbilli^uni^ scheint 
altcrlbünilicher, als der gruiid des elsassisciien rieben, und 
^liiiunl mehr zu einer ffiinisclieu volksage. In Kemispckeir 
wühnteu tiesen ; vor zwan/ig jähren '^^^) lebte in Rounv- 
waujemi eine alle frau namens Caisa, die erzahlte: eine 
rieseniungfrau (kalewan tyllarcn) nahm in ihren schojs 
pferd, pfläger und pflüg (liewosen ja kynlajiin la aii- 
ran), trug sie ihrer mutter hin und fragte: ^was für ein 
häjer (sontiaiuen) mag das sein, mutter, den ich da fand 
in der erde \nihlen?' die mutter sprach Hhus Aveg^ mein 
kuid, vrir müssen fort aus diesem land, und sie werden 
hier wohnen,' Den ackerbauenden menschen^ mufs das 
alte riesengeschlecht weichen , der ackerbau ist ihm, gleich 
den Zwergen (8.259), verhafst. Die unschuldige derbheit 
der riesen , welchen der mensch ein winziges thierchen, 
ein im kuth >viihlender kafer erscheint, aber doch heim- 
lith vor ihm bangt, kann nicht glücklicher geschildert 
uerdon . als in diesen wenigen zügen. leb glaube, dafs 
ilie iiljerlidci'uug noch iu vielpu auderu ^egeudpu itu 
haus ist. 

Nicht weniger häufig und iiaiv Ist die sage von dem 
wandernden riesen> den unterwegs ein steinclien rni 
$vhtih drückt: er schütlek ihn endlich aus, und ein liu- 
gel oder feis bleibt da liegen. Die braunschweiger auzei«^ 
gen yon 1759 berichten s. 1636: *eia bauer sagte mir ein- 
mal, da ich in seiner begleitung vor einem hügel, der 
ant Ebne lag, vorbeireisete: herre, hie sagen die leute 
habe ein hüne seinen schuh reine gemacht, daher sei 
der hügel entstanden/ Iq dem buch: die kluge trüdel- 



*) r.. A. WalUie» eiul. in die tbür. sdiwarzb. gesch. ^iuUuUt.) 
1T»8 |). 52. 

") zu Ganaadecft lutil i.liua> m) tlj. p* 30.) 



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31S 



RIBSBH 



flau, von E. J. C. P. N. 1682 p. 14 wird eines groftcii 
sleiius im Nvultl crsNahiit und gesagt: ^C3 wcre einslen eiü 
groiscr ricse \()r))ei gegangen , den hatte in dem schiiho 
ein stcinlcin gcdi iitkl, und als er den schtich au fgebun" 
den sei dieser stein l^tMaiisgc fallen.' So gehl nucli heule 
die sage von einem kahlen fclsen bei Goslar, den habe 
der grolse Christoph mit sich im schnli getragen und zu- 
letzt am drücken vermerkt, hahe dei). achuJi ansgf'zo<reti 
und umgekeJirt f dii sei der stein an die stelle ge£ili«ii| 
vro er noch liegt. Am Solling hei Uslar liegt ein ptw 
grofser feldsteine, 16 — 20 schuh lang, 6 — 8 dick: vor 
undenklichen jähren giengcii zwei riesen über das laadl, 
der eine sprach zum andern <es drückt mich etwas Ib 
schuh, es müssen wol grandkörnchen sein«* daoiit mog 
■ den schuh ab und schüttelte die steine heraus* 
Auch (.liesein nn ihus traue ich weite Verbreitung zu, deut- 
sche sagen no. 323. steht er von eiiu ni stein bei Jlleld; 
man weils ihn sogar von einem bloCfcn inenschen?chlag 
zu erzälilen : die weslfälischen Sauerlafider sind bra>e, 
tüclitige leule. einer soll einmal nach Coin gegangen sein 
und vor dem thor angelangt seinen reiscgeiährleii ersucht 
haben, einen augciüjlick zu warten, er wolle im schuh 
nachsehn, was ilm die ganze zeit so gedrückt habe, dbr 
andere aber sprach ^i nun warte vollends» bis >vir zitt 
herberge kommen.* der 8aucrlän4er liefs es geachehn und 
beide wanderten durch die langen stral'sen, auf dem msrkt 
wurde ilmi doch der druck zu arg, er zog den echuk 
ab, und warf einen groben stein heraus y der langt 
zelten daselbst zum Wahrzeichen gelegen hat. 

Die edda meldet \\Tjnderbares von dem riesen Skry- 
niir;''') in dem daunding seines handschuhs liatte Thorr, 
der gult, eine naclitlang gelierbergl. Skr^^mir eutschlalt 
unter einer eiche und schnarclit; als Thorr mit dem haniiiur 
auf sein liaupt scldiigt, erwacht er und fragt ob ein Halt 
laiib (inj ihn herabgefallen sei? der ricse legt sich un- 
ter eine andre eiche schlafen und schnarcht, dafs es da- 
von im walde rauscht; Thörr schlagt härter und tiefer 
auf den riesen, ^fiel mir eine eichei ins gewicht ?^ ruft 
der erwachende, zum drittenmal entschläft Skr^mir und 
Thdrr wiederholt den schlag noch tiefer; der riese wadil 
auf, streicht sich über die wange und spridit: *tiher mir 
im bäum müssen vögel sitzen? als ich erwachte, diiucbte 
mich, ihr mist falle von den zweigen auf mein haupt.' 



*) vgl. faruiscli SkrujmsU^ Lyagbjre p. 4äO. 



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RIESEN 



Sn. 51 — 53. Diese zöge* sind eclitriesenTnäfsig, und in 
andrer gegead anzutreffen« nach einer höhmischen 
aage schläft Scharmak der riese an einem tliurm, den 
seine feinde untergraben, dnfs er über ilim zusammen« 
stürtt; er rüttelt sich auf und mfl; 'hier ist übel ruhen, 
imvögel besc/imeijsen einem den kopJJ nachher schlep- 
pen drei eine grofse glocke auf den eichbaum, unter dent 
jSehannafc schlaft , und so stark schnarcht, dafs sich die 
Mätter rühren; die glocke wird abgeschnitten und pras- 
ßdt auf den Hesen herab, er wacht nicht einmal auf. 
Ein deutsches klndernii-irtlien (l, 307) hat vollkommen 
alinliclies ; in einem amlcrn ^vcrdcn nuihLsleine auf den 
ricson im brunneii liinahgesvorfen und er ruft: *jngl die 
hüfier weg, die da oben im sand kratzen und mir kÖr~ 
mr in die äugen schmeifsen !' (2, 29.) *) 

llabclais inul Fiscbart haben die fabol von Gar^ 
gantiia verherlicht. ursprünglich war es eine alle , etwa 
schon cellische, riesensage, deren echte, einfache ge- 
stalt sich vielleicht jetzt noch aus liaftenden volksüber- 
heferungen gewinnen llefse«*^) Cargantua; ein ungeheu« 
rer fresser und säufer, steht mit jedem fufs auf einem 
^\en berg und trinkt^ sich niederbeugend^ den da^ 
MUHschen herlaufenden fluf» aus« Das weiTs wieder 
auch eine westfHusche Wesersage: am Solling, unweit 
dem Eberstein liegt der Hüneubrink, ein ireier, kegelför- 
iniger berg. wenn der hüne» der hier vorzeiten hauste, 

morgens das gcsicht vi'aschen "wollte, blieb er mit 
einem fujtie auf seinem berg stehn , mit dem amlerri 
fcchriti er eine halbe stunde weit binüber zum Eicbbolz, 
und schöpfte ans dem durch das tJial jliefsendeii bavh, 
tliat liüu der hals web vom bücken oder drolile zu bre- 
chen . 80 streckte er seinen arm aus und grif über den 
Burgberg nach Lobach, ^iegenhora und Uolenberg sich 
xur stütze« 



*) vfl. die morgenL sage vom riesen Andsch in Hsmmers roMD5l 

1, 114. 1 15. 

**) Haiielais entnnhm seinen stof nus einem älteren burh , das 
sclion im 15 jli. gedruckt und im 10 öfter fnifjrr1(>f[t wurde: les cfiro- 
ni»|ues ndmirables du puissant roi Garf^aiitua. s. 1. et a. (;:olliii|ue) 8; 
la f)lai.-»aiit ^ et jovciise lli^toi^e du grand Garj^aiitua. Valeiice 1547. 8, 
zuletzt als volk>hucii: ia vie du famcux Gargaittua, le plus terrible 
gtet, qui ait janiais paru sur la terre. k Troyes. 

^**) ein Mfang gcmactit Ist in den traditiont de l'aneien doclid 
de Ret« aar Gargantaa (m^m. de l*acad. celt« ft, 392—95) und in 
volkssagen ans dem Greyersland (Alpenrosen l^M p. 57. 58.) aus 
ittatern catleliBe ich was oben stellt« 



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914 RIESEN 

Zsrci liUDCii wolmleu dor eine auf dorn Kherstcin. 
(Jer aatlerc auf Homburg, sie iiattcii zusaninicu nur eine 
^xty mit >Yclclier sie ihr holz spalteten, wolhe der eber- 
Steiiier hiiue die arbeil ^ehn, so rief er liioiiber nach 
d^r Homburg, die anderthalb stunden ferne lag; soglekk 
u^arf der liomburger hüne die axt /lerüker. ebenso ge» 
ScUab es umgekehrt, yrenn sich die axt auf dem Kber- 
steine fand. Ebenso ersählt eine gleichfalls westfaliscbe 
Überlieferung von dem hünen am Hiinenkeller und an der 
Pqrta, die sich ihr einziges beil zuwarfen^^) Die hu«» 
^en des ßninsbergs und Wiltbergs zwischen Godelkeuii 
und Amelunxen ^var^cn sicli große kugeln, als bäle, 
über die Weser (deulsciie sagen no. 16.) Nachbarn waren 
aurfi der ricsc auf dem AVeifsenstein und Renibeig (in 
Oberlicssen.) sig hatten einen bacLofe/i beide geniein- 
scliariliehj der niillen im fehle lac. wenn sie nun teig 
knelplcu , warfcfi si,e einander steine zu^ auf dies zei- 
chen sollte holz zum ofenheiz.en \on des nachbars bürg 
gebracht ^vcrdcn. einmal geschahs , dais beide zu gleiclier 
zeit warfen ui^d die steine in der luft ztisainmenj uh» 
Ten , '^''^') die liegen nocb heutiges tags mitten im feld ober- 
halb ]Michelbach, )edwedem steht eine greise riesenliaod 
eingedrückt, ein andres zeichen gab der itese damit, dafs 
er sich ai(n leib kratzies es 'war so laut, dafs man es 
jenseits deutlich hurte, ^ Oberhalb Nettels|&dt am beig» lisgl 
der llünenbrink: hier haben Torseiten hünen gewohnt, 
yrelche mit ihres gleichen auf dem Stell (eine stunde wci* 
1er) gute gemeinschaft hielten« wenn die einen buken, 
und die andern wollten ein brot' mit ijar haben , so tPCif" 
Jen sie es nur herüber. Auch zu llilverdingsen, au der 
Südseite des sehwai /en sces wohnte ein hüne , an def 
liordiicitc y^a Hille ein andrer, und beide ])lleglen ihr brot 
zn^annuen zu backen, eines mor^icns ulaubl der hilvcr- 
dinghcr In'ine zu liot en , dals sein iinchbar den backtrog 
ausger.iuiiil habe und lertig sei; hurtig eihebt er sich vom 
la^er, nimmt seinen teig und springt über den see. allein 
der liaclibar halte sich nur am bein gekratzt i das wsr 
das geräusch gewesen. In Altehüfien hausten hünen, de- 
nen nur ein einziges messer zu gebot 8l;uul. mitten in 
dorfe ist ein stamm gewesen , darin hat dfts niesser ge- 
gesteckt; wer es brauchte, holte es da, und brachte es wieder 
au seinen ort. die stelle, y/c der bfium gestanden, 



•) Uedekers w. sMVili.^rlie sacron no. 36, 

••) wie Hrüugiiii htiu und Thöra hammer (s. aiMi). 



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HIESBN 



315 



poch gezeigt, diese hünen, die man auch dutten nannte, 
sind gar eiafalüge lente gewesen, und von ihnen schreibt 
•ich das Sprichwort her ^AitehüiTen dumme dutten.^ AJt 
die gegend umher ipn^ner mehr angebaut wurde, gefiel ea 
den hönen nic^t mehr unter den neuen ankünimllngen 
und sie sogen sieh zurück« damals haben auch die dutf 
ten zu Altehüffen den entschluTs gefafst auszuziehen« sie 
wollten iiber hiii| und den eingang in den himmel suchen« 
yrie es ihuen unterwegs gegangen, des ist nicht bekannt 
geworden 9 zum spott wird ihnen aber nacli gesagt, sie 
wären endlich auf ihrem z.iige an ein grofses, stilles, heU 
les Wasser geUunimen, woiin buli die klare lult spiegelte: 
da liaileu sie geglaubt sicli in den liimmel zu stürzen, 
iviircn Jiineingesprungen und erlrunkm. j Unverkennbar 
gellt aus so merlvwiirdiger einsUniniuni; hervor, dals 
die riesen ifolkarti^r zusanuneiihielteii und auf bergen im 
land angesessen waren, dals sie aber dem nicnsclienge- 
schlechty Wieiclics man als ein niichrückendes volk betrach« 
\sai kann, allmal ich wichen. Ihre steinwaflen wandelt 
die sage in holzbeile und mesaer, ihr kriegsgescliUft in die 
üriediiche handthierung des brotbacHens« Ein alter brauch 
war y Schwerte oder messer in einen mitten im hof stehen«» 
den bäum einzustecken (fomaU« sog. 1, 120* 12 1)^ an dem 
einbauen des beils in den stock erprobte man des mannes 
Ställe (RA« 97.) Das springen in den blauen see ist 'mSr- 
chenhpift und wird sonst in andern Ifibeln vorgetragen 
(kinderm. 1, 343. 3, 112.) 

Dieser sagen von geNvorfiien steinen, iiiiirimern, und 
dem liarlen iels eingepriigten rieseuiiugern sind allerwärls 
m Di'iilschland so viele, dals ich nur einzelne auslcücu 
kann, die den ton aller übrigen angeben. Tritinnier einer 
bürg bei Homberg in ISicderhessen zeigen die vvohnung 
einer riesin aoj zwei stunden seitwärts neben dem dorf 
Goinb^t liegt ein stein^ den sie in einem wurf von Hom- 
berg dahin sc/iUuderie \im\ die ßnger ihrer hand sieht 
man dem stein eingedrückt Den Schar/enstein bei 
Gudensberg hat ein riese im zorn hingeivorjen» Am 
Tyrifjordens Strand bei Buru in Norwegen liegt ein grofser 
s#ei/i, den ein Jutul im streit mit einem andern quer 
iiber die bucht gews)rfen haben soll : in dem stein ste- 

*) die vier letzten fsgea beipRedeker no. 87. 89. 38. 40. wean 

dutun n]>(>.'llativisrli zu nehmen ist» ventehe icb es nicht, ans tfa«- 
un verderbt sein iKanii es luiusp. 

**) ict) M thtp iiiclir , Hr-fs ein andrer strich ia Deut«cblsnd reicher 
aa neieofagen wärei all WesUaleu und UettMU. 



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SM 



RIESEN 



hm detidkh« spuren seiner finger (Faye p. 15.) Eht 
stimde weit TOn Dimn im MelTsiiiBclien liegen ein quars'^ 
block und ein granitstein: ienen warf der riese von 

Wanltiwilz gegen \len von Zadel, diesen der riesc von 
Ziidel gegen den wantewilzcr; doeli beide felihen^ und die 
Bleiiie lielen ^veil vom ziel nieder. Kljen^o Avarfen zwei 
kämpfcr zu Heinas und Asniis ungeheure steine gegen ein- 
ander, der eine 8lein heilst sortertstcen ^ der andere hlak, 
und in letzterni stehu noch die finger des >verfeudeii 
(Xiiiele 1, 47.) Ein gewisser srltieferslein heilst nach Ual- 
lager 53* in Norwegen jyvrikling j weil ihn die riesm 
07vri) mit buUer überschmiert haben soll, und man nodi 
die spur ihrer finger darauf sieht. Zwei riesen sn 
Nestved versuchten sich im Steinschleudern^ der eins 
warf nach Kiislövkirclie, doch der stein erreichte sie nicht; 
Yon dem andern wurde mit solcher gewalt geworfen, dafs 
der stein über den steLnwald wegfuhr und nocli jetzt in 
der landstralse von Nestved natli Kingsted zu sehen ist, 
(Tliielc 1, 80 vgl. 176.) Im ^vald bei Palsgaard liegt ein 
ungeheurer stein, ein jelle fpr/r/ ihn dahin, weil ilini die 
holTrau zu Palsgaard, inn die er buliUe , abschl.iizige 
antwort erlheilt hatte. andere erzählen, ein jeltemad- 
chcn habe den stein aus Fühnen ifi ihrem strumpjband 
herüber geschleudert (Xluele 3, 65. 66. vgl. 42.) 

Feindiiciie riesen i wenn einer in verfolgtuig des an- 
dern begriffen ist, springen schnelles laufs über dörfer 
weg, und ritzen aie grofse »ehe an der diurmspitzei 
dafs das blut in bogen sprützt und eine lache bildet (deut- 
sche sag. no« 525») beinr sprung vom steilen fels läfst ihr 
fiifs, oder der huf ihres rosses spuren im stein (da8.no. 
318. 319.) Auch des auf steinen ausruhenden , an felsen 
sieh anlehnenden riesen geslalt pragl sieh der harten ober- 
fluche ein, z. b. Starcathers bei Saxo gr. III.**) 

Als schmiede^ gleicli den cyclopen , werden in un- 
serer volks^age die riesen niehl gesciüldert, und tias si Innie- 
den der wallen bleibt den zwergen vorbehallen. Nur in der 
heldensage schmiedet der rieseAspriAn (Roth. 2029), 

und Vadc, der riese, läi'st seinen söhn Velint erst bei 
Arlimir , dann bei z>vergen schmieden lernen« 

^^cin smidhr bedeutet in der aitn« spräche nickt 



*) l^icuskcr in Krussf deutsch, alterth. III. 3, 37. , 

•*) Herod. 4,82: »/»«o? HoxM/Jog qultoiat h ^trntj hfor^ t9 



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aiESEN 



817 



faber, eoudern nbcrliaupt kiinsller, und nani^nllich haur- 
meister: als kiiiislreiche baiimcisicr stellen sich die rie- 
sen , die urlieber jener colossalen bauten des aiierthums 
(s.307) wesentlich dar. Au deu neun riesensaulen bei 
Milieuberg sieht das volk noch die handgiiil'e der rieseD, 
die damit vorliatten eine brücke üb^ den Main mu baueß 
(deutsilie sag. no« 1^«) 

Die bedeutsamste erzählUng steht in der edda selbst, 
ein iötunn war zu den asen gekommen, hatte sich für 
einen Schmied ausgegeben und anheischig gemacht^ in firist 
TOD anderthalb fahren eine feste borg zu bauen, wenn 
man ihm Freyja und dazu sonne inid niond bewilligen 
wolle. ISachdeni die göttcr zu ralh £iej;aii<;en waren, ent- 
fcchlussen sie sich auf das auerliieleii ein/,ugcheu, wenn 
der riese den bau in einem Winter^ ganz allein ohne 
maunes hiilfe, zu volljulire/i uuleruehme: sei den ersten 
sonimerlag etwas an der bürg unfcriig, so werde er aller 
seiner ansprikhe verlustig. Auf Avelchc weise der schniied 
den bau, l)lüfs mit seinem starken pferd Simd/iil/arif 
beinahe vollbrachle^ durch Luki aber gehindert und von 
Thorr erschlagen -wimlei meldet Su. 46* 47. 

Dieser mythus ist nun , nach jener wunderbaren fluo* 
tuation, die in echten volksüberlieferungen oft wählte* 
noDmien wird« neugestaltet in andern zeiten und gegenden 
forllebend. Ein deutsches märchen setzt den teufisl an 
die stelle des riesen , wie in einer ganzen reilie von sa« 
gen der leiifel, nicht anders als der allere riese, bauten 
au^lnliit \um\ steine schleudert: der leufel soll einem bauer 
ein haus bauen und dafür seine seele erlangen ; aber efie 
dar liahn Irä/it, nuds er pollenden ^ sonst ist der bauer 
frei, der Icufel verfallen. Schon naht sicli ilas werk dem 
ende, eine einzige ziegel bleibt noch aufzudecken, da ahmt 
der bauer den halmekrat nach» plötzlich erkräben alle 
häbne in der runde, und der mcoschenfeiDd verliert die 
wette« Alterthümlicher lautet eine norrlandische sage*)» 
König Olaf von Norwegen gieng in tiefen gedenken swi- 
ftchen berg und thal; er hatte im Mnn eine kirche bh 
bauen, deren gleichen sich nicht finden sollte ^ allein er 
sah, dafs er den bau nicht zu stand bringen könnte ohne 
«ein reich sehr zu bescliweren. In dieser kümmernis be- 
gegnoio ihm ein mann, seltsames ansehcns, und fragte, 
^v Ol Uber er so uachdeuksam wäre? Oiai oüenbarte ihm 
^ ■ 

*) aus Zctt erst rums ganilnng mitgetbeilt im dritten heft der Idona« 
swcite auU. Stokb. 1816 fi. (fO. 61. 



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816 



nmh vorhalten) und clor ri'ese (troU) er1)dt tick bino^Sa 
gewisser teit ganz allein den bau zu vollbiingen. zum 
tohn bedung er sieb aber sönnä und inond, oder den 
beil. Olaf aelbsU Olaf gtetig darauf üm, entwarf aber 
einen solcben plan zu der kirche, dessen ausfubrung iho 
unmögUeh dauclite: die kircbe Sollte so grofs sein^ dafi 
sieben prIester auf einmal darin pr(^digen konnten, obne 
eiiiandef zu stören, die pfciler und zierrate, auswendig 
und inweiulig, sollten aus hai lein flins gcarbeilct werden 
U.S.W. Bald stand eine solclie fertig da, blül«^ d.icii utul 
6[>ilze feldten. Neubekuinirierl über den eingegangenen 
liandel wandelte Olaf wieder durcb berg und tba! ; auf 
einnial liürle er in einem berg ein kind weinen und eine 
riesenirau ()äüeqviuna) es mit diesen worten stillen: *ziJ5, 
Zifsl*) morgen kommt Wind und fVetler dein valcr 
lieim mid bringt mit sidi sonne und ihond, oder den beil. 
Olaf selbst!* Olaf, froh über diese cntdeckuog **) (denn 
mit des bösen geistes nailien yerniclitct man seine macht) 
kebrte nacb haus; alles war fertig > die spitze eben auf- 
gefltetzl. Da rief Olaf; ^Vind och Vederl du Kar satt 
spiran sneder!'*^*) sogleich fiel der riese, mit erschreck* 
Hchem krach , von dem kämm der kircbe ber'ab und zer- 
brach in viele stücke, virelcbes lauter flinssteine waren« 
Nach abweiclienden erzähluugen liiefs der jalle Bläster 
und ülai rief : 

Bläster! satt s|)iian vaSter! 
oder er Liefs Slätt , und Olaf soll gerufen haben: 

Slritt! s.itt spiran rätt!-j-) 
In Norwegen selbst gebt die nemliclie sage lun , der rief^ 
heilst aber SLalle, und zu \idaros erbaute er die präch- 
tige kircbe; in Schonen von dem riesen Fi/in , der die 
kircbe zu Lund erbdut und durch den beil. Laurentius 
in stein verwandelt wird. -H*) 

Von einer andern seile berührt sieb aber mit d^r 
eddischen fabel folgende nberliefernng aus Kurland. In 
dem dsenp^enschen fentegesinde liegen alte ^häuersteinc in 
bedetitender länge und breite sieb ersbreckei^d und dasvolk 
erzählt: vor d^ pest (d. b. vor undenklichen )aluen) 

') die interjectiou neliuie icli aus II. Saciiü IV, 8^ 8b $ der Mbvci 
text hat: tyst, ty»t! 

**) fiwt ebenso, aod mft gleSehcm erfolg, kwami iü ktedm* 

55 der name Rompemtils heraus » ygl. 8, 88. 

•••) Wind und Wetter, du hast dre spitze schief gesetzt? 

f') Itlnstf r, «w»tzp die spiJze nnch weshMi 
ff) Fiaa MaguuAiicJi lex. m>tli. 3a 1. 352. 



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m 



wolmte in der gegehd von ltn<:enpot mi dserwensriien 
Kintegesipde ^in Btarker mann (riese) mit namen Kiiite. 
er konnte ungeheure steinmasen bauen und glätten , und 
selbst die gröfsten blücke führte er mit einer einzigen 
Ufeifsea atute iusammen. sein YrobnbauS t)aut($ er auf 
felseu; seine felder zäunte er ntit stein^äUen. Einmal hlitte 
er slreit mit einem libaiischen kaufmann: ilm sich an ilim 
EU rächen lud er einen stein von zwulf indem, spannte 
leine iveifse stiite vor, und (ulir narli T,ibau in der ab- 
siclil, den fels vor des kaufmanns Ihur /u -wHlzen. Vt>r 
der Stadl angelangt durfte er aber nielil über die brücke, 
mau linchlelCj J^ie würde unter der lasi brechen, inid 
verlaaiile, er solle den stein ans dem stadlgebiet weg- 
scballeii. Voll verdrul's thal es der starke mann, und 
vrarf den stein an dem vveg ab , der über Batlenhof nach 
Grobiü führte Da liegt er noch bis auf heute , vorbeifali- 
tende Letten zeigen und 'staunen ibn än. *) Des Kinte 
weiüse »tute gleicht dem Svadhilfari des nord. stfhmieds; 
disL stüruog des riesen in seinem bau erfolgt aof andre weis'e. 

König Olaf bestand noch manches abentetier mit rie- 
sen und riesinnen. Als er in Homsherred den hohen 
slrandliügeln , y(o eine riesin wohnte^ Torbeisegelte, rief 
sie ilm an 1 

S. Olaf med dit rüde sklac, 

du sciler for nür ved min kielderväg! 
Olaf zürnte, und statt das sclni durch die klippcu zu len- 
ken, drehte ers gegen den berg, anl^vol tond: 

liür du kjerling med rok og med tccn, 

her skal du sidde og bÜve en steen! 
kaum hatte er ausgeredet | so barst der berg, die riesin 
wurde in einen stein perwandelt und man sieht sie nodi 
an der östlichen bergmäuer mit rochen t&nd »pindel si- 
tzen; an der entgegengesetzten mauer entsprang eine bei- ^ 
lige quelle* **) Nach einer scbwed« erzälilung wollte Olaf 
durch VSrmeland über den V&nersee nach Nenke segeln^ 
der troli rief entgegen» 

kong Olof med dit plpuga skSgg^ 

du segiar for nSr min badskugu vagg! 
Olof versetzte: du troll med din räk och ten 

skal bli i stcn, 

oeh aldrig mer gora skeppaie nien! 



*} n&getbellt tod Watfon in deo JaliresTerhaidL der kork ge- 

seUieli. 2, 311. 312. 

**) daafke viser 2» 1%* 13. Tluele 1, 32. 



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m RI£äEN 

die riesin wurde zu stein, der köiiig errichtete ein kreiir. 
SU Dalbykirclie in Eifdala lierred* *) den dän« reim fülirt 
man auch iulgendermafsen an: 

hör du Oluf rodeskjfig, 

bvi Seiler du igjennem vor stuevSg? 
und etat du der og bliv til steen, 

og ingen dannemand* mere til meen.*"^) 
Die norweg. sage selbst lautet sos das geljirge Honielei^ 
auf Bremanger hieng vormals mit Maröe zusammen, 'wird 
aber ielzt durch einen sund davon getrennt. S. Olaf kiun ila- 
Ik'i gcscgell und gcbul don klii^pen sich zu sondern, damit ei 
hindurch fahren könne, es geschah; doch augeublickiicli 
sprang eine riesin aus dem berg und schrie: 

si^ du niand med del hvido skja^j 

\\\[ sj)liUer du saa min klippevag:* 
Oiai entgegnete: «tat troid nu evig der i steen^ 

saa gjör du ei nogen mand meer meen. 
80 gesell ahs und das Steinbild steht noch auf der feken^ 
mauer (Faye 11' 4.) Olafs rother bari gemahnt an dea 
des riescnieiades ihörr (s« 120); pipuga skägg scheM 
gleichviel mit keilförmiger, spitzer hart, wü 

Ihre anführt y der norweg, reim hat den weifn^n harti 
solche abweichuugeii , und die Varianten keUermauei^ 
badstubenmauer, klippenmauer verbürgen der traditkm 
ihre volksmSrsigkeit. es >vird nicia belrenulen, -svenn ich 
ein noch iillcres vürl)ild der ganzen Überlieferung in der 
cdda selbst nach\vcise. Als Bryniiildr mit ihrem geschmück- 
ten v^agen den ^helvcg' fulir, kam sie an einer i^ygr Woh- 
nung vorüber; die riesln trat ihr mit den Worten ent- 
gegen: skallu 1 gögnom gauga eigi 

grioli studda gardha m!na! Sa^m. 228« 
und nun entspinnt sich eine wechselrede | die von Biyn* 
bildr mit dem ausruf gesddossen wird 

seykstu gygjarkyn (vgl. obeu s. 282) 
das haus der riesin ist aus steinen kunstreich gefugt ; ^ die 
späteren reime reden von keller und badstub? , die riesh 
erscheint -als hausfrau mit rücken und eptndeL recht nvi 
heiligkeit des hausfriedens werden gekränkt , wenn fremde 
lundurchfahren. 

Dicht an Romsdalshorn in Norwegen liegt ein berg» 
Trold linder genannt; dessen vorragende zacken von ricsen 



•) Fernowfl VarnielanH p. 223. 

'*) >i^«:rtt[)ik kacakteri^itik af Ctimtian 4. p. 11. 



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RIESEN 82t 

hcrrohren, welche Olaf in steine verwandelte^ als sie 
ihn hindern woUleu in Roinsdal das christeuthiun zu pre- 
digen.*) 

Nach Stern, 145* scheint es, dafs die liescn. gleich 
den awcrgen, das tagesHcht zu eehouen liaben , inuf vom 
aiibrecliendeu lag überrascht i/L at( i/ic venvaruitlt wer- 
den. Magr er nu*, rutt Atli der Hrinigerdbr zu, 'bafnar 
mark tbyclvir hlucgligt vura, tharn thu i sUins liki 
itendr,'* 

Seilsame, mcnscbähnliclie gestalten, die sich am tropf* * 
stein, flins und sinter im kleineu, an basalt und granit* 
felsen im grolseu bilden, haben eine menge solcbcr vor* 
Stellungen von versteinerten riesen erzeugt und genährt, 
die alle und volksmäl'sige gebirgsteiminologie bedient sich 
überall der benennungen einzelner theile des leibs^ und 
den bergen wird haupt, hals, rücke, achsei , bein, fufs 
beigelegt (RA. 541.) 

Hier treten auch mehrfache berührungen und Ver- 
schiebungen der sage von zvrergen, vrald und virassergel- 
Hm mit den nesen ein, vrie schon der allgemeinere aus- 
drnck troll in nordischer Überlieferung anzeigt, ber^^^ ()h- 
nende zwerge unterliegen gleich den riesen der Verwand- 
lung in steine, llosnier bavniand (nieennaiui) spri/z^t 
oder ///Vif/, wie es sehr bezeichnend heilst, i// ^teln^*) 

\\)!vai2lich aber liilst sich keine scharfe grenze ziel.eu 
/.Nvis( licii riesen und den wilden, rauhen wuhli^elslcnt^ 

II. o » 

die S. 2 71) — 274 al)^i;ehandelt wurden, im wähle der bin- 
penheinier mark sielil man die steinsilze der iv/lden leute^ 
die da vorzeiten hausten , luid ihre handgrill'e an den 
steinen (deutsche sag. uo. 16(3.) Im gasteiner thal, ersälilt 
Mucbar s. 137, wohnten bei menschengedeuken noch 



*) Faye 124 iiacii Sdiuningä rei&e 2, 128. Sanct Olafü angu 
tTeuske rim ed. Hadorpli p. 37: 'ett troll, somdraapX oiao, iiua ^/or« 
der i Stenn t ocli itaader an; flere troll han och bortdtef, sidan foU 
cUt i frijd h\tV Gewisse ninde, topffonnif^e lüclier, die man in 
l>er^eti findet, sind nadi dem iiorweg. volksj^Iaubea \o\\ riesen gebil- 
'ivt. sie lieifsen jäitegrjter , troldgr^Ur, aber auch Ü. OUs g/yicr* 

*') (laiiskc N iser 1, 223 Mian sprang sna vildt i bjer^ct om , og 
b!eu til jHnlc^teii sorte/ 1, 233 *6aa Jloj hau bort i roden jVint ^ ug 
blev saa borte med alle.' 1 , 185 von einer bösen atidintttteri ^n 
•prang hört i flinttUttiu Aber auch H. Sachs sagt III. 8, 31« *vor 
aoni zu einem stein springen*} das. 53b «vor sorjj zu eim stein »ij>riu- 
gen*; IV. 3, 97*1 *vor leid wol zu eim stein möclit springtfti,* Hef- 
tig ersclifitteriide $2:eniüt8bewesuogen maoben dtf leben erstarren nnd 
verkehren es in kalten stein. 

21 



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823 



RIESEN 



wilde männer ^ der'cn gesclilecht seitdem aiisslarb. einer 
der letztern yersidierle , er Labe den Salle6eiiw4ild am 
Stubnerkogel neunmal 'mair ^Verden' (abaterben und 
der auFgrünen) sehen: es gedenke ihm, wie der Bock- 
steinkogl im KötscbachUial die gröÜBe eines kranawetvogU, 
das mächtige Sdiareck die eines semmelweckens gehabt 
Jene mSnner besafsen riesenstSrke: eine pflüg acJtat üb^r 
das ganze thal zu werfen war ihnen leichter wuif. 
einst lehnte ein solcher mann seinen stock an das reiler- 
baiternhausy und das ganze haus bellte. Sie wohnten ia 
einer unzugänglichen höle am linken Acheufer su eingaog 
der K.lainni ; vor ihrer }iüle blanden apfelhäunie, mit den 
dl) fein warfen sie scherzhaft auf vorbeiziehende ^vande- 
rer , man sielit noch Überreste ihres haiisrats. sie Maren 
den thalbewühnern mehr hohl als feindlich, iind slcllieu 
ihnen oft buller luid milch in menge vor die Iiauslhüren. 
Dieser letzte zug stimmt eher zum wesen der zweige lUid 
elbe als der riescn. 

In die riesenart greift aber ganz ein, was s.274 über 
den men sehen Jr essenden huorco oder ogre mitgetbeilt 
wurde, gleich ihm gelüstet es den st ein schleudernd» 
cyclopoii in der odyssee nach dem fleisch der meuschen; 
und wiederum ist ein tartarischer riese Dep^glioz (sehet'* 
telauge)*) zwisdien Po/jpliem und Gargantua in der 
mitte steheud. als kind saugt er alle ammen aus, die ibm 
ihre brüst reichen; dem erwachsnen müssen die Oghusier 
täglich zwei mensdien und 500 schafe liefern. Bissat der 
held brennt ihm mit einem gegb'iliten messer das auge aus. 
der blmde riese setzt sicli vor die ihiire mul fühlt ieden 
liiuausgchenilt'U bock an. ein pfcii, auf seine brüst abge- 
schossen, drang nicht ibiK h , er ruft Svas quall niich 
hier eine lllege?' Auch im indischen ^lahabharata >>ird 
Jiidinibds eni riese (rakscliasas ) als nierj.'^clienfresber, 
misgesl.ill und rothbärlig vorgoslclU: nienschenlleisch ii'it- 
tert er t o// weitem ***) und beßehU iüdimba, seiner 
Schwester, es herbeizuholen, die sich> wie in den kinder- 
inärcben die frau oder tochter des ungeheuere^ des Khla- 
fenden heideu erbarmend annimmt. 



*) von Diez: der neoentdeckte ogliaziscbe cyklop vergüdieB orit 

dem tiomerläclien. Halle und Berlin 1815. 

**) Tevetati Wiedergeburt (lieuihart oclzzzi) eiae rAkidissiy ne- 
silly k<-ii) tliitT. 

'*') *^tark wirkt nicnschengeriuli wahrhaft, crqnikt wridlith 
nasc mir/ Ardjtciiuua» rtii^e von {k 18. ebcuiio iu luueru mär- 

cbea (oben s.874.) 



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RIBSGN 



Von «sicher grausamen blutgicr '«vfssen <lic ilciilsclicn 
riesensagen mchts; selbst der nord. iötuna Mird nirgends 
a|s mensclicDfrcsscr vorgestellt, >vio der griechische und 
morgenilindisdie riese^ unsere riesen sind um ein gutes 
tbeii trculimrsigeri der menschenblldung an geslalt und 
Sinnesart näher: ihre wUdheit übt sich am liebsten jn 
mSdiltgen steinwiirfen, bergversetzungcn und Ungeheuern 
bauten. 

In lebendiger yolkssage hat sich die clgenlicit der 
eiiihoiiiiis( lioti riesennahir am treusten fortgepflanzt; die 
riesen der dicliler sind >velt weniger anziclicnd , und zu- 
mal in den aus romanischer poesic cnlleimten fabeln im- 
mer nur mit allgenicinon ziigen geschildert. Harpen, ein 
riese im Jwein lüiilerl eines ritters lochter, han^t ihm die 
söhne auf luid \eriieert das land (44G4. 4 )00) *j: als er 
getödtet wird, fällt er wie ein bäum zu boden (5074.j**) 
noch unbedeutender erscheinen zwei riesen 6588 IT. Audi 
im Tristan ist die beschreihung des riesen Urgiln (15923) 
wenig mehr belebt , er verlang! zins Von rindern \ind 
Schafen; seine abgehaone band will er wieder anheilen 
(161 14.) ***) Schon bessere fai*be haben die riesen in den 
gedichten ans dem kreis der heldensage. Kuperan (Cii* 
prlfin, heldens. 171) im bürn« Stfrit berscht über tausend 
nesen , er hält eine geraubte königstochter eingeschlossen« 
den riesen im kunig Rother gebricht es nicht an treffen- 
den ziigen fvgl. s. 306), auch nicht Sigenut, Ecke und 
Fasoll (fi. i4(>.) wenn der 8chla(eiulo riese alhmet, biegen 
sich die l)aiunastc (Sigen. 60), er rauft bäume aus in dem 
tann (73. 74), bereitet j)Fundigc schiibel (wieken) von lei- 
nen zum binden der wunden (113), ninimt den lield un- 
ter die nc/isen imd trägt ihn fort (HO. IjM. Hag. 9 
Lafsb.) Kina ricsui im Wolfdiet. trä^t Jiehl und rns^ 
gMch dem eichhoru springend, 72 meilen übers ge))iig 
in ihre riesenklause; die riesln im Volkslied (Aw. 1, 161 j 
mann und pferd auf einen meilenhohen berg» vro zwei 



•) ein ri.«e Mmjjel nl der Innde.' Dit. 6482. 

zu beiiiitkt'ii ist, dafs sein gebein tor dem htirgthor aufhe^ 
wahrt wird (5851), wie Flichiirt Giirg. 4t« msn von riaea lAd 
haaneii, seigt ihr gebein In den kircheo, unter den ratsiieuscrn/ 
So liüogt in der kirche der tiei<ienjun«^niu troffende rippe (ileiitsclie 
B^?. 140) und ihr gelblocUgcs haar (das. no. 317); mnn hf^wahrt im 
wililoli den rletrriLnoc/K'n («las. iio. 324.) Horner eines riesenriiid.s in 
der vorl»allc <le.s tempels nii^euagelt (Nielmlir röni. ^cäcli. 1 • 407.) 

liautig «iiid die rumanisclicn riesen pförtner und brücken- 

Wächter. 

21* 



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824 



RIESEN 



I 



gesotten liegen und dlticr nm spiefs (also doch spur von 
andropliagen) : sie bietet dem held ihre tochter an, und 
als er entrinnt , schlSgt sie mit einer keule, dafs aSe 
blumen \ind blütter des vraldes zittern. Rütze, des ncscs 
Welle Schwester im heldenbuch nimmt einen batim 
eine Stange, mit wurzeln und Ssten, dafs zwei wagen sie 
nicht gefahren hätten; ein anderes weib *von wil- 
der arl* geht über alle baunic und bedarf zweier riudes 
häute zu ihrer Ijesclinliung. Riese Langbein (danske vis. 
1, 26) schläft im >vaid und wird von den heldca auf« 
geweckt. 

In Überlieferungen des norwegischen und scliwedisclien i 
Volks wird noch manche unbekannte und ungosaninH'Ue 
riesensage fortleben, und auch bei uns in Deutschland 
einiges aus mündlicher erzähhing zu gewinnen sein, aus 
büchcrn weniger« Der thurgauer Eishere (ä, i. l'lgishcri, 
terribilis exerclins) bei dem niönch von S. Gallen (Perti 
2j 756) ist ein riesenmafsiger held, kein riese. 

Von opfern I die riesen» wie freundlichen elben nad 
hansgeistern y gebracht worden wären, von einem riesen- 
cultus nii^end mindeste spur, nur in beschwörungen wird 
Fasolt, der riese des Sturms angerufen: er kann dsna 
aber für einen halbgott gelten, gleich Thorgerdhr und 
Irpa, die im iSordcu augcbelel wurden. ' 



*) Hülpiu rH 3, 47 erwähnt ia Heijedal 'löjtige beriUelier « 
fordna Jätiar\ oime danuf einingebea. 



r 



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ELEMENTE 



325 



GAP. Xy. ELEKENTE. 

Nachdem wir gOtler, halbgötter imd heroen^ die 
ganze sdiar freundlicher oder feindlicher wesen betrach- 
tet haben f die den menschen geistig oder leiblich nberle« 
gen zwischen ihnen und der goltlieit eine iinite ausfüllen; 

lichk'l sidi unser blick aui einlaclio erscheinimgeii der 
iKiliir, Avelche von jelier durch ifno slille grülsc inivcr- 
keiuibarc, uiuuillclbarc gcwalt über das mensebh'ebc ge- 
luiil ausnhen. diese alldurclidriiigendeu , alles in sieb auf- 
nehnieiiiien , iiberail vorlretcndeu urstoffe niiisseu ihm 
stliüu an sieb, obiie dals sie in nähere beziehuiig zu giill- 
liclieii wescn gesetzt werden , heilig seni. ein solcher be- 
ztig bleibt in keiner mythologie aua^ er isAnn aber nicht 
hindern , dals den dementen eine gewissermafsen davon 
unabhängige eigenthümliclie Verehrung zugewendet werde. 

Auf der andern seite erwächst aus dem grund und 
boden dieses elementardienstes niemals die eigentliche re- 
ligion eines Volkes; der glaube selbst entspringt vielmehr 
in der geheimnisreichen fülle übersinnlicher ideen, die 
mit jenen Stoffen nichts gemein hat, sondern sie sich ua- 
lerwirfl- Allein der glaube duldet die heilighaltung der 
elcnienle iu seinem geloil . er nähert und vermischt sie 
mit sich, und sie kann sogar, wenn er untergeht oder 
vert;rübcrt \vird, unter dem volke fort-svabren und langer 
anliallen. Der gemeine häufen liilst seine grofsen goübei- 
ten fahren und beharrt doch noch eine zeillang in dem 
cullus vertraulicher hausgüller; auch ilincn entsagt er, 
und behält seine sclieu vor den clemenieii. Die geschichtc 
des heidnischen und christlichen glaubens ^ehrt, wie lange 
nach Vertilgung jenes und befestigung dieses eine menge 
abergläubischer gebrauche fortdauerten^ ja heute fortdauern^ 
die mit Verehrung der elementc zusammenhängen, ee 48t 
der letzte 9 kaum austilgbare heidnische Überrest» 

In solchem sinn habe ich mich bereits oben (s«68— 
70) über einen naturcultus unserer vorfahren erklärt, den 
frühe zeugtiissc beglaubigen, die man verkehilerweise ge- 
gen gülter des heidenlluims zu gebrauchen pflegt, die gcil- 
ler slaiiucii uud üeieu aus andern ursaclieu* 



826 



ELEMENTE 



Das lautere, riimeudc, quelleiule und vei5ict;eiu]c 
Wasser, tlas leiulilende , erweckte und crlösclieudc ieuer, 
dio nicht den äugen, aber dem ohr und gcriilil \enK'huj- 
bare luft, die nährende erde, aus welcher alles AYnili-il 
uud iu welche alles gewachsene auli;elu8t \>ird, erscheinen 
di5ni menscülichen gesclilecht von ü'üher zeit au lieiiig uiid 
elirwürdig; gebrauche, geschürte und crcignissc des lebens 
(hnpfaugeti erst durch sie ihre feierliclic weüie. weil tie 
in UDabliUsig reger tkätigkeit and kraft auf die gesamte 
natur einwirken , widmet ihnen der kindliche mensch ver» 
elifung, ohne dafs nolh wendig ein besonderer gott da- 
zwischen tritt, nocb heute erweckt die herrlichkeit inul 
macht dieser urstolTc unsere bewunderung; wie hStte steh 
ihis allerlhum seines anslaunens und anbelens erwehren 
kiiniuMi? solcli ein t ullus ist einfiu her, freier und wür- 
diger als das dunnile niederkiu'en vor hildern und gölzcn. 

Dieselben elenieiite j;ewahrleii jeiniguni;, lieduniz, be- 
friiMlimini:, der beweis durch goUesurllieile beruht grolscn- 
theils aiil ihuen ; der mensch aber nuiste sich ihrer iu der 
lautcrsteu gestali uud zur gelegensten zeit versichern« 

\Yii* wollen alle der reibe nach erwägen. 

L WASSER.*) 
stellen y welche ergeben, dai's Aiamannen und Frankeo 
fliisae und quellen verehrten , sind s. 68. 69. 70 und im 
anh« XXX — xxxvu beigebracht/^) das volk betete am ufer 



*) goth. paiSf ahn. vain, alid. wazar% alts. watan ags. väter; 
dem Int. aqua eatspricht golJi. oln a, ahd. ahat ag«. ca, altii. ^^ 
aber die beHeutnnn^ ist fltniii-;. fjotli. t <'i:s^ alid. u uc i>t fliiciitj», fli'^ 

•') wenn irli niicli der bm cliarilisdien saniliin^ lii»^r, iin I 
andrer gele^^enheit, für den deut.se/icn ahergiauben bediene, so über- 
lege icU uol, dalä t>ie iu den meisten fälien (nicbt übemll) aus cuit- 
ciliea schöpft, die nicht in Germanien, sondern iu Gallien, Italieu, 
SfNiuiea gehaltea wurden. Erwagt man iazwisclien, dafo bU wm 
9 jb. deutsche vdlker sich darch alle diese linder ergossen hatten, dat» 
die ags. und taugob. getetze, der capitnlari^n zu g^chweig<*n, gteidi 
jenen connlicnäcbIus.<?en gegen wasser» bauiu und steiiicnttus eifern, 
dafs iini Agatbias und Gregor von Tours ausdrückh'cb den Alaniaiiiita 
lind Franken zur last legen ; so ergeben sich diese sii|»erstiliuni'» ab 
etwas gemeinscbaftlielies ITir ilali.>clie, galii.-clie, gerni.uiixlie ^«'Iktr- 
schafteii, wovon si« Ii weder die eine uocli die andere auA:>ciilter>eu 
lafst» Man bat aus Agatliias und Gregor erweisen wollen, unsere vtf* 
fahren liatten blofsen naturdienst, keine götler geliabt. fiir gicirh 
uncritisch wurde ich halten • wenn man, gewissermaCsen nmgckdMt, 
A^^alhias und Gregor verdächtigen wollte, ihre bdiauptaugeu aus kir- 
clit-iivributcii liergeuomnieii zu hellen, die iirsprüo((licb Ocutscblaad 
trar iTulif migiensren. In die weltliriien ges«-lze hclieinen solche »er- 
buie erst «luieii die capiluUricu gcrallieu; di« äkern voiksredit« iist- 



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WASSER HEILAWAC 327 



des llusscs, am raiid der qüelle, zündete lichter an, 
stellte opf ergaben hm. es keifst: fontibus \ cncratlouem 
exhibere, ad loDtaoaa adorare (vgi. leg. liutpr. 6, 30), 
ad i'onies votiioi facere» reddere^ es^solvere» orare ad 
föntesy offerre ad fontedi manue deferre» ad fontes lu* 
mtnaria facere» candelam deferre. dies letste geschah wol 
Diir^ oder hauptsächlich abends uod nachUi wo die wi- 
derscheinende flamme in der flut den schauer der anb*- 
tung erhöhen musle.*) Auch die Sachsen waren fonticolac, 
in den ags. geselzcn •wci ilon vjllas und jlodväter als ge- 
gensläudc der Verehrung genannt ; ob man aus der s. 70 
ange/.ognen aUn. sage, die der votn erwähnt, auf einen 
wirklichoii wassercultus in Scandinavicn sclilielsen darf, 
^vei^3 ich nicht: fast scheint die stelle einer lat. ausländi- 
schen nachgeahmt, an sich selbst ist die heilighaitung i!es 
Wassers unl)CZNVcileibar. ein eddisches lied h.il gleich im 
beginn die merkwürdigen worie; ^linigo heilüg vötn af 
lumiDÜüUom«' 

Vorsugswelse verehrte man den ort^ wo das wunder- 
bare elemeut aus dem schoi's der erde henrorsprlngt; quelle 
heiDst in der alten spräche ursprinc, aber auch prunf/o**) 

Wasser 9 zu heiliger seit| mitternachts vor sonnen« 
^^og, in feierlicher stille 9 geschöpft , Hihrt noch spä- 
terhin den namen heilawdCi heilufdc, heilipcege. die 
erste form, mit haftendem compositionsvocal nach langer 
«übe, zeugt für das alter des ausdrucks, dessen bedeu- 
tong ihn gegen iinderung sicherte. JMS. '2, 14'J**: ^man seit 
von lieilawäi^e uns vil, ^vie heil, wie guol cä si, ^viu 
gar vollekomen der eren spil, wie gar sin kraft verheilet 
swaz wundes an dem man verseret ist.' Marlina 116: 
'got, du früude flii/.zic heilawdc\ und in ahnlichem sinn 
248. 283. mit anwendung auf Christus und das kreuz 
Mar. 224; 'der boum ist gcmeizzen, dd daz heila^cv^e 
von bediumet, daz aller werlle gefnimet.' allgenieinero 
anführungen *eln Jieilwdge' Diut. 1 , 352 und noch in 
Anshehns berner chronik 1 , 308 ^heilwag^ unter andern 
sogen und zaubermitteln. zuletzt bei Phil« v.Sittew« (Stralsb. 
1677) 485: ^das flielsend brunnwasser, so man in der 



tea keioe bobe för abgotterei, nnr die ags. ddmsi des Vibtnsd cap. 
13 ftetzeo sie auf deofolgiid im allgeoielnea. 

') weihnachtea sclmut man mii tichitrn in den brunaen (abergl. 

XLVII, u.) 

*') von prinnan (ardere) , wie sof , ein anderes wort für brunne, 
vou siodan (ferverc ) imd u elle (Üuctiis) von wallan (fervere) kouiuit, 
«w/ Cüublrigidu«) von »ueiaa (ntdave) vgl. gramm. 2, 84. 



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328 WASSER nßlLAWAC 

licll. Avcninacht, eo lang die glock zw ölfe sdilagt , samlel, 
lind lieilumg genannt ^vird , ist gut wider iiahelwelie' 
(abcrgl. 8f)4.) In diesem lieilawac zeigt sich uralte mi- 
sclmng lieiduisclicr brauche mit christiidicu. das \olk 
glaubt, bis auf unsere tage, zu wcilinacliten oder osteni 
nacbts um XII, oder zwischen XI und Xll , wandle sich 
hru/iner/irasser in wein (abergl. 54. 792); diese annähme 
leitet sieb aiil die \orsielhiug zurück | dai's die erste ma- 
nifestatioD der gottlieit des beilandes bei der hocbzeit zu 
Cana, wo er wasser in wein iferwandelte ^ gesdiehen 
sei; wcibnachten aber begleng man epipbanie oder theo- 
pbanie (8.173); gcburt und taufe y imd verband damit die 
criiuiening an jenes wunder: dafür galt der besondere 
ausdi iick liOlpliania.*) Schon ( Iiiysosloimis pretlli;le im jalir 
387 auf epiphaniaslag zu Anliucliien , dals man an diesem 
fest Tili t fernachts trdsser schöpfe und jalirflang als ein 
immer fri^clies, unvci ilor!)Hc hcs (ohne zweiicl zu wunder- 
thaligcni t^chraueli) n /// /lebe**) abcrglauhische Christen 
ualnnen also zweierlei an , liciligung des wasscrs in der 
mit lern acht des tauftages und verwaudlung in vrein zur 
zeit der hi'tliji^mne ; solches Wasser nannton die Deut* 
sehen hei/aivdc und legten ilim liohe krafie zu, es 

sollte krankbeilen, wunden beüen und nicbt verderben. 

VieHeicbt wurde scbon in Syrien ein altbeidniacbes 
"^asserscböpfen durcli jene deutungen verschleiert« In 



*") Cliritfti erste ersrfielnnng war senie ^oTuirt, die zweite seiK 

tnufe (lirlitmesse), die dritte Jene canisclie liochzeit: Tertia nppxritio 
fuit post( VI similiter eodem die anno revoiuto cum esset 30 annorntii 
et 13 fiieruni, sive qoando tnnnitestnvit so esse deum f>er tnuUif :<>!:■■ n 
aijuae in i'itiutn^ quod fuit prinium miraniluui apertuui, quo*! iluan- 
nus fecit in Cana Galilaeae, vel simpliriter primuui quod fecit. et 
liacc npparitio dicitiir bt:thj>hama a t*f}i"», quoil est doiuus, et 
yfiv, quod est apparitio, quia lita apparitlo facta fuit in domo ii 
Dnptiis. de his tribns apparitionibus fit solemoitaa in bac die.' D«- 
rantia ration« div. offic. 16. Die lurclie vereiaigte drei enctieiava- 
geu in eines festes feicr. 

••) toni. 2. (ed. Montfaur. Pnr. 1718) p. 369: ötu rot rovro tai 
fi f a o V V K T i ro xrrirc 77*» tonri^v narr^v nnni'Tf^ v tf o r v oh f< f rOt 
oi'xic()f 1(1 vn/tuTH n :i 0 r t 0- f v T (i i , xnl tt^ h'i(tir-)i t z.»//,/^!,*"' 
V ?'/r<i i oroiv , (Hf u/j cn^itf(tov uymoJiyiüJv iwv vOuKoy' mu hj ö^- 
/ittov yiviTtu hufiy^i oi< d < « ^ 'f^ r t n o fi i %< <; r tj q i w v i () uTmf 

ttni ävö xul tqUi noXXuKfq l'rtf rov et^nfoov ilrrXtjd'ivTo^ nM^niov stf^ 
tttt(fov /eirorrof , xra fttrd luavvror /(loroy roTq u^rt %mv n^y^w 

" ) Hueli heilau'in? Fraueiilub MS. 2» 2t3i* von dem 'M^i^ 
trageudtu t;arteii/ 



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WASSER UEILAWAC m 

Deutschland weisen andere umstände unverstcckt auf heid- 
jiische heiligkeit des wassere, das aber nicht zur mitter* 
naclitstimde , sondern frühmorgens vor Sonnenaufgang 
geschöpft werden muste, stromabwärts und atiUnchwei-' 
gends fabcrgl. 89. 775), gewöhnlich am ersten ontertage 
(776. 776), auf den jene auslegungen weniger gerecht sind: 
dieses wasser verdirbt nicht, verjüngt, heilt ausschlage, 
kräftigt das junge vieh/) Zauberwasser, su unchristUchfa* 
Weissagung diensam, soll sonntags, ifor Sonnenaufgangs 
an drei ßief senden brunnen , in ein glas gesammelt 
werden; und vor dem glas wird, wie vor einem göttli- 
clien wesen, eine lerse angezündet (anli. s. i.x.) **) Hier- 
her nehme ich auch eine 8.36 ])c'nilirle hessii^clie volks- 
sitte: am zweiten osteiing wandeln jiinglinge und jung- 
fraiKMi zum liolon steni des gebirgcs, scliopfon wasser in 
der kühlen qttelle, das sie in hrügen heimtragen^ 
iiud werfen blinnen zum opfer liin. W alirsclieinlich war 
dio'icr wasscrcultu^ zuiiloicli celliscli: im wasser des fel- 
(^eubrunneus Kaniant wird ein zerbrochnes schwert wie^ 
der ganZf aber 
'du muost des urspringes Ii an 

uoderm velse, ^ in beschin der tac^ Parz, 254, 6, 
anhang p« cxix, 29 ist mit merkwürdigen gebrauchen ge- 
schildert, aui welche weise sich am ersten maimorgen 
junge mädclien (der pyrenäengegcnd) in dem quellwasaer 
weissagen*^ das. no. 33 wie wasser, mitternachts auf 
Jolu^nnis geschupft, fieberheilende kraft hat. 

An die eigenihümlichkeit der gesund brunnen ***) 
braucht hier nicht gedacht zu Avcrden ; es ist die allge- 
meine kraft des erlrisc henden , slarkendeii , ueuhelehen- 
ileu clemeiil.s.-j-) viele (ii ler in Denlsi lilaml lieil.^eu lleil- 
bnuui , ll('ill)c)i u , 1 feiliiienbruiui , von der veriiingeiulen 
>vli Kung ihrer quellen oiler den wnii(!ej |)n! en heilunren, 
die sich dabei zugetragen, flcilbronn am Aeckar wird in 



") ^\\\. Sclimidt Ri irlioiifels p. 121. 

*') 'ler «gebrauch k«<iiiitf, wie ainleres von Ilnrtllclj finp:e füllte, 
«lern classiaebea altertlium hdren. • sucli bei der ynaTQOf»Hvr*iu^ der 
«■tiruijrufii^ «US einem was8er«n«[efQllten , baurbigeti geföfn (/Mirr^y) 
l^«'ninii •Ii«' fackel und der uuht-jjeckte knabe vor. Potters ardiaeol. 
rieii btbliojsr. aoti(|« ed. 3* p. 600« 

*") Hilf die man sv\um zur Roinerzeit, ODd walir^iicinlich frü- 
l»t:r, nclitfte, Ijivrttll ol»en s. 54. 

t) ^in inensrli von «ler oller «.'ohiÄSfii stirbt iiiclil , wt-nn er eher 
•Is die oüt r, ubtir äua näihäie wasser sj/ifi^l, Lenz ÄclilaH;'t'U- 



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WASSER 



HEILAWAC 



den ältesten urkundeu Heiiacprunno genannt/) aber 
einzelne quellen und bninnen können vorzagswelse in an* 
Belm gestanden haben.**) berühmt ist der aUn, Urd/ir- 
hrunnr (s. 230.) ein diin. Volkslied (1 , 318) gedenkt der 
Mariboüldey durch deren lauteres wasser slncke eines 
zerhauenen leibs wieder xusainmengefügi werden* det 
altfries* briinnenSy aus welchem siilUvhiveigend» ge- 
sAiopft werden muste, ist s. 145. 146 erwähnt. Das mit* 
tclalter unterhielt die Vorstellung von einem jungbrun" 
rten***)i wer darin badet, heilt von krankheiten und 
wird davor bewahrt ; liaiulicls legt darin ilii-e haut ab 
und waiuK'll sich in die schiine Sigejniiine (s. 1345); ein 
solcher bruuno hat auch die kx'aft^ das geschlecht der ba- 
denden zu vcTanilcrii. -j-) 

Ju einer <jnell ? bei Nügciit badeten abends vor Jo^ 
haruiis niiiiincr und frauen i niih. rxiv , 33.): Holbergs 
lustspiel *kildcrejscü' grüuilel sieli auf die sillc des kopen- 
hagner volks, 'S, Hana ajteti* nach einer benachbarten 
quelle zu wallfahrleni und sich in ihrem wasser zu hei- 
len und zu stärken. Wichtiger ist die einstimmende be- 
echreibung Petrarchas von einem noch zu seiner zeit her» 
gebrachten bade cölnischer frauen in dem Rhein : sie ver- 
dient ausführlich eingeschaltet zu werden ff); weil üt 



•) Böhmers reg. Karolor. nr. 740 (a.841); Ecc. Fr. orient.2,8d3. 

**) ii'i^teii licideii die wunderkrafl einer quelle ihren wald oder 
Wassergeistern zu, so Atiertnigen Christen sie ntebber auf ihre licHi' 
gen. ein beispiel nehme ich ans den miracnlis S. Agili» die ini l^jb« 
ttiedergesctiriebeii wurden: aa dem back des htiligen jtgiius gesdM- 
lieii wunderbare iieihingen. sed iiiteriin quorandam vesaiiiae occurrere 
übet, <|ui in digito dei nequaquani haec fieri ae^tiinantes , tfoemonio' 
coe ^ pro nefH.s, atiribuuiit polestati. cuni(|ue miracuia diflßteri nc- 
({tieuiit , id soluni in causam calumiiiac adiumunt, quod in agresii 
fiuüt ioco , ubi uullufi dei cuitus , ubi uuliae bauctorum lueniorisei 
o prudentiaml verentur hominee sublimi ingenio, ne ad Indibriiui 
»ortaliuni a faunist^ nymphis vel satyris, ceterlsve rurU numitubiu 
res irenitnr ejusmodi. nam nt de fafouli:» taceani, apod quos histerit- 
graphorum veteruoi sen modornotum iegitnr daemones \'\^\\m tofris, 
inenteni amfntibu.s, manus deliilibus, gressom claudicaulibtis rcitaar 
KüitSt'i (acta l^i-iu'd. {^ec. 2. p. 333.) 

•*•) gleuli!)cdt*utig alid. t^uecjjrufmo ^ mbd. quecprunne Par«. 
613, i>. Iragm. 18, 2Ü7. 

t) vgl. die im nuis. f. altd. iit 1, 260—68 aas Moatefilla, de« 
.Titnrel und H. Sachs angeführten stellen. 

Ii) Frsnc. Petrarchae de reb. familiär, epistobie IIb. 1. ep. 4 : 
Aquis digressum, sed prius, unde ortnm oppidi numen pataot, aquii 

baj:tn«> niore te|)enlibus ablutum excepit Agrippina Colonin, i\\\^e 
liitiiätnnn Rheni Inuit» .sita est, Iocu.h et situ et tiuniine clarus ft po- 
|iuio. luiruju iu terra barbarica qiuuiUi civilitas, quae urbid spciic^ 



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WAäiäl!;& HBILAWAC 



dciiincli iekrli dai's dieser cultus nicht blofs in einzelnen 
ijueUeUy sondern in Dcutsdilands gröfstem ilusse statt iand. 
Aue des Italieners unbeluinntadialt mit liem hergang eollt« 
maD folgern y daf« er in dem lande, von welchem alle 
kircklichea gebräudie ausgiengeui fremd, ako überiiaupl 
QBchristlick und heidnisch gewesen sei. vielleicht aber 
hatte Petrarch keine genaue knnde aller Sitten seines va- 



4|une ururuni gravitas, qiiae mundltme matronnnim. Forte Johanrns 
Iwj'd.siae i if^iha i-rat rluin illuc npplicui, et jani ad ocridcntnn sol 
ver^ebat: «oiirestiru aiiiicoruin nioiiitu (iiam et ibi aniicos prius niifii 
faiua pcpertral quam Oierltum) ab bvi»pitio traducor ad tluvium iiisigoe 
spectaculnm Tinorai. uec fallelmr« vmms euim rij»a praecluro ei in^ 
ge/iti mulierum agnane tegebaiur» obstupui, dii booi, quae foroia, 
quae fades , quis habitaa! aniare potaisset quUquis eo non praeoccn- 
patam sniRium atiuli^iiet. In loeo paallum altiore constiteram , ande 
in ea, quae ^crebantiir, intendcrem. incrediliilU sine oflensione con- 
cur>us t-rat, viei.>»Mnque alarres, pars herlns odorift-ris incinctae, 
redut.lisijuc j'ost culnlum rnamcis ^ candultts in ^iir^itc nuuius ac 
hrachia lai uhunt , iiescio quid blanduin pere^riiiu inurnture colivijuen- 
Its* Vix nunquani ciariuü iiitellexi, quod Ciceroni placet, et veteri 
proverbio did solet: inter lingnas iocognitat vmoea propemodan 
Midus ae Biati» eiae umrai mihi solatioai gravisahaomai intcrpretnoi 
soD dccniL aam et faoo inter concta mitabsre, coetom Ulud spkitas 
pieiloi alere. itaqun dum miratar Juvenalis qtiud 

(iallia raiisidicojj doruit facjind.i IJritnnnof, 
niirctur ilideiii : dootos (|Uüd arf;iitüs aliiit (.ieriiumia \;ites. 
at, ne nie auctore iV.llari», scilo ibi nulluni MaroutMu » sse, Nasones 
plariniua, ul dicas verum tui^se prae^agium, quud iu tuie libri uie- 
taaiorplKNieM mallam vel poaterHatit gratiae Tel iugenio tao fideas 
pooit. liquideni qna romaoa potentia, aeu verint qua romaanai aoaiea 
domlto orlie ae porrlgit, plauaibiliter uunc faventiit popnli ore per- 
Ie;;itur. Hi:i ego comitibaa, obi quid audicadum aea respoadea- 

dum iucidit, pro lingua et pro nuribus usus sum. ünum i«];ittir ex 
eo nuiiKTu adinicaiia et igoarua rerum percuttctatiia vergüiaoo ilio 
Tenicuio 

qaid vult (onruräiijs ad aouieiii, 
quidve petuut animat^V 
reipoBaum accepi: pert^tustum gentiw ritum e«««, TUlgo penmamm, 
praesertim feaiaieo, omntm ioiius anm calamitaiem imminenUm 
ßaifiali tllius dUi Muiione purgari et dciacepa laetiora anceedcfe, 
itaquc lustraiiunem esse annuam, inexbaustoque »emper atadio ealtam 
(olen(l;imque. Ad baec e^ro subridens 'o niniiuni felices* inquani ^Rheni 
ai ci/lai', <]iioniam ille niiserias purgat , iiu;»tras quidem nec Pailus 
anquaui valuit purj^arc iieo Tihcris. vos vestra mala Britnimis Illieno 
Vcctore traiwmittitis; iio^ nostra libenter Afri^i atque Jü^riis mittere- 
Rmoa, aed aobia (at iiiteiU;^i datur) pigrioia annt ftaaiina.* com- 
■Mrto rinu aera taadem inde dlsceMiimas. Die apiritoa pierli, welche 
damaU (Petrarcti mufd vor 1340 an Culo gewesen sein) den gast zum 
Rlitrin fälirteat aind venscbuilen. erst 1388 kam die Colncr univcrMtät 
lan^e vorfier lebton in dipsrr Stadt frelebrtere p«'istlirfie. Unter 
Maco aud 2^a«o verateiit er wui iiaadachfiitcn Virgiia und OiidsY 



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S3S WASSER HEILAWAC 

terlancls ; aus spälrrcr zeit wenigstens llilst sich die Iti- 
stralioa am Johannistag auch dort nachweisen, des ßene* 
dict de FaJco descrisione de hioglii anttqtii di Na|>oU (Nap. 
1580) entfattlt die angäbe: 'in una parte populosa delU 
dtta giacc 1a chiesa *coiiaegrata a 8. Giovan batUata » chia* 
mata 8. Giovan a mare* era im antica ttsamMj lioggi 
Bon al tntto lasciailai che la vigilia di S. Giouaney Tcrso 
hC sera e^l aecaro del di, tuili /momiui e donne an-- 
dare al mare^ e nudi lauarsi: penuasi puigarsi de loro 
peccati, alla focchia degll antichi, che peccando andavano 
,ai Teverc lavarsi.' Und lange vor Petrarch, zu Augiiatin« 
zeit herschtc der gebraurli in J^ibvcn, dieser Kirchenvater 
eifert da^encii und nennt iJin lieidnisch: ^nalali JuluTimis 
de soloninilaie siiperslitiosa pni;ana Chrisliani ad mare rc- 
niebant^ et sc ha[)lizabaut' (opp. Paris 1683 lom. 5 p. 
903); und andtM wärts : *ne nlhis in fcstivilatc S.Jolum- 
nis in foulihus aiit paludibuH aut in jluminibus , uo- 
ctiiruis ntit matutmis horis «ve lauare praesumat, quia 
liaec infelix consneludo adhuc de Paganorum ^bservatione 
remansit.' (append. zu tom. 5. p. 4G2.) Allgemein gebil- 
ligt von der kirche war sie sicher nicht y aber geduldet 
konnte sie doch hin und vrieder aein, als nicht iwpaa- 
aende erinnern ng an den tSufer im Jordan , und wenn sie 
früher heidnisch gevresen , auf ihn gedeutet« Weite aus- 
breitung mochte sie leicht gewinnen, nicht nur als christ«* 
liehe feier, sondern auch als heidnische: Johannistag b«* 
zeichnete unsern vorfahren die feslliciie jaliresniitle , WO 
sich die sonne wendet, und viclfaclic l)r;iutlic koniitoiv 
damit verbnnden sein, icli gestehe, wenn Petrarch das 
llul^haden an einem kleinen dontsrlion ort wahrgenommen 
halle, würde ich eher auf eiiituerniaiiiM licn brauch ^rhlic- 
Jsen ; in Cöhi , der heiligen, ihrer heillliiuner wegen be- 
rühmten Stadt vernuitc ich cino erst diu'ch christliche über* 
iicfcrung eingeführte gewöhn ücit.*) 



*) in Püleu und .Schlesien , violki« lit aucli in einem tlicile Rufa- 
Inndä werden am zweiten osttrta^e mäilciten, welche die früiinicUe 
verjiclilnfen , von den bur»iclien gewaltsnni mit u*asser be$^o99en oad 
mit birkcnrotlien gesHilajreu; oft reifst man sie bei nacbt ao* de« 

Ix'tien, schleppt >ie Im « iiu n ^ o<ler ro/ir/roi^, in « iao itHi9serfge» 
Jiili/i' Lripie^ und I ' 7 das» i)ad auälialten, Die Schieber nemiea 
<l;is si!iinu^>isl<Tii, tili" [*,'!('n sollni Ji /. c.,,- . den wns.-Jprjrtir-« 
<!\n'^fis nennen, wclclu' .-msdrürke ielt iir keinem poin. wh. lind«>. das 
Ditliere im reielisanz. lm)5 no. IHI. l^oH no. 250, vgl. KiirHni>iu I, 
15. In der ru>s>iAdicu laml.scIiaU Aicliiuigelsk, laden 23 jnni die 
Wuie im /lufs und atreiiea kupaluitxa (ranuacttlntacii:») karauidio 1» 



Digiiizea by LiOüv^ic 



Es gibt Seen uud britDoen, deren Wasser zu bestiinm« 
ter seit versiegt oder emporsteigt: aus beiden erscbet« 
Höngen "wird iinheii geweissagt , sterbfall und annähende 
theuming. Wenn des landesCtüvten tod bevorsteht , soll 
der flufs in seinem lauf einhalten und gleichsam trau er 
SU erkennen geben (deutsche sag. no.llO); versiegt der 
Immne, so stirbt bald darauf der herr des gedchlechts 
(das. no. 103.) Eine auslay fefide oder trocknende quelle, 
%velclie iheuormiy ansagt, plleut zu hcirsen kungercjueUf^ 
hungerbrunnen (^Siaid. 2, 63,) solch eine hungerijueiie 
fand sich bei Halle au der Saale ; Svenn die baucrn zur 
sladt glcngeu scliavilcii sie dafiacli , und lief sie aus, so 
sagten sie: *Jieuer wird es llieuor.' ahnliibes erziilili man 
von brunnen bei Rosia im Sienesisclien, und hei Ciiateaudun 
im Orleanischeu. Von dem see Gloniazi in dem slavischcu 
EÜjlaud füge ich Dietmars von IMerseburg beriebt ein: 
Glomazi*) est fons non AJbia quam duo miliaria 

poaituSy qu^unam de se paludem generans, mira, ut in- 
colae pro vero assenint ociilisque approbatum a multis, 
saepe operalur. cum bona pax indigenis profutura snum* 
que haec terra non menUtur fructum , tritico et avena 
ac glandine refertus, laeros vicinorum ad se crebro con^ 
flueniiunu efficit animos. quando autem saeva belli tem* 
^lestas iniiniei ii , sangiiirie et ci/wre ccrlum luluri cxitus 
ituÜLium j)raeniünsirat. Iiunc onniis incula plus (juani ec- 
clesias , s])e c|uainvis dubia, venercttiir et liinet, yVber 
ohne riirksiihr auf bestimmte brunnen wird aus dem blo- 
l'seu waanenittsscfi tlicuie oder w uHcilc zeil, abnabme 
oder zunalune der gülcr ei forscbt , je naclidem das in ein 
gefafs gegülsue wasftcr steigt oder lallt (a])ergl. xli\, 43 
und no. 953 aus Praetors saturnalien p. 407.) das scheint 
mir ein gebrauch des liohen alterthnms. Saxo granun. p. 
320 meldet, des rügischen gottes Svantovit bildseule habe 
in der rechten band ein hom gehalten: quod sacerdos sa- 
crorum ejus peritus annuatim mero perfundere consueve« 
rat, ex ipso liquoria habitu eequentie anni copiae 

prospecturue poslero die po^julo i^me foribus excu- 

bante detractum simulacro poculum curiosius speculatus, 
si quid ex inditi liquoris mensura eubtractum fnisset, 
ad secjf lentis anni inopiam pertinere putabat. si nihil 
ex cunsuclae foecunditatis habitu ditni/iutum vidisset, ven- 



73. 74. Cberall der glaabe an die heiUgkeit des esterbades, wie des 

Joiiannisliadeg. 

*} ai. Glomusi, Ziumici; e§ ist die iieutige iomoiatiiciiiir püege. 



ÜigiiiztKi by LiüOgle 



334 MÜLRADWASSER 



tiira agrorum ubcrtalis tempora praedicabat. der wem 
YTurde ausgeschültet und dem hom vrasser eing^osseik 

Es ist liinlaoglich bekannt, dnfs sclion vor dem diri- 
stentlinm und Tor einführung der taufe , eine heiligimi; 
de« neiigebornen kindes durch wasser unter den nordi- 
aeben Heiden galt; man nannte das uatni ausa, mit 
wasser begiefsen. vermutlich fand auch dieser xitiis unter 
den übrigen Germanen statt y und Tieileicht legte man dem 
dasu gebrauchten wasser, wie unter den Christen dem 
taufwoB&er ^ eine besondere kraft bei (schwed. abergl. 
116.) aufrallciul ist die eJistniscbe gcwobiilieil . (Ins tnnj" 
wasser an den %van(len /// die hohe zu. svJuiUeu (rx\ri, 
47), um dem täufling ehre und würden zu wegc zu 
bringen. 

Weit verbreitet war eine soltsaino, abergläubische 
Verwendung des aufgefangnen miilradivassers ^ das von 
den scbaafeln abspringt. scbon Ilarllieb erwiibnt dieses 
gebrancbs (s. lxi) und der volksgl.iube bestätigt ihn (no. 
471, 766,) den Serben helfst solcbes wasser nm/rja^ d.i. 
abprall, von omanukL, omahnuti (abprallen.) Vuk , unter 
dem wort, bemerkt, dafs es Hauen in der frühe des 
Georgitages (23apr.), um sich darin zu baden, zumal von 
der kleinen bachmüle (kaschitschara), außangen. einigo 
tragen es den abend zuvor nach haus und streuen aller- 
hand abgebrochne grüne krfiuter hinein: sie glauben, alles 
böse und scliädliclic werde von ihrem leib abprallen^ m$ 
das wasser vom mulrad (Vuk s. v. Djurdiev dan.) Nidit 
unabnlicli, obwol gerade umgekebrt, ist die ^var^ung nach 
friibem wascben das wasser nicht ahzdschlendern , weil 
damit das gbiek verschleudert werde (abergl. 21.) 

War der himmcl verschlossen , das feld in dürre 
sclmiachtend, so hieng zwar die verleilinng des regfn» 
»iinaclist von der gottheit ab, von Donar, oder Maria 
und Elias, die darum angefleht wurden (s. 117* 118* ü^-^ 
Man bediente sich aber noch eines eignen zaubers, der 
unausbleiblich regenwasser schalle und die götter gcAvis« 
sermaTsen nöthigte es zu gewähren, ein junges mädcben 
wurde ganz entkleidete nachdem biUenhrant ^ an den 
kleine finger seiner rechten band, an die kleine zehe 
seines rechten fufses gebunden war, von den anderii 
jungfrauen feierlich zum n&chsten flufs geführt und mit 
der jlut besprengt (anli. s. xl.) Dieser um den begina 
des 11 jb. am Rhein ü<ler in Hessen gellende brauch er- 
scheint bedculsanirr, da er, nnt characlerislischer ver- 
scliledenheit, die alle umniUelbare entiehuuug ausscliheUti 



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IlEGt:NWASSBa 



m 



noch heute unter Serben und Neiigrlechcn lebt. Die ßer- 
blsche sillo bcsclirelbl Viik u. d. \v. dodole. dodola lieiTst 
das mädchcn, ^vclc^les /lahf ausgezogen y aber mit gra/t^ 
kräutern und b/u/nen dcrgcsUilt i(nicpitr/den Avird , dafs 
VOD der haut und srlltst dem gesiebte gar nichts zu selten 
i»L*) im geleite andrer jungfrauen zieht nun dodobi von 
haus zu hause 9 vor jedem bilden sie einen relgen, dodola 
steht in der mitte und taozt allein« nun tritt die hausfrau 
vor und scfuUiet eine intilde wasscr über das immer 
fort tanzende und sicli umdrehende mädchen aus, die be« 
gleiterinnen singen lieder und schalten jeder zeile den 
auaruf 'oj dodo , oj dodo le V ein. das zweite dieser re- 
geolieder (pjesme dodolske) iuVuks saml. no. 86 — 88 laug- 
tet: zu gott flehet unsre doda, oj dodo oj dodo le! 

dals thauregen sich ergiefse, oj dodo oj dodo le! 

dals ual's werden alle ackrer, oj dodo oj dodo le! 

alle ackrer, alle graber, oj dodo oj dodo le! 

selbst im hause alle kneclile, oj dodo oi dodo le! 
man ist sicher, dals unniillelbar regen eriolgc. Iii Grie- 
chenland, wenn es vierzehn bis zwanzig tage lang nicht 
geregnet hat, beubaclilen die einwohncr in dürfem 
und kleinen stadten folgendes, die kiuder wälilen unter 
sich eines von acht bis zehn jähren , gewöhnlich ein ar« 
mes waiscnkiud , das sie rialt ausziehen und mi't Iräu-^ 
lern und Humen des fehles von topf / /s zu den Ju^ 
fien anputzen und verhüllen, dies kind heilst nvouTj^ 
^otV(K. dann ziehen die andern kinder damit im aorfe 
herum 9 singen ein lied, die hausfrau mufs einen .ei mer 
Wasser Uber das haupt der nvQiii;Qovva ausgiejsen 
und den kindern einen para (V^pfenuing) reichen, das neu- 
^iech. lied findet sich in Theod. Kinds %Qaym8ta viag 
K/ltuhg: Lcipz. 1833 p. 13. Warum das regenmadchen 
dodola (in der scluueicbelfonn dodo) und 'jiVQ'Jir^Qovva 
genannt wird , weil's weder die slavische noch die grie- 
cliiätlic spräche zu deuten**); wahrscbeudieh halte uns 
auch Bnrchard eine verdniikelte deulsclie benennuug mel- 
den küiHien. Aber der sinn der liandlung ist klar, wie 
aus dem eimer das wasscr auf die dodola^ soll regen vom. 



*) soll dafch das verhüllen bloHs die sitt$:ainkelt des entkleideteo 
Diidclieiis geschoal werden Y oder liat es nocli einea aodern praiidV 

wir werden im verfolg sehen, ilafst die darstelhin^en des fluMings 
aiid sommers fjcnnu dasselbe Iaiil)nmfirillpn bcohaclitetcn. 

Kind führt s. 8ö. 87 abweiciieiide i'ormen au. ailß erkläninirt^n 
sdieineu mir $;ezwun<^en. l>eide namea, der griecli. uod serbische, 
haben folksmanuge reduplicalion. 



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iS6 WASSERTAUCUE 

himmcl auf die erde niedorströmen : es ist dio geheimnis- 
volle, echtsymbolische beziehuiig des mittels auf dcti 
zweck; gerade so solUe der absprang vom iiiiiliad tins 
iibel absprcagcii, oder die lustratioii im Hüls alle küulügeii 
kraiikheilen abwasclion. Yieiieiclit darf man aus der re* 
deiisart 'urceatim pluit'y 'es regnet als gcisso man mit mul- 
deii', weile verbreilung der silte, symbolisch >vasser zu 
scbütteo, folgern. Unter den kräutern, vromit das kiod 
umwunden wurde, fanden sieb vermutlicb zauberkrafUge; 
Jene Verwendung der bilse ist mir sonst unbekannt Der 
dodola und ])}rperuna vollkommen identisch seheint end* 
lieh der bairisclie wassen^ogeL den kneclit , der pfingj^t- 
niüiUags am spalcslen ausgetrieben lial * \ fühi'en die iihri- 
geii hursrlie in den niiclisten wähl und binden ihn itiii 
und um mit laub, ziveii^en oder svliilf ein, ilami 
wird im triunif das dorl lUnchriltcn, thhI alh'.s NNas jiui^c 
beiuo hat , dem zuf» zum teit Ii oder barli , wo iWv 

iVdsservoge/ vom pferd herab feierlicli in.s wasaer 
ivurfen ii>ird (8chm. l, 320.) ICbeuso wühlen in OsUwU 
die dorf jungen einen pfingslkünig , kUiUen i/in mit griir 
nen ztA^ei^en^ schwärzen ihm das angeaicht und wtt^ 
fen ihn in den baoh. (Denis lesefr. 1 , 130.) Das volii 
vocarc inibrem ist hierbei ganz weggefallen und durch eine 
blofse pfingstlustbarkeit mit dem faulsten knecht erseist; 
ich sweitte aber nicht, dafs jener zweck im hintergniod 
der Sitte liegt.**) 

Unter den giillinnen wird die badende I^erthus iiad 
Holda zunächst auf wassercullus zu beziehen sein. Hulda 
woluit in bi'unnen (s. Ifi^S. -TS); dann gehören liierlitr 
8chwanjun<;frauen , meerniituien (s. -44), w asserhulihn. 
brunnenliohleii fs. l^iö), wassernndimen uiul nixen. Ilmt'ii 
allen können einzelne flüssc, bäche, weilier, quellen ge- 
weiht und zum aufonthalt angewiesen sein; im meer 
teten Oefrir (8.147) und Bdn (8.197. 281), die wcUcn 
heifsen ihre töchter; dadurch empfangt die Verehrung det 
elements einen besondern character. Von dieser an sieb 
natiiiiichea aber nicht wesentlichen Vereinigung des ein- 
fachen, rollen wassercullus mit dem glauben an hühere 
wcseu will ich noch einiges anfuhren« 



*) wie das venchtafeae midcbeo ostera gebadet wird (vorUi 
i. 832.) 

") in Spnnieii führt«- man hei anlialteiidcr dürre da^ t^chmuf-^- 
flerLfe hild der licil. juii;:rrau ('.niageii rubierta de Into) feierlich dsTC*» 
«lie Uurfer, re^^eii Kit crüclitfii. Uoii Uiiixul« ed. idd«r 436. 



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UEILIGE WASSEa 337 

"Wie man beim übrrscliifTeu des Stroms, beim überschrei- 
len der brücke die gewalt des da liausenden dämons scheut 
(s. 2 s -2 ; so ist es nach sdiwed. Volksglauben (no. 40) rallisam, 
dalä mau im finstern über ein wasser gehend dreimal speiet 
muk damit aUer büsen eiuwirkung zuvorkomnie.*) Auch beim 
bniimeoschöpfea wird vorsieht beobachtet. Neugriechen su 
Mykono, bevor sie schöpfen , grapsen dreimal ^ um den 
Teloni (brannengeist) su ehren.**) Die vila 8. 8ulpicü 
bilwricensis (f 644) ersShlt (acta Bened. sec. 2 p. 172): 
^gurges quidam erat in Virisionensium silus agello (Vier- 
MOi in Äilurigibus), a(|iiarum iiiole copiosus, iilpote dae^ 
monibue co/isecralus ; et si aliquis causa qiialibet ingre- 
derelur eiindem , repcntc fiuiibus daemonicis circumple- 
xus ajiiUlebat crudeJiter vitaiii.' Merkwürdiger lür den 
wassercullus selbst zeugt des Greg. tiir. erzUhhing vom 
See bei dcMii herg Helaniis (de glorla coiite»«. cap. 2): ^nions 
erat in gabalitano territorio (Gevaudaii) cognomcnto Heia« 
ÜU8, lacum habens magniim. ad quem certo tempore 
jDuliitudo rusticorum, quasi libamina iacui Uli exki- 
bens^ llnieanüna projiciebat ac pannos qui ad usum ve- 
sthnend virlUs praebentur: nonnulli lanae v^era, plurimi 
«dam fotinas casei***) ac cerae vel panis, diversasque 
•peciee, imusquisque juxta vires suas, quae dinumerare 
perlongum poto« veniebant aut^m cum plaustris potum 
ctbrnnque deferentes, matt an te.*: animalia et per tri-^ 
duum epulantes, quarta aiitcni die cum discedere debe- 
rent, aulicipabat eos tenipestas cum tonitruo et corusca- 
tione valida, et in tantum imber ingens cum Jaj)idum 
violenlia descendebat, ut vix sc quis(juam eornm putaret 
evadere. sie liebnt per singulos annos , et iuvolvebatur 
iiidipiens popuius in errore.' Hier tritt kein gott und kein 
geiat auf, die jahriiclien opfer werden dem see unmiltcU 
bor gebracht ; am Schlüsse des fests erfolgt stürm xaA ge^ 
witter. Gervasius tiiberiensis (bei Leibniz 1, 982) er^ 
ühli von einem see auf dem berge Cavagnm in Catalo« 
niea: 'in cujus summitate iacus est aquam continens sub- 
lugram et in fondo imperscrutabilem. illic rnansio fertur 

daemonum ad modiim palatii dilatata et janua clausa; 
fftcies tamen ipsius niaiiöionis sicul ipsorum daemonum 



*) iiusspeien Ut deo geirtera'suwider (oben s«293.) 

**) Villoison in Maltettrnn aouales des voy. 180. Artemidor 
oneirocrit 2, 27 (Reiff 1^ 189) nimmt brannennympben an: pitt^f** 
w /r/M tloiv ip ^^heti, 

foruMfcs» wortua fromagcs. 

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388 BBILIGE BÄCBä 

vulgarlbud est iiicognita ac invisibilis. in laciim 8i qius 
allquam lapideam aut alias solidam projecerit matcrianif 
ataliin tanqnam (fffensifi daemonibus, tempesttU ertiem' 
pUj^) Darauf die gesdiichte eines inädchens, das von 
den Wassergeistern entfuhrt und eieben jalir im see gebal* 
ten vrird« 

Nach ehstnischer sitte wirft die neife ehefhiit in den 
brunnen des hauses ein geschenk; diesem volkstanun 
scheint der wassercultos vorzTiglich eigen, es gibt eine 
umständliche nachriclit von der herligen fVohJutnda^ «i- 

ncm bachc iu Lieflanrl. sie eiitspiiiigt bei Ihnegerrc, einem 
dorfe des bezirks OdonpH, in Ebsllaiid und ergiefst sicli. 
nach ibrer verein igiiui; mit der IVIedda, in den Pcipns. pIp 
liegt in einem heiligen hairiy in dessen umkreis nieinanti 
einen l)aiim zu banen oder eine rullie zu breclien T^agl: 
\i'er es thut , stirbt also inrt in dem Jahn bach uoH 
quellbrunn werden rein gehalten und Jährlich gesäubert; 
wird et>vns in den qnell oder den kleinen see^ wekliei 
er dnrchllieist, geworfen, so entsteht nnn^etter. 

Als im |ahr 1641 Hans Ohm auf Sommerpahl, eia 
anslandisclier, durch die Schweden ins land gekommncr 
gutsbcsitsery in dem bach eine müle baute und einige 
fahre unfruchtbare Witterung anhieh; mafsen es alle £h» 
•^len der entweihnng des JteiL bach» bei, der ke&ie heft- 
mung in sich leide, sie tiberfielen die n)üle, brannten sie 
nieder und zerstiiiien alle grundpLile im wasscr. Oljni 
erliub kla^o und orlnnglc der bauern verurtheihinji , um 
sich aber neuer und schwerer Verfolgung zu entzicltru. 
veianlafste er den pastor GutslafT, gleichfalls einen Dciil- 
schen, in einer besonderen scbrili ^'*) diesen aberglaubea 
xu bekämpfen« man- erfährt dadurch gewis nur die gi- 



•) diese anfregung Hcs stnrms durrli slc'uururf in den see oder 
hruuucn ist deutscher, celtischer und finnischer Volksglaube, wie die 
angeführten beispiele lehren, der watsergebt rieht die entweÜiaBft 
der helifgea Hut Hierher gehvrt die sage rom mummelsee (deeHc^ 
mg. ao. 59« Simpllc. 5^ 9.) tob Pihrtniiee (Lotbars volkss. 332. 
Il^waek S, 1I8< GaUlaff p. 288) vom see Camarina in Skilien (Ca- 
niarinam movere) und besonders von den» firiiiinf>H mi hvein bW.^ ~ 
672, wo aF»er hriiniiemvaKSer auf den bruiinniftein «cgossen den stur» 
erregt; vjrl. die von Heneke p nus Ponhis a»<;efiihrte stelle. 

*•) kurzer bericht u. untenulit von der falsch ht-ilig genandten 
hücite in Liefland \Nohlianda. daraus die unchri^tiiche abbreooonge 
der flommerpnhisehen m&lilen ^c.<;i*{iehen Ut, ans christlichem eifer ve> 
gen des niichristlirhen a. heidnischen abersrlanbeuit gegeben von Joh. 
Ou/xfifß\ pomer. pastorn au Urbs In IJelland. Dorpt 1644« 407 ff* 
In H (ohne xueign nnd rorr.) 



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HEILIGE SEEN 



Iras.^igen züge des lieidnisclien cultus^ Auf die frngc , wie 
vou brunucn, bÜchcn und secn ^nlcs oder böses welter 
ablianjicii könne!* versclxtea die Jähsten: *cs ist unser 
alter glaube, die alten Jiabea um al«o gelehret (.«. 25. 25H)f 
schon mehr mülen seien an diesem bache abgebrannt (». 

er vertrage keine Stauung.' ebstiu'sch heifse er^ pöba 
jüggeV letiisch ^scLwUii ubbeV i. ^eiiiger bacli. man 
Ttmi^e durch ikn das Mretler zn stellen und habe, be- 
dürfe map re^ensy nur etwas hineingeworfen (s. 25). 
sU einmal drei odisen im see ertranken , sei scbnee und 
fräst entstanden (s. 26.) zuweilen steige 'ein herl jnit 
blauem und gelbeni strumpft' aus deni bach herYory 
also der geisl des barlies. . , 

Kine andere eliHtniscbe sage gedenkt des sees Eirtt^ 
ilcr sein bett veränderte, wilde böse menseben wobnten 
ön seinem nfer, sie miiliten die wiesen nicbt , die er 
wäbäerie^ besäten die äcker. nicht, die er fruchlbar 
machte , sondern raubten und mordeten , dafs die klare 
üut durch das blut der erschlagnen getrübt wurde. Da 
tnucrte der see; eines abends berief er seine fische alle 
and hob sich mit ibnen in. die lüfte» Als die räuber das 
Uwen vernahmen 9 riefen sie: 'der £im ist aufgestiegeui 

uns seine fische und schätze sammeln.' aber die fische 
inren mit gezogen und nichts fand sich in dem grund als 
iddaDgen, molche und kröten, die stiegen heraus und 
wohnten bei dem rauhcrgcscideclil. Aber der Jjni sücg 
luiinor hülier und kühner und cille, einer Nveilsen wölke 
gleich, diu'cli die lull; die juger in den Widdern spra- 
tlieu: Svelch ein dunkles welter zieht über uns?', die 
lurten : 'welcher weilse schwan fliegt in der buhe ?' die 
ganze nacht schwebte er unter den Sternen, am morgen 
erblickten ihn die Schnitter , wie er sich senkte, und aiis 
f)em schwan ein weifses schiff und aus dem schiiTe ein 
dunkler Wolkenzug ward« und es spfltach aus den .gewas- 
>eni: liebe dich von.dannen mit der .ernt^i ich will woh- 
«ea bei dir.' Da hiefsen sie ihn willkommen , wenn. er 
flire Scker und wiesen bethaüen wolle ^ und er senkte 
lidi nieder und breitete im neuen lager sich aus nAch al* 
leu enden. Sie ordnetefi sein bett, zogen dämme, pflanz- 
ten junge bäume ans ufer, seine wellen /u kühlen. Da 
machte er die ganze gegend fruchtbar, das gelilde grünte und 
sie tanzten um ihn, dafs der alte jugendlich froh ward/) 

*) Fr. Thiencb im taschenbadi lir liebe «ad fmndiclieft tSO» 

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340 



FEUER 



Römer und Grieclien personificlerlcu ihre fJnsse in 
niiiiiiiliche wesen; ein barliger greis fielst aus seiaer uine 
die strofiHMide quelle (s. 276. 277.) kleineren bachen stan- 
eleu uyiuplien vor. in unserer spraclie sind die mei-leii 
Jlufsnamen Aveiblicli (grainm* d, 384 — 86), es werden 
also auch ^veibliche iluisgeister gewaltet haben« ^iemaU 
ist in einheimischer überlieferuDg von einem damon des 
Rheins die rede« man glaubt den flufsgott Yisucius in dm 
ptälzischen wi«göz wieder zu finden*)^ der heut^e name 
ist wesdinits«"^) 

IL FEUER.*^) 
gleich dem wasser gilt das feuer für ein lebendiges we««? 

und jener benennung quecpruiino (s. 330) entspricht qrtec* 
fiur ^ daz quecke fiwer. Parz. 71, 13; serb. vatra ah'wa 
(V'uk 1, XL VI.) %Q nvQ 'd^-oiov 6'/tcipvxov bei Aegyptern. 
Herod. 3, 16; ignis animal, Cic. de N. D. 3, 14, also 
ein Irussendcs , hungriges, ninuncrsatles ihier, vorax 
llamma, frekr (avidns) Sa»m. 50^, bitar fiur. Hei. 78, 22. 
bitar logna. 79, 20. grddag logna. 130, 23 grim ciidi 
gnldag. 133, 11, es leckt mit der zunge. Anrede bezeich- 
net lebendige dinge: Mieitr ertu liripudhr!' (hetfa bist da 
feuer) Smxu 40». Schon den Fersern war es ein gfrt^ 
und das ind« Agnis= ignis wird für einen gott angesebn« 
Nach der edda ist das feuer bruder des winde und des 
nieers , darum selbst belebt und göttlich. 8n. 12^. Da« 
Volk vergleicht dieses element einem von haus su iuun 
fliegenden halin : 4cli will dir einen rotUen haJui aufis 
dach selzeil' ist droliuiig des niorilbi*enners. 

Dennoch scheint ein eigentlicher feuerdienst von hc- 
schriinklereni umfang , als die Verehrung des Avassci-s : 
nur in der stelle des ai;s. Verbots (s. 70) finde ich iles 
Jtucrsy nicht iu den übrigen gedacht, auch mag ein iIh'Ü 
des ihm gewidmeten cultus in dem der leuchtenden uud 
wärmenden sonne begriffen sein, ,V?ic schon Jul. Caesar 
(oben 8.71) sol und f^ulcanuSf und die edda, beide als 
das höchste preisend, Jeuer und sonne, nebeneinander 
nennt: eldr er bestr med yta sonum ok sSlar »fn* Sm* 
18^ f feuer ist das beste far die menschen, (nach Pindar 
Wasser das beste.) Die observatio pagaua in Joco (sab* 
xxxu, 17) beziehe ich atif die flamme des heerds oder 
ofens^ wo /leerdjeuer brennt, schlägt kein ^ewiitcr ein 



*) Cr<Mizer altrdin. cott. p. 61. 62. 
**) Dunbeck ffeogr. pa^onmi 67. 

beneaaungca gr. a, 352 ^ eddMie SmuL 60^ So« 187. 188 



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NOTFEUER S41 

(abcrgl. 136), wo es prasselt, da entsteht streit (110.322. 

msai halte die norwogisclio deutung (s. 148) dazu ; 
so lange ein kind ungetan ft ist, soll man das /euer nivht 
lösqliefi (scliwcd. abergl. 22) vgl. kasta eid, iaga i e/- 
den (das. 24. 25. 54. 68. 107.) 

Die Ehsten werfeu in das feuer, wie ins 'wasser, 
gest henke (abergL 11); sie opfern zuweilen dem feuer 
ein hnhn (no. 83.) 

Man scheint wolthat^es nnd feindseliges feuer un* 
tenchieden zu haben; in idtfranz. gedichten finde ich oft 
die verwtinschungsromiel: mal feu arde! Tristr. 379 f. 
maus felis et itiale ßanihe m'arde ! Meon 3, 227. 2Ur, 
dies büse feuer slclll der iiord. Loki dar (s. 148.) 

Für unrein, iinheilig galt feuer, das eine Zeitlang 
unter den nicnsclieu gebraucht worden war, und sich von 
bland zu brand fortgepüaazt hatte. Das reine, zu heiU- 
gemgeschaft dicnsanie feuer muste, nach lüscluing des alten, 
neu geweckt, unmittelbar aus holzreibung hervorgegan- 
gen sein, ein solches lüefs noifiar* entsprang es zufällig» 
s«b. unter der band des ziromermanns beim einschlagen 
des nagels in die zusammengeftigten balken des neuen hau- 
ses, so ist es yorbedeutsam (abergL 411. 500. 707.) 

Schon der indic. superslit. 15 meldet Hie igne fri^ 
cato de ligno id est nod/j'r\ das capitulare Carlomanui 
von 742 f. .5. (Georg. 489 j verbietet 'illos sacrilego« ignes 
quos nedfratres vocanf, und lelztere slelle ist in die gre- 
ise capit. sanilung 5, 2 (Georg. 1407) eingegangen, bei 
Baliiz. 1, 148. 825 dieselben losarlen; man hat imbedenk- 
iich zu bessern nedfyr , f^odjyrj*) 

Die Zubereitung des notfeuers whrd yerschiedentlich 
beschrieben; ich halte es der mühe werth, die mir be- 
kannten erzahlungen hier zu sammeln. Lindenbrog im 
glossar zu den capitularien sagt : rusticani homines in miiU 
tis Germaniae locls, et festo quidem S. Johannb baplistae 
die palum sepi extrahunt^ exiracio funem circumli^ 
li^ant^ ilhimqtte hnc illuc ducunt , aonee ignem con^ 
npiat: quem slipula lignisque aridioribus aggestis curate 
fovcnt, ac cineres colleclos snpra olera spargiuit, hoc me- 
ilio erucas abigi possc inani superslilione credcnles. eum 
ergo ignem nodfeur et nodfyr^ (juasi necessarium ignem 



*) aas nedfri , wie e1ttt«e hM. lesen , machtea aakundige schrei* 
bec nedfratrcH, da die abkürzung fr, in frater, firatres aasdriklLt; 
€B cad. Ueil nUdftar* 



342 



4 



vocant Joli. Reiskius *) Untersuchung des notfcucrs. 
Frankf. u. Leipz. 1696. 8. ^.Si : 'wenn nun eich elwan 
uniter dem groCsen und kleinen vieh eine böse seuclic lial 
herfürgethan iin4 die heerde dadurch bereit grofsen scha- 
den erlitten, wrden die baurep scfilüssi^, ein nothjür 
oder noihfeuer anzumaclien« auf bestlpimten tag murs 
in ieinem hause nocli auf dem heerde sich einzige 
flamme ßn den > aus iedem liause mufs etwas von «Iroh 
und -wasser und buschholz hcrzngebracht werden, darauf 
\yii\\ ein starker eichen p fahl in die erde feste geschla^ 
^en und ein loch lUirch dioson geboret, in dasselbe wird 
eine liölzerne (i>inde eingcbleckcl , mit \vagcni^)tHh und 
iheer wol^osclnnieret , aiK Ii solange umgedrchet , bis e3 
nach lielli^cr hilze und nolhzvvaug feuer geben kann, sol- 
ches -wird sofoTl mit matcrlalon aiifgefasset, durch sfroh, 
heide und bußchliolz geinehret, bia ei zu einem vollen 
nothfeuer ausschlaget^ dieses aber inufs in die länge 
zwischen wänden oder zäunen sich etwas ausbreiten, und 

tviehe nebenst denen pferden mit stecken und peitschra 
i oder zweimal hindurch gejaget werden. Andere schla* 
gen anderswo zwei durchborete pfäle^ steoken in die 
lücher eine matte oder winde nebst alten , Hettbeschmter« 
ten lumpen», andere gebrauchen einen härnen oder ge* 
meincii dichlcn strick , suchen neunerlei holz zusamnicu, 
unil hallen so lange mit gewaltsamer bewciAHiig au, bb 
feuer herabfalle, vielleicht mö^en noch mehr arten 
dieses feuers generatiou oder anzündimg sich finden, alle 
deuuoch werden blol's auf die cur des \iehes cingerichlet. 
Nach drei oder zweimaligem durchgang wird das vielie zu 
stalle oder in# feld getcieben^ luul der zusammengebmclite 
holzh^qfq wiederum zerstöret , jedoch solchergestalt an 
etlichen O^ton, dafs jedweder hfiusvater einen brand mit 
sich tragen, in der vyi^ch oder spüitonno ablöschen uii I 
9olch^l| in die krippe, worin das vi^h gefütte|!t wird, suf 
einige z^it beilegen lassq« die zum nothzwang des fetten 
eiugeschl^gnpn pTalß und das zur ^v^indc gebrauchte 
wird bisweilen zun feuerniateri^lien nütge»ogen, bisweil« 
verwahrljch beigeleget, >vcun zuvor mit dem vielie 
dreimalige jagd durch die ilamuie lal vullliilut wordciu 
Folgende Schilderung ist die neuslc und aus Hülienhamcln, 
im hihlesheimiöchen amt Baldenberg milgctheilt : in vielen 
yrt^n JNipdcrsachsens, zumal des gebirges^ herscht die ge«; 



*) rector der schale z« Wolfenbuttel, v^l. Gerickea Scbfittailn 
illuatratiis. Lp. 1718 p.66. Eccanl Fr. or. 1, 425. 



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NOTFEÜßa 



343 



wolmhcity um vieliscucUen vorzubeugen, das sogouaDute 
wilde feiger l^ bei*eiten, durch welches daao zuerst die 
9cliweine ^ dann die kiihe^ zuletzt die gänse gelrieben 
werden.*) das dabei hergebrachte verfahren Ist dieses* 
bauermaister und gemeinde versammehi sich, jedem ein- 
wohn er wird angesagt V alles Jeuer in seinem hause so 
völlig zu löschen^ dals auch nieht ein funke im ganzen 
dorie bremien bleibt« dann wandert jung und alt an ei« 
nen holweg , gewähnlich gegen abend , die weiber linnen, 
die münner bolz und werg tragend, zwei eichne pfäle 
werden andertlialb lufs von einauder iji die erde gclric- 
bcn, )cdcT pfal liat eine gegeneinander über stehende 
\ Ol liefung, in welche ein arnidirkcr (/icerstock passt. die 
Vertiefungen sind mit Unnen gefällt und der querstock 
wird luni 80 fest als inüglicJi eingedrängt, stricke liallen 
Jie pfale oben zusammen, den runden, glatten querstoch 
umu^inclet ein scily dessen lange zu beiden seilen blei- 
bende enden von mehrcüi leuten gefaist werden, diese 
ziehen nun den querstock auf das schnellste hin und her| 
so dafs durch die reibung das linnen in den Vertiefungen 
lieh entzündet, die funken des linnens werden alsbald in 
werjg oder heede gefangen und so lange im kreise herum-' 
geschleudert y bis die helle lohe daraus schlägt, an sie 
wird siFoh gebracht, und mit der strohOamm^ das im 
holweg schichtenweise geordnete reisholz angezfindet. Ist 
dieses holz in vollen brand gerathen und hat es beinahe 
ausgebrannt , so eilt das volk zu den hinten wartenden 
heerdcn und treibt sie mit gewali, eine nach der andern 
durch die glut. Sobald alles vieh luudurch ist, fallen die 
jungiMi leule mutwillig über asche und kohlen her, ein- 
audtr l>eslreuend und schwärzend; die am meisten be- 
streut und gcscliwarzt erscheinen, ziehen als sieger liin- 
ter dem vieh ins dorf ein , und waschen sich lange nicht 
) Falls das linnen nacli langer reibung nicht langen 
^vill, so vermutet man, dals noch irgendwo feuor im 
dürfe sei, was das element abhalte , sich in der reibung 
KU oiTenbaren : dann erfolgt strenge hausdurchsuchuug , das 
(ni^jetrolTene feuer wird gelöscht nnd der hauseigenthümer 
S^slfal^ odpr gescholten. .Pas wüd^ feuer mufs fiber im- 



•) von schüfen ist keine rede; wenn vielleiclit auch hahn und 
durch die koiden nulsteu , so «rkiärte «icb ein uoci) unprklär- 
tei «pricliwurt (llcinli. xriv.) 

**) wird iiiclit aucli eiu brni\d oder licht zur f^ueraHstheiluDg in 
wrfe mit nach baus gcuummenf 



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344 



NOTPBUBR 



crliifslich durch rcibung licrvorgcbradit , und darf niclil 
mit slalil und stein gescldagcu Averden. Einige orlscliaflea 
bereiten es nicht jahrlicli , um der Viehseuche vorzubeu- 
gen^ sondern erst bei deren ^virklicbf'm ausbruch. 

Diesen genauen angaben enlgeht dennoch niantlier 
kleine umstand, auf dessen beachtuug wenigstens in an- 
dern gegendcn gesehen Avinl. So müssen im Ualberstüdti* 
sehen die stricke der liolzwalze %fon zwei heuachen hnO" 
ben gezogen werden.*) Im nördlichen Deutschland ist das 
nutfeucr länger und häufiger im gebrauch geblieben^)» 
doch auch dem südlichen nicht unbekannt Schmeller und 
Slalder geschweigen seiner, doch im appenzeller land 
steht noch das kinderspicl , dafs sie ein seil auf eiocai 
stucke holz so lan«?e reiben^ bis ea feuer fängt ^ das 
nennen sie al)cr 'de tiiftl häle\ den teiifel entmannen, 
ihm seine kraft rauben.***) das künnte Avicder aul Loki, 
den teufei und fcuergott, anspielen (s. 148. 341.) 

Die I)enennnui; lallst sich aus nul '^necessilas) lierleileii. 
sei es, \veil das leuor ijleiclisam gciuilhigt wird zu cr- 
sclieinen^ oder das vieh die glut zu betreten, oder seine 
bereituDg in Zeiten der nolh^ der seuche, erfolgt* nichts 
desto weniger ysiW ich eine andere erklarung versncheot 
notfiur, nodfiur könnte stehen für ein älteres hnotpur^ 
Imodfiar j Ton der vnirzel goth. hniudan, ahd« hoiottD, 
altn. hnioda, quassare, terere, tunderef); es -wäre cb 
durch gewaltsames stofsen, reiben, schütteln gelocktes* 

Gerade so keifst es in Schweden urideld oder gniddd 
von yrida (torqiiere, circumagere) ags. Yrtlhan^ «did. H* 
dan, mhd. riden, und von gnida (fricare) alid« knllan, 
ags. güiJau ^cüulcrcie, fricaie, depsere.) 

*) ßuarliiiigs wuchentliclie narhr. 4, 64» 

*') vj;!. Couriog epitit. ad üaluz. xiu. Gericken Scliotteliu:» r* 
tO. Dihneit s«.t. noodfikr. 

***) Zellweger gescIi. voa Appensell. Trogen 1830. 1, es, wel- 
cher bemerkt, dafs oiaa mit Her tscbe des solchergestalt eric«|U> 
feuers die felder bestreue, um »ie vor uii^ezitfer zu scliützeo. 

f) Bild, pilmiiitit (evrutit) *^\. ker. 231. hiiotot (quassat) das. 229. 
hiiutteii (vibrare) das. 2H2; N. hat vnolon (quassarc) ps. 109, 6. Blh. 
2;i0 ; vgl. iiieteu (.^tulstn) niih. p. xi.ix. nitii. Übt biiuKla (mildere) 
hiiod (tude«, malleuä) buuda (depsere) houdia (hubigere.) maa dürüt 
huvtfiar and bnotdur (hnatfiur) schreiben, je nachdem der ablant ^ 
oder pl. dabei waltete, vielleiclit wäre nicht elpnal auf dem H m 
bestehen« sondern das ab<l. niuwan altn. nüa (terere« Iricare) /u rr- 
wagen, au!« dem sich durch abieitoa^ ein .Mibst. not entwickelt hätie. 
ja niHii künnte weiter /n der annähme fortj^ebn , dafs not, riaiitffs» 
nniidhr (aticessiUM) uriiprüugUch den begrif von drang und diiM^ 
tuJialte < 



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NOTFBUEa 



Bereitet wurde es wie bei uns, durch das heftige 
aaeinaaderreiben zweier hölzer, in eioselnen «cliwcd. ge- 
genden oocii gegen den echlurs des vorigen jh.; bisweilen 
nahm man äste Yon neunerlti holz dazu.'^) der von gnid* 
eld aufsteigende rauch galt för heilbringend, Obstbäume 
und netze damit geräuchert wurden fruchtbar und fien» 
gen viele fische, von dieeem räuchern mit vriden eldj 
vom austreiben deo viehs über solchen rauch vgl. schwed, 
abergl. no. 80* 108. Man sieht , des notfeners anwen* 
düng mufs unter den Heiden weit manigfnltiger gewesen 
sein: in DeiilsclilaDd zeigt sicli nur ciu rcst devon im ge- 
brauch liir (las erkrankte \ieli. doi Ii die abergläubische 
gewübuheit der niadrlifii , (euer \.'OfL neunerlei holz zu 
entzünden (no. 955) besläligt uns. den ausgedehnteren be- 
grii" des allen nülfeuers. 

Audi in dem schottischen hochland (namenll. in Cailbness) 
bedient mau sich heute des notieuers hauptsäcldich als eines 
mittels wider übernatürliche durch Zauber hervorgebrachte 
viehkrankheiten,**) To defeat the soroeries, cerlain persona 
wiio haVe the power to do so arc sent for, to raisethe netd" 
fire. upon any small river^ lake, or island, a cLrcular 
booth oi stone or turf is erected, on which a couphj or 
rafter of a birchtree^ is placed, and the roof covered 
Over. In the centre is set a perpendicular post^ fixed 
b) a wooden pin to the couple, the lower end being 
piaced in an oblong groove on the floor; and another 
pole is piaced horizontally ^ belween the upright posl 
and the leg of the couple, into both which, the ends, 
bein^ lapered, are inserted. tbis horizontal tiinbor is 
called the au gen n)olirer), l)eing provided with Tour 
sliort arrns» or spoki^s, hy which il can bc turned round. 
As many meii as can be collected are tlien set to work, 
haviii«^ iirst divested themseli^es of all Litids of inetal, 
and two at a time continue to turn the pole by meaus of 
the levers, whiie others keep driving wedges under the 
upright post so as to press it against the auger , wbicli 
by the friction soon becomes igniled. From this the necd- 
fire is instantia procured, and all other fires being im^ 



*) llire de soparstit. p. 98 und im ^lossar s. v. wredeld. FisB 

Magn. tidskr. for nord. oldk. 2, 294 nac Ii Westerdahl. 

••) Icii entlehne die weise seiner ben'itiinfi: aiiH Jamrs Lojran : 
llie scotti:»li G«iel or celtic innnnerä m f)reserved amung the High- 
landers. Lond. 1831. 2, 64, der aber hier fast wörtlich Jamiesoos 
buppleaieut to tlie »cotii^ch dict« i. v. ueidfy re ttusüch reibt. 



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349 



NOTPPüBa 



inediately quenched, those tliat are relindled boih iu 
tisN ellijigliüiisc and oflices are accoiuiled sacredy and the 
taltle are successively juad lo smcll tliem. Tliis practice 
belicved to have ariscii froin llie baallein or lioly fim 
ol llie druids. Noch in dtMii lieutigen galisclieii und iri- 
Scheu dij[|lect heilst der erBtc niai la-beal-tin , d. i* tag dfil 
balteuers« das feuer aber tin-eginr) lüep mag oocb 
]Slartin« eigeuUiündiche beschreibuog räum finden: the 
iuliabiunlB hm d>d also make use of a fire called tin^ 
egin, L a foroed £1*9» or fire of nßcemty^*), -whidi 
tliey used a« an antldote agaioet the x)lagi]e or moiram 10 
caUle; und it was perforoid thoftt all ihe ßres in tbe 
parish were exUrtguisttd ^ and then eighty^ne (OX^) 
marryd men being thüni;ht the necessary nuniber ior cf« 
lecling this dcsigii , took ttvo great planis of -vvooil, 
and /lific üf 'eni wcrc oniployd by turns, >vho by tlieir 
rcpoaled clForls ruhbd one oj ihe planks against tJie 
otfier uniU the heal llieroof produtd fire: and jfrom 
this forcd lire each family is supplyd witU neuf 
Jire, which is no sooucr kindled than a pol Juli of 
water U quiokly set on it^ and afterwards apriukled 
lipon tlie people inlected with the plague or upon the 
cattle tliat have the munrain* and thU the all saj 
they find euccessfull hj experience: ü was practisd 00 
tbe. meinland» oppostte to the aoiith of Skie, witUa 
these thirty yefffs. Wie hier auf dem reibfeuer ufOBier 
gekocht^ und dieses mit gleidier Wirkung gesprengt wird, 
ßo> erzählt Eccard (Fr. or. i, 425), er habe eines pfingsh 
morucns picidchirlen feuer aus holz reiben und dabei 
ilucti kohl kochen selicii, in der niciuung, dafs sie durch 
dessen geuMi> da^ jahi' iibcr üei VU4U üebßi: bieibea 
vürdeii. 

Olino zNveifcl war das notfeuer andern vcilkern , an- 
iscr den gcnnanisi licn und ccllisclien, licilii;. Die Kiiiiks 
in Nordamerika begelien ein jalirüches criitefest, da« uu^ 
dreitägiger strenger iasle anhebt, Mährend welcher in al- 
len hausern die feiger gelöscht werden« am vierten mor» 
gen zündet der oborpriester durch znsantm^nreiben zweier 
trockijer holzstücke, neues, reines Jetter an, das in alh 
^hnungeß uer$heih t^ird^ nun mt tragen die weib^r 



Rorlase antiq« of Cornwall p. 130. 
(lescr. of tlie westerii islniuls |>. 113. 
***) (*ics scheint für die alte crkiäruii«]^ von uoibfeuerj veoa 
tticlil gerade aiU dem eugl. ue^dfire über«et%t i«t. 



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NOTFEUER 



Jas frische getraide und die iieueu früclite vom ernte« 
feld lieini.*) 

Noch anziehender ist es aber, die ciiislimmiinq nlliö- 
misclicr und griechischer sille zu vergleichen, cxcerpte 
aus Festus sagen: Ugnis Vestae si quando' interslinctua 
etteti Tirgines verberibus afficiebantur a pontifice, quibna 
mos erat, tabulam felicia materiae tarn diu terebrare, 
qiMusque exceptum ignem «ribvo aeneo virgo in aedain 
ferret.* Das erloschene j beilige fenev der gütda dürft« 
nicht anders angefacbt werden i als durcb firi«cbe erzeu- 
guiig des reinen elements. ein breit | von auserlesnem 
liolz, wurde solange gebohrt, d.h. eine walze in ihm 
njnüedrehl , bis funken ciUsprangen. ]Nach Plutnrch im 
Numa 9 gewann man neues Jener nicht durcli reiben, 
soiidciii anITaugen der sonnenstralden in bestimmten, thö- 
nernen i;ef irsen. 13ic Grieclien \ejelirlen Hestia als die 
reine lieoidllannne selbst.*'^) Aber Loinnos das eiland, auf 
^velclies Zeus den hinuulischeu fcuergott iiephastos herab« 
geworfen h^tte , ''''^'*) hegte eigontbümliohen feuercultus« 
neun tage im Jahr wurde allea feuer gelöscht^ bis aus 
Dolos her ein scbif neues vom heiligen heerde Apollos 
brachte: einige tage treibt 0S auf dem meer, ohne lan;* 
den za können, sobald es eingelaufen ist, wird jedem 
feuer zum häuslichen gebrauch mitgetlieÜt , und dann ein 
neues leben begonnen. Das alte feuer war nicht mehr 
heilig genug; indem seiner die menschen eine weile ganz 
embelirlen , solllen sie tlic wullbat des elements recht er« 
kenneu lernen.*)-) Auch der heiligen Brigida in ^SihüHland 
(t^lb oder 521) wurde, gleich der Vesla , bei Ivildar 
eu>iges feuer unterhalten, ein geilochtner zäun umgab 
e« , welchem manner nicht nahen durüen; es anzublasen 
^var nur mit bälgen gestattet, nicht mit dem munde. ^) 
sciae erzengung ist nicht angegeben. 

Wir haben nunmehr von einem andern feuer zu bmir 
das zwar nicht durch reibung Itervorgebraoht , son* 
dera auf die gewöhnliche weise entzündet wurde ^ von 



') Fr. Majer mythol. tasclienb. 1811 p. liO. 
**) nec tu aüu4 Ve»taoi quam yipam iuteilige ßammam, Ovid. 
fcit 6, 2yü. 

***) nadi der finnischen mytlie fiilt dss tob den gdttem erzeugte 
^er in knanela herab zar soe, wird von eioem lach« Tarscbloo* 
ira «ad beroaeft voa den maosehen im gefangaen fiieli gefaadea. 

tWap. 6 — 22. 

t) Pliilustrat heroic. p. 740. Weickers triktgie p.a«T. 848. 
tt) Acta aaaclor. caiead. fahr. p. 



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OSTBRFBUBR 



dem oster f euer und JoJiannisJeuer ^ Jcrca gebiaucU m 
das lieideiilUiiin zurückgelil. 

INlöglich Ware, dals ancli diese feuer urspriindicli 
iiolfeuer waren, dal's weui^.sioiis die liberliefening beider- 
lei arten nicngle. der galisclie tincgiu wird am erslcu 
iiiai, das dciilsclie notreiierf nach Lindcubrog, auf Jo* 
bannis bereitet, jälirliclie icuerfeste iialteo daoii die ei- 
genüiche bestimmung gehabt, das lieüige eleoicnt d«a 
menschen füi.* da« laufende )ahr zu erneuern. 

Die Sitte, dieser jaLrlichen feuer erstreckt sich weit 
über Deatscblaad biuaus io das übrige Europa« nicbt od* 
wichtig ist es wabrsu nehmen , dai's sie im nordlichea 
Deutschiaiid auf ostern^ im südlichen auf JohAnnie statt- 
finden, dort bezeichnen sie des friilijalirs eintritt, hier 
die inille des sommers (sonnenwcnde.) Ganz Niedersach- 
sen , AVeslfalcn und TSiedei licsscn , wahrscheiubch auch 
Frit^laiul, Jiilland , Seeland kennt oslerteuer; am Rlieiii, 
in Ti aiiken, Thüringen, SdiwabeUi Baiern, Ostreich, Schle- 
sien «gelten Johannisfeucr. 

Üsterjeuer. in allen stadten , flecken und dürfern 
des landes vrird gegen abend des ersten (suweiien dritten) 
oslertags auf bergen und Itügeln ein grofses feuer aas 
•troh, Wasen und holz unter Zulauf und frohlocken des 
Tolks jährlich angezündet, an der Weser, znmal im 
Schaumburgischen pÜegt man ein theerfafs auf einer Stroh« 
urawundnen tanne zu befestigen, und es in der nacht 
zu entzünden, knechte, niiigde und wer dazu kommt ta»^ 
zen jubelnd und singend um die Hamme, hüte werden ge- 
8<b\\enkl, lüchcr in das feuer geworfen, alle gebirge 
ini umkreis ieuelilen. an einigen orten zog man mit wn- 
Ibcn Stäben auf den berg, slinunte cluibllichc osterlieder 
au, und schlug beim halleluia die stiibß zusanunen.*) 

Für diese ignes pasehales kenne ich kein zeugnis 
Über das 16 jh. hinauf: sie müssen aber weit älter sein, 
schon des gegensatzes zu den Johannisfeuern halber, welche 
in den noiden Deutschlands nicht eindringen konnten, weil 



•) .Toll. Timeu?» vom ostorfcuer. Ilanib. 1590, witflor nh^edr. 
hinter Rt!i.>ke vom iiülhicuer; LctzatTs historia S. BonilHcii. Hilde*b. 
1602. 4. cap. 12; Leukfeld aotiq. gan(ieri»ii. p. 4. 5; Eberb. Darisff 
benchr. der (taueosteiner) Saala 1744. 2, 9ti; harob. mag. 9«, SOi 
(1762); haoaöv. mag. 1766 p.916; Ratlilefa Uiepliolx. Bremen 
9y 36 — 4a. Dragur VI, 1, 35 la Danemark helfet das o»tfrfeu<T 
)a€uiehlu9f patukehlust i ob es in Schweflcn gcUräucliluii Ist, »t-Ü* 
icli nicht. Glaus Ma^niiü 15, 5 behauptet scaiidiunvlMhe Johanue»- 
feuer. auflAllender » dad »eiUt in Kuglaad kein«) »pur vua oateriea«r. 



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man hier an den oslerfeuerti liicng. da 01111 die Johanoia» 
feil er mit der clirisUiclien kirclie eher susainmeiihliogen als 
die osterfeuer» so Ist es niclit ungereimt, diese noch auf 
den caltna der heidnischen Oatara zu beziehen » wel- 
che mehr siichslsche und angUschcy als eine im übrigen 
Deutschland verehrte gottheit gewesen zu sein scheint, 
ftren namen und ihre feuer verlegte man« nach bekell- 
ning der Sachsen, auf das christliche fest.**) aus der 
osltrkerze, die an demselben tag in der kirclie entzün- 
det wurde, lassen sich die gebirgsfeiier des volks schwer- 
lich ableiten : zwar Bonifaciiis ep. 87 (W ürdlw.) nennt sie 
ignis paschalis ***), und solcher osterlichter geschieht 
noch im 16 jh. nieldung. -[-) Bedeutender ist die feuer 
und sehe ff er weihe auf osterabend, deren Jäger (Ulm p. 
521) gedenkt. 

Joliannisfeuer, ff) in unsre^ alten spraclie 'wird 
die festlichate )ahrszeit| vro die sonne ihren gipfei erlangt 



*) zu s. 181 hole ich nach, dafs mir ostara und das alt^Uv. 
utrotutrie^ sloveo. y<z//e, berb. pulii. jutro, hohm. giiro daaselbe 
wort scheiat. die slav« aiudrficke l>edeaten morigen; den Sorben Ist 
aber Jutry aoofa estero, den Iftnebnrger Wenden Jiutroh go&troi oalera 
Eccard bist. stud. etym. 277. nad Juglers wb., diese letzte form hat 
völlig das ST dea deutüchen worts. sloven. juter fiiza, polii. jutrzcnka 
nlorgell^terll ; jutnbog der niorgengott. dem littb. ou.szra nior;»c»- 
roibe , ouszri/ine niüreeiistem mangelt dHs T, duii slav. ausdrücken 
das S der «knitscbeii; das lat. aurora , «;riecb. (irfjiov haben auch 
l^iu T, gleich jenem N idu^^ollii eütrogotlii. ähnlich verlialten lidl 
lat Mrors3«<Mor, UttJi. «tfMÜ» gotb. suUitür^ sIftT. tastrtu tollte 
6ttara ferirandt «ein mit Vesta und *£srUt^ Byde (de rel. vet Pen.) 
will in uäta, vo»th\ avesta den begrif von feuer fiiideu: ob dies an* 
Isisig ist oder nicht, mäiuen wir erst vou Burnouf lernen. 

*') Letzner a. a. o. sagt, nachdem Bouifacius zwischen Brun- 
stein und Wibbrechtsbausen den heidnischen gotzen Reto (er konnte 
an Bedas Rheda erinnern) gestürzt, habe das vi»lk auf diesem Ret- 
berg 'am ostertage, mit der sonnen Untergang, nocJi bei meu^clieQ 
gedenlceu , das oaterfmw gehalten , welches die alten bocksihorn go- 
neiraen.* am rande Ist wieder sein gewahnmann der verlome Conra- 
dst Fontanns (oben s. 129.) "Wie dns osterfeuer selbst sn der be« 
neanung bochdorn kommen aoll, Ist schwer eiasoseben; so heirst 
sonst eine stände oder pflanze, die rnayuAuv&a^ unser heutiges tra- 
gant. wurde bocksdorn in die osterflamme geworfen? wie in da« Jo* 
bauüisfeuer bestimmte kräuter. 

***) mirkwürdig, dals eiiiij^e behaupteten, die osterkerze sei 
durch brennspiegei oder cbrystalle angesteckt worden (Serarrius ad 
epiit. Bonif. pag. 343) ; gleich jeaem feuer der Yestn. 

f) Praas Wenels be«chreibong des pibstllehen gottesdtenstes In 
Strabnnd (Enhs pomm. denkw. p. 183. 184.) 

if) beste abh. ist: Franc. Const. de Khaats de ritu Igais in aa« 
lall S.Joaaais bapt accensi. Vindob. 175». 8. 



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350 



JOHANNIäFEUER 



hat lind nun wieder lierabslnk^n iniifs, sunneweride 
(solsüliuiu) gcaaniit , gewolmlicli in dor pliiralform, ^vcll 
dieser liolie sland clor sonne mehrere tage aniialt: 'zc ei- 
nen euncwendeii^ xSib. 32, 4; zen ufekstea sunewenden^ 
Nil). 1424, 4; \Vi^. 1717 1 'vor disen suncwendca' ^^ib. 
^70, 3. 694, 3; 'ze sunnevirendca. Trist. 59vS7; *an 6iui(^ 
•\Tcndea abent ]\ib. 1754) 1; auch Iw« 2941 würde ich 
die leaart 'ndch den «unnewenden* vorsieheii. *) hkt» 
mit Johanniitag xtisammentrifty heifseii jene leuer in ober- 
deutschen urk; de» 14. 15 \h. »untufentfeuer ^ Munbentr 
fewr "^^^ und nodi jetzt unter dem östreidu und beir. 
yotk Bunäwetsfoir ^ MunwMtsfeuen Die betchreibnngcD 
dor Johannis sliinmen zu denen der osler Feuer; einige« 
abweichende wird sich ergeben. Zu Gernsheim (im main- 
zischen) wird das eulziimklc fcuer von dejn planer iic- 
segnel , iiiul solange es brennt, gesungen luul geheteU 
erlischt al)i r d^e ilnn>me, SO springen die kinder ulyet 
die o /i/nnie/i(len koJile/i ; chmals thaten es auch die er- 
waciisiuMi. Rei^ke a.a.O. p. 77 sagt: 'das feuer wird un- 
ter freiem hiinmel angemacht, vom jungen und gemeinen 
Volke darüber gesprungen, allerhand kraut darein ge- 
Uforjen : gleich ihm möge alles ihr Unglück in feuer und 
rauch ^ufgehn» An ^tlich^n orten steckt man nachts am 
den kamniern laternen an und bekleidet sie mit kiaprosen 
oder klatschen, damit ein heller glans entstehe.' Za 
Mürnbei^ betteln die buhen holzscheiter zusammen , fah- 
-yen sie an den bleichervreiher beim sptttehhor, zSoden 
sie an « und wenn dos holz lurennt , springen sie darär 
her, man erhält dadurch gesundheit aufs ganze jähr (vgl 
abergl. 918.) sie laden aucli vorübergehende zum sprungt 
ein, die ebige krcuxer liir die erlaubnis izobon. Am Jo- 
hannisabonde wurde allenthalben lustig Uber die soN/ien" 
wendefetter gesprtingen , und dabei muste meih st in, 
eiiniu i t sich IJonis ans seiner ingend flesefr. 1, t-^n.") Zw 
Kbingen in Öchwaben L'(k Iite mau erbsen am culziinileleii 
feuer» welche aufbewahrt und bei qiietschungen und wun- 
den heilsam erachtet wurden (Schmid Schwab, id. 167); 
vgl. das koclien beim notfeuer (s. 346.) Greg. Strigem- 
tius (geb. 1548 f 1603) in einer auf Johannis gehaltneo 
predigt, die £cc. fr. or. 1, 425 anfuhrt, bemerkt, das 



*) ßr ze snanewendea beifst es aacb *tu mngßhtw, Sdieffos 
Hsltaas p. 109. 110. 

**) Hnhn monum. 2, 693. äulQera berJcfatigiuigeii. Müacbsu U^'i 
p. 107. (a. 1^1.) 



oiyiii^uü üy VjQOQle 



l0HANNISF£(jEA 4151 



^olk (in Meifsen oder Tliüringcn) iahze timl $ingä Vih 
die JökanniBfeUät s einer liab^ ein pferdehaupt id die 
ßatrme geivorjen^ und dadurch die hexen swingen 
lirotteDy von deih feher föi' sidi 2u hdlen. 8eb. Frank 
im -weltfoüch 51^: ^en S.Jdhto8tag mlidien at ein ^imti-^ 
feuer^ tragen aneh d^en tag 8undei<e hrtftit ähF, iteift 
nicht ans \<ra^ aberglaitheti , von hei fuß tftid eisentMfii 
geniatlit, iiml hat schior ein jeder c/a/ h/aii kraut, rit-^ 
tcrsporii genant, in der Jiand : welches dardiirch. in 
das feuet sihet , dem ihut dis ganz jalir kein aiig wcli; 
wer vom feiir lieim zu haus weg wW gelni, der wirft 
dis sein kraut in das feitr, sprei lioiule , 'es t;e}i liinweg 
und wcrd verbrennt mit di.«cfii kraul al niciii migliirk.' *) 
In frühem Zeiten nahm al)er auch die feine weit an die- 
sen freudeo feuern theil, fiirslen tind k^inige. des Petr. 
Herp ann. francoF. crzälilen ad a. 1489 (Senkenh. ael. 2y 
22): 4n vigüia S« Job. bapt. rogus ingens fuit factos ani9 
domum consulum in foro (francofurtenaij, fueruntqae 
innltft vexHla depicta posita in stmem lignorum et vexfllom 
regia in supremo positinn, et circ^a ligna rami virente» 
poaiti, fidtque mugna chorea domintrum rege inspiciente.' 
Zu Augsburg sundete 1497^ in kaiaer Maximilians gegen- 
irart, die schOne Susanne Neitbard dlis Johanidafeuer 
mit einer faciel an, und machte dann auerst den reigen 
um die flamme an Philipps hand.''^'^'') In einer münclnier 
nrk, von 1401 wird berechnet: *umb gras und knecliten, 
die dy pank ab dem liaws auf den margt trugen an 
der snnhentnacht, da herzog 8le[)han u. sein gemacliel 
Und das frawel auf dem margt tanzten mit den ])nr- 
geriuen bei dem sunbentfwr.^***) im ). 1578 liei» dür 



*) am 20jun. 1653 erliefs der rath zu Kurnber^r folgendes man- 
dat: Demnach bifäiiero die erfalirung bezeugt, dafs alter heidnischer 
böser irewobaheit nach jährlichen an dem Joliannestag aof dem land, 
towol Iq städteo ab dorfern TOn Jungen hüten geld and hol« gesamt 
Ut and darauf das sogenaat eonnenwendi oder ximmetsfeuer angezün- 
det« dabei gesecbC o. getntakea, um solch /euer gedanzetf darüber 

gesprungen , mit anzünciunf^ f;eu'isser kräuter und blumrn ^ und 'f^- 
clunf^ der hratid aus solc/wtu ftuicr in die feJdi'r^ un^i sonsten in 
ti»*Urkiwejr allerlinnH nbergläuhisclie werk getrieben worden — als * 
hat ein ü. ratii der stadt Nürnberfi: nicht unterlassen 5(>ller> nocfi 
koanen, solche nad andere Ungeschicklichkeiten, abergläubische nnd 
bddaiscbe werk nad gefahrlicbe fear bei bevefitebenden- Job. tag abzu- 
Mdleif. (neuer l(t au. 180t. p.S18.) 

**) Gasseri ami. angifiit ad a. X4M^ Tgl. Rankaa rdnan. u. germ. 
Volk. 1, 102. 

Sataer» bericbtignagen p. lOT. 



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352 



JOilANNU>F£ü£a 



herzog vüii Liognhz Joliannlsabends ein freudenfener auj 
dem Kynaat halten, wobei er selbst mit seioeni liof sii^ 
gegen war (Schweinichen 1, 347.) 

Ausfiihrliclicr ist die beiclireibung det Jobanimfeuers 
im iabr 1823 Koos, einem Jothringtsch^ , aber deut- 
schen dorf an der Mosel, uuvvail Sierk und Thionville. 
jedwedes haus liefert ein gebund ttroh auf den gipfel d<f 
Strombergi, wo sich gegen abend manner und bursdie 
versammeln; Irauen und mädchen atod beim btirliaGbir 
Brunnen aufgesteUL nun wird ein nüicJUigea rad deigc- 
stalt mit Stroh bewunden , dafs gar kein bolz mebr aa 
sehen ist, und durch die mitte eine starke, zu beidea 
seilen drei fufs vorstehende stange gesteckt, Avelche dii* 
leaker des l ads erfassen ; aus dem iihrigen 8truli hiüdet 
man eine menge kleiner fackeln, auf ein vom niairo zu 
Sierk (iler nach altem brauch daiiir einen kuib kii-scheii 
enij)f;ingl) gegebnes zeichen erfolgt mit einer Fackel die 
any.ündniig des rads , das nun schnell in bewegiing gesetzt 
wird. jul)elgcschrei erhebt sich, alle schwingen fackeln 
in die iult, ein theil der mäuner bleibt oben, ein tbeil 
folgt dem rollenden, bergab zur Mosel geleiteten feuer- 
rad, oft erlischt es vorher; gelangt es brennend in die 
flut, so weissagt man daraus gesegnete Weinernte ^ und 
die Konser haben das recht von den umli<(genden weta- 
beigen ein fuder weifsen weins au erheben, wlihread das 
rad vor den trauen und mädchen vorüber lauft, brechen 
sie in Ireudengeschrei aus, die münner auf dem beig ant* 
Worten; auch die einwohner benachbarter dorfer habm 
sich am ufer des llusses eingefunden, und miöcheu ihre 
Stimmen in den allgemeinen jubel. ') 

Ebenso sollen iahrlicli zu Trier die metzgcr ein jener' 
rad vom gipfei des Paulsbergs in die Mosel hinabgtlas" 
sen haben.**) 

*) dei sotiqmires de Fr. 5, 383 — 886. 

•*) zur ermncrunpc nn »ieii einsiedier Paulus, welclicr um A\e 
mitte des 7 jli. von dem (jebemiaber*^ bei Trier den gölzcn Apol!« 
in die M»)>ci gestürzt habe, meint der verf. des niifsatzes übtr Ko»^ 
p. 387. 388. Wenn liierfür Tritliem de viris illu.>tr. ord. S. Beii€<1. 
4, 201 gewähr leistea soll, so fiade idi wenigstens p. ISS der opp. 
pia et spirit ' Mognat 1605 aar» dsfs Psultis Trier gegeafiber wC 
den Cebeaea wohnte und dieser nach ihm mons Psaii beaaaat werde; 
▼OD Apoll und dem feueriad kein wort, ob die cülner ausg. dc^ 
buclis de vir. illustr. Ben. von 1576 mehr entlialt, l<ez\veille ich. denn 
auch das compendium aniial. de ori^. Frnncor. unter Ciodoveus (Da- 
goberts suhu) sagt nichts mehr und nichts wenij^er, de»;:!, die aita 
sanctor. unterm 8 febr. p. 170, die acta licned. s* c. 2. p. 268 — Ji»^ 
Uäd üruMcrs annai. trev. lib. 7. p. 416 (Coloü. 1626.) 



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JOHANNISFBÜER 8S3 

Die abte der Joliannisfcuer und räder lo Frankreich 
bezeugen schon schnfteteller des 12 and lSjh.| Joh. Be* 
leüiy ein pariser thealogi der nm 1162 eine snmma de 
divinis oificiis sdirieb^ und Wilh. Durantis, geb. unweit 
Besiers in Languedoe nm 1237, gcsl. 1296 » der bekannte 
verr. des ratioiiale divinor. oific.*) in jener summa (gedr. 
JStt DHIingen 1572) cap. 137. fbl.256 und daraus entlehnt 
im laliüiiale Hb. 7 cap. 14 licifst es: 'feruntur quoque (in 
feslo Johannis bapt.) hrandae seu faces ardentes , et 
fiiint igfies^ qxii signiiicant eanclum Johannem, ((ui fuit 
himen et iucerna ardens praeccdens et praecursor verae 
hicis ... rota in quibusdam locis volvilury ad sigiiilitan- 
dum, quod siciit sol ad alliora eui circiiü pervcnit, nec 
altius potest progredi, scd tunc sol descendit in circulo, 
sie et fama Johannis^ qui putabatur Clirlsttis, descendit| 
secundum quod ipse testimonium perlubct dicens: me 
oportet minui ilium antem dresccre.^ Weit iüter ist das 



- In grofsen Stedten, wie Paris , Mets und vielen äli«» 
dem^ wurde der Scheiterhaufen noch im 15. 16. 17 )h« 
aaf älTentlichem plats vor dem räthhaus errichtet, mit 
lanb und bltmien geschmückt, und von dem maire seihst 

angezündet.**) Viele, besonders siidlidie gegenden haben 
die gewohnlieit lieuto bcibeliallen. Zu Aix, zu JNlarseillc, 
werden auF Johannistag alle strafsen und platze gereinigt, 
das landvolk trägt frühmorgens blumen in die sladt, je- 
dermann kauft sich, alle liauser sind mit blumen ge- 
schmückt , denen heilsnnie kraft, wenn sie vor sonnen- 
fiufgang gebrochen ^vurdcn , beigelegt wird: 'aco sonn 
dherbas de San Jean.' einige dieser trauter wirft man 
in die flamme^ Und- die {ungen leute springen darüber^ 
vorbeigehende werden mit sundem tind versteckten schlan- 
genfeuem genedkt, oder mit wasser aus den fenstern be- 
sprütst und heschüttet« in den dürfem reitet man auf 
«Sehl und mSulem» angebrannte iannenzweige in der 
band tragend****) 

An vielen orten tr^ man Von deti äUägegtiihten 
hranden und hohlen mit nach haus: es sollen heilsame, 
ja zauberhafte Wirkungen davon abhängen (fran«# abergl. 
27. 30. 34.) 

In Poitoii springen sie dreimal um das feuer^ 



*) geschrieben 1286$ tgl« lib. 8 pan 9 cnp. 8 de epactÜ. 
•) nn^m. de racsd. celt. 2, 77. 78. 3, 447. 
'*) MiUia vejr. dSas le midi. 9ö. 841—345. 



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a54 JÜÜANKISFEUEa 

einen nnfszweig in der hand (nu'm. des anriq. 8, 451.) 
Iiausvalcr slreilVii inil einem hl}s( htl wolikraut (houillon 
blanc) uud einem ntijshatttniaithast durch die Hamme, 
beide werden naclifier Uber die t/iiire des vielistalis be* 
festigt \ ^välirend die jngend tanzt und aiogt, legen siih 
greise von der kolile in ihre liulzscltulie| «U achuUniiHd 
gegen un/ahlige übel (das. 4, HO.) 

Im d^partement des liautes pyn^mfes wird am 1 nui 
von jeder gemeinde der höchste und schlanieie basm 
ausgesucht, auf den bergen eine fidite oder tanoe, in 
den ebenen eine pappel; .nachdem alle äste abgebanca 
sind, schlägt raan eine anzalil fufslauger keile hinein iumI 
hewalirl ihn bis zum 23 iuni auf. unlerdesseu spaltet er 
sich rauteniörmig wo die keile eiugeschlageu sijid, und 
wird nun auf einen berg oder hügel gewälzt und gelragen, 
alsdann erlheilt ihm der priester den segen , man ranmjelt 
ihn in die erde und setzt ilin in Hammen (das. 5, 387.) 
Der Johaimiöfeuor in lliiiiland ucdeiikl Slrnll *) : h'iv währ- 
ten bis zu nütteruacht (nach midbummer ove), oft bis zum 
hankrat» die jugend tanzte uai die ilanune bekränst mit 
mothertvort (mutterkraut) und uenrnne (verbena), vml" 
o/ten in den h&nden* 

Italien kannte ohne xweifei in mehrmi g^enden Jo» 

hannnisfeuer; au Orvieto nahm man sie von dem verbat 

andrer ieuer aus»*^) Für Spanien mag eine stelle aus don 

romance de Giiarinos (silva p. 113) vielleicht zeugen^ 

vsnse dias, Tieiien dias, ?enido eia et de sant Juan^ 
dMMle Cbristiasos y Moros hasen gm soloaidads 
los Christianos eckan junda^ y los Moros arroyhan^ 
los Judios ecban eneat^ por la fiesta oias livurrar. 

hier ist des feuers geschwiegen/*^) aber gesagt, dals die 
Christen binseHf die Mohren myrten, die Juden sdiflf 

*) the Sports ond pastimes of tlie people of En^and by Joifl^ 
Stmtt. new edit. by William Hone. Lond. 1890 p. 359. 

**) statuta orbevetana n. 1491. 3, 54: quicun(|iie aiiie ütvotM 
oflicialiä fecerit igiieni i» all(|na iVstivitato de iiocte in livitate, i« 
XL 8oh denarior. puiiiatur, iM t-nta l'es(i\ itale S. .loliannis l»R| t. de 
meose jouii, et qui iu illa iiocte iuratusi iuerit \t\ ali:>tuictit iigua vcl 
tabubtf alterfns In IIb« den. puniatiir. 

***) bestimoiter redet daron um das J. 1510 Martlaos de 
canonkas voo Panipeluna, in seiner abhaodL de sopentitSoeibas (tisct. 
tmctatuom ed. logd« 1544^ 9« 13»): cum in die S. .loaaaia pvuptcf 
Jucuoditatem niulta pie agunttir a fidt'ülius, pnta puUatio ci<in|>Kinrtftn 
et i/f/i^^ jucuntlildtis ^ sifuiiiter äuiiiiiio maiie exoiint nd t uili;;cii 
herbaa odorit'eais et optimns et mediciiiales tx »uh natura et e\ |>lcin- 

tiidiiie virtuturn prupter tenipitü quidHüi ignes a,.ceiuluui in c*>n»- 

pitia viaruuj, ia agrM, ue iude ^oilikgae cl aialcücae illa P<H:te 



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JOHAIiMISFl^UER 



.'trcticn ; und das werfen von blumen und kraul Iii die 
Jlaninie scheint der leierliclikeit wesentiieh, Vgl. beifuls, 
eisenkraut, riltersporn (8.351) Avollki'ant und nufslatich 
{.'«. 354.) daher die samlung solcher Johanniskräuter in 
Ociiiscliland (abergl. 157. 189. 19o) und der S.Hana ur- 
Ur in Dänemark (abergL 126) wie in Frankreich (abergU 
4.) Nach Ca«p. Zeumer de igue in fbsto 8. Johannis ac- 
ceodi aoUlo, Jenae 1699, wurde an diesem tag das krant ("A^- 
dfm(i) soi^sam gesucht und über den t hären aufgehängt. 

In Griedienland entzünden abends vor Johannis die 
weiber ein feuer und rufen darüber springend ans : icli 
lasse meine sündcn. In Serbien liält man ilalür, das lest 
sei so Jielir, dafs die sonne dreimal vor ebrfurdit still 
srehe.*) den Vorabend binden die hirlen birkenrinde zu 
fackeln und umschreiten mit den brennenden zuerst schaf- 
liürden und ochsenzäune, dann steigen sie a///* die berge 
uod lassen sie verbrennen (Vuk s. v. Ivan dan.) 

Bei diesen feuern mui's es noch im hühem grade 
zweifelhaft sein, als bei der msserlustration (8.a28. 332), 
ob sio heidnisclien oder christlichen iirspnuigs waren, die 
kirche hatte ate schon sehr frühe sich angeeignet, und, 
wie Beleih und Durantis darthun, auf Joliannes gedeutet; 
einigen theil nahm die geisllichkeit an der feier, obschon 
diese nie ganz in ihre bände iibergicng, sondern ^vescilt- 
Jiih von der welllicheu obri^keit und dem vülkc selbst 
geleitet >vurde. 

Paciaudi **) mülit sich zu zeigen, dafs die Johannis- 
feiier nichts mit weit älteren lieidnischen feuern zu schaf« 
fcn haben und aus dem geist des christlichen gottesdienstes 
htnror gegangen seien. 

VMos. 18, 10 und II Paralip. 28, 4 wird des heid- 
nischen gebrauchs erwähnt, eÖhne und- töc/iter durch ein 
feuer ge/m za lassen« «Theodoret, bischof zu Cyrus 
(t458) bemerkt, in beuehung darauf, zu IV Reg. 16, 3: 
Mbp vag tv %ifn nfA^mv äna^ tov ^tovs Iv rttfs 
ftX^tefuiQ anTOfiivag nvgcig xnl ravr ctg nvag vticq- 
aXXojiif vovs Kui ;c7;d\övTa(: oii /tnrov :rcci^aQ «AA« 
«cfi (irffgag. rd rff f^n/ff i; 7iuou iiöy fi)jriüu)v rra- 

transittim faciant, ut j>ro[>nM oculis vidi, alif herhas collcctas 

10 die S. Joüiiiiis /i/,'^ contra fui;;iira , toiiitrua et tenipe^tates 

CWduiit dui» funiigaliiMiilxi.s MiTere dacmoiieH et tenipe.stated. 
•) wie sie auf oateni diei»nal «pringeu soll (ü. 182.) 
**) de ailto S. Joliaoals baptbtae. Romae 1755. dlsieft 8 

28* 



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356 (PALILIA) 



rgomaa/nos elrat xai 'AclOuoüig,*) er sagt nur ^ilIiS}fl> 
licli', ohne angäbe tlcs lags, der uns zeigen würde, oh die 
silte von Koni aus nach Syrien verpllauzt war. nm 21 
april, dem tage seiner slilUaig, feierle Rom die pci/il/cn, 
ein uraUes liirlenlesl, zu ehren der Pnles, einer müuer- 
Hellen gollheit, die an Ceres und Vesla erkioert/*) diese 
zeit fällt nicht mit der Sonnenwende, wol aber mit der 
des osterfeuers zusammen; doch der ritus selbst, das sprin- 
gen über die flamme , das treiben des viefas durch die 
glut ist gans wie bei dem Jokannisfeuer und notreoer. 
aus Ovids Schilderung im vierten buch der fasli GOm iA 
nur einige zeilen an; 

727. certe ego transilui positas ter in ordine flammas. 

781. uioxque per ardentes atipulae crepltantis acenH)s 

trajicias celeri slrenua nienibra pede. 
795. pars quoque, quum saxis paslores saxa feribaut, 

scmtillani subito prosiiuisse lerunt: 
prima quidcm periit; slipulis exccpla sccunda est, 

hoc arginnentum Jlamtna paliiis liabet. 
805« per Jlammas saluisse pecits, saluisse colono^i 

quod £t natali nunc quoquei Koma, luo. 
die flamme war tos den hirten aUs dem stein gesdUageii, 
und in Strohhalmen aufgefangen worden ; indem sie duich 
dieses feuer sprangen, glaubten sie sich au sühnen, sa 
reinigen I und ihre heerde vor allem übel su bewahraiy 
Dafis hinder von den müttem in die glitt gelegt War- 
den seien, v?ird hier nicht ersShli; man weife, dafs Ce- 
res den Säugling Demophoon oder Triptolem, um ütat 
Unsterblichkeit anzueignen, wie Tlielis den Achilles, fif< 
feuer legte.***) Dieser feuercullus scheint in C'auaan, 
Syrien, Grieclienland und llom cigenlhümlich verhrcilet. 
ohne dafs man befugt Aväre, ihn irgendwo für eullclml 
imd übertragen zu lialleu. Es ist daher scliwer zu be- 
stimmen^ aus welcher quelle später die Christen scbupf- 
ten, um ihn auf ihr oster und Johaimisfest anauwendeo, 
oder bei noch andern veranlassungen, schon der canon 
65 des concils vom y 680 enthält ein verbot dieser aber- 
gläubischen feuer zur seit der neumonde: wg h fo^ 



*) opp. ed. Sirmoad, Par. 164ft. 1, 

**) da BaU» aoeb näanlidi vorkoainit, so erianert er sa 

sla?. Urteagett ross. Folos^ bdlim. // eles. 

***) vgl. das abcrglaabiiclie Tilium in /ornaetm ponere, pro 
iiiüite febfiaia\ oad ^poaera ia&ateai juxia ign€m\ (abergl. tiv* 



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9^al W9g %§nd %6 ed'og »qx^^^^p inr/efQovatp, dno 
nuf^PTOG %a%m^iy^&i^ui nfiofftd^voiuer* damals wnrdo 
vntereagt was man bsmach wenigstens am Joliannestag 
duldete I nnd auf gewisse weise mit kirchlidiea ein- 
riditungen verband. 

Wäre nan auch das beinahe allgemein in Europa yer^ 
breitete JoJiannisfeuer j gleich dem Johannisbad , su* 
nSchst Yon der kirchc ausgegangen, und hätte sie es in 
llalieu unuiitlelbai' von den römischen palilien her liber- 
kunnnen ; so folgl noch nicht, dafs unsere oster/euer 
ini uördUchcn Deulscliland eine blol'se niodification der Jo- 
hannisfeuer sind, sie können geradezu aus feuern des ein- 
heimischen lieidenthnms hergeleitet werden, dafür spricht 
die Verschiedenheit des festtags, vielleicht auch ihre rohere 
form, bei dem ostecfeuer ist berg und liügei wesentlich, 
das sonnwendfeuer wurde häufig auf markten und in stra- 
ften angexiindet« des springens durch das £suer, der blu- 
nen und kränze, finde ich bei jenem kaum gedacht. 

Ich daz€ nicht unerwiQint lassen, dais Terschieden^ 
lieh auf Weihnachten und in- der fastenxeit^ wie auf ostem 
ond Johannis I feuer angesmidet wurden, la Frankreich ^ 
ist noeh heute die souche de nael oder das trefui üblich 
(6w». ebergl. 1. 28.), für Deutschland weise idi die 
gleiche silte bereits aus dem 12 jh. nach. in einer 
urk. von 1184 (Kindl. nuiust. beitr. II urk. 34) heifst es 
von dem pfarrer zu Ahlen im Münsterland: et arborem 
in nativitate domini ad fealivuni ignetn suum adducen- 
dain esse dicebat. Seb. Frank (weltbuch 51*) gibt fol- 
gende fastnaclitsgcbräuche aus Frankenland an : 'an andern 
orten ziehen sie ein feurinen pflüge mit einem meister- 
lichen darauf gemachten feur angezündet, bifs er zu trüm- 
BMrn feli (vgl. oben s. 163.) item, sie Hechten ein alt U'O- 
g0arad voller strow, tragen es auf einen hohen, gehen 
bsigy haben darauff so sie vor kelte mögen bleiben, den 
Ssnsen tag ein guten mut, mit vilerlei kurs